Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Schweden, Finnland, Svalbard, ...

Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon gudrun55 » Di, 10. Jul 2018, 21:51

Hallo Ronald,

das ist ja mal wieder ein sehr interessanter und bemerkenswerter Bericht, den du da einstellst,

ganz herzlichen Dank dafür - und ich hoffe, deine Arthrose hat sich inzwischen gebessert! :D

liebe Grüße! gudrun55
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » Sa, 14. Jul 2018, 13:24

Hallo, Danke Gudrun, es wird langsam.
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 13
Mittwoch, 18. Juni 2014 – Island: Akureyri


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AMADEA in Akureyri mit dem 1.300 m hohen Hlídarhryggur

Bereits um 08.00 Uhr erreichten wir nach der Durchfahrt durch den Eyjafjord unser erstes Ziel in Island: Akureyri. Da wir hier einen Ausflug zum Goðafoss und zum Museumsdorf Laufás gebucht hatten, hieß es heute wieder etwas früher aufstehen. Im Anschluss an den Ausflug sollten wir Gelegenheit haben, uns ein wenig in der Stadt umzusehen. Daher ging es zunächst auf zum Museumsdorf Laufás. Eigentlich fahren wir nicht so gerne mit dem Bus, aber, da wir auch gerne etwas mehr von Island als „nur“ die Küste sehen wollen, blieb uns keine andere Wahl.

Los ging’s um 09.00 Uhr mit einem deutschen Guide, der nunmehr in Island lebt und wie er uns erzählte sich hier sehr wohl fühlt.

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Ringstraße Nr. 1

Während der Fahrt nach Laufás über den Hringvegur, die Ringstraße 1, erzählte er anschaulich – aber nicht nervig, das können einige Guides auch ganz gut, wenn ich nur an die „jolkende“ Dame auf unserem ersten Hurtigruten-Ausflug zum Nordkapp denke - - über das Leben in Island aber auch über die Entstehung des Museumsdorfes.

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Laufás Hof

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Laufás Hof und Kirche

Der Torfhof wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut, die Kirche 1865. Erwähnt wurde die erste Kirche hier bereits 1047, also kurz nach der Christianisierung des Landes.

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Älter als die Kirche ist die sehr hübsch bemalte Kanzel von 1898.

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Laufás Hof mit dem 662 m hohen Berg Laufáshnjúkur

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Interessant war die Bauweise der Häuser: Die Vorderfront war aus Holz, die Seiten und Rückwände aus getrockneten Torfballen gebaut.

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Auf dem Giebel eines der Häuser war ein geschnitzter Eidererpel zu sehen, ein Hinweis auf die Brutkolonien der Eiderenten, deren Daunen nicht nur zu jener Zeit begehrt waren, sondern auch zum Einkommen der nicht gerade mit Reichtum gesegneten Kleinbauern beitrugen.
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Nach etwa einer halben Stunde Besichtigung innen und außen – wobei die meiste Zeit damit verging, dass man wartete, um ein Motiv ohne Mitreisende zu bekommen, ging es durch die grüne Landschaft zum Goðafoss. Bisher hatten wir in Island – lang, lang ist’s her – im Juni 1996 den im Süden Islands gelegenen Gullfoss gesehen. Nun waren wir auf den zweiten Wasserfall gespannt.

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Der Goðafoss und der Skálfandafljót

Schon gegen 11.00 Uhr erreichten wir den nicht sehr hohen, aber dennoch imposanten „Wasserfall der Götter“, denn der Sage nach – und davon gibt’s viele in Island und viele sind auch schriftlich belegt – soll um 1.000 n.Chr der isländische Häuptling Þorgeir beschlossen haben, dass sein Volk das Christentum annehmen als Staatsreligion annehmen soll. Es heißt, dass er die alten Götterbilder in den Wasserfall geworfen haben soll, um zu beweisen, dass die alten Götter keine Macht mehr haben. Damit soll der Wasserfall zum „Götterwasserfall“ geworden sein.

Wer aber weiß, dass ein mehr oder weniger großer Teil der Isländer auch heute noch an Elfen und Trolle glaubt, wird der zweiten Version mehr Glauben schenken. Demnach soll der norwegische König Olav, der ja die Christianisierung in Norwegen vorantrieb, angedroht haben, kein Holz mehr nach Island zu liefern, wenn sie nicht den Göttern abschwören sollten. Auf einer Thingsitzung soll dann beschlossen worden sein, mit dem Wurf der Götterbilder in den Wasserfall ein Zeichen zu setzen.

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Goðafoss und Skjálfandafljót

Der Goðafoss ist zwar nur 12 m hoch, aber durch seine Hufeisenform eindrucksvoll. Er wird gespeist vom 180 km langen Skjálfandafljót, der im nordwestlichen Teil des Vatnajökull entspringt. „Skjálfandafljót” bedeutet so viel wie der „Zitternde“, da es hier in diesem Landesteil häufiger zu Erdbeben an der Tjørnes-Bruchzone kommt. Die Fallkante entstand vor etwa 8.000 Jahren.
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Nach einem kurzen Besuch im Souvenir-Shop und den auch hier nicht reichlich gesäten Örtlichkeiten ging es zurück nach Akureyri. Dort sollten wir am Botanischen Garten stoppen. Allerdings war uns nicht nach botanischen Gärten, sondern einer Tasse Kaffee, auch dieser Garten die erste öffentliche Parkanlage Islands war und 1910 entstanden ist. Später sollten wir erfahren, dass dieser botanische Garten nicht der nördlichste in Island ist.
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Übrigens: Wenn ich schreibe IN Island und nicht AUF Island, dann liegt der Unterschied darin, dass sich die Isländer nicht gerne als Inselbewohner sehen. Und das, obwohl immer wieder geschrieben wird, dass Island flächenmäßig der zweitgrößte Inselstaat Europas ist und die größte Vulkaninsel der Erde.
Und ich schreibe IN Island, weil ich IN einem Staat bin!
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Nun aber zurück nach Akureyri und unserem Kaffee-Stopp. Hier genossen wir nicht nur den Kaffee, sondern auch andere Besucher, nicht nur die, die von unserem Schiff kommen, sondern auch von der ebenfalls im Hafen liegenden AIDAcara und einen der Guides von diesem Schiff der doch allen Ernstes „Two coffees mit Milch“ bestellt. Wir konnten uns vor lauter Prusten kaum halten.

Nach dem Stopp am Botanischen Garten ließen wir uns in der Stadt absetzen, was andere Passageire auch machten. Su mussten wir nicht erst vom Schiff wieder zurücklaufen.

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Zunächst standen wir unterhalb der Akureyrarkirkja, die 1940 gebaut und von einem isländischen Architekten entworfen wurde.

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Wir besuchten die Haupteinkaufsstraße, die Hafnarstraeti mit ihren bunten Häusern. Die viertgrößte Stadt Islands machte auf uns einen interessanten Eindruck. Sollten wir noch einmal nach Island kommen, würden wir diese Stadt wohl sicherlich ausgiebiger angucken wollen.
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Hier, in der Hafnarstraeti, trafen wir auch einige der philippinischen Besatzungsmitglieder, die vor der Buchhandlung Eymundsson saßen und das – in Skandinavien fast überall übliche – freie WLAN nutzten, um mit ihren Angehörigen auf den Philippinen zu sprechen.

Aber Eymundsson ist mehr als nur ein Buchladen: Café, Treffpunkt, kleine Leckereien, Schreibwaren, Souvenirs – geschmackvolle und weniger geschmackvolle. Auf jeden Fall sind die Eymundsson-Treffpunkte ein Besuch wert, gleich ob hier oben kurz unter dem Polarkreis, in Reykjavik oder in anderen kleinen Orten Islands.
https://en.wikipedia.org/wiki/Eymundsson

Meine Frau hatte wieder ein kleines Erlebnis:

„Auch hier wundern wir uns erneut über eine unserer Mitreisenden, wie sie selbstverständlich die Kassiererin auf Deutsch anspricht. Pech gehabt, das klappt hier nicht.“

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Wir bummelten langsam zum Schiff zurück. Am Sportboothafen trafen wir auf eine kleine „Eiderenten-Familie“ mit vier Küken im Schlepptau.

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Am Hafen lag das Kultur- und Konferenz-Center „HOF“. Das runde Gebäude ist wirklich eine gelungene architektonische Attraktion, die weit entfernt von unserer derzeitigen deutschen „Lego-Architektur“ entfernt ist. Das 2010 eröffnete Gebäude ist mit dunkelgrauen Basaltplatten verkleidet. Hier finden regelmäßige Ausstellungen sowie die unterschiedlichsten Musik- und Theatervorstellungen statt – in einer Stadt mit gerade einmal 18.500 Einwohnern. Im HOF befindet sich die Touristeninformation, ein sehr gutes Restaurant direkt am Wasser sowie ein Geschäft mit sehr mit sehr geschmackvollen isländischen Kunstgegenständen und Strickwaren. Bei dieser Auswahl sollte man das „Nicht-Einkaufs-Prinzip“ beherrschen: Hände in die Hosen- oder Jackentaschen, auf- und abspringen und Pfeifen, dann kann man nämlich nichts kaufen, wenn die Versuchung zu groß sein sollte.

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Über die Strandgata bummelnd waren wir am späten Nachmittag wieder am Schiff angekommen. Zwischenzeitlich trafen auch die Ausflügler von der Walbeobachtung wieder ein. Hier im Eyjafjord war die Chance Wale zu beobachten sehr groß – dies sollten wir bei anderer Gelegenheit erfahren.
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Um 18.00 Uhr hatten wir wieder unsere Ausgucks- und Beobachtungsposition auf Deck 11 eingenommen. Natürlich interessierte mich, wie Kapitän Flohr sein Schiff von der Pier brachte. Und Kapitän Flohr hatte mittlerweile mitbekommen, dass ich seine Manöver jedes Mal beobachtete und so schickte er auch heute einen „Kopf-Nick-Gruß“ nach oben. Netterweise warnte er uns auch, wenn er beabsichtigte das Typhon zu betätigen, denn wir standen ziemlich nah davor. Und wer einmal vor so einem Typhon stand und es plötzlich dröhnte, der weiß, wie schmerzhaft das Geräusch sein kann.

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Auf dem Nordufer des Eyjafjord konnten wir den Austritt eines hydrothermalquelle beobachten. Faszinierend, wie aus den grünen Wiesen weißer Dampf auftaucht. Da dieser Rauch oder Dampf von dem heißen Wasser oben unterhalb der Straße herrührte, war es kein „Weißer Raucher“, wie es in diesem interessanten Artikel beschrieben wird:
https://de.wikipedia.org/wiki/Raucher_(Hydrothermie)

Meine Frau schrieb über die Ausfahrt:

„Langsam fuhr die „AMADEA“ durch den Eyjafjord dem Meer entgegen vorbei an grünen Wiesen, verstreuten Häusern, kleinen Leuchttürmen und hohen Bergen. Dann nach dem Abendessen, wir haben es uns gerade in der Vista Lounge bequem gemacht, Walalarm. Das hält uns natürlich nicht auf den Sitzen. Nichts wie raus!

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Buckelwale im Eyjafjord

Und wirklich: Jede Menge Buckelwale tummeln sich am Fjordausgang. Das ist ja Wahnsinn. Wir wissen gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollen. Grandios! Auch wenn sie ziemlich entfernt ihre Auf- und Abtauchspiele spielen, sie sind dennoch ganz gut auszumachen. Auf jeden Fall sind die Eindrücke atemberaubend.

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Buckelwale im Eyjafjord

Inzwischen haben sich die üblichen Verdächtigen mit ihren Kameras auf Deck 11 versammelt. Gemeinsam beobachten wir das Treiben der Tiere. Es ist unglaublich schön! Ein gelungener Abschluss dieses Tages.“

Fortsetzung folgt.
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » So, 15. Jul 2018, 14:09

Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 14 - 1
Donnerstag, 19. Juni 2014 – Island: Von Grundarfjörður rund Snæfellsnes nach Búðir und Arnarstapi


Von Akureyri nach Grundarfjörður sind es über die Straße etwa 411 km und man würde etwas über 4 Stunden (ohne Pause) benötigen. Wir hingegen benötigten auf der AMADEA 19 Stunden, denn der Kurs führte um den Nordwesten herum, die Region Vestfirðir oder Westfjorde, und die Strecke betrug 270 sm, also 500 km.

Und da es morgens noch neblig war und sich die Küste nur ab und an zeigte, konnten wir auch noch etwas in der Koje bleiben, denn die Frühstückszeit in „unserem“ Restaurant Amadea war bis um 11.00 Uhr, also sehr menschenfreundlich.

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Gegen 12.00 Uhr liefen wir in den gleichnamigen Fjord ein und an Backbordseite zeigte sich die schroff aus dem Wasser herausragende Brimlárhöfði, etwa 300 m hoch.

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Etwas später passierten wir den markanten Berg Kirkjufell, der immerhin 469 m Höhe aufwies. Dieser keilförmige Berg wurde durch die eiszeitlichen Gletscher geformt, als er als Solitär aus den Gletschern herausragte und so regelrecht abgeschliffen wurde.

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Unterhalb des Kirkjufell steht der kleine rechteckige Leuchtturm: Krossnes. Er wurde 1926 zusammen mit zwei anderen Leuchtfeuern in Betrieb genommen. Dieser nur 9,3 m hohe Leuchtturm hat aber eine Tragweite von 13 sm und dient als Leitfeuer in den Fjord. Mit seiner markanten orangeroten Farbe hebt er sich signifikant im Sommer gegen die grüne Wand des Kirkjufell und im Winter gegen den weißen Schnee ab.

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Genauso markant waren einige kleinere Höfe auf dem Kirkjufell zu erkennen.
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Von Grundarfjörður startete unser zweiter Ausflug auf Island, der unter dem Titel „West-Island entdecken“ stand und zu mehreren, wie wir später feststellten, sehr schönen, teilweise spektakulären Landschaften und Aussichten führen sollte. Bereits 1996 hatten wir einen kurzen Ausflug auf die Halbinsel Snæfellsnes, die „Schneeberghalbinsel“, unternommen und waren fasziniert von „Iceland in a nutshell“, also Island in Miniatur.

Da wir wegen der Größe des Schiffes nicht an der Pier festmachen konnten, wurde getendert. Leider wurde es immer düsterer und es fing an zu regnen, so dass die Fahrt durch die Mondlandschaften noch gespenstischer wirkte, als sie vielleicht gar nicht war (?). Aus den Mooslandschaften ragten schwarze Lavaköpfe hervor und man meinte Trolle und was weiß ich nicht zu erkennen.

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Der Snæfellsvegur, die Straße 54, war teilweise eine Schotterstraße. Die Erfahrung auf Schotter zu fahren, haben wir auf einer späteren Reise gemacht und man muss schon sehr aufpassen, dass das Auto nicht ins Schlingern gerät, besonders beim Übergang von Asphalt auf Schotter. Deswegen ist dort auch Tempo 50 km/h vorgeschrieben.

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Erster Stopp war die kleine Holzkirche Búdakirkja aus dem Jahr 1848. Die erste Kirche wurde hier 1703 gebaut. Sie stand bis 1816. Die jetzige Kirche ist eine der ältesten Holzkirchen in Island.

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Die Kirche ist sehr stimmungsvoll bemalt. Sie steht heute unter Denkmalschutz.

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Meine Frau beschrieb den Eindruck wie folgt:

„Da sich jetzt die ganze Busladung in die Kirche wälzt, halten wir uns erst einmal zurück, bis das Gedränge abebbt und wir den in ihr befindlichen Flügelaltar von 1750 mit dem Bild des auf Holz gemalten Letzten Abendmals bewundern können. Die Schlichtheit der nordischen Kirchen beeindruckt uns jedes Mal aufs Neue. Ganz allein sind wir jedoch leider nicht. Einer unserer Mitreisenden schiebt sich rücksichtslos dazwischen, ohne zu beachten, dass wir gerade fotografieren und filmen. Solche Zeitgenossen lieben wir besonders.“

Búðir war bis etwa 1930 ein wichtiger Handelsplatz. Heute stehen hier nur noch die Kirche und ein nettes kleines Hotel, das im Stil eines ehemaligen Steinhauses von 1836 gebaut wurde.

Da es jetzt nur noch etwas nieselte, hatten wir Gelegenheit, die kleinen Schönheiten der Natur etwas genauer unter die „Linse“ zu nehmen.

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Löwenzahn

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Kleine Regentropfen haben sich an den Grashalmen gefangen.

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Wie Perlen hingen diese Tropfen am Felsen-Ehrenpreis.

Wir hatten nach dem Besuch der Kirche Zeit, zum Strand hinunterzulaufen …

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… und stapften durch ein 5.000 Jahre altes Lavafeld, …

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Der Strand hier in Búðahraun ist aber nicht dunkel, wie an den anderen Lavastränden, sondern mehr orangebraun. Es sind von Steinbeißern zerkaute Muscheln, die sich hier angesammelt haben.

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Das Lavafeld Búðahraun steht seit 1977 unter Naturschutz, da es eine für Island ungewöhnliche Flora aufweist, nämlich ca. 130 verschiedene Pflanzenarten.

Mehr Informationen über Búðir und die Umgebung kann man hier nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BA%C3%B0ir
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Etwas „angenässt“ stapften wir durch das Lavafeld zurück zum Bus, denn das nächste Ziel lag vor uns: Arnarstapi, das Fischerdorf mit seinem Vogelfelsen.

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Der Vogelfelsen von Arnarstapi

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Brütende Möwen am Vogelfelsen

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Die erodierte Steilküste bei Arnarstapi mit vielen Höhlen und Felsentoren ist auffallend schwarz.

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Die Lava aus dem Vulkan Snæfellsjökull verformte sich nach dem Erkalten zu Basalt. Jetzt zeigte sich die See ruhig. Wie muss es hier wohl tosen bei starken Winden und entsprechendem Wellengang?

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Seit dem Mittelalter befand sich hier am äußersten Westen der Halbinsel Snæfellsnes ein Fischereiplatz und zur Zeit des dänischen Handelsmonopols waren hier bestimmte Höfe den Handelsplätzen zugeteilt. Der jetzige Hafen mit der Mole wurde 1944 hier gebaut.
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Von hier aus sollte eine Wanderung entlang der Klippen nebst Islands größter Seevogelkolonie zur Steinfigur „Bardur Snæfellsás“ gehen, die wir jedoch wegen der Beinprobleme meiner Frau nicht mitmachen konnten. Das war dann auch gut so, denn es fing nun an zu regnen, was runter wollte. Wir fuhren mit dem Bus zurück und tranken in einem kleinen, aber gemütlichen Campingplatzrestaurant Kaffee.

Als wir aus dem Café herauskamen, war der Bus weg. Er standoben bei der Steinfigur. Allerdings war der Weg dorthin nicht ungefährlich, denn wir wurden von zwei Küstenseeschwalben mit aggressivem Geschrei regelrecht „angegriffen“. Da die Küstenseeschwalben stets den höchsten Punkt angreifen, hielt ich meine Kamera mit ausgefahrenem Teleobjektiv in die Höhe. Meine Frau machte dabei noch zwei Fotos dieser Vögel.

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Mit diesen spitzen Schnäbeln mochten wir lieber keine Bekanntschaft machen. Letztlich erreichten wir den Bus unversehrt. Auch den Kameras war nichts passiert. Auch die Wanderer erreichten den Bus – tropfnass.


Fortsetzung folgt
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Badener1972 » So, 15. Jul 2018, 14:38

Also Ronald, alle Bilder die ich bisher von Euch gesehen habe sind richtig klasse und wunderschön. Ihr habt da scheinbar das Auge für das richtige Motiv zur richtigen Zeit.
Herzlichen Dank für´s teilen dieser schönen Eindrücke!

Gruß, Wolfgang.
Badener1972
 
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » So, 15. Jul 2018, 15:56

Danke Wolfgang für die netten Worte!
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 14 - 2
Donnerstag, 19. Juni 2014 – Island: Djúpalónssandur und zurück nach Grundarfjörður - Auslaufen

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Nach Abfahrt von Arnastapir bot sich noch ein toller Anblick auf ein großes Lavafeld bei Starpa.

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Gegen 16.30 Uhr erreichte unser Bus den Parkplatz vor dem Djúpalónssandur. Da wir immer noch nicht „gut zu Fuß“ waren, blieben wir oberhalb des Sees Djúpalón und bestaunten dessen türkisgrünes Wasser …

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… und entdeckten einen Troll in einem Lavafeld. Seht Ihr ihn auch?

Leider konnten wir den durch einen Lavaausbruch entstandenen dunklen Strand nicht sehen.

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Aber schon die Umgebung ist märchenhaft skurril durch die verschiedenen Lavaformationen.

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Die Bucht Dritvik unten am Strand war früher eine wichtige Station für den Fischfang. Ich konnte nachlesen, dass von hier aus mehr als 60 Schiffe zu ihren Fangfahrten starteten. Hier sollen bis zu 400 Menschen gelebt haben – heute ist die Gegend menschenleer.

Mehr Informationen zum Djúpalónssandur findet man hier:
https://just-iceland.com/de/island-djupalonssandur

Dann lasse ich wieder einmal meine Frau zu Wort kommen, natürlich wieder mit einem „Passagiererlebnis“:

„Ein steiler, schmaler, sehr unebener Weg führt hinunter zum Strand. Da traue ich mich unter den gegebenen Umständen nicht hinunter, anders als ein etwa 80-jähriger Mann, der den Weg unbedingt mit seinem Krückstock bewältigen will. Es steht extra im Programm, dass einige Wege für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht geeignet sind. So viel Leichtsinn kann ich nicht mit ansehen und gehe lieber den Weg zum Aussichtspunkt hoch. Von oben sehe ich spielzeugkleine Menschen herumwuseln. Reste von Bootswracks sind zu erkennen, die an der wilden Küste zerschellt sind. Regen fällt wie ein feiner Vorhang und durchdringt alles, was nicht unter meiner Regenjacke verborgen ist. Ich kann die Kamera gar nicht so schnell trocken wischen wie sie wieder nass ist. Es ist fast unmöglich vernünftige Fotos zu machen. Die Ergebnisse sind demzufolge auch nicht gerade berauschend. Da setze ich mich doch lieber wieder in den trockenen Bus.“

Anmerkung: Die Wrackreste stammen von einem 1948 hier gestrandeten Trawlers.
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Wir fuhren zurück nach Grundarfjörður, denn selbst der geplante Abstecher war wegen des Regens und der Sichtverhältnisse nicht möglich. Das war aber einigen Mitreisenden unverständlich. Man hätte doch wenigstens mal rauffahren und gucken können … Na ja, wer so denkt. Und so beließen wir es und konnten den „Eingang zum Mittelpunkt der Erde“, wie im Roman von Jules Verne beschrieben eben nicht sehen, denn der Krater des Stratovulkans Snæfellsjökull soll ja der Eingang sein. – Vielleicht später einmal.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Reise ... t_der_Erde

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Rückfahrt über den Útnesvegur 574

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Unterwegs begegneten wir vier Reitern auf den Islandpferden. Wie wir lernten, sind es keine Ponys, sondern eben Pferde. Und wird so ein Islandpferd dann exportiert, darf es wegen der Rassenreinheit nicht wieder nach Island zurückkehren.

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Bei Ankunft sahen wir, dass sich eine ziemliche Schlange von Rückreisenden gebildet hatte, denn drei gleichzeitig angekommene Busse haben diese Warteschlange ausgelöst. Da es regnete, durften wir noch im Bus bleiben. Da die Crew eine „Teestation“ aufgebaut hatte, holten sich einige Passagiere diese heiße Stärkung.

Kaum war ein Tenderboot weg, drängten sich die Massen wieder auf den Steg, um möglichst schnell an Bord zu kommen. Warum? Klar doch, es war mittlerweile 18.00 Uhr, der Beginn des Abendessens.

Das ist übrigens ein Phänomen, was wir bisher auf jeder Reise beobachten konnten, gleich ob mit der FRAM oder den Hurtigrutenschiffen entlang der Küste: Zu Beginn der Essenzeiten, meistens schon bis zu 30 Minuten vorher „stauten“ sich die Passagiere vor der Restauranttür. Es könnte ja sonst nichts mehr geben …

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Nach gut 20 Minuten stiegen auch wir aus dem Bus aus, denn es nieselte nur noch und so schauten wir noch einmal in die Nebenstraßen von Grundarfjörður …

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… wie hier im fast menschenleeren Ort.

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Aber Regen und Nässe schaffen auch schöne Bilder, wie diese glänzenden Lavasteine, die den Wegesrand verzierten.

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Wir nahmen schließlich das letzte Boot ohne, dass wir uns drängeln mussten und fuhren – am Heckfänger SOLEY vorbei …

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… zur am Anker liegenden AMADEA

Meine Frau hat wieder etwas aufgeschnappt, als wir im geschlossenen (!) Tenderboot zurückfuhren:

„Es regnet jetzt wieder etwas mehr, was eine Frau dazu veranlasst, während der Fahrt im Boot ihren Schirm aufzuspannen. Hat die Angst um ihre Frisur?“

Zur Abfahrt aus Grundarfjörður – natürlich mit Auslaufmelodie und Babystimme – rissen die Wolken etwas auf und das Zusammenspiel Wolken, blaue Flecken, Sonn und Regenbogen zauberten ein unglaubliches Lichtspiel für uns. Da ich meine Kamera zum Abendessen mitgenommen hatte –es war mittlerweile nah 20.00 Uhr – schoss ich beiden Anblicken nach draußen aufs Deck, um die Stimmungen einzufangen.

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Kirkjufell und Regenbogen

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Grundarfjörður

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Mittlerweile war auch meine Frau mit ihrer Kamera gekommen und einige, wenige Mitreisenden haben wohl dieses Naturschauspiel mitbekommen und standen mit uns auf Deck 11.

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Kirkjufell – Krossnes light - Mýrarhyrna - Brimlárhöfdi – Grundafjördur

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Kirkjufell und Krossnes Leuchtfeuer

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Verið þið sæl! Grundarfjörður – Auf Wiedersehen!

Das war natürlich ein traumhafter Abschluss eines nassen, wenn auch interessanten Tages.

Nächstes Ziel war Reykjavik.

Fortsetzung folgt.
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » Mo, 16. Jul 2018, 15:54

Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 15 -1
Freitag, 20. Juni 2014 – Island: Parfümgeruch und Schwefel: Geysir


Heute ging es sehr früh aus der Koje, denn wir sollten uns bereits um 07.20 Uhr in der Atlantik-Lounge treffen, um gemeinsam zum Bus zu gehen, die nämlich nicht direkt am Schiff warteten. Offensichtlich geriet ein Mitreisender in Panik, dass er keinen Sitzplatz mehr im Bis bekommen würde, denn er stieß mich ungestüm zur Seite. Da kann man nur mit einem Lied von Jürgen von der Lippe antworten: „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid Ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so schlecht geschlafen, na, dann ist ja alles klar.“

Aber es ging noch weiter.

Zum Bus waren es mindestens 10 Minute zulaufen – in einem missmutig gelaunten Tross bei leichtem Regen. Eigentlich hatte ich schon keine Lust mehr und wollte umkehren.

Als wir an unserem Bus ankamen, waren nur im hinteren Teil zwei Plätze zu bekommen. Zudem war dieser Bus im Vergleich zu den bisherigen recht eng. Die Luft war stickig, die Lüftung noch nicht eingeschaltet. Zu allem Überfluss saß vor mir eine Frau, die offenbar den halben Inhalt ihrer Parfümflasche versprüht hatte: Mir verschlug es wirklich den Atem und ich versuchte woanders einen Platz zu bekommen. Ich machte natürlich entsprechende Bemerkungen, was mir missmutige Blicke anderer Reisenden eintrug. Was soll’s? Irgendwie hat die Frau das wohl auch so aufgefasst, dass sie vielleicht den Platz tauschen sollte, was sie beim ersten Stopp auch tat.

Leider war auch die isländische Reiseführerin nicht das, was man sich wünschte. Die Erklärungen waren in einem sehr schlechten Deutsch und dazu mit stockender Stimme und manchmal unverständlicher Aussprache nach Worten ringend, versuchte sie uns isländische Kultur und Natur nahezubringen. Ein Glück, das wir schon vorher in Akureyri und Grundarfjörður gute Führer hatten, die uns schon sehr viel von dem, was uns hier wieder vorgetragen wurde, erzählt hatten.

Das konnte ja ein heiterer Tag werden!

Von Reykjavik fuhren wir auf der Ringstraße 1, dem Suðurlandsvegur, zunächst nach Südosten. Gegenüber 1996 fielen uns die vielen Bäume auf, die wir 1996 nicht gesehen hatten. Wir erfuhren, dass die isländischen Regierungen seit 1998, insbesondere unter der Premierministerin Jóhanna Sigurðardóttir, ein Aufforstungsprogramm gestartet hatten, so dass wieder zahlreiche kleine Haine zusehen waren, wie zum Beispiel hier beim Geothermalgebiet Hveragerði.

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Auffallend waren, wie damals, die vielen Lupinenfelder. Aber, Obacht, die Lupine ist keine einheimische Pflanze. Sie stammt aus Nordamerika und wurde 1945 nach Island gebracht, um die Bodenerosion zu stoppen.

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Mittlerweile hat sie sich über die ganze Insel ausgebreitet bis ins Hochlandhinein. Das wiederum birgt die Gefahr in sich, das die einheimischen Moose und Pflanzen überwuchert werden.

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Zwischenzeitlich wird versucht die Ausbreitung zu stoppen und sie wieder auszugraben. – Aber schön sieht es aus, wenn man durch die blauen Felder fährt, im Hintergrund die dunkle Lava und die hellgrünen Moosfelder.

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Überall um Hvergerði dampft und zischt es. So ist es dann auch kein Wunder, dass die Isländer sich diesen Dampf auf vielfältige Weise zunutze machen. Die Stadt ist bekannt für ihre Gewächshäuser, die mit Erdwärme beheizt werden und so Gemüse und Obst, insbesondere Tomaten, angebaut wird.
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Gegen 10.20 Uhr kamen wir dann nach zweieinhalb Stunden Fahrt im Geysirfeld im gleichnamigen Ort Geysir an. Schön vorher konnten wir die Dampfwolken über das Land ziehen sehen. Hier hatten wir Zeit, um uns die verschiedenen blubbernden und dampfenden Öffnungen und Schlote anzusehen – und zu riechen, denn es riecht nach Schwefel! Um Gegensatz zu dem morgigen Geruch ist dieser angenehm, obwohl es ja nach faulen Eiern riecht.

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Überall wird auf Schildern darauf hingewiesen, dass das aus dem Boden blubbernde und fließende Wasser heiß ist, bis zu 100°C !!!

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Nur gut, dass wir zahlreiche Baumwolltücher dabei haben, um unsere Kameralinsen stets trocken zu halten, denn neben feinem Nieselregen zogen ja die feuchten Dampfwolken über das Feld.

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Die Farbenvielfalt hier war unbeschreiblich: Grüne Wiesen, bunte Blumen, rotes und schwarzes Lavagestein, dazu grünliche und gelb-orange Ablagerungen von Schwefel und anderen Mineralien.

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Überall sahen wir Risse und Dampf. Und dann standen wir vor dem großen „Butterfass“, denn das wäre die Übersetzung für den großen Geysir Strokkur.

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Alle 8 – 10 Minuten schoss der Strokkur bis zu 35 m in die Höhe. Er ist der aktivste Geysir in Island.

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Natürlich drängten sich alle um Strokkur und warteten, die Kamera schussbereit in die Höhe haltend, auf dessen Fontäne.

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Am besten ließ sich die Fontäne betrachten, wenn man etwas weiter weg stand. Erstens hatte man nicht die drängelnde Menschen neben sich und zweitens konnte man einen Dampfwolkenschauer vermeiden, wenn man die Windrichtung beachtete, wie auf dem Foto oben ersichtlich.

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Nicht immer waren aber die Fontänen so hoch. Wenn man dann in den „Pausen“ etwas näher an den einen oder anderen Geysir trat, bot sich ein faszinierender Einblick „in die Erde an“.

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Und wir standen ehrfürchtig vor dem, was man Natur und Naturschauspiel nennt, wenn man das wabernde heiße Wasser vor sich sieht.

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Wir warteten noch ein zwei „Ausbrüche“ ab und schlenderten dann über das große Feld …

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… besuchten zum Beispiel den „Litli Geysir“ …

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… und andere „Kochtöpfe“

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Wir bewunderten die reiche Flora, die hier ungeachtet des wirklich heißen Bodens kräftig wuchs und blühte. Ja, wir haben die Hand auf den Boden –neben- eines solchen Topfes gelegt, es war wirklich heiß.

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Noch ein Blick auf den sprudelnden Smiður …

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… und auf das weite Geothermalfeld mit seiner bunten Flora, bevor wir in das Restaurant zum Essen gingen.

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Am Eingang zum Bistro konnten wir unsere Island-Kenntnisse auffrischen.
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Nach dem Mittagessen und einem sehr netten Tischgespräch mit einem österreichischen Paar stromerten wir durch den Souvenirladen, um nach geeigneten Mitbringseln für unsere Nachbarin zu suchen, die während unserer Abwesenheit auf unser Haus achtete. Auch das war erledigt und nach zwei Stunden Aufenthalt ging es weiter.

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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Kumulus » Di, 17. Jul 2018, 8:57

Eine schöne Fortsetzung mit phantastischen Bildern, Ronald.

Ich denke, Island ist schon außergewöhnlich und etwas ganz besonderes. Und vermutlich hat man den Schwefelgeruch auch nach Jahren immer wieder in der Nase, wenn man an solche Erlebnisse denkt.

Aber dann die vielen Touristen !!! Wie war das noch? "Nimm die Menschen, wie sie sind - es gibt keine anderen"!

Danke für deine/eure Mühe mit dem Teilhaben.

Gruß
Martin
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » Di, 17. Jul 2018, 15:23

Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 15 -2
Freitag, 20. Juni 2014 – Island: Gullfoss - Þingvellir

Nach nur kurzer, 10-minütiger Fahrt durch den dichten Regen erreichten wir den Gullfoss. Jetzt fragten wir uns, ob die nasse Wand vom Regen oder schon vom Gullfoss kam. Die Lösung war einfach: Es war der Gullfoss, wie auf diesem Foto zu sehen ist.

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Gleichwohl war es beeindruckend zu sehen, wie das Wasser über die beiden, rechtwinklig zueinander stehenden Kaskaden jeweils 11 bzw. 21 m in eine 70 m tiefe Schlucht fiel.

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Da es nunmehr heftig regnete, machten wir nur einige Fotos und ließen anderen Leuten den Weg über die glitschigen Holzbohlen machen, denn wir wussten, wir würden irgendwann wiederkommen. Nicht nur irgendwann, wir hatten ja bereits mit unseren Mülheimer Freunden eine Reise mit der FRAM von Norwegen nach Island für den Mai 2015 gebucht.

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Hier konnten wir – etwas entfernt – die 70 m tiefe Schlucht des Flusses Hvíta erkennen, durch den Gullfoss gespeist wird.

Meine Frau hat dann die Fakten über den Erhalt des Gullfoss und die Gefährdung durch ein englisches Kraftwerksunternehmen zusammengefasst:

„Dass es diesen Wasserfall überhaupt noch gibt, ist einer Frau zu verdanken, die sich gegen das Vorhaben eines englischen Unternehmens stemmte, das den Wasserfall aufstauen wollte, um ein Elektrizitätswerk zu bauen. Die Gesellschaft hatte den Wasserfall zu diesem Zweck gekauft. Das gefiel Sigríður Tómasdóttir überhaupt nicht. Sie kämpfte so lange mit Hilfe eines Rechtsanwalts und späteren Präsidenten von Island Sveinn Björnsson dagegen an, bis der Wasserfall an den isländischen Staat zurückgeführt wurde. Das war um 1920. Seit 1979 steht er unter Naturschutz.
Eine Gedenktafel erinnert an diese mutige Frau.“

Übrigens, wer den Gullfoss tatsächlich als Goldenen Wasserfall sehen will, sollte diesen Link anklicken: https://de.wikipedia.org/wiki/Gullfoss

Kaum am Bus angekommen, hörte der Regen auf. Macht nix. Weiter ging es zur dritten Natur-Sehenswürdigkeit des sog. „Golden Circle“, ein MUSS für jeden Island-Neuling: Þingvellir und die Almannagjá, die Allmännerschlucht.

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Etwa hier kam 930 n.Chr. das erste isländische Parlament, der Althing, zusammen. Warum gerade hier? Es heißt, dass zur Zeit der Besiedlung Islands, also zum Ende der Landnahme durch norwegische Wikinger, Reitpfade aus allen Teilen Islands zusammenliefen.

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Ab etwa um 930 wurden hier einmal jährlich im Juni für zwei Wochen die Versammlung Althing abgehalten, eine Versammlung, die bis zum Jahr 1798 stattfand, als die Dänen diese auflösten.

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Es ist damit eines der ältesten Parlamente der Welt. Zudem wurde hier die Christianisierung Islands beschlossen (s. oben: Goðafoss). – Später wurde 1944 hier die Unabhängigkeit Islands ausgerufen.

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Und jetzt wurde mir auch klar, warum diese Flagge Islands gezackt ist, denn Island verfügt ja nicht über Streitkräfte. Während in vielen Staaten die Flagge der Streitkräfte gezackt ist, stellte diese Flagge in Island die Staatsflagge dar, während die isländische Nationalflagge eben nicht gezackt ist. Und jetzt ist mir auch klar, warum die Staatsflagge hier an diesem Ort gesetzt wurde – übrigens, eine Frage, die mir seinerzeit die Reiseführerin auch nicht beantworten konnte.

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Mehr Informationen dazu gibt es hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Flagge_Islands

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Nun aber zu einem wirklich faszinierenden geologischen Ort: Die Almannagjá, die Allmännerschlucht. Hier hielt der Bus, um Mitreisende abzusetzen, denn von hier aus sollte eine Wanderung durch diese Schlucht erfolgen.

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Wir blieben aus bekannten Gründen leider im Bus und stiegen erst oben am Nationalparkzentrum aus. Þingvellir wurde 1930 zum 1000-jährigen Jubiläum des Althing zum Nationalpark erklärt und2004 wurde der Nationalpark UNESCO-Weltkulturerbe.

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Diese Schlucht kann man getrost als Grenze zwischen Europa (rechts) und Amerika (links) bezeichnen, denn hier treffen die eurasische und die amerikanische Krustenplatten aufeinander.

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Vor etwa 9.000 Jahren gab es an dieser Stelle nur eine Lavaebene. Durch die Bewegung der Krustenplatten entstanden Risse und das Tal begann sich abzusenken. Die Platten bewegen sich auch heute noch um 1-2 cm pro Jahr auseinander.

Wieder ein Erlebnis meiner Frau:

„Am Aussichtspunkt von Þingvellir angekommen, müssen wir als erstes ein dringendes Bedürfnis befriedigen, das sich als recht kompliziert herausstellt, denn das dafür vorgesehene Gebäude ist hochmodern. Wer keine Isländischen Kronen hat, kann mit Kreditkarte bezahlen! Das wird streng überwacht. Keiner kommt ohne Bezahlung durch. Und so versuchen wir unser Glück am Kreditkartenautomaten, der nach erfolgter Zahlung die „Eintrittskarte“ ausspuckt, die als Türöffner für die Schranken dient. Nicht so bei uns. Der Automat streikt. Nun ist zum Glück eine Aufsichtsperson da, die bei solchen Unwägbarkeiten hilft. Seelenruhig öffnet sie den Automaten, stellt fest, dass die Eintrittskartenrolle leer ist, geht genauso seelenruhig zu den beiden Schranken, schaut dort nach, ob die Kartenrollen dort auch leer sind, was der Fall ist, und beginnt dann langsam und bedächtig die Automaten mit Kartenrollen zu bestücken. Nach 10 Minuten ist es endlich geschafft, wir können unsere Karten lösen und durch die Schranke gehen. Eilig darf man es hier nicht haben, sonst geht das schief. Das hat sich auch wohl ein Mann gedacht, der kurzerhand über die Schranke springt und bei den „Herren“ verschwindet. „You have to pay first“, ruft die Aufseherin dem Mann hinterher. Doch der hat es ziemlich eilig. „I pay later“, ruft er zurück, und ward nicht mehr gesehen. Sowas kommt von sowas.“

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Nun machten wir uns auf, um die Spalten und die erkalteten Lavaströme näher zu bestaunen – voller Ehrfurcht, wieder einmal, denn hier kamen wir uns als Menschen ganz, ganz klein vor.

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Vom Aussichtsrundweg aus geht der Blick über den größten See Islands, den 83 km2 großen und 114 m tiefen Þingvallavatn sowie auf die kleine Kirche von Þingvellir.

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Gegen 14.00 Uhr mussten wir uns auf den Rückweg machen, denn es stand noch ein Programmpunkt auf dem Ausflugsplan: Perlan in Reykjavik, die Perle.

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Perlan ist ein Aussichtspunkt auf einem 61 m hohen Hügel. Die Kuppel steht auf sechs großen, jeweils bis zu 4 Millionen Litern fassenden Wassertanks, in denen das 85 ° heiße geothermale Wasser gespeichert wird. Damit wird ganz Reykjavik mit Wasser und heißer Energie versorgt.

Im Perlan befinden sich Museum, zwei Restaurants, ein Souvenirgeschäft und ganz oben eine Aussichtsplattform.
Als wir ankamen entluden sechs Busse ihre „Ladung“, weitere Busse warteten auf Rückkehrer. Entsprechend dicht war das Gedränge. Nichts für mich. Meine Frau wagte sich angesichts des Andrangs an den Fahrstühlen ganz vorsichtig über die Treppe nach oben. Zitat: „Nun ja, der Rundumblick über die Stadt ist schon schön, man hat aber nichts verpasst, wenn man ihn nicht sieht.“

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Von unten konnte ich noch ein kleines Panorama von Reykjavik einfangen …

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… und auch von der Hallgrimskirkja, der größten Kirche Islands, deren Bau 1945 begann und 1974 durch die Fertigstellung des Kirchturmes beendet war. Hierzu mehr in einem anderen Bericht.

Damit gingen dieser Ausflug und unser Island-Besuch zu Ende. Wie gesagt, die nächste Reise war gebucht.
Um 17.00 Uhr ertönte noch einmal die Auslaufmelodie und die Babystimme meldete sich, dass der nächste Hafen – Überraschung – „Helgoland/Deutschland“ sei. Boaah, sooo viele Inseln würden wir dann angelaufen haben.

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Ein letzter Blick auf die kleine, ehemalige Klosterinsel Viðey und schon waren wir wieder auf dem Atlantik.
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Abends fand in der Atlantik-Lounge die Crew-Show, die wir uns allerdings nicht entgehen lassen wollten, waren wir doch schon immer recht angetan von den Künsten und Fähigkeiten der philippinischen Besatzungsmitglieder, wie auf der FRAM. Und nun wollten wir mal sehen, was diese netten und immer sehr freundlichen Besatzungsmitglieder uns bieten würden.

Wir bekamen einen Platz in der ersten Reihe und so konnte ich, wie versprochen, Fotos von den Besatzungsmitgliedern, d.h. in diesem Fall den Künstlern, machen, denn ich hatte ihnen versprochen Kopien auf einem Stick zur Verfügung zu stellen. Irgendwie schien das einer Frau hinter uns nicht zu gefallen mit der Bemerkung, ich würde mich zum Affen gemacht haben. „Nimm die Menschen wie sie sind …“.

Auf jeden Fall war es eine tolle Show, die es sich absolut lohnte anzusehen.

Fortsetzung folgt.
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » Mi, 18. Jul 2018, 13:22

Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 16 -1
Sonnabend, 21. Juni 2014 – Auf See und der Inselhöhepunkt: Helgoland


Der Sonnabend war ein Seetag – nichts Besonderes, außer weiter Blick und das Wasser beobachten. Vielleicht gesellte sich ja doch ein Delphin oder ein anderer Meeresbewohner zu uns und kam an die Oberfläche? Keine Chance.
Dafür begannen wir schon einmal unsere Kleidung zu sortieren und „vorzupacken“. Auch die Fotos wurden gesichtet und schon zum Teil aussortiert.

Am Abend gingen wir wieder in die von uns bevorzugte Vista-Lounge.

Meine Frau schrieb:

„Zu unserer Freude entsteht eine lange, interessante Unter-haltung mit Kellner Roman. Wir erfahren etwas über seine Heimat Philippinen und sein Leben dort, wir erzählen von unserem Leben in Deutschland. Auch der zweite Kellner, Jeffrey, gesellt sich dazu, strahlt über das ganze Gesicht, hält ein Stück Papier in der Hand und fragt mich nach meinem Lieblingstier. „Katze“, antworte ich. Katze? Hm, er überlegt und fängt dann an zu falten und zu schnippeln. Das Ergebnis ähnelt eher einem Hund, aber wen stört das schon?

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Entscheidend ist die Freude, die ihm und mir diese Überraschung bereitet. Er freut sich, dass ich mich freue. Daraufhin will auch Roman zeigen was er kann. Er faltet einen Fisch. Auf die eine Seite des Fisches schreibt er „Sir Ronald“ und „Mam Doris“, auf die andere seinen Namen. Auch auf dem Hund sind unsere sowie der Name Jeffrey verewigt.


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Es macht so viel Spaß mit den philippinischen Besatzungsmitgliedern, die immer strahlen und freundlich sind. Wir brauchen keine Shows oder Zwangsbespaßung. Solche kleinen Überraschungen sind viel schöner, weil sie nicht geplant sind.“

Sonntag, 22. Juni – Seetag

Die Uhren wurden wieder eine Stunde vorgestellt, also etwas weniger Schlaf. Das machte aber nichts, denn Frühstück gab es bis um 11.00 Uhr. Auch heute war der Himmel bedeckt.

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Nordsee 59° N 002° E

Die See wurde immer glatter und durch die Spiegelungen der Wolken im Wasser ergaben sich tolle blau-graue Farbtöne und Formen auf der Wasseroberfläche.

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Ein einzelner Eissturmvogel segelte dicht über der Oberfläche, auf der sich sein Schatten spiegelte.

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Im Laufe des Vormittags fand eine Küchenführung statt, für die wir uns angemeldet hatten. Der Küchenchef führte uns in sein Reich und erklärte uns in seiner humorvollen Art, wie hier gearbeitet wird. Wir erfuhren etwas über den Ablauf, wer für was zuständig ist, über den Einkauf der Vorräte, dass die Speisepläne schon lange vor einer Reise feststehen, dass die Spülmaschinen im Gegensatz zu unseren Maschinen zu Hause nur drei Minuten benötigen, sonst würde man ja nie fertig werden, dass die Kellner immer vor den Passagieren essen, weil man mit leerem Magen schlecht servieren kann, und vieles mehr. Nun wussten wir endlich, dass die Crew auch an Bord isst. 

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Um 12.30 Uhr hatten wir den Leuchtturm North Ronaldsay an unserer Steuerbordseite. Wieder zahlte es sich aus, dass wir die richtige Seite bei der Kabinenwahl getroffen hatten. Der Turm wurde 1854 als Nachfolger des 1789 aus Feldsteinen errichteten alten Leuchtturms Dennis Head Beacon in Betrieb genommen. Mit 41 m Höhe ist er einer der höchsten Leuchttürme Großbritanniens. Die Tragweite seines Feuers beträgt 19sm. 1998 wurde der Turm automatisiert und die Leuchtfeuerbesatzung abgezogen.

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Auf 57° 54‘ N und 002° 20‘ E um 20.34 Uhr – Zwei Stunden vor Sonnenuntergang

Abends hieß es noch einmal „verkleiden“ für eine Abschieds-Gala. Der Abend verlief recht nett mit einem Ehepaar, das geschätzt 10 Jähre älter war als wir. Das Menü war erstklassig und natürlich durfte bei einem solchen Essen die Wunderkerzenparade nicht fehlen.

Auch heute Abend ging es in die Vista-Lounge und bei milden Temperaturen gab es noch einen Absacker auf unserem Balkon, bis wir in der Koje verschwanden.

Montag, 23. Juni – Helgoland

Heute sollte der „Inselhöhepunkt“ stattfinden: Helgoland. Gut, für uns an der Küste ist Helgoland natürlich ein „Muss“ – allerdings waren wir schon mindestens drei Mal auf Helgoland (und hier ist der Unterschied zu Island: AUF Helgoland), davon einmal eine Woche Inselurlaub, sehr erholsam.

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Am Flaggenmast wehte die Gastlandflagge: Deutschland, denn die AMADEA fuhr ja unter der Bahamas-Flagge. Zudem war die gelbe Flagge Q zu sehen, das heiß, dass das Schiff erst einmal „gesundheitlich“ eingecheckt werden musste, also keine Person mit ansteckenden Krankheiten an Bord war.

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Gegen 14.00 Uhr, drei Stunden früher als angekündigt, näherte sich ein Börteboot mit fünf Personen: Lotse und vier „Amtsträger“ wie Hafenarzt, Wasserschutzpolizei, Zoll und Klarierungsagent, der die Einklarierung wie z.B. die Abgabenzahlung für das Anlaufen von Helgoland übernimmt.

Die Börteboote sind übrigens hochseetaugliche Eichenboote, 10 m lang und 3 m breit, mit denen das Aus- und Einschiffen von Passagieren der Seebäderschiffe vor Helgoland vorgenommen wird. Traditionell ankerten die Seebäderschiffe vor Helgoland. Heute legt der von Hamburg aus startende Katamaran im Vorhafen an.

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So lagen wir dann um 14.30 Uhr vor Anker vor Helgoland …

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… und hatten von hier aus auch den blick auf die vorgelagerte Düne mit dem markanten, kleinen rot-weißen Leuchtturm. Die Düne ist ein beliebter Ort für die Robben, die hier von Mai bis Juli ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Auch dies trägt zur Attraktion der Düne bei.

Nach einiger Zeit wurden die Tenderboote zu Wasser gelassen. Aufgrund der doch etwas raueren See erfolgten Durchsagen, dass das Tendern heute nur etwas für seefeste Passagiere sei.

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Das konnten wir von Deck aus beobachten. Und ich habe mich gefragt, warum der Kapitän das Tendern zuließ, bei den doch bis zu 1,5 m hohen Wellen? Vom Deck aus konnten wir die Schwierigkeiten beobachten, die Passagiere sicher von der Plattform in das Boot zu bringen. Und auch wenn ich mir jetzt von Lesern dieses Berichts Kritik einfange, ausgerechnet bei solchen Unternehmungen gibt es Leute mit eingeschränkter Mobilität, die es sich nicht nehmen lassen wollen, an diesem „Abenteuer“ teilzuhaben ….

Das Tenderboot schwankte nicht nur gewaltig auf und ab, sondern auch teilweise von der Plattform weg. Gewaltig schwankend sahen wir die Tenderboote zur Insel hinübersetzen. Die Fahrt dauerte etwa 20 Minuten, da wurde man schon beim Zusehen seekrank.

Nach dem Abendessen erfuhren wir, dass bei der Tenderaktion ein Besatzungsmitglied ins Wasser gefallen sei, dieser aber ganz schnell gerettet wurde.
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Jetzt wurde es aber doch allmählich Zeit, Abschied zu nehmen von den immer freundlichen philippinischen Besatzungsmitgliedern, d.h. den Kellnerinnen und Kellnern sowie unserer „Kammerfee“. Kellnerin Maribel vergoss sogar ein paar Tränen und bedankte sich, dass wir immer so lieb gewesen seien. Das zeigte sehr deutlich, dass sie (und auch die anderen Kellner und Servicekräfte) diese Wertschätzung nur sehr, sehr selten von anderen Passagieren erhält/erhalten.

Kurz noch ein Absacker in der Kammer und dann ging es ab in die Koje.
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Ach ja, im Laufe des Vormittags packten wir unsere restlichen Sachen und stellten die Koffer vor die Tür, ordentlich gekennzeichnet mit roten Stickern, die wir vor ein paar Tage bekommen hatten. Das sollte die Ausschiffung und das Auffinden des Gepäcks einfacher machen. Klang ganz vernünftig ….

Fortsetzung folgt
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » Mi, 18. Jul 2018, 15:10

Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 16 -2 und Schluss
Dienstag, 24. Juni 2014 – Ankunft Hamburg und Ausschiffung - Fazit

Um 06.30 Uhr war die Nacht zu Ende, um die Einfahrt nach Hamburg nicht zu verpassen, denn den Anblick habe ich mir immer gewünscht, seitdem ich nicht mehr zur See gefahren bin.

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Und dann lag der Hamburger Hafen vor uns. Die Sonne schielte etwas durch die Wolken und so hatten wir ein silber-graues Bild vor uns. Toll!

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Es war 08.00 Uhr, als wir die Hafenlotsenstation passierten.

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Der Kapitän war offensichtlich ein HSV-Fan, denn neben der weiß-roten Flagge H, die anzeigte, dass wir einen Lotsen an Bord hatten, wehte die HSV-Flagge.

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Der Schlepper TURM, der uns später beim Drehen des Schiffes assistieren sollte lag bei den Landungsbrücken bereit. Und auch hier zeigte sich die (für mich) schönste Silhouette einer Hafenstadt, meiner Heimatstadt Hamburg.

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In Hamburg hatte das offizielle Segelschulschiff der spanischen Marine, die JUAN SEBASTIAN DE ELCANO an der Überseebrücke festgemacht. Der 1928 gebaute Viermastrahschoner befand sich mit über 200 Besatzungsmitgliedern auf einer Ausbildungsfahrt.

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Der Kapitän fuhr, wie immer, das Schiff selbst. Der Lotse und hinter beiden der Staffkapitän standen assistierend zur Seite.

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Der Schlepper Turm zog die AMADEA über ihren Achtersteven in eine Position, dass sie mit dem Steven elbabwärts festmachen konnte.

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Der Liegeplatz, an dem wir beim Auslaufen lagen, war von der EUROPA belegt, so dass wir hinter dieser festmachen mussten, was der Beginn einer katastrophalen Ausschiffung war.

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Zum Terminal wurden Shuttle-Busse eingesetzt, denn aus Sicherheitsgründen durften wir nicht zu Fuß zum Terminal. Wir wurden per Durchsage darauf hingewiesen, den Aufforderungen zu folgen und nicht schon vorher den Ausgang zu versperren. Es wird aber dennoch chaotisch. Und so hat meine Frau die Ausschiffung beschrieben:

„Es dauert und dauert. Weitere Durchsagen folgen, welche Gruppen wann zum Ausgang kommen sollen. Die Warterei geht weiter und zerrt an den Nerven. Seit 9 Uhr – angeblich eine halbe Stunde zu spät, was wir nicht verstehen, im Programm steht als Ankunftszeit 9 Uhr – sind wir in Hamburg, aber nichts bewegt sich. Als wir die Kabine verlassen müssen, setzen wir uns in die Vista Lounge und rufen nach der nächsten Durchsage, dass sich die Ausschiffung weiter verzögert, bei unserem Taxiunternehmen an, um Bescheid zu sagen, dass wir später kommen. Wir hatten das Taxi für 10 Uhr 30 bestellt. Jetzt ist es 10 Uhr 30 und wir warten immer noch. Auch unsere Gruppe wird jetzt aufgefordert zum Ausgang zu kommen, doch bereits auf der Treppe stockt es. Menschenmassen und keine Bewegung. Dazu stickige Luft und drängelnde Passagiere, die aus dem Fahrstuhl kommen und meinen, sie können gleich nach vorne durchgehen. Auf die Aufforderung, sich hinten anzustellen, reagieren sie nicht, was verständlicherweise nicht nur bei uns Ärger auslöst. Tröpfchenweise bewegt sich die Masse. Dann wieder Stillstand. Der Grund dafür sind die Shuttlebusse, die im Pendelverkehr hin- und herfahren. Es sind allerdings nur zwei Busse im Einsatz (für 488 Passagiere!), die natürlich umgehend voll sind. Die Organisation dieser Ausschiffung ist gelinde gesagt eine Katastrophe. Ronald macht seinem Unmut bei der Kreuzfahrtdirektion Luft, die überhaupt nicht darauf eingeht, und nur einen schönen Heimweg wünscht. Nicht ein Wort der Entschuldigung für dieses Chaos.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde haben wir es endlich in den Bus geschafft, doch das Chaos geht weiter. Im Terminal suchen wir nach unseren Koffern. Um sie schneller zu finden, hatten wir ja die farbigen Aufkleber bekommen. Das nützt aber alles nichts, wenn die Personen, die für die Koffer zuständig sind, nicht darauf achten, und das Gepäck gleichmäßig im Terminal verteilen. Nach 20 Minuten haben wir endlich alle Gepäckstücke beisammen und verlassen mehr oder weniger fluchtartig das Gebäude. Unser Dorftaxifahrer wartet noch immer geduldig. Wir brauchen auch nicht mal mehr zu bezahlen.

Fazit

Eine „richtige“ Kreuzfahrt ist nichts für uns. Wir haben es versucht, nun wissen wir es genau.

Positiv herausvorheben ist: Die „AMADEA“ ist ein schönes Schiff, Kabine, Besatzung, Verpflegung, Sauberkeit – alles super. Uns störte nur das Drumherum mit den vielen Aktionen, Aktivitäten, Shows, Partys usw. Das war uns zu viel. Zum Glück muss man das nicht mitmachen. Dazu die vielen „typischen Kreuzfahrer“, die nur wegen Kapitänsdinner und Shows mitfahren, und sich für Landschaft und Natur nur am Rande interessieren – wenn überhaupt. Das ist definitiv nicht unsere Welt. Wir hatten gehofft, dass aufgrund der Reiseroute mehr naturverbundene Passagiere an Bord sein würden. Diese Hoffnung ist leider enttäuscht worden.

Die Ziele selbst waren allerdings sehr schön. Die norwegische Küste, der Engabreen, Spitzbergen im Sonnenschein mit viel Schnee, Robben, Seevögeln, Rentieren, dann die Insel Jan Mayen mit dem schneebedeckten Beerenberg, ein Glücksfall, wie wir erfahren haben, die beeindruckende, ehrfurchterregende Natur Islands, das war traumhaft. So gesehen war es eine gelungene Reise. So etwas Ähnliches werden wir noch einmal machen, aber nicht mit einem Kreuzfahrtschiff.“


Und dieses Fazit teile ich in vollem Umfang.
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Das nächste Schiff wird die FRAM sein: Im Mai 2015 begaben wir uns „Auf die Spuren der Wikinger“ – von den westnorwegischen Fjorden uns Inseln über die Shetland-, Orkney und Färöer-Inseln nach Reykjavik.
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Ich hoffe, dass dieser Reisebericht für Euch interessant war und vielleicht die eine oder andere Anregung für ein neues Ziel gegeben hat, es muss ja nicht mit einem „Kreuzfahrer“ sein.

In diesem Sinne herzliche Grüße
Ronald
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Voronwe » Mi, 18. Jul 2018, 15:58

Danke für den schönen Bericht und das man auch erfährt, wie es dann doch auf einer Kreuzfahrt so ist.
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Badener1972 » Mi, 18. Jul 2018, 17:20

Lieber Ronald, das war ein wirklich toller und wertvoller Reisebericht mit wunderschönen Bildern und viel Hintergrundinformationen. Auch die Reiseanekdoten kommen nicht zu kurz, absolut klasse!
Vielen herzlichen Dank dafür :!: :!:

Liebe Grüße
Wolfgang
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Dixi » Mi, 18. Jul 2018, 18:54

Hallo Ronald,

Vielen Dank für Deine Aufwendungen uns an der Reise teilhaben zu lassen.
Ein sehr lebendig geschriebener Reisebericht mit vielen (Nebenher-) Informationen. :super: :super:
.... und natürlich schönen Bildern.
Viele Grüße
Dixi
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Kumulus » Mi, 18. Jul 2018, 19:59

Tusen Takk, Ronald.

Ein großartiger und sehr lebendiger Bericht, gepaart mit phantastischen Aufnahmen. So war es kein Wunder, dass zum Schluss so etwas wie "Wehmut" aufkam. Eigentlich würde man gerne "Was - schon vorbei? Schade" sagen.

Neben all den wunderbaren kleinen Geschichten und den schönen Erlebnissen, bleibt bei mir schließlich auch noch euer Resümee in Erinnerung: "Es muss ja nicht mit einem Kreuzfahrer sein"!!!

Danke und Gruß
Martin
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon DSR-Seemann » Do, 19. Jul 2018, 0:11

Moin Ronald,

vielen Dank fürs nochmal Mitreisen lassen... :D
Irgendwie scheinen die Phoenix-Schiffe doch etwas anders zu sein als die restlichen Musikdampfer... :wink:
MfG aus dem Harz, Micha.
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