„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon inesmstaedt » Do, 25. Jan 2018, 12:30

Aber wie sagt man so schön: Das Glück is mit die Doofen! :lol:

Ronald, Du Spaßvogel! :mrgreen: :lol:

Einfach nur Wahnsinn, großartig, vor allem die Familie Eisbär :D
LG Ines
inesmstaedt
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„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Do, 25. Jan 2018, 12:53

Karten Grönland - Svalbard - Jan Mayen

Moin,

ich habe nun die Links wiedergefunden für zwei hervorragende Grönlandkarten. Diese Karten sind von der dänischen Nehörde unter dem Titel «De Nationale Geologiske Undersøgelser for Danmark og Grønland (GEUS), 2010“ entwickelt worden, bei denen auch das Copyright liegt. Daher konnte ich die Karten nicht in meinen Bericht einarbeiten. Jedoch kann ich Euch die Links geben, so dass Ihr die Reise verfolgen könnt.

Karte: Nordost-Grönland

http://www.geus.dk/DK/publications/geol ... _map_4.pdf

Karte: Alpefjord Stauning Alper

http://www.geus.dk/DK/publications/geol ... _map_5.pdf

Die Karten, ebenso wie die bereits erwähnten norwegischen Karten von Svalbard

http://toposvalbard.npolar.no/

und Jan Mayen,

http://topojanmayen.npolar.no/

haben mir auch bei der Identifikation des einen oder anderen Fjords, Gletschers, Bergs etc. geholfen.
Bei den norwegischen Karten müsst Ihr mal die 3-D-Ansichten anklicken, einfach toll.

Oder die Seekarten, da kann man sehen, warum die Schiffe an einigen Stellen nicht näher an das Fjordende fahren kann.

Viel Spaß bei Eurer Recherche! Ach ja, und wenn Ihr einen Fehler/Irrtum bei mir entdecken solltet, immer her damit. Dann kann ich es wenigstens korrigieren.
Gruß
Ronald
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Man kann sich jeden Tag ärgern, aber man ist nicht verpflichtet dazu!
Ronald
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon cani#68 » Do, 25. Jan 2018, 16:38

Moin,

Ronald hat geschrieben:@ Uwe: Wieso, wirst Du seekrank?

aber so was von...wenn ich das Schiff schon sehe, rebelliert mein Magen :oops:

Ein Fotokollege macht jetzt - wenn ich es richtig verstanden habe - eine Tour mit der MS Fram in die Antarktis
Würde mich genauso reizen wie deine Tour - aber der Verstand und Magen sagt, geht nicht. :-?
____________
Schöne Jrooß
Uwe

Norwegen Bilder - https://www.flickr.com/photos/uwe_cani/albums/72157647598018725
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Andrea.t77 » Fr, 26. Jan 2018, 17:13

Die Karten sind toll - vielen Dank!
Muss ich mir noch mal in Ruhe zu Gemüte führen und vielleicht finde ich auch unsere Reisepunkte wieder :wink:
---
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„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Sa, 27. Jan 2018, 18:28

„There is lots of ice!“
Nordostgrönland – Expedition Nordmeer 2015
Montag, 1. September – Teil 1 - Myggbukta


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Gegen 7 Uhr erreichen wir Myggbukta, eine kleiner Anlandungsort in der Mackenzie Bugt am Südufer des Hold for Hope-Lands. So, bevor es Fotos gibt, müssen diese Orte und was hier passierte erst einmal erklärt werden.
Myggbukta war eine norwegische Funk- und Wetterstation an der Nordseite der Mackenzie Bugt. Es heißt, dass der Name „Mygg Bukta“ äußerst angemessen sei für diesen Ort, denn es soll der schlimmste „Mückenort“ in diesem Bereich von Ost Grönland sein. Glücklicherweise hatten sich diese Tierchen unserethalben erst einmal einfrieren lassen, um dann im nächsten Sommer – wir näherten uns dem Herbst – die dann anwesenden Touristen zu plagen.
Die ursprüngliche Station wurde 1922 eingerichtet und von Johan A. Olsen so benannt. Das Schiff ANNI 1, mit dem die Expedition 1923 nach Hause zurückkehren wollte, wurde vom Packeis zerdrückt und sank mit allen Leuten an Bord. Die Station wurde dann 1924 repariert und von der Foldvik-Expedition 1926 wieder besetzt. Die detaillierte Geschichte, insbesondere auch von der Auseinandersetzung zwischen Dänemark und Norwegen, kann hier nachgelesen werden, denn sie würde in der Tat den Umfang dieses Berichts sprengen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Eirik_Raudes_Land

Nur noch so viel: Die Station war nicht nur von strategischer, d.h. politischer Bedeutung. Sie wurde ausgiebig als Jagd- und Fangstation von Trappern beider Länder benutzt. Zwischen 1929 und 1938 wurden hier 3.400 Füchse und 26 Eisbären gefangen. Zwischen 1937 und 1938 soll ein einziger Jäger am Kap Herschell 642 Füchse erlegt haben. Norwegische Jäger haben zwischen 1928 und 1931 190 Krähen, 40 Schneeeulen, 200 Nonnengänse, 80 Eiderenten, 65 Sterntaucher und 2.040 Schneehühner erlegt haben. Die Jagd wurde erst aufgegeben, als der Preis für Fuchsfelle derart fiel, dass sich ein Fang bzw. die Jagd nicht mehr lohnte.

Die Funkstation wurde 1941 von der Besatzung des norwegischen Kriegsschiffes FROITHJOF NANSEN, das im Dienst der Alliierten operierte, zerstört, um möglichen deutschen Tätigkeiten einen Riegel vorzuschieben.
Soweit zur Geschichte dieses Ortes.

Aber jetzt lasse ich wieder einmal meine Frau zu Wort bzw. zur Schrift kommen, denn diese Stimmung, wie wir sie dort empfunden haben, kann ich nicht besser beschreiben (in Kursiv)

Um 7 Uhr hält es mich jedoch nicht länger darin. Zu schön ist das Wetter. Wir liegen in der Myggbukta. An Deck bin ich fast alleine. Auf den Tischen liegt eine feine Raureifschicht. Dicke Eisschollen umschließen das Schiff.

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Dickes Eis

Dazwischen spiegeln sich Wolken im Wasser. Ausgiebig genieße ich diesen traumhaften Morgen und die Stille, die mich umgibt.

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Knasten 491 m links Ravnebjerg 604 m rechts
Der Name des Bergs stammt aus einem Dialektword aus dem Norwegischen für „Rabe“

Hier wollen wir heute das erste Mal an Land gehen. Vor der Küste liegt zwar ein dicker Eisgürtel, es scheint, als wolle uns der Eisgott, oder wer auch immer dafür zuständig ist, nicht an Land lassen. Doch dieses Mal trotzen wir ihm. Die Boote werden zu Wasser gelassen, FRAM macht eine Fahrrinne frei, und los geht’s.

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Die ersten „Blaumeisen sind an Land – wir müssen noch etwas warten, denn es geht, wie jedes Mal, nach Bootsgruppen, wobei die Bootsgruppen, dann jedes Mal einen Platz nach vorne „rutschen“.

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Die Boote müssen sich durch die Eisschollen lavieren

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Von Bord aus haben wir die ganze Mackenzie Bugt im Blick

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Ebenso die Giesecke Bjerge

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Mackenzie Bugt und Giesecke Bjerge 609 m

Das Expeditionsteam fährt zuerst an Land und sichert die Anlandestelle. Wachposten mit Gewehren beziehen an verschiedenen Standorten Stellung.

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Anlandung – in roten Jacken Steffen Biersack und Ina Schau Johansen, die beiden „Häuptlinge“ des Expeditionsteams

Danach können auch wir an Land fahren.

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Es ist kalt

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Und wir müssen durch das Eis

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Auf der Fahrt an Land erkennen wir, dass die Wasseroberfläche eine leichte Eisbildung zeigt. Die Temperatur muss daher auf dem Wasser unter 1,7° C sein, denn ab dieser Temperatur friert Salzwasser.

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Vor uns liegt noch eine Eisbarriere

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Wir werden erwartet

Dort werden wir von Steffen empfangen, der uns erklärt, wir seien die ersten Menschen, die hier an Land gehen. Wir sollten auf die empfindliche Natur Acht geben und dürften uns nur in einem bestimmten Radius bewegen, also nur bis zu den Wachposten. Das mit den ersten Menschen kann man wohl differenziert sehen, denn in Myggbukta gab es ja bis 1959 eine norwegische Wal-, Radio- und Wetterstation. Somit ist davon auszugehen, dass auch Menschen an Land waren. Aber eben keine Unmengen von Touristen, die hier ja glücklicherweise auch nicht gestattet sind, weil wir uns im Nordost-Grönland Nationalpark befinden. Wir dürfen uns also privilegiert fühlen – und das tun wir auch. Vorsichtig gehen wir auf Entdeckungstour.

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Eine andere Gruppe geht auf Moschusochsen- und Schneehasen- und Polarfuchssuche. Es wird bei diesen Wanderungen immer wieder darauf hingewiesen, dass ein individueller Abbruch der Wanderung nicht möglich ist.

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Sicherung der Wanderer durch Expeditionsteammitglieder – rote Jacken

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Moschusochsensuche

Auf den ersten Blick wirkt die Umgebung kahl und abweisend. Auf den zweiten Blick jedoch ist sie faszinierend. Wir gehen über einen Teppich vielfältiger kleiner Pflanzen, alle nur ein paar Zentimeter hoch. Ich mag gar nicht richtig zutreten aus Angst etwas kaputt zu machen. Das lässt sich aber bei diesem dichten Bewuchs nicht vermeiden, was mir sehr leid tut. Ich weiche Polstern von stengellosem Leimkraut aus, bewundere die Tundraweide und winzige Farne.

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Stengelloses Leinkraut

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Flechten

Wollgras wiegt sich im Wind, Pilze stecken ihre Köpfe aus dem Boden, Moose und Beerensträucher zaubern noch mehr Farbe ins Bild.

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Wollgras

Sodann entdecke ich etwas, das aussieht wie feine Haare. Stammen sie von Moschusochsen? Nein, das dichte Haarkleid gehört zum Wolligen Läusekraut.

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Wolliges Läusekraut

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Wolliges Läusekraut

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Salzmiere

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Salzmiere

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Pilze

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Pilze


Die arktische Pflanzenwelt ist vielfältig und faszinierend. Es gibt so viel zu entdecken, man muss nur genau hinsehen. Wunderschöne Steine mit markanten Mustern und Farben haben sich zwischen den Pflanzen eingebettet.


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Roter Granit

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Steine

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Steine

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Diesen Stein hätten wir gerne mitgenommen. Doch wie heißt es doch: „Nehmen sie nichts mit als ihre Erinnerungen!“ So haben wir es auch gelassen.

Wie Eier im Nest liegen sie da. Knochen liegen herum, auch Hinterlassenschaften von Moschusochsen entdecken wir.

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Eisbärknochen?

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Eisbärknochen

Weiß gewaschene Baumstämme laden zum Ausruhen ein. „Sibirische Ruhebank“ nennt mein Mann einen von ihnen.

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Sibirische Ruhebank

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Noch mehr Treibholz aus Sibirien

Auf einem schmalen Wasserlauf haben sich Eiskristalle gebildet,

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Eiskristalle

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Eiskristalle

kleine Blätter zeigen einen Raureifkranz.

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Es wird Herbst

Wir gehen am Strand entlang, beobachten Wellen, die leise vor sich hin plätschern, bewundern kleine Eisberge, die sich im glasklaren Wasser spiegeln, hellblautürkis schimmernd und von der Sonne indirekt beleuchtet.

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Eis

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Dahinten liegt die FRAM. Ganz links ist ein PolarCircle-Boot zu sehen

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Triefnase

Schmelztropfen fallen herab und bilden Kreise auf dem Wasser. Wir nehmen ein Fußbad in der Grönlandsee, die Gummistiefel machen es möglich. Eine Mücke hat sich im Eis verirrt. Sie lebt sogar noch, ist aber wohl die letzte ihrer Art in dieser Saison.

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Diese ist eingefroren und wartet auf das Frühjahr

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Dieser Sausi auch

Der Winter steht bereits in den Startlöchern. Ein paar Vögel laufen am Wasser entlang. Sie picken zwischen den Steinen herum, putzen ihr Gefieder und fliegen auch nicht weg als wir näher kommen. Angst scheinen sie nicht zu kennen, das ist ein wunderschönes Gefühl. Es sind Sanderlinge, die sich da zwischen den Steinen zu schaffen machen.

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Sanderlinge

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Sanderlinge

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Sanderlingspuren

Etwas weiter oberhalb des Strandes haben Eis und Geröll eine Kraterlandschaft geformt mit tiefen Löchern, in denen sich auch jetzt noch Eis befindet. Ein Gebilde hat sich abgesetzt und liegt als Blickfang etwas entfernt von den Kratern. Wie eine Schichttorte aus Eis, Sand und kleinen Steinchen liegt es da. Entstehen hier etwa Pingos? Das wäre ja der Wahnsinn, wenn wir so etwas sehen dürften.

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Kleine Pingoformation

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Pingoformation

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Pingos

Ein Pingo ist eine Bodenerhebung, unter der sich eine Eislinse befindet, über der sich wiederum Erdreich ablagert. Durch das Eis wird die Erde angehoben und bildet einen Hügel. Zwar können diese Pingos sehr groß werden, aber vielleicht sind sie hier ja gerade im Entstehen. Wer weiß? Wir nehmen auf einer „sibirischen Ruhebank“ Platz und genießen die einzigartige Landschaft, bevor wir zum Schiff zurückfahren.

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Über uns ein Schwarm Nonnengänse oder Weißwangengänse. Die werden wir im Winter bei uns an der Elbe als Gäste begrüßen dürfen.

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Die Berge spiegeln sich im Wasser

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Die FRAM liegt im Eis

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Wir entdecken einen „Eisterrier“

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Warten auf Kundschaft

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Wir entdecken Wrackteile eines Bootes
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Dann machen wir uns zur Landestelle und lassen uns zum Schiff zurückfahren.

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Hier müssen wir durch

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Und hier auch.

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Wir werden erwartet.
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Soweit für heute Eure Grönlandreporter

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Grönlandreporter
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Fortsetzung vom Nachmittag und Rest des Tages folgen.

Gruß
Ronald
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon gudrun55 » Sa, 27. Jan 2018, 20:01

Sehr ergreifend - vielen Dank für diese besonderen Einblicke!

LG gudrun55
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Kumulus » Sa, 27. Jan 2018, 20:06

Ronald hat geschrieben:Wir dürfen uns also privilegiert fühlen – und das tun wir auch.



Dieser Selbsteinschätzung ist m. E. nichts hinzuzufügen !! Eine großartige und einmalig schöne Expedition.

Danke für's Teilhaben Ronald
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Kumulus
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Sa, 27. Jan 2018, 21:15

Moin,
es geht weiter.
Ich werde versuchen die Eindrücke die Nachmittags morgen zusammenzufassen.
Der letzte Bericht hat mich "biologisch" gefordert. :D
Gute Nacht.
Ronald
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon cani#68 » Sa, 27. Jan 2018, 22:01

Tolle Impressionen einer tollen Tour.
Schöne Aufnahmen, interessante die kleinen Details in der Landschaft
____________
Schöne Jrooß
Uwe

Norwegen Bilder - https://www.flickr.com/photos/uwe_cani/albums/72157647598018725
cani#68
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon buecherwurm » So, 28. Jan 2018, 15:04

cani#68 hat geschrieben:Moin,

Ronald hat geschrieben:@ Uwe: Wieso, wirst Du seekrank?

aber so was von...wenn ich das Schiff schon sehe, rebelliert mein Magen :oops:

Ein Fotokollege macht jetzt - wenn ich es richtig verstanden habe - eine Tour mit der MS Fram in die Antarktis
Würde mich genauso reizen wie deine Tour - aber der Verstand und Magen sagt, geht nicht. :-?

Hallo Ronald, mir geht es leider genauso ...

Deshalb umso mehr vielen Dank dafür, dass wir zumindest dank der tollen Fotos und kurzweiligen Beschreibungen diese schöne, aufregende und interessanten Expeditionsreise miterleben dürfen. :)

Grüße Astrid
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Stina_M » So, 28. Jan 2018, 15:07

Das ist einfach nur phantastisch. Vielen vielen Dank für die tollen Bilder und die dazugehörigen Schilderungen, ich bin völlig begeistert! Von den Farben der Eisberge, den kleinen Details, den Pflanzen... Und als großer Eisbärfan natürlich vor allem der Eisbärmama mit ihrem Nachwuchs! Die Mutter muss sich bei aller Wachsamkeit sehr sicher und ungestört gefühlt haben, sonst hätte sie ihr Kleines nicht dort gesäugt. Wie der Minibär da so cool sitzt, einfach genial! :)

LG

Christina
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„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » So, 28. Jan 2018, 18:48

„There is lots of ice!“
Nordostgrönland – Expedition Nordmeer 2015
Montag, 1. September – Teil 2 – Kejser Franz Josef Fjord oder Foster Bugt?


Nach dem Mittagessen – sehr aufmerksam seitens der Schiffsführung  - verließen wir unsere Driftposition in der Myggbukta. Die FRAM trieb also an der „Haltestelle“, positioniert durch Bugstrahl und Azithrust-Propeller. Ich selbst hatte keine Ahnung über die Beschaffenheit des Ankergrunds dort, nahm aber auch an, dass die Ankerwinde beim Hieven des Ankers behindert durch ziemlich massive von Treibeisschollen ungewöhnlich hoher Belastung ausgesetzt gewesen wäre. Na ja, jedenfalls sollte es jetzt in den Kejser Franz Josef Fjord gehen – sollte. Denn zunächst galt es den Treibeisgürtel in der Foster Bugt zu überwinden.

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Wohin man auch sah: Überall Eisschollen, kleinere, größere, ganz große. Eisschollen, die sich schon übereinander geschoben hatten, ein erstes Zeichen von Packeis.

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Obwohl sich der Himmel bezogen hatte, schillerten die unter Wasser befindlichen Schollen in allen Farben: Blau, Türkis, Hellblau. Und in genau diesen Tönen haben wir beim Glasstudio „unseres Vertrauens“ in Berlevåg Segelschiffe bestellt, die wir auf unserer nächsten Norwegen-Reise in Empfang nehmen können.

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Jetzt „rumpelte und pumpelte“ es fast ununterbrochen, wenn die FRAM entweder mit ihrem Bulbsteven die Eisschollen durchbrach oder wenn die Eisschollen entlang des Rumpfes scheuerten.

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Die Foster Bugt zwischen Hold of Hope und Bontekoe Ø gelegen, wurde von Douglas Clavering

https://de.wikipedia.org/wiki/Douglas_Charles_Clavering

1823 als Foster’s Bay benannt, in Würdigung seines Unteroffiziers Henry Foster, der auch die Seekarten dieser Gegend zeichnete. Foster nahm auch an der dritten und vierten Arktis-Reise von William Parry teil, ertrank aber 1831 anlässlich einer anderen Expedition. - Die Insel Bontekoe Ø in der Foster Bugt soll nach einem niederländischen Walfangschiff benannt worden sein, das diese Insel zuerst sichtete.

Die große Halbinsel Hold with Hope wiederum ist die älteste Stelle, die in Grönland 1607 von Henry Hudson in Anlehnung an sein Schiff HOPEWELL benannt wurde, ebenfalls ein Walfänger.
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Die Eisschollen wurden immer größer und dichter, so dass die FRAM wieder – aber ganz sachte – ihren Bulbsteven einsetzen musste. Im Gegensatz zu Eisbrechern, die sich mit ihrem runden Steven auf das Eis schieben und dann durch Befüllen der vorderen Ballastwassertanks teilweise meterdickes Eis „brechen“, fährt die FRAM mit ihrem Steven „unter“ die Eisschollen und bricht diese durch ihre Vorwärtsfahrt.

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In einiger Entfernung konnten wir wieder eine Eisscholle von der Größe eines Tafeleisberges ausmachen.

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Vor dem Ufer in Richtung der bis zu 1.200 m hohen Giesecke Bjerge lag ein dicker, undurchdringlicher Eisgürtel.

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Ab und zu sahen wir nun auch kleinere Eisberge, die wohl von Gletscherabbrüchen aus dem Kejser Franz Josef Fjord stammen konnten.

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Aber diese wohl nicht, denn ihre Oberfläche war zu glatt.

Und dazwischen immer wieder Eisschollen mit türkisfarbenem „Unterwasserschiff“.

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In einer Eisscholle befanden sich in der Mitte im „Pool“ schwarze Gletscherabriebsedimente.

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„Rummms“ – die nächste Scholle wurde gebrochen.

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Wir “hingen“ mit unseren Kameras fast ununterbrochen über der Verschanzung, um diesem faszinierenden Schauspiel zuzusehen und mit der Kamera festzuhalten.

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Diese Eislandschaft war unglaublich beeindruckend.

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Wenn wir dann eine freie Wasseroberfläche antrafen, spiegelten sich die Wolken unglaublich schön im Wasser.

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Auf unserer „Schlängelei“ durch das Treibeis konnten wir auf der Backbordseite den auf der Insel Ymers Ø gelegenen, 1426 m hohen Celsius Bjerg ausmachen, dessen Gipfel leider von Wolken umhüllt wurde.

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Jetzt konnten wir auch den am Eingang zum Fjord liegenden – oder treibenden? - Tafeleisberg besser sehen.

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Plötzlich hörte ich ein Plätschern. Ruck-zuck, die Kamera draufgehalten, Belichtungszeit 1/2000 Sekunde, klick-klick-klick

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Und schon war sie wieder weg

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Es war eine Klappmütze, die einmal ganz kurz ihren Kopf aus dem Wasser hob und dann wieder abtauchte. – Glück gehabt!!

https://de.wikipedia.org/wiki/Klappm%C3%BCtze

Auf der FRAM ist der Kopf einer solchen Robbe im Ausstellungsbereich vor dem Restaurant zu sehen.

So ein Naturerlebnis etwas bekamen Passagiere, die um 16.30 Uhr im Panoramasalon saßen, ihren Nachmittagstee schlürften oder Sudoku lösten – ja davon gab es eine ganze Menge Leute – nicht mit.

Übrigens, auf norwegisch heißt die Klappmütze: storkobbe - große Robbe. Für manche unserer Weggenossen könnte man diesen Ausdruck auch anders auslegen: Sturkopf :lol:

Zwischendurch trieben wieder seltsame Eisformationen vorbei.

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Haifischzähne???

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Plötzlich entdeckte ich eine Eisscholle, auf der vorher eine Robbe ihre Runde drehte. Deutlich waren die Spuren ihrer Flossen zu sehen.

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Wir konnten es gar nicht glauben: Das Treibeisfeld wurde dichter und dichter.

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Und die FRAM hatte mächtig zu kämpfen

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Dies war unsere Position –wir waren kaum von der Stelle gekommen.

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Ein weiterer Eisberg tauchte auf

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Dieser kam wohl vom Nordpol
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Nun kam die Durchsage von Steffen, dass die Fahrt in den Fjord abgebrochen wird, weil vor dem Fjordeingang ein undurchdringlicher Eisgürtel lag, der die Weiterfahrt unmöglich machte. „Wir sind alle überrascht über diese gewaltigen Eismassen“, ließ er uns wissen und fügte hinzu, dass die Eiskarten, die an das Schiff geschickt werden, schon Makulatur seien, bevor sie ausgedruckt sind. „Wir fahren zurück in offeneres Wasser und versuchen, durch die Hintertür in das Fjordsystem des Kejser Franz Josef Fjords zu gelangen.“

Zum Schluss kam noch ein „Eiskunstwerk“ vorbei.

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Und beim Abendessen zeigte sich noch einmal kurz die Sonne und beleuchtete das Eisfeld.

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Nach dem Abendessen begann Ina das tägliche „Abend-Briefing“ mit den Worten: „Wir haben da ein Problem. Und das wäre?“ Einhellige Antwort aller Anwesenden: „Eis“. Genau. Deswegen sahen sich das Expeditionsteam und die Schiffsführung außerstande die morgige Position und das Tagesprogramm vorherzusehen. Man werde uns aber über alle Änderungen auf dem Laufenden halten.

Wie hatte Kapitän Rune Andressen in Longyearbyen angemerkt? „There is lots of ice.“ Und das war so!
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Und nun wollen wir mal sehen, ob es so weitergeht!
Fortsetzung folgt.

@Astrid, Christina, Uwe und alle anderen: Vilen Dank für Eure netten Kommentare!!!

Gruß
Ronald
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Dixi » So, 28. Jan 2018, 20:02

Hallo Ronald,

Vielen Dank nochmals von meiner Seite für den ganz speziellen Bericht.
Sehr gut geschrieben, mit vielen Fakten ( Danke für die Recherche ) und natürlich sehr schöne Bilder.

Viele Grüße
Dixi
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Zero08 » So, 28. Jan 2018, 23:50

Sehr schöne Bilder und nutzbare Info! Vielen Dank!
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Kumulus » Mo, 29. Jan 2018, 8:04

Es bleibt traumhaft schön und spannend.

Danke Ronald
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