Uteligger

Mitglieder der Norwegen-Freunde stellen sich vor

Uteligger

Beitragvon uteligger » Mo, 18. Okt 2004, 12:00

Moin.

Moin ist abgeleitet von mooi = schön, gut. Es ist dasselbe Wort im Niederdeutschen wie im Niederländischen und Flämischen. Hier in Schleswig-Holstein sagt man es zu jeder Tageszeit.
Die norwegische Sprache kennt diese Grußformel übrigens auch. Den ganzen Tag kann man dort morn sagen. Ein sprachliches Erbe der Hansezeit, als Plattdeutsch die "lingua franca" der nördlichen Welt zwischen Großbritannien und Russland war.

Weil meine Vorfahren der Ahrensburger-Kultur angehörten, einige von ihnen vor 10000 Jahren den durch die damalige Klimaveränderung Richtung Norden wandernden Rentieren folgten, bin ich sicher, dass mindestens einer aus meiner Sippe gut zu Fuß war und irgendwann im Winter über die zugefrorene norwegische Rinne in Südnorwegen an Land ging. Die norwegische Rinne war damals die Verbindung zwischen Nord- und Ostsee. Durch das Ende der Eiszeit wurde aus der Rinne der Skagerrak.

Als einige Jahre später mein Cousin und ich 1975 während eines wilden Dänemarkurlaubs ( endlich volljährig ) am Strand von Skagen Richtung Norden schauten, dachten wir, hinter dem Horizont gehts weiter, da müssen wir hin. Unsere Dänischlehrerinnen hatten uns mit den Betonungs- und Rhythmusstrukturen der dänischen Sprache vertraut gemacht, konnten wir nun rødgrød med fløde perfekt aussprechen.

So gewappnet ging es endlich 1979 wieder in Richtung Norden. Ganz Skandinavien wurde in 6 Wochen erfahren.
Am Inarisee in Finnland gefiel es meinem Cousin am besten, er lernte später finnisch und ging am Sotajoki Gold waschen. Es gab aber auch eine Phase in der wir Süd und Westeuropa erkundeten.

1984, nun in festen Händen, kam die nächste große Skandinavientour. Mit einem zum Schlafwagen umgebauten R 4 wurde insbesondere Norwegen entdeckt.

Meine Frau, Sohn und ich fanden nach etlichen Sommer und Winterreisen durch Norwegen unser zweites Zuhause in AustAgder im Åvesland , wo wir seit 1991 zu allen Jahreszeiten sind. Ostern wird Skilanglauf gemacht, Im Sommer gewandert und gepaddelt, im Herbst werden mit den Nachbarn während der Jagd Schafe eingesammelt und Weihnachten ist Jul.

Die norwegische Sprache lernte ich während eines Laftekurs in Elverum. Einige Norweger und ich lernten mit der Axt und einer Menge Holzstämme ein Haus zu bauen. Klar, dass es dabei viel zu erzählen gab. Der Kurs hatte auch Einfluss auf unser Haus in Deutschland. Es wurde nicht traditionell gebaut, sondern ein typisches norwegisches Wohnhaus in rot und weiß.

Inspiriert durch die norwegische Holzbauweise und die nur positiven Erfahrungen in aus Holz gebauten Häusern suchten meine Frau und ich 1995 in Norwegen ein Bauunternehmen, dass uns in Schleswig-Holstein unser norwegisches Haus bauen konnte. 30 t Balken, Latten, Leisten, Bretter, Fenster und Türen kamen per LKWs aus Kristiansand. Aus Mandal und Vennesla reisten 3 Zimmerleute und Tischler mit Kreissägen und Druckluftnaglern an. Nach 6 Tagen waren 50000 Nägel verarbeitet und ich konnte in dem entstandenen Haus den Innenausbau machen.

Im Dezember 2000 war ich zum Julebord in Mandal eingeladen. Wahrscheinlich durch die anstrengende Anreise erschöpft konnte ich nicht ganz mithalten.
Irgendwann wurde ich im Hinterhof des Restaurants schlafend neben einem Müllcontainer gefunden. Seitdem werde ich Uteligger genannt.
In Deutschland würde ich als Obdachloser, Penner betitelt werden.

Beruflich bin ich in einem Weinladen beschäftigt und kann Rot von Weißwein unterscheiden.


Also, bei mir von dem viel zitierten Norwegenvirus zu sprechen, ist abwegig. Es sind die Gene.

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Ha fortsatt en god dag!
Jeg vandrer ikke fordi jeg vil bli yngre – men fordi jeg vil bli eldre.
Hvor utgangspunktet er galest, er resultatet ofte orginalest
uteligger
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