On the Road again

Eure Berichte von Reisen in Norwegen, Wander- und Bergtouren, Hurtigrutenfahrten oder Spezialtouren

On the Road again

Beitragvon Kumulus » Di, 27. Sep 2016, 10:04

On the Road again
Mein Sommerurlaub im August 2016

Der Herbst beginnt – und so finde ich sicherlich ein wenig Zeit, meine diesjährige Norwegenreise dem kritischen „Publikum“ zu präsentieren. Wer nun spektakuläre Erlebnisse, atemberaubende Highlights und ungeahnte sowie völlig neue Hot Spots erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Ich hatte mir für die Fahrt ausdrücklich all diejenigen Orte, Sehenswürdigkeiten und Attraktionen im Fjordland ausgesucht, die ich aus irgendwelchen Gründen bisher noch nicht habe besuchen können. Sei es, weil sie nicht auf der Strecke meiner ersten Reisen lagen, sei es, weil meine Reisebegleitung auf früheren Touren nicht ganz so wander-affin oder weil einfach mal die Zeit knapp war. So wollte ich bereits auf meiner ersten Reise 2012 unbedingt ins Husedalen und ein Jahr später auf den Gaustatoppen – beides wurde in diesem Jahr nachgeholt. Dazwischen all die Attraktionen und Sehenswürdigkeiten, die die meisten der Norwegenfreunde schon besucht und gesehen haben. Schließlich auch immer wieder Orte, die ich seit meinen ersten Reisen immer wieder sehenswert finde.

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Seid also nicht enttäuscht, wenn euch vieles von dem, was ich hier aufschreibe, bekannt vorkommt. Lasst eure Erinnerungen schweifen und nehmt es als kleine Rückschau. Schließlich stammen viele Anregungen für meine Reise aus euren Reiseberichten. Und für den einen oder anderen Neuling in dieser Runde mag es doch Anreiz für eigene Unternehmungen sein.

Anreise
Ich bin natürlich wieder verspätet losgekommen. Hatte mich irgendwie verplant und dann doch nicht alles geschafft. Aber die große Gassi-Runde mit dem Hund ganz zum Schluss war mir wichtig. Wohnwagen gepackt, Haus einigermaßen sauber, Auto aufgetankt – los geht’s.

Obwohl es den Vormittag über trocken war fing es pünktlich mit dem Anlassen des Motors an zu regnen. Ich hoffe, das ist kein Vorzeichen und mache mich auf den Weg nach Hirtshals.

Auf alle Fälle bleibt es weitgehend nass! 6 Stunden Autofahrt durch Dänemark, 430 km und Dauerregen – der Urlaub fängt ja gut an. Allein um Aalborg herum kommt die Sonne für kurze Zeit ein wenig aus den Wolken. Bitte mehr davon!!! Meine Bitte blieb unerfüllt.

Die Fahrt durch Dänemark verläuft weitgehend störungsfrei. Im Bereich der Städte (Kolding, Vejle, Aarhus, Aalborg) gibt es kleinere Staus und Stop-and-Go’s. Aber alles halb so schlimm und schnell zu bewältigen.

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Kurz vor Hirtshals biege ich ab an den Kjulstrand; ein angeblicher Geheimtipp für Wild-Campen. Etwas weiter zum Fährterminal, am Ende des Willemoesvej hatte ich 2014 selber die Nacht am Strand verbracht. Durch die Veränderung der Zufahrt zum Fjordline-Terminal ist diese Möglichkeit aber inzwischen versperrt. Und auch am Kjulstrand wird freies Übernachten anscheinend nicht mehr geduldet. Überall Schilder mit „Camping verboten“. Da möchte ich kein Ticket riskieren und schon gar nicht, nachts aus dem Schlaf geklopft zu werden. Ich habe das noch gut von einer Rømø-Tour vor rund 20 Jahren in Erinnerung. Das ist kein Vergnügen, mit den Ordnungskräften verhandeln zu müssen. Die dänische Polizei ist gnadenlos. Im Übrigen kann ich die Tourismusfürsten vor Ort auch verstehen. Überall Ferienhäuser und Campingplätze und die Infrastruktur dazu. Da wirkt Wildes Campen kontraproduktiv. Zumal damit häufig auch Unrat und Belästigungen einhergehen.

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Also ab auf den nächsten Campingplatz Kjul Camping, ein eigentlich sehr schön gelegener und mit seinen Einrichtungen empfehlenswerter Platz, wenn nicht gerade Dauerregen ist. Das Wiesengelände ist völlig aufgeweicht; die hinteren Plätze zum Meer hin sind nicht mehr anzufahren, weil auch die Wege durchgeweicht und morastig sind. Selbst mit meinen kleinen Wohnwagen brauche ich Rangierhilfe. So macht (mir) Campen keinen Spaß, zumal alles brav in Parzellen eingeteilt ist. Na ja, für eine Nacht ist das auszuhalten.

1. Tag – 04. August 2016

Die Nacht über hatte es weiter geregnet. Der Platz und die Wege waren der reinste Sumpf. Kein Wunder, dass sich die schweren Wohnmobile reihenweise festfahren. Bei mir und meinem kleinen Gespann klappt die Ausfahrt noch ganz gut.
Ich bin relativ früh beim Check-In der Color Line und wundere mich über den großen Ansturm. Die Ferienzeit macht sich natürlich auch hier bemerkbar. Aber ich bin mir sicher, dass sich das später in Norwegen schon irgendwie „verlaufen“ wird.

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Das Einchecken dauert länger als erwartet bzw. wie ich es von meinen früheren Reisen gewohnt bin. Aber das Boarding-Personal hat alles gut im Griff und sortiert die Fahrzeuge nach Typ, Länge, Höhe und anscheinend auch nach Nationalität und sorgt so für eine passgenaue Abfertigung. Erstmalig muss ich meinen Personalausweis beim Einchecken vorlegen. Tja, die Flüchtlingswelle schlägt auch bis in den hohen Norden Europas seine Wellen.

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Zum Mittag kommt die Sonne doch noch aus den Wolken hervor. Superspeed ist pünktlich und unzählige Fahrzeuge warten auf das Einschiffen. Der Parkplatz/Wartebereich ist vollkommen mit Möwenschiet verdreckt. Die müssen anscheinend in der letzten Nacht eine Mega-Party veranstaltet haben. Überall quengelnde Kinder und genervte Eltern sowie Eheleute, die sich anmachen. Ich muss innerlich ein wenig grinsen. Wird Zeit, dass die Fahrt los geht.

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Pünktlich legt die Fähre ab und die Überfahrt ist gewohnt ruhig, das Essen am Büfett spitzenmäßig. Ich habe sogar Glück; trotz des Massenansturms erhalte ich einen eigenen Tisch im Panoramabereich.
Das Ausschiffen und die Zollabfertigung in Kristiansand gehen unglaublich schnell. Ich kann mich noch gut an meine erste Reise erinnern; da haben Abfahrt vom Schiff und Abfertigung durch den Zoll eine geschlagene Stunde gedauert.
Von Kristiansand aus fahre ich die E 39 in Richtung Stavanger. Das Wetter könnte zwar besser sein, aber zum Fahren ist das in Ordnung. In Flekkefjord biege ich auf den RV 44 ab; meine „Tante“ im Navi dreht fast durch. Ich schalte sie einfach ab.

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Endlich fühle ich mich in Norwegen angekommen. Die Straße ist genial: Kurvenreich und mit einem Wechsel von Auf und Ab. Dazu noch im bedauernswerten Zustand. So macht Norwegen Spaß. Am Botnevatnet und bei Åna-Sira mache ich jeweils einen kurzen Boxenstop. Interessant an dem kleinen Ort Åna-Sira mit nur rund 200 Einwohnerinnen und Einwohnern ist, dass es den Fylke Rogaland und Vest-Agder sowie den Gemeinden Flekkefjord und Sokndal zugeordnet wird. Die Ortsteile werden von dem Fluss Sireåna und dem Fjord getrennt.

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Ich fahre den RV 44 weiter bis zum Ende des Jøssingfjords und zu den Helleren-Häusern. Sehr schön dort. Ich erreiche die Häuser über einen Schotterplatz auf dem bereits einige Wohnmobile parken und sich eingerichtet haben. Am Anfang dieses Platzes überquere ich einen kleinen Bach, gehe an einem unbesetzten Kiosk vorbei und sehe bereits erste Grundmauern einer Siedlung aus dem 18. Jahrhundert. Weiter geht es an mächtigen Felsbrocken vorbei bis zu den zwei letzten Häuschen einer uralten Siedlung. Die Häuser scheinen sich an den Fels zu schmiegen. Dieser hängt so weit über, dass die Häuser bei Regen im Trockenen stehen. Demzufolge haben die Häuser auch keine wasserdichte Bedachung.

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Die Häuser sind nicht beaufsichtigt und ich kann sie betreten. Ein paar Alltagsgegenstände und ein Gästebuch befinden sich in der „guten Stube“. Sogar eine Ünnerbükx baumelt auf der Leine neben dem rechten Haus. Ich finde dieses Vertrauen den Besuchern gegenüber bemerkenswert, denn bei uns in Deutschland wäre sicherlich vieles kaputt oder auch entwendet.

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Nach meinem Besuch bei den Häusern und der näheren Umgebung beschließe ich, die Nacht am Fjord zu verbringen. Schließlich bin ich mit Gas und 12 Volt-Anlage ziemlich autark. Neben mir haben auch andere Wohnmobiltouristen diese Idee; am Abend zähle ich aber nur sechs Fahrzeuge. Das ist überschaubar. Und der Platz am Fjord ist groß ---- und traumhaft schön. Nur die Turbinengeräusche des nahegelegenen Jøssingfjord kraftverk, dass sein Wasser aus dem Lonavatn und dem Tellenesvatn bezieht, stören die ansonsten friedliche Stille ein wenig.

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Peu á peu folgen demnächst wie weiteren Tage meiner Reise.
Gruß Martin
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Kumulus
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Re: On the Road again

Beitragvon Riehli » Di, 27. Sep 2016, 12:06

Hi, da ich dort noch nie war, habe ich diesen Teil deines Berichtes genossen. Das mit den quängelnden Kindern und genervten Eltern hatten wir bei Scandelines dieses Jahr auch zu Hauf.
Wenn ich keine Kinder ertrage setze ich mich nicht an den Spielplatz auf dem Schiff. Na klar sind die Kids dort laut und spielen, dann gibt es halt Leute denen das stört. Au man... ich konnte auch nur die Augen rollen... Leute gibt's.

Warte gespannt auf die Fortsetzung.
Liebe Grüße
Manuela
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Re: On the Road again

Beitragvon skandinavian-wolf » Di, 27. Sep 2016, 12:25

Danke Martin.
Wieder ein paar Anregungen für kommende Urlaube.
Viele Grüße
Uwe
Toleranz ist gut. Aber nicht gegenüber den Intoleranten.
Wilhelm Busch

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Re: On the Road again

Beitragvon Gudrun » Di, 27. Sep 2016, 12:42

Schön geschrieben. Die richtige Mischung zwischen Fakten und persönlichen Eindrücken. Danke.
Warte auf Fortsetzung.

Grüße Gudrun
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Re: On the Road again

Beitragvon Andrea.t77 » Di, 27. Sep 2016, 13:09

Stimme meinen Vorrednern vollkommen zu :wink:
Schön zu lesender Schreibstil - informativ und persönlich.

Bei unseren Elternzeit-Reisen haben wir das auch so gemacht, dass wir zu Orten gefahren sind, dir sonst eher nicht auf dem Plan standen, bzw sind länger geblieben, als man das normalerweise macht.

Freue mich auf die Weiterreise :wink:
---
1 Auto-Zelt-Rundreise, 4 Ferienhaus-/Campinghütten-Rundreisen mit Baby/Kleinkindern, 1 Kurztrip Oslo (Colorline, Hotel), 2 Kreuzfahrten
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Re: On the Road again

Beitragvon Mainline » Di, 27. Sep 2016, 13:12

Hallo Martin,
Danke für deinen Reisebericht. Ich habe eine Anmerkung zu den Bildern.
Diese sind durch die "Treppenbildung" leider nicht schön anzuschauen.
Vermutlich liegt das an der Kompression des Bilderhosters, aber dies sollte sich doch auch besser einstellen lassen.
Ich finde es einfach schade, wenn ein schöner Bericht durch schlechte Bilddarstellung an Wirkung verliert.
Vielleicht bekommst Du es ja hin.
Mit besten Grüßen,
Gerhard
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Re: On the Road again

Beitragvon Ronald » Di, 27. Sep 2016, 14:32

Moin Martin,
kaum sind wir zurück aus Norwegen, „lockst Du uns wieder dahin“. Schön geschrieben wieder mal!
Ana Sira war ich noch nicht, lag wohl an den Straßenverhältnissen.
Bei der Aussage
„meine „Tante“ im Navi dreht fast durch. Ich schalte sie einfach ab.“ Musste ich schmunzeln. :lol: Wir führen unsere „Else“ auch immer aufs Glatteis. Interessant war, dass sie in Norwegen einige Ort aussprach, ansonsten aber immer nur die Straßennummern angab. In Island, glaube ich, hätte sie bei den Ortsnamen und Aussprachen wohl einen Frosch im Hals gehabt.
Gruß
Ronald
-----------
Man kann sich jeden Tag ärgern, aber man ist nicht verpflichtet dazu!
Ronald
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Re: On the Road again

Beitragvon Riehli » Di, 27. Sep 2016, 15:24

Ronald hat geschrieben: Wir führen unsere „Else“ auch immer aufs Glatteis. Interessant war, dass sie in Norwegen einige Ort aussprach, ansonsten aber immer nur die Straßennummern angab. In Island, glaube ich, hätte sie bei den Ortsnamen und Aussprachen wohl einen Frosch im Hals gehabt.
Gruß
Ronald


Bei uns heißt sie "Erika"... warum auch immer... schön ist in Norwegen, die auch in norwegisch quasseln zu lassen. Find ich persönlich eine gute Übung :-)
Liebe Grüße
Manuela
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Re: On the Road again

Beitragvon Ronald » Di, 27. Sep 2016, 16:12

Moin Manuela,
da muss ich mal meinen Händler fragen, wie ich das umstellen kann. Gute Idee? Klappt das auch in Bayern??? :lol:
Gruß
Ronald
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Re: On the Road again

Beitragvon Ari » Di, 27. Sep 2016, 19:26

Danke fuer die schønen Bilder - freue mich auf die Fortsetzung! :)

Viele Gruesse,
Ari
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Re: On the Road again

Beitragvon Kumulus » Di, 27. Sep 2016, 20:10

2. Tag – 05. August 2016

Für mich und für einen Urlaubstag starte ich relativ früh von meinem Übernachtungsplatz am Jøssingfjord zur Weiterfahrt. Bevor es überhaupt richtig losgeht, mache ich gleich hinter dem nächsten Tunnel auf dem RV 44 und einer Kehre den nächsten Halt an einem Aussichts-Rastplatz.

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Von dort habe ich einen fantastischen Ausblick auf den Fjord und meinen Stellplatz der letzten Nacht. Ganz nebenbei noch ein wenig Weltgeschichte über die Besatzung Norwegens im 2. Weltkrieg. Denn dort in der Bucht des Jøssingfjord ereignete sich am 15. Februar 1940 der als so genannter „Altmark-Zwischenfall“ in die Geschichte eingehender Angriff des britischen Zerstörers HMS Cossack auf das deutsche Versorgungsschiff Altmark bei der sieben deutsche Seeleute ums Leben kamen. Die Haltung der Norweger war dabei keineswegs als neutral zu bezeichnen und führte schließlich zu einer Besetzung des Landes durch die deutsche Wehrmacht. Alles brav nachzulesen unter Wikipedia. Zur Erinnerung an das Ereignis im Jøssingfjord gibt es auf dem Rastplatz Hinweistafeln und Bild-Beschreibungen der Ereignisse aus dem Winter 1940.

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Ich fahre weiter in Richtung Sokndal und biege bei Hauge i Dalane auf den Blåfjellveien ab. Ziel meines Abstechers am frühen Morgen ist der Ruggestein, ein ca. 70 bis 80 Tonnen schwerer Findling, den man angeblich mit normaler Körperkraft bewegen kann. Nach gut einem Kilometer durch die noch bewohnte Straße stelle ich mein Gespann auf einem Parkplatz in der Nähe eines Beach-Volleyballfeldes ab. Meines Erachtens auch ein guter Ort für eine ungestörte Nacht.

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Etwa 700 Meter weiter am Flusslauf entlang kommt man an eine Fußgängerbrücke, hinter der der Riesen-Felsklotz zu finden ist. Der Findling sieht gewaltig und unumstößlich aus. Aber es funktioniert tatsächlich: Wenn man den ca. 30 Kubikmeter großen Stein in Schulterhöhe mit ein wenig Kraft bewegt, bringt man ihn ins Schwingen. Auch nach dem Loslassen schwingt der Ruggestein aufgrund seiner enormen Masse noch eine Weile nach. Unglaublich !


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1923 wurde der Ruggestein als Erhaltungsmaßnahme auf die Liste der geologischen Besonderheiten aufgenommen und gilt seitdem als geschützt.

Zurück am Parkplatz wundere ich mich kurz über den nahezu perfekt ausgebauten Volleyballplatz mit seiner Tribüne. Der Ort hat gute 2.000 Einwohnerinnen und Einwohner – dafür diese Investition??? Ich halte das für fragwürdig. Ebenso wie den Zaun mit einem Türchen auf der Vorderseite, während alle anderen Seiten freien Zugang ermöglichen. Aber auf meine Meinung kommt es auch hier nicht an.

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Ich fahre den RV44 weiter durch den Ort, biege danach aber auf den RV501 in Richtung Moi und Heskestad ab. Eine atemberaubende und schlechte Strecke. Mit ihren engen Kurven und dem ständigen Auf und Ab eine echte Herausforderung.

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Auf Anraten eines Norwegers wechsele ich später auf den Fv 32 bis nach Helleland. Dieser Straßenabschnitt ist neu geteert und lässt sich super gut fahren. Auf diesen Straßen ereilt mich wieder das Gefühl, keinerlei Vorstellung von Geschwindigkeit und Entfernung zu haben. Selten weiß ich, wie viel ich schon gefahren bin und wie viel ich noch vor mir habe, wenn ich nicht auf dem Tacho nachschauen würde. Ich bewundere die Landschaft, freue mich über das gute Wetter und genieße einfach das Fahren (fast) Allein auf diesen Nebenstrecken und komme doch immer wieder an mein Ziel.

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Über die E 39 bis Vikeså und anschließend über das Gloppedalsura und Byrkjedal fahre ich heute weiter in Richtung Frafjord bzw. bis zum Månafossen. Doch zuvor mache ich einen weiteren Boxenstopp am Gloppedalsura, einem gigantischem Feld aus Gesteinsbrocken, die teilweise so groß wie ein Einfamilienhaus sind. Entstanden ist dieses Geröllfeld während der letzten Eisschmelze vor mehr als 10.000 Jahren als später der Frost die großen Gesteinsmassen aus dem Bergmassiv sprengte. Auf alle Fälle sieht es gigantisch aus und irgendwie könnte man glauben, Riesen hätten sich mit Steinen beworfen. Ich mache natürlich das obligatorische Touristenfoto mit der Kiefer im Vordergrund und dem Indra Vinjavatnet im Hintergrund.


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Kurz nach 11.00 Uhr erreiche ich den Wanderparkplatz am Månafossen. Der Parkplatz ist noch so gut wie leer; vier/fünf Autos vielleicht. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, denke ich, löhne die Gebühr von 30 NOK und mache mich auf den Aufstieg zum Aussichtspunkt. Auch hier ist alles trittsicher hergerichtet und befestigt. An den etwas kniffligen Stellen sichern Ketten die Auf- und Abstieg. Das halte ich auch für zweckmäßig. Denn der Weg ist teilweise sehr steil und durch die Feuchtigkeit der letzten Tage ist der Untergrund richtig glatt und rutschig. Auf alle Fälle ist sicheres Schuhwerk notwendig.


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Der Månafossen ist mit seinen 92 Metern freier Fall schon sehenswert und den Tagesausflug wert. Er ist der höchste Wasserfall Rogalands und der Regen der letzten Tage haben den Wasserfall zu einer wahren Pracht verholfen. Super!


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Ich steige noch ein paar 100 Meter weiter empor, kehre dann aber doch um, als es heftig zu regnen beginnt. Nun ist der Fels sehr rutschig und die Ketten sorgen allein für den sicheren Halt. Am Parkplatz zurück staune ich nur über die vielen Fahrzeuge; der Platz ist richtig voll. Mich stört das nicht, schließlich bin ich schon auf der Weiterfahrt in Richtung Forsand und zum Landa Campingplatz. In Dirdal mache ich Halt, um einen Geocash zu suchen und natürlich um das Verkehrsmuseum von Statens Vegvesen zu besichtigen. Eine gute Entscheidung, denn die Ausstellung ist total interessant. Dazu noch kostenfrei, denn das Museum nimmt keinen Eintritt.


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Die Fähre Lauvvik/Oanes ist riesig! Also habe ich keine Probleme mitzukommen und muss nicht noch warten. Ein weiterer Glückfall stellt sich beim Bezahlen heraus – es gibt für Pkw mit Anhänger einen anderen Tarif, den ich vorher nicht kannte. Nach meiner Online-Recherche hätte ich satte 142 NOK mehr bezahlen müssen; immerhin rund 15 €.


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Danach geht es schnell weiter. Ab über die Lysefjordbrücke und weiter zum Campingplatz. Sieht nett und einladend aus. Landa ist der Nachbau einer frühhistorischen Siedlung und zeigt, wie die Menschen vor über 3000 Jahren ihr Leben verbracht haben. Daneben gibt es dort einen Campingplatz – sicherlich die Haupteinnahmequelle.


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Die Betreiber müssen Deutsche sein – sie sprechen perfekt Deutsch und regeln alles bis ins Detail. Sie kommen sogar mit zum Einweisen des Fahrzeugs auf dem Stellplatz. Der ist völlig in Ordnung und die Gebühr incl. Dusche mit 220 NOK angemessen. Ein wenig störe ich mich aber daran, dass die Caravans und Wohnmobile wie auf einem Parkplatz „gestapelt“ werden. Pkw werden zu einem Sammelplatz am Eingang beordert. Ich finde das „sehr speziell“, erfahre dann aber auch den Grund: Aufgrund der starken Regenfälle in den letzten Tagen sind die Campingplätze in unmittelbarer Nähe anscheinend allesamt abgesoffen. Der Landa-Campingplatz wird daher als Ausweichplatz stärker als üblich in Anspruch genommen.

Ich halte mich auf dem Platz zunächst gar nicht länger auf, sondern mache mich auf den Weg nach Fossmork, einem Geheimtipp von Christoph Jansen in seinen „Point of Interest Norwegen“ oder http://www.poi-norwegen.de/ Von dort oben kann man bei gutem Wetter den Lysefjord hinüber zum Preikestolen gucken. Ich habe Pech; alles viel zu diesig und wolkenverhangen. Mit bloßem Auge kann ich nicht einmal eine grobe Richtung ausmachen.


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Ich fahre zurück und kann auf halber Strecke Augen kaum trauen; da steht Christoph auf dem Aussichtsplatz Fossmork mit seinem VW-Bus. Ich begrüße ihn und wir wechseln ein paar freundliche Worte. Ich hoffe, er ist auf Erkundungstour für noch mehr POI in Norwegen. Denn ich bin ein bekennender Fan seiner Homepage.


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Den Abend verbringe ich dann am und vor allem im Caravan. Das Wetter lässt auch kaum mehr zu. Ich treffe eine nette Familie aus dem oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Ebenfalls mit einem kleinen Eriba-Touring unterwegs durch Norwegen. Wir tauschen ein paar Erfahrungen und Tipps aus.

So, das war's für heute - Fortsetzung folgt.
Gruß Martin
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Re: On the Road again

Beitragvon Riehli » Mi, 28. Sep 2016, 8:45

Hach... wenn man einmal anfängt zu lesen.

Wieder gefesselt habe ich deine Fortsetzung genossen. Bin gespannt auf die Weiterreise.

Der Zaun mit dem Törchen ... göttlich. Ist bestimmt beim Tunier der Einlass :lol:

Ronald hat geschrieben:Moin Manuela,
da muss ich mal meinen Händler fragen, wie ich das umstellen kann. Gute Idee? Klappt das auch in Bayern??? :lol:
Gruß
Ronald


Moin, Moin
wir haben TomTom... können sämtliche Sprachen wählen. Auch in Frankfurt klappt es, dann auch in Bayern :lol:
Liebe Grüße
Manuela
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Re: On the Road again

Beitragvon Julindi » Mi, 28. Sep 2016, 9:51

Vielen Dank für den Bericht - gut geschrieben und schön bebildert!! :D
Mal so nebenbei: ich find's nicht langweilig und ich freue mich sogar immer, wenn ich bereits Gesehenes bei anderen wieder sehe - da kommen die Erinnerungen hoch :)

Leider muss ich gestehen, dass ich nun auch zu der Fraktion "Quengelnde-Kinder-genervte-Eltern" gehöre :lol: und ich muss euch leider sagen: das kann man nach der langen Anfahrt nach Dänemark leider nicht verhindern, dass da einer quengelt... :| Wenn man dann in Norge angekommen ist, verfliegt das ja schönerweise wieder :wink:

Gloppedalsura - das fand ich auch toll - habe dasselbe Bild mit dem Baum gemacht (Blick auf den See) :-D ... und beim Manafossen musste ich noch nix zahlen am Parkplatz... aber das ist ja auch schon wieder 5 Jahre her...

Freue mich auf's Weiterlesen!
LG, Jule
Reiseberichte mit Fotos auf http://www.ju-cara.jimdo.com
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Re: On the Road again

Beitragvon Kumulus » Mi, 28. Sep 2016, 10:31

Vielen Dank für die freundlichen Kommentare. Ich habe inzwischen den Upload-Bilderdienst gewechselt und hoffe so auf eine bessere Qualität meiner eingestellten Bilder. Und damit ihr schauen könnt geht's auch gleich weiter.

3. Tag – 06. August 2016

Ich fahre am Morgen noch einmal zum Fossmork hoch; das Wetter hat sich in der Frühe gebessert und so hoffe ich auf eine gute Sicht hinüber zum Preikestolen.

Die Extratour hat sich gelohnt. Ich kann über den Lysefjord schauen und auf der anderen Seite die Menschen auf der Felsenkanzel winken sehen. Super!!


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Auf dem Rückweg zum Campingplatz halte ich noch kurz bei Christoph, der gerade vor seinem Bulli steht. Wir halten einen kurzen Plausch und er gibt mir letzte Tipps für meine eigenen Unternehmungen. „Vestkapp wird überbewertet“ und „Besseggen soll ich unbedingt machen – ist nicht so schwer“. Innerlich habe ich Zweifel, trage aber seitdem den Gedanken dieser Wanderung mit mir herum.


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Dann geht’s aber zurück und weiter in Richtung Gullingen, ein Wintersportort und Ferienhausgebiet im Gebirge der Gemeinde Hjelmeland; dem Endziel meiner heutigen Etappe.


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Ich fahre den RV 13 – eine traumhaft schöne Strecke. Ab dem Abzweiger zum Preikestolen bin ich für ein paar Kilometer nicht mehr allein, denn ich nehme einen jungen russischen Touristen mit, der per Anhalter durch ganz Norwegen reist. Wir freuen uns beide, er, weil er mitgenommen wird und ich über die Abwechslung und die Unterhaltung (auf Englisch). Das scheint aber auch ihm sehr gelegen zu sein, denn er ist sehr gesprächig und quatscht mir fast ein „Blumenkohl an’s Ohr“. Das alles in einem perfekten Schulenglisch, dass ich Schwierigkeiten habe, alles unmittelbar umzusetzen und zu beantworten.


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An der Fahre Hjemeland/Nesvik scheint sich meine Vermutung zu bestätigen – es gibt einen anderen Preis für PKw mit Anhänger als ausschließlich die Fahrzeuglänge, denn ich komme wieder deutlich günstiger als gedacht über den Jøsenfjord. Mein Reisebegleiter versucht auf der Fähre eine Anschlussmitnahme zu erreichen. Klappt aber nicht; entweder sind die Autos voll oder die Leute mögen keine Anhalter und Ausländer. So nehme ich ihn noch mit bis Sand. Dort verabschieden wir uns, weil ich hinauf in die Berge will und er weiter zur Trolltunga bei Tyssedal/Skeggedal. Das liegt zwar auch auf meiner Strecke, aber nicht heute.

In einer gut ausgebauten Serpentinenstraße fahre ich bis Gullingen hinauf; ein norwegisches Winterparadies, wir mir scheint. Die Wohnwagen und deren Vorbauten sind winterfest; direkt am Campingplatz eine Seilbahnstation. Und der Campingplatz sieht nicht so aus als seien dort in den letzten Wochen oder Monaten Urlauber gewesen. Alle Zelte abgerüstet und überall Hinterlassenschaften der Schafe, die dort zu weiden versuchen. Und ich bin dort oben „mutterseelenallein“! Auch gut und besser als eine lautstarke Horde Wikinger oder Trolle.


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Auf alle Fälle ist der Platz nutzbar; Stromanschlüsse sind verfügbar, Dusche und Campingküche warten auf ihre Benutzung. Sogar ein Aufenthaltsraum mit deinem Riesenfernseher incl. Satellitenempfänger oder eine Playstation wäre zu nutzen. Nun ja – nicht mein Ding.

Ich stelle meinen Caravan nur kurz ab und fahre weiter zum Blasjø und in die Berge. Eine atemberaubende Landschaft heißt mich willkommen. Gigantisches Gebirgsmassiv und immer wieder Bergseen und Bachläufe. Ich sehe auch einige norwegische Angler, die an den Bachläufen ihr Glück versuchen. Anscheinend sind die Gewässer hier oben sehr fischreich.


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Schließlich lande ich am Blasjø und am Oddatjørndammen, knapp 1.000 Meter über dem Meer. Ein eisiger Wind begrüßt mich. Aber die Landschaft ist gigantisch. Der Staudamm wurde in den Jahren 1979 bis 1986 gebaut, hat eine Höhe von 140 und eine Kronenlänge von 446 Metern. Er staut rund 6 Mio. Kubikmeter Wasser (jedenfalls habe ich das der Info-Tafel so entnommen). Es lohnt hierauf gefahren zu sein.


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Dazu noch zwei unbeleuchtete Tunnel, die spektakulärer nicht sein können. Ich habe sogar das große Glück eines entgegenkommenden Fahrzeugs! Aber irgendwie meistern wir beide diese Herausforderung.


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Am späten Nachmittag am Campingplatz höre ich außer einer Glocke von einem Schaf nichts. Eine richtige Idylle!


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Nur das Wetter könnte besser sein. Es ist zwar trocken, aber saukalt!! Ich hab’s ja so gewollt, denn es war mein freier Entschluss hier in die Berge hinauf gefahren zu sein.



Fortsetzung ist in Arbeit
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Re: On the Road again

Beitragvon syltetoy » Mi, 28. Sep 2016, 11:30

Hallo Martin, vielen Dank für deinen sehr schön geschriebenen Bericht und die tollen Fotos, es macht Spaß dabei zu sein.

Saukalt war es nicht nur bei dir in den Bergen, dieses Jahr hatten wir auch vier Wochen in Tröndelag keinen richtigen Sommer :wink:
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