Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 1

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Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 1

Beitragvon Ingo Martin » Di, 29. Nov 2016, 19:11

Reisebericht über unsere diesjährige Reise in den Norden, über Dänemark nach Schweden und Norwegen, vom 12. Mai bis 30. Juli 2016
Zuletzt waren wir im Jahr 2011 im Norden, damals zum Ersten Mal mit unserem 12,5 Meter-Wohnwagen-Gespann und einer gehörigen Portion Respekt und Neugierde im Bauch.
Wir fuhren über Fehmarn nach Kopenhagen, weiter nach Stockholm, hoch in den Norden Schwedens nach Ramvik, links rüber nach Norwegen nach Mo i Rana und weiter auf der E6 bis Bognes. Von dort ging es mit der Fähre nach Lodingen zu den Lofoten und Vesteralen, wo wir viele schöne Wochen verlebten.
Die Rückfahrt bis Trondheim erfolgte auf der RV17 immer am Atlantik entlang. Danach ging die Reise Richtung Westen über Bud und Molde bis zur Vogelinsel Runde. Anschließend quer durch Norwegen nach Oslo. Eine Stadt, die uns sehr gut gefallen hat. Weiter ging die Reise wieder südwärts über Fredrikstad, Varberg nach Trelleborg. Die Fähre nach Rostock kam sehr spät an, wir übernachteten auf einem Autohof, bevor wir über Dresden nach München zurückkehrten. Es war eine wunderschöne zweite Reise in den Norden, gerne erinnern wir uns daran.
Nun sind fünf Jahre vergangen, wir machen uns wieder auf den Weg in den Norden.
Der PKW und der Wohnwagen sind die alten, beide haben einige Kilometer mehr auf dem Buckel, sollten aber die anstehenden Kilometer meistern können.
Der Wohnwagen wurde mit einer Sackmarkise und einer mobilen SAT-Anlage mit neuem TV aufgerüstet. Mal sehen, wie sich diese Errungenschaften bewähren.
Die Angelsachen wurden auch auf Süßwasserangeln erweitert, wir sind ja einige Tage mehr in Schweden. Die Süßwasserseen mit Hechten, Zander und Barsch locken einen schon. Mal sehen, wie die Bilanz ausgeht.
Am 09. Mai haben wir unsere Kleidung und Küchenkram nach Fischerhäuser (Hallenstellplatz) zum Wohnwagen gebracht. Am nächsten Tag sind wir mit dem Gespann nach München umgezogen, haben einen TOP-Stellplatz in der Nähe gefunden. Am Mittwoch wurden die restlichen Vorräte ergänzt und die Räder auf’s Dach des Galaxy montiert. Nun sind wir fast abfahrbereit. Geplant ist die Abfahrt für Donnerstag, 12. Mai um 06:00 Uhr früh. Wir wollen über Karlsruhe nach Hinsbeck zu Julia, Stefan und dem kleinen Hannerl fahren und die Pfingsttage dort verbringen, bevor wir uns nach Dänemark und weiter in den Norden verabschieden.
Wir beide sind auch 5 Jahre älter geworden, mal sehen, wie die Kräfte und die Reisebelastungen miteinander harmonieren. Vor dem Start hat es kleinere Probleme gegeben, die aber gelöst zu sein scheinen.
Der nachfolgende Reisebericht wurde unterwegs für die Familie und Freunde geschrieben, um sie an unserer diesjährigen Reise teilnehmen zu lassen.
Weil ich aus dem Forum immer wieder gute Anregungen erhalte, lasse ich auch euch wieder mitlesen. Bilder und ggf. Videos hochzuladen erspare ich mir wg. des Aufwandes.
Und schon geht es los, viel Spaß beim lesen:
Donnerstag, 12. bis Dienstag 17. Mai 2016, München – Hinsbeck, Abfahrt 06:00 Uhr, an 15:00 Uhr
Wir fahren am Donnerstag früh am Morgen und ohne Frühstück los, um dem Münchner Berufsverkehr aus dem Wege zu gehen. Es ist noch kühl, die Eisheiligen haben sich für die kommenden Tage angesagt. Wir fahren über Augsburg und Stuttgart Richtung Karlsruhe, machen zwischen Stuttgart und Pforzheim eine Frühstückspause, bevor wir in Karlsruhe rechts nach Norden abbogen. Es ist ein Graus, dass hunderte LKW die Autobahn verstopfen, die Überholvorgänge der LKW von hinten anzusehen ist ermüdend. Um 13:00 Uhr machen wir am Moselblick Kaffeepause, das Thermometer zeigt 19 Grad. Im Laufe der Fahrt steigt die Temperatur bis 27 Grad. Nach 9 Stunden Fahrt stellen wir in Hinsbeck den Motor ab und werden freudestrahlend von unserem Sohn und der Enkelin in Empfang genommen. Wir richten uns im Haus ein, später kommt unsere Schwiegertochter von der Arbeit heim, wir gehen bei diesem schönen Wetter zum Abendessen in den nahen Biergarten. Es ist schön, wieder mit unserer Jugend zusammen zu sein. Die Enkelin ist vom Baby zu einem ganz lieben Kleinkind gewachsen, sie hat uns schon nach kurzer Zeit in ihr Herz geschlossen.
Wir sind über Pfingsten in Hinsbeck geblieben, das Wetter war eher kalt. Viele Spaziergänge in die umliegende Gegend, Gartenarbeit und zuletzt noch eine Säuberung des PKW und ein Nachkauf der verbrauchten Lebensmittel folgten.
Mittwoch, 18. Mai 2016, Hinsbeck – Hadersleben (DK), Abfahrt 06:00 Uhr, 12 Grad, bedeckter Himmel, an 15:00 Uhr
Um 06:00 Uhr werden wir von unserer Jugend verabschiedet, wir setzen unsere Reise in den Norden fort. Wieder fahren wir ganz früh und ohne Frühstück los, um dem berufsbedingten Verkehr im Ruhrpott zu entgehen. Das hat bis einen kurzen Stau vor Duisburg ganz gut geklappt. Wir kommen zügig voran, schauen das Land an, durch das wir fahren. Es ist gänzlich anders, als wir das von Bayern kennen, total und großflächig bewirtschaftet. Am Straßenrand der A1 blüht Ginster. LKW-Kolonnen ohne Ende, leider auch immer wieder Überholverbot für uns, die Fahrt wird langweiliger. Um 09:00 Uhr machen wir Frühstückspause und warten darauf, dass sich ein unfallbedingter Stau endlich auflöst. Baustellen, LKW-Kolonnen und immer fortwährende Staus wechseln sich ab.
Manche LKW-Fahrer rasen durch Parkplätze, um zwei oder drei Fahrzeuge voraus wieder auf die Autobahn einzubiegen. Man glaubt es nicht, was hier abgeht. Bis Bremen kommen wir nicht richtig voran. Danach kann ich wieder mit Tempomat 100 die LKW zügig überholen. Hamburg wird um 12:00 Uhr durchquert, endlose Baustellen bis zum Abzweig Kiel folgen. Noch in Deutschland tanken wir und trinken Kaffee. An der dänischen Grenze sind Polizeikontrollen eingerichtet, wir wurden durchgewunken. Um 15:00 Uhr erreichen wir den CP Danhostel Haderslev Vandrerhjem, beziehen einen schönen Stellplatz mit Blick aufs Wasser. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm. Ich bezahle für eine Nacht incl. Strom umgerechnet 30 EUR. WIFI ist vorhanden, kostet aber.
Weil wir wieder 9 Stunden unterwegs waren, haben wir den Nachmittag in den Stühlen ausklingen lassen und uns ausgeruht. Später habe ich die neue SAT-Anlage zusammengesteckt, nachdem sich der DOM den Astra1 Satelliten gesucht hatte, waren wir mit allen Programmen bedient, die von dort oben in 36 Kilometer Höhe über dem Äquator abgestrahlt werden.
Passt schon, die neue Technik. Trotzdem ist der Blick in die Natur oft berauschender, als der in die Politik, der wir zu Zeit unterliegen.
Die Vogelwelt veranstaltet ein wunderschönes Konzert, auch Gänse, Nebelkrähen, Kormorane, Möwen, die einen Fischadler attackieren, wurden gesichtet. Wir sitzen bis zum Sonnenuntergang draußen, langsam wurde es kälter, als die Sonnenstrahlen verblassten.
Abends gab es aus der Bordküche zu Essen. Der erste Tagesbericht wurde im Laptop begonnen, die Bilder von der Kamera geladen und angesehen. Um 22:30 haben wir Schluss gemacht und uns in die Betten zurückgezogen.
Donnerstag, 19. Mai 2016, 08:00 Uhr, Rollos hoch, grauer Himmel, 15 Grad, wir wollen heute über Kolding, Odense, Storebaelt-Brücke nach Ishoj bei Kopenhagen fahren
Morgenritual nach ruhiger und erholsamer Nacht: Therme und Heizlüfter an, erstes Frühstück drinnen, die Sonne dringt durch die Wolkendecke, Vogelkonzert am frühen Morgen. Die Abläufe werden wieder eingelernt. Der Kaffee war zu stark, wie viele Löffel Kaffeemehl waren das im letzten Jahr? Und so ging es weiter, bis wir alle Routinen wieder eingelernt hatten. Um 10:10 Uhr sind wir vom CP abgefahren, fahren auf die E 45 Richtung Kolding. Die Verkehrsdichte ist überschaubar, alles fährt max. 110 km/H, wir mit max. 100 km/H. Auch wenn wir nur max. 80 km/h in Dänemark fahren dürften. Bei Frederica fahren wir über die erste Brücke auf die Insel Fünen. Die Gegend wird landschaftlich durchgängig genutzt, Rapsfelder, Windräder, kleine Anwesen und später Industrieansiedlungen ziehen an uns vorbei. Nach einigen Kilometern auf guter Autobahn fahren wir über die Storebaelt-Brücke auf die Insel Seeland. Am Ende der Brücke zahlen wir 51.- EUR Brückenmaut und fahren weiter Richtung Kopenhagen. Die Autobahn wird kurz vor Kopenhagen stark verbreitert, überall wird gebaut und gebuddelt, vierspurig genügt nicht mehr, es müssen 2x 4 Spuren (mit Standspur) sein. Scheinbar wird alles dem Verkehr geschuldet. Die Autobahn E 20 ist gut ausgebaut, links und rechts der Autobahn ist die Böschungsbepflanzung schön anzusehen. Flieder blüht. Unterwegs haben wir zwei Rehe und einige Bussarde gesehen. Die Zufahrt zum CP Ishoj Tangloppen war gut ausgeschildert, wir sind um 13:00 Uhr angekommen, haben uns die freien Stellplätze angesehen und gemerkt. Ab 14:00 Uhr war die Rezeption wieder besetzt, wir haben den Stellplatz 101 direkt am Wasser bezogen, gegenüber ist der Jachthafen von Ishoj. Vor 5 Jahren standen wir am Stellplatz 73. Nach dem aufstellen und ausrichten des Wohnwagens habe ich die Räder vom Dach geholt. Wir machten eine gute Brotzeit bei Sonnenschein und fuhren danach mit den Rädern nach Ishoj Station. Dort besorgten wir im angrenzenden Einkaufszentrum vom Bankomaten die notwendige Landeswährung für Aufenthalt und Einkäufe. Im Bilka Supermarkt, der sehr gut sortiert war, kauften wir Obst, Gemüse und Fleisch für die kommenden Tage, die wir hier verbringen werden. Einiges frieren wir auch ein. Wir erkundigen uns noch nach einem Tagesticket, um Morgen Kopenhagen mit dem Zug/S-Bahn zu besuchen. Leider wird das Wetter nicht schön, Wolken und Regen kündigen sich für die nächsten Tage an.
Zurück am CP genießen wir die letzten Sonnenstrahlen, grillen noch Bratwürste, die wir mit Salat zu Abend essen. Eine Runde um den CP bei untergehender Sonne folgte. Wir verstauen Tisch und Stühle in Anbetracht des sich änderndes Wetters und ziehen uns in den Wohnwagen zurück.
Jetzt um 22:00 Uhr schauen wir uns das Spiel Frankfurt gegen Nürnberg (1:1) an, ich schreibe meinen Tagesbericht, Gerti strickt für unsere Enkelin eine Trachtenjacke.
Für den morgigen Kopenhagen-Besuch habe ich die Kamera und den Camcorder geladen, wir freuen uns schon, Kopenhagen wieder zu sehen.
Freitag, 20. Mai 2016, CP Ishoj Tangloppen, 08:30 Uhr stark bewölkt, 15 Grad.
Weil sich das Wetter nicht für einen Kopenhagen-Besuch eignet, verschieben wir ihn auf Morgen. Wir frühstücken drinnen während das Wetter sich bessert. Weil es gerade nicht regnet, bauen wir erstmals unsere neue Sackmarkise auf. Für den Fall der Regenfälle. Sonne und Wärme tun ja gut und sind willkommen. Später einigen wir uns darauf, einen Radausflug in Richtung Osten, immer am Strand entlang. Mit Regengewand. In der Ferne sind ein KKW und viele Windräder zu erkennen. Der Strand ist Menschenleer, die Luft ist diesig, die Sicht auf ein paar Seemeilen beschränkt. Wir radeln insgesamt 20 Kilometer um uns einzugewöhnen. Wir sehen Graugänse mit Jungen, brütende Möwen und Schwäne auf unserer Tour. Bei der Rückfahrt schauen wir uns im Ishoj-Hafen um, schöne und teure Segel- und Motorjachten liegen im Hafen. Weil sich am Himmel ein Regenschauer ankündigt, fahren wir wieder zum Wohnwagen zurück. Mit Brotzeit, Kaffee und Lesestunden verbringen wir den Nachmittag, schauen dem Treiben im Hafen zu, beobachten Graureiher, Kormorane, Eiderenten und Schwäne. Es ist windig und verstärkt die niedrige Temperatur, wir sind deshalb nicht gerade sommerlich angezogen. Am CP ist Internetzugriff vorhanden, jedoch an unserem Stellplatz nur mit einem Balken. Auch mein WLan-Verstärker bringt keine schnellere Verbindung zustande, Mails kann ich jedoch empfangen und Internetseiten besuchen.
Der nahe Flugplatz von Kopenhagen bringt es mit sich, dass die startenden Flugzeuge bei Westwindlage vom CP Tangloppen aus vernommen werden. Wir hatten eine ruhige Nacht, lediglich in der Frühe war einmal Sprühregen zu hören. Die zusätzlichen warmen Decken helfen uns, die Nächte ohne Frostbeulen zu überleben.
Samstag, 21. Mai 2016, 08:00 Uhr, 15 Grad, schwach windig, bedeckter Himmel, unsere Enkelin Hannah wird heute 1 Jahr alt
Nach dem Frühstück fahren wir mit den Rädern zur Ishoj Station, kaufen zwei Tagestickets (260 DKK) und steigen in die S-Bahn Richtung Kopenhagen Zentralstation. Das Wetter hat sich gebessert, die Sonne scheint immer wieder durch die Wolken. Wir gehen am Tivoli vorbei zum alten Rathaus, sehen einige Brautpaare in der wunderschönen Innenhalle, viele Touristen (wie wir auch), bevölkern die Innenstadt. Wir wandern die große Einkaufsstraße Stoget Richtung Nyhavn, kaufen Tickets für eine große Hafenrundfahrt (160 DKK), die eine Stunde dauert. Kopenhagen vom Wasser aus haben wir noch nicht erlebt, ein neuer Einblick in eine schöne Stadt am Wasser. Die Fahrt geht durch viele Kanäle, an der Oper, natürlich auch an der kleinen Meerjungfrau und der Amalienburg vorbei. Am Dach der im Bau befindlichen neuen Müllverbrennungsanlage soll eine Skipiste entstehen, die Architektur kennt keine Grenzen. Natürlich ging die Fahrt auch an der königlichen Jacht vorbei, beim letzten Besuch haben wir viele Gäste an Deck gesehen.
Nach Rückkehr in den Nyhavn sind wir zu Fuß Richtung Amalienburg gewandert, haben die Wachablösung beobachtet und die Marmorkirken besucht. Später haben wir Kaffee und ein Bier getrunken (10,71 €) und die Beine langgestreckt. Über die Haupteinkaufsstraße sind wir müde zur Zentralstation gegangen, haben uns in die S-Bahn gesetzt und sind nach Ishoj zurückgefahren. Mit den Fahrrädern sind wir anschließend zum CP Tangloppen zurückgefahren, haben ausgecheckt und für drei Nächte 768 DKK, rund 100 € bezahlt. Danach haben wir die Räder aufs Dach gepackt und die Markise eingerollt, wir wollen Morgen nach Karlskrona (Schweden) weiterfahren. Zu Abend haben wir noch draußen gegessen, danach haben wir auch Tisch und Stühle verstaut. Im Fernseher läuft jetzt das DFB-Finale Bayern: Dortmund noch ohne Ergebnis. Ein kalter Wind bläst aus Süd-West, im Wohnwagen ist es gemütlich warm, während draußen einheitliches grau herrscht. In Deutschland werden etwa 30 Grad Wärme in den nächsten Tagen erwartet, in Südschweden die Hälfte. Man kann halt nicht alles haben. Nach einem dramatischen Elfmeterschießen hat der 1. FC Bayern das Pokalfinale gewonnen. Wir sind danach in die Kojen gegangen, es ist nicht mehr ganz so kalt.
Sonntag, 22. Mai 2016, 08:00 Uhr sonnig, 12 Grad, Wind aus SW, einige Kanuten sind schon beim Frühsport, wir schließen uns an und machen uns abfahrfertig.
Die Nacht war ruhig, wir stehen um 08:00 Uhr auf, frühstücken und spannen an. Heute wollen wir über die Öresundbrücke nach Malmö und weiter auf der E 20/ E 22 nach Karlskrona, unserem heutigen Etappenziel.
Abfahrt um 09:30 Uhr bei 110.956 km. Wir tanken noch in Ishoj/Dänemark, weil Schweden und später in Norwegen bei den Dieselpreisen noch höher liegen. Diese erste Tankerei ist wieder spannend. Ich gehe in den Shop, frage ob ich mit EC-Karte zahlen kann, zahle 300 DKK, gehe zur Zapfsäule, gebe den Kode der Quittung ein, versuche Diesel zu bekommen, und das mehrere Male, bis die Pumpe mir den sehnlich erwarteten Diesel spendete. Um 10:30 Uhr fahren wir schon über die Öresundbrücke und erreichen Schweden. Am Ende der Brücke ist die Mautstation, wir zahlen 700 SEK/96 EUR mit Karte und werden danach von einem freundlichen Polizisten nach unseren Ausweisen gefragt. Zwischenzeitlich ist die Temperatur auf 22 Grad gestiegen. Die Autobahn führt um Malmö herum, in Lund fahren wir dann kurze Zeit in Richtung Stockholm, danach Richtung Kalmar/Karlskrona. Die Autobahn ist zum Teil ein bzw. zweispurig, es war wenig Verkehr. Wir sind 90 km/h gefahren und haben die entspannte Fahrweise der Schweden wohlwollend verspürt. Die Landschaft der Region Schonen wird landwirtschaftlich genutzt, viele gelb leuchtende Rapsfelder sind zu sehen, einige Gewächshäuser und landwirtschaftliche Gebäude umringt von Bäumen ziehen vorbei. Hasen, Nebelkrähen, viele Milane wurden gesehen, tote Marder, Hasen und Dachse lagen auf der Autobahn. Bei Karlshamn wurden wir auf einen Lachsfluss hingewiesen, mein Fischjagdinstinkt wurde geweckt. Er wird noch auf eine lange Folter gespannt, bis wir in Norwegen am Atlantik sind.
Um 13:15 Uhr erreichen wir nach 256 Kilometern den Skönstaviks Camping 5 Kilometer vor Karlskrona und nahe der Autobahn, checken für zwei Tage auf dem Stellplatz 62 ein. Zwei Nächte um 480 SEK/52,80 EUR. Das aufstellen, ausrichten, TV-einrichten, Markise-aufstellen, Räder vom Dach holen klappt schon gut, wir machen eine Brotzeit, bevor wir mit den Rädern eine erste Erkundungsrunde nach Karlskrona unternehmen. Wir durchstreifen das kleine Städtchen und den Hafen, holen beim Bankomaten 1.000 SEK (mehr gab es nicht?!) und fahren gegen 17:00 Uhr wieder zum CP zurück. Waren 15 Kilometer unterwegs. Danach gehen wir zum Strand, sehen auf völlig überdüngtes und veralgtes Meer-Wasser an den Schären und fragen uns, wer dafür die Schuld trägt. Nachdem hier auch ein öffentlicher Badestrand ist scheinen die Badegewohnheiten der Bevölkerung etwas anders zu meinen zu sein. Nicht einmal meine Füße würde ich da reinhängen. Zum Abendessen werfe ich den Grill an, Gerti hat lange vorher Kotelett eingelegt, dazu gibt es Grillkartoffeln und Gemüse vom Grill. Bei Sonnenschein und 20 Grad sitzen wir beim Abendessen draußen und genießen unseren Aufenthalt bei Karlskrona. Lediglich der Verkehr der kleinen Straße, die nach Karlskrona führt, wirkt störend. Am CP sind viele feststehende Wohnwägen, heute am Sonntag-Abend fahren einige Bewohner wieder nach Hause.
Die Sonne ist jetzt um 21:30 am untergehen, es wird friedlich und ruhig am CP. WIFI gibt es am Platz, vier Anbieter mit vier Balken, also optimal, ich habe vergessen, mir einen Zugang zu kaufen. Oder bin ich zu geizig, für Normalitäten wie free WIFI Geld auszugeben?
Montag, 23. Mai 2016, 08:30 Uhr sonnig, 18 Grad, Wind aus SO
Wir frühstücken bei Sonnenschein, planen einen zweiten Radausflug nach Karlskrona. Zuvor lesen wir uns in den div. Reiseführern ein, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nicht zu verpassen. Dann fahren wir in leichter Bekleidung wieder „runter“ nach Karlskrona, der Weg war schon bekannt und umrunden auf unserer Erkundungstour den Ort. Er ist im Süden geprägt von der Marine. Sie wurde vor langer Zeit von Stockholm, das nicht immer Eisfrei war, weiter nach Süden verlegt, so ist nun Karlskrona Stützpunkt der Marine Schwedens. Es liegen sehr futuristische Kriegsschiffe im Hafen, die aufgrund ihrer Bauform schwieriger durch das Radar zu orten sind. Karlskrona ist ein schöner, lebhafter Küstenort mit langer Geschichte. Wer erinnert sich noch an U 137? Das russische U-Boot, das 1981 vor Karlskrona in die Schären gekracht ist? Vermutlich niemand. Es war auch ein amerikanisches U-Boot, das die Friedenspolitik von Olof Palme unterlaufen sollte. Schon damals haben die Cowboys getrickst, nicht erst Bush der den Nahen Osten restlos destabilisiert hat, dessen Folgen wir täglich wahrnehmen.
Besonders schön empfanden wir die kleine Insel Stumholmen mit der Bastion Kungshall und dem Marinmuseum. Bei der Heimfahrt haben wir bei Lidl noch Frischwaren eingekauft. Die Lachsfilets am Grill mit Gemüsereis haben wir zu Abend gegessen. In der Badehose bei herrlichem Sonnenschein und warmen Wind. Wir waren 20 Kilometer unterwegs, schön war‘s.
Während in Südtirol unsere Freunde im Regen versinken, die Schneefallgrenze auf 1.000 Meter fiel, Unwetter in Deutschland wüten sollen, haben wir im Norden beste Wetterbedingungen.
Ein paar Vorbereitungen haben wir für die Morgige Abfahrt nach Kalmar bereits getroffen, Wasser, WC und Abwasser sind aktuell, Gerti hat die Koordinaten des nächsten CP ins Navi eingegeben, wir haben die Reiseführer durchgelesen und uns auf die neue Gegend eingestimmt. Das Wetter scheint es gut mit uns zu meinen.
Dienstag, 24. Mai 2016, 08:30 Uhr sonnig, blauer Himmel, 20 Grad, Ab 111.213 km, 10:00 Uhr, 23 Grad
Für heute haben wir die Weiterfahrt von Karlskrona nach Kalmar geplant. Die Sonne brennt auf den Frühstückstisch, wir haben die Markise gestern schon abgebaut. Es ist irgendwie unnatürlich, im gleißenden Morgenlicht im Süden Schwedens zu Frühstücken, während im Süden Deutschlands Landuntergangsstimmung im Frühsommer ist. Wir packen unsere 7 Sachen zusammen, hängen den Wohnwagen an und fahren zur E 22, die uns weiter nach Nord-Osten bringt. Die Autobahn ist zum Teil einspurig, dann wieder zweispurig befahrbar, das Tempolimit ist meist auf 110 km/h begrenzt. So fahren wir gemütlich durch die Landschaft immer darauf bedacht, die Tempoangaben der Schilder und die Ankündigungen auf die fest installierten Blitzampeln nicht zu übersehen. Landwirtschaft wird hier im südlichen Schweden groß geschrieben, viele Raps- und Maisfelder ziehen an uns vorbei. Auch Pferdezucht wird betrieben. Flieder in allen Farben und Obstbäume in Blüte überall. Der Verkehr ist überschaubar und die Fahrweise der Schweden zurückhaltend. Wir empfinden das als sehr angenehm. In einem Maisfeld sehen wir einen Trupp von 45 Kranichen, die sicher nicht zur Freude des Ökonomen Mais-Brotzeit machen. Lupinen am Wegesrand bilden bunte Kleckse im vielschichtigen Grün der Landschaft. Bei Kalmar nimmt der Verkehr etwas zu, wir fahren 10 Kilometer weiter, um beim CP Rafshagsudden für drei Tage Halt zu machen. Drei Tage scheinen lange zu sein. Der heutige Tag mit Anfahrt, Morgen eine Radtour nach Kalmar, Übermorgen eine Autofahrt auf die Insel Öland – und schon sind die drei Tage vorbei.
Wir beziehen den Stellplatz 44, direkt an der Ostsee mit Blick auf die ferne Ölandbrücke. Die Sonne scheint intensiv, ich ziehe mir die Badehose an, bevor ich den Wohnwagen fertig aufbaue. Im Gegensatz zu gestern gibt es hier keinen Verkehrslärm, wir werden vom Vogellärm beschallt! Stare, Schwalben, Schwäne, Graureiher, Graugänse, viele Möwenarten sind hier in unmittelbarer Nähe und in der Bucht vor uns zu sehen. Gerade hören wir Austernfischer, die ihr Gelege vor den Möwen beschützen.
Wir machen eine erste Radtour nordwärts auf eine Landspitze, fahren durch schöne Waldgebiete mit uralten Eichen, kehren bei einem Reiterhof um. Und schon sind wieder 15 Kilometer geradelt, als Training für Morgen. Da werden es sicher 50 Kilometer im Sattel sein.
Im sich neigenden Sonnenlicht essen wir zu Abend, eine wunderbare Stimmung. Am CP ist auch eine geführte Truppe von etwa 20 Holländer-Caravanern, die im Pulk zusammenstehen. Eine scheinbar neue Geschäftsidee für ältere holländische Menschen liegt darin, sie in Gruppen von einem zum anderen CP für schleusen, der bereits vorgebucht ist.
Wir sind da anders aufgestellt, im Winter wird ein Reiseland ausgemacht, wo ich dann im Detail die Reiseroute und einen ungefähren Zeitplan aufstelle.
Nach dem Abendessen und Abwasch sitzen wir noch draußen, ich schreibe meinen Reisebericht, Gerti liest. Mal sehen, ob und wann ich zur Rezeption gehe, wo es kostenloses WIFI geben soll. Vielleicht klappt unsere erste Kontaktaufnahme mit der Außenwelt hier in Kalmar.
Es hat später geklappt, ins Internet zu kommen, habe den Kindern eine erste kurze Mail über unseren Standort gegeben. Die Nacht war sehr ruhig, es war kalt und ein heftiger Nordwind setzte ein.
Mittwoch, 25. Mai 2016, 08:30 Uhr, 15 Grad, starker Nordwind mit 4-5 Bft, die Bucht schäumt, es ist noch diesig, aber die Sonne kommt langsam durch. Auto und Wohnwagen sind voller gelbem Pollenstaub.
Wir beobachten den Aufbruch der Holländer, die sich in Richtung Stockholm davonmachen. Die gelbe Gefahr wird uns sicher noch öfter im Urlaub begegnen. Frühstück draußen, ein Pullover schadet nicht. Wir nehmen danach unsere Räder und fahren von Ravshagen über Lindsdal nach Kalmar Centrum, wo wir kurz vor 12:00 Uhr nach 23 Kilometer Fahrt und 1 ¼ Stunden Fahrt ankommen. Wir gehen in die Domkirche und erfahren, dass um 12:00 Uhr ein Orgelkonzert (Lunchmusik) stattfinden soll. Gespielt werden Stücke von Jaques-Nicolas Lemmens und J. S. Bach, der eine besonders schaurige laute und dramatische Musik geschrieben hat, die die Organistin in die Kirche zauberte. Unverhofft haben wir einen kleinen Kulturbeitrag genossen. Nach einer halben Stunde war das Konzert beendet, alle spendeten Beifall. Draußen auf dem Kirchplatz war herrlichstes Wetter, die Sonne scheint und der Wind pfeift durch die Straßen. Wir durchkämmen mit den Rädern die Altstadt, fahren anschließend Richtung Schloss Kalmar, um es von außen zu fotografieren, ein imposanter Renaissancepalast. Dann fahren wir in den Stadtpark, suchen uns eine windstillere Bank und machen Brotzeit mit Blick auf das Schloss. Dann besuchen wir das Schloss mit seinen vielen sehenswerten Räumen und Ausstellungen. Zum Senioreneintrittspreis von 200 SEK/ 22.- EUR. Die Könige lebten in Saus und Braus, monatlich 63 Ochsen, 28 Kälber und 298 Schafe/Lämmer wurden gebraten etc. Von den Mengen Bier und Wein, die getrunken wurden, wird berichtet, dass im Jahr 1551 3.654 Fässer Bier zusätzlich zur heimischen Produktion importiert, also auch getrunken wurden. Prost, Mahlzeit.
Zwei Stunden haben wir uns das Schloss angesehen, zuletzt noch eine Schilderung und Ausstellung zu den Frauen, die in einem Wachturm gefangen waren. Ihre Unterkünfte wurden gezeigt, auch Folter- und Mordwerkzeuge aus damaliger Zeit.
Die kleine Ausstellung über Astrid Lindgren, die Kinderbuchautorin, erinnerte uns an unsere Kindheit und an die unserer Kinder.
Unser Eindruck von Kalmar war schön, wir werden uns gerne daran zurückerinnern. Wir fahren mit der Rädern zurück zum CP Rafshagsudden, meist direkt am Wasser entlang, manchmal auch durch Wald und Flur. Die Kennzeichnung des Weges hat immer mehr nachgelassen, zuletzt landeten wir in einer Sackgasse. Über Schotterwege ging die Fahrt weiter, bis wir wieder auf vertraute Wege kamen. Insgesamt sind wir 47 Kilometer geradelt, zurück haben wir 2 ¼ Stunden gebraucht.
Zu Abend haben wir eine Portion Lachsfilet gegrillt, noch draußen gegessen. Bei 14 Grad und heftigem Wind hörte aber alle Gemütlichkeit auf, wir haben uns in den Wohnwagen zurückgezogen.
Wir werden noch lesen und uns auf den morgigen Besuch der Insel Öland vorbereiten.
Donnerstag, 26. Mai 2016, 08:30 Uhr, 15 Grad, sonnig, wenig Wind aus NO, ruhige Nacht ohne dass die Markise schlägt
Wir wachen wohlgelaunt auf, heute steht ein Besuch der Insel Öland auf dem Programm. Wie immer Frühstücken wir draußen, beobachten Möwen, Graureiher, Bachstelzen, Stare. Der CP ist wenig besucht. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem PKW auf die Insel Öland – die Königsinsel (Sommersitz der schwedischen Königsfamilie). In Kalmar biegen wir auf die Brücke nach Öland ab, sie ist 6,5 Kilometer lang, und fahren auf die Insel Öland. Gleich beim Ort Färjestaden fahren wir zum i-Punkt und besorgen uns Informationen über die Insel. Wir machen eine Runde in den Süden, besuchen den Strand bei Mörbylänga. Zwei ältere Mitbürger gehen zum schwimmen, noch haben wir keine Lust auf dieses kalte Vergnügen. Die Ostsee stinkt, Tang und Algen am Strand verfaulen. Gegenüber am Festland sehen wir Kalmar und das Schloss. Weiter geht die Fahrt nach Eckelsudde, einem Robben- und Vogelschutzparadies. Viele sehr gut mit optischem Gerät ausgestattete Beobachter stehen am Strand vor der Kolonie. Brandgänse, Strandläufer, Säbelschnäbler, Kiebitze, Küstenseeschwalben und Möwen sehen wir, ein Schwan brütet. Küstenseeschwalben streiten um jeden Meter Nistgebiet. Und als Highlight sehen wir viele Robben, die sich auf Steinen sonnen. Halbmonde im Wasser auf Steinen. Unterwegs sehen wir auf der Insel viele Rinder und Schafe, es gibt auf dieser Tour in den Süden der Insel kaum einen Quadratmeter, der nicht landwirtschaftlich genutzt wird. Ein Besuch der rekonstruierten Burg Eketorp, Ölands einziger erforschter Fluchtburg, gab uns einen Einblick in längst vergangene Zeiten. Innerhalb einer Ringmauer ist ein ganzes Dorf wieder aufgebaut worden. Eine Schulklasse saß in damaliger Kleidung beim Essen, wir wurden Zeitzeugen. Danach fuhren wir zurück nach Färjestaden, tankten bei Statoil voll und kauften bei ICA die ausgegangenen Lebensmittel für die kommenden Tage. Dann ging die Fahrt über die Brücke zurück zum CP. 170 Kilometer sind wir gefahren. Am CP zurück haben wir Brotzeit gemacht und Kaffee getrunken. Danach wurden die Räder am Dach verstaut, auch die Markise wurde eingerollt. Für die kommende Tour durch Mittelschweden habe ich den Reifendruck beim Wohnwagen und PKW geprüft und korrigiert. Bei noch starkem SW-Wind haben wir Kotelett gegrillt, aber drinnen gegessen. Jetzt um 19:30 Uhr hat der Wind nachgelassen.
Morgen geht es weiter nach Lidköping am Vänernsee. Etwa 370 Kilometer über Landstraßen.
Freitag, 27. Mai 2016, Fahrt von Kalmar (Ostsee) nach Lidköping am Vänernsee, Ab 110.505 km, an 111.845 km, gef. 341 Kilometer
Wir sind schon um 07:45 Uhr aufgestanden, weil wir heute eine Fahrt quer durch Süd-Schweden, von unten rechts nach oben links vorhaben. Das Wetter ist kühl, es hat gerade mal 13 Grad, der Himmel ist bedeckt. Das angekündigte Wetter, Regenwetter und starker Wind aus NW (genau gegen an) ist nicht eingetroffen. Ich sehe einen Fischadler in der Bucht, der von einer Krähe angegriffen wird. Nach einem inhäusigen Frühstück hat die Bordroutine, anspannen bis zahlen (735 SEK/80 EUR) und zuletzt PKW-Fenster sauber machen prächtig geklappt. Um 09:40 Uhr sind wir vom empfehlenswerten CP abgefahren. Die Fahrt geht über die A 22 nordwärts bis Alem, dann links die 34 bis Vimmerby, weiter die 33 bis Eksjö, dann die 31 nach Jönköping, die 26 nach Skövde, links ab die 49 nach Skara und die 184 nach Lidköping. Fast die ganze Strecke fuhren wir auf Landstraßen, zum Teil wie auf einer Achterbahn, rauf und runter, Kurven links und Rechts. Ein Hinweisschild auf einen Skilift zeigt, dass hier im Winter auch Skigefahren wird. Bis Jönköping war der Verkehr sehr gering, wir sind Kilometerlang ohne einen anderen Verkehrsteilnehmer zu sehen, gefahren. Immer wieder ELCH-Warnschilder, leider haben wir keinen gesehen. Lupinen am Straßenrand, ein Bussard, ewig singen die Wälder links und rechts der Straßen. Kleine Ortschaften, Viehwirtschaft, manche bäuerlichen Anwesen sind runtergekommen. Überall Blitzampeln, auf die vorher immer hingewiesen wird. Ortsdurchfahrten oft 30 – 40 km/h, insbesondere bei Schulen, Kindergärten und Fußgängerüberwegen. Und alle Verkehrsteilnehmer halten sich daran. Später ab Vetlanda wird das Land flacher, LKW mit 5-achsigen Anhängern fahren Kolonne. Wir sind mitten drin. Warten darauf, dass sie an einer mehrspurigen Bergstrecke schwächeln und wir sie zügig überholen können. Wir sehen ein Stück vom Vättern See, stehen in Jönköping im Baustellen-Stau und sind froh, dass ein Großteil des Verkehrs sich rechts Richtung Stückholm bewegt. Wir fahren die letzten Kilometer bis Lidköping, das Navi findet den CP Kronocamping auf Anhieb. Es ist 14:30 Uhr, 13 Grad sind nicht gerade warm. Alles ist Gewohnheitssache. Wir checken für zwei Nächte ein (610 SEK/67 EUR), beziehen den Stellplatz 414, stellen alles auf und gönnen uns eine Kaffeepause. Später lesen wir uns ein, was uns in Lidköping und Umgebung alles erwartet und machen einen Spaziergang am Ufer entlang zum Yachthafen. Ich schreibe meinen Tagesbericht, Gerti kocht, Percy Sledge singt dazu. Und der CP füllt sich am heutigen Freitag zusehends. Der kleine Heizlüfter und lange Schlafanzüge werden uns später warm halten.
Es ist spannend, zuzusehen, wie andere Caravaner ihre Gespanne auf die Stellplätze stellen. Einige sind Könige im rückwärtsfahren, bewegen das Gespann ohne Mover traumhaft. Andere tun sich etwas härter. Wir stehen in dritter Reihe, kommen hoffentlich am Sonntag, unserem Abreisetag wieder auf den Fahrweg, oder wir werden eingeparkt? Wir haben aber einen Radantrieb (Mover) und können Zentimetergenau (aus)rangieren.
Durch die schwedische Niedrigalkoholpolitik hat sich mein Bierdurst verringert. Mein Biervorrat aus Deutschland hatten jeweils über 5 VOL %, hier habe ich ÖL von Heineken mit 3,5 VOL % im Supermarkt kaufen müssen, es schmeckt nicht so. Ich sehe schon traurigen Zeiten entgegen. Pfefferminztee zum Abendessen, Mist!
Samstag, 28. Mai 2016, 08:30 Uhr 15 Grad, leicht bewölkt, Stadtbesuch von Lidköping und PKW-Ausflug zum Schloss Läckö auf der Insel Kallandsö
Die Nacht mit den langen Schlafanzügen war wohlig warm, der Tag begann gut. Der Vänernsee hinter uns rauschte an den Strand, der CP wurde ab 24:00 Uhr ruhig, vorher war noch eine wummernde Discomusik zu hören, die nur durch ein zusätzliches Kopfkissen auf dem Ohr zu ertragen war. Was bilden sich denn die Kneipenbetreiber ein, dass sie die Musik so laut stellen, dass der CP mitbeschallt wird?
Frühstück drinnen bedeutet, dass es draußen zu kalt war. Um 10:00 Uhr sind wir zu Fuß zu dem Nya standens Torg (Rathausplatz) gegangen, wo jeden Samstag Markt ist. Viele Blumen, ein wenig Obst z. B. Erdbeeren aus Belgien!?, Kleidung, Schuhe, Lederwaren etc. Es war wie ein kleiner Gardasee Markt, viel Gruscht, aber schön anzusehen. Heute stand auf dem Veranstaltungsplan: Liebevolles Lidköping mit Drop-in-Trauung und Singlevestival. Im Rathaus sind wir darauf hingewiesen worden, weil wir den schönen Blumenschmuck bewunderten. Später in der Nicolaikirche wurden wir informiert, dass heute Hochzeitstag ist, jeder kann kommen und sich (wieder) trauen lassen. Wir haben uns mit einer Dame gut in Deutsch unterhalten, die uns abschließend den Tipp gegeben hat, unbedingt das Läckö Slott, das 25 Kilometer vom CP entfernt ist, anzusehen. In Lidköping haben wir noch ein kleines Stadtviertel, den Handwerksgarten beim Hafen, angesehen, hier stehen noch Häuser aus dem 17. Jahrhundert, auch Ateliers und werden zum Teil bewohnt. Beim nach Hause gehen sind wir noch in das Outlet des Rörstrand Porzellan Museum gegangen und haben gesehen, mit welchen Gerätschaften in Schweden gekocht und womit getafelt wird.
Danach sind wir noch ins nahe Einkaufszentrum gegangen und haben uns inspirieren lassen, was wir heute zu Abend essen würden. Wir sind bei Köttbullar (Fleischklößchen) gelandet, auch frische Lachsfilet waren gut im Rennen. Am CP angekommen haben wir unsere Einkäufe verstaut und sind dann mit dem Wagen zum Läckö Slott, die Stammburg der Bischöfe von Skara, die 1298 auf der äußersten Landzunge der Insel errichtet wurde, gefahren. Aus Zeitgründen haben wir die Räume nicht besichtigt, sind weiter zum Fischerdorf Spiken gefahren und haben es erwandert. Danach sind wir wieder zum CP zurück gefahren, ich habe mit dem Tagesbericht begonnen und eines von den schwedischen Bieren konsumiert. Es war draußen leider zu kalt und zu windig, um zu schreiben, im Wohnwagen war es gemütlicher, Gerti hat gekocht. Später haben wir uns noch über die Landkarte gebeugt, um die morgige Route ans andere Ende des Vänernsees, nach Karlstad, an zu sehen. Bei den Nachrichten um 19 Uhr, konnten wir schwere Unwetter in Deutschland verfolgen, mit Wassermassen und kniehohem Hagel und das alles bei 27 - 30 Grad. Da sind wie mit unserem Wetter zufrieden, etwas kühl aber ohne Regen. Der Vänernsee wirft immer noch Wellen, so windig ist es noch.
Sonntag, 29. Mai 2016, 08:30 Uhr, durchgängig grauer Himmel, 15 Grad, fast windstill. Gef. 350 km
Für heute haben wir die Reise von Lidköping nach Karlstad geplant, an das nördliche Ende des Vänernsees. Wir haben gestern Abend schon die Markise eingerollt und Tisch und Stühle im Wohnwagen verstaut, die Wettervorhersage war nicht positiv. Aber an einem nicht schönen Tag zu reisen ist besser, als ihn am CP auszusitzen. Wir fahren nach dem Frühstück und dem auschecken (100 SEK Strafe für eine verlorene Karte) aus Lidköping auf die Straße 44 Richtung Mariestad, danach auf die 26 Richtung Mora. Die Fahrt ging an Golfplätzen, Flachhasen (überfahrene Kaninchen), Maisfeldern und am Berg Kinnekulle (306 m über NN) vorbei. Der Himmel ist grau, manchmal sprüht es Regen. Nach Mariestad fasse ich den Beschluss, an diesem grauen Tag nicht nach Karlstad, einer weiteren Stadt zu fahren, sondern weiter auf der 26 nach Mora zu fahren, das wir nach Karlstad im Reiseprogramm hatten. Das Wetter wird immer schlechter, ein erster Halbregentag auf unserer Reise beginnt. Wir fahren auf der 26 auf rotem Straßenbelag nach Norden, durch endlose Wälder, an Seen und Flüssen entlang. Oft kilometerlang ohne einen anderen Verkehrsteilnehmer zu sehen. Die Natur ist etwas weiter zurück, Obstbäume sind in beginnender Blüte, Löwenzahn, der weiter südlich schon verblüht war, beginnt zu blühen. An einem der vielen Seen machen wir um 13:00 Uhr eine kleine Pause, ab 14:45 Uhr regnet es nicht mehr, es wird wieder wärmer (14 Grad). Um 15:20 Uhr erreichen wir den Sollerö Campingplatz am Siljan See bei Mora, sind 350 Kilometer meist auf gut zu befahrenden Landstraßen gefahren. Das Navi hat uns metergenau geleitet.
Am CP angekommen suchen wir den Besitzer, haben den Wunsch, einen sonnigen Platz für zwei Tage zu beziehen und checken auf Platz 182 ein. Er ist frei vor dem Siljan See Strand, WIFI und Südrichtung für SAT-Empfang scheinen gut zu sein. Wir fahren in Richtung des Stellplatzes und der PKW kommt im weichen Untergrund ins stocken. Ich wühle mich im Untergrund ein. Pause. Steine unter den Vorderrädern und ein freundlicher Mithelfer sowie Vor- und Rückwärtsschaukeln des Gespannes brachten die rettenden Meter zum Stellplatz, der etwas aufgeschottert war. Es begann wieder zu regnen, als wir den Wohnwagen aufstellten und die Markise ausfuhren. Beim einrichten der SAT-Anlage gab es zwei Mal keine Verbindung zum ASTRA 1 Satelliten, eine Birke und eine Kiefer standen im Wege. Erst beim dritten Versuch klappte die Verbindung, wir konnten die Niederlage der Nationalmannschaft in Augsburg sehen. Bei uns in Mora regnete es genau so, wie in Augsburg. Der Heizlüfter läuft, die Bordküche wurde für das Abendessen bemüht, ein erster Halbregentag auf unserer Reise geht zu Ende. Internetverbindung ist kostenlos und klappt. Die Verbindung zur Außenwelt ist hergestellt, schaun wir mal, was wir heute und Morgen noch machen.
Montag, 30. Mai 2016, 08:30 Uhr grauer Himmel, 15 Grad, Wolkendecke bei 300 m, der Skiberg hinter uns ist in Wolken, Ausflug nach Mora, 37 km gefahren
Mora ist der Ort am Siljan See, wo der Wasa-Lauf nach 90 Kilometern endet. Er beginnt in Sälen. Die schnellste gelaufen Zeit für diese Strecke beträgt 3:38 Std. Aus Mora kommen auch die kleinen roten Dala-Holzpferdchen, die ganz früher noch in winterlicher Heimarbeit von den Bauern geschnitzt wurden. Soviel habe ich gestern Abend noch aus dem Schweden-Reiseführer entnommen und behalten.
Wir hatten eine ruhige Nacht, kein Wunder bei einem Ferien-CP, der nur von ein paar älteren Pärchen, uns eingeschlossen, bevölkert wird. Beim Frühstück ist noch alles grau in grau und kühl. Nach dem Frühstück fahren wir nach Mora, tanken voll und parken kostenlos am See. Wir machten einen kleinen Stadtbummel, schlenderten durch das Zieleinlaufssgebiet des Vasalaufes beim Vasa Museum, gingen durch ein Wohngebiet mit vielen kleinen Holzhäusern und schönen Gärten, besuchten die Kirche, gingen durch das Zorn-Museum (Maler und Kunstsammler) und kauften schließlich noch ein rotes Dala-Pferdchen und Frischwaren ein. In Mora ist auch ein schöner Stadtcampingplatz, den wir beim Spaziergang entdeckten.
Weil wir wissen, dass in Schweden der Wein preiswerter als in Norwegen ist, habe ich noch je ein Blockpack Pinot Grigo und Umbala Red, je drei Liter, um 368 SEK/40,25 € gekauft. Beide Packs hätten in Deutschland höchstens 12 € gekostet. Soviel zur Alkoholsteuer im Norden.
Die Sonne kam langsam durch und machte dem Einheitsgrau den Garaus. Danach fuhren wir zum CP zurück und machten im Sonnenschein Brotzeit. Die Welt sieht mit Sonne einfach viel freundlicher aus. Auf dem gegenüberliegenden Skiberg liegt auf der Piste noch etwas Schnee. Gerti nutzt den nachmittäglichen Freiraum zur eigenen Renovierung, ich schreibe den Tagesbericht und schaue auf die Landkarten um zu sehen, was die nächsten Tage alles bringen.
Weil das Wetter schön ist, werden wir heute den Grill anwerfen und Kotelett und Kartoffeln grillen. Dazu gibt es Dünnbier aus der Backskiste, weil ich zu knickrig war, beim halbstaatlichen Alkoholmonopol-Laden teures Bier mit mehr als 5 VOL% zu kaufen.
Wir haben die Markise gerade eingerollt, die Bilder sind von der Kamera geladen, die Sonne scheint, grad schön ist es.
Morgen werden wir nach Sveg und danach nach Östersund weiterfahren.
Dienstag, 31. Mai 2016, Ruhestörung in der Nacht, Fahrt von Mora nach Sveg,
Nachts um 03:00 Uhr, es ist schon so hell, dass man Zeitung lesen könnte, haben wir ein Beziehungsdrama der arabisch/schwedischen Art am CP zu hören und sehen bekommen. Ich bin durch Frauenschreie aufgewacht, stand auf, machte die Wohnwagentüre auf, rutschte auf dem Tritthocker aus und machte eine Rolle vorwärts ins taufrische Gras. Nachdem ich mich wieder aufgerappelt habe, vernahm ich, wie ein Mann und eine Frau heftig und laut stritten und schrien. Sie waren keine Campingplatzgäste. Er, ein arabisch aussehender Mann um die dreißig schrie auf die etwa 25 jährige Frau ein. Zwischenzeitlich sind noch weitere CP-Bewohner aufgewacht und in Richtung der Streitenden gegangen. Wir versuchten dem Treiben des Mannes Einhalt zu gebieten, er ging darauf nicht ein und beschimpfte die Frau weiter. Merkwürdig war, dass die Frau nicht bei uns Schutz gesucht hat, sondern sich die lautstarken Beschuldigungen anhörte. Ein Schwede hat mit dem Handy die Polizei verständigt, die nach einer halben Stunde kam. Der Mann hörte nicht auf, auf die Frau einzuschreien, sie auch zu stoßen. Das war der jungen Polizistin zu viel. Der Dialog zwischen Polizei und dem Mann erfolgte über einen Translator. Zu guter Letzt wurde der Mann in Handschellen in den Polizeiwagen geschoben, die junge Polizistin saß in der Mitte und die junge Frau daneben auf der Rückbank. Dann sind sie abgefahren. Mir war saukalt, ich hatte ja nur meinen Schlafanzug an. Und mich am Knie und an der großen Zehe beim Salto vorwärts gscheit verletzt. Pflaster haben die rote Farbe etwas in Schach gehalten, die Bettsocken haben danach wieder etwas für Wärme im Untergestell gesorgt.
Fazit: Es geht nach meinem Verständnis und Rechtsgefühl nicht, dass ein Mann (gleich welcher Nationalität) eine Frau derart niedermacht, an den Haaren zieht und sie aus Angst zum schreien bringt! Da musste ich aufstehen, mich mit dem Mann auch verbal anlegen und darauf gefasst zu sein, mich mit ihm zu prügeln.
Soviel zur nächtlichen Ruhestörung am Siljan See. Ich finde es gut, dass Strände öffentlich sind, ich finde es nicht gut, dass sich solche Szenen deshalb abspielen können, weil die Schranke zum CP in der Nacht nicht geschlossen ist.
Wir haben noch einige Minuten gebraucht um die Situation zu verdauen, danach konnte ich wieder einschlafen. Um 08:30 sind wir dann bei strahlendem Sonnenschein aufgestanden, haben im Sonnenschein gefrühstückt, die Abfahrt-Bordroutine durchgespielt, 560 SEK für zwei Nächte bezahlt und sind abgefahren.
Unsere Fahrt ging über die E 45 Inlandsvägen wieder nördlich, es war wenig Verkehr, die Straße war bis auf Ausnahmen (kleinere Baustellen) gut befahrbar. Viele Wälder, Berge und Täler haben wir durchfahren, keinen Elch gesehen. In dieser Region wird sehr viel Holz geschlagen, befördert auf LKW und per Bahn. Unser höchster Punkt war heute 530 Meter, wir haben links von uns die Höhenrücken des Fjells gesehen, die Schweden und Norwegen trennen. Unterwegs haben wir auf einem der wenigen Parkplätze an einem See Halt gemacht, ich habe etwas von fiske gelesen, mein Jagdtrieb ist erwacht, ich habe die Angel fertiggemacht und mit Blinker und Gummifisch der Forelle nachgeworfen, die ich gesehen habe. Bis auf einige Unterwasseräste habe ich nichts gefangen, aber schön wars. Später auf der Fahrt an einem Parkplatz hinter einem kleinen Wasserfall habe ich es wieder mit dem Angelglück versucht, leider nichts. Obwohl ich als Forelle an dieser Stelle gerne gelebt und mein Leben an einem wunderschönen neuen Blinker ausgehaucht hätte. Aber jeder sieht das anders.
In Sveg angekommen ist die Außentemperatur bei 25 Grad warm genug, mit freiem Oberkörper die Aufstellangelegenheiten und die nachfolgende Brotzeit zu gestalten. Der CP liegt in der Nähe der E 45, die stark befahren ist und in einem Gewerbegebiet mit Supermarkt, Sportzentrum und Fluss. Leider optisch und akustisch nicht das, was wir uns nach dem bis auf eine nächtliche Ausnahme ruhigen CP am Siljan See vorgestellt haben. Ich habe für eine Nacht einklariert und bezahlt, es werden sicher noch schönere CP kommen, wo wie die bisher drei eingesparten Reisetage verbringen werden. Nach einer Brotzeit haben wir einen kleinen Bummel ins CP-Umfeld gemacht, der i-Punkt war geschlossen, im Monopolladen haben wir 6 Dosen Bier über 5 %Vol erstanden und viel Spaß mit der Verkäuferin wegen der hohen ÖL-Preise gehabt, die ja in Norwegen den Faktor 2 zu Schweden haben werden. Nach Rückkehr zum CP haben wir relaxt, danach den Grill angeworfen und Lachs mit Salat zu Abend gegessen. Und dann ist ja noch jeden Abend die Fingerübung mit dem täglichen Reisebericht zu bewerkstelligen, während Gerti Haus und Hof in Ordnung hält.
Die Drosseln, Stare und Schwalben sind hier genau so emsig dabei, ihre Jungen zu füttern, wie bei uns im Süden. Um 22:00 Uhr kehrt langsam Ruhe ein, es sind nur noch Wanderarbeiter aus dem Osten beim Duschen unterwegs, die hier in Hütten wohnen.
Weil wir am CP wieder WIFI-Verbindung haben, konnten wir die vielen Bilder unserer Enkelin zum 1. Geburtstag runterladen und uns freuen, dass unserer Jugend so ein nettes Butzerl gelungen ist. Jedes Bild von den 56 Bildern zeigt eine kleine, selbstsichere Maus, die das Leben genießt.
Jetzt ist es 21:45 Uhr, die Sonne geht langsam unter, der Verkehr ist nicht zu überhören. Morgen ist ein anderer Tag, mal sehen, was er bringt.
Ingo Martin
 
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Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 2

Beitragvon Ingo Martin » Di, 29. Nov 2016, 19:14

Mittwoch, 1. Juni 2016, wir haben vor, nach Östersund zu fahren, 08:30 Uhr aufstehen, es ist sonnig und schon 21 Grad warm.
Die Nacht war wider erwarten doch ruhiger, als die nahe E 45 am Ortseingang von Sveg vermuten ließ. Ich bin in die wirklich neuwertige und saubere Sanitäranlage zur Renovierung gegangen. Wir haben danach im Freien, ich oben ohne, gefrühstückt. Butter und Wurst musste vor der Sonne geschützt werden. In aller Ruhe haben wir zusammengepackt und angespannt, sind auf die E 45 gefahren, die uns in 198 Kilometern nach Östersund gebracht hat. Unterwegs haben wir einmal an einem kleinen See Halt gemacht und die Ruhe und die Stimmung des menschenleeren Gebietes genossen. Optisch Natur pur, akustisch leider nicht. Die Lärmemission der vorbeifahrenden Autos war nicht zu überhören. Der Verkehr war wirklich überschaubar, bei der heutigen Fahrt gab es wieder mehrere Blitzampeln, die wir hoffentlich alle registriert haben. Bei einem lange angekündigten Museum haben wir Halt gemacht und vieles über die Lebensweise der Bevölkerung erfahren. Es wurden auch die ältesten Wandteppiche Europas in Kopie ausgestellt, die hier gewebt und gefunden wurden. Wir haben noch Kaffee getrunken und uns wieder auf die E 45 begeben. Die Fahrt ging durch Wälder, weites Land, vorbei an unzähligen Seen und Bauerngehöften. Auch einige Getreidefelder haben wir gesehen. Am Horizont sehen wir immer wieder Bergrücken mit Schneeresten, wir nähern uns Östersund, einem schwedischen Biathlon Austragungsort. Seit vielen einhundert Kilometern Fahrt in den Norden sehen wir Elch-Warnschilder und würden uns auf eine Begegnung freuen. Nachdem wir Östersund erreicht haben suchten wir den CP auf der Insel Frösun, der gut ausgeschildert war. Er ist aber zu weit vom Wasser und von der Kleinstadt Östersund entfernt gelegen. Deshalb haben wir umgedreht und den CP Sandviken angefahren, einen Stellplatz direkt am Wasser mit Blick auf die Brücke und dahinter Östersund bezogen. Eine in der Landkarte gelbe (kleine) Straße gleich neben dem CP erweist sich als viel befahren. Mal sehen, wie ruhig die Nacht wird. Am späten Nachmittag habe ich vom Steg mit Blinker und Gummifisch gefischt, zwei Bisse kleinerer Forellen waren kein „grillwürdiges“ Ergebnis. Deshalb gab es zu Abend Nudeln mit Putenfleisch und Overginen. Während ich meinen Reisebericht draußen vor dem Wohnwagen schreibe, geht die Sonne um 22:15 Uhr hinter der Insel Frösön unter, der See ist ruhig, vorher haben junge Leute noch vom Steg aus gebadet, dem Geschrei nach, hat das Wasser noch keine Badequalität. Die leichte Bewölkung leuchtet rot im untergehenden Sonnenlicht.
Ich habe die Räder schon vom Autodach geholt, wir wollen Morgen mit den Rädern Östersund besuchen, im Reiseführer haben wir schon geblättert um zu sehen, was uns erwartet. Weil wir ein schönes Abendrot haben, sollte das Wetter gut werden.
In den Nachrichten hören wir gerade von den Überschwemmungen in Niederbayern. Wir haben seit zwei Tagen Sonnenschein und frühsommerliche Temperaturen hier oben im Norden.
Mit Östersund haben wir den nördlichsten Punkt unserer diesjährigen Reise erreicht. Jetzt geht es westlich über Are nach Trondheim in Norwegen.
Donnerstag, 2. Juni 2016, 08:30 Uhr, sonnig, 20 Grad, Rad-Ausflug nach Östersund, wir sind nun schon drei Wochen unterwegs
In der Nacht war es nicht dunkel, eher hellgrau, obwohl wir noch weit südlich des Polarkreises sind. Gestern Abend haben wir noch eine Lesestunde eingelegt, der Verkehr hat allmählich abgenommen.
Unser heutiges Frühstück fand im Sonnenschein statt, eine dunkle Wolke zog auf und regnete ab. Den Rest des Frühstücks, die zweite Tasse Kaffee, verlegen wir kurzfristig in den Wohnwagen. Der Verkehr auf der kleinen Straße ist unüberhörbar. Die san. Verhältnisse des CP sind miserabel, ich habe nur geduscht, den Rest erledigte ich im Wohnwagen. Die Wettervorhersage für heute ist nicht gerade günstig.
Nach einer Stunde des Wartens haben wir uns Stadtfein (mit Regengwand) gemacht und sind mit den Rädern etwa 2 ½ Kilometer in die Altstadt von Östersund gefahren. Die Brücke, über die wir mussten, war alleine 1 ½ Kilometer lang mit einer Scheitelhöhe von 20 Metern. Wir haben die Räder am Stortorgat (übersetzt etwa Stadtplatz) abgestellt und sind zu Fuß zum i-Punkt gegangen, um uns mit Infos zu versorgen. Wie immer sage ich Grüß Gott oder guten Tag, wir kommen aus Deutschland, um zu testen ob eine der Damen deutsch spricht. Diesmal hat es geklappt, wir haben uns gut unterhalten und alle für uns wichtigen Informationen erhalten. Wir sind zu Fuß kreuz und quer durch die Altstadt und Fußgängerzone gewandert und Geschäfte und Bürger und Touristen angeschaut. Es ist alles vorhanden an Marken und Menschen aus aller Welt. Östersund ist quicklebendig. Kebab und Dönerläden sind an vielen Straßenecken, das mag auch damit zu tun haben, dass eine Universität da ist und viele junge Leute die Straßen bevölkern.
Mit den Rädern sind wir dann zum Biathlon-Stadion von Östersund gefahren, haben uns den Schießplatz und die Strafrunde, natürlich auch die Tribünen, Reporterkabinen etc. angesehen. Vom letzten Wettbewerb sind noch alle Patronenhülsen am Boden gelegen, keiner hat sie weggekehrt. Der Messingpreis scheint niedrig zu sein. Ein Sportler trainierte auf Rollerskates und ohne Stöcke, machte aber die Armbewegungen dazu! Die Saison hat scheinbar für ihn schon wieder begonnen. Dann sind wir zum Tower, der gleich neben dem Stadion steht, sind mit dem Lift 9 Stockwerke nach oben gefahren und hatten einen schönen Überblick über Östersund, den Storsjön, das ist der See, an dem Östersund liegt, über das Biathlon-Stadion und die Gegend um Östersund gehabt. Vom Tower hatten wir einen Maxi-Superstore entdeckt, den wir gleich anschließend aufsuchten, um Frischware einzukaufen. Beim Bierregal habe ich dann dazugelernt. In Supermärkten darf nur Ol (Bier) bis 3,5 Vol% verkauft werden, in den lizensierten Verkaufsstellen, gibt es Bier bis 7,5 Vol%. Vom Preis des Bieres, egal welcher Stärke, will ich nicht sprechen. Der für starkes Bier grenzt schon an antiquarische Liebhaberpreise! Aber das wussten wir ja.
Vom Maxi sind wir dann zum Hafen von Östersund gefahren, haben uns in die Sonne gesetzt und die Stimmung genossen. Kinder sind vom Vinterbadet (Winterbad)-Steg ins Wasser gesprungen. Später haben wir auch zwei Buben bei uns am Steg ihre ersten Badeaktivitäten absolviert, mit viel gezitter. Es ist halt kalendarischer Sommer! Auch wir waren ob der Morgendlichen Wetterkapriolen viel zu warm angezogen, später hatten wir nur Hemd/Bluse an, Pullover und Jacke hatten ausgedient. Nach unserem Östersundbesuch sind wir mit den Rädern – über die Brücke – wieder zum CP zurückgefahren, haben Kaffee getrunken bzw. Brotzeit gemacht. Das Wetter hat sich wieder gedreht, grauer Himmel und gelegentlicher Donner waren zu hören. Ich habe schleunigst die Räder wieder am Dach verstaut. Nach kurzer Zeit hat sich das ferne Gewitter verzogen, die Sonne kam durch und wir konnten unseren Grillabend beginnen. Hähnchenschenkel mit Gemüsereis, dazu Mariestad’s Klass. II Bier mit 3,5 %Vol. Zur Nachspeise gibt es zurzeit Burbon, nachdem Ouzo und Obstler ihr irdisches Dasein bereits ausgehaucht haben.
Jetzt um 19:45 Uhr sitzt Gerti im Licht der sich neigenden Sonne am Strand, der keine 5 Meter entfernt ist, ich schreibe noch am Reisebericht und schaue noch in den Bilderordnern, welche Bilder ich bei der nächsten Rundmail anhänge.
Morgen fahren wir rund 100 Kilometer nach Westen, Are oder ein Ort ein paar Kilometer vorher sind unser Tagesziel. Ruhiger kann es wieder werden, und endlich „fischiger“, ich bin schon ganz wepsig!
Freitag, 3. Juni 2016, 08:30 Uhr, sonnig, aber starker Wind aus West, 4-5 Bft., 13 Grad, Fahrt von Östersund nach Halland
Wir stehen nach relativ ruhiger Nacht um 08:30 Uhr auf, draußen bläst ein kalter Wind, die Sonne wärmt nur mäßig. Morgentoilette wie gestern. Frühstück im Windschatten des Wohnwagens, danach Abfahrtroutine. Der Storsjön schäumt, ich schaue auf die Brücke, die wir später überfahren müssen, denke, dass der Wind nicht so stark bläst, sie also passierbar sein wird. So war es auch. Wir fahren um 10:30 Uhr durch Östersund, dann auf die E 14 Richtung Trondheim. Wir fahren durch eine schöne Vorgebirgsgegend, rauf und runter, oft den Blick auf weit in der Ferne befindliche, noch schneebedeckte Berge. Voraus muss ja Are, Schwedens Wintersportzentrum liegen. Die Fahrt geht an Seen und Flüssen entlang, einige Ortschaften werden durch Geschwindigkeitsbegrenzungen und Blitzampeln angekündigt. Wiesen, in denen der Löwenzahn jetzt in voller Blüte ist, zeigen uns, dass die Natur hier im Norden noch etwas zurück ist.
Etwa 20 Kilometer vor Are biegen wir von der E 14 links ab zum CP Ristafallet. Hier habe ich aus meinen Vorrecherchen einen Wasserfall (Ristafallet) eruiert, den wir besuchen wollten. Der CP liegt romantisch am Fluss, keine 20 Meter von unserem Stellplatz rauscht der Wasserfall. Gestern hatten wir das Rauschen des Autoverkehrs, heute rauscht der Wasserfall. Beim einchecken erfahre ich, dass es hier WIFI gibt und viele schöne Ausflugsmöglichkeiten ins nahe Fjell bestehen. Wie lange wollen wir hier bleiben, weil es so schön ist? Wir stellen den Wohnwagen auf, Gerti wäscht zum ersten Mal dieser Reise Wäsche, die bei Sonnenschein und noch immer kräftigem Wind, an der Wäschespinne schnell trocknet. Wir machen eine erste Begehung des Wasserfalles, ich habe meine Angel mit Forellenblinker dabei. In einer Gumpe versuche ich mein Glück, das mich im Stich lässt. Die Fließgeschwindigkeit des Stromes ist einfach zu schnell. Ich versuche mein Glück noch oberhalb des Wasserfalles, ohne essbaren Erfolg. Eine kleine Forelle, die ich gefangen habe, wurde wieder in den Fluss zurückgesetzt, einen kleineren Blinker habe ich angebaut.
Nachdem mit Fischerfolgen im Fluss nicht zu rechnen war, bin ich zum Wohnwagen zurückgegangen. Ausgestattet mit der gesamten Foto- und Filmausrüstung haben wir dann eine Wasserfallbegehung, zwei Kilometer hin und zurück, gemacht und in vielen Einstellungen schöne Bilder und Videos gemacht. Am Wasserfall entlang führt auch ein Pilgerweg. In einer hohen Esche brütet ein Schwarzspecht, ein Junges schaut aus der Baumhöhle und ruft rund um die Uhr nach Futter.
Zu Abend wurde dann im frischen Wind, aber vollem Sonnenschein, draußen gegessen. Nach dem Abwasch haben wir unter Decken in den Relaxliegen im Sonnenschein gedöst, einfach nur schön. Irgendwann wurde es dann doch zu kalt und wir haben uns in den Wohnwagen zurückgezogen, den kleinen Heizlüfter und den Fernseher angemacht. Ich schreibe meinen Reisebericht, Gerti strickt für die Enkelin am Vorderteil einer Jacke. Die Bilder müssen jetzt noch gesichtet und aussortiert werden, dabei ist es schon wieder 22:00 Uhr. Es ist immer noch hell, das Zeitgefühl ist durcheinander. Und Sterne sehen wir auch nicht, weil es nicht dunkel wird.
Samstag, 4. Juni 2016, 08:30 Uhr aufstehen, 8 Grad kalt, bewölkt.
Früh am Morgen blitzelt die Sonne durch die Wolken, es ist windig, kalter NW-Wind. Die Sanitäranlagen sind gut, ich habe ein nettes Gespräch mit einem 77-jährigen Finnen, der noch in der Schule deutsch gelernt hat. Da war halt England noch keine Sprach-Weltmacht und Russisch verpönt. Wir haben drinnen gefrühstückt. Danach Wanderkleidung und Wanderschuhe angezogen. Danach sind wir 25 Kilometer ins Wandergebiet bei Ottsjö gefahren, eine gute Straße. Weil wir den Einstieg in die geplante Route 260 nicht gleich gefunden haben, habe ich beim Lanthandel (Gemischtwarengeschäft/Kramerladen, der fast alles hat) nachgefragt. Die Frau sprach sehr gut deutsch und hat mich gut beraten. Wir haben dann im Laden noch Brotzeit und Frischwaren eingekauft und sind zum „Einstieg“ gefahren. So richtig haben wir ihn nicht gefunden, nur ansatzweise. Es war die Winter-Langlaufloipe, die ähnlich der Wanderroute 260 verlief, wie wir aus der Karte ersehen konnten.
Wir stiegen durch den Wald, über Moorwiesen, immer in der Hoffnung, dass sich ein befestigter Wanderweg zeigt. Dabei hatten wir einen schönen Rundumblick auf Seen und Berge, die bis 1.500 m hoch und noch schneebedeckt sind. Unsere Schuhe und Füße sind nass. Wir machten bei einem kleinen niedrigen Wäldchen im Windschutz Brotzeit.
Ich bin kurz vorher mit einem Fuß in ein Moorloch getreten und bis zum Knie nass geworden. Auch Gerti hatte nasse Füße. Wir wissen nun, warum es bei Globetrotter sündteure, kniehohe Fjellstiefel zu kaufen gibt. Die gerade hier richtig gewesen wären.
Die Aussicht über ein menschenleeres Hochplateau (ca. 600 m hoch) war schön, im Winter wird hier Langlauf betrieben. Auch Schneescooter/Motorschlitten gefahren, jeweils auf getrennten Pisten. Nach der Brotzeit sind wir weiter durch das Hochmoor gestakst bis wir einen mit Holzbohlen belegten Weg, unseren 260er fahnden. Wir wollten noch zu einem Aussichtspunkt weitergehen, den Weg wieder verfehlt und deshalb unseren Weg bergauf abgebrochen.
Beim runtergehen habe ich dann an einer Bank eine Pause eingelegt, die Socken ausgewunden und die Schuhe ausgeleert. Die Pflaster am linken Fuß haben das Wasserbad überstanden, die noch nicht verheilten Blessuren der Araber-Nacht auch. Bis auf zwei weit entfernte Wanderer und einen Mann mit Hund haben wir auf unserer Wanderung, die vier Stunden dauerte, niemanden gesehen.
Beim Zurückfahren haben wir noch unser Leergut (Dosen- und Flaschenpfand) zurückgetauscht. Weil uns die Gegend und der CP gut gefallen, werden wir noch einen Tag dranhängen und Morgen noch 20 Kilometer weiter hinein ins Valadalen-Tal fahren. Die Beschreibung unserer Wanderung lautet: A great walk that combines mountains and beaches. Die Badesachen werden wir nicht mitnehmen im Angesicht der schneebedeckten Berge. Das Wetter war bei unserem heutigen Ausflug schön, der Himmel zeigte Kumuluswolken, über dem Fjell stand eine Föhnlinse, wie wir sie auch bei Südwind im Voralpengebiet kennen. Am CP zurück gekehrt tranken wir Kaffee, die Socken sind zum trocknen aufgehängt, Schuhe wurden mit Papier ausgestopft und stehen auf dem Autodach im Wind, der nicht nachlassen will. Die Sonne scheint jetzt um 18:00 Uhr immer wieder durch die Wolken, die Strahlungswärme wirkt wie ein Brennglas auf der Haut. Tut gut bei 12 Grad Außentemperatur im Schatten. Man gewöhnt sich auch an kältere Stunden, ich sitze vor dem Wohnwagen und skizziere die Erlebnisse für den heutigen Reisebericht. Natürlich im warmen Trainingsanzug und dicken Wandersocken. Gerti bereitet das Abendessen vor, Eintopf, der noch entsprechend verfeinert wird.
Zum Abendessen schauen wir dem Fußballspiel Deutschland: Ungarn an, sehen in den Nachrichten von Unwettern, diesmal auch in Bayern, die noch nicht abgeklungen sind. Gerti sitzt mir jetzt um 20:00 Uhr im gleißenden Sonnenlicht gegenüber und strickt. Wir werden vom Hoch Tobias wettermäßig beglückt, Germanien vom Tief Sofia.
Ich werde heute noch versuchen, unsere Reiseerlebnisse der vergangenen Woche in die Fläche zu geben. Deshalb werde ich noch viele Bilder bearbeiten und für die Anlage verkleinern.
Sonntag, 5. Juni 2016, 08:30 Uhr, bewölkt, 10 Grad
Frühstück drinnen, der Wind lässt die 10 Grad noch kälter erscheinen, auch wenn die Sonne immer wieder durch die Wolken geschaut hat. Nach dem gemütlichen Frühstück ziehen wir die Wandersachen an und machen uns auf den Weg ins etwa 30 Kilometer entfernte Valadalen-Tal. Ich habe die Tour 282 Nulltjarnsrunden (See-Runde) ausgesucht. Sie soll lt. Beschreibung 3 Stunden bei 7,8 Kilometern betragen. Wir haben mit Pause knapp 4 Stunden gebraucht. Den ganzen Tag schien die Sonne, der Wind war zurückhaltend, wir konnten mit Pullover und Hemd/Bluse wandern. Der Weg zum See war ein reiner Wanderweg, Ski- und Scooterfahrer wurden „umgeleitet“. Bei den Überresten einer Sägemühle war ich am Fotografieren, Gerti anderweitig beschäftigt, als ich zwei Rentiere, keine 20 Meter entfernt sah, die eine kleine Holzbrücke überqueren wollten. Wir waren ganz leise, die Rentiere haben uns aber dann gesehen und sind geflüchtet. Klapp-klapp-klapp, mit den großen Hufen, über die Brücke im Trab. Ein paar bessere und schärfere Bilder hätte ich gerne geschossen. Die Rentiere waren Renntiere, hätten eine kürzere Zeit und Fokus-Nachführung gebraucht. Am See haben wir Brotzeit gemacht, ein SUP-Paddler hat sein Board aufgepumpt und ist im kleinen See geSUPt. So sind sie, die Menschen an diesem Punkt der Erde. SUPen vor dem schneebedeckten Fjell. Ein jeder nach seiner Vision. Der Weg zurück ging meist über die Ski-Langlaufstrecke und war landschaftlich nicht so attraktiv, wie der Hinweg zum See mit Blick ins „Gebirge“. Wir haben wenige Wanderer gesehen, ein Reh, viele Buchfinken und Drosseln, ein Kuckuck rief. Es war ein Sonntag im Fjell, das sich zeitlich noch im Frühjahr befand. Birken, Kiefern und Eschen, Blaubeeren, Moltebeeren waren noch im Aufwachstadium nach dem Winter, das Grün noch ganz hell. Um 15:00 Uhr waren wir von der Wanderung am Parkplatz zurück, beim Heimweg haben wir noch in einem kleinen Supermarkt ein paar Dosen Dünnbier (max. 3,5 VOL%) gekauft, die in Norwegen, das wir Morgen ansteuern um ein wesentliches teurer wären. Nach einer gemütlichen Kaffeepause haben wir mit dem Aufbruch begonnen, WC leeren, Frischwasser tanken, Auto-Fensterscheiben reinigen, es sollen ja Morgen wieder schöne Bilder von der Fahrt durch die Frontscheibe geschossen werden. Zum Abendessen gab es eine Würstelpfanne mit Kartoffeln, das wir im gleißenden Sonnenlicht zu uns nahmen. Im Internet (google maps/earth) haben wir uns die Zufahrt zum morgigen CP angesehen, Gerti hat die Koordinaten im Navi eingegeben, bis auf die Straße hat es alles genommen. Etwa 170 Kilometer liegen Morgen vor uns. Wir verlassen Schweden und wechseln nach Norwegen, wo wir die nächsten Wochen verleben werden. Die Sonne hat sich vor kurzem hinter unserem Horizont zurückgezogen, die Strahlungswärme nimmt ab, unsere Kleidung zu. Wir ziehen uns in den Wohnwagen zurück, lesen, schauen fern, hören im Hintergrund (seit Tagen) den Wasserfall rauschen, der vermutlich noch tausende von Jahre nach unserem Besuch rauscht und die vielen Besucher erfreut.
Montag, 6. Juni 2016, Fahrt vom CP Ristavallet (S) zum Storsand Gard Camping****, Malvik (N), Ab 10:15 Uhr, an 13:15 Uhr, gef. Kilometer 167
Heute verlassen wir einen schönen, ruhigen CP. Wir lassen uns beim Frühstück und bei der Abfahrtroutine Zeit, fahren um 10:15 Uhr bei 18 Grad ab. Der Galaxy schafft die Auffahrt zur Straße, die bestimmt 15 % Steigung hat, problemlos. Unsere Fahrt geht gemütlich über die E 14, später die E 6, vor bei an Are, einem Wintersportort mit vielen Betten rund um den erschlossenen Berg Areskutan, den wir schon seit Tagen am Horizont sehen. Jetzt im Frühsommer ist nicht viel los. Uns kommen viele LKW mit Baltischen Kennzeichen entgegen, die vermutlich nach Kalmar und dann mit der Fähre nach Danzig schippern. In der Nähe eines Gehöftes sehen wir wieder ein einzelnes Rentier. Vor der Grenze zu Norwegen kaufen wir noch bei Eurocash, einem sehr großen Einkaufsmarkt für die nahen Norweger ein, um unsere Schwedenkronen-Vorräte zu minimieren. An der Grenze zu Norwegen, die wir kurz vor 12:00 Uhr erreichen, ist keine Polizeikontrolle. Lediglich die Zollstation springt einem ins Auge. Da wir nichts zu verzollen haben bzw. es nicht verzollt haben wollen, fahren wir bei der grünen Spur ohne anzuhalten durch. Wir haben auch nach der Grenze keine mobile Zollstation entdeckt. Nach der Grenze fahren wir an einer Wintersport-Feriensiedlung mit Skihängen vorbei, die jetzt ausgestorben wirkt. Nach den Schweden-Fahnen wehen nun in Nord-Trondelag die Norwegen-Fahnen.
Von 450 Höhenmetern geht die Fahrt in einem langen Tal runter auf 30 Höhenmeter. Die Natur ist bunt, die Wiesen stehen hoch, eine Blumenvielfalt umgibt uns. Lichtnelken, Schafgarbe, Sauerampfer, Löwenzahn, Flieder, Blutbuche, große Felder ziehen vorbei. Schafe grasen neben der Straße. Im nahen Fluss neben der Straße stehen Fischer, die mit Fliegenruten auf Forellen aus sind. Wir sehen den Trondheim-Fjord, holen in einem Ort an der Straße von einem Bankomaten Norwegische Kronen (hier gibt es 2.000 NOK) und sind kurz darauf am Storsand CP in Malvik, ca. 17 Kilometer östlich von Trondheim. Kosten pro Nacht 320 NOK/35,20 € + Duschmünze 10 NOK/1.10 €.
Wir finden einen schönen Stellplatz mit Blick auf den Fjord, haben TV- und freie Internet-Verbindung. Nach einer Kaffeepause gehe ich bei ablaufendem Wetter an den Steg zum fischen, arbeite 4 Stunden ohne Erfolg, mein Rücken schmerzte. Ein anderer Mitangler hat einen Seelachs mit ca. 5 Kilo neben mir gefangen. Bis 19:45 Uhr war ich am Steg, die Sonne neigt sich, es hat immer noch 23 Grad im Wohnwagen. Das Wasser steigt wieder ab 22:00 Uhr. Andere Angler beziehen Position am Steg. Wir ziehen uns in den Wohnwagen zurück und haben eine ruhige erste Nacht am Trondheim-Fjord.
Dienstag, 7. Juni 2016, bewölkt, 17 Grad, 08:30 Uhr, Niedrigwasser
Frühstück im Sonnenschein draußen, später Besuch von Trondheim mit dem Bus 38 um 100 NOK/11 €. Wir fahren in das Zentrum und beginnen um 10:30 Uhr unseren Rundgang durch die Stadt. Im Nidarosdom, Eintritt 180 NOK/20 € ist zwischenzeitlich das fotografieren und filmen verboten. Trotz der Verbote habe ich beides getan, mit der gebotenen Zurückhaltung und ohne Blitz. Viele Jugendliche und Schüler wurden in Gruppen von Kirchenführern durch den riesigen Dom geführt und informiert. Der Dom ist sehr dunkel, es dauerte einige Zeit bis sich unser Augenlicht daran gewöhnt hat. In der Kamera habe ich 3.200 ISO eingestellt, die Bilder sind recht gut geworden. Nach dem Dom- und Armeemuseums-Besuch sind wir Kaffee-Trinken gegangen und später haben wir im Hafenviertel alte Segel- und Motorschiffe angesehen. Ein Einkauf bei REMA 1000 und schon ging es wieder zum CP zurück. Ich bin dann noch zum fischen gegangen, bei böigem, stark auflandigem Wind und ablaufendem Wasser wäre jeder Fisch blöde gewesen, an einem Blinker zu knabbern. Mich hat es ganz schön gefroren, unverrichteter Dinge bin ich zum Wohnwagen zurück. Der geplante Grillabend im milden Sonnenuntergangslicht hat nur im Geiste stattgefunden, Wind und zunehmende Kälte haben ihn eingefroren. Nach dem Abendessen haben wir im Internet nach den Wetterprognosen der Region geforscht und wurden kalt erwischt. Die Vorhersagen für die nächsten drei Tage bringen uns Kälte und Wind aus Norden. Mist. Wir sind Sonnenkinder, haben aber nichts gegen Wolken bei unseren Ausflügen.
Jetzt um 22:15 Uhr windet es noch stark, der Fjord wirft weiße Wellenkämme, Sprühregen rieselt aufs Dach. Der Norden zeigt sich gerade von seiner hässlichen Seite. In Deutschland kehrt nach 15 Regen-, Sturm und Hageltagen endlich etwas Ruhe ein.
Wir im Norden ziehen uns nun die nächsten Tage etwas wärmer und winddichter an.
Mittwoch, 8. Juni 2016, 09:00 Uhr, stark windig, bewölkt bei 10 Grad, Ruhetag in Malvik
Eigentlich hatten wir vor, heute nach Kristiansund weiter zu fahren. Weil wir aber viele Nachtstunden im Wohnwagen geschüttelt wurden und Sackmarkise und der SAT-Dom am WW-Dach Anstalten machten, sich zu verabschieden, haben wir zu wenig Schlaf genossen, den wir am heutigen Tag nachholen werden. Frühstück drinnen mit Blick auf den schäumenden Fjord, der Heizlüfter hat den WW behaglicher gemacht. Die Verkehrsflugzeuge, die 15 Kilometer östlich von uns starten, geben mächtig Gas um vorwärts und in die Höhe zu kommen. Wir werden heute Klar Schiff und Strandspaziergänge machen und alles ein bisschen ruhiger angehen lassen.
Strandspaziergänge mit und ohne Regengüsse, Sonnenschein, Wolken und blauer Himmel wechseln sich ab. Eine halbe Stunde fischen bei zu starkem Gegenwind und aufgewühltem Wasser brachte keinen Erfolg. Eine gemütliche Brotzeit und der anschließende Kaffee brachte Entspannung. Im Internet habe ich noch die Wetterprognosen für die nächsten Reiseziele eruiert, es bleibt weiter kühl und windig. Morgen werden wir nach Kristiansund weiter fahren, das wir auf unseren bisherigen Reisen noch nicht kennengelernt haben.
Donnerstag, 9. Juni 2016, 09:00 Uhr, 9 Grad, bewölkt, mäßiger Nordwind, Fahrt von Malvik/Trondheim nach Kristiansund, 218 Kilometer
Letzte Nacht war richtig schön, nichts hat am Dach geklappert, weil wir uns warm genug angezogen haben, haben auch wir nicht geklappert. Wir haben die heutige Abfahrt ruhig angegangen. Das Wetter war gnädig mit uns, die Vorhersage war feuchter angesagt. Nichts dergleichen. Dennoch haben wir drinnen gefrühstückt. Danach die übliche Abfahrtroutine, ich bin für Wohnwagen außen und Auto zuständig, Gerti für Wohnwagen innen. Das klappt ganz prima. Wir verabschieden uns von den CP-Nachbarn und fahren auf die E 6 Richtung Trondheim, danach Richtung Oslo. Trondheim ist die drittgrößte Stadt Norwegens, auf der Autobahn rund um Trondheim sind viele Unternehmen, Industrie, Hotels, Einkaufszentren angesiedelt, der Verkehr war stärker als gewohnt. Wir zahlen permanent Maut, die automatisch von meinem Konto abgebucht wird. Mal 40 NOK, mal 120 NOK, wird ja angezeigt, was später auf der Rechnung steht. Unser PKW-Kennzeichen habe ich bereits vor der Reise registrieren lassen. Natürlich auch das Konto hinterlegt, von dem die Gebühren abgebucht werden sollen.
Bei Orkanger an der E 39 haben wir uns verfranzt. Wir, das sind Navi, Verkehrs- und Umleitungsbeschilderung, natürlicher Menschenverstand etc. vs. Straßenbreite und Zustand. Das Navi leitet uns auf eine kleine Straße, angeblich die E 39, eine Europastraße, vergleichbar mit unseren Bundesstraßen. Bis Gerti die Landkarte gezückt hat, dauerte es eine Weile, das Mädel vom Navi war fest davon überzeugt, dass die kleine Straße, in die sie uns geschickt hat, die Richtige ist. Nicht mit mir, ich dachte, gleich im Hinterhof eines Anwesens zu landen. Also zurück zur letzten Kreuzung und neu einfädeln. Wieder verfranzen wir uns. Dann finden wir lt. Landkarte eine Straße, die passen könnte, um zur E 39 zu kommen, fahren durch eine schöne Landschaft, vorbei an Seen und durch eine schöne Vorgebirgsgegend. Kein Auto weit und breit, weder mit uns, noch gegen uns. Dann plötzlich der Hinweis an einer Kreuzung, links abzubiegen und der E 39 zu folgen. Wir sind wieder auf der E 39, die uns Richtung Alesund/Kristiansund bringen wird. Es regnet immer wieder auf einem Teil der Tagesetappe. Längere Zeit fahren wir an Fjorden entlang, die Straße ist z. T. an Brücken gerade mal 5 Meter breit. Nicht nur an Brücken ist bei Gegenverkehr von LKW eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich. In den Fjorden wird Käfig-Fischzucht betrieben, in kleinen Ortschaften werden Rorbuer-Fischerhütten mit Motorbooten vermietet. Weil Niedrigwasser ist, die Temperatur gerade mal 10 Grad ist, der Wind die gefühlte Temperatur noch weiter nach unten drückt, kaum Gespann-taugliche Parkplätze am Weg lagen, haben auch heute die Fische vor meinen Nachstellungen eine Ruhe. Um 13:30 Uhr stehen wir vor der Fähre Halsa -> Kannestraum. Die Überfahrt kostet 303 NOK/33 € und dauert etwa 14 Minuten. Danach geht es im Pulk weiter Richtung Gjemnes, dort zweigt die Straße 70 nach Kristiansund ab, die wir nehmen. Durch einen 5,1 Kilometer langen Tunnel unter dem Kvernes-Fjord und über zwei Brücken erreichen wir um 15:00 Uhr den CP Atlanten Turistsenter in Kristiansund, checken für zwei Tage um 370 NOK (günstig) ein und beziehen einen Platz mit freier Süd-Ausrichtung, um TV Betrieb zu haben. WIFI ist nur im Bereich der Rezeption möglich. Wir stellen auf, richten den SAT-Dom ein, machen Brotzeit. Kurz darauf kommt der CP-Nachbar vom Malvik an, der auch die Route nach Westen bis Bud vorhatte, zu fahren. Es ist etwas wärmer geworden, wir stehen auch windgeschützter, als in Malvik, wo wir dem Wind die Breitseite zeigten. Wir machen noch einen kurzen Spaziergang um den CP, finden einen Hinweis auf einen Wanderweg zu den Klippen und gehen ihn. An den Klippen angekommen, sehen wir keine 30 Meter entfernt eine Rehgeiß, die nicht sofort wegspringt, sondern gelassen stehen bleibt, und sich fotografieren lässt. Gerti gräbt kleine Bäumchen aus, die den Weg nach München finden werden. Zum Abendessen ziehen wir in den Wohnwagen um. Ich schreibe jetzt um 21:00 Uhr am Reisebericht, vorher haben wir uns die Reiseführer zum Thema Kristiansund vorgenommen, das wir Morgen mit den Rädern besuchen werden.
Freitag, 10. Juni 2016, 09:30 Uhr, 13 Grad, Sonne und Wolken, Tendenz Sonne
Wir hatten eine ruhige Nacht, ich teste am Morgen die Sanitäranlagen, eher nichts gescheites. Dusche ohne Zeitlimit frei, ohne Entlüftung innerhalb von Sekunden 100 % Luftfeuchtigkeit. Gut für die Lungen. Zähneputzen im Lokus-Handwaschbecken ohne Strom für den Föhn. Nicht mit mir. Ich gehe in den Behinderten-Waschraum und mache mich fit für den Tag. Nach dem Frühstück (drinnen) hole ich die Räder vom Dach, wir fahren runter nach Kristiansund und beginnen die Besichtigung im Hafen. Die Mellom Werft ist seit 1867 in Betrieb und Spezialisiert auf den Bau und die Wartung von Segelschiffen Früher wurden mit diesen Segelbooten die Klippfische von Kristiansund in den Süden verschifft. Nachdem die Klippfisch-Last in Spanien gelöscht war, wurde Erde als Ballast mit nach Norden genommen, die am heutigen Friedhof liegt. Mehrere alte und reparaturbedürftige Motor- und Segelschiffe liegen im Trockendock und werden wieder hergestellt. In alter Bootsbautechnik. Der Rumpf eines Dreimasters ist besonders schön restauriert, an den Masten wird gerade gearbeitet. Wir fahren die gesamte Hafenanlage bis zum Ende, hier ist auch ein Hurtigruten-Terminal, danach geht es wieder bergauf zum 78 Meter hohen Wachturm mit 360 Grad Rundumsicht über Kristiansund, das auf drei Inseln im Atlantik liegt. Kristiansund war der Hauptproduzent von Klippfisch. Klippfisch deshalb, weil Dorsch, Seelachs, Leng und Lumb (alles Meeresfische der Region) nach dem ausnehmen halb aufgeschnitten auf den felsigen Kippen getrocknet wurden. Anders als auf den Lofoten, wo zwei Fische am Schwanz zusammengebunden werden und auf Trockengestellen luftgetrocknet werden. Die damaligen Klippfischfelsen sind zwischenzeitlich alle mit Wohnhäusern bebaut. Beim SPAR-Supermarkt haben wir noch Frischwaren eingekauft und sind zum CP zurückgefahren. Ich habe meine Fischsachen zusammengepackt und bin auf die etwa 2 Kilometer entfernten Klippen im Norden Kristiansunds gegangen. Das Wasser lief auf, viele kleine Seelachse haben sich am Blinker vergriffen, ein größerer Seelachs mit etwa 4 Kilo Gewicht musste sein Leben lassen und wurde zum Abendessen am Grill zubereitet. Mit Kartoffeln, dazu Tomatensalat. Der heute am Markt gekaufte, selbstgemachte Senf schmeckt sehr gut zum Seelachs. Ein Hurtigruten-Schiff südgehend ist in Kristiansund eingelaufen, ich habe es gesehen, Gerti hat am CP das Horn beim ein- und auslaufen gehört.
Die Fahrräder wurden zwischenzeitlich wieder am Dach verstaut, die Autoscheiben vom gelben Pollenstaub befreit. Morgen fahren wir über die Atlantikstraße nach Bud, einem kleinen Fischerort an der nord-westlichen Küste von Norwegen. Im Fernsehen hat die EURO 2016 begonnen, die Welt dreht sich wieder um den Ball. Brot und Spiele wird wieder zelebriert, Frankreich braucht Ablenkung von der miserablen wirtschaftlich/politischen Entwicklung und dem Rechtsdruck. Der Brexit steht vor der Türe, GB’s Wiederstand gegen die Brüsseler Politik, ich kann sie verstehen, die Briten. Man wird sehen, wie er ausgeht.
Samstag, 11. Juni 2016, 09:00 Uhr, 10 Grad, blauer Himmel, fast windstill. Wir fahren von Kristiansund nach Bud.
Auch wenn uns Kristiansund ganz gut gefallen hat, unsere Reise geht weiter, Richtung Westen. Nach einem gemütlichen Frühstück, weil es zu kalt war, leider drinnen, gehen wir um 10:00 Uhr auf die Reise. Keinen Kilometer vom CP entfernt biegen wir nach einem Kreisverkehr in den Atlanterhavstunnelen ab, er ist 5,7 Kilometer lang, führt mit 10 % Gefälle, das 2,5 Kilometer anhält unter einem Fjord zu Insel Averoya. Ganz unten, an der Scheitelzone, ist blaue Beleuchtung, mystisch, dann geht es wieder mit 10 % nach oben. Nach dem Tunnelausgang kommt eine Mautstation, wir bezahlen 130 NOK. Danach fahren wir weiter auf der Straße 64 nach Westen und sind einige Zeit später auf der Atlantikstraße, die etwa 8 Kilometer direkt am und über Brücken über das Meer führt. Wir sind sie schon 2011 bei unserer letzten Norwegenreise gefahren. Wir haben Glück und finden für das Gespann einen Parkplatz. Weil ich gestern schon eine schwerere Angel für das fischen von einer Atlantikstraßenbrücke fertiggemacht habe, war ich kurz darauf bei auflaufendem Wasser am arbeiten. Einige kleinere Seelachsee wurden gefangen, machten eine Luftreise nach oben, wurden abgehakt und durften wieder 20 Meter tiefer ins strömende Wasser zurück. Wie auch vor 5 Jahren habe ich nichts Brauchbares gefangen. Um 13:00 Uhr haben mir meine Arme vom fischen mit schwerem Gerät so geschmerzt, dass ich zu Gerti zurück gegangen bin, die im Sonnenschein und Wind geschützt die schöne Aussicht auf Meer und Gebirge genossen hat. Danach fahren wir die Straße 663 bis Farstad und die kleine Küstenstraße weiter nach Bud. Die Gegend sieht landseitig aus wie bei uns in Oberbayern, grüne Wiesen, Berge, Kühe und Schafe. Hier kommt noch der Atlantik mit seinen vielen Buchten, die wg. Ebbe trockengefallen sind, dazu.
In Bud angekommen finden wir den Pluscamp CP Bud, den wir schon kennen, ich checke für zwei Nächte ein. Wir suchen uns einen geeigneten Platz, stellen den PKW so, dass er als Windschutz wirkt, der wieder ganz gut zugelegt hat und aus Norden kalte Luft bringt. Nach einer Brotzeit im prallen Sonnenschein schauen wir uns die sanitären Anlagen an, erkennen, dass die Waschmaschine bald frei wird und nutzen die Gelegenheit. Wind und Sonne trocknen die Wäsche bis abends.
Wir grillen zwei Minutensteaks, Zucchini und Kartoffeln, die wir im Windschutz des Wohnwagens im Sonnenlicht essen. Irgendwann um 21:00 Uhr ziehen wir uns in den Wohnwagen zurück, viele andere Camper sitzen eingehüllt noch draußen. Im Fernsehen läuft gerade das Spiel ENG : RUS, ich schreibe unsere Erlebnisse, Gerti strickt. Wir haben wieder free WIFI, wir konnten die vielen Mails als Feedback unserer Reiseberichte lesen, über die wir uns sehr gefreut haben. Ihr Lieben zuhause, ihr geht uns schon auch etwas ab! Aber wir sind halt wieder auf der Walz, und die hält noch einige Wochen an.
In den Nachrichten sehen wir, wie sich in Marseille die „Fans“ die Köpfe einschlagen, Flaschen und Boulevardmöbel fliegen. Polizei setzt Tränengas ein. Toll, diese Fans. Um 22:30 Uhr macht sich die Sonne gemächlich auf dem Weg zur Ruhe.
Sonntag, 12. Juni 2016, ganztägig Sonne und kühler Nordwind, max. 13 Grad warm, Wanderung rund Bud
Wir frühstücken bei herrlichem Sonnenschein draußen. Danach wandern wir immer an der Küste entlang rund Bud, etwa 4 Kilometer. Kommen am Bud-Museum vorbei, der Küstenbefestigungsanlage Ergan, die ein wichtiger Eckpfeiler am Atlantikwall während der deutschen Besetzung war. Wir waren bereits im Museum, haben es diesmal nicht mehr angesehen. Unterwegs sehen wir zwei Fischadler, leider etwas weit entfernt für gute Bilder. Mit dem Fernglas konnten wir sie ganz gut beobachten. Nach unserer Rundwanderung haben wir Brotzeit gemacht und ein wenig in der Sonne Augenpflege betrieben. Irgendwann wurde die Strahlungswärme geringer, wir haben uns wieder was angezogen. Zu Abend haben wir gegrillt, Hühnerbeine mit Gemüsereis, wir haben im Windschatten des Wohnwagens gegessen. Vorher ist ein Hurtigruten Schiff, die Nordnorge vor Bud durchgelaufen. Heute Abend werden wir das Fußballspiel GER : UKR ansehen, der Bessere möge gewinnen.
Wir gehen Morgen wieder auf die Walz, fahren nach Molde, danach weiter auf der Straße 64 nach Andalsnes, wo wir die Trollstiegen-Wand fahren und ggf. eine Rauma-Bahnfahrt machen wollen. So steht es im Roadbook, das ich im Winter aufgestellt habe.
Montag, 13. Juni 2016, sonnig, 15 Grad, Nordwind, Fahrt von Bud über Molde und Straße RV 61 nach Andesnes
Gestern kurz vom zu Bett gehen um 23:35, ist das Hurtigruten-Schiff Midnatsol vor dem CP vorbeigefahren. Still und Majestätisch. Wir hatten eine ruhige Nacht. Weil es nicht mehr so kalt ist, konnten wir auf eine zweite „Schlafzwiebel“ verzichten. Aber wie immer war um 08:30 Uhr die Nacht um. Die Sonne scheint mir ins Gesicht, als ich das Rollo hochgezogen habe. 5 Minuten Sonnenschein-tanken – und los geht der Tag. Duschen, Frühstücken, anspannen. Wir haben heute bis Andalsnes etwa 90 Kilometer zu fahren. Abfahrt um 10:10 Uhr bei herrlichem Sonnenschein und 15 Grad Wärme. Seit langer Zeit haben wir wieder kurze Hemden an, der Tag verspricht bis zu 18 Grad warm zu werden. Wir fahren auf der Straße 64 nach Molde, viele neue Häuser und Industrieansiedelungen liegen am Wegrand. In Molde biegen wir ab auf die 64 Richtung Andalsnes. Kurz nach Molde fahren wir in den Fannefjord Tunnel, der knapp 3 Kilometer lang ist. Weiter geht es durch Bauernland am Fjord, Wiesen werden gemäht und eingetütet, Schafe und Rinder gezüchtet. Vor uns sehen wir die hohen, weißen Berge, die wir bald durchfahren werden. Danach fahren wir mit der Fähre über den Langfjord von Veoy nach Afanes, weiter am Ufer des Isfjorden entlang nach Andalsnes. Etwa 3 Kilometer östlich an der E 136 liegt der CP Mjelva, den wir um 12:20 Uhr erreichen. Wir checken für zwei Tage ein, bezahlen 440 NOK und finden einen schönen Stellplatz mit Blick auf die schneebedeckten Berge. Internet ist frei, der SAT-Dom findet den Astra 1 Satelliten, wir können die Nachrichten und die Fußballspiele verfolgen.
Nach einer kurzen Brotzeit wollen wir die Trollstigen Straße befahren, die keine 30 Kilometer vom CP entfernt, beginnt. Wir fahren bergaufwärts durch ein weites Tal, der Fluss Rauma begleitet uns, üppige grüne Wiesen und Bäume sind am Wegesrand. Je höher wir kommen, desto niedriger wird die Vegetation. Wir sehen vor uns die Trollwand, durch die der Trollsteig führt. Am Parkplatz vor dem Anstieg bleiben wir stehen und betrachten das grandiose Panorama, zwei Wasserfälle, gespeist von Schneemassen auf den Bergen, stürzen fast senkrecht zu Tal.
Die Fahrt über viele Serpentinen, 800 Höhenmeter auf schmaler Straße nach oben, war sehr schön. Immer wieder machten wir Bilderstopps, um die Naturschönheiten zu fotografieren bzw. zu filmen. Oben am großen Parkplatz angekommen, wandern wir zur Aussichtsplattform und genießen den grandiosen Ausblick ins Tal hinunter bis Andalsnes. Natürlich sind wir nicht alleine. Busse mit Weltbürgern, Wohnmobilisten und Autotouristen haben die Trollstigen auf dem Besuchsplan, Asiaten wuseln durch die Gegend, meist mit Handy am Stock bewaffnet. Wir sind etwa eine Stunde oben, nehmen die Stimmung auf, die einmalig ist.
Dann fahren wir die nicht ganz so steile Straße 63 das Valldal hinab, vorbei an großen Erdbeerplantagen, die bewässert werden, nach Valldal (Sylte), kaufen ein und machen Kaffeepause. Ein kleiner Rundgang am Tafjord entlang und schon fahren wir wieder bergan. Wir lassen es gemütlich angehen, uns nicht hetzen lassen. Auch wenn jetzt um 17:00 Uhr wenig Verkehr ist, lassen wir die wenigen Autos überholen, um unser eigenes Tempo und die Fotopausen zu bestimmen. Wir klettern vom grünen Tal ins karge Gebirge auf 850 Höhenmeter, wo kein Baum oder Strauch mehr wächst, fahren dann die Serpentinen des Trollsteiges wieder im 2. Gang hinunter, am Talgrund die letzten 30 Kilometer zurück zum CP. Nach soviel Auf und Ab und vielen Kurven brauche ich eine Stärkung. Es ist fast 19:00 Uhr, als wir ankamen, die Sonne scheint, wärmt uns, der Wind ist ertragbar, 18 Grad ist es warm. Unser Abendessen nehmen wir draußen im Sonnenlicht zu uns, bewundern die Berge rundherum.
Später habe ich 300 Bilder und 60 Videosequenzen heruntergeladen, wir haben sie angesehen. An meinem Reisebericht arbeite ich jetzt um 23:50 immer noch. Denn Morgen ist ein neuer Tag und neue Erlebnisse warten auf uns.
Dienstag, 14. Juni 2016, 09:00 Uhr, blauer Himmel, 10 Grad, PKW-Ausflug nach Andalsnes, gef. 10 Kilometer
Wir warten mit dem aufstehen, bis die Sonne in den Wohnwagen scheint. Danach die übliche Routine. Frühstück in kurzer Hose und kurzem Hemd bzw. Bluse im Sonnenschein. Wir schauen auf verschneite Berge vor uns, hinter uns ist eine Felswand, ca. 500 Meter hoch. Alpin-feeling am Fjord.
Zuerst fahren wir nach Andalsnes zum i-Punkt, um uns weiter zu informieren. Auf dem Weg dorthin fällt mir ein, dass ich im Vorfeld der Reiseplanung eine Wanderung auf den Neskasla, 715 Meter hoch mit schöner Aussicht rausgesucht habe. Auf dem Weg zum i-Punkt finden wir den Einstieg, fahren dann zum i-Punkt, machen eine Andalsnes Runde, kaufen beim SPAR Semmeln und Wurst für eine Brotzeit ein. So gerüstet fahren wir zum „Einstieg“ zurück, ziehen unsere Bergstieferl an, ziehen die Gehhilfen, gemeint sind die Wanderstöcke in die richtige Länge, und machen uns auf den Weg nach oben. Herrliches Wanderwetter haben wir heute. Es geht permanent gaach nach oben, zum Teil über Stahlrampen, meist im offenen Wald mit Aussicht in den Romsdalenfjord, den Rauma River und auf Andalsnes. Nach zwei Stunden waren wir oben, schauen von der Aussichtsplattform in die Gebirgs- und Fjordrunde. Einfach schön, schneebedecktes Gebirge am Meer, dazu herrlich blauer Himmel und ein lindes Lüftchen. Wir machen Brotzeit und sind in 1 ¼ Stunden, gelobt sei die eigene Schwerkraft, die einen nach unten zieht, wieder am Auto. Wir tanken voll für die weitere Reise. Wir sind im Zeitplan, den wir uns aufgestellt haben. Morgen werden wir nach Skodje, das liegt am Storfjord nahe bei Alesund fahren, dort habe ich vor, ein Motorboot zu mieten und den etwas größeren Fischen auf den Pelz zu rücken. Wie immer die Pirsch ausgehen wird, wer weiß.
Mittwoch, 15. Juni 2016, 09:00 Uhr aufstehen, 16 Grad, blauer Himmel, Fahrt von Andalsnes nach Skodje
Heute ist wieder ein kurzer Fahrtag, etwa 80 Kilometer meist an den Fjorden entlang sind zu bewältigen. Der kleine CP Solnorvika Fritid bei Skodje, den ich ausgewählt habe, hat nur wenige Stellplätze, wir hoffen, dass wir einen davon bekommen.
Wir fahren nach einem gemütlichen Frühstück erst um 10:45 Uhr vom Mjelva CP los, bei einem großen Supermarkt geben wir das Leergut ab und kaufen Polser (Grillwürste) und Frischwaren ein. Dann fahren wir auf der Straße 136 in Richtung Alesund. Nach den ersten Kilometern kommt ein 6 Kilometer langer Tunnel, danach einer mit 3 und später einer mit 4 Kilometern. Über den Tresfjord wurde eine neue Brücke gebaut, wir sehen im Norden die Stadt Molde im Sonnenlicht. Danach geht die Fahrt etwas über Land, die Landschaft ist gewaltig, wie in der Schweiz. Der Blick geht auf hohe, schneebedeckte Berge. Vorbei an einem Wintersportort (290 Meter über NN) mit Skilift und vielen Ferienhütten geht die Fahrt wieder hinunter zum Storfjord. Nach ein paar Kilometern erreichen wir den CP, bleiben davor stehen und sprechen mit dem Besitzer, der ganz gut deutsch spricht. Wir beziehen einen Stellplatz mit Fjordsicht, haben SAT-Empfang, Internet hat auch funktioniert. Nach dem aufbauen haben wir bei Sonnenschein und wenig Wind Brotzeit gemacht. Ich habe meine Angeln zusammengesteckt und zum fischen fertig gemacht. Nach einem Rundgang über den kleinen CP, der einen Fisch-Filetierplatz hat, bei dem ein Fischer gerade 6 größere Seelachse zerlegt hat, bin ich zur nahegelegenen Pier gegangen und habe mit dem fischen begonnen. Nach längerer Zeit der erste Biss, eine mittlere Makrele. Später habe ich noch eine zweite Makrele gefangen und beide ausgenommen. Gerti hat die Makrelen gewürzt, in Alufolie gepackt, ich habe den Grill angesteckt und eine gute Stunde nach dem Fang haben wir die Makrelen gegessen. Als Nachtisch gab es Grappa, der Fisch soll ja schwimmen. Ich bin später noch einmal zur Pier gegangen, ohne Fischerfolg. Jetzt geht es schon wieder auf 23:00 Uhr zu, draußen ist es immer noch hell, die Franzosen haben gegen Albanien gewonnen. Morgen versuche ich ein Boot zu bekommen, dann geht es im Fjord auf größere Fische.
Donnerstag, 16. Und Freitag, 17. Juni 2016, CP Solnorvika Fritid, Fischtage
Am Donnerstag sind wir um 08:45 Uhr aufgestanden, herrliches Sonnenwetter, blauer Himmel, aber Wind aus Nord. Wir frühstücken draußen, nicht so lange wie sonst, ich will fischen. Leider bekomme ich kein Motorboot, sondern nur ein Motorboot zum rudern. Um 10:45 Uhr mache ich mich auf die Reise.
Von 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr habe ich gerudert wie ein Galeerensklave, der Wind hat mich oft schneller abgetrieben, als ich gegen ihn rudern konnte. Zwei kleine Makrelen waren die Beute des heutigen Fischtages. Ich war körperlich total fertig. Abends bin ich noch unter die Dusche um mich etwas zu entspannen. Sofern das noch möglich war. Zu Abend gab es dann Polser (Grillwürste), weil ich nichts Gescheites gefangen habe. Ein Bier zur Entspannung und das Fußballspiel GER : POL, danach noch eine Lese-Halbestunde, so verging der heutige Abend.
Am Freitag habe ich ausgemacht, dass ich ein Motorboot zum fischen bekomme. Ich war um 10:00 Uhr fertig zur Abfahrt, nur Jan, der CP-Inhaber war nicht zur Stelle. Ich bin zur Rezeption, keiner da. Aber eine Telefonnummer vom CP. Mit Gerti bin ich dann wieder zur Rezeption, wir haben die Telefonnummer angerufen und Jan erreicht. Er kam dann zum Bootssteg, hat mir Tank und Schwimmweste gegeben und mir gesagt, wie der Motor funktioniert. Er sprang auch an und los ging die Fahrt in den Storfjord. Ich habe mir vorher schon von anderen Fischern erklären lassen, wo die Besten Fischplätze sind. Mit Karacho bin ich zum Leuchtturm gefahren, wo es eine Kante von 70 Metern auf über 250 Metern zum Fjordgrund geben soll, stehen Seelachse, unter Dorsche. Mit Pfützchen auf der Zunge vor lauter Vorfreude habe ich die Stelle gesucht, vielleicht auch gefunden und lange Zeit befischt. Nichts derwischt. Weil ich durch den Wind weit in den Fjord abgetrieben wurde, habe ich den Motor anzuwerfen versucht. Viele Versuche, kein Motorstart. Erst einmal durchschnaufen, die Situation durchdenken. Rudern, 3 Kilometer gegen den Wind mit dem Motorboot scheidet aus, nicht mal die alten erprobten Phönizier-Galeerensklaven hätten das geschafft. Also weiter nachdenken, was die Ursache sein könnte. Entweder kein Sprit – oder zu viel Sprit/nasse Zündkerze. Tank war gut gefüllt. Also, Spritschlauch abziehen, ein paar Mal durchziehen, Brennkammer leeren, Spritschlauch wieder dran, Ballonpumpe 5 Mal drücken, Choke auf Stufe 1, ein wenig Gas, Anlasser-Seil fest durchziehen. Einmal nichts, zweimal nichts. Choke rein, Gas weiter aufdrehen, ziehen – er hustet wenigstens, ein erneuter Versuch bringt den Motor zum Laufen. Auch wenn meine Christlichkeit nicht mehr sehr ausgeprägt ist, ich dachte: Gott sei Dank. Daraufhin bin ich mit zwei Angeln im Schlepp in Richtung CP zurückgefahren. Im Windschatten einer vorgelagerten Insel habe ich dann in unterschiedlichen Tiefen gefischt. Nichts derwischt. Motor sprang erst wieder nach einigen Versuchen an. Dann bin ich weiter in einen Nebenfjord gefahren, wo andere Fischer waren. Wieder stundenlanges pilken ohne Erfolg. Weil den ganzen Tag die Sonne nicht durch die Wolken kam, wurde mir immer kälter, also Anorak an. Und weiter Angeln schleppen und pilken. Um 18:00 Uhr hat mich die Lust auf’s fischen verlassen, mir war kalt und ich wollte nur noch heim. Wieder machte der Motor Mucken, die ich ihm austreiben konnte. Am Steg angekommen, musste ich meinen Seegang erst mal überwinden, ich ging die ersten Meter wie ein Storch. Gerti half mir, die Fischutensilien zum Wohnwagen zu tragen. Dann musste ein Schluck Grappa her, um die Anstrengung und den Frust des Tages runterzuspülen. Kreuzlahm habe ich die Angeln auseinander gebaut und die Fischsachen im Auto verstaut. So schnell kommen ich nicht wieder zum fischen. Die Lust darauf ist etwas getrübt. Zwei Tage fischen mit Boot, einmal mit Muskelkraft, einmal mit Motor kosteten rund 97 EURO. Eine mickrige Makrele also einen knappen 50er. Aber die körperliche Ertüchtigung war groß, meine Muskeln schmerzen, meine Hände sind Pratzen geworden, mein Bauchspeck ist deutlich verfestigt. Im Fitnessstudio hätte ich bei 12 Stunden auch einen hunderter gelöhnt, aber keine Makrelen dafür bekommen. Es ist alles relativ, oder. Und die Fischer, die mir Tipps gegeben haben, wären doch blöd gewesen, mir ihre guten Spots zu verraten!
Abendessen aus Gertis Bordküche im Wohnwagen mit Unterstützung des kleinen Heizlüfters, der mich wieder auf Temperatur brachte.
Nachtrag zum Wetter: ganztägig bewölkt, kaum ein Sonnenstrahl, 15 Grad, frischer NO-Wind, nachts etwas Regenfall.
Morgen fahren wir weiter Richtung Stryn auf einen CP am Strynsvatnet-See. Mit einer Fährüberfahrt, meist auf der Straße 60. Wir fahren von der Fjordregion wieder in Richtung Gebirge und Gletscher. Weil heute die Ferien in Norwegen begonnen haben ist vermutlich mit einem erhöhten Aufkommen auch auf den CP’s zu rechnen.
Ingo Martin
 
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Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 3

Beitragvon Ingo Martin » Di, 29. Nov 2016, 19:16

Samstag, 18. Juni 2016, 08:30 Uhr aufstehen, 11 Grad kalt und grauer Himmel, die Berge sind oben gedeckelt, Fahrt von Skodje nach Meland/Stryn, 138 Kilometer
Heute ist wieder Fahrtag, wir stehen etwas früher auf und beginnen mit dem zwischenzeitlich alltäglichen. Frühstück drinnen, Tisch und Stühle haben wir gestern schon verstaut. Die Entsorgung von Brauchwasser und Bord-Toilette erfolgte in der Herrentoilette. Um 10:00 Uhr fahren wir bei 12 Grad vom kleinen CP ab. Steil nach oben ging es, der Galaxy hat geschnauft und den Wohnwagen auf die Straße hochgezogen. Dann sind wir die E 39 zurück nach Sjoholt gefahren, haben Geld gebunkert und beim COOP Lebensmittel und Getränke eingekauft. Dann sind wir die Straße 650 nach Süden bis zur Fähre über den Storfjord in Stranda gefahren. Die Straße war gut zu befahren, in dieser Gegend wird viel Landwirtschaft betrieben, auch Zuchthäuser für Rinder haben wir gesehen. Schafe und Ziegen werden gehalten und der Wald mit Harvestern bewirtschaftet. Schaut manchmal richtig gräuslich aus, was die Walderntemaschinen zurücklassen. In den vielen kleinen Ortschaften am Straßenrand wurden schon Holzstapel für die Mittsommernacht aufgerichtet. Viele Kirschbäume, auch hier am CP, tragen schon grüne Kirschen, Erdbeerfelder, leider ohne reife Früchte, die wir gerne kaufen würden, auch Birnbäume haben wir gesehen. Norwegen ist zwar hoch im Norden, dennoch ist Obstanbau möglich. Später auf der Reise im Hardangerfjord werden Äpfel angebaut, die Apfelblüte ist jedoch schon vorbei. Ab und zu blinzelt die Sonne durch die Wolkendecke, dennoch sind 16 Grad unser Temperaturmaximum, das wir heute erreichen. Wir fahren auf der RV 60 immer wieder durch längere Tunnels. Einmal fahren wir über eine Passhöhe, die 400 Meter hoch lag. Oben war ein Skigebiet, auch eine Sprungschanze. Dann kommen wir zur Fähre nach Stranda und zahlen 234 NOK Gebühr für 15 Minuten Überfahrt über einen katzenkopf-schäumenden Storjord. Den auch alle Hurtigrutenschiffe und Kreuzfahrer auf dem Weg nach Geiranger durchfahren. Nach der Überfahrt geht die Straße gleich wieder nach oben, wir durchfahren ein Hochtal, Berge links und rechts etwa 1.000 bis 1.500 Meter hoch, und mittendrin die Straße und ein Fluss, der den Restschnee rauschend ins Tal befördert. Immer wieder durchfahren wir Tunnels, mal rauf, mal runter. Ein ziemlich neuer Streckenabschnitt der RV 60 war bei Ljoen, erst ein langer Tunnel, dann eine Aussichtsplattform mit Blick auf den Sunnylsfjord, der nach Geiranger und Hellesylt führt. Leider war kein Kreuzfahrer im Fjord unterwegs, das wäre ein richtig schönes Bild gewesen. Danach führte die Straße wieder in einen Tunnel, der kurz vor Hellesylt wieder an die Fjordoberseite kam. Wir machten eine Hellesyltrunde, vorbei an einem schäumenden Wasserfall. Bei einem Supermarkt kaufen wir warme Hühnerbeine, die sofort als Brotzeit gegessen wurden. Danach führte die Straße 60 lange Kilometer durch ein Hochtal und vorbei am Hornindalsvatnet, der mit 514 Metern Tiefe der tiefste Binnensee Europas ist. Die Straße RV 60 mündete in die Straße 15 nach Stryn. Hier war mächtig was los, Kaffees waren gut besucht und viele Einkaufsgeschäfte waren links und rechts der Straße.
Wir haben 2010 schon einmal im Stryn-Hotel auf unserer Fahrt zum Sylte-Fjord übernachtet und uns heute daran erinnert. Noch 15 Kilometer auf der RV 15 führten uns auf den CP Strynsvatn in Meland. Wir checkten ein, stellten uns auf einen schönen Platz, stellten fest, dass dort kein Internetempfang ist, zogen mit Sack und Pack (Wohnwagen und Auto) 20 Meter um, wo ich glaubte, näher am Server zu sein, um einen guten Empfang zu haben. Sah auch so aus, 4 Balken als Anzeige am Laptop sollten ja passen. Ein Scheißdreck hat gepasst. Danach habe ich den Antennenverstärker angesteckt, viele Balken, aber keine Internetverbindung. Nach dem aufstellen des Wohnwagens bin ich näher zum Standort des Routers, über dem Sanitärtrakt gegangen, keine Verbindung. Danach zur Rezeption und ins Café, wo ich eine stabile Internetverbindung hatte. Meinen Unmut über den nicht vorhandenen Internetzugriff vom Wohnwagen aus habe ich der Inhaberin des CP wissen lassen. Der heutige Grund und der Grant den ich mit dem Internet hatte ist der, dass mein Bruder heute 74 Jahre alt wurde und ich ihm unbedingt per Mail gratulieren wollte. Das hat dann doch endlich gepasst. Die Technik spielt doch immer mal verrückt. Jetzt, wo ich am Reisebericht schreibe, habe ich vollen Internetzugriff im Wohnwagen. Scheinbar war ein kurzfristiger Defekt die Ursache.
Wir haben einen schönen Terrassenstellplatz mit Blick auf den Strynsvatnet-See unter uns, der in ost-west-Richtung liegt. Nördlich und südlich des Sees/des CP sind hohe Berge, die ein anzapfen des ASTRA-Satelliten für den TV nicht zulassen. Mist. Aber ich habe ja einige hundert Lieder auf dem Stick, die wir nun anhören können. Die Cagey Strings laufen gerade.
Langsam kehrt Ruhe ein, Gerti brät Schweinefilets mit Gemüse, wir haben schon in den Reiseführern gelesen, was es hier alles an Sehenswürdigkeiten gibt. Zuhause habe ich schon das morgige Reiseziel, den Briksdalsbreen (breen heißt Gletscher) im Gletschermassiv Jostedalsbreen ausgesucht. Das Wetter soll bewölkt bis sonnig sein, ohne Niederschläge. Jetzt nach dem Abendessen frischt der Wind auf, die Wolken hüllen die Bergspitzen ein. Gerti meint, irgendwie sieht es nach Regen aus.
Die Cuba Boarischen, von denen der See unter uns sicher noch nie was gehört hat, klingen aus dem TV, der auch Multimedia kann. Am CP sind viele feste Wohnwagen mit Vorzelte aufgestellt, die Norweger verbringen scheinbar hier draußen am See ihr Wochenende.
Ich werde heute noch die Bilder als Anhang zum nächsten Reisebericht aussuchen, bearbeiten und verkleinern. Manchmal frage ich mich, warum ich mir das mit dem Reisebericht und den Bildern als Zusatzaufgabe zum ursächlichen reisen und erleben überhaupt antue. Vielleicht sollte ich mit dem malen beginnen?

Sonntag, 19. Juni 2016, 08:00 Uhr grauer Himmel mit Wolkenlöchern, Ausflug zum Briksdalsbreen
Wir hatten eine ruhige Nacht mit Bettsocken und zweiter Decke. Es ist halt doch etwas kalt in der Nacht. Und ein paar Regentropfen kamen auch herunter. Die Sanitärräume sind groß und sauber, 5 Minuten duschen um 10 NOK, rund einem Euro, ist angesagt. Wir frühstücken drinnen, hinter uns sind schneebedeckte Berge mit Wasserfällen. Vor uns der See, wir stehen im Gebirge. Heute ist ein Ausflug zum Briksdalsbreen geplant, wir haben die Wanderkleidung angezogen. Um 09:30 Uhr machen wir uns auf den Weg, wir fahren nach Stryn zurück, dann nach Loen und Olden am Ende des Nordfjordes. Hier wurde ein riesiger Anleger für große Kreuzfahrschiffe gebaut, der sicher nicht notwendig wäre, was die Bedeutung und Größe des Ortes angeht. Danach geht es die schmale Straße 724 Richtung Briksdalen, eine Straße mit Ausweichbuchten, die auch von Bussen befahren wird, um die vielen Touristen aus aller Welt zum Gletscher zu transportieren. Nach rund 50 Kilometern sind wir am Parkplatz angekommen, ziehen die Wanderschuhe an, zahlen 50 NOK Parkgebühr und machen uns auf den Weg zum Gletscher. Es ist 11:00 Uhr. Wir sind zu Fuß zur Gletscherzunge, die sich im Laufe der Jahre sehr weit zurückgezogen hat, gewandert. Immer am Bach entlang, der in vielen Kaskaden den Berg herabschoss. Viele schöne Bilder sind entstanden und bleiben uns in Gedanken erhalten. Das Wetter war unterschiedlich, mal Sonnenschein, mal grauer Himmel mit Tröpfchen. Am Gletschersee machten wir Brotzeit und blickten auf 10.000 Jahre altes Eis. Abgeschliffene Felsen und Gletschermühlen zeugen vom aktiven Leben des Gletschers vor vielen Jahren. Der Briksdalsbreen ist ja nur ein kleiner Ausläufer des Jostedalsgletschers, dessen Ausdehnung ein Hundertfaches beträgt. Er ist der größte Gletscher Europas. Wir wanderten zurück zum Parkplatz, fuhren langsam zurück nach Stryn, wo wir Kaffee im Sonnenschein tranken. Um 16:30 Uhr waren wir am CP zurück, 20 Grad warm war es. Richtig schön. Wir haben für Morgen eine Wanderung auf den Berg gleich hinter dem CP geplant, das Wetter soll bis zum frühen Abend schön sonnig sein.
Zum Abendessen haben wir wieder den Grill angeworfen und Kotelett gebraten, dazu gab es Gemüsereis und das alles im Freien bei Sonnenschein. Jetzt um 22:00 Uhr sind die Bergspitzen im Sonnenlicht, es ist leicht grau hier unten im Tal. Dunkel wird es nie. In Ermangelung einer SAT-Verbindung singt uns Jonny Cash etwas vor. Und June Carter näselt mit, singen kann sie m. E. nicht gscheit.
Montag, 20. Juni 2016, strahlend blauer Himmel, Wanderung
Gerti hat früh am Morgen den kleinen Heizlüfter angestellt, der den Wohnwagen schön warm gemacht hat. Danach sind wir aufgestanden, später die Wanderkleidung angezogen. Das Frühstück mit kurzem Hemd draußen mit Blick auf See und Gebirge. Kurz nach 10:00 Uhr sind wir den Wanderweg gleich hinter dem CP hochgewandert. Es war ganz schön steil und hat uns zum schwitzen gebracht. Wir sahen einen Seeadler, erkennbar am weißen Stoß, den ich leider nicht ablichten konnte, weil ich die Kamera nicht parat hatte. Unterwegs nach oben haben wir Meisen, Buchfinken, Kolkraben, einen Kuckuck gehört und gesehen, unten am Strand einen kleinen Strandläufer. An einem Wasserfall machten wir nach einer Stunde eine kurze Rast. Der breite Weg wurde schmaler und endete in einem Jägersteig, auch Schafsteig, wie die Hinterlassenschaften zeigten. Irgendwann haben wir den Weg verloren, das Gelände wurde felsig und steil. Dann war Schluss für uns, wir wollen noch keine frühzeitigen Erblasser werden, sind wieder langsam zurück zum Wasserfall und auf dem breiteren Weg abgestiegen. Beim runtergehen haben wir dann den richtigen Abzweig nach oben gefunden, aber die Lust verloren, weiter aufzusteigen. Wir sahen ja am Himmel das bevorstehende schlechtere Wetter schon heranziehen, eine Vernunftentscheidung, die sich als richtig herausstellte. Langsam sind wir zum CP zurück gewandert, dann runter zum See, wo wir Brotzeit machten. Das Wetter zog ganz zu, es wurde windig aber nicht kalt. 20 Grad und ein leichter Regen waren gut auszuhalten. Ich habe die Räder wieder aufs Dach gepackt, Gerti hat sich ins Sanitärgebäude zurückgezogen und sich renoviert. Danach haben wir Kaffee getrunken und lassen den Nachmittag mit lesen und Reiseberichtschreiben ausklingen. Beim CP Besitzer habe ich 765 NOK für drei Nächte gezahlt, ein für Norwegen üblicher Tagespreis von gut unter 30 €.
Zum Abendessen haben wir Dorschfilet im Gemüsebett in der Alufolie gegrillt, mit Salzkartoffeln aus der Bordküche. Es hat ausgezeichnet geschmeckt. Erschwerend kam beim grillen hinzu, dass es schon seit geraumer Zeit regnet, der Grill deshalb unter dem großen Campingtisch stand, der den Regen abhielt.
Morgen geht die Reise über die E 39 und den RV (Riksvegen=Reichsstraße) 5 ca. 150 Kilometer weiter nach Süden, nach Sogndal/Kjornes am Sogndalfjord. Mit Glück haben wir auf diesem CP wieder SAT-Empfang, um die Fußballkünstler zu bewundern, was sie in 90 Minuten zusammenbringen.
In Ermangelung des Fernsehers hören wir gerade Musik von Fats Domino. Schön war die Musik der 60er Jahre, voller Sehnsucht und Hoffnung. Bestimmt auch für die schwarze Bevölkerung Amerikas. Gerti legt Karten, der Regen trommelt aufs Wohnwagendach, alles rundum ist nass. Aber uns im Wohnwagen geht es mit Unterstützung des kleinen Heizlüfters gut.
Dienstag, 21. Juni 2016, 08:30 Uhr, Regenschauer, 15 Grad, Fahrt von Meland/Stryn nach Kjornes/Sogndal, gef. 154 Kilometer
Wir haben eine regnerische Nacht erlebt, ungewöhnlich für das Wetter auf unserer bisherigen Reise. So lange und so intensiv, im Internet wurden nur 20 ml/qm angesagt, also ein halb gefülltes Stamperl. Die Bergspitzen sind in Wolken gehüllt. Zum Frühstück hört der Regen auf, beim anspannen habe ich die Regenjacke und eine Kappe angezogen. Abfahrt um 09:50 Uhr, 13 Grad Kälte, die wir im Auto gleich auf 20 Grad erwärmten. Wir fahren die den RV 15 nach Stryn zurück, kaufen beim REMA für die nächsten Tage ein. Der Regen hat aufgehört. Die Fahrt geht weiter auf der E 39/RV 60 nach Loen und Olden. Hier liegt ein Riesen-Kreuzfahrtschiff von P & O, die Britannia, am Anleger. Die Menschen, die keine Ausflüge gebucht haben, laufen/irren durch die Gegend, zu sehen gibt es in Olden wirklich nichts, wenn man von Souveniershops absieht. Wir stehen nach Olden eine Viertelstunde vor einer Baustelle, die RV 60, die direkt am Nordfjord entlang führt, wird ausgebaut. Im Pulk fahren wir dann am Nordfjord entlang bis Utvik. Auch hier am Nordfjord, der in Ost-West Richtung verläuft, wird Obst in großem Stil angebaut, Obstbäume wie in Südtirol und auch Erdbeeren und Ribisel. Dann führt der RV 60 9 Kilometer nach oben, mit dem 2. Gang, in Kehren, oft wird es eng, wenn ein LKW entgegenkommt. Dann sind wir 600 Höhenmeter geklettert, oben sind die Bäume halb so hoch wie unten, wir sind im Skigebiet Gloppen angekommen. Danach geht die Straße wieder steil nach unten, ich lasse das Gespann mit dem 2. Gang abwärts schieben, um die Bremsen zu schonen. Unten am Talgrund angekommen, fahren wir durch ein enges Tal südwärts. Es ist so eng, dass nur Fluss, Straße und links und rechts an den Hängen Schafe und Ziegen weiden. Im späteren Verlauf wird das Tal breiter, Landwirtschaft wird betrieben, auch hier werden Grasballen in Folie gerollt, z. T. in rosa Folie. Heute haben wir viele Tunnels durchfahren, einer ging 6 Kilometer nur abwärts Richtung Fjord, von 450 Meter auf 133 Meter, ein anderer 6,5 Kilometer langer Tunnel folgte im Laufe der Fahrt Richtung Sogndal. Um 14:00 Uhr sind wir am CP Kjornes angekommen, haben uns einen Stellplatz gesucht, der gute SAT-TV-Aussichten versprach und aufgebaut. Die SAT-Antenne hat den Satelliten gefunden, das Deutschland: Nordirlandspiel war gerettet. Wir machten Brotzeit, die Sonne schaut ab und zu aus den Wolken. Wir lesen uns ein für unseren morgigen Ausflug zum Nigardsbreeen-Gletscher, einem Ausläufer des Jostedalsbreen, etwa 60 Kilometer einfach ist die Strecke dorthin. Weil wir direkt am Sognefjord stehen, habe ich die Angel aufgebaut und bis zum Beginn des Fußballspiels geangelt. Ohne Erfolg. Zu Abend gab es Spaghetti und einen leckeren Salat, ein Glas Wein und Sonnenschein im Freien.
Gestern hatten wir eine gute Internetverbindung und keinen SAT-Empfang, heute haben wir SAT-Empfang und eine seichte Internetverbindung. Die Bilder von der Jugend in Fehmarn haben uns riesig gefreut, auch die Neuigkeiten der drei.
Mittwoch, 22. Juni 2016, 08:30 Uhr, 16 Grad, bedeckt, Ausflug zum Nigardsbreen-Gletscher, gef. 134 Kilometer
In der Nacht waren immer wieder Regenschauer zu hören, die am Morgen abebben. Morgentoilette unter mondänen Umständen in einer geheizten Super-Nasszelle mit WC, Handwaschbecken und Dusche, es hat richtig Spaß gemacht, sich zu renovieren. Frühstück unter der Markise draußen. Reger Autoverkehr auf dem RV 5 über uns. Um 10:00 Uhr sind wir auf der R 55 nordwärts nach Gaupne, dann auf der 604 bis zum Breheimsernteret Jostedal gefahren. Das Center haben wir nicht besucht, wir sind gleich zum Parkplatz als Ausgangspunkt für die Wanderung zum Gletscher durchgefahren. An einer Schranke haben wir 40 NOK Parkgebühr mit Karte bezahlt. Das Wetter war bedeckt, die Spitzen der Berge in Wolken. Vom Parkplatz bis zum Gletscherfuß sind wir eine Stunde gewandert, viele schöne Fotomotive wurden abgelichtet. Der Nigardsbreen –Gletscher ist wesentlich eindrucksvoller als der Briksdalsbreen, den wir vor einigen Tagen besuchten. Er ist mächtiger, eisblauer, man kann fast bis zur Eiskante wandern. Und er wird kaum von Reiseveranstaltern vermarktet. Auch wenn einige Reisebusse auf engen Straßen unterwegs waren, der Verkehr blieb überschaubar. Wir sind bis zur Absperrung gewandert, haben die gewaltige Gletscherzunge bewundert. Kalt und eisblau liegt der Gletscher vor uns. Oben auf ist er dreckig, Umweltverschmutzt. Der Dreck bzw. die schwarzen Staubpartikel auf der Gletscheroberfläche beschleunigen die Erwärmung des Gletschers, der dadurch schneller abschmilzt. Wir haben die von Sherpas geführten Gletscherwanderungen beobachtet, über das Motorboot geschmunzelt, das einige Besucher etwa eine halbe Gehstunde näher an die Gletscherzunge gefahren hat. Nicht elektrisch, sondern mit Motorkraft. Nach unserer ausgiebigen Gletscherbesichtigung haben wir am Gletscherfuß Brotzeit gemacht und sind dann wieder gemütlich zum Auto gewandert. Nach einer guten ¾ Stunde sind wir wieder beim CP angekommen. Unterwegs haben wir einen Falken, eine Amsel und eine Wasseramsel gesehen, ansonsten ist die Tierwelt am Sognefjord wenig ergiebig. Wir haben am CP Kaffee getrunken, ich habe noch ein weinig gefischt und dabei drei Blinker im Tang verloren. Später haben wir noch Sommerkoteletts gegrillt und unsere Räder aufs Autodach gestellt. Morgen müssen wir weiter, ein Jugend-Fußballturnier ist in Sogndal angesagt, ca. 1.500 Leute werden den CP bevölkern, wurde uns beim gestrigen einchecken schon gesagt. Also vorzeitige Flucht nach Laerdal, wo die nächsten Tage ein Musik-Festival sein soll. Wir werden sehen, was sich am morgigen Tag ergibt. Der CP füllt sich zusehens, die norwegischen Gespann Fahrer beherrschen ihre Gespanne gut, sie haben meist auch keinen Mover/Radantrieb, um den Wohnwagen aufzustellen. Das Wetter wird die kommenden Tage nicht so sonnig werden, wie wir das gerne hätten. Wir machen was draus, ohne Trübsal zu blasen.
Donnerstag, 23. Juni 2016, 09:00 Uhr aufstehen, sonnig, 18 Grad, Fahrt von Kjornes über Laerdal nach Aurland, danach Fahrt über den Hochgebirgs-Aurlandsvegen, gef. 138 Kilometer
Heute lassen wir es ruhig angehen, die Sonne scheint und überall ist Aufbruchsstimmung, auch bei uns. Ich genieße noch einmal die Sanitäranlagen, rasiere mich mal wieder und komme wohlgelaunt zu Gerti zum Wohnwagen. Sie hat schon das Frühstück hergerichtet, wir frühstücken draußen. Danach heißt es, das Gespann abfahrfertig zu machen, was immer besser und schneller klappt. Um 10:30 Uhr fahren wir bei 16 Grad Außentemperatur in Richtung Mannheller, wo wir mit der 11-Uhr-Fähre nach Fodnes den Naeroyfjorden überqueren. Wir wurden beim abkassieren vergessen, haben uns mindestens 400 NOK/40 € gespart. Der Tag begann schon mal gut. Danach sind wir zum CP in Laerdal gefahren, der als Nächstes auf der Liste stand, haben ihn besichtigt und die Entscheidung getroffen, weiter nach Aurland zu fahren. Auf der Straße E 16 haben wir den längsten Tunnel der Erde mit 24,5 Kilometer befahren. Mit drei großen, blau/grün beleuchteten Hallen, um die Tunnel-Eintönigkeit aufzuhellen. Kaum waren wir aus dem Tunnel, haben wir den Lunde CP in Aurland erreicht, der an einem Fluss und leider auch im akustischen Bereich der E 16 kurz vor Flam liegt. Auch der Satellit im Süden ist nicht zu erreichen, eine Felswand, die bestimmt 600 Meter hoch ist, versperrt den direkten Kontakt. Internet soll gehen, so die CP-Frau. Wir haben den Wohnwagen aufgebaut, die Markise ausgezogen, Brotzeit gemacht und überlegt, was wir ob der zu erwartenden Wetterbedingungen heute noch anstellen werden.
Unsere Entscheidung fiel auf die Überquerung des Aurlandfjells, etwa 45 Kilometer einfach, von Aurland nach Laerdal. Ich habe die Räder vom Dach geholt und um 14:00 Uhr ging die abenteuerliche Fahrt über das Fjell los. In Aurland zweigt die Straße rechts ab, sie ist eher einspurig mit Ausweichstellen und bestimmt 10 bis 12 Prozent steil. So fahren wir bergauf bis zum imposanten Aussichtspunkt Stegastein mit Blick in den Aurlandsfjorden und auf Flam. Paraglider sind über dem Fjord zu sehen, die unten bei einem Bauernhof landen. Weiter geht die Fahrt bis auf 1.300 Höhenmeter, wir sind im Schnee angekommen. Der Horizont ist von schneebedeckten Bergen eingerahmt. Ein grandioser Blick in eine herrliche Landschaft, schneebedeckt mitten im Jahr. Langsam bummeln wir von Fotomotiv zu Fotomotiv, steigen immer wieder aus und nehmen die Landschaft in uns auf. Viel zu schnell sind wir wieder bei der Abfahrt in Richtung Laerdal, die Natur wird wieder grüner und bunter. Nach vielen Abwärtskilometern im 2. Gang sind wir in Laerdal angekommen und kaufen noch beim KIWI ein. Vom POP-Konzert haben wir nur zaghafte Vorbereitungen mitbekommen, nichts ist mit schwofen und Kaffeetrinken bei Musik in Laerdal. Der Musikevent soll in einer großen Halle stattfinden. Und danach fahren wir ein zweites Mal durch den 24,5 Kilometer langen Straßentunnel und freuen uns auf die bunten Lichthöfe im Inneren. Am CP sind wir um 17:00 Uhr zurückgekommen, ich lade die vielen Bilder und die Videos am Camcorder auf den PC und gönne mir eine Auszeit im Sonnenlicht. Oben ohne, weils so schön warm war. Um 18:00 Uhr werfe ich den Grill an, wir brutzeln Hühnerteile und essen Salat dazu. Und ich leiste mir ein Biere, weil der Tag so schön war. Später lesen wir uns ein, was Laerdal, Aurland und Flam alles zu bieten haben. Wettermäßig ist Morgen ab Mittag Schluss mit Lustig, es soll regnen. Am Samstag scheint durchgängig die Sonne, wenn Petrus denselben Wetterbericht wie wir gelesen hat.
Mal sehen, was wir Morgen machen, Flam-Bahn fahren nach Myrdal ist ein Favorit von mehreren.
Freitag, 24. Juni 2016, 09:00 Uhr, 15 Grad, bedeckt, Ausflug nach Flam, Gudvangen, Undredal und Aurland, 73 Kilometer gefahren
Wir konnten einigermaßen ruhig schlafen, der Straßenlärm begann erst wieder im Morgengrauen. Weil das Wetter nicht zum aufstehen eingeladen hat, haben wir noch eine Schlafstunde bis 09:00 Uhr eingelegt. Die Sanitäreinrichtungen waren um diese Zeit zu wenig, der CP ist zwar nicht voll belegt, die Hütten schon. Am Lokus haben sie angestanden, entsprechend war die Geruchsbelästigung.
Wir frühstücken unter der Markise bei 15 Grad draußen, ganz schön kühl. Gestern Nachmittag hat die Sonne noch runtergebrannt, der Wetterwechsel wirkt krass. Nach dem Frühstücken und aufräumen fahren wir auf der E 16 nach Flam. An der Pier liegt ein Kreuzfahrer der Viking Linie namens Viking Star und verstinkt mit blauen Abgasen aus dem Kamin die ganze Flam-Bucht. Mir ist unverständlich, dass das verbrennen von Schweröl auf Kreuzfahrtschiffen erlaubt ist. Hier wird giftiges, teigiges Schweröl zuerst auf 60 Grad erhitzt, verbrannt und ungereinigt durch den Kamin entsorgt. Im Zentrum von Flam, es besteht aus Bahnhof, Pier und Parkplätzen für die Buskolonnen, die die Touris befördern, sind wir stehen geblieben. Gerti hat weitergehende Informationen im Tourist-Office eingeholt, ich habe zwischenzeitlich größte Zweifel, dass eine Flam-Bahnfahrt meine Erwartungen befriedigt. Massen von Touristen werden in Pulks zu den bereit stehenden Waggons der Flam-Bahn geleitet. Gerti sprach davon, dass die vorbestellten Tickets Vorrang haben, wir wären auf der Warteliste auf die nächsten Züge, wenn wir fahren wollten. Weil ich auf diesen Trubel nicht eingestellt war, haben wir Flam in Richtung Gudvangen verlassen. Wir fahren zuerst einen 5,5 Kilometer langen Tunnel hoch, danach einen 12,4 Kilometer langen Tunnel nach Gudvangen runter. Flam und Gudvangen liegen jeweils am Ende von Fjorden. Entsprechend ist auch in Gudvangen, eingerahmt von 1.000 Meter hohen Bergwänden, viel los. Ein paar Hotels, eine Tankstelle mit Buttik, Restaurant/Cafeteria, Wohnmobil-Entsorgung und Bus-Waschplatz. Das Wasser des Ver- und Entsorgungsplatzes fließt z. T. gleich ins angrenzende Erdreich, und der Rest (ungeklärt?) in den nahen Naeroyfjorden. Er ist ein schmaler und spektakulärer Seitenarm des Sognefjord, er zählt zu den Highlights in Norwegens Fjordregion und gehört (natürlich) auch zum UNESCO Weltkulturerbe. Wir wandern, mit Regenschirmen bewaffnet, durch das kleine Örtchen, bewundern schöne, blumenbestandene Vorgärten. Ein dauernder Fährverkehr ist zu beobachten, Autos und Touristen werden durch die Fjorde befördert. Alles ist auf Massentourismus ausgelegt. Nichts für uns.
In einem Touristen-Shop hat Gerti für unsere Enkelin einen ganz lieben kleinen Elch-Rucksack entdeckt, der sofort erstanden wurde. Ein Souvenir für die Kleine, gekauft an einem regnerischen Freitag am Naeroyfjorden. Und über dem Treiben dort unten im Tal weht über eine 1.000 Meter hohe Felswand das „Brautkleid“, drei zarte (Wasser-) Schleier wehen von der Kante herunter. Und heute sind auch genügend wolkige Regentropfen dabei.
Nach einer Stunde in Gudvangen sind wir wieder in den 5 Kilometer langen Aufwärtstunnel zurück bis auf 333 Meter über NN gefahren, gleich danach links abgebogen und wieder 6 Kilometer auf Fjordhöhe runtergefahren. Unser Ziel war die 1147 errichtete, mit 3,7 Meter Breite kleinste Stabkirche Norwegens in Undredal. Wir stellten das Auto vor dem Ort ab und durchstreiften es, gingen am Fjord entlang und machten eine Kaffeepause im Hafen-Kaffee. Danach fuhren wir wieder bergauf zur E 16, entlang am rauschenden Bach, der dampfte. Und schon wieder ging es 11,4 Kilometer im Tunnel abwärts nach Flam, das wir links liegen ließen. Der stinkende Kreuzfahrer lag immer noch an der Pier, dessen Passagieren wir überall begegneten. Zum Abschluss unserer heutigen Besichtigungstour bei Regen fuhren wir noch nach Aurland. Am Fluss haben wir gelesen, dass es eine Lachs-Seuche (Parasiten) geben soll und Fischer sich selbst, die Angelschnüre und Rollen desinfizieren sollen, bevor sie nach Erwerb der Fiskekort den Lachsen und Seeforellen nachstellen. Mit dieser Maßnahme soll die Ausbreitung der Seuche verhindert werden. Aurland ist sicher bei Sonnenschein ganz schön, bei Regen hat es uns zum Abschluss noch in die Kirche gezogen, deren nordische Schlichtheit uns gefiel.
Bei der Rückkehr zum Wohnwagen hat es immer noch geregnet, unter der Markise war es wenigstens trocken. Ich habe mit dem Reisebericht begonnen, die Bilder von der Kamera runtergeladen und im Internet nach dem Wetter der nächsten Tage geforscht. Nichts wirklich Erfreuliches für Ausflüge in Sicht. Morgen vielleicht noch ab Mittag, dann am Sonntag wieder Regen.
Gerti hat die Bordküche angeworfen und Putengeschnetzeltes mit Nudeln auf den Tisch gezaubert. Der Regen plätschert, während ich noch am Reisebericht sitze und sich der CP füllt, munter aufs Dach. Leonard Cohen singt mit sonorer Stimme seine Balladen, sie erinnern mich an mein Alter mit 20 Jahren, sie waren Begleiter schöner Nächte... Was einem so alles einfällt, bei Regengeprassel!? Oder ist es das Geräusch des kleinen Heizlüfters, das mich stimuliert?
Samstag, 25. Juni 2016, 08:00 Uhr, bedeckt, 15 Grad, Fahrt mit der Flam-Bahn, gef. 29 PKW-Kilometer
In der Nacht hat der Regen aufgehört, ich konnte nicht so gut schlafen, viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Wir sind um 08:00 Uhr aufgestanden, weil wir mit der Flam-Bahn von Flam nach Myrdal und zurück fahren wollen. Unser Frühstück fand draußen statt, die regennassen Nebelschwaden zogen nach oben, der Fluss hat mehr Wasser. Es hat ja gestern auch richtig geregnet. Nach dem Frühstück fuhren wir den bekannten Weg nach Flam und stellten den PKW am Parkplatz ab. Ich ging in das Tourist-Office und kaufte zwei Tickets mit Abfahrt 11:05 Uhr. Hin und um 13:10 Uhr wieder zurück, zum Preis von 880 NOK, rund 95 EURO. Die Fahrt von Flam nach Myrdal soll ca. eine Stunde betragen, 20 Kilometer ist die Fahrt lang. Weil wir noch Zeit hatten, gingen wir im „Zentrum“ spazieren. Ein Fiat-Oldtimer-Sommertreff war im Hafen zu sehen, viele uralte Kleinwagen wie der Toppolino, der 600er, aber auch eine Giulietta Sprint, designet von Bertone war zu sehen. Mit viel Hingabe und techn. Verständnis wurden die Oldtimer erhalten, nach einem Regenguss sofort gewienert, trocken gewischt. Das Museum der Flam-Bahn gab Eindrücke in die Zeit des Ausbaues der Strecke wider.
Um 11:05 Uhr fuhr die Flam-Bahn Richtung Myrdal nach oben. Langsam, mit einigen Kurven schlängelt sich die Bahnstrecke durch ein Tal, später durch eine Felswand. Immer wieder sind schöne Ausblicke zu sehen. Die Fahrt wurde dreisprachig begleitet, norwegisch, englisch und deutsch. Optisch und akustisch. An einem Wasserfall hat der Zug für 10 Minuten gehalten. Die Gischt des Wasserfalls war so gewaltig, dass alle, die den Zug verlassen haben, schneller als gewollt nass waren. Für ein paar Bilder hat es gereicht. Im Hintergrund hat sich eine rot gewande Fee zu schaurigen Klängen bewegt. Danach fuhr der Zug bis Myrdal, einem Verkehrsknoten zur Bahnstrecke Oslo – Bergen. Gerti ist nicht ausgestiegen, hat den Sitzplatz verteidigt. Ich habe mir das Treiben auf dem hoch gelegenen Bahnhof angesehen und mir meine Gedanken gemacht. Dazu später mehr. Zur Rückfahrt nach Flam stiegen viele neue Passagiere zu, der Zug war ausgebucht. Bei der Rückfahrt km es am Wasserfall zu techn. Problemen mit dem Zug, wir bekamen eine Stunde Bahnfahrt bzw. Bahnstehen geschenkt. Als die Bremsen händisch wieder gelöst waren, fuhr der Zug weiter nach unten. Bei einer Ausweichstelle wartete der nach oben fahrende Zug auch eine Stunde lang. Unten in Flam um 14:00 Uhr angekommen wurden die Karten neu gemischt. Busse, Schiffe und Fähren nahmen die verspätet angekommenen Touris auf, andere konnten ihre gebuchte Reise nicht antreten. Es war ganz schön was los im „Zentrum“ von Flam. Wir sahen noch der Hanseatic, einem kleineren Kreuzfahrtschiff beim auslaufen zu, bevor wir uns in Richtung Aurland auf den Weg machten. Natürlich ist die Hanseatic in Nassau, Bahamas, (postlagernd) registriert. An der Pier von Aurland und an einem anderen Punkt des Fjordes habe ich noch einige Blinker gewaschen. Ohne Erfolg. Paraglider haben sich in kühnen Flugmanövern vom Berg herabgestürzt, keiner ist normal abgeglitten, wie bei uns zuhause.
Zurück am CP habe ich mich sofort an das Versenden der Reiseberichte gemacht, sie waren schon überfällig. Hunderte von schönen Bildern der letzten Woche konnte ich nicht als Anlage beifügen, das hätte die Mail gesprengt.
Danach habe ich die Räder aufs Dach gepackt, zusammen haben wir die Markise eingerollt, die trocken war. Die Abfahrtroutine hat begonnen. Wasser wurde im Wohnwagen und im PKW aufgefüllt, Bilder von Kamera und Camcorder runtergeladen. Gerti hat gekocht, ich habe gezahlt usw. Ein nächstes Reiseziel muss ja auch geplant und realisiert werden. Morgen ist Lofthus am Sorfjord, einem Nebenarm des Hardangerfjordes unser Ziel.
Meine Gedanken zur Flam-Bahn: Eine tolle Geschäftsidee an einer Haltestelle der Oslo – Bergen – Bahn. Die Flam-Bahn stellt in Myrdal auf 866 Höhenmetern die Verbindung von Zug und den Fähren in den Fjorden her. Als Zubringer/Verteiler. Unten wurde der Ort zum Tourismusmagneten ausgebaut und der Natur übergeordnet. Zugehen tut es wie am Stachus. Einen Hunderter ist mir das Erlebnis nur einmal im Leben wert gewesen. Künftig werde ich diese Orte auf unserer Reise, wenn es geht, meiden.

Sonntag, 26.06.2016, 08:30 Uhr, leichter Regen, 14 Grad, Fahrt von Aurland nach Lofthus am Storfjord, 130 Kilometer gefahren
Nach einer regnerischen Nacht haben wir unseren Aufenthalt in Aurland beendet, nach dem Frühstück packen wir zusammen und fahren auf der E 16 nach Flam. An der Pier liegt ein kleineres Kreuzfahrtschiff, es ist Niedrigwasser. Die Wolken ziehen die Berge hoch. Wir fahren wieder von Meereshöhe 5 Kilometer hinauf auf 355 Meter, dann 10 Kilometer auf Fjordebene nach Gudvangen runter. Danach ist die E 16 für uns Neuland. Durch ein enges Tal fließt ein dampfender Fluss, die Wolken hängen wieder tief (etwa 150 Meter über uns), es regnet wieder. Von den über 1.000 Meter hohen Bergen links und rechts der Straße rauschen Wasserfälle abwärts. Als das Tal wieder etwas breiter wurde, haben Landwirtschaftsbetriebe gesiedelt. In Oppheim ist ein großer See, eine Skisprunganlage zeugt von Winteraktivitäten. Als wir uns Voss näherten nahm der Verkehr etwas zu. Ein Festival oder eine Mittsommernachtsfeier hat auf einem Gelände vor Voss stattgefunden, bei dem Regen bestimmt keine Freude für Teilnehmer und Veranstalter. Auch Voss ist ein Wintersport-Ort, hohe, schneebedeckte Berge und Seilbahnen zeugen davon. Und auf dem rauschenden Fluss neben der Straße wird mit Kajaks und Schlauchbooten gefahren. Nach Voss fahren wir auf dem RV 13 Richtung Hardangerfjord. Viele Tunnelkilometer, zum Teil mautpflichtig sind wir heute gefahren, bevor wir über die neue Hardangerbrücke nach Kinsarvik gekommen sind. Wir fahren auf dem RV 13, einer schmalen Straße am Fjord entlang. Zum Teil muss man den Gegenverkehr an Ausweichstellen passieren lassen. Manchmal bleiben auch die anderen Fahrzeuge stehen, um uns durchzulassen. Ich bin froh, dass Sonntag ist und der LKW-Verkehr nicht stattfindet. Einmal musste ich zurücksetzen, dann den Außenspiegel einklappen um den anderen Verkehrsteilnehmer passieren zu lassen.
Wir haben uns gestern in google earth die Lage der CP in Kinsarvik und Lofthus angesehen und festgestellt, dass wir am CP Lofthus eher SAT-Verbindung bekommen könnten. Deshalb sind wir den RV 13 weiter gefahren, bis wir den Abzweiger zum CP Lofthus gelesen haben.
Diese Zubringerstraße war etwa 2 Kilometer lang und so breit wie unser Gespann. Aber da muss man durch, wenn man einen schönen CP mit Sicht auf die Berge und den Storfjord erreichen will. Wir sind um 12:45 Uhr angekommen, haben einen Stellplatz mit SAT- und WLAN-Verbindung gefunden, stehen mitten in einer Kirschbaum-Plantage, die Kirschen sind schon reif und können von uns gepflückt werden. Wenn sie nicht die Spatzen und Drosseln vorher fressen. Am Nachmittag haben wir einen Spaziergang runter zum Fjord gemacht, danach sind wir durch die Apfelplantage über dem CP gewandert. Grafensteiner Äpfel werden hier angebaut in Plantagen, wie wir sie von Südtirol kennen.
Wir haben uns später das Fußballspiel GER: SLO angesehen, das 3:0 gewonnen wurde. Zum Spiel gab es Eintopf und dünnes Bier. Die Wetterprognosen: Morgen vorwiegend Regen, übermorgen Sonnenschein. Mal sehen, was wir Morgen unternehmen.
Montag, 27. Juni 2016, 08:45 Uhr, bedeckt, 15 Grad, Wanderung zu den Wasserfällen im Husedalen bei Kinsarvik
Die Nacht war sehr ruhig, kein Straßenlärm. Buchfinken waren zu hören. Wahre Natur, auch optisch. Mit Blick auf Berge und Fjord. Weil das Wetter doch besser als vorausgesagt war, sind wir nach Kinsarvik gefahren, haben beim i-Punkt geschaut, was es an zusätzlichen Informationen zur Region gibt. Nichts wesentlich besseres, als wir es am CP schon bekommen haben. Dann sind wir ins Husedalen zu den 4 Wasserfällen hochgefahren. Gleich durch bis zum 1. Wasserfall auf 200 Meter Höhe. Engste Sträßchen scheine ich zu lieben, keiner kam entgegen und ein Parkplatz war noch frei. Der erste Wasserfall gischtete so stark, dass eine gute Aufnahme fast nicht möglich war, unter der Dusche zu fotografieren führt zu nichts. Dann sind wir auf einer Forststraße hochgewandert, am Wasserfall zwei vorbei, der sich etwas versteckt hat, zu Wasserfall drei auf 600 Meter Höhe. Ein wahrer Gigant in Breite, Fallhöhe und Tosen. Er war auch schön zu fotografieren, noch schöner natürlich bei Sonnenschein und einem Regenbogen, den es heute nicht gab. Es regnete fast die ganze Wasserfall-Wanderung. Beim hinuntergehen haben wir unterhalb des 2. Wasserfalles schöne, große, rote Moltebeeren und Knabenkraut gesehen und fotografiert. Dann wanderten wir zum Parkplatz, fuhren nach Kinsarvik zurück und kauften beim SPAR ein. Bei der Rückfahrt zum CP legte ich einen Fisch-Stopp an einer Holz Pier am Fjord ein, ohne Erfolg. Kurz vor dem CP haben wir noch direkt vom Erzeuger eine Schale reife, wohlschmeckende Kirschen gekauft, die wir permanent futtern. Sie schmecken sehr gut, noch nie haben wir Norwegische Kirschen gegessen. Kaffeetrinken, Wäschewaschen und –trocknen waren das weitere Tagesprogramm. Zwischen dem Fußballspiel ITA: ESP haben wir Lachsfilet mit Zucchini und Salzkartoffeln gegessen. Der Wind bläst jetzt um 20:15 Uhr recht kräftig aus Süd-Osten, ich habe die Markise doppelt befestigt, damit sie nicht davonfliegt.
Zwischenzeitlich ist unser kleiner Freund, der Heizlüfter, an und sorgt für eine wohlige Stimmung, während der Fjord schäumt. Den Sonnenuntergag sehen wir schon lange nicht mehr. Im Westen stehen haushohe, schneebedeckte Berge, im milchigen, nebeligen Abendlicht.
Dienstag, 28. Juni 2016, 08:30 Uhr, bewölkt, 14 Grad, Wanderung auf den Nosi, etwa 900 Meter hoch
Heute sollte das Wetter sonnig und schön werden, deshalb wollen wir wandern. Wir stehen rechtzeitig auf, frühstücken drinnen. Bei 14 Grad wird ja der Kaffee im Freien zu schnell kalt! Um 10:00 Uhr machen wir uns nach oben auf den Weg, der „Einstieg“ ist gleich hinter dem CP, der Aufstieg geht anfangs über eine Forststraße, später über einen von drei Nepalesen gerade wieder reparierten Weg. Schöne Blicke in den Sorfjord und auf die schneebedeckten Berge des Folgefonn-Gletschers haben wir, wenn die niedrige Wolkendecke dies zulässt. Wir machen Pause und warten darauf, dass sich die Wolkendecke weiter hebt und den Blick in die Hardangervidda freigibt. Nach der Pause machen wir uns auf den letzten Kilometer nach oben und sind von der baumlosen Weite dieser Hochebene überrascht. Ein Wasserfall bahnt sich rauschend den Weg nach unten. Wir verweilen längere Zeit oben, die Sonne hat aus den Wolken geblitzelt und die einsetzende Thermik hat die Wolkendecke angehoben. Dann sind wir wieder nach unten gewandert, zum Teil auf der Mönchstreppe, einem sehr alten Pfad vom Fjord zur Hardangervidda. Um 18:00 Uhr waren wir wieder am CP zurück. Gerti hat auf den letzten Meter einen Bauchplatscher hingelegt, war müde und unaufmerksam, hat mit dem Fuß bei einer kleinen Wurzel eingehakt. Nase, Hand und Knie wurden lädiert, Bepanthen muss nun helfen, die Wunden heilen zu helfen. Wir waren beide richtig groggy nach 8 Stunden am Berg und haben uns erst einmal ausgeruht. Später haben wir aus Gertis Bordküche zu Abend gegessen und den Abend ausklingen lassen. Der CP füllt sich zusehens, viele PKW und Zelte, natürlich auch Wohnmobile. Im Norden und Osten der BRD ist bereits Ferienbeginn.
Mittwoch, 29. Juni 2016, 10:00 Uhr, bedeckt, schwach windig, 14 Grad, für diese Jahreszeit für uns zu kalt, Radausflug etwa 20 Kilometer
Wir hatten eine ruhige Nacht, kein Regen hat ans Wohnwagendach geklopft. Ich marschiere in die guten Sanitäranlagen und vertreibe die Nacht aus meinem Körper. Wir haben keine muskulären Nachwehen nach der gestrigen Tour, Gertis Nase ist noch leicht geschwollen. Beim Frühstück draußen sehen wir der Drosselmutter und den Meisen beim füttern zu. Wir lassen uns Zeit beim abfahren nach Kinsarvik, wo wir um 13:25 Uhr die Fähre nach Utne nehmen wollen, um mit den Rädern am Hardangerfjord entlang zu radeln. Das Wetter ist bescheiden, es regnet ab und zu ganz leicht. Utne ist ein ganz kleiner Ort, ein Hotel aus dem Jahr 1722 zeugt vom Alter des Ortes. Die Radfahrt bis Lote ging bergauf und bergab, durch Obstplantagen mit Kirschen und Äpfeln. Kirschen werden schon am Straßenrand zum Verkauf angeboten. Zurück in Utne habe ich im kleinen Supermarkt zwei Eis gekauft und wir haben sie gegessen, während wir auf die Fähre nach Kinsarvik gewartet haben. Wieder haben wir 78 NOK für die Überfahrt gezahlt, die etwa 15 Minuten dauerte. In Kinsarvik angekommen habe ich die Räder wieder aufs Auto gepackt, wir sind zum CP zurückgefahren auf dem sich wieder neue Camper eingefunden haben. Weil das Wetter es zuließ, haben wir Sommerkottelet mit Kartoffeln zum Abendessen gegrillt.
Unsere Überlegungen für weitere Aktivitäten sind ja wetterabhängig, das in ganz Südnorwegen in den nächsten Tagen bescheiden sein wird, ein bedeckter Himmel und leichte Regenfälle sind angesagt. Wir werden Morgen mit dem PKW ca. 45 Kilometer östlich nach Eidfjord fahren und vor Ort entscheiden, welche Wanderung wir machen.
Donnerstag, 30. Juni 2016, 09:30 Uhr, im Osten über den Bergen blauer Himmel und Sonnenschein, im Westen Wolken, 16 Grad, PKW-Ausflug nach Eidfjord und zu den Voringsfossen-Wasserfällen, gefahren 117 Kilometer
In der Nacht prasseln immer wieder Regenfälle aufs Wohnwagendach, die gegen Morgen aufhören. Wir haben ja kein besonderes Wetter erwartet, als Gerti das Rollo hochzog, schaute die Sonne durch die Wolken, sie liegt auf der Ostseite. Bis zum Frühstück hatten wir im Osten über den Bergen blauen Himmel und Sonnenschein. Deshalb Frühstück draußen, wir haben jeden Sonnenstrahl in uns aufgesogen. Danach haben wir uns ins Auto gesetzt und sind auf dem RV 13 über Kinsarvik, Ringoy und Bu gefahren. Die Fahrt war bescheiden, weil ein LKW einige Autos vor uns im permanenten Clinch mit dem Gegenverkehr war, der RV 13 ist ja ein schmales Sträßchen mit Ausweichstellen. Weil wir diese Strecke auch schon gefahren sind, wissen wir, wie gut wir das gemeistert haben. Später fuhren wir auf dem RV 7 bis Eidfjord, die Straße ist ausgebaut und durchgängig befahrbar. In Eidfjord haben wir das Auto auf dem SPAR-Parkplatz abgestellt und uns auf den Weg zum i-Punkt gemacht, den wir erst im zweiten Anlauf gefunden haben. An der Pier lag – himmelhoch aufragend – die AIDAsol, ein Kreuzfahrtschiff. Ohne blauen Rauch aus dem Kamin, geht doch! Hunderte von gestrandeten Bootstouristen laufen durch den kleinen Ort, diejenigen, die keinen Ausflug gebucht haben. Wir schlendern durch den Ort, am Fluss entlang, zur alten Kirche und wieder zum Auto zurück. Dann fahren wir 7 Kilometer nach Ovre Eidfjord (das obere Eidfjord) und besuchen das Hardangervidda Naturzentrum Eidfjord, ein spannendes Erlebniszentrum im Bereich norwegische Natur, Klima und Umwelt. Eine thematisierte Ausstellung in drei Etagen. Eintritt 260 NOK/29 EURO. Wir sehen im Kinosaal einen Film über die Hardangervidda aus Hubschrauberposition, wir sind uns vorgekommen, wie im IMAX-Kino. Optisch wie akustisch. Der Rundgang durch die Ausstellung war sehr erlebnisreich für uns. Im gegenüber liegenden Restaurant haben wir Kaffee getrunken, bevor wir zum Voringfossen-Wasserfall weiterfuhren. Norwegens bekanntester Wasserfall für den, der es vorher nicht wusste. Früher war er noch ein Großer, dann wurde er kastriert, ein großer Teil der Wassermassen wird durch das Sima-Kraftwerk geleitet und zu Strom verarbeitet. So sahen wir ihn mit halber Wucht herabstürzen, ein Regenbogen machte ihn richtig schön und fotogen.
Nachdem wir wieder Touristen Selfieposend gesehen haben wissen wir, dass der Voringvossen auch in fernöstlichen Reisbüros bekannt ist. Wir sind nach der Besichtigung von etwa 800 Meter auf Fjordhöhe runtergefahren. Bei der Rückfahrt habe ich in Brimnes an der Pier gefischt und nichts erwischt. Eine Delfin- oder Tümmlergruppe haben wir im Fjord vor der neuen Hardanger-Brua beobachtet, die im auflaufenden Wasser vermutlich Brotzeit gemacht haben. Danach begann die Rückfahrt zum CP. Wir haben uns bei der Hardanger-Brua verfahren, sind über sie Richtung Bergen, nicht vorher in Richtung Odda gefahren. Kosten: 150 NOK. Nachdem wir aber Richtung Odda müssen, wieder zurück über die Brücke. Kosten: 150 NOK. Einmal falsch abbiegen kostete 300 NOK/33 EURO. Ich habe heute stark zur Refinanzierung der Brücken-Baukosten beigetragen. Beim SPAR in Kinsarvik haben wir eingelegtes Rindfleisch für den Grill gekauft und nach Rückkehr zum CP zu Abend gegessen. Die Sonne hat uns beim Abendessen Gesellschaft geleistet, beim Abwasch hat es leider wieder geregnet.
Wie immer am Abend werden die Bilder des Tages runtergeladen, der Reisebericht vervollständigt und das nächste Reise-/Besuchsziel ausgeguckt. Morgen werden wir den RV 13 südwärts über Odda zum Latefoss-Wasserfall fahren, er soll wirklich ein ganz großer sein. Ich bin auch gespannt, wie der RV 13 die nächsten 40 Kilometer bei unserer Gespann-Weiterfahrt auf der Reise sein wird. Wie schmal immer auch, da müssen wir bald durch. Jetzt um 22:45 spielen POL: POR noch unentschieden, ein Ergebnis muss her. Möge der Bessere gewinnen. Portugal im 11-Meter-schießen.
Freitag, 01. Juli 2016, 09:45 Uhr, bedeckt, 14 Grad, still ruht der Fjord, Ausflug zu den Latefossen-Wasserfällen
Wir haben beide gut geschlafen. Am frühen Morgen bereits Abfahrgeräusche anderer Camper. Der Heizlüfter läuft im Bad, wie die anderen Tage auch. Wir frühstücken draußen, trotz 14 Grad, würden uns aber freuen, wenn es mal wieder wärmer werden würde. Der Wetterbericht zeigt keinen Wetterumschwung an. Der Norden Deutschlands und der Süden Norwegens sind fest im Griff des Tiefdruckgebietes Pamela, das Kälte aus dem Norden im Kreis herumschaufelt. Wir werden heute die Fahrt auf dem RV 13 nach Odda und weiter zum Latefossen-Wasserfall machen und uns die Gegend etwas ansehen. Die Fahrt auf dem RV 13 ist gewöhnungsbedürftig eng, auch eine Baustelle ist vorhanden. Odda, das wir uns angesehen haben, ist eher eine Industriestadt mit kleinem Hafen. Auf der Weiterfahrt zum Latefossen, einem Zwillingswasserfall, fuhren wir am Folgefonn-Gletscher vorbei. Am Latefossen waren wir nicht ganz alleine, bekamen gerade noch einen Parkplatz und gingen um rauschenden, weiß gischtenden Wasserfall. Ist schon ein großes Spektakel, was der Wasserfall veranstaltet, er stürzt und fließt ja gleich neben der Straße zu Tale. Nach einer halben Stunde Wasserfall-schauen sind wir zurück über Odda und den engen RV 13 zum Bunprix nach Ullensvang und haben anschließend die Holz-Komponistenhütte aus dem Jahr 1877 von Edvard Grieg im Hotelgelände von Ullensvang angesehen. Bei der Rückfahrt zum CP haben wir noch eine Schale Kirschen/Moreller erstanden, die wir gleich am Abend aufgegessen haben. Leider hat es fast den ganzen Tag geregnet, unsere Stimmung ist durchnässt. Abendessen aus Gertis Bordküche.
Samstag, 2. Juli 2016, 09:30 Uhr, 13 Grad, bedeckt, schwach windig, Wanderung rund um den CP Lofthus
Wir haben eine fast regenruhige Nacht verbracht. Gestern Abend haben wir viel TV gesehen, danach noch lange gelesen. Frühstück aus verständlichen Gründen leider wieder drinnen. Heute haben wir einen kleinen Spaziergang geplant, die Wetteraussichten sind bescheiden. Nicht nur bei uns, wie wir aus den Wetternachrichten wissen. Eine Flucht in eine andere Region Südnorwegens würde nichts am schlechten Wetter ändern.
Nach dem Frühstück und ein Wenig aufräumen sind wir noch bei gutem Wetter nach Ullensvang am Fjord runter, haben die gotische Kirche von 1250 besichtigt, die eine sehr gute Akustik haben soll. Die Kirche selbst ist schön ausgemalt, mit bunten Glasfenstern. Nach der Kirchbesichtigung haben wir auf dem alten Friedhof herumgesehen. Aus der Kirche kam Gesang und Gitarrenklang, wir sind gleich wieder reingegangen und haben Mäuslein gespielt. Zwei Frauen und ein Gitarrenspieler haben geprobt für eine bevorstehende Hochzeit, wunderschön anzuhören. Auch ein Lied von den Beatles ,all your need is love, wurde geprobt, toll zu hören.
Danach haben wir eine 1 ½ stündige Zwei-Wasserfall-Wanderung gemacht, auf der wir vom Regen erwischt wurden. Wir waren danach trotz Anoraks tropfnass. Beim Rückweg haben wir noch eine Schale Moreller/Kirschen gekauft, die sehr gut schmecken.
Das Erste Programm können wir erreichen, der heutige Fußballabend ist gerettet. Möge wieder der Bessere gewinnen.
Was auch noch wichtig ist, ich habe wieder meine Reiseberichte auf Vordermann gebracht und einige (viele) Bilder bearbeitet und verkleinert, die ich anschließend mailen werde. Das Wetter hat sich wieder gebessert, die Wolkendecke hat sich wieder gehoben und der Blick in den Fjord ist frei. Geht doch.
Ingo Martin
 
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Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 4

Beitragvon Ingo Martin » Di, 29. Nov 2016, 19:17

Sonntag, 3. Juli 2016, 08:00 Uhr, bedeckt/leichter Regen, 14 Grad, Fahrt von Lofthus nach Rysstad, gef. 227 Kilometer
Die Elfmeter-Komödie der Spieler Müller, Özil und Schweinsteiger hat mich erheitert. Und mir auch danach noch ein paar Minuten Schlaf geraubt. Trotzdem stehen wir heute etwas früher auf, weil wir weiterfahren müssen.
Frühmorgens um 08:00 Uhr erfolgte eine konzentrierte Aktion an Körper und Equipment. Alles bestens einstudiert und erfolgreich. Um 09:30 Uhr haben wir angespannt und fahren vom CP Lofthus, der uns ganz gut gefallen hat, geräuschlos ab. Wir fahren runter auf den RV 13, ich bin gespannt, welches Gefährt uns wann entgegenkommt und ob die Straße, die am Sorfjord entlang führt, dann breit genug ist. Alles ist gut gegangen, bis Odda haben wir fast 40 Kilometer angespanntes fahren gut hinter uns gebracht. Danach fahren wir wieder am Latefossen-Wasserfall vorbei, diesmal ohne anzuhalten. Der RV 13 geht weiter bis Skare, die Straße steigt an. Dann fahren wir auf der E 134 bis Roldal, einem Skiort auf 865 Höhenmetern. Wir kommen uns vor wie auf einer Hochgebirgsstraße, die Temperatur fällt auf 8 Grad. Danach folgt ein 5 Kilometer langer Tunnel, wir kommen wieder in einem Hochtal heraus, in dem Skigebiete liegen. Danach fahren wir kilometerlang über eine Hochebene, kein Baum, kein Strauch mehr, nur Schneereste und Berge. Durch das Haukellifjellet auf über 1.000 Metern zu fahren war wunderschön. Auch das Wetter wurde immer besser, kein Regen, vielfach Sonnenschein durch Wolkenlöcher, der die Landschaft erleuchtete. In den Skiorten viele Ferienhütten mit Grasdächern, die sich nahtlos in die Natur einfügten, keine Betonklötze. Es reicht ja auch schon, wenn die Pisten geraupt werden und Lifte die Landschaft verschandeln. Es gibt auch viele Hinweise auf Wanderwege links und rechts der Straße, auch Parkplätze dazu. Aber wenig war los. Zwischensaison. Bei Haukelligrend verlassen wir die E 134 und fahren auf den RV 9 Richtung Evje. Steil geht die Straße nach oben, wieder führt sie über ein Hochtal, wir genießen die Fahrt fast ganz alleine, weil kaum andere Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. In Hovden durchfahren wir einen Wintersportort, der sich Alpincenter nennt und auf 800 Metern liegt. Hier war doch etwas los, einige Touristen waren unterwegs. Danach geht die Straße kontinuierlich abwärts, folgt Bächen, Flüssen und Seen, die Temperatur steigt bis auf 16 Grad an. Wir erreichen den CP Solvgarden in Rysstad um 14:00 Uhr, checken für zwei Tage ein und haben einen schönen Stellplatz mit SAT- und Internetverbindung gefunden. Nach einer Brotzeit fahren wir mit dem Auto in den kleinen Ort zurück, kaufen beim SPAR ein, bekommen, weil Sonntag ist aber kein Bier! Aber bei Statoil Diesel für den Tank, weil wir Morgen auf einer ganz kleinen Straße die mit 39 Serpentinen bestückt ist, etwa 70 Kilometer zum Lysefjord fahren werden, um den Kjerak zu besteigen. 5-6 Stunden Gehzeit werden dafür genannt. Bei Regen sollen ein paar Wegstellen rutschig sein. Gerti fragt mich gerade: fällt Dir eigentlich etwas auf? Ich: nein. Gerti: Der Heizlüfter läuft heute nicht. Ja, schön warm ist es auch ohne den kleinen Freund.
Weiter zur Reise. Die Sonne scheint vom Zenit, wir haben uns in die Relaxliegen gesetzt und die warmen Strahlen genossen. Und weil das schöne Wetter zum grillen einlädt, haben wir Koteletts gebraten und dazu Kartoffelsalat gegessen. Die Preise der Speisekarte vom Hotel/Restaurant, zu dem der CP gehört, hat uns von einem geplanten Abendessen abgehalten. Auch wenn Sonntag ist.
Jetzt um 22:20 Uhr machen die Franzosen beim Fußball aus den Isländern Kleinholz, sie werden wohl die nächsten Gegner von Deutschland sein. Gerti strickt, ich schreibe, der Himmel wird langsam grau, Nacht wird es hier oben nicht. Morgen geht es im Frühtau zu Berge.
Montag, 4. Juli 2016, 08:00 Uhr, 13 Grad, sonnig, Fahrt über den Suleskarvegen zum Kjerak am Lysefjord, gef. 140 Kilometer
Nach dem Frühstück fahren wir ein paar Kilometer durch das Setesdal zurück und biegen links ab auf den Suleskarvegen, der nach Lysebotn führt. Zunächst geht die Fahrt nach oben, vorbei an einem Alpincenter mit Pisten und Langlaufloipen, wir erreichen 1.050 Höhenmeter. Die Straße führt lange durch ein Hochtal, viele Teiche und kleine Seen liegen am Wegesrand. Auch Schneereste. Schafe weiden überall, sitzen auch mal am Straßenrand und lassen sich nicht stören. In Suleskar, am Abzweiger nach Stavanger, erreichen wir auf 570 Höhenmetern ein großes Feriendorf und einen CP, es wird fleißig gebaut. Auf der Weiterfahrt sehen wir ein Schneehuhn im Sommerkleid. Nach weiteren 20 Kilometern auf einer engen Hochebenen-Straße erreichen wir den Parkplatz (60 NOK Parkgebühr) zum Aufstieg auf den Kjerak. Wir ziehen die Wanderstiefel an, nehmen die Regenkleidung und die Stöcke mit nach oben, sind nicht alleine. Es geht kein Wanderweg zum Kjerak, der Weg führt auf glatten Felsen steil bergauf. Er ist vielfach mit Ketten gesichert. Nach einem ersten Anstieg führt der Weg wieder steil bergab, geht über einen kleinen Bach und wieder steil bergan. Und wieder bergab. Weil es geregnet hat, ist der Weg rutschig, glitschig, slippery hören wir immer wieder. Beim dritten Anstieg sehen wir kurz in den Lysefjord hinunter, bevor die Wolken, der Wind und der Regen kommen. Wir haben gerade mal etwas über die Hälfte des Weges erreicht. Weil wir erwarten, dass sich das Wetter bessert, machen wir eine Brotzeitpause. Das Wetter wird besser und Gerti steigt aus, will wieder runter. Wir verabreden, dass sie beim zweiten „Gipfel“ auf mich wartet. Ich steige eine Stunde weiter auf, der Regen saut mich ein, die Wolken fetzen. Noch ist nicht absehbar, wann ich den Kjerakbolten, unser heutiges Ziel erreichen werde. Als sich die Wolken etwas heben, sehe ich sehr weit voraus immer noch Wanderer in Richtung Bolten gehen und beschließe, umzukehren. Gerti hat mindestens 1 ½ Stunden Vorsprung, es regnet, sie kühlt aus, es wäre unverantwortlich, noch weiter nach oben zu gehen, nur um den Stein in der Spalte zu sehen. Oder drauf zu steigen. Ich mache kehrt und gehe so schnell es geht wieder nach unten. Durch den Regen und kleine Bäche, die sich am Plateau gebildet haben. Nach langer Zeit sehe ich Gertis Anorak, pfeife ihr und melde mich. Dann muss ich ja noch weit runter und wieder zu ihr rauf. Ich bin etwas außer Atem, raste kurz aus und schon geht es wieder abwärts auf regennassem Fels, dann rauf und runter. Einige Male zur Sicherheit mit einer Hand an der Kette. Diese 5-stündige Kjerak-Wanderung war sehr anstrengend, insbesondere deshalb, weil der Fels nass war und rutschig sein konnte.
Danach fahren wir wieder ca. 70 Kilometer auf der kühnsten Bergstraße Norwegens, die 1984 eröffnet worden ist, vom Lysefjord ins Setestal, zu unserem CP. Achterbahn pur, durch Urweltgegend. Neben der viele Steinmanderl zu sehen sind, ein Zeichen dafür, dass hier oben viel gewandert wird. Abends gab es Kohlehydrate in Form von Spaghetti Bolognese.
Dienstag, 5. Juli 2016, 09:00 Uhr, Sonne, 14 Grad, Fahrt von Rysstad nach Byglandsfjord, Neset Camp, gef. 63 Kilometer
Wir lassen uns nach dem gestrigen Wandertag mit dem aufstehen länger Zeit, gehen die Abreise gemächlich an, frühstücken draußen im Sonnenschein. Um 10:45 Uhr fahren wir auf die gut ausgebaute E 9, die das Setesdal durchzieht. Die Straße geht immer an der Otra entlang, die mal schneller, mal langsamer fließt. Nach Wochen haben wir kurze Hemden ohne Unterhemden an, die Autofenster sind leicht geöffnet, wir sind wärmesüchtig und freuen uns auf jeden Sonnenstrahl. Nach 63 Kilometern Fahrt sind wir um 11:45 Uhr am Neset Camp in Byglandsfjord angekommen, haben einen schönen Stellplatz direkt am See gefunden. Es hat lange gedauert, bis wir SAT-Kontakt hatten, eine Birke neben uns hat den Kontakt gestört. Nach dem Aufbau des Wohnwagens haben wir Brotzeit gemacht und dem Treiben der Entenmütter mit vielen Jungen zugesehen. Bei Ihnen gibt es eine Hackordnung, die wir so vorher noch nie gesehen haben. Entenmütter und etwas ältere Entenkinder attackieren und tauchen kleinere Entenjunge von anderen Entenmüttern unter. Sie sind untereinander auch brotneidig, wir sind für einige Entenmütter die Futterquelle, die sie gegen andere Enten verteidigen. Zwischenzeitlich habe ich viele kleine Entenküken als Freunde, sie fressen mir aus der Hand, zwicken mich in die Zehen, um mehr Futter zu bekommen. Abends haben wir den Grill angeworfen und sehr lange gelesen.
Mittwoch, 6. Juli 2016, 09:00 Uhr, sonnig, 18 Grad, 20 Kilometer Radfahrt am Byglandsfjord
Heute ist ein Ruhetag, Sonne ist angesagt, die wir tanken wollen. Wir frühstücken in kurzen Hemden und Hosen, füttern gleich unsere kleinen Entenküken. Es ist windig, er bläst aus Norden. Nach dem Frühstück fahren wir mit den Rädern in den Ort Byglandsfjord, kaufen beim SPAR ein, verstauen es in der Satteltasche und fahren auf der ruhigen Straße direkt am See nordwärts. Nach 10 Kilometern setzen wir uns auf einer Schäre an den See, genießen die Ruhe, die Sonne und den Blick in die Landschaft. Danach geht es zurück zum CP. Den ganzen Nachmittag haben wir in den Stühlen gesessen, gelesen, gedöst, die Sonne genossen, im Windschatten des Wohnwagens konnte man es gut aushalten. Die kleinen Entenküken waren auch ein paar Mal da, die Kaninchen grasen ungestört auf der Wiese.
Diesen ruhigen Sonnentag haben wir uns verdient und ihn genossen.
Donnerstag, 07. Juli 2016, 08:30 Uhr, bedeckt, 15 Grad, Radtour rund Byglandsfjord, 60 Kilometer
Der CP ist sehr ruhig, die Wellen schlagen ans Ufer, das aufstehen ist blasenbedingt notwendig. Wir ziehen unsere Rad Dress an, frühstücken draußen und machen uns auf den Weg. Wir haben vor, den Byglandsfjord zu runden. Wir fahren die kleine, ruhige Straße, die wir schon gestern beradelt haben, weiter, immer am Byglandsfjord entlang. Nicht immer auf Seehöhe. Oft Steigungen und danach wieder Bergab im Karacho. Nach 33 Kilometern fahren wir über die Brücke der Otra und erreichen auf dem RV 9 Bygland. Beim Museum machen wir Brotzeit, beim Glasbläser schauen wir zu, wie er und seine beiden Frauen Weingläser blasen. Erstaunlich, welches Geschick der Glasbläser an den Tag legt und welche Schritte notwendig werden, um ein formvollendetes, schönes Weinglas herzustellen. Wir hätten gerne ein Glas gekauft, haben jedoch davon abgesehen, weil wir in den Radtaschen den Transport nicht sicherstellen können. Scherz an: unsere Fahrräder haben wir bei der Tesla-Ladestation (insgesamt 8 Ladestationen und eine Schnelladestation waren installiert) während des Besuches beim Glasbläser aufgeladen. Die Norweger sind, was E-Autos betrifft, viel weiter als die Deutschen. Wir haben sehr viele Tesla E-Autos gesehen – aber nicht gehört.
Bei Gegenwind und oftmals Regenschauern fahren wir auf dem RV 9 zum CP zurück. Abendessen gab es aus Gertis Küche. Danach habe ich für Donnerstag, 21. 7. 08:05 Uhr die Stena-Fähre von Varberg (S) nach Grena (DK) für 191.- € online gebucht.
Dass Deutschland gegen die Franzosen beim Fußball verloren haben, hat mich nicht gewundert. Die Durchwurstelei hat ein frühzeitiges Ende genommen.
Freitag, 08. Juli 2016, 08:45 Uhr, 16 Grad, sonnig, Fahrt von Byglandsfjord nach Mandal
Das Wetter ist viel zu schön, um abzureisen. Wir lassen uns mit dem Frühstück und dem abreisen heute viel Zeit. Um 10:30 Uhr fahren wir auf den RV 9 in Richtung Kristiansand. Elch-Hinweisschilder gibt es viele, die Gegend ist, wie ich meine, auch für Elche geeignet. Wälder, Seen, die Otra, Wiesen und wenig Menschen bzw. Besiedelung. Es ist hier auch viel schöner als im Tierpark Hellabrunn, wo welche leben. Aber einen Elch haben wir auf unserer bisherigen Reise trotz geeigneter Gegend nicht gesehen. Schade. Im Otra-Tal, das wir bergab fahren, wird Land- und Forstwirtschaft betrieben. Die Otra ist z. T. auch ein Wildfluss, auf dem geraftet wird. In früherer Zeit wurde Bergbau betrieben, wie ein Mineralpark zeigt. Irgendwann vor Kristiansand biegen wir auf eine kleine Straße 461 ab, kaufen bei Rema groß ein und erreichen die E 39. Nach weiteren 39 Kilometern auf der E 39 erreichen wir Mandal, biegen auf die Straße 455 rechts ab und erreichen um 13:00 Uhr den CP Sandnes. Er liegt etwa 2 Kilometer nördlich von Mandal am Mandal-Fluß. Wir finden einen Stellplatz mit SAT-Verbindung, Internet funktioniert nicht gscheit und kostet. Geht’s noch? Weil uns das Geld beim einkaufen ausgegangen ist, fahren wir mit den Rädern nach Mandal, erinnern uns daran, dass wir 2010 schon mal hier waren. Wir fahren weiter zur Mündung des Mandal-Flusses und sehen einige Fischer beim Makrelenfang. Mein Jagdinstinkt ist geweckt. Wir sind zum CP zurück geradelt, haben Kaffee getrunken und sind gleich danach mit dem Auto zum Makrelen-Spot zurück gefahren. Nach einer Stunde hatte ich 9 Makrelen im Sack, einige kleinere habe ich zurück ins Aufzuchtbecken geschickt. Wir haben sie ausgenommen und eingefroren.
Zu Abend gab es Polser (Grillwürste) mit Kartoffelbrei. Die Sonne hat einen großen Hof – das Wetter wird doof?! Oder stimmt dieser Spruch hier im Norden nicht?

Samstag, 9. Juli 2016, 08:45 Uhr, sonnig, leichte Bewölkung, Wind aus West, Radausflug, 33 Kilometer
Die Sanitäranlagen sind für die Größe des CP nicht ausreichend. Stau am Morgen. Wir frühstücken draußen, mit Blick auf den Mandal Fluss. Mit frischen Erdbeeren aus Norwegen als Frühstückszuckerl. Für heute planen wir einen Radausflug an die Küste, in die Schärenwelt. Das Wetter passt.
Nach dem Frühstück ziehen wir uns fürs Radfahren an und steigen auf. Tour Nr. 5: An den Schären entlang zum Erholungsgebiet Selvag wird in Angriff genommen. Eine Trimm dich-Strecke, bei dem es rauf und runter ging. Öfter sind wir auch abgestiegen, wenn die Steigung für uns zu groß war, und haben die Räder geschoben. Die Route entlang der Schären brachte viele schöne Ausblicke, viele Boatpeople waren meist mit Motorbooten unterwegs. Ein Ferien-Samstag in einem reichen Land. In dem es sehr viele Ferienhäuser auf exponierten Grundstücken mit herrlicher Sicht in die Schären gibt. Wir sind gut ausgearbeitet am CP zurückgekommen, haben Kaffee getrunken und sind anschließend noch einmal zum fischen an die Flussmündung gefahren. Heute hatte Petrus kein Erbarmen mit mir, einige Blinker und meine gute Nah-Lesebrille sind im Fluss geblieben, eine Makrele, die ich in Stunden gefangen habe, habe ich verschenkt. Der Wind war zu stark, Fische beißen bei dieser Wetterlage schlecht. Nicht nur bei mir.
Am CP zurück haben wir die Sonne genossen und gefaulenzt. Abends gab es drei Makrelen (von gestern) mit Salzkartoffeln und teurem Bier. Heute habe ich auch die Reiseberichte der vergangenen Tage nachgetippt, meine Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist es schon wieder 22:45 Uhr, die Sonne ist untergegangen, es wird Nachtgrau, nicht dunkel.
Sonntag, 10. Juli 2016, 09:30 Uhr, Regen, 13 Grad, NO-Wind, Ausflug zum Lindesnes Fyr, 88 Kilometer gefahren
Gestern haben wir noch im Sonnenschein den Abend beendet, in der Nacht hat es schon einige Male geregnet, am Morgen auch. Wir stellen den kleinen Heizlüfter an, frühstücken drinnen. Die Großwetterlage ist für den Norden Europas nicht günstig, mehrere Tiefdruckgebiete hintereinander ziehen von Island westlich und beglücken den Süden Norwegens, Dänemark und auch Norddeutschland. Wir wollen heute das Lindesnes Fyr, den Leuchtturm am Süd-Westlichen Zipfel von Norwegen besuchen. Von dort zum Nordkap sind es 2.518 Kilometer. Deutschland bringt es gerade mal auf 1.000 Kilometer in der Nord-Süd-Achse. Es regnete noch stark, als wir am CP wegfuhren, die Wolkendecke war gerade mal auf etwa 200 Metern. Auf der E 39 fahren wir nach Vigeland, dem Geburtsort von Gustav Vigeland, dem Bildhauer, biegen dann auf die 460 Richtung Spangereid ab und fahren weiter zum Leuchtturm. Unterwegs fahren wir an unzähligen Bootshäusern vorbei, die an den Fjorden z. T. neu gebaut wurden. Bootshäuser, in denen unten Motorjachten unterschiedlicher Größe liegen, oben wird gewohnt. Dass die Eroberung der Meeresbuchten so stark zugenommen hat, haben Gerti und ich gemeinsam festgestellt. Wir waren ja 2010 schon einmal hier, da war noch nicht so viel zu- und ausgebaut. Dass das Meer die vielen neuen Abwasserproduzenten nicht klaglos wegstecken kann, sieht man an der Algenbildung. Die Massierung von Feriensiedlungen in Südnorwegen nimmt zu. Am Lindesnes Fyr – Parkplatz stehen sehr viele Wohnmobile und weniger PKW. Wir sind nicht so alleine, wie vor 6 Jahren, als wir den Sonnenuntergang hier draußen erleben durften. Es hat zu regnen aufgehört. Das Gelände wurde seit 2010 zu einem großen Informationszentrum ausgebaut. Wir sind am Eingang am Ticketverkauf vorbei gegangen, wollten die angebotenen Zusatzinformationen nicht sehen. Wir wandern über das Leuchtfeuergelände, steigen auf den Leuchtturm, schauen uns die Reste der Geschützstellungen aus dem 2. Weltkrieg an, gehen in eine Ausstellung, die die Historie des Leuchtfeuers am Südende Norwegens aufzeigt. Die Errichtung des Leuchtfeuers wurde von König Frederick der Dritte 1655 beschlossen, seit 1656 brennt hier ein Leuchtfeuer unterschiedlicher Ausprägung und Stärke.
Beim zurückfahren haben wir uns noch den Hafen in Lillehavn angesehen, auch er wurde stark ausgebaut, viele Ferienhäuser prägen heute das Bild des einstigen kleinen Fischerhafens, den wir kannten. Ein Fischversuch brachte kein Ergebnis. Weil es nicht mehr regnete und der Wind nicht so stark wie gestern blies, sind wir anschließend noch zur Mündung der Mandalselva gefahren, um zu fischen. Eine Plastiktasche voller, meist kleinerer Makrelen war die heutige Ausbeute. Ich habe einige verschenkt, weil unser Kühlschrank-Tiefkühlfach sonst übergelaufen wäre. Das ausnehmen der Makrelen war eine blutige Angelegenheit, über die Innereien haben sich Möwen und Nebelkrähen gefreut. Gerne hätte ich noch weiter gefischt, wenn größere Makrelen in der Flussmündung gewesen wären. Sie sind ausgezeichnete Kämpfer und wehren sich kräftig, bevor sie auf dem Grill landen.
Uns ist beim Heimfahren aufgefallen, dass der Himmel um 18:00 Uhr merkwürdig dunkel war. Dunkelgraue Wolken ziehen am Himmel dahin. Der CP hat sich gefüllt, ein Hamburger wird wegen dem nicht eingehaltenen 4-Meter-Abstand zum Nachbarn laut. Wir stehen gut.
Zu Abend hat Gerti Putengeschnetzeltes mit Semmelknödeln gemacht, wir haben draußen gegessen, uns aber sehr schnell nach drinnen zurückgezogen und den kleinen Freund Namens Heizlüfter angeworfen. Bedauerlich ist es, dass unsere Schnapsreserven zu Ende gegangen sind, nun wird es auf dieser Reise kein Dessert zum Nachtisch mehr geben.
Das Endspiel POR: FRA läuft im TV vor sich hin, Ronaldo wurde markiert und ausgeschaltet, Fußball-Taktik halt. Und der Himmipappa lässt es wieder kräftig regnen, es prasselt aufs Wohnwagendach.
Wir sind im Reisezeitplan, Morgen werden wir noch in Mandal sein und es ansehen ohne zu fischen, dann fahren wir weiter nach Risör, auf halbem Weg nach Oslo gelegen, wo wir ein paar Tage bleiben und die Stadt zum Dritten Mal anschauen und erleben. Anders Breivik der Jugendmörder von Utoya sitzt ja hinter Gittern, 2011 war er eine Woche nach unserem letzten Besuch mörderisch tätig.
Portugal wurde Europameister, auch ohne Ronaldo, kein Terroranschlag hat das Turnier erschüttert. Gut so.
Montag, 11. Juli 2016, 09:00 Uhr, 15 Grad, bedeckt, Ausflug nach Mandal
Wir haben eine regnerische Nacht hinter uns, es hat immer wieder kräftig aufs Dach geprasselt. Der Verkehrslärm auf der nahen 455 war unnatürlich laut und intensiv. Grund war, die E 39 von Kristiansand nach Stavanger/Bergen war durch einen Verkehrsunfall gesperrt, der Verkehr wurde auf die kleine 455 umgeleitet, die am CP vorbeiführt. Nachdem es zu regnen aufgehört hat, bin ich zum duschen gegangen, habe mir ein neues Outfit angezogen. Das Fisch-Gwand wurde in den Wäschesack verbannt. Wir frühstücken draußen, ein bis zwei Sonnenstrahlen schafften es bis zum Frühstückstisch, mehr war nicht drin. Anschließend fuhren wir mit dem Auto zum KIWI nach Mandal zum einkaufen, später gingen wir in Mandal shoppen. Vier neue Blinker wurden gekauft um die vorhergegangenen Verluste wieder auszugleichen. Makrelen sind nicht umsonst, sie kosten Blinker. Die neuen Blinker wurden anschließend am Mandal-Fluß mit Erfolg ausprobiert. Die gefangenen Makrelen habe ich verschenkt, unser Gefrierfach ist voll. Beim zurückfahren zum CP habe ich voll getankt, das reicht jetzt bis Oslo. Es hat geschüttet was runter ging und hörte die letzte Stunde nicht auf. Deshalb werden heute keine Makrelen gegrillt, es gibt Spaghetti Carbonara und Salat.
Weil es so regnet, stehen die Räder immer noch nicht auf dem Dach, ich werde eine Regenpause abwarten müssen. Und wie wir die nasse Markise zusammenrollen, ist noch ein Rätsel. Kommt Zeit – kommt Sonnenschein. Vielleicht.
Morgen geht die Reise nach Risör weiter, es regnet immer wieder, der kleine Heizlüfter läuft und macht unser Dasein erträglich. Bei schönem Wetter draußen zu sitzen und den Sonnenuntergang genießen wäre aber noch viel schöner.
Dienstag, 12. Juli 2016, 08:30 Uhr, 15 Grad, bedeckt, kein Regen, Fahrt von Mandal nach Risör, 158 Kilometer gefahren
Mit dem heutigen Tag sind wir 2 Monate auf Achse, wie schnell die Zeit vergeht. Noch vor dem frühstücken rollen wir die Markise zusammen und holen den SAT-Dom vom Dach, weil es nicht regnet. Aber wir frühstücken drinnen. Es ist Aufbruchsstimmung, 4 Nächte waren wir in Mandal und Umgebung. Bis auf die Sanitäranlagen und die schwache Internetanbindung am CP ein schöner Aufenthalt. Wir werden heute etwa 150 Kilometer nord-östlich auf der E 39 fahren, ab Kristiansand auf der E 18. Schöner wären sicher die kleineren Küstensträßchen, aber das geht halt mit dem Gespann nicht so gut.
Den Weg bis kurz vor Kristiansand kannten wir schon, bei der Durchfahrt von Kristiansand schauten wir in den Hafen , sahen das Color Line Terminal nach Dänemark und kurz darauf das Yess Hotel, in dem wir schon mal übernachteten. Ist viel los in der Stadt und auf den Straßen rund Kristiansand. Dann plötzlich Stau auf der E 18, stockend geht es vorwärts. Auf der Überholspur geht es etwas schneller vorwärts, also wechsle ich die Spur und fahre an den rechts stehenden Autos langsam vorbei. Hunderte von Autos wollten die Ausfahrt Kristiansand Ost nehmen, weil dort Norwegens einziger Tierpark und darüber hinaus ein riesiger Freizeitpark angesiedelt ist. Es standen auch auf der anderen Straßenseite Autos auf der E 18 und den Park zu besuchen. Ferien in Norwegen! Langsam kam die Sonne heraus, das Thermometer steigt auf 18 Grad. Wir kommen gut voran, fahren bei Akland von der E 18 auf die 416, schauen uns den CP Moen 10 Kilometer nach der Abfahrt an. Viele fest stehende Wohnwagen, kein schöner Fjord-Blick, nichts für uns. Also zum ursprünglichen Ziel, dem CP Sorlandet Feriesenter in Sandnes weiterfahren. Zuerst auf der 416, dann auf der 411, dann auf einer befahrenen, engen Straße, die nicht mehr im Navi angezeigt wird, zum CP. Wir kommen um 12:30 Uhr an, beziehen den Platz 201 mit Blick auf den Sandnesfjord. Der Platz ist ein Feriencenter. Am Nachmittag fand vor dem CP ein Crosslauf statt, Kinder, Jugendliche und Erwachsene starteten und wurden mit Heia Heia ermuntert, alles zu geben. Wir klatschten nach Isländer-Art mit. Kurz darauf erlebten wir unser erstes Gewitter in Norwegen, mit Blitz und Donner in nächster Nähe. Erst knistern, dann grelles Licht und Wummsdibrummm. Gerti hätte es bald aus dem Bett geworfen, ich saß unter der Markise und habe den Einschlag hautnah mitbekommen. Aber das Unwetter hat sich bald verzogen und die Sonne kam wieder zum Vorschein. Wir sind zwischenzeitlich hart im nehmen. Gerti hat sich renoviert und die Haare gewaschen. Wir haben uns auch für den morgigen Besuch von Risör und später Oslo eingelesen, damit wir wissen, worauf wir uns freuen können. Immer wieder kommen neue Camper und suchen sich einen Aufstellplatz, schön anzusehen, wie gut oder schlecht sie sich dabei stellen.
Zum Abendessen gab es bei Sonnenschein Makrelen vom Grill mit Kartoffeln, es folgten Lesestunden.
Mittwoch, 13. Juli 2016, 10:00 Uhr, 20 Grad, leicht bewölkt, Ausflug nach Risör, 38 Kilometer gefahren
Der CP war ab 23:00 Uhr ruhig, die vielen Kinder groß und klein haben sich beruhigt, vielleicht wurden sie im einen oder anderen Fall auch geknebelt. Gut so. Wir haben lange gelesen.
In der Frühe habe ich die schönen Sanitäranlagen besucht und 20 NOK Duschgebühr dafür bezahlt. Wir frühstücken draußen, die Luft ist dampfig, viele Camper fahren schon wieder ab.
Wir setzen uns nach dem Frühstück ins Auto und fahren nach Risör am Ende des Sorfjorden. Wir parken außerhalb und ohne saftige Parkgebühr und wandern bei Sonnenschein rund um den Hafen. Viele Segelschiffe und Motoryachten liegen im Hafen, es herrscht ein Kommen und Gehen, Motoryachten liegen im Dreier-Päckchen nebeneinander. Wir schauen im Fischgeschäft vorbei, was es in den Auslagen gibt, was gefangen und verkauft wird. Im Fischeihafen lagen kleine und größere Boote, die „Kapitäne“ waren mit Wartungsarbeiten beschäftigt. Die Liegeplätze im Gästehafen waren sehr begehrt, einige Motoryachten lagen auf Reede und warteten darauf, einen Liegeplatz zugewiesen zu bekommen. Wir sahen ihnen beim anlegen auf engstem Raum zu, mit Bugstrahlruder und viel Können schafften es die Kapitäne ganz cool. Auch die Frauen als Fender-Matrosinnen machten ihren Part ganz gut.
Wir haben einen schönen, entspannten Halbtag in Risör verlebt, im Norden bildeten sich wieder riesige Kumuluswolkentürme, die danach von dunkelgrauen Wolken verdrängt wurden. Kaum sind wir am CP zurück, regnete es ab. Jetzt um 18:00 Uhr hat der Regen aufgehört, Gerti hat den Grill aufgestellt, wir werden zum Abendessen Kotelett und Kartoffeln grillen.
Der CP füllt sich wieder mit Neuankömmlingen, meist Norwegern, viele mit Kindern, es sind ja Ferien.
Wir werden Morgen nach Oslo weiterfahren, am CP in Bogstad (gleich bei den Holmenkollen-Schanzen) Quartier nehmen und Oslo ein paar Tage ansehen.
Ich werde heute noch versuchen, die Reiseberichte der vergangenen Tage mit Bildern zu vermailen, eine WIFI-Freistunde soll es geben, mal sehen, ob es auch klappt.

Donnerstag, 14. Juli 2016, 08:00 Uhr, bewölkt, Fahrt von Sandnes/Risör nach Bogstad/Oslo, 240 Kilometer gefahren
Wir verlebten eine trockene Nacht und einen ruhigen Morgen. Vor den Sanitärräumen staute es sich, jeder wollte mal. Was immer auch. Weil wir gestern bereits Tisch und Stühle im Wohnwagen verstaut haben, frühstückten wir drinnen. Wie immer klappte das Abfahrtritual bestens, wir haben uns bereits um 09:30 Uhr auf den Weg gemacht, sind die kleinen Sträßchen 411 und 416 bis zur E 18 ohne Probleme gefahren. Bis Oslo wurden noch 217 Kilometer angezeigt. Unterwegs sahen wir Graureiher, Elstern, Schwalben und Möwen. Die Gegend wurde auch landwirtschaftlich bewirtschaftet, wir sahen nach längerer Zeit bei Larvik wieder Getreideanbau. Kartoffeläcker standen in Blüte. Die E 18 ist mit vielen Blitzampeln ausgestattet, die Geschwindigkeit je nach Straßenqualität variierte zwischen 60 und 110 Kilometern/h. Kein Autofahrer überschreitet die vorgegebene Geschwindigkeit, es drohen drastische Strafen. Wir Gespannfahrer dürfen max. 80 km/h fahren, ich habe mich daran gehalten, die LKW haben mich überholt. Sei’s drum. Wir zählten auf der heutigen Fahrt bestimmt 15 Tesla-E-Autos, auch einen E-BMW und einen E-Citroen. Die Norweger sind mit E-Cars hier weiter, als die Deutschen. Auf der heutigen Strecke wurde in der Vergangenheit viel gebaut, entsprechend oft wurden wir bzw. dass Kennzeichen gescannt und zur Finanzierung herangezogen. Unterwegs hatten wir einen Regenschauer zu überstehen, sonst war das Wetter leicht bewölkt bei 20 Grad. Bei Drammen, also kurz vor Oslo sahen wir den ersten Bussard in Norwegen. Gemüsefelder lagen links und rechts der Autobahn bei der Einfahrt nach Oslo. Die Anzahl und die Höhe der Häuser haben weiter zugenommen, der Verkehr pulste, als wir Oslo erreichten. Ungläubig hielten wir vor einer Verkehrsampel. Wir haben wochenlang keine Ampel mehr gesehen. Die Anfahrt zum CP Bogstad war gut beschildert, er liegt in der Nähe zur Holmenkollen-Skianlage, vom CP aus sehen wir das obere Ende der Sprungschanze.
Wir checken ein, fahren auf den Stellplatz 228 und versinken fast im tiefen Gras, hier hat es vor kurzem stark geregnet. Der Galaxy hat sich fast eingegraben, sah aus, wie Sau. Bogstad ist ein Stadt-Campingplatz, viel Internationales Volk campt hier, auch Landfahrer mit großen Wohnwägen und PKW der Spitzenklasse. Wir fühlen und nicht ganz wohl. Ein Bus voll Franzosen-Jugendlichen, ein weiterer mit Tschechen, die alle in Zelten übernachten, campieren auf der großen Wiese gegenüber. Ein Sturzregen am späten Nachmittag hat den CP wieder unter Wasser gesetzt, mal sehen wann das Wasser abfließt. Und im Wetterbericht ist nicht absehbar, wann sich die unseligen Tiefdruckgebiete über Nordeuropa endlich verziehen.
Morgen werden wir Oslo und die Halbinsel Bygdoy mit den div. Museen besuchen. Wir fahren mit dem Bus, das Wetter ist zu wählerisch mit Sonnenstrahlen, die fürs Radfahren notwendig wären.
Freitag, 15. Juli 2016, 08:30 Uhr 20 Grad, sonnig, Ausflug nach Oslo
Heute waren wir den ganzen Tag in Oslo. Mit kurzem Hemd bzw. Bluse. Wir haben keinen Regenschirm gebraucht. Mit dem Bus 32 ab Bogstad CP nach Oslo Rathausplatz um 50 NOK für zwei Senioren, günstig. Danach sind wir mir dem Boot (120 NOK) auf die Museumsinsel Bygdoy gefahren und haben das Fram-Museum (140 NOK) besucht.
Danach sind wir mit dem Boot wieder zum Rathausplatz gefahren und sind am Oslofjord entlang zur Oper gewandert. Von hier aus über den Bahnhof durch die Karl Johan Straße bis zum königlichen Schloss. Ein kurzer nachmittäglicher Kaffee-/ Bierstopp kostete uns 140 NOK, Bier 98 NOK, Cappuccino 42 NOK. Und zum Schluss haben wir noch bis 18:00 Uhr das Rathaus innen besichtigt.
Danach sind wir mit dem Bus wieder zum CP gefahren, haben Kotelett gegrillt und dem Sonnenuntergang zugesehen.
Samstag, 16. Juli 2016, 09:00 Uh, bewölkt, 18 Grad, 2. Besuch von Oslo
In der Nacht hat es geregnet, bis zum Morgen hat sich der Regen verzogen, die Sonne hat sich immer wieder kurz gezeigt. Wir lassen es ruhig angehen, frühstücken draußen und fahren mit dem Bus um 10:28 zuerst zum Rathausplatz, gehen zur Tram 12 weiter und fahren zum Vigeland Sculpture Park weiter. Dort angekommen erleben wir, was es bedeutet, dass alle asiatischen Anbieter Oslo und den Vigeland Park im Programm zu haben. Das Wetter war sonnig, z. T. auch leicht bewölkt, ein ideales Fotowetter. Wir waren nicht alleine unterwegs. Viele Menschen haben sich durch den Park geschoben. Und die Figurengruppen, die Gustav Vigeland geschaffen hat, werden nicht nur angesehen und bewundert, sondern auch bekraxelt, betatscht.
Nach dem Besuch des Vigelandparks sind wir zu Fuß über den Dronningparken (Schlossgarten) zur Aker Brygga gegangen, haben uns das pulsierende Leben am Hafen angesehen. Das wir in der Fülle der Restauration nicht brauchen. Nach einer Entspannungsphase in den schönen Holzsitzen mit Blick auf das Hafengeschehen, haben wir uns wieder in den Bus 32 gesetzt und sind zum CP zurück gefahren. Danach hat Gerti eingekauft und das Leergut zurückgegeben, ich habe den Galaxy gestrahlt/gewaschen. Der CP in Bogstad hat sich ziemlich gefüllt, vorwiegend Norweger-Familien, mit großen Wohnwägen sind gekommen.
Morgen fahren wir weiter nach Kungshamn in Schweden weiter. Abends haben wir Lachs gegrillt und die Abreise vorbereitet.
Sonntag, 17. Juli 2016, 09:00 Uhr, 15 Grad, leicht bewölkt, Fahrt von Bogstad/Oslo nach Kungshamn (S)
Heute machen wir uns wieder auf die Socken, wir fahren von Norwegen nach Schweden. Deshalb sind wecken um 08:00 Uhr und zügiges Handeln angesagt. Weil Sonntag ist, haben wir auf der Fahrt durch Oslo, am Ring 3, kaum Verkehr, und sind nach 25 Minuten schon auf der E 6, die uns nach Süden bringt. Supermärkte und ein großes Einkaufszentrum am Weg haben auch am Sonntag von 09:00 Uhr bis 23: 00 Uhr auf. Und die Parkplätze davor waren voll.
Die Fahrt nach Süden war wenig spektakulär, viel Landwirtschaft, auch neu angepflanzte Apfelplantagen, Mais- und Karottenfelder waren zu sehen. Auch zwei Kraniche haben wir gesehen, schön, dass sie in der Nähe der viel befahrenen Autobahn auf Futtersuche waren. Bei Moss, etwa 40 Kilometer südlich von Oslo, fuhren wir an einem Verkehrsflughafen vorbei, sehr viele Urlauber-PKW standen auf den Parkplätzen. Bei Svinesund verlassen wir Norwegen, wir sind nun in Schweden. Gerti holt die SEK von der Hinfahrt aus dem Reservegeldbeutel, steckt die verbliebenen NOK wieder weg. Bei der Ausfahrt 102 fahren wir 30 Kilometer auf der 174 und sehen die Schärenküste. Wir erreichen den CP Smögens Camping in Kungshamn um 13:00 Uhr, werden aber erst um 15:00 Uhr bei der Rezeption empfangen. Wir haben uns den Stellplatz 48 schon vorher rausgesucht und auch bekommen. Die Wartezeit verbringen wir mit einer Brotzeit und einem Spaziergang zum Badeplatz des CP in den Schären. Motor- und Segelyachten fahren durch die Schären, es ist ganz schön was los. Später fahren wir mit den Rädern über die Brücke auf die Insel Smögen. Der starke Gegenwind macht uns das radeln nicht leicht. Von der Brücke schauen wir nach Kungshamn und Smögen, auch hinaus auf das Skagerrak, wo die Wellen an die Schären gischten. Im Hafen von Smögen findet ein Musikkonzert statt, sehr viele Besucher genießen den Tag und die Musik. Die Liegeplätze im Gästehafen sind überbelegt, oft liegen die Schiffe im 5-er Päckchen. Bei der Rückfahrt holen wir im ICA-Supermarkt zuerst SEK, danach kaufen wir Krabben, Muscheln und Barilla Spaghetti für das Abendessen. Nach Rückkehr auf den CP wird die Sonne schon von den Wolken abgedeckt, zum essen draußen ist es schon zu kalt und zu windig. Den Sonnenuntergang sehen wir leider nicht vom Stellplatz aus, eine hohe Schäre verstellt uns den Blick auf’s Meer.
Montag, 18. Juli 2016, Radausflug Kungshamn, 09:00 Uhr, 18 Grad, bewölkt/sonnig
Wir hatten eine rel. ruhige Nacht, wenn man davon absieht, dass die Markise immer wieder mal geschlagen hat. Wir frühstücken im Sonnenschein und füttern nebenbei die frechen Spatzen. Überall am CP ist Aufbruchsstimmung. Der Smögen CP ist ein Durchgangs-CP, hier stehen so gut wie keine Dauercamper. Deshalb mischt sich der CP jeden Tag wieder aufs Neue. Wir wollen heute Kungshamn und Smögen ansehen, fahren mit den Rädern zum Kungshamn Hafen und stellen sie ab. Danach machen wir eine lange Wanderung durch den Hafen, über die Schären zum Nachbarhafen Fisketangen. Auf der Schärenstraße ist viel los, Segler wie Motoryachten sind unterwegs, Segler oft unter Segeln, sieht gut aus, wie man zuerst die Segel, dann den Rumpf hinter der schäre auftauchen sieht. Wir schauen uns eine Galerie an, viele sehr schöne und überteuere Bilder waren ausgestellt. Man sieht an den Preisen, dass auch der SEK eine weiche Währung ist. Lediglich ein buntes Stückchen Papier, wie bei uns der Euro auch. Im Hafen-Trockendock sehen wir eine 15m-Mahagoni-Yacht aus Flensburg mit defektem, aufgeplatzten Ruder stehen. Der Skipper sagte uns, der Anker hätte bei sehr starkem Wind nicht gehalten, sie seien morgens um 04:00 Uhr in die Schären abgetrieben worden, dabei sei das Ruder beschädigt worden. Weil in Schweden auch die Bootsbauer Ferien haben, müssen sie in Eigenarbeit und mit Hilfe eines Einheimischen das Aufgeplatzte Ruder neu laminieren. Hoffentlich gehen ihnen das Harz und die Glasmatten nicht aus. Das Ruder ist nicht gerade klein. Auf unserem Weg zurück zum Kungshamn-Hafen haben wir noch den Weinmonopol-Laden angesehen, am Parkplatz herrschte Parknot, drei Kassen waren besetzt. Die Schweden haben am vergangenen Wochenende wieder mal richtig gepichelt und mussten nun die Vorräte wieder auffrischen. Auch unsere Weinvorräte sind nach neun Wochen zu Ende getrunken, 30 Euro für drei Liter Blockpack-Spanienwein auszugeben, haben wir abgelehnt. Da vergeht einem die Lust auf einen Schluck Wein. Bald sind wir ja wieder daheim, da können wir wieder schlotzen, was das Zeug hält ohne zu verarmen! Den ganzen Tag war schönes Wetter, meist blauer Himmel und eine schöne Brise, die die Yachten ausnutzten.
Abends gab es Kotelett paniert aus der Pfanne, dazu Salat. Der CP hat sich ziemlich verdichtet, wir stehen gut. Man kann man die Ferienstimmung der Schweden hören, Musik schallt ungewünscht aus Lautsprechern, immer wieder dieselben Rhythmen, BlahBlahBlah. Partystimmung auf Kosten anderer. Genug geschimpft für heute! Morgen sieht die Welt wieder ganz anders und schöner aus. Vielleicht.
Dienstag, 19. Juli 2016, Kungshamn, 09:00 Uhr, sonnig, 19 Grad, leicht bewölkt, wenig Wind.
Wir hatten eine ruhige Nacht, Frühstück im Freien in kurzer Hose und Hemd/Bluse. Heute habe ich im Internet Mails abgefragt, nur die üblichen Verdächtigen haben sich über unsere Reiseberichte gefreut und darauf geantwortet. Passt schon.
Das Wetter bleibt die nächsten Tage in Kungshamn, Varberg und ab Donnerstag in Heide erträglich, Sonne und Wolken bei 20 Grad, nordischer Sommer halt. Wir haben heute einen ausgedehnten Smögen-Rundgang gemacht, Hafen und Schären bestaunt. Im Fischerei-Hafen ist ein Fischkutter eingelaufen, hat 26 Kisten a‘ 15 Kilo Reker (Krabben) angeliefert, sonst nichts. Die Fische als Beifang sind vermutlich sofort über Bord gegangen, angelandet wurden sie nicht. Die Schweden machen Urlaub. Flanieren, speisen, fahren Segel- und Motoryachten, sonnen sich im Windschatten der Schären, Kinder fangen Krabben und kleine Fischchen. Schiffsbesatzungen sitzen/liegen auf den Schiffen und lassen sich beobachten. Und wir beiden latschen fotografierend und staunend durch die Gegend, freuen uns über die Schärenlandschaft und das bunte Treiben und denken uns unseren Teil. Auch zurück an die Zeit, wo wir mit unseren Kindern Familienurlaub machten. Die äußeren Umstände haben sich stark verändert, wenn man das Hier und Heute mit damals vergleicht.
Jetzt um 18:15 Uhr sitzt Gerti in der Sonne, die Makrelen sind schon in der Alufolie, warten auf den Grillmeister, der noch Reisebericht schreibt.
Morgen fahren wir nach Varberg weiter, am Donnerstag in aller Herrgottsfrühe um 08:05 Uhr geht die Fähre nach Grena (Dänemark) und am Abend treffen wir Freunde in Heide und trinken mal wieder ein gescheites Bier.
Mittwoch, 20.07.2016, 08:00 Uhr, bedeckt, 18 Grad, Fahrt von Kungshamn nach Varberg
Heute ist wieder Fahrtag, wir ziehen zu unserem letzten Reiseziel in Schweden weiter. Gestern haben wir uns schon eingelesen. Varberg ist ein ehem. Kurbad mit Warm- und Kaltbad (im Kattegat auf einer Brücke) sein. Mal sehen, was uns erwartet. Wir fahren über die Straßen 174, 171 und 162 auf die Autobahn E 6, die sich gut befahren lässt. Vorbei ziehen Schären, Wiesen, landwirtschaftlich genutztes Land. Es sind fast nur Schweden und Norweger auf der 2 – 3 spurigen Autobahn unterwegs. Um 11:00 Uhr fahren wir durch Göteborg, noch scheint die Sonne nicht durch die Wolken, es zieht sich, bis wir bei Ausfahrt 41 nach Varberg abbiegen, das wir um 12:15 Uhr erreichen. Wir kommen am CP Getteröns in Varberg an, stellen das Gespann nahe der Rezeption ab. Ich gehe wie immer zur Rezeption um einzuchecken, bekomme den Platz 19 zugewiesen, von dem wir morgen früh um 07:00 Uhr ohne Schranke abfahren können. Der Stellplatz kostet 45 € mit Strom. Unser Stellplatz reicht gerade für den Wohnwagen und den PKW, ohne den Mover hätten wir uns nicht auf diesen engen Platz stellen können. Wir stehen in einer Wohnwagenpark-Feriensiedlung, mitten unter Schweden, die hier Ferien machen.
Nach dem aufstellen fahren wir nach Varberg in den Hafen, um die Örtlichkeiten für den morgigen Tag anzusehen. In Varberg ist so viel Trubel, dass wir für eine Besichtigung keinen PKW-Parkplatz finden. Also zurück zum CP, Räder vom Dach holen, Brotzeit machen und nach kurzer Zeit stehen wir mit den Rädern im Hafen. Angelkutter laufen ein, Makrelen wurden gefangen. Auch Segel- und Motoryachten suchen im überfüllten Hafen nach Liegeplätzen, die rar und meist nur im Päckchen verfügbar sind. Anschließend gehen wir auf die Festung und schauen uns Varberg von oben an. Später fahren wir auf der Strandpromenade und einem schönen Radweg bis nach Apelviken. An den Schären sonnen sich viele Urlauber, einige sind beim schwimmen. Auch am Kallbadhus, früher ein mondänes Strandbadehaus, heute ein Café, sind viele Urlauber und Kinder, die im Wasser planschen.
Nach unserer Varberg-Besichtigung ruhen wir uns im Hafen aus, sehen um 18:15 Uhr die Stena-Fähre einlaufen und fahren zum CP zurück. Die Fähre fährt abends wieder nach Grenaa, kommt morgen früh wieder hier in Varberg an und nimmt uns mit nach Dänemark. Ich packe die Räder wieder aufs Dach und lese mich in die Lektüre über die morgige Fahrt ein. Unser letzter Abend in Skandinavien findet bei Sonnenschein statt, wir essen Putenfilet mit Nudeln. Gehen noch zu den Schären, um den Sonnenuntergang zu erleben. Viele Schweden machen es wie wir, haben aber etwas zum essen und trinken dabei und genießen die milde Abendluft am Meer. Ich trinke später am Wohnwagen das letzte Schwedenbier aus und freue mich schon auf Morgen, da gibt es ein kühles Norddeutsches Bier und auch ein Gläschen Wein.
Donnerstag, 21.07.2016, 06:15 Uhr aufstehen, sonnig, Fahrt von Varberg (S) nach Horst (D)
Heute fahren wir mit der Fähre von Varberg nach Grenaa (Dänemark) und weiter nach Horst zu Freunden. Nach dem Aufstehen gehe ich in die Sanitär-Anlage, sehe am CP Kaninchen hoppeln, einen Fasan und Austernfischer, die im Gras nach Fressbarem suchen. Alles ist noch ruhig. Wir auch. Ohne zu frühstücken spanne ich an, wir fahren leise Richtung Fähre. An einem kleinen Flughafen vorbei, auf dessen Graslandepiste hunderte von Graugänsen grasen. Wir kommen rechtzeitig an, schauen uns um, wo wir einchecken können, finden ein Schalterhäuschen und eine nette Schwedin, nennen unsere Einchecknummer und schon werden wir durchgewunken. Danach begann das Warten, PKW fahren über eine Rampe in die oberen Stockwerke der Fähre, LKW und Wohnmobile werden unten nach eingewiesen. Wir sind das letzte Wohnwagengespann, das an Bord fuhr und wurden ganz nach vorne durch die LKW durchgeschleust. Kommen also als Erste in Dänemark von Bord, passt schon. Die Fähre legt um 08:05 Uhr ab und kommt um 12:20 Uhr in Grenaa an. Es ist 24 Grad warm.
Wir sind während der ruhigen Überfahrt zuerst hinter Glasfenstern gesessen, haben die mitgebrachten Brote zum Frühstück gegessen. Kaffee gab es auf der Fähre dazu. Weil sich das Wetter zunehmend gebessert hat und es wärmer geworden ist, haben wir uns später an Deck im Windschutz aufgehalten und das Treiben im Kattegat beobachtet. Viele Segelboote, Handelsschiffe und Sportyachten waren unterwegs, ein Windpark auf dem Meer sorgt für Strom. An der Insel Anholt, über deren Existenz ich mein langes Leben noch nichts gehört habe, sind wir vorbeigekommen. Als wir kurz vor dem Hafen angelangt sind, haben wir uns auf den Weg durch den Schiffsbauch zu unserem Gespann gemacht. Nachdem das Bugschild aufgemacht und die Rampe justiert war habe ich den Galaxy angeworfen und bin als erster von Bord gefahren. Über die Straße 15 sind wir nach Arhus, danach auf der Autobahn E 45 weiter südlich gefahren. Ich denke etwas wehmütig auf unsere bisherige Reise zurück, während wir durch dänisches Bauernland fahren. Viele Getreidefelder wurden schon abgemäht, ein Regenschauer wurde durchfahren, danach wieder Sonnenschein. Dänemark zieht vorbei. Wir fahren an Kolding um 14:20 Uhr bei 26 Grad vorbei, vor vielen Wochen waren wir hier schon einmal bei der Hinfahrt. Lang ist es her, viel haben wir gesehen. Deutschland erreichen wir um 15:30 Uhr, wir fahren auf der B 200 Richtung Husum, später auf der B 202 nach Friedrichstadt, wo wir bei Lidl erst mal Lebens- und Genussmittel für die nächsten Tage kaufen. Um 17:00 Uhr kommen am CP Eidercamp in Horst an, wo wir schon erwartet werden. Fröhliches Umarmen ist angesagt. Danach versinke ich beim Aufstellversuch des Wohnwagens in einer zu nassen, weichen Wiese und werde mit Hilfe eines kleinen Traktors wieder rausgezogen. Der zweite Stellplatz war dann besser geeignet und trocken. Schnell wurden die Räder vom Dach geholt und zu den Freunden geradelt, wo kaltes Bier auf meine durstige Kehle wartete. Zum Abendessen gab es eine leckere Pizza, gutes Bier und ein Glas Rotwein. Wir haben bis 23:00 Uhr draußen gesessen und uns unterhalten, bevor wir zum CP zurück geradelt sind. Deutschland hat uns wieder.
Freitag, 22.07.2016, Horst, PKW-Ausflug nach Bergenhusen (Storchendorf), schönes Wetter
Die Nacht war ruhig, der Weg am Morgen zum Sanitärtrakt lange, deshalb fuhren mit den Rädern hin. Nach einem gemütlichen Frühstück vor dem Eider-Damm, auf dem Kühe grasten, fuhren wir mit Elke zum einkaufen, weil wir abends, wenn Ralf-Peter zu uns stößt, grillen wollten. Das Wetter ist schön und wir beschließen einen Ausflug ins Storchendorf Bergenhusen zu machen. Fast auf jedem Dach war ein Storchennest, nicht jedes war besetzt. Trotzdem ein schöner Anblick für uns, Jung- und Altstörche auf schönen Backsteinhäusern zu sehen. Um 15:45 Uhr waren wir von unserem Ausflug zurück, Ralf-Peter war schon angekommen und wir trinken zusammen Kaffee. Später grillen wir, essen viel zu viel. Ein Radausflug zur Fischerhütte, wo wir weitere Freunde treffen, folgte. Es war ein schöner Abend mit viel Bier und kleinen Mümmelmännern, der erst spät endete.
Samstag, 23.07.2016, Horst, Radausflug, bedeckt/sonnig, über 20 Grad
Wir frühstücken mit den Freunden, vom CP haben wir Semmeln mitgebracht. Anschließend fahre ich mit dem Rad nach Hennstedt zum Eider-Bäcker und zur Apotheke. Gemeinsam machen wir einen Rad-Ausflug nach Delve, wo ein Rasen-Handballturnier stattfand. Bier und Würstchen in der Semmel wurden verspeist, während wir dem Turnierverlauf zusahen. Anschließend fuhren wir an der Eider entlang zurück, kehrten ein. Es gab dunkles Erdinger Weißbier, Eis und Cappuccino. Um 16:30 Uhr waren wir von unserem Radausflug zurück. Ich bereitete den Wohnwagen auf unsere morgige Weiterfahrt vor, das Auto wurde gecheckt, etwa 500 Kilometer Fahrt stehen bevor. Am Abend treffen wir uns wieder in der Fischerhütte, ein Bekannter gibt ein Ruhestandsbeginn-Fest aus. Bier, Mümmelmänner und was Leckeres zu essen gab es umsonst. Danke für die Einladung und die netten Gespräche an der Eider. Ich habe mich alkoholmäßig sehr zurückgehalten, Alsterwasser gemischt, kein Schnaps. Um 22:00 Uhr haben wir uns verabschiedet, die Pflicht ruft. Und wir freuen uns schon auf unser Wiedersehen mit unserer Jugend, die wir spontan auf unserer Rückfahrt nach München in Hinsbeck besuchen wollen.
Sonntag, 24.07.2016, Fahrt von Horst nach Hinsbeck, sonnig bis 29 Grad warm
Heute ist wieder Fahrtag, wir stehen um 07:30 Uhr auf und sind um 09:00 Uhr schon auf Achse. Über Heide fahren wir auf der A 23 nach Hamburg, dann die A 1 Richtung Bremen. Hier wird die Autobahn saniert, 12 Kilometer Stau und eine Stunde stopp and go, von drei Spuren wird die Autobahn auf eine Spur verengt. Und am Ende des Staus stehen dann ein paar Hansel herum, die diesen Megastau auf dem Gewissen haben, anstatt zu arbeiten. Im Münsterland machen wir um 14:30 Uhr eine Pause, fahren danach durch den Ruhrpott und erreichen nach 534 Kilometern um 17:00 Uhr Hinsbeck. Wir stellen den Wohnwagen am Straßenrand auf, richten uns für ein paar Tage ein und fahren mit den Rädern zum Abendessen in den nahen Biergarten. Es gab Schnitzel mit Pommes und Diebels Alt. Unsere Jugend ist noch bis Montagabend auf Fehmarn, wir hüten Haus und Garten.
Montag, 25.07.2016 bis Samstag, 30.07.2016, in Hinsbeck bei der Jugend
Am Montag frühstücken wir im Garten in der Sonne, genießen das schöne Wetter und garteln fleißig. Die Jugend kommt erst um 23:00 Uhr aus Fehmarn zurück. Am Dienstag haben wir begonnen, im Gewächshaus viele defekte Scheiben auszutauschen. Der große Garten ist ganz schön arbeitsintensiv. Abends wird gegrillt. Auch am Mittwoch sind wir mit dem Gewächshaus und Gartenarbeit beschäftigt, zum Abendessen gab es Spaghetti. Am Donnerstag wurden die letzten Scheiben im Gewächshaus eingesetzt und das Bruchglas zum Wertstoffhof gebracht. Zum Abendessen gab es eine leckere Pizza. Am Freitag ist unser Sohn nach Berlin geflogen, um eine neue Familienkutsche zu kaufen. Weil die Schwiegertochter in der Arbeit war, haben wir einen ganzen Tag mit der Enkelin verbracht. Sie war ganz lieb zu uns und ist wirklich pflegeleicht. Abends grillen wir meine letzten, selbst gefangenen Makrelen und Würstel. Am Samstag frühstücken wir gemeinsam, ich habe danach den Wohnwagen und den PKW für die Reise nach München fahrbereit gemacht. Bei einem Spaziergang haben wir noch Tomaten und Gurken beim Erzeuger-Nachbarn gekauft. Ein gemeinsames Abendessen beim Jugoslawen im Birkenhof beendete unsere schöne Woche am Niederrhein.
Sonntag, 31.07.2016, Fahrt von Hinsbeck nach München, gef. 656 Kilometer
Um 05:30 Uhr sind wir aufgestanden, um unsere Reise nach München anzutreten. Um 06:10 Uhr machen wir uns auf den Weg, werden von der Jugend verabschiedet und fahren auf der A 61 nach Süden. Es ist noch wenig Verkehr, viele Niederländer und Belgier sind unterwegs. Die Felder sind vielfach schon geräumt, Kartoffeln werden geerntet. Vorbei geht es am Moselblick und durch die Weinfelder in Rheinhessen, Windräder und weites Land ziehen vorbei. Nach knapp 300 Kilometern Fahrt machen wir um 09:00 Uhr auf einem Parkplatz eine Frühstückspause. Der Verkehr ist noch überschaubar, als wir um 09:50 Uhr wieder auf die Autobahn auffahren. Am Hockenheimring ist die Formel 1 aktiv, der Besucherandrang ist enorm, vorbei war es mit der Ruhe auf der Autobahn. Bei Stuttgart übergießt uns ein erster Regenschauer, ab Kirchheim ist stockender Verkehr. Und wir haben den ganzen Aichelberg aufwärts einen Megastau, zwei Meter fahren, 1 Minute stehen. Es regnete, blitzte und donnerte, für fünf Kilometer haben wir fast eine Stunde gebraucht. Obwohl kein Unfall war. Auch auf der Alb war immer wieder stockender Verkehr, der sich dann aber urplötzlich auflöste. Endlich ging es wieder voran. Jedoch nicht lange. Ein Unfall zwischen Augsburg West und Dasing kostete uns wieder 1 ½ Stunden Wartezeit auf der Autobahn, die gesperrt war. Der Wunsch nach einem Zugfahrzeug mit Automatikgetriebe wurde geboren. Um 16:30 Uhr sind wir in Fischerhäuser nach 10 ½ Stunden Fahrt angekommen und haben den Wohnwagen ausgeräumt.
Nach weiteren 20 Kilometern sind wir zu Hause, räumen das Auto aus und gehen zum Essen. Ein Schweinsbraten wurde für mich bestellt, er war nach 12 Wochen Abstinenz überfällig.
Ich war ein wenig verärgert über den heutigen Fahrtag und die vielen Staus. Wir sind extra am Sonntag gefahren, um dem Berufsverkehr und dem LKW-Verkehr mit den Elefantenrennen aus dem Weg zu gehen. Und kamen vom Regen in die Traufe.
Unsere diesjährige Reise in den Norden ist nach 12 Wochen und 8.500 Kilometern zu Ende. Technisch hat alles funktioniert, bis auf kleine körperliche Blessuren bei uns ist nichts passiert. Ein paar Kilogramm Gewicht haben wir auf der Strecke gelassen, es ist gut für Bauch und die Hüften, wenn man jeden Tag aktiv ist.
Schweden und Norwegen haben als Reiseziele nichts an Reiz verloren, es gibt noch viele Gegenden und Routen, die zu entdecken wären. Mal sehen, wann wir uns wieder auf eine Reise in den Norden aufmachen.

Nachsatz:
Und dann war da noch der aufkeimende Gedanke am Aichelberg nach einem Zugfahrzeug mit Automatikgetriebe, das Urlaubsreisen noch schöner und weniger anstrengend machen könnte. Er wurde zu Ende gedacht. Inclusive Allradantrieb, um nicht mehr in tiefen, morastigen Wiesen stecken zu bleiben. Hoffentlich.
Auch E-Bikes werden künftige Ausflüge vor Ort noch attraktiver machen.
Unsere Reiselust und die Neugierde auf Neues, Unbekanntes ist ja noch nicht zu Ende. Sie geht hoffentlich noch lange weiter.
One life – live it!
An unserer Reiseroute im nächsten Jahr arbeite ich bereits, es geht mal wieder in den Süden, nach Griechenland incl. Peloponnes rund, auf dem Landweg.
Ingo
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Re: Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 1

Beitragvon skandinavian-wolf » Mi, 30. Nov 2016, 8:42

Hallo Ingo,
danke für die Mühe.
Kannst du Deinen umfangreichen bericht vielleicht im nachhinein noch mit ein paar Bildern auflockern?
Danke
Uwe
Toleranz ist gut. Aber nicht gegenüber den Intoleranten.
Wilhelm Busch

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skandinavian-wolf
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Re: Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 1

Beitragvon Kumulus » Do, 01. Dez 2016, 6:58

Dieser Reisebericht ist ja der absolute Wahnsinn. Da hast du dir ja fast die Finger blutig geschrieben.

Danke dafür
Martin

P.S. In Sachen zusätzliche Bebilderung muss ich Uwe zustimmen. So ein Bericht liest noch dann auch in Etappen etwas besser.
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Re: Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 1

Beitragvon Dixi » Do, 01. Dez 2016, 21:12

Hallo Ingo,

super Bericht, Vielen Dank.
Mit ein paar Fotos auflockern, dann liest er sich besser. Die Beiträge sind schon sehr lang und es ist etwas anstrengend :roll:
Viele Grüße
DIxi
.... und nun neues Auto mit 4x4 und E-Bikes?
Meide Orte schöner Erinnerungen !
Dixi
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Re: Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen

Beitragvon Ingo Martin » Di, 20. Dez 2016, 19:33

Liebe Norwegenfreunde,
mal sehen, ob ich unsere Grüße bildlich einbinden kann.
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Re: Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 1

Beitragvon Kumulus » Mi, 21. Dez 2016, 12:39

Danke ihr Zwei

Ich wünsche euch ebenfalls schöne Weihnachtsfeiertage, einen guten Rutsch ins Neue Jahr und dann möglichst viele guten Erlebnisse in Norwegen.

Man sieht sich
Martin
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Re: Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 1

Beitragvon Rapakiwi » Mi, 21. Dez 2016, 23:04

Bilder einbinden klappt!
Vielen Dank für die Weihnachts- und Neujahrswünsche! Auch Euch ein schönes neues Jahr 2017, das hoffentlich wieder eine ebenso interessante Reise ermöglicht!

Zu dem langen Reisebericht kann ich noch gar nichts sagen, da setze ich mich mal in einer ruhigen Stunde zwischen den Tagen ran; freue mich schon drauf, vielen Dank!
Ha det bra
Anja
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Und nun geht es auf eine Reise in den Süden

Beitragvon Ingo Martin » Mi, 19. Apr 2017, 20:11

Hallo zusammen,
das Pendel hat wieder ausgeschlagen. Letztes Jahr Norden, dieses Jahr Süden.
Wir werden Griechenland auf dem Landweg umrunden.
Runter über Österreich, Kroatien, Montenegro, Albanien nach Griechenland. Danach Rund Peloponnes.
Rauf von Thessaloniki über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich zurück nach München.
Das Wetter ist ja jetzt kurz vor Reisebeginn sehr nordisch-kühl.
Wir hoffen auf Milde, je weiter wir nach Süden kommen.
Viel Zeit und Spaß wünschen wir den Lesern unserer letztjährgen Reise in den Norden.
Die bebildert sicher leichtere Lektüre wäre.
Ingo
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Re: Norwegenreise 2016 mit dem Wohnwagen Teil 1

Beitragvon inesmstaedt » Mi, 26. Apr 2017, 14:20

Hallo Ingo,

vielen Dank für Deinen schönen und ausführlichen Reisebericht. :)

das Pendel hat wieder ausgeschlagen. Letztes Jahr Norden, dieses Jahr Süden.

So war das bei uns die letzten Jahre auch: 2014 Norwegen, 2015 Kreta, 2016 Schweden-Finnland-Norwegen, 2017 Korsika (wo es jetzt um Ostern schon sehr schön warm war, wie hier im Spätfrühling)...

Ich wünsche Euch eine wunderschöne Reise!
LG Ines
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