Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Eure Berichte von Reisen in Norwegen, Wander- und Bergtouren, Hurtigrutenfahrten oder Spezialtouren

Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Voronwe » Mi, 11. Okt 2017, 12:36

Kumulus hat geschrieben:
Ich bin jetzt schon gespannt auf eure Erfahrungen und Meinungen zu der Gletscherwanderung.


Ich hab Deinen Berich von 2014 gelesen und glaube, daß sich da inzwischen einiges geändert hat.

Dies als Appetizer, ich hoffe, daß ich den Bericht heute abend noch reinstellen kann
Voronwe
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Voronwe » Mi, 11. Okt 2017, 18:55

Tag 6 (16. 8. 2017) - Nigardsbreen - Luster

Keine Karte, da wir hier nur wenig gefahren sind

Die Nacht war überraschend angenehm, die Matratzen waren doch nicht so dünn wie angenommen und das Bett war auch lang genug (für mich ja sonst gerne ein Problem

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Der Blick nach draußen verhieß doch gutes Wetter, bewölkt zwar, aber trocken (nachdem es am Abend vorher noch geregnet hatte). Eigentlich ideales Wetter für einen Gletscher.
Nach den Frühstück machte ich mich auf einen kurzen Spaziergang zum Breeheimcenter, um Karten für die Familientour auf den Gletscher zu kaufen.
Hier am Gletscher wird nämlich eine kurze Tour für Kinder ab 6 Jahren angeboten, was für uns eine Chance darstellte, mal auf einen Gletscher zu kommen - denn wer weiß, wie lange so etwas noch möglich ist
Es gab noch genug Karten. Nach dem üblichen Packen und Aufräumen ging es daher auf der Mautstraße zum Parkplatz am Gletschersee
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Am Parkplatz mussten wir erst einmal auf das Boot warten, welches uns über den See bringen sollte. Dabei konnten wir einen Blick auf die Gletscherzunge werfen.
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Obwohl die Kinder sonst immer fragten, wann sie nun endlich in einem See/Fjord baden könnten, wollte sie hier die Wartezeit seltsamerweise nicht nutzen. Dabei war das Wetter eigentlich gut und der See sah auch einladend aus.
Und die Eisstücke sind so klein, die behindern gar nicht beim Schwimmen
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Schließlich kam das Boot, und wir konnten einsteigen - zusammen mit einer Gruppe, die für eine längere Eistour ausgerüstet war.
Noch die Karten gelöst und los ging es
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Jetzt fahr'n wir über'n See
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Vom Anlieger ging es noch ein Stück durch ein Birkenwäldchen
Der Gletscher war nicht wirklich näher gekommen, als wir das Ende der Vegetation erreichten
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Jetzt ging es weiter über vom Gletscher geschliffenes Gestein. Glücklicherweise war es trocken, sodaß man einigermaßen drauf gehen konnte. Bei Nässe stelle ich mir das sehr unangenehm vor, vor allem weil einem hier Stöcke mangels Halt auch nicht viel nutzen.
An einer nassen Stelle bin ich auch prompt ausgerutscht, aber glücklicherweise nichts passiert
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Jetzt konnte man auch zum ersten Mal das Gletschertor sehen. Treffpunkt für die Tour war auf der linken Seite, sodaß wir den Gletscherfluß überqueren mussten
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Glücklicherweise gibt es eine Brücke
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Und eine weitere "Brücke"
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Aber es ist immer noch ein gutes Stück zum Gletscher
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Schließlich stehen wir am Einstieg zum Gletscher, wir haben aber noch eine Stunde Zeit. Das Angebot, jetzt sofort noch mit der vorherigen Gruppe mitzugehen, lehnen wir dankend ab, wir wollen erst einmal in Ruhe ankommen - heute hetzt keiner.
Also wird erst einmal Pause gemacht - Vom eis weht ein kalter Wind und wir sind froh, daß wir winddichte Jacken und Kopftücher dabei haben
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Ein Blick zurück zum See
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Ein Blick zur Abbruchkante - Ich finde es faszinierend, daß es auf dem Bild keinen Anhaltspunkt gibt, wie groß die Eisbrocken sind (Hinweis: Sie sind groß).
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Die Gletscherzunge ist weiträumig abgesperrt, da es immer wieder zu Eisabbrüchen kommen kann, was vor 3 Jahren zu einem schrecklichen Unglück geführt hat. Trotzdem sieht man immer Leute, die die Absperrung übertreten, um näher ranzukommen. Sieht ja alles so harmlos aus...

Aber glücklicherweise hat man ja eine Teleobjektiv und kann so die Bilder aus sicherer Entfernung aufnehmen
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Eine Gruppe ist noch vor uns, und dann geht es los
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Von den Führern erfahre ich, daß es dieses Jahr zu Staus kommen kann, da auch die Familientour über denselbem Einstieg wie alle anderen Touren geführt wird. Grund ist, daß ein flaches Stück, auf dem die Touren früher gemacht wurden, weggetaut ist. Daher ist die Familientour dieses Jahr auch abenteuerlicher als früher

Die Route muß jeden Morgen überprüft und eventuell geändert werden. Aufgrund des Rückgangs des Gletschers wissen sie auch noch nicht, ob sie nächstes Jahr noch eine Familientour anbieten können, oder ob der Einstieg zu anstrengend wäre
In Kumulus Bericht von 2014 sah der Gletscher noch ganz anders aus, ebenso im Bericht von Mainline


Aber genug der trüben Gedanken, wir wollen ja das Eis erleben, also die Karten gezückt...
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Jetzt bekommt erstmal jeder Steigeisen an die Füße (Meine Schuhe jubeln, endlich können sie zeigen, wofür sie eigentlich gemacht sind)
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Erste Schritte mit Steigeisen
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Die Gruppe, die aus 10 Personen besteht, wird noch angeseilt und wir bekommen eine grundlegende Einführung in das Gehen auf dem Eis: Feste, trampelige Schritte machen, damit sich die Steigeisen im Eis verhaken. Das Seil locker halten und auf keinen Fall als Schlaufe um die Hand legen - im Falle eines Sturzes würde sonst die Hand abgeklemmt.
Und dann geht es los, die eisigen Stufen hinauf
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Das Gehen ist ungewohnt, da man immer glaubt, man würde auf dem Eis ausrutschen, was man aber dank der Steigeisen nicht macht. Allerdings kann man sich nirgens festhalten (ist ja alles Eis), sodaß ich mir noch so einen Pickel gewünscht hätte.
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Huch, so hoch sind wir schon
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Es gibt immer wieder Erklärungen zum Gletscher
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Und das Führungsseil muß immer wieder neu gelegt werden
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Blick in eine Gletscherspalte
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Schließlich sind wir am höchsten Punkt unserer Tour angelangt.
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Unsere Führerin erzählt uns noch, daß der Nigardsbreen eine langsam reagierende Gletscherzunge ist, d.h. die Auswirkungen des Klimawandels sind hier noch nicht so deutlich wie am Briksdalsbreen auf der anderen Seite des Jostedalbreens (die große Eiskuppe auf den Berggipfeln, wovon der Nigardsbreen nur ein Ausläufer ist). Der Briksdalsbreen hat sich fast komplett zurückgezogen, 2000 konnte ich da noch draufgehen.
Außerdem erzählt sie noch, daß einer ihrer Kollegen hier ein Sherpa ist, der schon 19x auf dem Mount Everest stand und der hier natürlich die besten Erfahrungen mit Gletschern und wie man Routen findet, hat. Für ihn ist das hier auf 300m über dem Meer natürlch leichte Arbeit

Während wir noch oben stehen kommt die Sonne raus der das Eis beginnt zu glitzern
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Wir machen uns wieder an den Abstieg
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Ein Sérac
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Die Sonne macht sich sofort bemerkbar, die Eis taut schneller
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Schließlich haben wir es geschafft und sind wieder unten. Auf Sand schaffe ich es noch, mit dem Steigeisen auf das Seil zu treten und nochmal hinzufallen - Aber auch hier außer einer kleinen Schürfwunde am Knie nichts passiert

Es ist jetzt einiges los
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Aber wir machen erst einmal Mittagspause und genießen bei Würstchen, Polarbröd und KwickLunch die Aussicht.
Die Kinder hatten anfangs etwas Angst, fanden die Tour dann aber toll, aber auch aufregend
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Noch ein kleines Steinmännchen gebaut
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Und dann geht es zurück
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Noch ein Blick zurück zum Gletscher - Wenn man bedenkt, unser höchster Punkt war die ebene Fläche links von der unteren Gruppe, da kann mal die Ausmaße erahnen.
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Wasser kommt von überall
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Und wieder über die Brücke
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Noch einmal ein Blick zurück
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Am Breeheimsenter machen wir noch eine Kaffee- und Eis-Pause, stöbern im Souvenirshop und genießen nochmal die Aussicht zum Gletscher

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Blick durch die Dachkonstruktion
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Dann geht es durch das Jostedalen zurück zum Lusterfjord - vorbei an gewagten Brückenkonstruktionen
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Beim Einkaufen fällt mein Blick auf eine Avocado für ca. 9€, was mich kurzfristig auf die Idee bringt, den nächsten Urlaub mit dem Verkauf von Avocados in Norwegen zu finanzieren - "Avocados, der neue Alkohol"


Schließlich erreichen wir Vik Fjordcamping, wo wir schon von Deutschland aus für 3 Nächte eine Hütte reserviert hatten.
Bei Ankunft ist niemand da, nur ein Zettel mit einer Telefonnr. und der Hinweis, in der alten Telefonzelle nebenan die Nummer zu wählen. Es meldet sich der Besitzer, unser Haus sei Nr. 12, Schlüssel läge unter der Matte und er käme dann abends zum kassieren.
So ziehen wir also in unsere Hütte direkt am Fjord ein
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Sehr gemütlich im inneren
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Aber das beste ist der Blick vom Balkon
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Hier lässt es sich ein paar Tage aushalten - aber davon mehr am morgigen Ruhetag

Und hier wieder die Bilder in großer Auflösung
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon syltetoy » Do, 12. Okt 2017, 6:57

Sehr beeindruckende Fotos ....so muss man die Tour nicht selbst machen :wink:
Vielen Dank für die Mühe und den ausführlichen Bericht.
Freue mich auf die nächsten Tage.
syltetoy
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon KaZi » Do, 12. Okt 2017, 9:10

Danke fürs Mitnehmen und die schönen Fotos. :D
Gruß Karsten


http://www.kazis-seite.de
"Optimismus ist, bei Gewitter auf dem höchsten Berg in einer Kupferrüstung zu stehen und »SCHEISS GÖTTER!« zu rufen." (Terry Pratchett)
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon gudrun55 » Do, 12. Okt 2017, 21:27

Weiterhin ein ganz toller Bericht, es macht richtig Spaß ihn zu verfolgen und man hat echt das Gefühl dabei gewesen zu sein!

Vielen Dank dafür! :D
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Voronwe » Fr, 13. Okt 2017, 21:56

Ich habe festgestellt, daß ich hier mit den Daten etwas durcheinander gekommen bin, es aber nicht mehr ändern kann.

Ok, jetzt stimmt der Tag wieder


Tag 7 (20. 8. 2017) - Luster

Ja, wie schon gesagt, für heute war nichts geplant. Kein Hüttenwechsel, kein Ausflug, nichts, einfach in der Hütte bleiben und entspannen.
Von der Straße, die nach am Platz vorbeiführte, war kaum etwas zu hören, der einzige, der Lärm machte, war der Wasserfall auf der anderen Fjordseite
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Immerhin stürzt das Wasser dort 230m in die Tiefe und ist auch auf unserer Seite gut zu hören (ca. 4km entfernt). Wie laut es dann wohl auf der anderen Seite direkt am Fall ist? Oder verstärkt das Wasser als Resonanzkörper den Lärm noch? Wir müssen wohl nochmal nach Luster, um dies zu verifizieren.

Hier mal ein Video von unserem Blick vom Balkon, welches das verdeutlicht.

Das Wetter war morgens noch schön und lud zum Frühstück auf dem Balkon ein
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Beim Frühstück bewundern wir die Wolken, die teils tief im Fjord hängen
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Der Molden beherrscht das westliche Fjordufer (also unseres)
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Während des Frühstücks passiert es: Ein Messer fällt vom Tisch und genau zwischen zwei Holzdielen hindurch. Wir hören es noch mehrmals auf Stein aufprallen, bis es schließlich dicht unter der Wasseroberfläche zwischen den Steinen liegenbleibt.
Mist, jetzt haben wir doch das wohlkomponierte Besteckensemble zerstört (zur Info: keine zwei Besteckteile passten zusammen: Ich habe mal gehört, das wäre typisch für norwegische Privathütten. Wo habe ich das bloß gehört? Ach ja, Ylvis erwähnte so etwas. Wahrscheinlich gibt es bei IKEA Besteck-Mixe speziell für solche Fälle)

Nach den Frühstück waren die Kinder nicht mehr zu halten und wollten unbedingt im Fjord baden
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Währenddessen machten wir uns daran, einmal Wäsche zu waschen. Die Waschmaschine war kein Problem, nur die Trockner stellte mich doch vor gewisse Probleme:
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Dinge, die man im Norwegischkurs nicht lernt. :nixwissen: Die danebenliegende dänische Übersetzung half auch nich weiter (für die Waschmaschine gab es sie auf Englisch), und wir haben zu Hause keinen Trockner.
Ich hab das dann einfach so gelassen und die Wäsche war nach einer Stunde a) trocken und hatte b) noch dieselbe Größe

Es fing dann an zu regnen, ideal um auf dem Sofa zu liegen und etwas zu lesen, und zwischendurch einen kleinen Snack
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Während des Tages konnten wir beobachten, wie das Wasser durch die Ebbe immer weiter sank. Das Messer lag trocken, aber die Steine waren zu rutschig, um es zu erreichen.
Als die Flut wieder einsetzte und das Messer wieder bedeckte wurde eine Rettungsaktion gestartet
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Die Rettungsaktion war erfolgreich
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Abendstimmung
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Und hier die Bilder in voller Auflösung
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Kumulus » Fr, 13. Okt 2017, 22:16

Für mich ist Viki Fjordcamping einer der besten Campingplätze in Sogn og Fjordane.


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(2012)


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(2016)
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon syltetoy » Fr, 13. Okt 2017, 22:24

Bei dieser Aussicht schmeckt das Frühstück gleich noch besser :wink:
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Voronwe » Fr, 13. Okt 2017, 22:30

Kumulus hat geschrieben:Für mich ist Viki Fjordcamping einer der besten Campingplätze in Sogn og Fjordane.

Vor allem mit dem hyperrelaxtem Besitzer: Ja, wenn eine Hütte frei ist, nehmt sie einfach, ich komm dann später vorbei

@syltetoy: Genau, und dazu Brunost mit syltetoy :wink:
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Julindi » Di, 17. Okt 2017, 9:49

Wow, einfach wieder nur schön! Und ganz toll die Tour auf den Gletscher, das würde mir auch gefallen!! (nur sind meine Kinder noch zu klein...) :wink:
Danke :!: :D
Reiseberichte mit Fotos auf http://www.ju-cara.jimdo.com
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Voronwe » Di, 17. Okt 2017, 12:44

Tag 8 (21. 8. 2017) - Austerdalen

Karte der heutigen Tour


Der Morgen begrüßte uns wieder mit Wolken im Fjord, es versprach aber, ein guter Tag zu werden
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Der Plan für heute war also eine Wanderung, und zwar in'S Austerdalen. Seit ich diesen Blogeintrag gelesen hatte, stand das Tal und der dort liegende Gletscher als Ziel fest.
Die Weglänge sollte insgesammt 10km betragen, was als Tagestour doch machbar war. Also Rucksäcke eingepackt, Kocher und Pfanne samt Grillwürstchen und Brötchen verstaut, und los ging es.
Zuerst ein Stop in Gaupne, da ich noch keine Karte von der Gegend hatte. Ohne Karte gehe ich ungern auf Wanderung, und außerdem finde ich Landkarten als solchen faszinierend (vermutlich eine Berufskrankheit, aber eine gutgemachte Landkarte ist ein Kunstwerk für sich - und die norwegischen sind da ziemlich weit vorne).

Allerdings mussten wir noch etwas warten, das der Buchhandel erst um 10:00 aufmachte, dieses doch etwas späte loskommen sollte sich noch als verhängnisvoll erweisen.

Da es heute doch in eine etwas einsame Gegend ging, war erst einmal Tanken angesagt - und wer wollte der Werbung widersprechen?
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Dann ging es auf die enge Nebenstraße in's Veitastrond dalen. Die Tunnel waren einspurig mit Passierplätzen, aber immerhin noch beleuchtet - am Anfang
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Das sollte sich aber ändern, es folgten mehrere längere einspurige Tunnel ohne Licht. Aber immerhin waren die Wände schön weiß gekalkt. Also volle Festbeleuchtung an (Fernlicht + Nebelscheinwerfer) und von Passierplatz zu Passierplatz getastet. Und es kam uns tatsächlich einer entgegen - aber da man immer wußte. wo der Passierplatz war, war das eigentlich kein Problem.
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Ansonsten ging die Fahrt immer am See entlang und schließlich zeigte sich in der Ferne der Jostedalbreen
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Auch hier hinten in diesem Seitental leben Menschen, wir fuhren unter anderem an einem kleinen Lebensmitteladen und einem Kindergarten vorbei. Und Bushaltestellen habe ich auch gesehen - eine Begegnung im Tunnel ist da wohl ein ganz besonderer Spaß.

Schließlich erreichten wir das Ende der befestigten Straße - das letzte Stück ist jetzt eine private Mautstraße. Also im Mauthäuschen 50NOK in den Umschlag gesteckt und im Kasten eingeworfen(was macht man eigentlich, wenn man es nicht passend hat?), die Quittung hinter die Windschutzscheibe gelegt, Kerstin öffnet und schließt das Tor, und weiter geht es.
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Ab jetzt unbefestigt
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Schließlich ist das Ende der Straße erreicht
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Vom Parkplatz aus geht es nun zu Fuß weiter - das Wetter ist leider nicht mehr so sonnig wie am Fjord, aber immerhin trocken
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Es war trocken, das kann man vom Weg allerdings nicht sagen. Er ist steinig und schlammig, und immer wieder sinken die Schuhe ein (Meine Schuhe jubeln schon wieder - diesen Urlaub werden sie richtig gefordert)
Hier zeigt sich die Wichtigkeit von Wanderstöcken - sie geben nicht nur zusätzlich Halt, man kann mit ihnen auch prüfen, wie tief der Schlamm ist
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Allerdings handelt es sich hier um norwegischen Qualitätsschlamm - er ist so flüssig, daß er nicht an den Schuhen hängen bleibt.

Über Stock und Stein geht es weiter
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Für uns alle ist das Gehen hier schwierig, und wir kommen wesentlich langsamer als geplant voran
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Schließlich liegt der weitere Weg vor uns - durch das Tal bis zu kleinen Bergflanke in der Bildmitte - dahinter sollte unser Ziel liegen
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Der Weg wird jetzt besser und vor allem trocken
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Jetzt geht es flach weiter
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An den Seiten geht es steil bergauf - man fühlt sich in der Landschaft ganz klein
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Irgendwie kommt die Flanke nicht näher, es ist immer noch ziemlich weit. Alle sind langsam hungrig und wir müssen den ganzen Weg auch noch zurück
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An dieser Behelfsbrücke fällt schließlich die Entscheidung: Es ist schon spät, wir müssen auch noch den ganzen Weg zurück, und die Kinder sind müde und hungig - hier machen wir Rast und gehen wieder zurück - es hat keinen Sinn, unbedingt etwas zu erzwingen, und schließlich ist ja der Weg das Ziel
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Also wird der Kocher herausgeholt und die Würstchen werden gebraten
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Nach so einer Wanderung schmecken die Würstchen nochmal so gut
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Und ein Tee für alle, aus frischem Gebirgswasser
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Während des Essen glauben wir jemanden mit weißem Shirt auf dem Weg zu sehen, aber es kommt keiner vorbei, obwohl wir direkt am Weg sitzen. Spoocky

Jetzt geht es wieder zurück
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Ein Blick zurück
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Am Weg wachsen schwarze Beeren - Krähenbeeren, und essbar, wie ich später erfahre
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Es waren zwar immer wieder Bäche zu furten, aber den mussten wir glücklicherweise nicht durchqueren
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Ein Herzstein
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Zurück geht es wieder durch den Schlamm - als Trost wachsen am Wegesrand die Blaubeeren, an denen wir uns gütig tun
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Geschafft, wieder zurück am Auto
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Der Nationalpark hätte gerne noch ein paar Fragen
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Am Parkplatz treffen wir auch jemanden mit weißem Shirt - wie sich herraustellte, war er etwas vom Weg abgekommen und daher nicht an uns vorbeigekommen - hat aber die Würstchen gerochen. Als Dank, daß wir uns Sorgen gemacht haben, bietet er ein Bier an (er ist Bayer), welches ich aber mit Verweis auf den Weg zurück dankend ablehne

Noch ein Blick auf den Gletscherfluß
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Und an der Mautstelle vorbei geht es heimwärts
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Auf der Rückfahrt halten wir noch an einem Supermarkt und holen uns ein typisch norwegisches Essen: Pizza Grandiosa. Drei Stück verputzen wir schließlich - eine davon mit Rentierfleisch. Und ich muß sagen, ich hab schon schlechtere Tiefkühlpizza gegessen. Andererseits schmeckt nach einer Wanderung ja alles besser.

Und als Zugabe zum Essen gibt es noch den Wasserfall im Abendlicht
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Und schließlich noch Alpenglühen - oder wie immer es in Norwegen heißt
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Obwohl wir unser eigentliches Ziel nicht erreicht haben, war es doch eine schöne Wanderung. Etwas matschig vielleicht, aber einfache Wege kann ja jeder gehen

Die Bilder in voller Auflösung
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Kumulus » Di, 17. Okt 2017, 13:30

Wahnsinnsschöne Bilder und eine supergute Beschreibung. Das Austerdalen steht bei mir schon seit drei Jahren auf dem Zettel; aber bisher habe ich es nicht geschafft. Also: das Lesezeichen ist gesetzt.

Danke
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon gudrun55 » Di, 17. Okt 2017, 20:30

Sehr schön zu lesen und ganz fantastische Bilder!

Nochmal herzlichen Dank dafür!

liebe Grüße, gudrun55
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Fjellpolo » Di, 17. Okt 2017, 20:45

Ein toller Reisebericht mit wunderschönen Bildern!
Letztes Jahr hatten wir auch überlegt, die Austerdalswanderung zu machen, hatten aber auch Angst vor der Länge - bis zum Gletscher wären wir mit unseren 6- bis 11-jährigen Kindern wahrscheinlich auch nicht gekommen... Aber die Wanderung hätte sich bestimmt trotzdem gelohnt, wenn man eure Fotos sieht! Und ich bin ein bisschen traurig, dass wir nicht wie ihr die Gletschertour auf dem Nigardsbreen gemacht haben! Wer weiß, ob es nochmal möglich ist...
Ich freue mich schon auf die nächsten Tage eures Urlaubs!
Gruß, Claudia
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Re: Mit der Familie über Fjell und Fjord im August 2017

Beitragvon Julindi » Mi, 18. Okt 2017, 8:01

"Norwegischer Qualitätsschlamm" :lol: :rofl: Ich hau mich weg! Den hatte ich auch zur Genüge dieses Jahr :lol:

Herrliche Bilder mit phantastischen Farben, Danke, Danke, Danke!
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