Touristensteuer: Ja oder nein?

Norwegenbezogene Themen, die in keine andere Kategorie passen

Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon Ronald » Do, 27. Jul 2017, 11:14

Moin,
In Norwegen mehren sich offenbar Stimmen, die für die Einführung einer Touristensteuer sind (turistskatt).
Die Zeitung AFTENPOSTEN meint, dass die Touristen viele Gemeinschaftsgüter (fellesgode) in Anspruch nehmen würden:
Wanderwege, Wege, Parkplätze, Toiletten, Abfallbeseitigung, Badeplätze und Rastplätze.

Einerseits sehe ich, dass insbesondere „Anziehungspunkte“ Probleme mit einer Überzahl von Touristen haben, andererseits ich für das Parken fast überall Gebühren bezahle, ich meine Toilettengänge häufig mit Kaffee bezahle (selbst an Tankstellen, wo ich allerdings dieses Jahr mehrfach beobachtet habe, dass sich Norweger rücksichtslos vordrängeln und selbst keinen Kaffee oder sonst was kaufen), meinen Abfall nur dort entsorge, wo ich entsprechend große und nicht überfüllte Abfallbehälter finde.

Dann haben wir auch festgestellt, dass viele Toiletten auf Parkplätzen geschlossen waren, obwohl draußen angeschlagen stand, dass die entsprechende Toilette von Mitte Mai bis Ende Oktober geöffnet sei.

Nun kennen wir ja in Deutschland die Kurtaxe (nur, wenn ich die bestelle, dann kommt die nicht :lol: ) und sind schon sauer, dass man z.B. in Cuxhaven nur für den Blick auf die See (wenn sie denn da ist) Kurtaxe bzw. Strandgebühr bezahlen muss.

Dann lese ich wiederum in einem anderen Artikel, dass Vardø groß Werbung für die schöne Lage, das Vogelschutzgebiet Hornøya und die Umgebung macht, jedoch keinen Stellplatz für Wohnmobile hat, keine Entleerungsmöglichkeit für Wohnmobile usw.

Dann haben wir auf unserer 50-tägigen Reise festgestellt, dass fast überwiegend Wohnmobile aus Norwegen unterwegs waren und nur wenige aus Deutschland, dafür sehr viele aus Frankreich, Italien und den Niederlanden – was allerdings mit den Schulferienzeiten zu tun haben mag.

So, lange Rede, kurzer Sinn: turistskatt – ja eller nei?

Und wenn, dann für alle, auch Norweger?

Würde mich mal interessieren.

Gruß
Ronald
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Re: Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon EuraGerhard » Do, 27. Jul 2017, 14:46

Hallo,

wenn ich mich richtig erinnere, gilt das Diskriminierungsverbot nicht nur innerhalb der EU, sondern auch im EWR. Damit wäre eine turistskatt nur für Ausländer rechtswidrig.

Und ansonsten gilt das Gleiche, was ich auch schon wiederholt in anderem Zusammenhang gesagt habe: Der gesamte "Kuchen" der Tourismuseinnahmen wird nicht größer, nur weil sich ein neuer Akteur, hier der Staat, ein Stück davon abschneidet. Es bleibt lediglich für die bisherigen Akteure weniger übrig.

MfG
Gerhard
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Re: Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon Bjørn » Fr, 28. Jul 2017, 10:52

EuraGerhard hat geschrieben:Hallo,

wenn ich mich richtig erinnere, gilt das Diskriminierungsverbot nicht nur innerhalb der EU, sondern auch im EWR. Damit wäre eine turistskatt nur für Ausländer rechtswidrig.


O.k., Gerhard, dann müssten sich aber auch Mallorca, Malta und auch die Toscana daran halten. Insofern ist deine Argumentation nicht zutreffend. Ansonsten plädiere auch ich gegen eine Erhebung. Norwegen ist per se schon teuer genug. Ich hätte allenfalls Verständnis, falls kleinere Kommunen eine Erhebung erwägten, bei großen fallen infrastrukturelle Investitionen für Turis ohnehin nicht so ins Gewicht.

Aftenposten und NRK sind übrigens für eine Abgabe.
Vennlig hilsenBild
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Re: Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon EuraGerhard » Fr, 28. Jul 2017, 13:36

Bjørn hat geschrieben:... dann müssten sich aber auch Mallorca, Malta und auch die Toscana daran halten. Insofern ist deine Argumentation nicht zutreffend.

Tun sie ja auch: Auf Mallorca, spanisches Hoheitsgebiet, müssen auch spanische Touristen die Steuer bezahlen, genauso wie in der Toscana, italienisches Hoheitsgebiet, auch die italienischen Touristen zahlen müssen. Und auch Malteser, die auf einer ihrer Inseln in einem Hotel o.ä. übernachten, müssen blechen.

Insofern ist meine Argumentation sehr wohl zutreffend. Ich bin mir nur nicht hundertprozentig sicher, ob das Diskriminierungsverbot so streng auch im EWR gilt, oder nur innerhalb der eigentlichen EU.

MfG
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Re: Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon Rapakiwi » Fr, 28. Jul 2017, 15:34

Es ist ein bisschen schwierig, als deutsche Touristin über dieses Thema zu diskutieren, aber ich versuche einmal, mich vorsichtig zu nähern. :D

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass bereitgestellte Infrastruktur auch bezahlt werden sollte. Das trifft zum Beispiel auf Parkplätze zu (nicht nur in Norwegen, auch bspw. in deutschen Städten). Oder Kurtaxe: Da ich an der Ostseeküste groß geworden bin, weiß ich, wie Strände im Winter aussehen und welcher Aufwand teilweise getrieben wird, diese wieder in einen erfreulichen Zustand zu versetzen. Aufwandsgebundene Abgaben gehen insofern für mich erst einmal in Ordnung. In Niedersachsen hab ich neulich ein Schild an einem Parkplatz gesehen, dass die Parkgebühren direkt für die Pflege des dazugehörigen Naturschutzgebiets genommen werden. In solchen Fällen zahle ich gern.

In einem zweiten Schritt sollte geguckt werden, weshalb dieser Aufwand (Errichtung einer Parkfläche) getrieben wird. Für die Norweger hat der Tourismus eine steigende wirtschaftliche Bedeutung.
http://www.destinet.de/strategie/3258-n ... ve-zum-oel
Insofern ist eine Parkfläche oder eine sanitäre Anlage nicht isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenhang. Infrastruktur für den Tourismus könnte auch aus anderen Töpfen finanziert werden, da dadurch zum Beispiel Arbeitsplätze entstehen.

Schwieriger wird eine Abgabe, deren Verwendung nicht nachvollziehbar ist und womöglich dazu dient, andere Löcher zu stopfen. Darunter würde die Akzeptanz einer solchen Abgabe natürlich leiden. Ich habe leider keine weiteren Infos, wie die Norweger sich eine mögliche Touristen-Abgabe vorstellen.

Wenn ein Land nun grundsätzlich schon einmal ein teureres Urlaubsland ist, kann sich eine solche zusätzliche Abgabe natürlich kontraproduktiv auswirken. Ich könnte mir schon vorstellen, dass manch Tourist dann im nächsten Jahr vielleicht Schweden ansteuern würde - so wie einige ehemalige Dänemark-Urlauber mit Hund jetzt eher in die Niederlande fahren, weil die Hundegesetzgebung dort freundlicher ist.

Wenn die Norweger sich aus welchen Gründen auch immer für eine Tourismusabgabe entscheiden, sollte sie natürlich für alle gelten. In einer Spezialausgabe des "Ukeblad" mit Namen "Norgesferie" habe ich gelesen, dass 6 von 10 Norwegern Urlaub im eigenen Land machen (mit 47 % die meisten übrigens im Østlandet), von denen wiederum 7 von 10 mit dem Auto unterwegs sind.

Interessantes Thema. Mal gucken, ob ich einen aktuellen Bericht dazu im nächsten Urlaub finde.
Ha det bra
Anja
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Re: Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon Ronald » Sa, 29. Jul 2017, 10:42

Moin,
@ Anja
Ich stimme Deiner Meinung zu, meine allerdings, dass sich der "echte Norwegen-Urlauber/-Freund" sich von solch einer Abgabe nicht abhalten lässt.
Schönes Wochenende.
Gruß
Ronald
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Re: Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon Ronald » Sa, 29. Jul 2017, 17:36

Moin,
hier ist noch ein Artikel über die Frage Touristensteuer ja oder nein und nicht geöffnete Toiletten

http://www.newsinenglish.no/2017/07/26/ ... t-trouble/

Allerdings mussten wir insbesondere in Nord-Nordland und in der Finnmark feststellen, dass viele Toiletten, entgegen dem Anschlag nicht geöffnet waren. Auch die Sauberkeit ließ dieses Mal zu wünschen übrig, so dass wir häufig die Tankstellen aufsuchten.

Gruß
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Re: Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon fjellnorge » Mo, 07. Aug 2017, 15:04

Hei!

Ich bin absolut gegen eine solche Steuer - gleich, ob nun nur für nichtnorwegische Touristen oder alle.
Erinnert mich irgendwie an die von der CSU angestrengte PKW-Maut...

Weshalb bleibt nicht das kostenfrei, was einmal für die Allgemeinheit vorgesehen war?
In deutschen Städten kann man kaum noch ohne Gebühren parken (Kfz-Steuer?), in den insbesondere deutschen Ostsee-Kommunen ist es noch verrückter: Es scheint, als ob die Gemeinden "über Nacht" mehr als nur reich werden wollen (parken auf dem Acker umzäunt = 5 Teuronen). Ließe sich beliebig fortsetzen.

Im Grunde genommen alles Ergebnis über eine seit Jahrzehnten fortgesetzt verfehlte Politik.

Auf der anderen Seite ist der Staat (Politik) aber schnell bereit, zig Millionen mit einem Augenschlag auszugeben. Stichwort Militär, Krieg...
Leider trifft das in den letzten Jahren auch für Norwegen zu. Um Geld zu sparen, werden fylke zusammengelegt, Krankenhäuser in der Fläche zugunsten von "zentren" geschlossen. Auf der anderen Seite kauft man sich eine ganze Reihe von F 35, baut Stollen aus, damit die USA schweres Gerät, Munition und dergleich gg. Russland einlagern können etc. pp.
Von Deutschland ganz zu schweigen...
Geld kann man nur ein Mal ausgeben und so erhalten die norwegischen kommunen von zentraler Stelle eben für bestimmte Aufgaben oder Projekte weniger oder gar kein Geld.
Ergo, das Geld fehlt direkt oder indirekt den Kommunen bzw. den Bürgern, die dann nicht mehr vollumfänglich oder gar nicht die Leistungen erhalten, die sie einmal bei Einführung der Steuer "versprochen" bekommen haben. Wir gewöhnen uns alles immer mehr an diesen Zustand und mosern nicht einmal mehr, wenn eine nur vorübergehend eingeführte Steuer (Soli) dann wohl für immer uns begleiten wird.

Nach diesem Prinzip wird das Geld knapp, auch in den norwegischen Kommunen. Lösung: Nach neuen Einnahmequellen suchen und finden.

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Re: Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon Bernd » Di, 08. Aug 2017, 0:49

@ fjellnorge
...schreibst mir ein Stück aus der Seele...
Danke dafür,
möge es zum Nachdenken anregen !

Hilsen fra Berlin
Es ist nicht genug, daß man verstehe, der Natur Daumenschrauben anzulegen;
man muß auch verstehen können, wenn sie aussagt.
(Arthur Schopenhauer)
Bernd
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Re: Touristensteuer: Ja oder nein?

Beitragvon Sápmi » Sa, 12. Aug 2017, 9:58

Ich stimme fjellnorge ebenfalls zu.
Wo soll das denn noch hinführen? Zahlen für die Nutzung von Wanderwegen? Wieso nicht auch gleich für frische Luft? :wink:
Natürlich nutzt man als ausländischer Touri bestimmte Dinge, die kostenlos zur Verfügung gestellt werden, aber zum einen sind das nicht (mehr) viele, zum anderen kommt man ja erst gar nicht in den Genuss dieser Nutzung, ohne anderweitig Geld im Land zu lassen.
Wenn jetzt noch so eine zusätzliche Abgabe dazukommen sollte, würde das nur den Ruf Norwegens als Urlaubsland schädigen.
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