„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Schweden, Finnland, Svalbard, ...

Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Kumulus » So, 04. Feb 2018, 18:36

Wow !!! Ich kann die gigantischen Ausmaße der Felsen und Eisberge nur vermuten und denke, einen vollständigen Eindruck kann man nur - wie ihr - vor Ort auf solch einer Expedition erreichen.

Danke
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Kumulus
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Mo, 05. Feb 2018, 11:52

Moin,
so langsam „arbeite“ ich mich dem Ende zu. Aber noch sind es ja 5 Tage, bis wir in Reykjavik ankommen. Und das „Nachprogramm“ haben wir ja auch noch gemacht für einen Tag.

@ Matthias: Als Du die FRAM in Grundafjörđur fotografiert hattest, war sie bereits wieder auf der Rückreise nach Longyearbyen. Leider hatten die Passagiere auf der nordgehenden Reise nicht annähernd so gutes Wetter wie wir.

@ Uwe: Mit dem Aufstehen und Zubettgehen machen wir das in Arbeitsteilung. Ich kann oft nicht in die Koje finden und meine Frau ist morgens früh raus. Deswegen die tollen Aufnahmen von ihr.

@ Christina: Es kommen jetzt noch einige schöne und faszinierende Eisgebilde. Aber es dauert eben ein bisschen, bis man die entsprechenden Informationen zusammen hat. – Und Nebel werden wir auch noch bekommen.
Und wer von Felsformationen fasziniert und an Gesteinsschichten interessiert ist, der findet hier unheimlich toll geschriebene Informationen über Spitzbergen und Jan Mayen:
https://www.spitzbergen.de/rolf-stange-de.html
Gruß
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„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Mi, 07. Feb 2018, 17:42

„There is lots of ice!“
Nordostgrönland – Expedition Nordmeer 2015
Sonnabend, 5. September – Teil 1 - Mestersvig – Treibeis und Nebelbogen - Eisbäralarm


Es war ruhig. Kein Maschinengeräusch war zu hören, die Dank des diesel-elektrischen Antriebs ohnehin kaum zu hören waren. Auch kein Wellengeplätscher. Aber Farbe war zu sehen um 05.30 Uhr. Dieses Mal war ich aufgestanden, schnell Hose und Fleece-Jacke an und raus an Deck, um die Morgenstimmung einzufangen.

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Meine Frau hatte den Tagesanbruch so erlebt:

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Mestersvig

„Genug geträumt. Es ist 7 Uhr und erneut ein Bilderbuchmorgen. Es hält mich nicht im Bett. Ich gehe an Deck. Wir befinden uns in Mestersvig. Majestätisch und still liegt die imposante Bergkulisse vor mir. Schneebedeckte Riesen spiegeln sich im ruhigen Wasser, von der Sonne in rot-braunes Licht getaucht. Über dem Wasser liegt noch etwas Dunst, keine Welle kräuselt die Oberfläche. Nein, es ist noch nicht genug geträumt. Es geht schon wieder los. Ich kann nicht anders.“


Und dies waren ihre weiteren Eindrücke vom Morgen.

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Mestersvig Blick auf Nyhavn

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Das waren die Fotos meiner Frau.

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Wieder begann der Tag mit Sonnenschein und spiegelglatter See. Wir lagen in der Bucht Mestersvig vor der ehemaligen Siedlung Nyhavn.

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Korsberg .1052 m (links) Hestekoen 1.100 m (rechts

Im Sommer 1948 wurden von Geologen einer Expedition Hinweise auf Blei und Zink gefunden. Zwischen 1948 und 1951 waren 20 Bergbauspezialisten vor Ort, um die Abbaumöglichkeiten zu prüfen. 1952 erhielt die Northern Mining Corporation (Nordmine) Schürfrechte für 50 Jahre und im selben Jahr wurde ein Bergbaucamp eingerichtet und der Ort Minebyen wurde um den „Hafen“ Nyhavn erweitert, von wo aus zuletzt 1961 534 Tonnen von Blei- und Zinkerzen abgebaut wurden. Die Preise für diese Erze verfielen aber rapide, so dass der Bergbau eingestellt wurde. Ja, und die Überbleibsel konnten wir dann auf unserem Landgang „bewundern“. Lediglich die Häuser wurden abgebaut, der Rest liegt nunmehr auf dem Schrottplatz Nyhavn.

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Alte Transportschuten. Diese Schuten brachten die Erzpaletten an ein in der Bucht ankerndes Schiff, wo sie dann mit bordeigenem Ladegeschirr übernommen wurden.

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Ein altes Schleppboot


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Noch ein Arbeitsboot. Am Propeller kann man den Eisschutz erkennen.

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Ein Bagger aus Deutschland

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Reste des Verschiffungshafens

Der Flugplatz Mestersvig wurde von der Dänischen Zivilluftfahrtverwaltung zur selben Zeit eingerichtet, als Minebyen expandierte. Er wurde 1952 in Betrieb genommen. Alles war zu Beginn mehr als spartanisch. Erst Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre wurden Erweiterungen vorgenommen, z.B. der Bau von neuen Wohnhäusern für die Flugzeugbesatzungen eines Wasserflugzeugs und anderer Flugzeuge. Hier wurde die seinerzeit sehr geschätzte, weil robuste, DC-3 von Island aus eingesetzt. Das Flugfeld wird heute noch für staatliche und wissenschaftliche Untersuchungen als auch sportliche Expeditionen erhalten.

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Auch „Übernachtungsmöglichkeiten“ gibt es noch. Hier sogar mit windgeschützter Terrasse.

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Es zeigte sich, dass der Winter nicht mehr weit weg war.

In Mestersvig sind im Sommer zwei Mitglieder der Sirius Patrouille stationiert, die sich natürlich über den Besuch der FRAM und den frischen Proviant wie Obst und Gemüse als auch die Einladung zum Mittagsbuffet freuten.

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Ebenso freute sich der Husky mal andere Menschen zu sehen, denn er wuselte ganz aufgeregt zwischen den Beinen der Blaumeisen hin und her.

Noch ein Blick über den Kong Oscar Fjord zur anderen Seite auf die bis zu 1.376 m hohen Svinhufvuds Bjerge auf Traill Ø bevor es zum Schiff zurückging. Vom Schiff kam die Meldung an das Expeditionsteam an Land, dass wir doch früher als geplant Nyhavn verlassen mussten, weil sich wieder ein dichter und dicker Treibeisgürtel bildete.
Aber vorher musste ich mir natürlich noch einen Aufnäher von Mestersvig für den „Angeber-Foto-Rucksack“ kaufen, ebenso wie eine kuschelig-warme Fleece-Mütze mit der Aufschrift „Mestersvig“. Wer angibt hat mehr vom Leben?

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Svinhufvuds Bjerge

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Auf diesem Foto konnte man sehen, wie weit das Schiff draußen im Fjord lag, denn die flachen Untiefen erstreckten sich weit in den Fjord hinein.

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Auf dieser Aufzeichnung ist deutlich zu sehen, wie weit die FRAM am 2. September in die Grönlandsee fahren musste, um den Treib- und Packeisgürtel zu umfahren.

Um 12.00 Uhr verließen wir Mestersvig und fuhren mit langsamer Fahrt bei herrlichstem Wetter und tollen Aus- und Ansichten durch den Kong Oscar Fjord und dessen Ausgang Davy Sund.

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Pictet Bjerge mit dem Snevæggen (rechts)

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Und immer wieder trieben skurrile Eisskulpturen an uns vorbei. Es sollten noch mehr werden.

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Es bildete sich ein leichter Dunstschleier über dem Wasser in Ufernähe.

[url=http://abload.de/image.php?img=img_4660-4664-[url=http://abload.de/image.php?img=img_4660-4664-ralperkmzsw0.jpg]Bild[/url]

Wieder bot sich ein Panoramablick auf die mit Eis und Neuschnee bedeckten Berge mit dem 2.028 m hohen Tårnfjeld (rechts) und dem Bersærkergletscher in der Mitte.

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Dunvegon Toppene 1.894 m

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Es war jetzt kurz nach 12.00 Uhr und die Sonne spiegelte sich im glatten Wasser des Kong Oscar Fjords.

Langsam verabschiedeten wir uns von dem Bergmassiv der Stauning Alper.

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Hatten wir ja lange nicht – Treibeisschollen.

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An Backbord lag das mächtige Massiv der Japetus Bjerge auf Traill Ø.

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Wir trauten unseren Augen nicht: Snoopy schob eine Eisscholle vor sich her.

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Auch andere „Vögel“ waren zu erkennen.

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Pictet Bjerge

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Durch das langsame Dahingleiten der FRAM ergaben sich wunderschöne Wellenformationen. Dieses hängt nunmehr als Foto auf Acryl als Hintergrundabdeckung in unserem Gäste–WC.

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„Ice Art“

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Und diese Möwe hatte sich diese Scholle als Zwischenlandungsplatz ausgesucht.

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Wir entdeckten Basaltsäulen am Davy Sund.

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Und die „Eisschollen“ wurden mächtiger.

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Ein mächtiger „Eistisch“ treibt im Davy Sund. Er hatte vier vertikale knallblaue Glaseisstreifen, ein Zeichen, dass dieser Bereich besonders starker Pressung im Gletscher ausgesetzt gewesen war, der die Luftblasen herausgepresst hatte.

Ach ja, gegessen hatten wir noch schnell vor unserer Abfahrt von Nyhavn, denn bei dieser spektakulären Natur ist das Essen absolute Nebensache – obwohl, es gibt ja auch Passagiere, die das Essen ja auch bezahlt hatten und es nun ausnutzen wollten ….

Jetzt lasse ich mal kurz eine Anekdote von meiner Frau erzählen:
„Gerade befinden wir uns in der Nähe der Rezeption, als wir mitbekommen, wie in Mitreisender versucht, Auskunft über die Rückreise zu bekommen. Vergeblich hat er seinen Namen auf der Liste gesucht und sagt nun zu Erman, dem Rezeptionisten, „… We have booked bei our Reisebüro ...“ So ähnlich geht es auch weiter. Ja, ich weiß, nicht jeder kann perfekt Englisch, trotzdem können wir uns ein Grinsen nicht verkneifen. Erman versucht nach Kräften, das Englisch-Deutsch-Kauderwelsch zu verstehen, und gibt den Rat, noch einmal auf der Liste nachzusehen. Und siehe da, lesen hilft! Zufrieden zieht der Mann von dannen. „

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Die Sonne schien herrlich und es war auch gar nicht so kalt, wenn man die entsprechende Kleidung hatte. Dann konnte man die ganze Zeit auf der Back an unserem „Arbeitsplatz“ verbringen. Ab und zu holte einer von uns Kaffee im Thermobecher. Dazu etwas Schokolade und dann die Aussicht – was wollte man mehr?

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Funkelnde Sonnensterne im Wasser.

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Zweijähriges Eis mit einem Pfannkucheneis-Pool in der Mitte im Davy Sund.

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Das Treibeis wurde dichter.

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Eine nicht enden wollende Eiswüste. Am Horizont deutete sich Nebel an.

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Und immer wieder diese faszinierenden Farben!

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In den Werner Bjergen entdeckten wir im Hintergrund den Siriusgletscher.

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Unser erster Anlandungsplatz Antarctic Havn am 2. September abends, den wir nun passierten

Und plötzlich wurde es spannend!

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Eisbärspuren!!! Man konnte die Abdrücke der riesigen Pfoten gut sehen.

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Und noch mehr Spuren! Ein Einzelgänger.

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Und hier hatte wohl das Festmahl des Eisbären stattgefunden!

Ob wir wohl noch auf einen Eisbären treffen würden? Es war spannend – und so blieben wir dann ja auch an Deck und mit dem Fernglas immer wieder das Eis absuchend.

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Die FRAM musste sich immer mehr durch das zunehmend dichter werdende Eis schlängeln. Sie fuhr – angeleitet von den Ausguckposten auf der Brücke – einen richtigen Zick-Zack-Kurs.

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Wir konnten uns von den Farben einfach nicht trennen.

Mittlerweile waren wir am Ausgang des Davy Sunds angekommen und sahen an unserer Steuerbordseite die Arhus Bugt mit dem Bowen Bjerg und einem nicht benannten Gletscher.

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Kap Wardlow - Davy Sund

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Es ergaben sich auch tolle Sonnenspiegelungen, wie hier.

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Eine große Eisscholle trieb vorbei, auf der man den Schatten des Bugs der FRAM sehen konnte. Und auch der Fotograf war zu erkennen.

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Wir entfernten uns nun von der Küste

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und fuhren dem Nebel entgegen.

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Weiter draußen auf See zog wieder ein großer Tafeleisberg seine Bahn.

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Und immer wieder andere Skulpturen.

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Eiszähne

[url=http://abload.de/image.php?img=img_4842-ricicles-sk-[url=http://abload.de/image.php?img=img_4842-ricicles-sk-wmufq.jpg]Bild[/url]

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Und erneut Eisbärenspuren! Der Bursche musste doch wohl irgendwo stecken!

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Und hier sah man sie noch deutlicher.

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Es hatte sich neues Pfannkucheneis gebildet – es wurde also kälter!

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Immer noch vor der Arhus Bugt.

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Wieder ein Tafeleisberg vor der Arhus Bugt.

Plötzlich sahen wir etwas Seltsames:

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Dicht über der Wasseroberfläche zog ein Eissturmvogel seine Bahn und ein Nebelbogen hatte sich gebildet. Eigentlich ist ein Nebelbogen ein weißer Bogen. Dieser aber war farbig. Und wir hatten doch keinen Regen! Es konnte also nur etwas mit der Größe der Nebeltropfen zu tun haben. Und man muss auch mit dem Rücken zur Sonne vor dem Nebel stehen, da sonst der Nebel zu viel Licht wegnimmt.

Irgendwie wurde es wieder mystisch und unheimlich, durch die treibenden Eisschollen im Nebel zu fahren.

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Und wieder deutete sich ein Nebelbogen an.

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Dieses Mal ist der Nebelbogen erkenntlich weißer.

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Und hier ist er richtig zu erkennen, der Nebelbogen.

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Und wieder Eisbärspuren! Es wurde richtig spannend ob und wann er denn nun auftauchen würde, der König der Arktis.

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Jetzt schien es etwas aufzuklaren.

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Und DANN WAR ER DA:

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Der König der Arktis.

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Im funkelnden Sonnenlicht

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Ein Eissturmvogel zog an ihm vorbei – was ihn nicht sonderlich interessierte. Dieses Fleisch stand nicht auf seinem Speiseplan.

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Auch das Schiff schien ihm kein lohnender „Angriffspunkt“ zu sein: Zu groß, zu rot, zu schwarz.

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Ab in das Wasser.

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Platsch – weg war er.

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Noch einmal das Wasser aus dem Kopf geschüttelt

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… und ab die Post – ähhh, der Eisbär.

War er das nun, der Herrscher oder der König der Arktis? Oder war das nur sein kleinerer Bruder? Immerhin mussten wir von den ersten Spuren um 14.13 Uhr bis 18.29 Uhr, also vier-ein-viertel Stunden auf ihn warten. Und jetzt kann man nur ein ganz kleines bisschen erahnen, welche Geduld die professionellen Tierfotografen aufbringen müssen.

Mal sehen, was sonst noch kam an diesem Tag. Immerhin war es schon 18.30 Uhr.

Fortsetzung folgt.

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„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Do, 08. Feb 2018, 11:48

„There is lots of ice!“
Nordostgrönland – Expedition Nordmeer 2015
Sonnabend, 5. September – Teil 2 – Noch einmal Eisbäralarm – Tschüss Nationalpark


Es dauerte keine 20 Minuten bis der nächste Eisbär aus einer anderen Richtung angeschwommen kam.

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Ich hatte irgendwo gelesen, dass Eisbären einen ausgeprägt guten Geruchsinn haben sollen. Bei weiteren Recherchen las ich nun, dass Eisbären sogar einen toten Wal in einer Entfernung von 30 km und Robben sogar unter Wasser riechen können. Das erklärt dann auch so das eine oder andere Foto. Dieser Bursche hatte es wohl auf das leckere philippinische Büffet abgesehen, denn das ganze Schiff duftete nach diesen Speisen. Daher also die, wie es heute so schön heißt, „zielorientierte“ Anreise. Begleitet wurde er dabei von einem Eissturmvogel.

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Hier schien es, als würde er schon vom Festmahl träumen.

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Immer dichter kam er heran.

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Auf diesen Fotos konnte man sehr gut erkennen, dass der Eisbär mit seinen Vordertatzen, die mit Schwimmhäuten ausgebildet sind, schwimmt und die Hintertatzen gewissermaßen als Ruder benutzt.

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Jetzt schwamm er direkt neben dem Schiff unter uns, dann um den Bug zur anderen Seite. Immer wieder schaute er nach oben, als ob er einen Zugang suchen würde.

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Dann eben nicht, schien er sich zu sagen und schwamm zur nächsten Eisscholle.

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Dort robbte er über die Scholle, wohl auch um das Wasser aus seinem Fell zu pressen, damit dies beim nächsten „Schwimmgang“ wieder eine hervorragende Isolation bieten würde.

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Nun schien er irgendwas zu riechen. Wie geschrieben, Eisbären können Robben unter Wasser riechen. Und das schien auch der Grund für sein „Schauspiel“ uns gegenüber zu sein.

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Noch einmal das Wasser aus dem Fell schütteln.

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Und dann ging es wieder weiter in einer Rinne über die Eisscholle.

Wir vermuteten, dass sich eine Robbe unter der Eisscholle aufhielt.

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Da liegt doch was in der Luft?

Jetzt aber war erst einmal „Showtime“ angesagt.

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Irgendwo musste die Robbe doch sein!

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Dann eben nicht, liebe Robbe.

Nach Auffassung des Expeditionsleiters war es jetzt auch angebracht, dem Eisbären keinen weiteren Stress durch ein anwesendes „großes Gebilde“, das nur roch und dass man nicht fressen konnte, zu verursachen und so entfernte sich die FRAM mit ihren größtenteils sprachlosen und ehrfürchtigen Passagieren von diesem grandiosen Naturschauspiel, das über eine halbe Stunde dauerte.

Ich war froh, dass ich mein 400 mm-Teleobjektiv so richtig einsetzen konnte!

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Jetzt wurde es langsam Zeit, das abendliche Büffet zu genießen um anschließend Abschied vom Nationalpark Nord-Ost Grönland zu nehmen – bei wieder spektakulären Farben und Stimmungen.

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Im Hintergrund Cunning Land und Carlsberg Fjord

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Die Berge von Liverpool Land

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Tschüss – Kong Oscar Fjord und Nationalpark!

Morgen sollten wir Ittoqqortoormiit erreichen, was in der Inuit-Sprache so viel heißt wie „der Ort mit den vielen Häusern.“

Fortsetzung folgt.

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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon inesmstaedt » Do, 08. Feb 2018, 15:42

Ronald,

das war megaspannend, das Warten auf den/die Eisbären! :lol:
Und dann die beeindruckenden Bärenbilder und die herrlichen Eisfotos und die mit den herrlichen Sonnenauf- und -untergangsfarben; die kann ich mir stundenlang angucken. :D Und die anderen auch, man weiß gar nicht, wovon man am meisten schwärmen soll....
LG Ines
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„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Do, 08. Feb 2018, 17:27

„There is lots of ice!“
Nordostgrönland – Expedition Nordmeer 2015
Sonntag, 6. September – Ittoqqortoormiit/Scoresbysund – Tschüss Grönland


Morgens um 09.00 Uhr lag die FRAM – dieses Mal wirklich – zu Anker in der Rosenvinges Bugt vor dem Ort Ittoqqortoormiit in der Inuit-Sprache und Scoresbysund in Dänisch.

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Auf dem Monitor konnten wir sehen, welche Kurse die FRAM in der Nacht gefahren war, um Treibeis oder Eisbergen auszuweichen – wir haben gut geschlafen!

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Scoresbysund wurde 1822 von dem englischen Walfänger William Scoresby jr. kartiert. Seitdem zog es immer mehr Walfänger an die Küsten von Nord-Ost Grönland. Zu jener Zeit war dieses Gebiet Niemandsland. 1911 hatte ein Beamter der dänischen Verwaltung den Plan, in Ostgrönland eine Siedlung zu schaffen, da die Jagdreviere im Westen der Insel für die Ernährung der dort lebenden Inuit kaum noch ausreichten. Der Plan wurde aber erst 1924 umgesetzt auf Anregung von Einar Mikkelsen, einem dänischen Polarforscher. Dänemark wollte so seine territorialen Ansprüche um- und durchsetzen. Norwegen protestierte dagegen. Dennoch wurde die Siedlung gegründet. 84 Menschen von der Westküste Grönlands wollten diesen Ort besiedeln. Während eines Stopps des Schiffes in Ísafjörđur zur Aufnahme von Island-Pferden, starben jedoch 14 Menschen, so dass nur 80 in Ittoqqortoormiit ankamen. Heute leben in der „Stadt“ Ittoqqortoormiit und den beiden Dörfern Ittaajimmiit und Uunarteq insgesamt ca. 500 Menschen.

Mehr zur Gründung von Scoresbysund und Einar Mikkelsen ist hier zu lesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ejnar_Mikkelsen

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Einar Mikkelsen – der Gründer von Scoresbysund

Hauterwerbszweige sind die Jagd nach Robben, Walrossen, Narwale, Eisbären und Moschusochsen. Damit wird die eigene Ernährung sichergestellt als auch Fleisch nach Westgrönland verkauft. Ebenso werden aus den Fellen Kleidungsstücke und Schuhe gefertigt. Aus den Knochen und auch aus den Fellen werden Souvenirs gefertigt – siehe weiter unten.

Das westliche oder sog. „zivilisierte“ Gutmenschendenken über die Robbenjagd, zunächst in Kanada und Nordamerika, später auch in Grönland, hat zu verheerenden Folgen für die Jägerfamilien der Bevölkerung von Ittoqqortoormiit geführt und damit für die Gemeinde gesamt. Jäger bejagen zwar weiterhin Robben, können aber die Felle nicht mehr verkaufen, weil kein Markt mehr vorhanden ist. Die Folgen konnten wir selbst in Ittoqqortoormiit wahrnehmen: Arbeitslosigkeit, Armut, leere Bierdosen, wohin man auch sah und Häuser von geringem Standard.

Aber nun schauten wir uns erst einmal Ittoqqortoormiit an und fuhren bereits um 09.10 Uhr an Land.

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Ittoqqortoormiit

Hier wurden wir von einem freundlich lächelnden Polizisten empfangen, der als „Grenzschützer“ fungierte und seine rollende Grenzschutzstelle geöffnet hatte, um uns einen Stempel in den Reisepass zu geben.

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Wir merkten, dass wir in der „Zivilisation“ zurück waren, denn unablässig rauschten Pick-ups und Quads mit einer affenartigen Geschwindigkeit an uns vorbei in Richtung Hafen.

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Hier wurden nämlich vom Expeditionsteam der FRAM große Berge Säcke an Land abgeladen.

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Sie beinhalteten Kleidung, Spielzeug und andere Güter, die während eines Jahres in Longyearbyen für die Bewohner von Ittoqqortoormiit gesammelt und mit der FRAM hierher gebracht wurden. Die Einwohner hatten wohl schon sehnsüchtig darauf gewartet, denn Schiffe kommen nur zwischen Juli und September hier an. Ansonsten ist das Meer zugefroren und die Versorgung erfolgt per Helikopter.

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Die Versorgung der Grönländer an allen Orten, die mit dem Schiff zugänglich sind, erfolgt durch die von der grönländischen Regierung konzessionierte Reederei Royal Arctic Line A/S. Diese transportiert sämtliche Schiffsladungen nach und von Grönland sowie zwischen den grönländischen Orten.

Hier kann man mehr erfahren:
http://www.royalarcticline.com/about-us/

So konnte ich der Web-Seite von Royal Arctic entnehmen, dass das einzige Schiff, dass in diesem Jahr Ittoqqortoormiit anläuft, die MALIK ARCTICA sein wird, die vom 4. August 2018, 07.00 Uhr, bis 08. August 2018, 21.00 Uhr, dort liegen wird.

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Versorgung: Steffen Biersack und andere Mitglieder des Expeditionsteams hatten uns eindringlich darauf hingewiesen, doch bitte KEINE Einkäufe im einzigen Supermarkt des Ortes zu tätigen, eben weil man sonst die Versorgung der Einwohner gefährdet. Ob sich alle daran gehalten haben, wussten wir nicht – wir hofften es.

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Die Kirche in Ittoqqortoormiit

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Es war Sonntag und der grönländische Wimpel wehte vor der Kirche

Kirche: Es war Sonntag und in der kleinen Kirche wurde um 10.00 Uhr ein Gottesdienst abgehalten. So bat man uns auch so lange mit der Besichtigung der Kirche zu warten, bis der Gottesdienst vorbei war. Um auch sicherzugehen, dass kein Passagier den Gottesdienst stören könnte, postierte sich ein Expeditionsteammitglied vor der Kirchentür. Dennoch waren einige Passagiere „bass erstaunt“, dass man erst das Ende des Gottesdienstes abwarten sollte. Na ja, nun denn! Den Instruktionen an Bord zuhören, könnte helfen.

Es gab auch einen kleinen Souvenir-Shop, in dem lokale Produkte verkauft wurden. Das sollten wir nutzen, meinte Steffen. Und wir nutzten es, indem wir für die Enkel einen aus Seehundfell hergestellten bunten Fellball kauften, genau richtig für die Kleinen. Um aber auch das Fell in Festlandeuropa einführen zu können, brauchten wir ein Zertifikat, dass der Artikel der EU-Regulation 1007/2009 Artikel 3 Paragraph 1 entsprach, wonach alle Produkte von Schülern der Piareersarfik Schule in Scoresbysund hergestellt wurden.

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Der Shop der Schule. In dieser Schule werden junge Erwachsene weitergebildet, die möglichst gut ausgebildet dem grönländischen Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt werden können.

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Hier wurden die Touristen erwartet, die in den Sommermonaten auch zum Unterhalt der Bevölkerung beitragen. In diesem Souvenir-Shop sind wir dann auch unsere Postkarten für liebe Leute Zuhause losgeworden – aber auch an uns hatten wir eine adressiert.

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Diese Hundeschlitten warten auf den Winter bzw. auf Schnee.

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Genauso wie diese Huskies, die allerdings nicht so schmusig waren, wie die in Mestersvig. Diese waren richtige „Arbeitstiere“

Und wenn man in Grönland unterwegs ist, ist diese Ausrüstung im wahrsten Sinne des Wortes „überlebenswichtig“, entweder zur Abwehr von Gefahren oder eben zum Broterwerb.

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Im Supermarkt, in der Schule oder im Souvenirshop sowie in der Kirche kann man dann seine Waffe wegschließen – anders als in einem bestimmten Land dieser Welt.

Viel gab es nicht zu sehen entlang der einzigen Hauptstraße, die keinen Namen trägt. Hier wurden alle Häuser mit Nummern bezeichnet.

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Nicht gerade sehr große Reihenhäuser.

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Ein Haustier.

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Hier wurde das Fell eines erlegten Eisbären getrocknet.

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Blick über den Scoresbysund auf die andere Seite, die Volquart Boons Kyst

Nachdem wir auch noch das kleine lokale Museum angesehen hatten, kehrten wir rund zwei Stunden später, zum Schiff zurück und damit auch leider Grönland den Rücken zu.

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Tschüss, Ittoqqortoormiit

Zur Mittagszeit erfolgte die Abfahrt von Ittoqqortoormiit und wir segelten aus dem Scoresby Sund an Kap Brewster vorbei in Richtung Isafjörđur, vorbei an riesigen Eisbergen, die aus dem größten und längsten Fjordsystem der Welt, dem Kangertittivaq bzw. Scoresby Sund, in Richtung Grönlandsee und Nordatlantik trieben.

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Nebel zog auf, was eine Schweizerin veranlasste zu bemerken: „Schau einmal, es wird ja so wolkig.“

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Aufkommender Seenebel lässt wieder eine mystische Stimmung erzeugen.

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Am Kap Brewster

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Eisberge im Nebel

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Eisberg vor der Nebelwand vor der Savoia Halvø

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Kaum zu erkennen, der Eisberg im Nebel – deshalb so gefährlich.

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Und mit diesem Koloss verabschiedeten wir uns endgültig von Grönland.

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Kap Brewster

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Durch eine dicke Nebelsuppe schwankten und wankten wir über die Grönlandstraße nach Ísafjörđur.

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Es war eine unglaublich beeindruckende, faszinierende, atemberaubende und schöne Reise entlang der Küsten von Spitzbergen und dann gesteigert mit den sieben Tagen im Nationalpark Nord-Ost Grönland, dem größten Nationalpark der Welt.

Und der kleine Eisbär, den wir am 31. August in der Danbukta mit seiner Eisbärmama gesehen hatten der ist nun auch schon über dreieinhalb Jahre alt – und wir hoffen, dass er ein erfolgreicher Jäger geworden ist.
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Jetzt folgen noch einige Tage Island, die auch interessant waren, aber nicht diese Faszination wie Nord-Ost Grönland bieten konnten, wohl aber eine andere. Und es kommt auch kein Eis mehr: „No more ice“.

Fortsetzung folgt.
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„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Do, 08. Feb 2018, 17:38

Sorry,
war doppelt.
Kann ein Admin diese Nachricht bitte löschen?
Danke im Voraus.
Gruß
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Kumulus » Do, 08. Feb 2018, 19:46

Mit den letzten drei Etappen macht ihr mich erneut sprachlos, Ronald. Ich habe immer und immer wieder darüber nachgedacht, wie ich diese Highlights und einmaligen Aufnahmen interpretieren kann. Aber mir fehlen die Worte!!!!

Danke
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon CrazyHorse » Fr, 09. Feb 2018, 7:59

Das Erlebnis mit dem Eisbär ist ganz großes Kino!

Gruß Matthias
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon cani#68 » Fr, 09. Feb 2018, 9:22

Moin,m
cooles - im wahrsten Sinne des Wortes - Erlebnis. :)
Klasse und sicherlich im Gehirn eingebrannt die Eisbären Begegnung - ich kann das gut nachvollziehen

Und die ganzen Eisbergformen - faszinierend.
____________
Schöne Jrooß
Uwe

Norwegen Bilder - https://www.flickr.com/photos/uwe_cani/albums/72157647598018725
cani#68
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„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Fr, 09. Feb 2018, 14:23

Moin,

@Martin: Nicht nur Du, sondern ganz besonders wir waren sprachlos vor Ort ob der ganzen Eindrücke. Wir haben viele schöne und interessante Reisen bisher gemacht, diese aber war der Höhepunkt!

@Matthias: Ja, das wir den Eisbär sooo direkt vor die Linse bekamen war ein einmaliges Erlebnis. Interessant: Wir kamen nach Hause und zwei, drei Monate später guckte uns der Eisbär genau auf der Titelseite der Zeitschrift Nordis an. Der Redakteur Thomas Krämer war zu der Zeit auch an Bord. Freunde von uns riefen uns an und meinten, ob das unser Foto wäre.

@Uwe: Nicht nur im Gehirn sondern im Herzen eingebrannt, alle Eindrücke.

Ich stelle gerade fest, dass man eigentlich direkt von Scoresbysund nach Hause hätte fliegen müssen. Aber dann wäre der „Kulturschock Zivilisation“ wohl zu krass gewesen.

Gruß
Ronald
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„There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Ronald » Sa, 10. Feb 2018, 17:10

„There is (lots of) no more ice!“
Nordostgrönland – Expedition Nordmeer 2015
Montag, 7. September – Ísafjörđur, Metropole der Westfjorde und Suđureyri, der Original Fischerort


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Die FRAM hatte nun die Westfjordregion erreicht. Da es im Gegensatz zu den letzten Tagen grau und regnerisch war, drehten wir uns noch einmal um und verzichteten auf das Frühstück. Wir hatten ja sooo viel frische Luft getankt, dass wir uns das heute mal leisten konnten.

Ja, es ist richtig: There is no more ice!

Auf dem nachfolgenden Foto kann man ungefähr sehen, wo Ísafjörđur, mit ca. 2.500 Einwohnern die „Metropole der Westfjorde“ genannt, liegt.

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Lage von Ísafjörđur - oben links, wo der kleine Fischkutter hinfährt und das "neue" Krankenhau steht

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Hnifsdalur Skutulsfjörđur

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Hnifsdalur Skutulsfjörđur

Gegen Mittag erreichten wir nach der Durchfahrt durch den größeren Fjord Ísfjarđardúp und den kleineren Fjord Skutulsfjörđur die Stadt Ísafjörđur. Wir hatten im Voraus einen Ausflug nach Suđureyri gebucht und wollten uns danach in Ísafjörđur umsehen.

Fischfang und –verarbeitung sind die Haupteinnahmequellen. Hinzu kommen Handel und Dienstleistungen. Auch der Tourismus hat zugenommen und Ísafjörđur verfügt über einen regelrechten Kreuzfahrt-Terminal.

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Nach zehn Tagen Seefahrt bestiegen wir in Ísafjörđur einen Bus. Wir hatten einen ausgesprochen sympathischen Guide, der uns auf Deutsch und Englisch viele Details über Ísafjörđur mitteilte.

Wer mehr über Geschichte, Kultur und Wirtschaft lesen will, der ist hier richtig:

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%8Dsafj%C3%B6r%C3%B0ur

Wir fuhren über die Breiđdalsheiđi, eine am höchsten Punkt 470 m.ü.M. liegende Hochebene. Heute ist die Straße asphaltiert und auch die Passhöhe wird vermieden, da es nunmehr einen Tunnel gibt.

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Breiđdalsheiđi Tunnel

Er wurde 1996 eröffnet und weist die Besonderheit auf, dass es nach 3 km einen 4 km langen Abzweig nach Flateyri und einen 3 km langen nach Suđureyri gibt. Also fuhren wir durch den „Göng undir Breiđdals- og Botnsheidi“, den Tunnel unter dem Breiđdals- und dem Botnsfjell.

Der Tunnel war einspurig befahrbar mit – wie in Norwegen – Ausweichstellen, aber nur in Richtung Süden; der nordgehende Verkehr hatte freie Fahrt.

Um kurz vor 13 Uhr fuhren wir entlang des Súgandafjords bis zum Ende der Straße, denn eine Verbindung um die Halbinsel herum gibt es nicht. Wozu auch bei diesem „wahnsinnigen“ Verkehr.

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Súgandafjarđarvegur

Jetzt wehte ein kräftiger Wind, der den Bus und seine Insassen doch heftig durchschüttelte. Wir hatten ja schon Ende Mai 2015 einen Eindruck von der „kargen Schönheit Islands“ bekommen (davon mehr in einem gesonderten Bericht) und die Aussicht entsprach genau der Landschaft wie vorher: Kaum Bäume, vereinzelt Sträucher und Büsche, grau-braune bis schwarze Lavalandschaft und grünes Weideland.

Um 13 Uhr erreichten wir Suđureyri, der als der „Original Fischerort“ angepriesen wird. Warum, erfuhren wir später.

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Fisherman

Hier wurden wir an der Kirche aus dem Bus gelassen, bei nicht ganz so gutem Wetter. Leider hatte die Kirche wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, so dass wir uns auf den Weg in den Ort machten.

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Suđureyri Kirche

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Der Start des Rundgangs

Wir erfuhren zunächst, dass der Ort nur ca. 300 Einwohner hat, die fast alle in der Fischfabrik beschäftigt sind. Und es war eine spezielle Fischfabrik, denn sie wurde auf dem Prinzip der absoluten Umweltverträglichkeit konzipiert. Wir erfuhren, dass alle Bestandteile des Fangs verwendet werden, in welcher Art auch immer. Ebenso ist die Entsorgung absolut umweltfreundlich und kein Abfall bleibt irgendwo liegen.

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Gruß aus der Fischfabrik, eine lustige Plakation.

Mehr kann man hier erfahren:

http://www.fisherman.is/

Der ganze Ort ist picobello sauber, nichts liegt herum, bis, ja, bis unser Schweizer Fotograf, der uns auf der Reise schon etwas unangenehm aufgefallen war, plötzlich seine Zigarettenkippe weg schnipste. Das hätte Steffen mal sehen sollen!

Vom Guide erhielten wir zu Beginn der Führung jeder ein kleines Weckglas mit rohem Fisch und Salat. Nicht schlecht, aber kaufen würden wir das nicht. Dann gab’s noch einmal Rohfischverkostung und dann war „Sägespäne“ an der Reihe: Trockenfisch, den unser Guide mit dem Hammer „kaufähig“ zubereitete.

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Auf dem Weg zum kaufähigen Trockenfisch

Die geschah neben der alten Trockenscheune, wo früher der Fisch, ähnlich wie in Norwegen, an der frischen Seeluft getrocknet wurde.

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Trockenscheune

In dieser Scheune wurden aber auch Lamm und der „island-typische“ Hakárl, fermentierter Grönlandhai, getrocknet. Warum der erst fermentiert werden muss, kann man hier lesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A1karl

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„dry-seasoned-lamb“ und Hakárl (links)

Ich hatte ihn bereits im Mai 2015 probiert. An einer Stelle hatte ich gelesen: „Ein bisschen Gummi mit bääh“. Gut, er ist nicht gerade ein kulinarischer Hochgenuss, aber wenn man schon mal hier ist, sollte man ihn auch probieren. Und man hat dann auch einen sehr guten Grund, dazu den isländischen Aquavit, den Brennivín, zu trinken. Prost!

Jetzt unternahmen wir unseren kleinen Rundgang, bis wir uns später wieder zu einem „Kochkurs“ treffen sollten. Hier sind ein paar Eindrücke des Ortes.

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Tatsächlich, ein Bäumchen, eine Art Island-Kiefer

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Hier konnte man fast meinen, man sei in Deutschland. Vielleicht war der Hauseigentümer von den deutschen Gartenzwergen sichtlich angetan?

Nach einem Rundgang durch das Dorf landeten wir in einem Restaurant / Café / Souvenirladen, wo wir uns zunächst einen Kaffee genehmigten, bevor wir an einem „Kochkurs“ ohne Herd teilnahmen. Das Verfahren sei ganz einfach und man könne es Zuhause nachmachen. Roher Fisch wird mit Salat und kleinen Gurkenstückchen sowie Paprika vermischt. Dann wird Zitrone hinzugefügt und umgerührt und etwas stehen gelassen. Fertig! Ideale Zubereitung bei Stromausfall.

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Mit Zitrone gebeizter isländischer Fischsalat

Damit war unser „Fischausflug“ nach Suđureyri vorbei und wir fuhren zurück nach Ísafjörđur.

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Der Regen hatte aufgehört und wir genossen nordwestliche Island-Sommertemperatur von 14° C. Ab und an kam die Sonne hinzu und so bummelten wir durch die Stadt mit den farbenfrohen Häusern.

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Ísafjörđur

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Dieses Haus wurde bereits 1902 gebaut.

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Das alte Krankenhaus von 1925

Das Krankenhaus wurde 1925 in Betrieb genommen, bis 1989 ein neues gebaut wurde. Jetzt dient es als Bibliothek, Kulturhaus, Gemeindearchiv und Fotomuseum.

Vor diesem steht – wie sollte es anders sein in diesem seefahrerfreundlichen Land - eine maritime Skulptur, den Fischern und anderen Seeleuten gewidmet und insbesondere denen, die ihr Leben auf See ließen.

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Minnisvardi Ísfirskra Sjómanna 1974

Auf dem Weg von der – wirklich zu empfehlenden Konditorei „Bakarans“ -

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fielen uns diese bunt bemalten Abgrenzungspfähle auf.

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Stadtbemalung – natürlich ein Fischer!

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Was hier verkauft wird, konnte man auch verstehen, wenn man kein Isländisch kann: Bokhlađan.

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Hier folgte ein weiterer Isländisch-Kurs. Ein lehrreicher Tag, erst Kochkurs, dann Sprachkurs.

Vor der alten Bäckerei, der Gamla Bakeriđ, stand dieser Oldtimer – ein Blickfang.

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Genauso waren diese hübschen und sehr gepflegten Häuser jeder für sich ein Blickfang

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1910 gebaut

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Dieses war sogar schon von 1816!

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Dies Haus erinnerte mit seinem „Schweizer Stil“ an Norwegen.

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An dieser sehr hübschen Tür mit den tollen Gravuren konnten wir etwas über die isländische Namensgebung erfahren.

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Damit war der Rundgang durch Ísafjörđur beendet. Zum Schluss deckten wir uns in der Touristeninformation mit reichlich Informationsmaterial für unsere geplante Island-Rundreise mit dem Auto 2016 ein, als auch mit einer kleinen Glasplatte, die sich zum Servieren von Snacks genauso eignete wie für Teelichte.

Nun ging es zurück zum Schiff und es wurde ein sehr ruhiger Abend an Bord, denn die FRAM blieb über Nacht in diesem geschützten Hafen liegen. Und wir genossen die Aussicht aus dem Qilak-Panoramasalon und die Seeleute an Bord genossen eine „Bauernnacht“, d.h. eine Nacht, in der der Seemann – mit Ausnahme eines oder vielleicht zweier Decksleute – keine Wache gehen muss.

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Soweit der erste Tag „in“ Island und nicht „auf“ Island, denn da ist der Isländer sehr stolz drauf.

Fortsetzung folgt.

Gruß
Ronald
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Kumulus » Sa, 10. Feb 2018, 18:50

Der erste Tag "in" Island ist ja schon ein krasser Gegensatz zu den Erlebnissen im Eismeer und auf Grönland. Aber interessant - mitsamt "Gammelhai" und Fischsalat. Ein Versuch ist das ja wert.

Nun bin ich neugierig, ob und wie's weiter geht.

Vielen Dank Ronald - tolle Fortsetzung
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Kumulus
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon Stina_M » Sa, 10. Feb 2018, 21:45

Es ist immer ganz schwer, Favoriten zu nennen bei den vielen tollen Bildern, aber der Nebelbogen gehört auf jeden Fall dazu. Solche Phänomene begeistern mich immer total!

Und der so nah schwimmende Eisbär ist natürlich auch was ganz besonderes!!!! Und der Snoopy (Woodstock? ;) ) förmige Eisberg! Obwohl - vielleicht ist es auch eine Eis-Seeschlange, die in die andere Richtung schwimmt? :D

LG

Christina
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Re: „There is lots of ice!“ - Nordostgrönland

Beitragvon CrazyHorse » Sa, 10. Feb 2018, 22:25

Das weckt Erinnerungen an unsere Islandreise im September 2015, wo wir unter anderem eine Woche in den Westfjorden verbracht haben. Aber die Westfjorde haben soviel zu bieten, dass auch eine Woche nicht ausreicht...

Gruß Matthias
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