Orkan in Skandinavien

Schweden, Finnland, Svalbard, ...

Orkan in Skandinavien

Beitragvon Dieter » Di, 18. Jan 2005, 1:00

Hallo,

nach dem Orkan in Skandinavien können wir Euch hier einen kleinen "Augenzeugenbericht" präsentieren, wobei sich unser Erlebnis bei Vimmerby in Schweden abspielte:

Noch am Sonnabend war es ein etwas ungemütlicher, aber für uns Ostfriesen vom Winde her nicht ungewöhnlicher Tag. Im Laufe des Nachmittages nahm der Wind immer mehr zu, was uns aber nicht hinderte, noch einen Spaziergang zu unternehmen, ohne Befürchtungen, dass uns der Himmel ääh ein Baum auf dem Kopf fallen könnte.

Aber der Wind nahm weiter zu. Im Laufe des spätnachmittags fing dann auch das Licht an zu flackern, für Sturm allerdings nichts ungewöhnliches. Wir schafften es gerade noch, unser Essen zuzubereiten, dann war auf einen Schlag der Strom weg. Alles dunkel - was nun. Erst einmal durch das dunkle Ferienhaus tasten, eine Taschenlampe suchen, dann ging es weiter auf die Suche nach einem Feuerzeug, um wenigstens mit ein paar Kerzen Licht ins Dunkle zu bringen. Gesucht, gefunden, es wurde wenigsten etwas hell, dafür aber sehr romantisch (im Haus). Draußen verabschiedete sich derweil mit lautem getöse unsere Mülltonne, also trotz des Sturmes nach draußen, und die Teile zusammensuchen - ein Teil lag ca. 30 m entfernt auf der Straße (gottlob fahren hier so wenige Autos), andere Teile dann in Nachbars Garten. Der Wind pfiff einem dabei heftigst um die Ohren, so dass man immer auf der Hut sein muß, dass man nicht irgendwo von einem umherfliegenden Ast getroffen wird. Nachdem die Mülltonne dann gesichert war, wurde noch schnell das Auto umgeparkt, um einem möglichen Blechschaden durch herunterfallende Äste zur vermeiden.
Der Strom kam nicht wieder, zu allem Überfluß gab dann auch die Trinkwasserversorgung ihren Geist auf, so dass wir buchstäblich "auf dem Trockenen" saßen. Allmählich zog auch die Kälte ins Haus. Kamin anmachen war zwecklos, der Wind drückte den ganzen Rauch in das Zimmer, also gleich wieder Feuer aus.
Nach 4 Stunden verzogen wir uns dann ins Bett, dort war es wenigsten noch schön warm. Der Wind pfiff an allen Ecken und Enden, es klapperte hier und da. Dennoch, nach einiger Zeit konnten wir dann endlich einschlafen - es war aber eine unruhige Nacht.
Am nächsten Morgen war es dann sehr frisch im Haus. Strom und Wasser gab es immer noch nicht wieder, aber wenigstens konnten wir gegen die Kälte den Kamin anzünden. Ein erster Kontrollgang ums Haus ergab keine Schäden, es sah alles nicht so schlimm aus. Nach dem kalten Frühstück trafen wir unseren Nachbarn. Erster Lagebericht: Im Ort gab es einen Toten, die Strom- und Wasserversorgung kann länger noch ausbleiben. Aber in der Stadt selbst sollte es Strom und Wasser geben. Also auf in die Stadt. Unterwegs dann reihenweise plattgelegte Bäume, die Straße war gerade so halbseitig passierbar. Naja, nach dem Kaffee in einer Gaststätte (etwas warmes braucht der Mensch) wieder zurück. Immer noch kein Strom und Wasser. Aber dafür herrlichster Sonnenschein, als ob nichts gewesen wäre. Am Nachmittag hatten wir immer noch keinen Strom und kein Wasser, also fuhren wir noch einmal in die Stadt, um uns zumnidest mit Kerzen und Trinkwasser für die kommende Nacht zu versorgen. Da merkte man jetzt schon die Abhängigkeit von den modernen Versorgungswegen bezgl. Strom, Heizung und Wasser. Als wir dann zurück kamen, war der Strom wieder da - Gott sei Dank hatten die Angestellten der Stromversorgung den Schaden für unseren Bereich zügig beheben können.
Einen Tag später sind wir dann wieder nach Deutschland aufgebrochen. Unterwegs Massen an umgestürzten oder -geknickten Bäumen, die Menge war nicht zählbar. Besonders schlimm hatte es wohl die Gegend um Växjö erwischt, dort waren ganze Waldstriche einfach umgepustet worden.
Im Endeffekt waren wir dankbar, noch so gut ohne Schaden an Haus und Auto oder gar Personen davongekommen zu sein. Das Erlebnis jedoch und auch die verbleibenden Erinnerungen an die kahlgefegten Landstrichen werden uns immer in Erinnerung bleiben.

Dieter
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