von Jobo » Fr, 09. Okt 2009, 10:19
Ich wache auf und schaue auf die Uhr, es ist 8:29 Uhr. Ich würde meinen Zustand jetzt nicht unbedingt als ausgeschlafen bezeichnen. Ich begebe mich in die äußerst kleine Nasszelle, nicht ohne vorher einen Blick in den Spiegel zu werfen. Das Wesen, das ich dort erblicke, sieht fürchterlich aus.
Ich verwinde mich in die Dusche und benötige eine Menge kühles Wasser bis ich einigermassen nüchtern bin. Kurz nach 9 Uhr quäle ich mich die Treppe hoch in den Frühstücksraum. Alles ist hier ruhig, niemand ist da. Nach etwa 10 Minuten schlurft die Hotelchefin reichlich übermüdet die Treppe hoch. Mit den Worten: "Sie sind ja tatsächlich schon wach!" begrüßt sie mich.
Ich frühstücke reichlich, vor allem der Kaffee tut mir gut. Ich frage die Hotelwirtin nach der großen Delle der Mare Frisium.
Das sei hier in Hamburg vor nicht allzu langer Zeit beim Einparken passiert, erklärt sie mir. Meinen Gedanken 'da war bestimmt ne Frau am Ruder' spreche ich vorsichtshalber nicht offen aus. Stattdessen sprechen wir noch über die kleine Nasszelle. Die Problematik ist bekannt und man arbeite schon an einer Lösung. Nachdem ich mein Zimmer bezahlt, und mich für das nette Zimmer und die freundliche Aufnahme bedankt habe, packe ich meinen Trolley und verlasse zum letzten Mal das Schiff.
Ich geniesse noch einmal den herrlichen Blick über die Elbe und den Hafen.
Mein Trolley springt vor Freude, als wir wieder den großen Parkplatz mit dem Kopfsteinpflaster überqueren. Als ich endlich den glatten Bordsteig erreiche, schwöre ich mir, das war das letzte Kopfsteinpflaster.
An der kleinen Polizeistation neben der Brücke hat sich ein Filmteam ausgebreitet. Mitten auf dem Bürgersteig steht ein kleiner Asiate mit einer orangefarbenen Warnweste und wünscht, das ich die andere Strassenseite benutze. Mit einem Verweis auf das Kopfsteinpflaster der Strasse lehne ich dies ab. Daraufhin blickt er auf meinen Trolley und gibt mir den Rat: "Den kann man auch tragen.". Ich biete ihm an, IHN zur Wasserkante zu tragen, damit wir dort das Thema
ausdiskutieren können. Nun überwiegt seine asiatische Höflichkeit und er springt rasch zur Seite. dabei muss er hinter mir etwas Schreckliches gesehen haben, den sein Gesicht hat jetzt doch einen ängstlichen Ausdruck angenommen.
Ich kann nun meinen Weg ungestört fortsetzen und wähle, die mir schon bekannte Route vorbei am Baumwall und am Westminster in Richtung von Ronalds Kanzlei, wo wir uns treffen wollen. Noch ein letzter Blick auf die schönen Stadthäuser rechts und links.
Ich erreiche die Kanzlei reichlich früh, aber Doris und Ronald sind schon da und mit den Vorbereitungen beschäftigt. Ich beneide Ronald um den schönen Ausblick, den er von seiner Arbeitsstelle hat.
Jetzt treffen auch langsam die anderen ein. Einige sind allerdings auch schon abgereist und konnten nicht mehr zu diesen 'Kaffekränzchen' kommen.
Auch heute morgen geht es wieder recht lustig zu. Viele haben ihre Bilder und Fotobücher mitgebracht, Kaffee und Mineralwasser wird reichlich benötigt. Meine
Müdigkeit schwindet auch so langsam.
Ronald gibt uns noch einige Erklärungen zur Kanzlei und seiner Arbeit, und zeigt uns Bilder von der Überschwemmung am Fischmarkt letzte Nacht. Wir sind einigermaßen überrascht, da wir ja genau dort entlang gelaufen sind und revolera sich sogar noch ein Fischbrötchen in den frühen Morgenstunden gekauft hat. Almidi allerdings bestätigt uns die Flut, da er letzte Nacht nicht mehr seinen gewohnten Weg nehmen konnte, auf dem er sich teilweise mit auslaufenden Schiffen Wettrennen geliefert hatte, sondern wegen des Hochwassers einen großen Umweg fahren musste. Star des Tages ist aber K-Lilly, sie hat für uns die ganze HR-Flotte gebacken. Die Box mit dem HR-Gebäck leert sich rasent schnell, auch wenn ich es nicht übers Herz bringe, meine Lofoten anzuknabbern. Dafür zermalme ich dann die Finni zwischen meinen Zähnen.
Irgendwann kurz nach 13 Uhr ist dann die Zeit für den allgemeinen Aufbruch gekommen. Nach herzlichen Verabschiedungen trennen sich nun die Wege der meisten. Revolera und Tochter müssen auch, wie ich, zum Bahnhof. Rock Lobster bietet an, uns mit dem Auto dorthin zu bringen. Wir nehmen dankend an. Ich setze mich
auf den Beifahrersitz, und die Damen im Fond haben nichts Besseres zu tun, als über den Größenunterschied zwischen Rock Lobster und mir zu lästern. Aber auch Rock Lobster fällt dies auf, nach einem Seitenblick auf seinen Beifahrer kommt der Kommentar: "Und ick dachte immer, ick hät n jrosses Auto..".
Nachdem wir uns am Bahnhof bei den Rock Lobsters bedankt und verabschiedet haben suchen wir unser Bahnsteig. Revolera und Tochter fahren vom gleichen Bahnsteig, aber etwas später. Ich habe noch Zeit bis zur Abfahrt und warte oberhalb des Bahnsteigs noch bis der nächste Zug die meisten dort Wartenden verschluckt hat. Nun verabschiede ich mich auch von der großen und der kleinen revolera und suche mir auf dem Bahnsteig, nach einem Blick auf den Wagenstandszeiger, eine Position an der ich auf meinen ICE warten kann.
Neben mir trifft nun eine Gruppe Frauen ein, die wohl eine der Ihren zum Zug begleiten. Die Damen haben sich zu einem Abschiedslied eingefunden, welches sie, nicht unbedingt schön, aber doch erstaunlich laut zum Besten geben. Nachdem die Reisende dann in den ICE nach Köln eingestiegen ist, kehrt wieder Ruhe am Bahnsteig ein. Mir fallen die vielen Sicherheitskräfte auf, die mit teilweise schwerer Bewaffnung im Bahnhof patroulieren.
Endlich läuft auch mein ICE in den Bahnhof ein. Da ich ein erster Klasse Ticket mit Sitzplatzreservierung besitze (war günstiger als das zweiter Klasse Normalticket), kann ich ganz gemütlich den Wagen besteigen und meinen Platz einnehmen. Ich hatte extra einen Ruhewagen gewählt, da ich mit einer gewissen Müdigkeit bei mir gerechnet habe und die Fahrt 'verschlafen' wollte. Kurz nach mir kommen drei Faruen mittleren Alters ins Abteil und belegen die Plätze am Tisch gegenüber. Damit hat sich das Thema Ruhewagen erledigt. Immerhin erinnert mich die Unterhaltung der Damen an zu hause, vor unserem Haus fließt ein kleiner Bach, von vielen Enten bevölkert.
Schon rollt der Zug an, und ich kann im Vorbeifahren nocheinmal einen Blick auf den Hafen und die im Bau befindliche Hafencity werfen.
Doch die schnelle Fahrt währt nicht lange. Kurz nach Hamburg halten wir auf der Strecke weil, wie man uns immerhin mitteilt, spielende Kinder im Gleis gesehen wurde und nun gesucht werden. Ich nutze die Zeit und lasse mir vom Zugbegleiter einen Imbiss servieren.
Nach etwa 15 Minuten können wir dann die Fahrt fortsetzen, bis Hannover. Hier stehen wir erstaunlich lange im Bahnhof. Per Durchsage teilt man uns mit, das eine der Türen klemmt und repariert werden muss. Mit gut 25 Minuten Verspätung verlassen wir Hannover. Mein Tischnachbar, er muss von Göttingen noch nach Gera, weiß nun schon, das er seinen Anschlusszug verpassen wird. Er trägt es mit Fassung: "Dann rauche ich halt in Ruhe eine, bis der nächste Anschlusszug kommt.".
Kurz hinter Hannover stoppen wir erneut irgendwo in der niedersächsichen Pampa, da es Probleme mit dem Antrieb gibt. Wir starten dann wieder mit 45 Minuten Verspätung. Nun kommt auch die Durchsage, welche Anschlusszüge wann in Göttingen losfahren. Mein Tischnachbar begreift nun langsam, das er in Göttingen nahezu zwei Stunden Aufenthalt haben wird, und meint sarkastisch: "Dann wird es wohl eine ganze Schachtel Zigarretten werden.".
Bis Würzburg haben wir noch nichts von unserem Rückstand aufgeholt. Der Zugbegleiter teilt uns mit, das die Direktreisenden nach München in Würzburg umsteigen können, da unmittelbar nach uns ein ICE nach München über Nürnberg kommt. Dieser ICE würde dann nur fünf Minuten nach unserer regulären Ankunftszeit in München eintreffen. Es sei in diesem ICE im Wagen 30 alles frei.
Auf dem Bahnsteig in Würzburg schaue ich mir den Wagenstandszeiger des anderen ICE an. Er besteht aus zwei Teilen, der vordere Teil aus Wagen 24 bis 29 und der hintere aus den Wagen 31 bis 36. Nun begreife ich warum der Wagen 30 so leer ist, er existiert nämlich gar nicht.
Ich finde dann aber doch ohne Probleme einen Platz in dem Zug und die Weiterfahrt bis München verläuft ereignislos.
In München steige ich in den Regionalexpress ein, der mich schließlich nach Hause bringen soll. Es ist der letzte Tag des Oktoberfestes, dafür aber sehr ruhig. In dem Zug patroulieren mindestens 10 schwerbewaffnete Polizisten und auch noch zusätzliches Sicherheitspersonal der Bahn.
Um 22:15 Uhr verlasse ich dann den heimischen Bahnhof, erfreue mich noch einmal an dem ausgestreuten Split und erreiche schließlich meine Wohnung. Ich falle in mein Bett, nicht ohne zuvor dem Hausmeister der benachbarten Wohnanlage die Pest an den Hals zu wünschen.
FAZIT:
----------- Nasszellen von alten Hafenfähren sind überraschend klein.
----------- Hamburg ist allemal einen Besuch wert.
----------- es ist möglich zwanzig Leute zusammenzubringen ohne das es Unstimmigkeiten gibt, ja, es herrscht sogar sofort Harmonie und man hat das Gefühl, man kennt die alle schon seit Jahren. UNBEGINDT WIEDERHOLEN!
----------- Fluggäste der letzten Reihe steigen grundsätzlich zuletzt ein.
----------- Brillenputztücher beherbergen ein bisher weitestgehend unbekanntes Gefahrenpotential.
----------- kostenlose Führungen werden auch von Aussenstehenden gerne mitgenommen.
----------- die Reeperbahn ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.
----------- auch Kapitäne haben manchmal Probleme beim Einparken.
----------- der Begriff großes Auto ist relativ, ebenso wie der Begriff Ruhewagen.
So Freunde, das wars. Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig unterhalten, und Euer Interesse fürs nächste Treffen wecken.
..... übrigens, falls ich es noch nicht erwähnt habe, ich hatte eine ausgesprochen kleine Nasszelle .......
Gruß, Joachim
Wer seine Meinung nie zurückzieht, liebt sich selbst mehr als die Wahrheit.
- Joseph Joubert -
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