64 Ölgemälde von Edvard Munch bis 16. Jan. 05 in Emden

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64 Ölgemälde von Edvard Munch bis 16. Jan. 05 in Emden

Beitragvon Helmer » Sa, 02. Okt 2004, 19:16

Der bedeutendste skandinavische Maler der klassischen Moderne kehrte in seine Heimat Norwegen zurück, wo er bis zu seinem Tod 1944 lebte und arbeitete. "Bilder aus Norwegen" nennt die Kunsthalle Emden schlicht ihre jüngste aufwändige Ausstellung, die von diesem Samstag an bis 16. Januar 64 Ölgemälde aus dem Munch-Museum in Oslo zeigt.

Das zweite Leben des 1863 geborenen Malers Edvard Munch begann 1909, als er nach rastlosen Auslandsaufenthalten, dramatischen Liebesaffären, Alkoholexzessen und einem Nervenzusammenbruch sesshaft wurde.

Eine so umfassende Würdigung der fast 30-jährigen Schaffensphase Munchs nach 1916 hat es in Deutschland bisher nicht gegeben. Die Bedeutung des Norwegers für den Aufbruch der Kunst in das 20. Jahrhundert wird stets in einem Atemzug mit Vincent van Gogh und Paul Gauguin genannt. Als er sich am Oslo-Fjord niederließ, waren seine berühmtesten Werke längst gemalt. Auch die beiden im August diesen Jahres spektakulär geraubten Bilder "Der Schrei" und "Madonna".

Der frühe Tod von Mutter und Schwester hatte traumatische Spuren bei dem Arztsohn hinterlassen, der Jahrzehnte in Frankreich und Deutschland unterwegs war. Für Skandale sorgten sowohl seine Kunst als auch sein Lebenswandel. Höhepunkt des Wirbels um Munch war ein Handgemenge mit einer Geliebten, in dessen Verlauf sich ein Schuss löste und die linke Hand des Malers traf. Von einer absichtlichen Selbstverstümmelung wie bei van Goghs Ohr könne nicht die Rede sein, weist der Emder Kurator Nils Ohlsen eine gern kolportierte Legende zurück. 1908 zog der körperlich und seelisch Schwerkranke selbst die Notbremse und lieferte sich für acht Monate in eine Kopenhagener Nervenklinik ein.

Vor dem Eingang der Emder Kunsthalle ist die gelbe Holzfassade von Munchs inzwischen abgerissener Villa "Ekely" (Im Schutz der Eichen) nachgebaut worden. In dieser beschaulichen Idylle inmitten einer Obstplantage verbrachte der Maler die letzten 28 Jahre seines Lebens. Hier hellte sich die bis dahin dramatische bis düstere Grundstimmung seiner Bilder auf. Leuchtende Farben und eine leichthändige Pinselführung prägen die Darstellungen von Gebäuden, Landschaft und Menschen in der Umgebung von "Ekely". Zu den schönsten Bildern dieser Phase und der Emder Schau gehört ein Werk aus der Reihe der magisch anmutenden verschneiten Landschaften unter einem Sternenhimmel.

Ganz verabschiedet hat Munch sich nie von seiner Vergangenheit und von seiner Gewohnheit, mehrere Fassungen eines Motivs zu malen. Allein zwölf Versionen sind von den "Mädchen auf der Brücke" verzeichnet. Die in Emden vorgestellte ist um 1927 entstanden. "Das kranke Kind", in dem er den Tod seiner an Schwindsucht gestorbenen Schwester verarbeitet, gibt es sechsfach. In der Kunsthalle hängt die Variante von 1925. Im Unterschied zu der 40 Jahre zuvor gemalten Erstfassung strahlt das todkranke Mädchen hier fast einen Hauch von Hoffnung aus.
n-tv

Grüße von Helmer
Helmer
 

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