Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » So, 02. Feb 2020, 16:34

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 62

Tyrhaug und Terningen - Trøndelag


Im Jahr 1828 schlug die Leuchtfeuerkommission vor, in den Jahren 1830 bis 1833 ein Richtfeuer bei Tyrhaug (auch als Kyrhaug bekannt) als auch Terningen zu errichten. Alle Einwohner in dieser Gegend haben dies für notwendig erachtet.

Die Kommission äußerte sich dahingehend, dass das Richtfeuer Tyrhaug auf einer Schäre in einem Erker an einem Holzhaus angebracht werden sollte. Es sollte 4 Lampen und Reflektoren erhalten und in beide Richtungen leuchten.

Terningen sollte ein ähnliches Haus erhalten, jedoch mit drei Lampen und Reflektoren. Die Kommission veranschlagte jeweils 1.000 bzw. 1.200 Speziestaler für den Bau und 300 Speziestaler pro Jahr für Betriebskosten für jedes Leuchtfeuer.

Um den genauen Bauplatz zu bestimmen, wurde 1830 eine neue Kommission beauftragt. Diese bestimmte für Tyrhaug, dass es auf der Schäre Ringholmen etwas östlich der Insel Edøy gebaut werden sollte. Tyrhaug sollte vier Reflektoren erhalten, von denen 2 größere für das Hauptfahrwasser leuchten sollten und jeweils eins für die Einfahrt in den kleinen Hafen und eins als Querfeuer.

Terningen sollte südwestlich der Insel Hitra auf der höchsten Erhebung einer kleinen Schäre errichtet werden. Es sollte mit drei Lampen Reflektoren ausgestattet werden, von denen zwei wiederum den Weg durch das Fahrwasser leiten sollten.

Im Mai 1831 übermittelte der Feuerdirektor Schive seine Bauzeichnungen und den Voranschlag. Die Gebäude sollten jeweils Unterkünfte für eine kleine Familie erhalten. Tyrhaug Leuchtfeuer sollte in einem Turm angebracht werden, auf Terningen war ein kleiner Ausbau am Hauptgebäude vorgesehen.

Bei der Auswahl der Leute als Leuchtfeuerwärter, so Schive, ist es angebracht darauf zu achten, lokale Leute „aus der Mittelklasse“ auszuwählen, da diese mit ihrer Familie wohl eine sorgfältige Landwirtschaft betreiben würden, um sich den Unterhalt angesichts der nicht gerade üppigen Bezahlung zu sichern. Der Lohn wurde mit 120 Speziestalern festgesetzt zuzüglich eines kleinen jährlichen Betrages für das Brennmaterial für jedes Leuchtfeuer.

Für die Anlagen waren für 1830 insgesamt 2.215 Speziestaler vorgesehen, der spätere Rechenschaftsbericht wies 3.156 Speziestaler aus.

Die Leuchtfeuerapparate wurden in Kristiania, heute Oslo, gefertigt.

Die Schäre Ringholmen wurde für 20 Speziestaler gekauft. Terningen befand sich, bis auf einige, kleine dingliche Rechte, im Staatseigentum. Die verbliebenen Rechte wurden 1838 erworben.

1835 wurde auf jeder Station ein Schuppen gebaut, 1844 kam ein Bootshaus dazu.

Tyrhaug – Smøla - Trøndelag

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Tyrhaug Leuchtfeuerstation – aufgenommen 18. April 2007 von MS RICHARD WITH

Die Wartungsarbeiten und Reparaturen auf beiden Stationen waren über die Zeit hinweg offensichtlich unzureichend ausgeführt worden. 1846 beklagte sich der Kapitän des Schiffes „Prins Gustav“ über die schlechte Reichweite beider Leuchtfeuer. Der Stiftamtmann ordnete eine vollständige Untersuchung an. Nach dessen Abschluss sollte der mittlerweile 80 Jahre alte Leuchtfeuerwärter in den Ruhestand geschickt werden. Dies gelang aber erst, nachdem man ihm eine Rente in Aussicht gestellt hatte.

1848 wurden 2.420 Speziestaler für eine große Ausbesserung bewilligt. Es wurde ein Turm in Fachwerkbauweise gebaut, der mit dem Hauptgebäude verbunden wurde. Das Leuchtfeuer mit einem Linsenapparat wurde im Giebel angebracht.

Die Versorgung mit Trinkwasser gestaltete sich schwierig, da es mit dem Boot vom Bauernhof Tyrhaug herbeigeschafft werden musste. 1856 mauerte man einen Brunnen zur Trinkwasserversorgung, der sich jedoch nur als kleine Hilfe herausstellte, bis man 1894 eine große Anlage mit einem Wasserbehälter baute, in dem das Regenwasser vom Dach gesammelt wurde.

1894 wurde das Leuchtfeuergebäude einer umfassenden Renovierung unterzogen und die Anlage erheblich ausgeweitet.
1897, nur drei Jahre später, wurden wiederum erhebliche Veränderungen am Leuchtfeuer vorgenommen. Der alte Turm wurde ersetzt durch einen höheren Turm, der mit einem Linsenapparat 3. Ordnung sowie einem Klippapparat und Sektoren ausgestattet wurde.

1924 wurde die Landungsanlage verbessert, indem eine lange Landungsmole mit einem Schwingkran und einer Slipanlage für das Boot gebaut wurde.

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Tyrhaug Leuchtfeuerstation – aufgenommen 13.04.2011 von MS RICHARD WITH

Tyrhaug wurde 1967 automatisiert und die Besatzung abgezogen.

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Terningen – Hitra - Trøndelag

Terningen wurde schließlich 1833 in Betrieb genommen, 1843 kam ein Bootshaus hinzu.

Der Leuchtfeuerwärter erhielt 1847 ein Darlehen über 150 Speziestaler, damit er das umliegende Land urbar machen konnte, um Gemüse und Kartoffeln anzubauen.

1849 wurde ein Linsenapparat 6. Ordnung, also die kleinste Stufe, angebracht. Gleichzeitig wurde ein neuer Schuppen gebaut und der Viehstall erweitert.

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Terningen Leuchtfeuerstation – aufgenommen 13.04.2001 von MS RICHARD WITH

Offensichtlich beklagte sich der Leuchtfeuerwärter über seine schlechte Bezahlung, denn 1858 schrieb der Leuchtfeuerdirektor an den Leuchtfeuerwärter, dass sein Lohn von 200 Speziestalern dem Reglement der Leuchtfeuerlöhne entsprechen würde, da er sich ja im Gegensatz zu anderen Stationen auf einer Leuchtfeuerstation befinden würde, die eine große Ackerfläche beinhalte, auf der er sich Gemüse und Kartoffeln anbauen könne.

Die Bitte des Leuchtfeuerwärters um Unterstützung war nicht unbillig. Die Ausgaben für Saat beliefen sich alleine auf 70 Speziestaler. Der Leuchtfeuerdirektor empfahl eine jährliche Unterstützung von 36 bis 48 Speziestaler für den Ackerbau. Zugleich empfahl er die Anstellung eines Knechts und eine Entlohnung von 30 Speziestalern.

1903 wurden die Stallgebäude erheblich ausgeweitet und repariert.

Durch den zunehmenden Schiffsverkehr in der Trondheimsleia bestanden Anforderungen für ein stärkeres und besser abgeschirmtes Leuchtfeuer einschließlich eines Nebelsignals.

Im Budget 1921-1923 wurden insgesamt 250.000 Kronen bewilligt, so dass ein kompletter Umbau der Station erfolgte. Die alten Gebäude waren derart verfallen, dass sich eine Verlagerung nicht mehr lohnte.

Es wurde eine komplett neue Station gebaut, die mehr nach Südosten verlagert wurde, also näher zum Wasser. Neben dem neuen 12 m hohen Leuchtfeuergebäude aus Beton wurden ein Maschinenhaus aus Beton mit Nebelhorn, ein neues Leuchtfeuerwärterhaus, ein großes Nebengebäude, Bootshaus und Landungssteg mit Kran errichtet. Das Nebelhorn war bis 1958 in Betrieb, als es durch ein Typhon ersetz wurde, dass bis 1982 in Betrieb war.

Es wurden ein Assistent und ein Reserveassistent eingestellt und die neue Station ging 1923 in Betrieb.

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Terningen Leuchtfeuerstation – aufgenommen 13.04.2001 von MS RICHARD WITH

Die alten Gebäude auf der Anhöhe der Insel wurden in einer öffentlichen Auktion verkauft.

Das Leuchtfeuer Terningen wurde 1991 automatisiert und die Besatzung abgezogen.

Wegen der hier oben bereits herrschenden Mitternachtssonne ist das Leuchtfeuer nur vom 21. Juli bis 16. Mai in Betrieb.

Heute kann man in den Leuchtfeuergebäuden übernachten, die von den „Freunden von Terningen“ instandgehalten werden. Zuletzt wurden die Gebäude 2019 komplett renoviert.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 125, 218
Norges Fyrvesen, Fyr-, Merke- og Ringevesenet gjennom 250 år, C. F. Rohde, Steenske Forlag Olso, 1941, S. 48 - 51
https://fyr.no/fyr/terningen-fyrstasjon
https://fyr.no/fyr/tyrhaug-fyrstasjon
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Do, 06. Feb 2020, 12:38

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 63

Agdenes fyr – Orkland - Trøndelag


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Agdenes Leuchtfeuerstation – im Vordergrund das Leuchtfeuer Ringflua
Foto aufgenommen am 7. Februar 2014 von MS NORDNORGE

Agdenes Leuchtfeuerstation liegt in der Gemeinde Orkland und Provinz Trøndelag an der Einfahrt in den Trondheimsfjord. Gegenüber liegt die Ortschaft Brekstad in der Gemeinde Ørland. Agdenes ist das zehntälteste Leuchtfeuer in Norwegen und das älteste in Trøndelag.

Der Oberlotse Tønder sandte 1802 einen Vorschlag an das „Hohe Admiralitäts- und Commissariats-Collegium“ bezüglich der Errichtung eines Leuchtfeuers bei „Agnes“.

Er schlug ein „dreieckiges“ Licht an der Wand eines Hauses vor, dass „2 Kabellängen westlich des Kaps bei Agnes, folglich zwischen der östlichen Klippe und der westlichsten Schäre“ stehen sollte.

Er veranschlagte die Ausgaben mit 300 rdl (riksdaler – Reichstaler) und einen Lohn für den „Aufpasser“ in Höhe von 5 rdl pro Monat. Tønder meinte, dass man Talglicht verwenden sollte, etwa 1 Pfund pro Nacht. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Talglicht besser geeignet sei als der beste Tran. Dies habe man bei dem Laternenfeuer auf Munkholmen gesehen.

Mit der königlichen Resolution AV 8 vom 8. Dezember 1802 wurde beschlossen, am Agdenes Felsvorsprung ein Leuchtfeuer zu errichten, das aus einer am Haus angebrachten Laterne sowie einer Unterkunft für den „Aufpasser“ bestehen sollte. Der Hafenkapitän von Trondheim, Brisach, sollte den Aufbau regeln und überwachen.

Das erste Leuchtfeuer wurde 1804 angezündet und kostete 1.105 Reichstaler. Es lag etwas nordwestlich des eigentlichen „Agdenespynten“ bei König Østeins Hafen. Dort befinden sich noch Reste dieses Leuchtfeuers.

Der Wärter erhielt 50 Reichstaler Jahreslohn sowie 12 Reichstaler für Brennmaterial. Im Jahr 1809 wurden weitere 20 Reichstaler für den Wärter bewilligt, denn – so die Aufzeichnungen – „der Antragsteller war ein ehrlicher aber armer Mann“. Er nahm 1811 mit 80 Jahren seinen Abschied.

Die Leuchtfeuerkommission schlug 1828 vor, ein verbessertes Leuchtfeuer zu errichten, dass südöstlich des alten Leuchtfeuers auf einer kleinen Anhöhe stehen sollte. Diesen Plan nahm der Feuerdirektor Schive auf und unterbreitete 1834 einen neuen Vorschlag.

Eine neue Kommission untersuchte 1835 den Vorschlag und kam nach dem Bericht zu der Auffassung, dass der Zustand des Hauses so schlecht war, dass ein neues Leuchtfeuer an anderer Stelle gebaut werden sollte. Das neue Leuchtfeuer wurde auf einer Anhöhe südöstlich des alten Leuchtfeuers in einer Höhe von 110 Fuß über dem Meeresspiegel errichtet. 1836 wurde es angezündet. Es hatte zwei Hohlspiegel und einen Sideral-Apparat.

Anmerkung: Der Sideral-Apparat wurde 1818 vom Franzosen Bordier-Macet erfunden. Der Apparat besteht aus je einem oberen und einem unteren spiegelnden Teller. Der Querschnitt ergibt zwei sich etwas überschneidende Parabeln. Eine im gemeinsamen Brennpunkt befindliche Lichtquelle verteilt das Licht gleichmäßig rundum mit Konzentration auf die Horizontale.
Quelle: http://www.leuchtturm-atlas.de/glossar.html

Das neue Feuer wurde 1836 angezündet und kostet 2.402 Speziestaler.

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Agdenes Leuchtfeuerstation – im Vordergrund das Bootshaus und der Landungssteg – aufgenommen am 18.04.2007 von MS RICHARD WITH

Für das Budget 1863 – 1866 schlug der Leuchtfeuerdirektor vor, dass statt der zwei Lichter nun ein neues Licht an der Hausecke angebracht werden sollte und die drei Spiegelapparate durch einen Linsenapparat mit einer Linse 6. Ordnung zu ersetzen. Diese Änderungen wurden 1865 vorgenommen.

Um das Licht zu verstärken, wurde das alte Licht 1905 gegen ein großes, neues Licht mit einem Linsenapparat 6. Ordnung sowie einem Klippmechanismus und farbige Sektoren ersetzt. Diese Änderungen kosteten 6.710 Kronen.

Hier, als auch auf den meisten anderen Stationen war die Versorgung mit Trinkwasser äußerst beschwerlich, weswegen 1908 ein großer Wasserbehälter gegossen wurde, um das Regenwasser vom Dach aufzufangen.

Die Notwendigkeit eines Nebelsignals im Trondheimsfjord wurde seitens der Küstenverwaltung erkannt. Die notwendigen Mittel, 93.000 Kronen, wurden 1921 bewilligt. Für das Nebelhorn wurde ein Maschinenhaus gebaut, in dem die Antriebsanlage für das Nebelhorn untergebracht war. Zugleich wurde ein Wohnhaus mit einem Nebengebäude für einen festangestellten Assistenten errichtet.

Die Anlandung an der Station war sehr beschwerlich. Deshalb wurden 1923 eine Mole und ein Kai, mit einem darauf befindlichen Kran, sowie ein Bootshaus gebaut. Ebenso erhielt die Station jetzt eine Telefonverbindung.

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Die gesamte Leuchtfeuerstation Agdenes – links die Wohngebäude, in der Mitte der Schuppen, rechts der neue Betonturm - aufgenommen am 18.04.2007 von MS RICHARD WITH

Der alte Leuchtfeuerturm wurde 1954 durch einen neuen Betonturm ersetzt und 1959 wurde das alte Leuchtfeuergebäude abgerissen.

Die Station bestand nunmehr aus einem relativ komplexen Umfeld von insgesamt sieben Gebäuden: Ein Leuchtfeuerturm mit einem Maschinenhaus, einem Haus für den Leuchtfeuerwärter sowie eines für den Leuchtfeuerangestellten, drei Nebengebäuden und einem Bootshaus. Die Wohngebäude liegen auf einem Hof etwas entfernt vom Turm. Das Bootshaus befindet sich unten an der Landungsbrücke. Die Gebäude liegen gleichwohl nah beieinander und bilden so eine bauliche Einheit. Zwischen den Wohnhäusern und dem Turm befinden sich ein Stall sowie die Toiletten. Die Anlage wird durch einen Steinwall begrenzt und hat ein Wegenetz mit Geländern, eine typische Gestaltung für Leuchtfeueranlagen. Die Wege führten früher über die Felsen, heute jedoch entlang des Wassers.

1984 wurde die Leuchtfeuerstation Agdenes geschlossen und das Leuchtfeuer durch ein neues, auf einer Betonsäule befindliches Leuchtfeuer auf der kleinen Schäre Ringflua, etwa 600 m östlich des alten Feuers, ersetzt.

Die gesamte Station wurde 1988 vom norwegischen Verteidigungsministerium für Kurs- und Konferenzzwecke übernommen. In den 1990er Jahren wurde die Anlage für weitere Übungs- und Freizeitzwecke erweitert.

2003 übernahm die Nidaros Sparebank die gesamte Anlage und renovierte sie aufwändig in den Jahren 2005/2006. Sie ist nun für Übernachtungen von Gruppen oder Einzelpersonen zugänglich.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 31
Norges Fyrvesen, Fyr-, Merke- og Ringevesenet gjennom 250 år, C. F. Rohde, Steenske Forlag Olso, 1941, S. 43-45
https://www.agdenes-fyr.no/nb/
https://nidaros-sparebank.no/ombanken/O ... gdenes-Fyr
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Karsten » Do, 06. Feb 2020, 13:01

Hallo Ronald,

ich finde es nach wie vor einfach spitze, wie viel Mühe Du dir mit dem "Leuchtfeuerkatalog" gibst.
Die Beschreibungen inkl. aller noch so kleinen Details sowie die Geschichten der Türme sind ganz großes Kino! :super:

Ich weiß nicht, wie viele noch kommen, aber mach bitte so weiter!

Viele Grüße

Karsten
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Do, 06. Feb 2020, 13:21

Danke Karsten,
Deine Worte haben mich sehr gefreut und sind natürlich Ansporn für die "restlichen" 32 Leuchtfeuer.
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Es dauert jetzt halt nur ein bisschen länger, weil ich mich mit Heinzelnisse und der Hilfe meines Freundes in Grimstad durch Nynorsk "durchkämpfe". Hinzu kommt, dass dies aus dem Internet heruntergeladene Buch "Norges Fyrvesen, Fyr-, Merke- og Ringevesenet gjennom 250 år, C. F. Rohde, Steenske Forlag Olso, 1941" eben auch in Nynorsk geschrieben ist und Heinzelnisse viele Begriffe aus jener Zeit nicht kennt.
Aber es macht Spaß und hält meine Gehirnwindungen lebendig. :D
Beste Grüße
Ronald
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Do, 06. Feb 2020, 14:54

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 64

Munkholmen – Trondheim - Trøndelag


Munkholmen, „Mönchsinsel“, ist eine kleine Insel im Trondheimsfjord, etwa 1,5 km vor Trondheim.

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Die „Mönchsinsel“ Munkholmen – aufgenommen am 10.04.2008 von MS KONG HARALD

Der Stadtrat von Trondheim sandte in 1795 ein Gesuch an den vom König für Trøndelag ernannten Beamten mit der Bitte; ein Leuchtfeuer auf Munkholmen zu errichten. Der Stiftamtmann empfahl diesem Gesuch nachzugeben und schlug vor, die Ausgaben für dieses Vorhaben zwischen der Hafenkommission von Trondheim und dem Zuchthaus, was Munkholmen zu dieser Zeit war, zu teilen, was für eine rasche Errichtung sorgen könnte. Auch die zuständige Kanzlei förderte 1797 den Vorschlag, denn durch die hier zu erzielenden Einnahmen der Festmachegebühr („ringepenger“) wie auch die Hafengebühren aus der Hafenkasse würden das Leuchtfeuer finanziert.

Das Leuchtfeuer wurde 1797 errichtet. Ein Ingenieur lieferte die Zeichnung für das Licht und veranschlagte die Kosten mit 26 Reichstalern. Die Aufsicht über das Leuchtfeuer sollte der Wachmannschaft des Gefängnisses gegen eine Vergütung auferlegt werden. Man war der Auffassung, dass die jährlichen Betriebskosten den Betrag von 30 Reichstalern nicht übersteigen würden.

Das Leuchtfeuer wurde am 1. Januar 1798 angezündet. Allerdings waren die Betriebskosten doch erheblich höher als veranschlagt. Das Zuchthaus bezahlte alleine für seine Hälfte der Betriebskosten 57 Reichstaler in den Jahren 1799 bis 1804. Da die Betriebskosten eben höher waren, wurde das Zuchthaus von der Bezahlung seines Anteils befreit.

1820 war der Feuerwärter bereits sehr alt, so dass sich der Kommandant des Gefängnisses erbot, diese Aufgabe für einen Lohn von 150 Speziestalern zu übernehmen. Auf Veranlassung des zuständigen Departments wurde der Lohn auf 60 Speziestaler reduziert. Die Hafenverwaltung von Trondheim verpflichtete sich1826, die Kosten zu übernehmen.

1840 wurde das gesamte Leuchtfeuer umgebaut. Die Kosten betrugen 1.333 Speziestaler, von denen alleine 612 Speziestaler auf den Wachtraum entfielen. Jedoch hatte man nun genug Platz, um den Leuchtfeuerwärter dort unterzubringen.

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Das innerhalb der Festungsmauer stehende Leuchtfeuer Munkholmen – aufgenommen am 10.04.2007 von MS RICHARD WITH

Es wurde ein Sideralspiegel-Apparat mit einer Öllampe installiert und ein Leuchtfeuerwärter fest angestellt. Als Wohnung wurde einer der engen Arrestzellen mit einem dunklen Raum und einer Küche seitens des Gefängnisses überlassen. Daher wurde in den späteren Jahren die Familie an Land geschickt, da die Verhältnisse zu eng waren.

Einige Jahre zuvor war angedacht worden, ein kleines Leuchtfeuerwärterhaus zu bauen. Der Kommandant der Insel war der Auffassung, dass der Bau eines solchen Hauses unverhältnismäßig teuer sein würde.

1847 teilte das Departement – wohl die Leuchtfeuerverwaltung – mit, dass alle Aufgaben auf den Kommandanten entfallen sollten, so dass der Leuchtfeuerwärter entlassen werden könnte, der Kommandant jedoch für seine Aufgaben entlohnt werden sollte. Dies geschah 1848 und der Kommandant wurde für 190 Speziestaler angestellt.

1870 wurde diese Regelung verändert, indem man dem Kommandanten die Kontrolle übertrug der Rechenschaft ablegen sollte, hingegen die Wartung des Leuchtfeuers von einem Unteroffizier mit einem Lohn von 760 Kronen erfolgen sollte.

Da die feste militärische Besetzung ab 1892 aufgehoben wurde, wurde der „zurückgebliebene“ Unteroffizier nunmehr als Leuchtfeuerwärter mit einem Lohn von 1.200 Kronen eingestellt. Zusätzlich erhielt er Brennholz, freies Logis und Licht von der Festung.

1899 wurde eine neue „Feuerlampe“ auf der Spitze des Hauptturms der Festung installiert. Hierdurch wurde die Sicherheit für die Einfahrt in den Hafen von Trondheim verbessert.

Der betroffene Unteroffizier wurde weiterhin als Aufseher für das Leuchtfeuer unter denselben Bedingungen wie vorher beschäftigt. Sein Dienst endete 1927. Ihm folgte ein Aufseher für die Festung, der die Aufsicht für das Leuchtfeuer allgemein für einen Jahreslohn von 150 Kronen übernehmen sollte.

Das Leuchtfeuer ist immer noch in Betrieb. Es befindet sich nunmehr in einem kleinen „fyrlykt“ innerhalb der Festungsmauer auf der südlichen Seite der Insel.

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Munkholmen mit dem Leuchtfeuer – aufgenommen am 13.04.2011 von MS RICHARD WITH

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Eine etwas ausführlichere Geschichte von Munkholmen als Festung kann man hier nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Munkholmen

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S.148
Norges Fyrvesen, Fyr-, Merke- og Ringevesenet gjennom 250 år, C. F. Rohde, Steenske Forlag Olso, 1941, S. 38-40
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » So, 09. Feb 2020, 16:01

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 65

Kjeungskjær – Ørland - Trøndelag


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Die Leuchtfeuerstation – Gut zu erkennen: die Landungsbrücke und das integrierte Bootshaus, rechts der Aufgang in den Turm - aufgenommen am 10.04.2008 von MS KONG HARALD

Die Leuchtfeuerstation Kjeungskjær mit dem einzigen achteckigen Turm in Norwegen ist von der Konstruktion wohl eine der eigenartigsten entlang der Küste. Es heißt, sie sei die meistfotografierte Station in Norwegen wohl nicht nur wegen ihrer weinroten Farbe. Sie liegt auf einer Schäre inmitten eines Vogelschutzgebietes vor der Küste von Ørlandet. Bei Hochwasser ist die Schäre komplett überflutet; bei größerem Hochwasser auch der Ladungssteg. Dies stellte besondere Herausforderungen beim Bau der Station in den Jahren 1879 bis 1880 dar. Diese „spektakuläre“ Leuchtfeuerstation (so Olderskjær, S. 52) wurde auch „den røde seiler“, der rote Segler genannt.

Der 1880 in Betrieb genommene Turm ist 20,6 m hoch. Das Feuerhaus mit dem Licht befindet sich auf dem Dach. Das Bootshaus ist in den Turm beim Landungssteg integriert. Der Weg zur Landungsbrücke bestand zunächst aus Holzbohlen. Da diese nach mehreren Stürmen von der See weggerissen worden sind, wurde 1980 ein Betonsteg über die Pfeiler gegossen. Bei gutem Wetter sind die Anlegeverhältnisse zufriedenstellend; bei schlechtem Wetter ist die Station für mehrere Wochen isoliert.

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Kjeungskjær Station – Links die Landungsbrücke aus Beton und das Bootshaus mit dem weißen Tor – aufgenommen am 10.04.2008 von MS KONG HARALD

Unter Hinweis auf die schwierigen Fahrwasserverhältnisse zwischen Ørland und Storfosna wurde für die Budgetjahre 1877-1878 eine Vorlage eingereicht, ein Leuchtfeuer bei Kjeungskjær zu errichten. Mit einem Leuchtfeuer wäre es den Schiffen möglich, auch bei Nacht zwischen Ørland und Bjugn zu fahren. Die Kosten wurden mit 44.000 Kronen veranschlagt. Diese Summe wurde 1879 bewilligt und der Staat kaufte die Schäre Kjeungskjær für 600 Kronen.

Die Bauarbeiter für das Leuchtfeuer kamen aus Volda in der Region Sunnmøre. Zunächst musste ein hoher und solider Betonsockel gebaut werden. Auf dem Fundament wurde dann eindreistöckiges Steingebäude errichtet. Die Steine wurden aus benachbarten Schären gesprengt und nach Kjeungskjær gebracht.

Das Dach auf dem achteckigen Turm war für das Leuchtfeuerwesen eine neue „schöpferische Konstruktion“, indem Eisenplatten, hergestellt von Akers Mekaniske Verksted in Oslo, auf T-Trägern befestigt wurden. Diese Konstruktion erwies sich allerdings als misslungen. Gleichzeitig mit der Erhöhung des Leuchtturms um drei Meter wurde 1906 ein Bleidach auf einer Holzkonstruktion angebracht.

Die unterste Etage im Turm war der Kellerraum mit Platz für Öl, Frischwasser und Brennholz. Die anderen Etagen beinhalteten die Wohnräume, die Küche und den Wachraum.

Auf dem Dach des Turms wurde ein rundes Leuchtfeuer mit einem Leuchtfeuerapparat und einer Linse 4. Ordnung angebracht. Hierdurch wurde eine Tragweite von 13,1 Seemeilen erreicht. Das Feuer wurde das erste Mal am 20. September 1880 angezündet.

1882 wurde eine Mauer aus Feldsteinen rund um das Betonfundament gelegt, um dies gegen schweren Seegang zu schützen. Gleichzeitig erhielt der Turm kleine Anbauten. 1906 wurde ein neuer Leuchtfeuerapparat installiert. Auch wurden nun neue Leitsektoren festgelegt. Die alte französische Optik ist bis heute in Gebrauch.

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Im Hintergrund der Schärengarten, gesehen von Nordosten – aufgenommen am 16.09.2001 vom MS FRAM

Kjeungskjær war von Beginn an als eine Station für einen „Leuchtfeuerwärter mit Hausstand“ konzipiert. Die Station ohne Außengelände war somit auch die „Heimstatt“ der Familie (siehe weiter unten).

Der erste Leuchtfeuerwärter auf Kjeungskjær war Henrik Wright, der hier sechs Jahre verbrachte. Der letzte Leuchtfeuerwärter, bevor Kjeungskjær 1947 in eine Wachstation umgewandelt wurde, war Ingvald Bernhard Bolsø aus Vallersund, der die längste Dienstzeit von 1926 bis 1952, demnach 26 Jahre, absolvierte. Er hatte mit seiner Frau drei Kinder, die hier aufgezogen wurden. Unterrichtet wurden die Kinder von einer Hauslehrerin und die Abschlussprüfung fand an der Schule in Uthaug statt (siehe weiter unten).

Ab 1947 versahen zwei Leuchtfeuerangestellte und ein Reserveangestellter die Wachen auf dem Turm, bis dieser 1987 automatisiert und die Besatzung abgezogen wurde.

1965 wurde ein Stromkabel an Land zum Turm gelegt. Ein Dieselmotor mit einem Generator, der bisher den Strom lieferte, blieb als Reserve im Maschinenraum.

Die Station Kjeungskjær steht unter Denkmalschutz. Sie befindet sich im Eigentum des Staates, kann aber über Kjeungen Kystlag für Übernachtungen gebucht werden.

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Im Hintergrund das Festland Ørlandet - aufgenommen am 10.04.2008 von MS KONG HARALD

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Kinder auf der Leuchtfeuerstation
(Freie Übersetzung meiner Frau aus „Folk på fyret“)

Das Aufwachsen auf einer Leuchtfeuerstation konnte für Kinder frei und einsam sein. Auf einer kleinen Schäre mussten die kleinsten Kinder angebunden werden, um nicht ins Wasser zu fallen. Die Eltern mussten die ganze Zeit aufpassen, wenn das Kind draußen spielte. Viele Väter haben dafür gesorgt, dass die Kinder sehr schnell schwimmen lernten.

Wenn die Kinder noch klein waren, hatten sie viele Möglichkeiten: Angeln, Krebse fangen, im Sommer baden, im Winter (an Land) Ski fahren oder Schlittschuh laufen. Sie wurden zeitig angelernt zu rudern und dem Vater beim Fischfang zu helfen.

Allerdings waren die Kinder nicht so glücklich über die Aufgaben, die sie später übernehmen mussten, besonders im 18. Jahrhundert und später nach der Jahrhundertwende.

„Bei Sturm und Schneegestöber konnte ich nur undeutlich sehen, wie die 12-jährige Tochter des Leuchtfeuerwärters in Ölzeug und mit einem Südwester auf der Plattform arbeitet, um den Schnee vom Glas draußen abzuwischen. Es war nasskalt und kalt und es blies unablässig“, erzählte der Skipper auf einem kleinen Leitfeuer an der Sørlandetküste (aus: „Folk på fyret“, S. 31).

Einige Mütter und Väter übertrugen den Kindern auch Arbeiten am Leuchtfeuer. Besonders galt dies am Tag, wenn der Wärter schlief, da er die Nachtwache übernommen hatte. Sie konnten die Fenster putzen, die vielen Treppen hinauf zum Leuchtfeuer abwischen, Wetterbeobachtungen machen und diese in ein Beobachtungsbuch eintragen.

Der Schulgang für die Kinder war eine Herausforderung für sich. Bei einigen Leuchtfeuern war eine Hauslehrerin für den Unterricht angestellt. Bei anderen Feuern waren es die Eltern, welche die Aufgabe des Unterrichtens übernommen haben. Gab es ältere Geschwister, so oblag es diesen, den jüngeren Lesen und Schreiben beizubringen. Die Examen wurden aber an Land abgelegt.

Manche Schüler wurden bei Verwandten oder Bekannten untergebracht, während sie zur Schule gingen. Aber es gab viel Heimweh, aber auch Beschwerden, so dass die Kinder wieder aus der Schule genommen wurden.

Etwas anderes war, wenn das Leuchtfeuer nahe am Festland lag. Dann konnten die Kinder mit dem Boot zur Schule gebracht und wieder abgeholt werden. Aber bei schlechtem Wetter konnten die Kinder vom Schulbesuch befreit werden. Bessere Möglichkeiten zum Schulbesuch hatten natürlich die Kinder, die auf Landstationen waren. Aber selbst für diese Kinder konnten schlechtes Wetter auf dem Schulweg oder überkommende Seen an der Küste für Gefahren sorgen. Manches Kind hatte Kleidung zum Wechseln im Rucksack.

Der Schulbesuch war daher ziemlich unbeständig und wechselhaft. Nach dem Krieg wurde dieses System beendet und die Mutter zog mit den Kindern während der Zeit des Schulbesuchs der Kinder auf das Festland. Sie wohnten oft in einem kleinen Haus oder in einem möblierten Zimmer und zogen während der Wochenenden oder Ferien zurück auf das Leuchtfeuer.

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Kjeungskjær der Schärengarten und ein typisches Nordlandboot – aufgenommen am 16.09.2001 von MS FRAM

Hallfrid Aarsnes Erzählung als
Hauslehrerin auf Kjeungskjær 1935 - 1938

Ich hatte im Frühjahr 1935 das Abitur bestanden und wollte einen Job. Dann entdeckte ich eines Tages, dass der Leuchtturmwärter vom Leuchtturm Kjeungskjær in "Adressa" eine Hauslehrerin für seine beiden Töchter im Alter von 10 und 16 Jahren suchte. Auf der Karte sah ich, wo der Leuchtturm war. Das klang aufregend und ich bewarb mich. Dann gab es einen Brief vom Leuchtturmwärter, in dem stand, dass ich den Job bekommen könnte und ich sagte zu. Ich habe es nie bereut, es war ein anderer und abenteuerlicher Winter.

Von Mosjøen nach Trondheim bin ich mit dem Boot gefahren und mit dem Boot bin ich auch nach Brekstad in Ørlandet gekommen. Von dort aus ging es über Ørlandet mit dem Auto nach Næset, der Farm auf dem Festland. In Næset lag ich zwei Tage wegen des Wetters fest, bevor die beiden Söhne auf dem Hof beschlossen, mich zum Leuchtturm zu rudern. Es war eine dramatische Reise für mich, die bisher eine Landratte gewesen war.

Auf einer Betonmauer, die um den Leuchtturm lief, wurde ich "angelandet". Das Meer ging ziemlich hoch und ich hatte Angst. Aber die Næset -Jungs, ich glaube, sie hießen Olaf und Jens, waren kräftige Typen, und Jens sprang die "Kante" hoch. Olaf nahm mich unter die Arme und warf mich zu seinem Bruder. Ich fühlte festen Boden unter meinen Füßen. Es war gut gelaufen.

Wir gingen eine Treppe hinauf und betraten eine warme und gemütliche Küche, in der es nach leckerem Abendessen roch. Ich wurde von dem Leuchtfeuerwärter Bolsø, seiner Frau, Sohn Oddvar sowie Ingrid und Valborg, für die ich die Hauslehrerin sein sollte, begrüßt. Sie waren so aufgeregt wie ich, aber ich sah sofort, dass ich zu einer netten Familie gekommen war. Das Essen schmeckte lecker. Ich erinnere mich nicht, worüber wir beim Essen gesprochen haben, aber zwei Dinge, an die ich mich erinnere. Sie hatten ein Scheuertuch in die Spüle gelegt, um zu vermeiden, dass das Meerwasser über den Boden spritzt. Aber das Meer war an diesem Tag wild, und plötzlich stieg das Tuch vom Waschbecken fast bis zur Decke auf. Solche Naturgewalten waren für mich neu.

Das andere, woran ich mich erinnere, war Valborg, der 10-jährige, der fragte, ob ich Bridge spiele. Ich tat es nicht und ich sah, wie enttäuscht er war. Aber dann kam es: "Kannst du die Karte nehmen?" Ich konnte, vielleicht gab es Hoffnung für mich. Die Abende könnten hier lang sein, daher sollte die Hauslehrerin auf jeden Fall Karten spielen können.

Mein Schlafzimmer und zwei Wohnzimmer befanden sich im 2. Stock. Der Esstisch war Schreibtisch und Pult zugleich. Valborg startete im 4. Schuljahr, Ingrid in der ersten Mittelklasse. Dies galt sowohl für Mathematik als auch für Norwegisch, Englisch und Deutsch. Die Mädchen waren klug und interessiert sowie positiv gegenüber allem Neue.

Wenn das Wetter es erlaubte, machten wir die Pausen am "Rand", wie ich es nannte. Wir bogen und kletterten oder sprangen in die Davits. Im Wohnzimmer gab es ein Klavier und zum Glück hatte ich selbst ein paar Jahre gespielt, so dass ich es auch den Mädchen beibringen konnte. Zu dieser Zeit gab es keinen Fernseher, aber wir hörten immer mehr Radio. Ansonsten haben wir abends viel gelesen oder uns mit Handarbeiten beschäftigt.

Eine Sache war für mich etwas schwierig. Wir haben im Leuchtturm gewohnt. Die Zimmer und Laterne erstreckten sich über vier Stockwerke und somit viele Treppen. Die Beleuchtung bestand aus Petroleumlampen, aber in den Fluren und Treppen war es abends dunkel. So lernte ich schnell, die Treppenstufen zu zählen, die ich mir dann merkte.

Bolsø war immer mit etwas beschäftigt. Wenn das Wetter nicht zu schlecht war, ruderte er los und fischte oder schoss auf Alken und Kormorane oder grub Muscheln aus, die er als Köder verkaufte. Er ruderte an Land und kaufte Essen und Milch, ich erinnere mich noch an die große Spannung, um zu sehen, was er mitgebracht hatte. Dann gab es Sahne und Dessert zum Abendessen, es war großartig.

Der Leuchtturm hatte keinen Assistenten, Bolsø war allein, um ihn zu betreiben, denn der Leuchtturm war zu dieser Zeit noch nicht automatisiert. Es hat Spaß gemacht, sich alles anzuschauen, was er getan hat.

Wenn das Wetter gut war, durften die Mädchen und ich "an Land" gehen. Die Mädchen lebten in einer kleinen und isolierten Gemeinschaft und mussten sich mit Gleichaltrigen treffen. Die Landausflüge waren für Ingrid wahrscheinlich am nötigsten, sie war in einem schwierigen Alter und ein ruhiges und einfühlsames Mädchen. Valborg war schnell und aufgeschlossen, sie schaffte die Isolierung auf dem Leuchtturm besser. Ich glaube, Oddvar war 18 Jahre alt und wollte zur See, und ich glaube, er ist gegangen, bevor das Schuljahr vorbei war.

Frau Bolsø war eine fleißige Frau. Sie und die Kinder hatten eine selten gute Beziehung, die Kinder mochten ihre Mutter sehr. Im Mai würde der Leuchtturm ausgehen (Anm.: Das Leuchtfeuer wurde während der Mittsommerzeit gelöscht und war nur zwischen 21. Juli bis 21. Mai im Betrieb) und die Familie an Land ziehen und ich würde nach Mosjøen zurückkehren. Ich war traurig, die Familie zu verlassen, die mir so vertraut und so ans Herz gewachsen war.
Ich kann mich nicht erinnern, auch nur einen Tag krank gewesen zu sein und habe viel erzählt über die Familie Bolsø.
Ich hatte Geld verdient sowie Unterkunft und Verpflegung frei, was zu diesem Zeitpunkt eine gute Bezahlung war. 1938 fing ich an, in der Schule zu unterrichten.

Hallfrid Aarsnes

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Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 115
Folka på fyret, Fyrhistorisk årbok 1996/1997, Birger Lindanger, Randaberg Kommune, 1997
Fyrene - kystens katedraler, Knut Baar Kristoffersen, Rune Nylund Larsen, Skagerrak Forlag, Sandefjord 2006, S. 190 ff
Norske fyr - ei reise langs kysten, Ove Arne Olderkjær, Det Norske Samlaget, Oslo 2004, S. 52 ff
Norske fyr, Nasjonal verneplan for fyrstasjoner, Riksantikvarens rapporter nr. 24, Oslo 1997, S. 113
Norsk Fyrhistorisk Forening - https://fyr.no/fyr/kjeungskjaer-fyrstasjon
http://kjeungen.tripod.com/fortelli.htm, geschrieben 2002 von Evelyn Alta
http://kjeungen.tripod.com/fyret.htm
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Kumulus » So, 09. Feb 2020, 17:27

Interessante Geschichten von Munkholmen und der Hauslehrerin auf Kjeungskjær !! Das lässt diese Leuchtfeuer gleich viel lebendiger werden.

Danke Ronald für all deine Mühe
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » So, 16. Feb 2020, 15:24

Leider habe ich für die nachfolgenden Leuchtfeuer, die alle weit draußen vor der Küste liegen, keine Fotos. Jedoch sind unter den angegebenen Links Fotos und Filme vorhanden.

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste

Teil 66

Anmerkung zu Kjeungskjær


Bei Kjeungskjær hatte ich geschrieben: „Die Leuchtfeuerstation Kjeungskjær mit dem einzigen achteckigen Turm in Norwegen ist von der Konstruktion wohl eine der eigenartigsten entlang der Küste.“
Das ist nur insofern richtig, als sich die gesamte Leuchtfeuerstation in dem achteckigen Turm befindet. Es gibt noch weitere, kleinere achteckige Leuchtfeuertürme, bei denen sich die Station in den dazugehörigen Gebäuden befindet.

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Sula – Frøya - Trøndelag


Die Leuchtfeuerstation Sula liegt auf der gleichnamigen Insel nördlich der Insel Frøya. Sie ist Teil der „Leuchtfeuerkette“ Sula, Vingleia, Finnvær und Halten.

Die Station hat eine spezielle Vorgeschichte mit zwei 1793 und 1804 errichteten Leuchtfeuertürmen. Der erste Turm auf Sula wurde 1793 errichtet. Er war 12 Fuß hoch (3,65 m) und 9 alen im Durchmesser (5,60 m).

Anm.: Dies sind Maßumrechnungen aus der „Dänenzeit“. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Ma%C ... _(Norwegen))

Er war verputzt und weiß angestrichen. Die ungewöhnlichen Ausmaße, d.h. der Durchmesser war größer als die Höhe des Turms, lagen in der Absicht begründet, dass man später wohl einen Turm auf dieses Fundament setzen könnte. Zu der Zeit aber diente dieser Turm als Basis für einen Feuertopf, also ein offenes Kohlenfeuer. Der Turm kostete seinerzeit 485 Reichstaler.

Der jetzige achteckige Betonturm mit dem großen Feuerhaus wurde 1909 gebaut. Er steht auf dem höchsten Punkt der Insel Sulahaugen, 35 m über dem Meeresspiegel.

Zwischen den Fundamenten und Resten der alten Türme steht die markierte Kante. Der jetzige Turm liegt etwas innerhalb der Fundamentränder. Das große Feuerhaus ist aus Gusseisen und weiß angemalt. Es wird von zwei Galerien umkränzt. Die französischen Blitzblinklinsen 2. Ordnung sind noch intakt und das Dieselaggregat steht noch als Reserve zur Verfügung.

Die Station besteht aus Wohnhaus, Nebengebäude, Bootshaus und Landungsbrücke innerhalb der Fischergemeinde Sula.
Innerhalb des denkmalgeschützten Geländes befinden sich die Überreste der alten Leuchtfeuer sowie der betonierte Weg mit dem rot angemalten Geländer, Zäune, Treppen und der betonierte Hof. Da die gesamte Anlage einen hohen leuchtfeuerhistorischen Wert aufweist, wurde sie unter Denkmalschutz gestellt.

Der Aufbau und die Entwicklung des Leuchtfeuersystems des gesamten Landes mit über 200 Leuchtfeuerstationen entlang der gesamten Küste ist eines der umfassendsten Projekte des norwegischen Staates.

Die Stiftung Sula Fyr wurde 2004 gegründet mit dem Ziel, den drohenden Verfall der 1974 automatisierten Station zu verhindern. Ein paar Jahre später kaufte die Stiftung das Leuchtfeuerwärterhaus, das Nebengebäude sowie das Bootshaus von der Küstenverwaltung. Der Leuchtfeuerturm steht weiterhin im Eigentum der Küstenverwaltung.

Die Stiftung erhielt 3 Millionen Kronen als Anfangskapital. Durch massiven Freiwilligeneinsatz (dugnadsinnsts) und etwas professionelle Hilfe wurde das Wohnhaus restauriert und wird nunmehr für Touristenübernachtungen betrieben. Das Gebäude hat zwei Wohneinheiten mit zusammen 16 Schlafplätzen. Das natürliche Umfeld mit dem Leuchtfeuer und zahlreichen Bänken wird häufig für Konzerte genutzt.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 208
Norges Fyrvesen, Fyr-, Merke- og Ringevesenet gjennom 250 år, C. F. Rohde, Steenske Forlag Olso, 1941, S. 188
Norske fyr, Nasjonal verneplan for fyrstasjoner, Riksantikvarens rapporter nr. 24, Oslo 1997, S. 110
https://de.wikipedia.org/wiki/Alte_Ma%C ... _(Norwegen)
https://fyr.no/fyr/sula-fyrstasjon/ mit zahlreichen Fotos
https://kulturminnesok.no/minne/?queryS ... itet/87472

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Vingleia – Frøya - Trøndelag

Vingleia Leuchtfeuer liegt auf der kleinen Insel Skarvlesan nördlich von Maursund in der Kommune Frøyan. Der Name bezieht sich auf eine „Schifffahrtsstraße mit viel Wind“.

Die Fischer von Frøya hatten mehrere Male ein Leuchtfeuer nördlich von Mausundvær angemahnt. Sie meinten, das Vingleia zwischen Sula und Finnvær einer der wichtigsten Plätze für ein Ansteuerungsfeuer von Maursund im Frohavet sei. Mehrere Male lag diese Forderung auch auf dem Storting vor, bis man endlich im Budget 1920 – 1921 einen diesbezüglichen Betrag bewilligte.

Die Leuchtfeuerstation wurde 1921 als letzte Station einer Leuchtfeuerkette im Inselreich im Frohavet errichtet. Das Feuer war ein Richtfeuer, damit die Schiffe sicher durch die vielen kleinen Schären navigieren konnten.

Das Leuchtfeuergebäude steht auf einer erhöhten Grundmauer, die verputzt und grau angestrichen ist. Der Leuchtfeuerturm ist an der nordwestlichen Ecke des Gebäudes angeordnet. Auf diesem befindet sich das Feuerhaus aus Gusseisen.

Die äußere Holzverkleidung ist eine althergebrachte Konstruktion mit senkrechten Latten. Das Haus erhielt ein Satteldach. Später wurde das Gebäude mit Eternitplatten verkleidet und das Dach wurde mit Schieferplatten gedeckt.

Neben dem Hauptgebäude steht das Nebengebäude. Ein Weg mit Eisengeländer führt vom Haus zum Bootshaus und der Landungsbrücke.

Die Leuchtfeuerstation war vom Typ her die einfachste, die einen „Feuerwärter mit Hausstand“ für den Betrieb erforderte. Die Regeln beinhalteten die Anforderungen, dass die Frau des Wärters und oft auch die Kinder zu einem großen Teil Aufgaben des Leuchtfeuerwärters übernahmen ohne dafür eine Bezahlung zu erhalten. Der „Hausstand“ erhielt nur einen Zuschlag von einem Zehntel des Lohnes des Feuerwächters, denn angeblich war er auf dieser Station schon „gut“ entlohnt.

Allerdings hatte die Leuchtfeuerwärterfamilie ziemlich viel Platz im Haus mit zwei Stuben, Küche und Bad im Erdgeschoss. In der anderen Etage befanden sich der Wachraum sowie zwei Schlafzimmer.

Die Station wurde 1985 automatisiert und die Besatzung abgezogen.

Von der ursprünglichen leuchtfeuertechnischen Einrichtung ist noch ziemlich viel erhalten, wie z.B. die ursprünglichen Linsen, der Glühlampenschifter sowie der intakte Klippapparat.

Nach der Einstellung der Leuchtfeuerstation wurde ein Leuchtfeuer auf einem 10,2 m hohen Glasfiberturm errichtet, dessen Strom durch sein Solarzellenpaneel erzeugt wird. Aufgrund der in dieser Region herrschenden Mitternachtssonne ist das Leuchtfeuer nur vom 21. Juli bis 16. März eines jeden Jahres in Betrieb.
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Teile von Froan wurden bereits 1979 unter Naturschutz gestellt. Es war Norwegens größtes zusammenhängendes Naturschutzgebiet, abgesehen von Svalbard. Hierdurch sollte das vielfältige und interessante Tier- und Pflanzenleben als Lebensraum für Vögel, Robben und andere Säugetiere in der abwechslungsreichen und eigenartigen Küstenlandschaft bewahrt werden.

Der Umfang des Naturreservats ist auf dieser Karte zu sehen:
http://www.stiftelsenhalten.no/index.ph ... urreservat

2003 erhielt das Schutzgebiet das Prädikat des Ramsar-Status. Das Übereinkommen über den Schutz von Feuchtgebieten wurde am 2. Februar 1971 in Ramsar (Iran) geschlossen und ist damit eines der ältesten internationalen Vertragswerke zum Naturschutz:
https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/ ... ion_bf.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Ramsar-Konvention

Vingleia darf daher in Absprache mit dem Küstenwerk zwischen dem 1. April und 10. August nicht betreten oder mit Booten befahren werden. Die Vereinigung der Freunde von Vingleia veranstaltet nach Abschluss der Sperrperiode einen offenen „Leuchtfeuertag“.

Die Station wurde 2001 unter Denkmalschutz gestellt. Die Station befindet sich zwar im Eigentum des Küstenwerkes. Jedoch durch die Zusammenarbeit mit dem Trøndelag Kunsthistorischen Museum ist es nun möglich, nach Abschluss der Sperrperiode dort zu übernachten.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 239
https://fyr.no/fyr/vingleia-fyrstasjon
https://kulturminnesok.no/minne/?queryS ... itet/87473
https://en.wikipedia.org/wiki/Vingleia_Lighthouse
https://kystreise.no/detaljer/5269/Vingleia-fyr/ mit Foto und einem kleinen, sehenswerten Film
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Finnvær – Frøya – Trøndelag

Finnvær Leuchtfeuer liegt im Finnværet-Archipel auf der kleinen Insel Valøya. Das Leuchtfeuer liegt ca. 40 Kilometer nordöstlich vom Sula Leuchtfeuer, ca. 25 Kilometer nordöstlich vom Vingleia Leuchtfeuer und 18 KiIometer südwestlich vom Halten Leuchtfeuer.

Die Leuchtfeuerstation wurde für eine sichere Einfahrt in das Frohavet errichtet.

Das 1912 aus Holz gebaute Leuchtfeuergebäude hat eineinhalb Stockwerke und ist heute mit Eternit verkleidet. Der niedrige Leuchtfeuerturm steht auf der nordwestlichen Dachfläche. Unter den Eternitplatten befinden sich die alten Holzpaneele, die weiß gestrichen sind mit einem vertikalen roten Streifen.

Das Maschinenhaus und das Nebengebäude liegen dicht beim Leuchtfeuergebäude, der Stall etwas weiter entfernt. Ein gegossener Betonweg führt zum Bootshaus und Landungssteg, der durch eine kleine Mole geschützt ist.

Das Leuchtfeuergebäude ist geräumig mit vier Zimmern und einer Küche sowie Zugang zur Wachstube für das Leuchtfeuer auf dem Dach. Das weiße Holzhaus ragt 15 m über die Dächer der Fischersiedlung hinaus, so dass die Feuerhöhe 23 m über dem Meeresspiegel liegt.

Das Wirtschaftsgebäude enthält einen Lagerraum für Brennholz, einen Raum im Obergeschoss sowie einen Stall – obwohl keine gesicherte Überlieferung vorliegt, dass Haustiere auf der kleinen Insel gehalten wurden.
Mit der Umstellung von einer „Familienstation“ zu einer Wachstation wurde das Haus umgebaut und im Keller ein Bad eingebaut.

Die Leuchtfeuerstation Finnvær ist repräsentativ für eine kleine Leuchtfeuerstation aus Holz mit einem Dachturm. Ein großer Teil der alten leuchtfeuertechnischen Einrichtung blieb erhalten, unter anderem die Originallinsen und der Klippapparat. Da die gesamte Anlage ihre Ursprünglichkeit bewahrt hat, stellt sie ein gutes leuchtfeuerhistorisches Denkmal dar.

Nach der Einstellung des Leuchtfeuerbetriebs 1985 wurde ein kleines Feuer auf einer Glasfibersäule errichtet, dessen Strom von Solarzellen erzeugt wird.

Da sich die Station in einem Naturschutzreservat befindet, ist ein Betreten der Insel zwischen dem 1. April und 10. August verboten, ebenso zwischen dem 10. September und 15. November, in der Zeit des Wurfes der Robben.
Eine für die Erhaltung der Station gegründete kleine Firma, Finnværet fyr AS, hat mit dem Küstenwerk einen Mietvertrag geschlossen. Daher wurde vom Fylkesmannen die Erlaubnis erteilt, dass sich bestimmte Personen dieser Firma während der Schutzzeiten unter Auflagen auf der Insel aufhalten dürfen, damit die Station renoviert werden kann und Grundlagen für einen vorsichtigen Ökotourismus zu schaffen.

Unter dem nachfolgenden Link befindet sich ein kleiner Film in norwegischer Sprache, der die Station und Teile des Lebens auf der Station zeigt.

http://kystreise.no/detaljer/4024/Finnvaeret-fyr/

Schließlich ist noch die Herkunft des Namens „Finnvær“ interessant. Sie deutet darauf hin, dass diese Gegend oft von samischen Fischern aufgesucht wurde.

Quellen:
https://www.froya.no/nyheter/far_lov_a_ ... finnvaeret
https://fyr.no/fyr/finnvaer-fyrstasjon
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 65
Annonser
Norske fyr, Nasjonal verneplan for fyrstasjoner, Riksantikvarens rapporter nr. 24, Oslo 1997, S. 111

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Halten – Frøya - Trøndelag

Halten Leuchtfeuerstation liegt nahe dem Fischerort Halten auf Store Rensøy.

In den 1850er-Jahren begann eine Debatte über die ungenügende Abdeckung mit Leuchtfeuern der Küste nördlich von Trondheim. Es wurden Pläne vorgelegt, die zwei Leuchtfeuer auf den Inseln um Halten am nordöstlichen Ende einer Kette von Leuchtfeuern an der Küste von Sør-Trøndelag vorsahen. Die Arbeiten wurden jedoch verschoben und erst nach einer politischen Auseinandersetzung in den frühen 1870er-Jahren wurde dieser Plan wieder aufgegriffen.
Zu dieser Zeit aber waren die Neuerungen in der Leuchtfeuertechnologie fortgeschritten, so dass es nicht mehr nötig war, zwei Leuchtfeuer nebeneinander zur Unterscheidung von einem anderen, nahegelegenen Leuchtfeuer zu bauen.
Wie im Teil 22 erwähnt, standen bei Lista drei Leuchtfeuer nebeneinander zur Unterscheidung von Lindenes mit einem Leuchtfeuer und Arendal mit zwei Leuchtfeuern.

So wurden zwei der drei Leuchtfeuer bei Lista 1873 abgebaut. Das Material des höchsten der beiden abzubauenden Leuchttürme bei Lista wurde nach Halten verschifft, zum dortigen Wiederaufbau.

Der Direktor der Leuchtfeuerverwaltung war persönlich an dieser Aktion beteiligt. Als er 1873 in Lista eintraf, begann der Abbau des Leuchtfeuers, das in Halten Verwendung finden sollte.

Zu diesem Zweck wurde extra ein Frachtschiff gekauft, um die Steine und das Feuerhaus zu verschiffen.
Zwei Reisen waren notwendig, um das gesamte Material zu verschiffen. Doch die ganze Operation verlief nicht problemlos. Einige der Steine als auch das Feuerhaus wurden bei der Demontage beschädigt. Zudem gingen während des Transports weitere Steine über Bord. So sah sich die Bauarbeitermannschaft in Halten nicht nur einem großen Puzzle gegenüber, um den Wiederaufbau zu schaffen, sie mussten darüber hinaus neue Steine behauen, um die Schwierigkeiten zu bewältigen. Und für einige Bauarbeiter war es enttäuschend zu sehen, dass man mit den gleichen Steinen Jahre zuvor Lista aufgebaut hatte und nun mit teilweise kaputten Steinen hier den Aufbau schaffen musste.

1875 war der Aufbau geschafft und der 29,5 m hohe Steinturm aus behauenem Naturstein stand. Der Turm ist verputzt und weiß angestrichen mit zwei schwarzen Streifen. Von innen ist der Turm mit Ziegelsteinen verstärkt. Der Turm hat sieben Stockwerke, jedes mit zwei Fenstern je Stockwerk versehen. Das Feuerhaus ist aus Gusseisen und weiß gestrichen. Eine Galerie verläuft auf dem Steinturm um das Feuerhaus. Die Originallinsen der Firma Barbier & Fenestre in Paris sind ebenso wie die Drehmechanik erhalten.

Nach dem Aufbau des Turmes wurden weitere Gebäude hinzugefügt. So besteht die Station heute aus dem Maschinenhaus, dem Wohngebäude, Nebengebäude, Öllager und Schmiede, gegossene Wege und Treppen mit weißgestrichenen Geländern sowie Bootshaus und Landungssteg.

Der Leuchtturm ist seit 1987 voll automatisiert, die Besatzung wurde aber erst 2005 abgezogen. Nach dem Abzug der letzten Besatzung hatte eine aus zwei Leuten bestehende Mannschaft die vier Leuchtfeuer in dieser großen Region zu warten und instand zu halten.

Halten Leuchtfeuerstation wurde im Jahre 2000 unter dem Kulturerbegesetz geschützt.

Quellen:
Fyrene - Kystens katedraler, Knut Baar Kristoffersen, Rune Nylund Larsen, Skagerrak Forlag, Sandefjord 2006, S. 186 ff
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 92
Norske fyr, Nasjonal verneplan for fyrstasjoner, Riksantikvarens rapporter nr. 24, Oslo 1997, S. 112
https://kulturminnesok.no/minne/?queryS ... itet/87471
https://www.kystverket.no/Kystkultur/Fyrstasjoner
http://www.stiftelsenhalten.no/index.ph ... halten-fyr
https://www.trondelag.com/attraksjoner/ ... yr/879870/
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Fortsetzung folgt. Es sind noch 41 Leuchtfeuer "übrig".
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