Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Fr, 28. Aug 2020, 17:02

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 97

Helnes – Nordkapp – Troms og Finnmark


Bild

Helnes oder Helneset Leuchtfeuerstation – fotografiert am 13.04.2007 von MS RICHARD WITH aus

Die Leuchtfeuerstation Helnes liegt an der Nordostspitze der Insel Magerøya in der Kommune Nordkapp in der Provinz Troms og Finnmark. Östlich der Station befindet sich die Mündung des Porsangerfjords. Honningsvåg ist ungefähr 13 km entfernt. Die Station ist über Land nur schwer zugänglich und im Winter nur von See aus zu erreichen.

Das erste Leuchtfeuer wurde nach einer langen Planungszeit von 18 Jahren am 15. November 1908 angezündet. Der Grund für den Bau eines Leuchtfeuers an dieser Stelle lag in dem zunehmenden Holzexport von Archangelsk zu den Häfen in Westeuropa und insbesondere Großbritannien. Dieser Verkehr verlief entlang der norwegischen Küste durch den Magerøysund westwärts.

Helnes selbst war ein kleiner Fischerort mit Fischaufkäufen und –handel. Daher musste die Leuchtfeuerverwaltung zunächst Land beschaffen, um dort ein Leuchtfeuer errichten zu können.

Der Leuchtturm wurde als niedriges Holzgebäude erbaut. Es bot Platz für den Leuchtfeuerwärter und seine Familie sowie einen Reserveassistenten.

Andreas Tobiassen war ab 1921 Leuchtfeuerwärter in Helnes. Er war ehemaliger Fischer und begann seine Leuchtturmkarriere als Reserveassistent 1915 am Leuchtturm Fruholmen. Die ganze Familie war in den Dienst eingespannt. Ab 1933 war sein Sohn Albert Tobiassen als Reserveassistent in Helnes angestellt.

1933 ereignete sich ein schwerer Unfall am Landekai. Beim Entladen von Maerial fiel Knut Løndal aus Folkestad so unglücklich, dass er starb.

Arthur Elvedal, eine neuer Leuchtfeuerwärter, übernahm die Dienste am 7. Mai 1940. Er war vorher auf den Stationen Skomvær und Landegode tätig.

Bis 1933 nutzte die Leuchtfeuerverwaltung den Kai in der kleinen Gemeinde Kjelvik. Da sich jedoch Honningsvåg zunehmend als Hauptort entwickelte, verließen die Einwohner den Ort Kjelvik. Somit musste die Leuchtfeuerverwaltung nun einen Kai mit Kran, Schienen und Bootshaus unterhalb der Station bauen.

Es folgten zwar Pläne für den Bau eines neuen Wohnhauses und eines Maschinenhauses für ein Nebelsignal. Aufgrund der deutschen Besetzung ab 1940 wurden diese Pläne jedoch nicht realisiert. Die Station wurde am 30. Juli 1943 von der deutschen Wehrmacht übernommen. Somit hatten die Deutschen die Kontrolle über die mit Vorräten ostwärts nach Kirkenes fahrenden Konvois. Mit dem Rückzug der deutschen Truppen und der Taktik der „Verbrannten Erde“ wurde die Station 1944 verbrannt und komplett zerstört.

Nur eine kleine Holzhütte konnte zunächst verwendet werden. Die Grundmauern und das Maschinenhaus waren gesprengt worden. Das Spill der Seilbahn war gesprengt ebenso wie der Betonweg zum Bootshaus und das Bootshaus selbst. Die Öltanks wiesen mehrere Einschusslöcher auf, konnten aber repariert werden.

Am 3. Mai 1946 traf das Arbeitsteam um Arne Folkestad ein. Zunächst wurden der Landungssteg und der Weg zum Bootshaus repariert, damit die anzulandenen Baumaterialien zur alten Station gebracht werden konnten.

Der Wiederaufbau der Leuchtfeuerstation Helnes begann im Frühjahr 1946 und wurde im Herbst 1948 beendet.
Zunächst wurde der Leuchtturm als niedriger Betonturm aufgebaut. Anschließend wurden ein Holzhaus als Nebengebäude und ein Bootshaus gebaut.

Das Leuchtfeuer wurde 1946 als niedriges Betongebäude errichtet. Hinzu kamen zunächst ein Holzhaus als Unterkunft und ein Bootshaus. Später kam ein großes Leuchtfeuergebäude mit Platz für zwei Familien hinzu sowie zwei Nebengebäude, ein neues Bootshaus, ein Kai und ein Weg vom Kai zum Leuchtturm.

1948 wurde die Station elektrifiziert und 1949 ein Nautophon als Nebelsignal in Betrieb genommen.

1966 wurde die Station in eine Wachstation umgewandelt und die Familien abgezogen.

Obwohl die Station 1986 automatisiert wurde, war sie bis 2004 abwechselnd mit Leuchtfeuerwärtern besetzt.

Nachdem die Besatzung komplett abgezogen wurde, wurden die Gebäude mit Ausnahme des Feuerturms an die Gemeinde Nordkapp verkauft, die sie wiederum an die Firma Destinasjon 71° North verkaufte. Aufgrund der schwierigen Landungsbedingungen wurde die Station wieder an das Küstenwerk zurück verkauft.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 100

https://en.wikipedia.org/wiki/Helnes_Lighthouse
https://no.wikipedia.org/wiki/Helnes_fyr
http://kystreise.no/detaljer/4538/Helnes-fyr/
https://snl.no/Helnes_fyr
https://kystverkmusea.no/digitale-utsti ... fyrstasjon - mit vielen Fotos
https://lokalhistoriewiki.no/wiki/Helne ... %80%931943 – sehr ausführlich in Norwegisch

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Fortsetzung folgt
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