Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Noch Teil 76
Ergänzung Bremstein: ErinnerungenMein norwegischer Freund in Grimstad hat mir freundlicherweise eine Übersetzung gemacht, die weitere kleine Episoden aus dem Leben auf einer Leuchtfeuerstation enthält. Ich habe die Übersetzung aus dem Englischen gefertigt und meine, dass diese Beschreibungen meine ursprüngliche ergänzt.
Vielleicht hat der eine oder andere Helgelandbewohner (
Christoph ?) Informationen über den jetzigen Stand der Bemühungen um den Erhalt von Bremstein?
Familienleben auf einer Insel und am Eingang zum OzeanIm Sommer 1934 zog die Familie Woxvold von Risør zur Leuchtfeuerstation Bremstein. Norman Woxvold war 36 Jahre alt und war Seemann während des 1. Weltkrieges. Er sollte auf Bremstein seinen Dienst als Assistent des Leuchtfeuerwärters antreten. Mit ihm kamen seine Frau und drei kleine Jungen, von denen der kleinste zweieinhalb Jahre alt war. Die Familie lebte zusammen mit zwei anderen Familien 5 Jahre auf Bremstein.
Der Jüngste, Norman Vågsvoll (Anm: Das ist wohl der in Bokmål übertragene Familienname), erinnerte sich, dass das Wetter auf der Station sehr stürmisch sein konnte. Bei Sturm wurden die Seen sehr hoch und schlugen die Fensterscheiben im Erdgeschoss ein. Bei einem Sturm schlug die See bis in den Garten. Danach war nur noch Seetang im Garten, wo Erde und Gemüse sein sollten.
Während der Zeit wurden zwei Babys auf der Station geboren.
Heute bestehen nur noch Ruinen des Fundaments des alten Wohnhauses, in dem sie lebten. Sie hatten dort eine Küche und zwei Zimmer.
Bremstein „nachverfolgen“
Schweres Wetter und herausfordernde Anlandungsbedingungen machten es den meisten Leuten schwer, hier an Land zu kommen. Nach 57 Jahren kam der nun 64-jährige Norman Vågsvoll zurück auf das Leuchtfeuer, arrangiert vom norwegischen Fernsehprogramm „Tore på sporet“ im Juni 1966.
Norman erzählte, dass sie eine Ziege auf der Leuchtfeuerstation hatten, die nur das spärliche Gras auf dem kahlen Boden als Futter hatte. Als die Tochter des Leuchtfeuerwärters auf Vega heiratete, war die gesamte Familie eingeladen. Sie nahmen die Ziege mit, um auf sie aufzupassen. Als die Ziege dort an Land kam, war sie anscheinend so „überwältigt“ von dem riesigen Angebot von saftigem Gras, dass sie sich förmlich „zu Tode fraß“.
Grüße aus dem Jahr 1976Die Zeitung “Helgeland Arbeiderblad” besuchte die Station im Jahr 1976. Bremstein war zu jener Zeit bereits eine Wachstation mit zwei Männern im Dienst. Das Küstenwerk beschrieb die Station Bremstein als „isoliert und sehr traurig. Raue See und schwierige Landungsverhältnisse.“ Diese „barbarische“ Beschreibung ihres Arbeitsplatzes konnten die beiden Leuchtfeuerwärter Håkon Anderson aus Vega und Karl Larsen aus Honningsvåg nicht bestätigen. Håkon Anderson kommentierte: „Leuchtfeuerwärter auf Steinan (Bremstein) zu sein, sei der beste Job, den er sich vorstellen könne.“
Modernisierung notwendig1961 wurde ein Teil des Wirtschaftsgebäudes umgebaut, um die Dieselaggregate unterzubringen. Die Station wurde elektrifiziert. In ruhigem Wetter konnte die Besatzung Proviant und andere Versorgungsgüter mit einem Beiboot des Versorgungsschiffes auf die kleine Insel bringen. Meistens jedoch mussten sie die Güter und auch die Wachablösung mit dem Kran auf den Kai hieven.
Geschützter Gebrauch Das Küstenwerk renovierte das Haus des Leuchtfeuerwärters im Jahr 2010. Das Küstenwerk kooperierte mit der Provinz Nordland und der Gemeinde Vega, wie der zukünftige Gebrauch und Erhalt der Station aussehen soll. Das Küstenwerk arbeitete Kooperationsvereinbarungen mit lokalen Klubs und Vereinigungen aus, damit diese sich in der Unterhaltung und Pflege der Station engagieren und der Öffentlichkeit Zugang zur Station gewähren können. Bremstein Leuchtfeuerstation war für 10 Jahre an eine Gruppe interessierter Personen unter dem Namen „Bremstein Fyr DA“ unter der Bedingung vermietet worden, dass sie das Haus in Ordnung hielten. Derzeit ist die Station allerdings nicht zugänglich für Gäste. Es wurde begonnen, eine schwimmende Landungsbrücke für eine sicherere Anlandung mit kleineren Booten zu planen. Die Kosten hierfür würde das Küstenwerk übernehmen.
Bremstein sei immer noch ein Prachtstück an der Helgelandküste und wird es auch immer bleiben. Man hofft, dass bald wieder Besucher auf Bremstein übernachten und hierbei die Mächtigkeit der See spüren können.
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Fortsetzung folgt
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Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 77
Åsvær – Dønna - NordlandIn Verbindung mit der Errichtung eines Küstenfeuers auf Træna wurde vorgeschlagen, ein Leitfeuer auf Andersbakken zu errichten, der nördlichsten Schäre im Gebiet von Åsværet an der Südseite des Åsenfjords und nordwestlich der größeren Insel Dønna.
Als Begründung wurde darauf hingewiesen, dass man mit Hilfe dieses Feuers in das innere Fahrwasser einfahren und die Häfen von Åsværet aufsuchen kann. Des Weiteren wäre ein solches Feuer von großem Nutzen für die Heringsfischerei.
Das Leuchtfeuerwesen wollte die Schäre kaufen, aber der Grundeigentümer wollte sie nur vermieten. So wurde ein Grundzinsvertrag (ähnlich Erbbauzins) geschlossen mit einer Jahresmiete von 25 Kronen.

Åsvær Leuchtfeuerstation im Schärengarten von Åsværet – aufgenommen 10.06.2014 von MS AMADEA aus – wie auch alle anderen Fotos
Es wurde ein solides Leuchtfeuergebäude aus Beton gebaut, 6 m über dem Wasserspiegel und 20 m einwärts von der Wasserlinie. Da man wusste, was vorher passiert war, setzte man das Gebäude weiter einwärts, denn die vorher aufgestellte Holzbake war zu schwach in der Konstruktion und wurde mehrfach beschädigt.
Das Leuchtfeuer wurde am 10. Oktober 1876 angezündet. Die Besetzung erfolgte durch einen Leuchtfeuerwärter „mit Hausstand“, also Familie.
In einem Orkan am 24. Januar 1880 schlug die See über die gesamte Schäre und zerstörte das Leuchtfeuer und den Feuerapparat und schlug die Fenster auf zwei Seiten des Gebäudes ein. Nach diesem Sturm wurde ein Wellenbrecher in Form eines Betonturms an der nordwestlichen Ecke des Leuchtfeuergebäudes gebaut. Das Licht wurde durch ein Stahlnetz geschützt und die Fenster wurden mit starken Holzplanken versehen.

Åsvær Leuchtfeuerstation – links das Maschinenhaus, rechts das Wohnhaus
Am 27. und 28. Februar 1883 blies ein neuer Orkan und die Seen schlugen wieder über das Haus und die Schäre. Die letzten Verstärkungen erwiesen sich als nicht ausreichend. Die Fenster des Feuerhauses wurden eingeschlagen und der Feuerapparat beschädigt. Die Holzplanken vor den Fenstern hielten, jedoch wurden die dahinter liegenden Fenster durch den gewaltigen Druck der Seen beschädigt. Die Familie und der Leuchtfeuerwärter flüchteten sich in den obersten Raum über die schweren Brecher, doch auch hier wurden die Fenster eingeschlagen. Auch vom Wirtschaftsgebäude wurden die Fenster eingeschlagen und da die Eingangstür zum Keller regelrecht weggesprengt wurde, ergoss sich das Seewasser über den Abstellraum und den Proviantraum.

Åsvær alte Leuchtfeuerstation – deutlich zu erkennen, wie große Teile des Betonhauses von der See weggerissen sind. Der Turm steht noch.
Neben den nun vorzunehmenden Reparaturen wurde der Wellenbrecherturm mit einer Betonmauer von 0,7 m im unteren Teil und 0,2 m im oberen erheblich verstärkt. Das Wirtschaftsgebäude erhielt solide Planken, die geteert waren. Das Feuerhaus wurde jetzt auf der Spitze des Turms in einer Höhe von 24,5 m über dem Hochwasserspiegel installiert.
Der Leuchtfeuerwärter und seine Familie hatten spürbar gelitten. Er schrieb in seinem Bericht, obwohl er ruiniert und fast sein gesamtes Eigentum durch die See zerschlagen sei, wolle er und seine Familie auf Åsvær bleiben. Er bat um Erstattung seines zerstörten Eigentums und um 578 Kronen, ein Betrag, den er auch erhielt.
In einem Sturm am 18. November 1889 entstand wiederum großer Schaden, dieses Mal begrenzt auf Wirtschaftsgebäude und Bootshaus. Beide wurden zerstört, ebenso wie die Boote, die im Bootshaus standen. Der Turm jedoch war dieses Mal stark genug und diente der Familie als Zufluchtsraum.
Die Plage war jedoch nicht vorüber. 1905 verlor das Dienstmädchen der Familie vier Finger beim Aussetzen des Bootes. Da hier aber das Leuchtfeuerwesen nicht verantwortlich war, erhielt das Mädchen lediglich 88 Kronen von der Verwaltung.
In der Neujahrsnacht 1917 kam ein derartiges Unwetter über die ganze Küste und richtete den größten materiellen Schaden an, den das Leuchtfeuerwesen je hatte.
Auf Åsvær funktionierte das Leuchtfeuer, aber das Haus wurde schwer beschädigt. Fenster mit 25 mm dicken Scheiben, eigentlich geschützt durch solide Holzplanken, wurde eingeschlagen. Die Frau des Leuchtfeuerwärters schwamm im Wasser, da die Küche zerstört wurde. Die Tochter konnte sich im letzten Augenblick retten, bevor sie von den immensen Wassermassen die Treppe heruntergedrückt worden wäre.
Nach dieser Nacht waren der Keller und alle Zimmer mit Seewasser gefüllt und das Haus war nicht mehr bewohnbar.

Åsvær die „neue“ Leuchtfeuerstation
Das Leuchtfeuergebäude wurde aufgegeben. In der Folgezeit wurde ein Gusseisenturm auf der anderen Seite der Schäre etwa 100 m südlich des alten Leuchtfeuergebäudes errichtet. Der Turm steht auf einem Sockel aus großen Granitsteinquadern.
Auch wurde bestimmt, dass die Station nicht länger als Familienstation betrieben werden könnte. So wurden im Turm ein Gemeinschaftsraum und zwei kleine Zimmer für den Leuchtfeuerwärter und seinen Assistenten samt Öltank und Zisterne im Keller eingerichtet. Ein kombinierter Leuchtfeuerapparat 2. und 3. Ordnung wurde 1919 angezündet. Ein Bootshaus aus Stahlbeton wurde ca. 190 m vom Leuchtfeuerturm gebaut zusammen mit einer Landungsbrücke und einem Kran. Für die Einstellung eines Reserveassistenten wurde im dritten Stock ein Zimmer eingerichtet. Daneben wurde ein kleines Wirtschaftsgebäude mit Holzlager und Werkstatt für die Besatzung gebaut.

Åsvær – links das Maschinenhaus für die Dieselaggregate
1964 wurde die Station mit Strom von eigenen Dieselaggregaten elektrifiziert, für die ein kleines Maschinenhaus neben dem Wirtschaftsgebäude gebaut wurde.
Åsvær Leuchtfeuerstation wurde 1980 automatisiert und die Besatzung abgezogen. Die Aufsicht über das Leuchtfeuer übernahmen nun die Besatzungen der Lotsenboote.

Von diesen Lotsenbooten erfolgt die Überwachung des Leuchtfeuers in Intervallen
Die Schäre Andersbakken befindet sich immer noch in Privatbesitz; das Leuchtfeuer gehört aber dem Küstenwerk.
Im Jahr 2000 wurde Åsvær Leuchtfeuerstation unter Denkmalschutz gestellt. Hierzu gehören der Turm sowie alle anderen Gebäude. Die Schäre selbst steht unter Naturschutz.

Åsvær – die neue und die alte Station
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Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 248
Norges Fyr, Fra Stad til Grense Jakobselv, Bind 2, Birger Björkhaug, Sven Poulsson, Grøndahl & Søn Forlag A.S., Oslo, 1987, S. 162 f
Norske fyr, Nasjonal verneplan for fyrstasjoner, Riksantikvarens rapporter nr. 24, Oslo 1997, S. 124
https://arkitekturguide.uit.no/files/show/5778 https://kulturminnesok.no/minne/?queryS ... et%2F87413 https://kystverket.no/globalassets/fyr- ... c_kort.pdf