Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Di, 25. Feb 2020, 21:34

Danke Martin,
Morgen oder Übermorgen geht es weiter.
Aber ob es ein Abenteuer oder eine Anstellung (heute: Job) war ist fraglich.
Auf jeden Fall eine Anstellung zum Überleben.
Gruß
Ronald
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Di, 03. Mär 2020, 13:50

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 72

Nordøyan – Nærøysund - Trøndelag


Der Leuchtturm, der sich auf der Insel Sunøya beim Fischerdorf Nordøyan nördlich von Folda befindet, wurde 1890 erbaut und ist in staatlichem Besitz. Mit Hilfe einer großen Fresnel-Linse, die heute noch in Gebrauch ist, wird eine Reichweite von 17,2 Seemeilen erreicht. 2005 wurde der Leuchtturm auf automatischen Betrieb umgestellt.

In der Nähe des Leuchtturms Nordøyan ereignete sich im Jahr 1962 der Untergang des Hurtigruten-Schiffes Sanct Svithun.

Nordøyan Leuchtfeuerstation liegt südwestlich der Insel Ytre Vikna auf Surnøya, der größten Insel der Inselgruppe und Fischergemeinde Nordøyan. Die anderen Inseln sind Oddholmen und Heimvær. Diese sind durch Molen verbunden, und bilden hierdurch einen sicheren Hafen.

In den Budgetberatungen 1887-1888 wurden die Pläne für die Sicherung des Fahrwassers der Folda festgelegt. Unter anderem sollte ein Leuchtfeuer auf Bjørøya, Ellingråsa, errichtet werden. Ferner sollte Villa Leuchtfeuer eingestellt und durch ein neues Leuchtfeuer auf Nordøyan ersetzt werden. Als Folge wurde die südlichste der Nordøyan Inselgruppe, Surnøya, 1890 vom Leuchtfeuerwesen für 9.000 Kronen gekauft.

Die Arbeiten für den Bau der Leuchtfeuerstation wurde vergeben. Es wurde ein eineinhalbgeschossiges Doppelhaus aus Holz errichtet. Die Dächer sind mit schwarzen korrugierten Stahlplatten gedeckt, die Gebäude mit weißen korrugierten Stahlplatten verkleidet.

Dem Leuchtfeuerwärter mit seiner Familie standen drei Zimmer und eine Küche zur Verfügung, dazu zwei Zimmer im Obergeschoss. Der Assistent erhielt die kleinere Wohnung. Der Keller enthielt die Waschküche, den Proviantraum und den Wasserbehälter für Frischwasser.

Das Leuchtfeuer mit einem Linsenapparat 2. Ordnung wurde vom eingestellten Leuchtfeuer Villa nach Nordøyan gebracht und installiert. Das große, rot angestrichene Feuerhaus aus Gusseisen steht auf einem Feldsteinfundament am Giebel der Wohnung des Leuchtfeuerwärters. Das Leuchtfeuer hat eine große, französische Linse, die noch immer noch im Gebrauch ist. Auch der Drehmechanismus ist teilweise erhalten.

Das Leuchtfeuer wurde am 15. Oktober 1890 in Betrieb genommen.

Der Leuchtfeuerwärter und sein Assistent erhielten 1896 einen Kredit, um das Land um die Station urbar zu machen. Außerdem hielten sie Schafe.

Etwa 326 m von der Station wurden ein Bootshaus sowie eine Landungsbrücke mit einem darauf befindlichen Kran gebaut. Da der kleine „Hafen“ durch die Molen geschützt lag, konnten die Boote das ganze Jahr draußen bleiben.

Allerdings wurde am 21. Januar 1901 ein Boot durch eine Sturmflut an Land geworfen und zerstört. Das andere Boot wurde gegen die Festmacherboje geschleudert und ebenso zerstört, das Bootshaus war teilweise ramponiert.

In den 1960er-Jahren wanderten immer mehr Bewohner vom westlichen Teil der Inselgruppe Vikna ab. Auch auf der 8 km östlich von Nordøyan liegenden Insel Bondøy lebte nur noch eine Familie. Die Leuchtfeuerbesatzung und deren beider Familien führten ein ziemlich einsames Leben. Auch war es nicht länger möglich, die Kinder von der Schule fernzuhalten und zu Hause zu unterrichten. Letztlich wurde die Familienstation 1964 in eine Wachstation umgewandelt.

Die nun im Dienst befindliche Besatzung wurde durch einen Reserveassistenten für acht Monate des Jahres verstärkt.

Im selben Jahr wurde die Station elektrifiziert, indem ein eigenes Dieselaggregat für Strom sorgte. 2019 ersetzte das Küstenwerk den Generator, der bis dahin elektrischen Strom für die Leuchtfeuerstation lieferte, durch 32 Solarzellenpaneele, Batterie und Wärmepumpe.

Nordøyan ist auch eine wichtige Wetterstation, denn täglich werden 8 Meldungen übermittelt.

Die Anlage ist im Zusammenhang mit Villa Leuchtfeuer und der Fischersiedlung Nordøyan historisch wertvoll und steht als Kulturdenkmal unter Schutz. Die geschützte Station umfasst das Leuchtfeuerwärterhaus mit Leuchtfeuer, Wirtschaftsgebäude und Bootshaus sowie das Gelände um die Station.
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Verlust der „SANKT SVITHUN“

Am 21. Oktober 1962 sank das 1950 in Italien gebaute Hurtigrutenschiff „SANKT SVITHUN“ im Fahrwasser westlich von Nordøyan Leuchtfeuer. Es war eine der größten Tragödien mit dem Verlust von 41 Menschenleben. Ursache für den Verlust war eine Fehleinschätzung der Position des Schiffes und eine nachfolgende falsche Kursänderung, die zu einem Auflaufen auf eine Schäre westlich von Nordøyan erfolgte. Während der Kapitän sich beim Leuchtfeuer Grinna wähnte, war die Position bei Nordøyan. Es wurden Notsignale abgesetzt wie Leuchtraketen, Alarmsignale und ein Notruf über Funk – jedoch mit der falschen Position. Daher erfolgte die Suchaktion der beteiligten Rettungsschiffe in einem falschen Seegebiet, nämlich bei Grinna und nicht Nordøyan. Letztlich konnten 48 Personen gerettet werden.

Einen ausführlicheren Bericht über das Schiff und den Verlust kann man hier nachlesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sanct_Svi ... hiff,_1950)


Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 153
Fyrene - kystens katedraler, Knut Baar Kristoffersen, Rune Nylund Larsen, Skagerrak Forlag, Sandefjord 2006, S.196 ff
Norges Fyr, Fra Stad til Grense Jakobselv, Bind 2, Birger Björkhaug, Sven Poulsson, Grøndahl & Søn Forlag A.S., Oslo, 1987, S. 138-139
Norske fyr, Nasjonal verneplan for fyrstasjoner, Riksantikvarens rapporter nr. 24, Oslo 1997, S. 120
https://kulturminnesok.no/minne/?queryS ... itet/86032
https://kystreise.no/detaljer/5253/Nordoeyan-fyr/
https://no.wikipedia.org/wiki/Nord%C3%B8yan_fyr
http://www.fyr.no/fyra/nordoyan/nordoyan.html
https://www.tu.no/artikler/kystverket-b ... ene/475410
https://www.kystverket.no/globalassets/ ... 16_red.pdf mit hervorragenden Fotos u.a. der Inneneinrichtung und auch der seltenen Optik.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sanct_Svithun_(Schiff,_1950)
http://www.sor-gjaeslingan.no/Sanct-Svi ... liset.aspx
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Di, 03. Mär 2020, 16:54

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 73

Grinna – Nærøysund - Trøndelag


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Grinna Leuchtfeuerstation – aufgenommen am 05.04.2001 von MS RICHARD WITH

Im Budgetjahr 1902-1903 wurde ein erster Betrag von 5.000 Kronen für eine Leuchtfeueranlage auf Grinna festglegt. Der Voranschlag setzte voraus, dass ein Leuchtfeuergebäude aus Holz auf einer hohen Grundmauer errichtet werden würde. Der Plan wurde aber geändert und man entschied sich für einen Gusseisenturm. Eine Familienwohnung in einem Turm war jedoch keine gute Lösung, so dass der Verwaltung empfohlen wurde, eine männliche Besatzung vorzusehen, wie auf Grip und Træna. Eine Familienunterkunft der Leuchtfeuerwärter sollte in Nærøysund südlich von Rørvik errichtet werden.

Die Schäre Grinna wurde für 200 Kronen gekauft. Es wurde ein Linsenapparat 3. Ordnung mit einem festen Feuer in einem zylindrischen Turm an der Spitze des 14 m hohen Gusseisenturms eingebaut. Der Turm stand auf einem soliden 5 m hohen Natursteinsockel. Im Turm befand sich im 2. Stock ein Schlafzimmer und im 3. Stock ein weiteres Schlafzimmer mit Gemeinschaftsküche und Arbeitszimmer.

Das Bootshaus wurde aus Beton gebaut. Hierfür wurde ein 30 m zementierter Weg zur Landungsbrücke angelegt, auf der sich ein Schwingkran befand.

Das Leuchtfeuer wurde am 1. August 1904 angezündet.

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Grinna Leuchtfeuerstation – aufgenommen am 05.04.2011 von MS RICHARD WITH

Wie geplant, wurde ein Wohnhaus in Nærøysund gebaut. Es wurde „Grinnaboligen“ genannt und war ein zweistöckiges Holzhaus mit zwei Wohnungen, jede mit drei Zimmern, Küche und Dachkammer. Das Nebengebäude hatte einen Gemeinschaftsraum für die Leuchtfeuerbediensteten in Nærøysund. Ebenso war ein Bootshaus mit Landungsbrücke und Kran vorhanden.

Da auf der niedrigen Grinnaschäre nicht einmal Gras wuchs, erhielten die beiden Leuchtfeuerbediensteten jeder ein Stück Land mit gutem Boden in der Nähe des Haues in Nærøysund.

1964 wurde die Leuchtfeuerstation elektrifiziert mit Strom vom eigenen Generator. Hierfür wurde ein neues Betongebäude gebaut, in dem sich der Maschinen- und der Schaltraum befanden. Zusätzlich wurde ein gemeinschaftlicher Arbeits- und Proviantraum eingerichtet. Über dem obersten Schlafzimmer wurde ein Raum für ein Funkfeuer eingerichtet. 1969 wurde das Funkfeuer installiert. Während der Sommermonate, in denen das Leuchtfeuer ausgeschaltet war, sollten die Leuchtfeuerwärter schichtweise von der Wohnung an Land das Funkfeuer kontrollieren, indem sie die Frequenz abhörten. Das Funkfeuer wurde mit der Automatisierung eingestellt.
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Grinna Leuchtfeuerstation – aufgenommen am 10.04.2007 von MS RICHARD WITH. Deutlich zu sehen, wie die Seen auf die Schäre treffen

Die Anlandungsverhältnisse auf Grinna sind schlecht und es gibt zahlreiche Geschichten über Beinahe-Unglücke und gefährliche Anlandungen. Nicht selten blieb der Wachwechsel aus, weil schlechtes Wetter keine Anlandung zuließ, was selbst im Sommer keine Seltenheit war, denn es war auch wegen der vorherrschenden Strömungsverhältnisse schwierig in die Lagune hineinzusteuern, um etwas Schutz für die Anlandung zu haben.

Eine kuriose, glücklicherweise gut verlaufene Havarie war das Auflaufen des nordgehenden Hurtigrutenschiffes SKJÆRSTAD im Jahr 1946. Das Schiff mit 420 Passagieren lief am 3. Juli bei dichtem Nebel in der Folda in der Nähe der Schäre Grinna auf Grund. Dies resultierte in einen höchst seltenen Besuch für die Leuchtfeuerbesatzung, denn der Kapitän entschloss sich ca. 100 Passagiere, die meisten waren Frauen und Kinder, auf der Station abzusetzen. Das Schiff konnte sich aber selbst wieder in das Fahrwasser manövrieren und mit eigener Kraft, allerdings großen Unterwasserschäden, den Hafen von Rørvik erreichen, wo es repariert wurde. Die auf der Station gebliebenen Passagiere wurden offensichtlich von lokalen Fischern abgeholt.

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Grinna Leuchtfeuerstation – aufgenommen am 10.04.2007 von MS RICHARD WITH. Bei diesem Wetter möchte man nicht wirklich versuchen, mit einem Boot auf die Station zu gelangen

Nach 83 Jahren wurde Grinna automatisiert und die Besatzung am 12. Mai 1987 abgezogen.

Folla Kystlag hat eine Vereinbarung mit dem Küstenwerk, wonach die Station nach einer umfassenden Renovierung als Ferienunterkunft gemietet werden kann. Es heißt auf einer Webseite, „dass ein Aufenthalt auf Grinna Leuchtfeuer, gerne auch mit Übernachtung, für einen stressfreien Aufenthalt empfohlen werden kann“.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 86
Norges Fyr, Fra Stad til Grense Jakobselv, Bind 2, Birger Björkhaug, Sven Poulsson, Grøndahl & Søn Forlag A.S., Oslo, 1987, S. 134
https://fyr.no/fyr/grinna-fyrstsjon
https://snl.no/Grinna_fyr
https://www.viknatur.no/Grinna.htm
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Mi, 04. Mär 2020, 17:34

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 74

Nærøysund – Nærøysund - Trøndelag


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Nærøysund Leuchtfeuerstation – im Hintergrund links das Gebäude „Grinnabolig“ – aufgenommen am 10.04.2008 von MS KONG HARALD

Die ehemalige Leuchtfeuerstation Nærøysund liegt etwas südlich von Rørvik an der westlichen Seite der gleichnamigen Schifffahrtsstraße auf der Insel Inner-Vikna. Das Leuchtfeuer und die dazugehörigen Gebäude wurden 1904 errichtet. Die Station sollte das alte, 1841 gebaute Leuchtfeuer Prestøy auf der gegenüberliegenden Seite ersetzen. Die Laterne und die Optik wurden auf dem neuen Leuchtfeuer Nærøysund installiert. Auch das Leuchtfeuerwärtergebäude wurde auf die neue Station verlegt. Zugleich wurde eine Landungsbrücke mit einem darauf befindlichen Kran gebaut und ein Bootshaus errichtet.

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Nærøysund Leuchtfeuerstation mit dem nach hinten angesetzten Wohnhaus – aufgenommen am 26.05.2013

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Das alte Leuchtenhaus - aufgenommen am 26.05.2013

Die Station Nærøysund wurde 1984 eingestellt, die Besatzung abgezogen und das Leuchtfeuer wurde durch ein kleines auf einer Säule befindliches Feuer ersetzt, das etwas nordöstlich des alten Leuchtfeuers steht.

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Nærøysund Leuchtfeuer von 1984 - aufgenommen am 26.05.2013

Nach der Einstellung wurde die Station 1985 vom Verteidigungsministerium übernommen und die Unterkünfte als Ferienwohnungen für Angehörige der Streitkräfte benutzt. Das große, zweigeschossige Unterkunftshaus war das vormalige „Grinnabolig“ für den Leuchtfeuerwärter und Assistenten auf Grinna Leuchtfeuer.

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Die alte Landungsbrücke mit dem Bootshaus und Schwingkran - aufgenommen am 26.05.2013

Nach der Einstellung wurde die Station von 1984 bis 2008 vom Verteidigungsministerium als Basis für Aktivitäten an der Küste benutzt. In den Folgejahren wurde sie bis zum Herbst 2018 an die Freunde des Leuchtfeuers von Nærøysund ausgeliehen, da die Streitkräfte keine Verwendung mehr für die Anlage hatten.

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Nærøysund Leuchtfeuer von 1984 steht neben der alten Landungsbrücke - aufgenommen am 26.05.2013

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Die alte Landungsbrücke mit dem Schwingkran. Blick auf den Nærøysund mit der Nærøysundbrua, welche die Vikna-Inseln mit dem Festland verbindet

Da die Anlage eine einmalige Lage direkt an der Schifffahrtsstraße Nærøysund hat und zahlreiche Schiffe das Fahrwasser benutzen, einschließlich der abendlich passierenden nord- und südgehenden Schiffe der Hurtigrute, war sie sehr beliebt. Auch die naturbelassene Umgebung rund um die Anlage trug zum beliebten „friluftsliv“ bei.

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Die alte Leuchtfeuerstation und das Leuchtfeuer von 1984 stehen in einem Vogelschutzgebiet

Nachdem bekannt wurde, dass das Verteidigungsministerium die Anlage verkaufen wollte, nutzte die Kommune Vikna (ab 2020 Nærøysund) ihr Vorkaufsrecht aus und kaufte das gesamte Areal im Oktober 2019 für 4 Millionen NOK.
Nach dem Kauf setzte die Kommune eine Arbeitsgruppe ein, welche die zukünftigen Verwendungsmöglichkeiten des 14.606 qkm großen Geländes planen soll.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 154
https://fyr.no/fyr/naeroysund-fyrstasjon
https://no.wikipedia.org/wiki/N%C3%A6r%C3%B8ysund_fyr
https://en.wikipedia.org/wiki/N%C3%A6r% ... Lighthouse
https://www.forsvarsbygg.no/no/nyheter/ ... yrstasjon/
https://www.naroysund.kommune.no/_f/p5/ ... ressed.pdf
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Mi, 11. Mär 2020, 17:28

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 75

Sklinna – Leka - Trøndelag


Sklinna besteht aus einer Reihe größerer und kleinerer Inseln und Schären. Die Inselgruppe liegt nordwestlich von Leka in der gleichnamigen Kommune. Die größte Insel ist Heimøya, auf der die Leuchtfeuerstation Sklinna liegt. Zwischen Heimøya und Hansholmen wurde eine Mole gebaut, so dass die Bucht einen sicheren Hafen für die Fischereifahrzeuge bietet. Auch von Westen her ist die Bucht durch die zahlreichen Holme gegen die Winterstürme gut geschützt. Daher haben sich seit jeher Menschen auf dieser Inselgruppe niedergelassen. 1875 zählte die kleine „Gemeinde“ 27 feste Einwohner. Auch wenn später die Bewohner auf das Festland zogen, so waren es doch immer wieder Fischer und Fischaufkäufer, die sich während der Fangzeiten in ihren „Rorbuer“ aufhielten. Zwischen 1770 und 1890 hielten sich stets zwei Mann auf dem Ausguck auf Sklinna auf, um als Lotsen für die Schiffe zur Verfügung zu stehen, die nach Bindal fuhren, um Holzladungen aufzunehmen.

Es waren die Holzwerke als auch die Hafenverwaltungen, welche die Leuchtfeuerkommission ersuchten, ein Küstenfeuer auf Sklinna zu bauen. Ausschlaggebend war die exponierte Lage von Sklinna vor der Küste. Jedoch gab die Leuchtfeuerverwaltung Sklinna nicht die Priorität, sondern ordnete Sklinna als letztes von fünf Leuchtfeuern ein, die zu jener Zeit gebaut wurden.

Die Anfrage nach der Errichtung eines Leuchtfeuers wurde erneut gemacht und in die Budgetverhandlungen für die Jahre 1884-1885 aufgenommen, 30 Jahre nachdem die damalige Kommission den Bau eines Feuers abgelehnt hatte. Der Kostenvoranschlag ergab eine Summe von 140.000 Kronen, der jedoch vom Storting abgelehnt wurde.

Es dauerte wieder über 15 Jahre bis 1902 ein neuer Vorschlag für ein Leuchtfeuer für 1.700 Kronen gemacht wurde. Die Leuchtfeuerverwaltung war der Auffassung, dass auch ein Haus für die Aufsichtsperson – nicht direkt ein Leuchtfeuerwärter – für 6.800 Kronen gebaut werden sollte. Auch dieser Plan wurde abgelehnt, denn man wollte die weitere Entwicklung der Besiedlung an der Küste abwarten.

Jahre später wurden Mittel für ein Feuer und eine Unterkunft zunächst beschlossen, jedoch wiederum im zuständigen Parlamentsausschuss abgelehnt. Es folgten endlose Parlamentsdebatten, ob und wie ein Feuer eventuell an einem Haus angebracht werden könnte.

1903 wurde ein kleines Feuerlicht an einem Haus auf Sklinna angebracht und eine Aufsichtsperson bestellt. Dies erschließt sich aus einem Bericht, wonach das Boot des Aufsehers eines Tages im Jahr 1905 25 Seemeilen östlich von Sklinna bei Hortavær treibend aufgefunden wurde. Das Schiff der Leuchtfeuerverwaltung, Dampfschiff SKOMVÆR, wurde nach Sklinna beordert, fand aber alles in Ordnung bei der Besichtigung.

Jedoch führte der offensichtliche Tod der Aufsichtsperson beim Leuchtfeuerwesen zu der Einsicht, dass es unverantwortlich sei, den Aufseher ca. 70 Kilometer hin- und zurück zu rudern, um Proviant und Post zu besorgen. Nunmehr wurden Mittel für einen Bootsdienst bewilligt.

In der Parlamentsdebatte 1906-1907 kam man zu der Einsicht, dass die Fischerei um die Sklinnabank erheblich zugenommen hatte, so dass es nunmehr erforderlich sei, so schnell wie möglich ein richtiges Leuchtfeuer auf Sklinna zu bauen.

Die Leuchtfeuerverwaltung folgte diesem Vorschlag und beantragte die Bewilligung von 10.000 Kronen zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Gleichwohl wurde der Vorschlag abgelehnt und auch im Folgejahr unter Hinweis auf die fehlenden Haushaltsmittel zurückgewiesen – was erhebliche Proteste im Parlament auslöste.

Erst im Budget von 1909 wurde endlich ein Betrag von 69.900 Kronen für den Bau eines Leuchtfeuers bewilligt. Da zu jener Zeit das neue Leuchtfeuer auf Runde gebaut wurde, schlug man vor, den oberen Teil des alten Leuchtfeuers von Runde nach Heimøy zu bringen und einen Gusseisenturm auf dem höchsten Punkt von Heimøy zu errichten. Im Feuerhaus von Runde wurde eine französische Linse 2. Ordnung eingebaut, die noch heute in Betrieb ist. Die Linse wurde von der Firma Barbier, Benard & Turenne in Paris hergestellt.

Die Unterkünfte wurden 115 m unterhalb des Turms gebaut. Das Wohnhaus wurde für zwei Familien gebaut. Der Leuchtfeuerwärter hatte drei Zimmer, eine Küche, zwei Dachkammern sowie einen Anbau mit Keller zur Verfügung, der Assistent erhielt weniger Zimmer. Auch ein Reserveassistent wurde eingestellt. Voraussetzung hierfür war, dass der Leuchtfeuerwärter die Unterkunft für den Assistenten zur Verfügung stellte.

Die übrigen Gebäude bestanden aus dem Wirtschaftsgebäude, einem Stall, Holzschuppen, Bootshaus und einem kleinen Öllager. Beim Bootshaus wurde ein Anleger gebaut und auf diesem ein Schwingkran installiert.

Das neue Leuchtfeuer wurde 1910 angezündet und das kleine, alte Feuerlicht gelöscht. Zur Ansteuerung des kleinen Hafens wurden zusätzlich zwei kleine Leuchtfeuer in Betrieb genommen.

Die Arbeiten an der Leuchtfeuerstation wurden von Anders Folkestadås aus Folkestad in Volda geleitet. Die meisten Bauarbeiter an der Station kamen aus Sunnmøre.

1959 wurde das Leuchtfeuer durch drei eigene Aggregate elektrifiziert, die in einem extra gebauten Motorhaus aufgestellt wurden. Zugleich wurde ein Antennenmast aufgestellt und ein Funkfeuer mit einer Reichweite von 100 Seemeilen am Tag und 70 Seemeilen in der Nacht installiert.

Mit der Elektrifizierung wurde die Familienstation in eine Wachstation umgewandelt. Die Hauseinrichtungen wurden modernisiert und die Häuser 1960 verkauft.

2004 wurde Sklinna Leuchtfeuerstation automatisiert und die Besatzung abgezogen.
-
Unter der Führung des Küstenwerks für die weitere Entwicklung der Sklinna Leuchtfeuerstation erhielt Sklinna eine Schlüsselposition zur Vogelbeobachtung im Rahmen des nationalen Überwachungsprogramms für Seevögel (SEAPOP). Auch das Norwegische Institut für Naturforschung (NINA) benutzt Sklinna als Basis für Beobachtungen. Daher stehen Sklinna und die weitere Umgebung unter Naturschutz.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 154
Norges Fyr, Fra Stad til Grense Jakobselv, Bind 2, Birger Björkhaug, Sven Poulsson, Grøndahl & Søn Forlag A.S., Oslo, 1987, S. 147 f
https://kulturminnesok.no/minne/?queryS ... itet/87451 mit Foto
https://no.wikipedia.org/wiki/Sklinna_fyr
https://kystverket.no/globalassets/fyr- ... d_safe.pdf - mit Detailfotos
https://fyr.no/fugletelling-i-storm-pa-sklinna/
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Sa, 14. Mär 2020, 16:25

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 76

Bremstein – Vega - Nordland


Geiterøy ist eine von einer Gruppe von Inseln bei Steinan vor der Helgelandküste, auf der sich das Leuchtfeuer Bremstein befindet. Die Station liegt westlich der Insel Vega, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Bereits 1899 wurde ein Leuchtfeuer auf Heimøy in Bremstein errichtet gefolgt in 1909 von zwei Leuchtfeuern auf Geiterøy und eines auf Nordholmen. Die drei Leuchtfeuer waren für die Fischereifahrzeuge angezündet worden. Sie wurden in älteren Leuchtfeuerverzeichnissen auch als „Fischereifeuer“ geführt. Um die Gefährlichkeit des Fahrwassers um diese Inseln herum zu unterstreichen, wurde in einem Leuchtfeuerverzeichnis die Warnung hinzugefügt: „Nicht für den Gebrauch durch Fremde bestimmt.“

In den 1920-er Jahren wurde die Errichtung eines richtigen Leuchtfeuers erhoben, jedoch nicht wegen der zahlreichen Fischereifahrzeuge, sondern wegen des zunehmenden internationalen Schiffsverkehrs. Zwischen Sklinna und Ytterholmen war eine Strecke von 50 Seemeilen praktisch ohne effektives Leuchtfeuer für die Schifffahrt.

Im Budget für die Jahre 1921-1922 wurde ein erster Teilbetrag von 100.000 Kronen für den Bau des Leuchtfeuers Bremstein bewilligt, der sich wegen der gewaltigen Inflation und der ungünstigen Baustelle draußen im Meer auf 530.000 Kronen erhöhte. Die einsame Lage war auch der Grund, warum man hier keine Familienstation baute. Die Leuchtfeuerbesatzung sollte von vorneherein aus dem Leuchtfeuerwärter, Assistent und dem Reserveassistenten bestehen und letzterer sollte zunächst für acht Monate eingesetzt werden, später das ganze Jahr über.

Es wurde ein Gusseisenturm auf einem Natursteinsockel errichtet, auf dem ein Blitzapparat mit einer französischen Linse 2. Ordnung installiert wurde. In der zweiten Etage des Turms wurde ein weiterer Apparat mit einer französischen Linse 2. Ordnung als Beifeuer installiert. Beide Linsen sind noch heute in Betrieb.

Geiterøy befand sich zwar im Staatseigentum, aber die Grundstücke für die Wohngebäude mussten mit großer Sorgfalt ausgewählt werden, denn starke Stürme und Seeschlag konnten die Sicherheit der Besatzung beeinträchtigen. Die Aussicht aus den Häusern war daher von untergeordneter Bedeutung.

In den Wohnhäusern der Besatzung befanden sich die Gemeinschaftsstube, Küche und Bad sowie zwei Schlafzimmer im Erdgeschoss und im Dachgeschoss weitere Schlafzimmer. Im Nebengebäude war die Werkstatt für jeden Mann der Besatzung, das gemeinschaftliche Holzlager sowie die Toilette. Das Bootshaus bestand aus Beton und enthielt zwei Räume, einen für den Leuchtfeuerwärter und einen für den Assistenten und Reserveassistenten.

Vom Bootshaus führte ein 30 m langer Schienenweg zum Anleger, auf dem sich ein Kran befand, denn das Boot musste jedes Mal mit dem Kran aus dem Wasser geholt und wieder zu Wasser gelassen werden.

Die Leuchtfeuerstation Bremstein wurde 1925 in Betrieb genommen.

1961 wurde die Station mit Strom aus den eigenen Dieselaggregaten elektrifiziert. Ein Teil des Wirtschaftsgebäudes wurde zu einem Maschinenraum umgebaut.

1980 wurde die Leuchtfeuerstation Bremstein automatisiert. Die Besatzung, die nunmehr auf Vega wohnte, wurde aber erst endgültig am 8. Mai 1982 abgezogen, nachdem man sich in Intervallen davon überzeugt hatte, dass das Leuchtfeuer einwandfrei arbeitete.

Da die Linsen noch intakt sind und zahlreiche ursprüngliche Elemente bewahrt blieben, wie z.B. der Wachraum und die Turmtreppe, wurde die Station unter Denkmalschutz gestellt.

Das Maschinenhaus mit dem Dieseltank und der elektronischen Ausrüstung brannte 1996 vollständig nieder.

Das Fundament vom Haus des zweiten Leuchtfeuerwärters steht noch, aber das Haus wurde abgebaut und nach Bodø gebracht, als die Besatzung die Station verlassen hatte.

1999 wurde Bremstein unter Denkmalschutz gestellt. Hierzu gehören der Leuchtturm, die Laternen und die anderen Gebäude der Station samt Inneneinrichtung und Bootshaus.

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Das Fischerdorf Bremstein

Bremstein war Ende des 19. Jahrhunderts das größte Fischerdorf in
https://www.verdensarvvega.no/index.php/de/bremstein
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Bremstein stand zum Verkauf – Meldung vom 11. August 2006 in „Helgelendingen“

Das Küstenwerk hat den Auftrag erhalten, Leuchtfeueranlagen entlang der Küste zu verkaufen. Hierunter befand sich auch Bremstein Leuchtfeuerstation. Im Jahr 2006 sollten 10 Stationen verkauft werden. Sämtliche Stationen sind taxiert worden, aber zugleich wurden Richtlinien zum Verkauf festgelegt.

In der Vergangenheit hatte das Küstenwerk bereits 20 staatliche Stationen erfolgreich verkauft, was einen Betrag von 12 Millionen Kronen einbrachte.

Wieviel die 10 Stationen jetzt einbringen würden, sei ungewiss, da es sich bei einigen um attraktive Standorte, bei anderen um sehr ungünstig gelegene Stationen handeln würde.

Für den gesamten Verkaufsprozess bestanden feste Richtlinien und klare Prioritäten, wer ein Vorkaufsrecht haben sollte. Staatliche Institutionen hatten erste Priorität, gefolgt von Gemeinden und Provinzinstitutionen. Sodann wurden gemeinnützige Vereinigungen berücksichtigt. Wenn sich keine der genannten Institutionen finden würde, konnten die Stationen an Privatleute verkauft werden, jedoch auch diese hatten sich an bestimmte Klauseln zur Benutzung zu halten, denn die Leuchttürme und dazugehörigen Gebäude, die „Kathedralen der Küste“, stellen einen wichtigen Teil der Küstenkultur Norwegens dar, die auch in Zukunft bewahrt werden müssen, so Knut Baar Kristoffersen vom Küstenwerk.

Daher werden die Stationen auch nicht im offenen Verkauf angeboten und die Käufer verpflichtet, sich an die Abmachungen zu halten und die Anlagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der Bürgermeister von Vega, Einar Silseth, erklärte, dass die Gemeinde nur ein geringes Interesse an der Station Bremstein habe, da sie im Tourismusbereich nur eingeschränkt zugänglich sei. Daher sei der Gebrauchswert nur schwer einzuschätzen und nur wenig geeignet für den Tourismus.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 45
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https://arkitekturguide.uit.no/items/show/1275
https://fyr.no/fyr/bremstein-fyrstasjon
https://kulturminnesok.no/minne/?queryS ... et%2F87614
https://kystverket.no/globalassets/fyr- ... 16_red.pdf mit zahlreichen Fotos
https://www.helg.no/lokale-nyheter/brem ... 63-2234464
https://www.kystverket.no/Nyheter/2018/ ... stein-fyr/
https://web.archive.org/web/20070817102 ... enDocument
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » So, 15. Mär 2020, 17:20

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Noch Teil 76

Ergänzung Bremstein: Erinnerungen


Mein norwegischer Freund in Grimstad hat mir freundlicherweise eine Übersetzung gemacht, die weitere kleine Episoden aus dem Leben auf einer Leuchtfeuerstation enthält. Ich habe die Übersetzung aus dem Englischen gefertigt und meine, dass diese Beschreibungen meine ursprüngliche ergänzt.

Vielleicht hat der eine oder andere Helgelandbewohner (Christoph ?) Informationen über den jetzigen Stand der Bemühungen um den Erhalt von Bremstein?

Familienleben auf einer Insel und am Eingang zum Ozean

Im Sommer 1934 zog die Familie Woxvold von Risør zur Leuchtfeuerstation Bremstein. Norman Woxvold war 36 Jahre alt und war Seemann während des 1. Weltkrieges. Er sollte auf Bremstein seinen Dienst als Assistent des Leuchtfeuerwärters antreten. Mit ihm kamen seine Frau und drei kleine Jungen, von denen der kleinste zweieinhalb Jahre alt war. Die Familie lebte zusammen mit zwei anderen Familien 5 Jahre auf Bremstein.

Der Jüngste, Norman Vågsvoll (Anm: Das ist wohl der in Bokmål übertragene Familienname), erinnerte sich, dass das Wetter auf der Station sehr stürmisch sein konnte. Bei Sturm wurden die Seen sehr hoch und schlugen die Fensterscheiben im Erdgeschoss ein. Bei einem Sturm schlug die See bis in den Garten. Danach war nur noch Seetang im Garten, wo Erde und Gemüse sein sollten.

Während der Zeit wurden zwei Babys auf der Station geboren.

Heute bestehen nur noch Ruinen des Fundaments des alten Wohnhauses, in dem sie lebten. Sie hatten dort eine Küche und zwei Zimmer.

Bremstein „nachverfolgen“

Schweres Wetter und herausfordernde Anlandungsbedingungen machten es den meisten Leuten schwer, hier an Land zu kommen. Nach 57 Jahren kam der nun 64-jährige Norman Vågsvoll zurück auf das Leuchtfeuer, arrangiert vom norwegischen Fernsehprogramm „Tore på sporet“ im Juni 1966.

Norman erzählte, dass sie eine Ziege auf der Leuchtfeuerstation hatten, die nur das spärliche Gras auf dem kahlen Boden als Futter hatte. Als die Tochter des Leuchtfeuerwärters auf Vega heiratete, war die gesamte Familie eingeladen. Sie nahmen die Ziege mit, um auf sie aufzupassen. Als die Ziege dort an Land kam, war sie anscheinend so „überwältigt“ von dem riesigen Angebot von saftigem Gras, dass sie sich förmlich „zu Tode fraß“.

Grüße aus dem Jahr 1976

Die Zeitung “Helgeland Arbeiderblad” besuchte die Station im Jahr 1976. Bremstein war zu jener Zeit bereits eine Wachstation mit zwei Männern im Dienst. Das Küstenwerk beschrieb die Station Bremstein als „isoliert und sehr traurig. Raue See und schwierige Landungsverhältnisse.“ Diese „barbarische“ Beschreibung ihres Arbeitsplatzes konnten die beiden Leuchtfeuerwärter Håkon Anderson aus Vega und Karl Larsen aus Honningsvåg nicht bestätigen. Håkon Anderson kommentierte: „Leuchtfeuerwärter auf Steinan (Bremstein) zu sein, sei der beste Job, den er sich vorstellen könne.“

Modernisierung notwendig

1961 wurde ein Teil des Wirtschaftsgebäudes umgebaut, um die Dieselaggregate unterzubringen. Die Station wurde elektrifiziert. In ruhigem Wetter konnte die Besatzung Proviant und andere Versorgungsgüter mit einem Beiboot des Versorgungsschiffes auf die kleine Insel bringen. Meistens jedoch mussten sie die Güter und auch die Wachablösung mit dem Kran auf den Kai hieven.

Geschützter Gebrauch

Das Küstenwerk renovierte das Haus des Leuchtfeuerwärters im Jahr 2010. Das Küstenwerk kooperierte mit der Provinz Nordland und der Gemeinde Vega, wie der zukünftige Gebrauch und Erhalt der Station aussehen soll. Das Küstenwerk arbeitete Kooperationsvereinbarungen mit lokalen Klubs und Vereinigungen aus, damit diese sich in der Unterhaltung und Pflege der Station engagieren und der Öffentlichkeit Zugang zur Station gewähren können. Bremstein Leuchtfeuerstation war für 10 Jahre an eine Gruppe interessierter Personen unter dem Namen „Bremstein Fyr DA“ unter der Bedingung vermietet worden, dass sie das Haus in Ordnung hielten. Derzeit ist die Station allerdings nicht zugänglich für Gäste. Es wurde begonnen, eine schwimmende Landungsbrücke für eine sicherere Anlandung mit kleineren Booten zu planen. Die Kosten hierfür würde das Küstenwerk übernehmen.

Bremstein sei immer noch ein Prachtstück an der Helgelandküste und wird es auch immer bleiben. Man hofft, dass bald wieder Besucher auf Bremstein übernachten und hierbei die Mächtigkeit der See spüren können.

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Fortsetzung folgt

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Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 77

Åsvær – Dønna - Nordland


In Verbindung mit der Errichtung eines Küstenfeuers auf Træna wurde vorgeschlagen, ein Leitfeuer auf Andersbakken zu errichten, der nördlichsten Schäre im Gebiet von Åsværet an der Südseite des Åsenfjords und nordwestlich der größeren Insel Dønna.

Als Begründung wurde darauf hingewiesen, dass man mit Hilfe dieses Feuers in das innere Fahrwasser einfahren und die Häfen von Åsværet aufsuchen kann. Des Weiteren wäre ein solches Feuer von großem Nutzen für die Heringsfischerei.
Das Leuchtfeuerwesen wollte die Schäre kaufen, aber der Grundeigentümer wollte sie nur vermieten. So wurde ein Grundzinsvertrag (ähnlich Erbbauzins) geschlossen mit einer Jahresmiete von 25 Kronen.

Bild

Åsvær Leuchtfeuerstation im Schärengarten von Åsværet – aufgenommen 10.06.2014 von MS AMADEA aus – wie auch alle anderen Fotos

Es wurde ein solides Leuchtfeuergebäude aus Beton gebaut, 6 m über dem Wasserspiegel und 20 m einwärts von der Wasserlinie. Da man wusste, was vorher passiert war, setzte man das Gebäude weiter einwärts, denn die vorher aufgestellte Holzbake war zu schwach in der Konstruktion und wurde mehrfach beschädigt.

Das Leuchtfeuer wurde am 10. Oktober 1876 angezündet. Die Besetzung erfolgte durch einen Leuchtfeuerwärter „mit Hausstand“, also Familie.

In einem Orkan am 24. Januar 1880 schlug die See über die gesamte Schäre und zerstörte das Leuchtfeuer und den Feuerapparat und schlug die Fenster auf zwei Seiten des Gebäudes ein. Nach diesem Sturm wurde ein Wellenbrecher in Form eines Betonturms an der nordwestlichen Ecke des Leuchtfeuergebäudes gebaut. Das Licht wurde durch ein Stahlnetz geschützt und die Fenster wurden mit starken Holzplanken versehen.

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Åsvær Leuchtfeuerstation – links das Maschinenhaus, rechts das Wohnhaus

Am 27. und 28. Februar 1883 blies ein neuer Orkan und die Seen schlugen wieder über das Haus und die Schäre. Die letzten Verstärkungen erwiesen sich als nicht ausreichend. Die Fenster des Feuerhauses wurden eingeschlagen und der Feuerapparat beschädigt. Die Holzplanken vor den Fenstern hielten, jedoch wurden die dahinter liegenden Fenster durch den gewaltigen Druck der Seen beschädigt. Die Familie und der Leuchtfeuerwärter flüchteten sich in den obersten Raum über die schweren Brecher, doch auch hier wurden die Fenster eingeschlagen. Auch vom Wirtschaftsgebäude wurden die Fenster eingeschlagen und da die Eingangstür zum Keller regelrecht weggesprengt wurde, ergoss sich das Seewasser über den Abstellraum und den Proviantraum.

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Åsvær alte Leuchtfeuerstation – deutlich zu erkennen, wie große Teile des Betonhauses von der See weggerissen sind. Der Turm steht noch.

Neben den nun vorzunehmenden Reparaturen wurde der Wellenbrecherturm mit einer Betonmauer von 0,7 m im unteren Teil und 0,2 m im oberen erheblich verstärkt. Das Wirtschaftsgebäude erhielt solide Planken, die geteert waren. Das Feuerhaus wurde jetzt auf der Spitze des Turms in einer Höhe von 24,5 m über dem Hochwasserspiegel installiert.

Der Leuchtfeuerwärter und seine Familie hatten spürbar gelitten. Er schrieb in seinem Bericht, obwohl er ruiniert und fast sein gesamtes Eigentum durch die See zerschlagen sei, wolle er und seine Familie auf Åsvær bleiben. Er bat um Erstattung seines zerstörten Eigentums und um 578 Kronen, ein Betrag, den er auch erhielt.

In einem Sturm am 18. November 1889 entstand wiederum großer Schaden, dieses Mal begrenzt auf Wirtschaftsgebäude und Bootshaus. Beide wurden zerstört, ebenso wie die Boote, die im Bootshaus standen. Der Turm jedoch war dieses Mal stark genug und diente der Familie als Zufluchtsraum.

Die Plage war jedoch nicht vorüber. 1905 verlor das Dienstmädchen der Familie vier Finger beim Aussetzen des Bootes. Da hier aber das Leuchtfeuerwesen nicht verantwortlich war, erhielt das Mädchen lediglich 88 Kronen von der Verwaltung.

In der Neujahrsnacht 1917 kam ein derartiges Unwetter über die ganze Küste und richtete den größten materiellen Schaden an, den das Leuchtfeuerwesen je hatte.

Auf Åsvær funktionierte das Leuchtfeuer, aber das Haus wurde schwer beschädigt. Fenster mit 25 mm dicken Scheiben, eigentlich geschützt durch solide Holzplanken, wurde eingeschlagen. Die Frau des Leuchtfeuerwärters schwamm im Wasser, da die Küche zerstört wurde. Die Tochter konnte sich im letzten Augenblick retten, bevor sie von den immensen Wassermassen die Treppe heruntergedrückt worden wäre.

Nach dieser Nacht waren der Keller und alle Zimmer mit Seewasser gefüllt und das Haus war nicht mehr bewohnbar.

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Åsvær die „neue“ Leuchtfeuerstation

Das Leuchtfeuergebäude wurde aufgegeben. In der Folgezeit wurde ein Gusseisenturm auf der anderen Seite der Schäre etwa 100 m südlich des alten Leuchtfeuergebäudes errichtet. Der Turm steht auf einem Sockel aus großen Granitsteinquadern.

Auch wurde bestimmt, dass die Station nicht länger als Familienstation betrieben werden könnte. So wurden im Turm ein Gemeinschaftsraum und zwei kleine Zimmer für den Leuchtfeuerwärter und seinen Assistenten samt Öltank und Zisterne im Keller eingerichtet. Ein kombinierter Leuchtfeuerapparat 2. und 3. Ordnung wurde 1919 angezündet. Ein Bootshaus aus Stahlbeton wurde ca. 190 m vom Leuchtfeuerturm gebaut zusammen mit einer Landungsbrücke und einem Kran. Für die Einstellung eines Reserveassistenten wurde im dritten Stock ein Zimmer eingerichtet. Daneben wurde ein kleines Wirtschaftsgebäude mit Holzlager und Werkstatt für die Besatzung gebaut.

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Åsvær – links das Maschinenhaus für die Dieselaggregate

1964 wurde die Station mit Strom von eigenen Dieselaggregaten elektrifiziert, für die ein kleines Maschinenhaus neben dem Wirtschaftsgebäude gebaut wurde.

Åsvær Leuchtfeuerstation wurde 1980 automatisiert und die Besatzung abgezogen. Die Aufsicht über das Leuchtfeuer übernahmen nun die Besatzungen der Lotsenboote.

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Von diesen Lotsenbooten erfolgt die Überwachung des Leuchtfeuers in Intervallen

Die Schäre Andersbakken befindet sich immer noch in Privatbesitz; das Leuchtfeuer gehört aber dem Küstenwerk.
Im Jahr 2000 wurde Åsvær Leuchtfeuerstation unter Denkmalschutz gestellt. Hierzu gehören der Turm sowie alle anderen Gebäude. Die Schäre selbst steht unter Naturschutz.

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Åsvær – die neue und die alte Station

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Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 248
Norges Fyr, Fra Stad til Grense Jakobselv, Bind 2, Birger Björkhaug, Sven Poulsson, Grøndahl & Søn Forlag A.S., Oslo, 1987, S. 162 f
Norske fyr, Nasjonal verneplan for fyrstasjoner, Riksantikvarens rapporter nr. 24, Oslo 1997, S. 124
https://arkitekturguide.uit.no/files/show/5778
https://kulturminnesok.no/minne/?queryS ... et%2F87413
https://kystverket.no/globalassets/fyr- ... c_kort.pdf
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Di, 17. Mär 2020, 14:38

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 78

Prestøy - Brønnøysund - Nordland

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Die Station während der Restaurierung vor dem Brand – aufgenommen 17.04.2007 von MS RICHARD WITH

Die Leuchtfeuerstation Prestøy wurde 1895 gebaut. Sie war als Familienstation konzipiert und enthielt viele Zimmer sowie ein Wirtschaftsgebäude, einen Stall und ein Bootshaus für den Leuchtfeuerwärter und seine Familie.
Die Leuchtfeuerstation ist insofern einzigartig, als das Feuerhaus in das Wohnhaus integriert ist.

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Auch 2008 wurde noch restauriert – aufgenommen 17.04.2008 von MS KONG HARALD

Prestøy war ein Richtfeuer, das den Schiffen den Weg durch eine schmale Fahrrinne wies.

Das Leuchtfeuer wurde bereits 1935 durch ein kleines Leuchtfeuer neben der alten Station ersetzt und die Besatzung abgezogen. Das Gebäude wurde an Privatleute verkauft.

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Am 1. Oktober 2014 erhielt die Polizei um 10.25 Uhr eine Meldung über ein Feuer auf Prestøya, etwas außerhalb des Zentrums von Brønnøysund. Die Bewohner befanden sich in dem Haus, kamen aber alle sicher heraus.

Im Dachstuhl der ehemaligen Leuchtfeuerstation war ein Feuer ausgebrochen, das sich rasch ausbreitete. Die Löscharbeiten waren wegen des hohen Alters des Holzgebäudes und der Lage herausfordernd. Zunächst war man von einem Totalschaden ausgegangen.

Das Rettungsboot „UNI Helgeland“ unterstützte die Arbeiten mit Ausrüstung und Leuten.

Das Feuer hat eines der markantesten Kulturdenkmäler in Süd-Helgeland getroffen, denn solche Denkmäler erzählen viel über die norwegische Geschichte als Küstennation.
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2011 war die Restaurierung abgeschlossen, bevor nur drei Jahre später das Dachgebäude abbrannte – aufgenommen 12.04.2011 von MS RICHARD WITH

Am 25. August 2016 wurde der nach den Originalunterlagen neu gebaute Dachstuhl sowie weiteres Baumaterial mit einem Hubschrauber nach Prestøy gebracht, denn die Eigentümerin des Gebäudes, Aasa Storlien, die ihre Kindheit auf der stillgelegten Station verbrachte, hatte sich für die Reparatur entschieden. Sie hatte die Station 1986 von ihrem Vater übernommen und seitdem ständig restauriert. Ihr Vater kaufte die kleine Insel mitsamt den darauf befindlichen Gebäuden und zog mit seiner Familie nach Prestøy.

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Nach der Renovierung, jedoch vor dem Brand 12.04.2011 - – aufgenommen 12.04.2011 von MS RICHARD WITH

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 47
https://fyr.no/?option=com_content&view ... Itemid=454
https://www.helg.no/kultur/restaurerer- ... 63-2546094
https://www.nrk.no/nordland/verneverdig ... 1.11961559 - mit einem Videoclip über die Löscharbeiten
http://www.norgesdokumentasjon.no/fyr.php
https://www.nfk.no/_f/p34/ib148d643-886 ... esized.pdf
https://www.banett.no/nyheter/2016/08/2 ... 234208.ece
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Di, 24. Mär 2020, 17:54

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 79

Træna – Træna - Nordland


Træna Leuchtfeuerstation liegt auf der kleinen Insel Sørholmen 10 km südwestlich des kleinen Inseldorfes Træna, nach dem das Leuchtfeuer benannt ist. Der Ortsname Træna hängt wahrscheinlich mit dem Zahlwort „Drei“ zusammen unter Bezug auf die charakteristische Felsformation auf der nordwestlich gelegenen Insel Sanna.

Die Leuchtfeuerstation wurde 1877 zusammen mit einem Küstenfeuer errichtet. 1874 hatte der Direktor des Leuchtfeuerwesens darauf hingewiesen, dass es zwischen Villa in damals Nord-Trøndelag und Andenes in Vesterålen auf einer Strecke von 330 Seemeilen an einem kräftigen Leuchtfeuer mangeln würde. In Südnorwegen würde der Abstand zwischen den Leuchtfeuern zwischen 25 bis 30 Seemeilen betragen.

Die Station wurde auf einem Granitsockel gebaut. Der Gusseisenturm wurde zwischen zwei Gebäudeflügeln ebenfalls auf Granit errichtet. Zusammen mit der Turmhöhe von 21,1 m ergab sich eine Feuerhöhe von 36,8 m, wodurch mit einer kräftigen Linse eine Tragweite von 17 Seemeilen erreicht wurde. Der Südflügel des Gebäudes wurde nach einem Sturm in Jahr 1901 abgerissen. Dafür wurde eine Mauer gebaut, um das schwerste Wetter abzuwehren.

Schweres Wetter gab es oft auf der Station Træna. 1884 hob der Sturm das Dach des Wohnhauses ab und Seewasser drang im Keller ein. 1889 riss der Sturm das Bootshaus in die See. Nach weiteren Stürmen 1898 und 1901 wurde das Wohnhaus umgebaut und die Leuchtfeuerfamilie zog an Land.

Unwetterperioden konnten wochenlang herrschen und die Leuchtfeuerbesatzung blieb oft isoliert von ihrer Umgebung. Daher war es sehr willkommen, wenn Leute vom Festland auf die Insel kamen. Die Geschichte erzählt von einem überraschenden Weihnachtsbesuch im frühen 20. Jahrhundert. Die Leuchtfeuerbesatzung saß am Heiligabend in der Stube des Feuerwärterhauses. Plötzlich klopfte es an der Tür und es kamen die Ehefrauen der Besatzung und andere Bekannte, um die Männer zu besuchen. Der Besuch war nur kurz, denn das Wetter konnte jederzeit umschlagen und es wäre für den Besuch unmöglich gewesen, rechtzeitig nach Træna zurückzukommen.

Træna Leuchtfeuerstation wurde 1974 automatisiert und die Besatzung abgezogen. Der Linsenapparat und das Feuerhaus wurden entfernt und durch ein LED-Licht ersetzt. Der hierfür benötigte Strom wird durch einen Windgenerator erzeugt.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 223
https://en.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%A6n ... _note-rw-4
https://fyr.no/fyr/traena-fyrstasjon
https://fyr.no/ny-bruk-av-traena-fyr/ mit Foto
https://lokalhistoriewiki.no/wiki/Tr%C3%A6na_fyrstasjon: Johannes Lovund: ”Søholmen. Fiskevær og fyrholme”; Birger Bjørkhaug & Sven Poulsson: ”Norges fyr”, Norsk fyrliste 2004.
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Di, 24. Mär 2020, 19:44

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste

Myken – Rødøy - Nordland


Myken Leuchtfeuerstation liegt auf der kleinen Insel Jutøy innerhalb der Inselgruppe Myken, 32 km vom Festland der Helgelandküste entfernt.

Eine Volkszählung auf Myken und andere Fischersiedlungen erfolgte in Nord-Norwegen erst nach 1850. Die größte Anzahl Bewohner wurde 1945 mit 150 Einwohnern festgestellt, 2016 waren es nur noch 9. Der Fischereiort hatte keine richtig permanenten Einwohner, es waren mehr eingereiste Fischer in Verbindung mit der Skreisaison. Die Skreifischer und viele Zugereiste fühlten sich während der dunklen Jahreszeit unsicher in dem umgebenden Fahrwasser. Daher kam 1887 die erste Forderung nach einem Leuchtfeuer. Die Leuchtfeuerverwaltung stimmte 1892 dem Betrieb eines Leuchtfeuers zu. Dieses wurde auf dem höchsten Punkt der Insel auf Planken errichtet, brannte aber bereits nach kurzer Zeit ab. 1894 wurde ein Licht in einem Eisenhaus installiert. Das Feuer wurde von einem lokalen Einwohner als Aufsichtsperson überwacht – ein sog. „Feueraufseher“.

Obwohl das Feuer hoch gelegen und keinerlei Sichtbeeinträchtigung vorhanden war, hatte es nur eine Tragweite von 7 Seemeilen. Diese geringe Tragweite wurde nicht nur von den Fischern beklagt, sondern auch von anderen, welche die Inseln und den sehr guten Hafen von Myken anliefen. Myken war auch eine Zwischenstation für Schiffe und Fischer, welche die Lofoten, insbesondere Røst, als Ziel hatten. Und so gab es zahlreiche Stimmen, die ein kräftigeres Leuchtfeuer forderten.

Zu jener Zeit waren auch eine Dampfschiffsverbindung sowie ein Fischereihafen im Fischerort geplant. Somit verstärkten sich die Forderungen nach einem Leuchtfeuer für eine sichere Ansteuerung von Myken.
Die Dampfschiffsroute wurde 1901 durch die Salten Dampfschifffahrtsgesellschaft eingerichtet und Myken als Bestimmungsort angelaufen.

Mit den Ergebnissen einer guten Heringsfischerei und höheren Preisen kamen ständig immer mehr Fischer, die Myken als ihren Ausgangspunkt wählten. Im Herbst 1915 waren 1200 bis 1500 Männer, die von Møre bis nach Vesterålen kamen. Die Fischer benutzten Treibnetze, die sie nachts aussetzten, so dass sie ein sicheres Fahrwasser benötigten und demnach ein Leuchtfeuer. Eine Versammlung aller Fischer wurde arrangiert, auf dem sie ein Komitee wählten, das ihre Sache vertreten sollte. Die Fischereivereinigungen von Myken und Nordland sandten einen Brief an die Regierung in Kristiania (Oslo). Der Storting-Abgeordnete der Linken, Olaf Amundsen, unterstützte die Forderung nach einem Leuchtfeuer. Nach einer Beratung wurde dem Antrag stattgegeben und im Budget für 1916-1917 die nötigen Mittel bewilligt.

Zunächst wurde ein einzelnes Leuchtfeuer auf der höchsten Erhebung von Jutøy, Jutøyhatten, errichtet, das am 10. Oktober 1917 angezündet wurde. Dieses Feuer wurde später auf der Insel nach Norden versetzt und erhielt die Bezeichnung Nordlykta. Im selben Jahr wurde im Süden der Insel ein weiteres Feuer gebaut, das als Sørlykta bezeichnet wurde.

An derselben Stelle, wo das kleine Leuchtfeuer stand, wurde dann ein Leuchtfeuergebäude errichtet. Im Erdgeschoss befanden sich die Wohnstube, Küche, Schlafzimmer und Bad. Im Obergeschoss befanden sich drei Zimmer, von denen eines für den Reserveassistenten bestimmt war. Im Keller befanden sich die Waschküche, der Proviantraum sowie der Wasserbehälter.

Der Leuchtfeuerturm wurde zusammen mit dem Wohngebäude gebaut und auf dem Dach des Gebäudes platziert. Das Feuer befand sich in einem zylindrischen Turm und war Linsenapparat 3. Ordnung.

Das Wirtschaftsgebäude war, wie das Wohngebäude, aus Holz und enthielt eine Werkstatt und einen Holzschuppen. Vom Bootshaus und der Landungsbrücke mit einem Kran führte ein 150 m langer Weg, teilweise mit Treppen, zum Leuchtfeuergebäude. Daneben wurde noch ein kleines Ölhaus gebaut.

Es war geplant, das Leuchtfeuer mit einer Linse 3. Ordnung auszustatten. Aufgrund des Ersten Weltkrieges verzögerte sich die Lieferung der Linse, so dass zunächst ein Linsenapparat 4. Ordnung installiert wurde, das am 10. Oktober 1917 seinen Betrieb aufnahm. Erst im Herbst ein Jahr später wurde die ursprünglich geplante Linse versandt und montiert. Das Leuchtfeuer wurde am 1. November 1918 angezündet. Durch die verspätete Lieferung und schlechtes Wetter während der Bauzeit sowie die zwischenzeitlich eingetretene Inflation verteuerten sich die Kosten für die gesamte Leuchtfeuerstation um 100 %.

Seitdem das Leuchtfeuer auf Myken errichtet war, fanden sich immer mehr britische und deutsche Trawler ein, um am Fischreichtum teilzunehmen. Seitens der Regierung wurde nun eine Grundlinie von Myken nach Skomvær auf den Lofoten gezogen, um so die Grenze des norwegischen See- und Fischereigebiets zu ziehen.

Erst mit der Elektrifizierung 1955 durch Dieselaggregate endete diese Unzuverlässigkeit. Hierfür wurde ein kleines Maschinenhaus gebaut. 1965 wurde zusätzlich ein Seekabel vom Festland gelegt, so dass die Stromversorgung vom Kraftwerk kam. Das Aggregat blieb als Reserve, das bei Stromausfall automatisch startete.

1974 wurde die Station automatisiert und die Besatzung abgezogen. Das Leuchtfeuergebäude sowie die übrige Anlage blieben erhalten und wird heute für Konferenzen und Übernachtungen genutzt. Im Jahr 2000 wurde die Station unter Schutz gestellt

Die Leuchtfeuerbesatzung

Einer der Leuchtfeuerwärter war Anders Eliassen, dessen Dienstzeit von 1918 bis 1949 dauerte. Er wohnte mit seiner Frau Kristine und fünf Kindern auf der Station. Die Familie hatte eine Kuh auf der Insel, aber es war sehr schwer, den Boden zu bestellen. Sie trockneten Tang und pflückten das Gras auf der gesamten Insel. Zusätzlich erhielten sie Heu vom Festland.

Auch im Sommer, zur Zeit der Mitternachtssonne, blieb die Familie auf der Station. Während dieser Zeit wurden die Apparate und Linsen gewartet und die Station renoviert.

Auch fischte der Leuchtfeuerwärter häufig. Bei einem Fischzug begleitete die Tochter Anna ihren Vater. Sie fingen einen Heilbutt von 74 Kilo, den sie dann verkauften. Vom Erlös bekam Anna ein paar neue Schuhe, die über den Katalog eines Versandhandels in Oslo bestellt wurden.

In der Nacht brannte das Leuchtfeuer und dies erforderte eine kontinuierliche Wache am Leuchtfeuerapparat. Der für das Leuchtfeuer verwendete Ölbrenner brannte nur unzuverlässig, so dass konstante Aufmerksamkeit erforderlich war.
Nachdem sich Eliassen 1949 zurückgezogen hatte, fungierte die Tochter Anna für eine Zeit als Leuchtfeuerwärter. Ihr Bruder Oskar war ein paar Jahre Reserveassistent auf Myken.

Erst mit der Elektrifizierung 1955 durch Dieselaggregate endete diese Unzuverlässigkeit.

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 149
Norges Fyr, Fra Stad til Grense Jakobselv, Bind 2, Birger Björkhaug, Sven Poulsson, Grøndahl & Søn Forlag A.S., Oslo, 1987, S. 170 f
Norske fyr - ei reise langs kysten, Ove Arne Olderkjær, Det Norske Samlaget, Oslo 2004, S. 44 f
Norske fyr, Nasjonal verneplan for fyrstasjoner, Riksantikvarens rapporter nr. 24, Oslo 1997, S. 125
https://kystreise.no/detaljer/5255/Myken-fyr/
https://kystverket.no/globalassets/fyr- ... d_safe.pdf mit zahlreichen Plänen, Karten und Detailfotos
https://no.wikipedia.org/wiki/Myken_fyr
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Kumulus » Di, 24. Mär 2020, 20:00

Die Geschichte vom Leuchtturmwärter, seiner Familie mit fünf Kindern und der Kuh auf einer kleinen Insel ist ja total interessant. Man kann sich heute kaum vorstellen, unter welchen spartanischen Bedingungen die Menschen früher ihr Leben meistern mussten.

Danke Ronald
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Mi, 25. Mär 2020, 13:40

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 79 - Nachtrag

Træna – Træna - Nordland


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Hier ist noch ein Foto von Træna – aufgenommen am 10.06.2014 von MS AMADEA aus. Deutlich ist der massive Sockel zu sehen. Ich meine, es muss schon ganz schön heftig auf dieser Schäre zugehen, wenn die Winterstürme toben und sich am Sockel brechen.

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@Martin: Das sind ja gerade die Geschichten, die mich bei meiner "Leuchtturmreise" so faszinieren. Die technischen Daten, wie Turmhöhe, Lichtstärke etc. kann man auf fast jeder Leuchtturm-Seite im Internet nachsehen, die Geschichten nur bei etwas mehr Nachblättern.

Fortsetzung folgt. Es sind noch 28 Leuchtfeuerstationen, die es abzureisen gilt.
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Heinjupp » Mo, 30. Mär 2020, 9:19

Nochmals vielen herzlichen Dank für deine Berichte. Und wenn wir schon nicht verreisen können, so nähren deine Berichte unser Fernweh. Hein.
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Mo, 30. Mär 2020, 12:24

@Hein: Danke für Deine netten Worte. Dann macht es umso mehr Spaß, die Übersetzungen und Zusammenstellungen zu fertigen.
Hier kommt die nächste.

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Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 81

Skomvær – Røst - Nordland

Die Leuchtfeuerstation Skomvær liegt inmitten einer Schärengruppe am Eingang zum Vestfjord.

Der Vorschlag für die Bewilligung eines Küstenleuchtfeuers kam zuerst 1878 auf und wurde mit dem großen Abstand zwischen den zwei bereits in Betrieb befindlichen Küstenleuchtfeuern Træna und Andenes, das bereits 1859 seinen Betrieb aufnahm, begründet. Der Abstand zwischen diesen beiden Leuchtfeuern beträgt ca. 200 Seemeilen und würde durch den Bau eines Leuchtfeuers auf Skomvær halbiert werden. Die Gewässer um Skomvær würden zudem bereits von jährlich etwa 700 Schiffen in der Holzfahrt nach Archangelsk befahren. Hinzu kam der Verkehr von und nach Tromsø, Hammerfest, Vardø und Vadsø. Der Vorschlag für ein Küstenfeuer wurde schon 1855 von der Leuchtfeuerkommission gemacht.

Der Kostenvoranschlag belief sich auf 240.000 Kronen. Wegen des großen Abstands von der Küste und der damit verbundenen Gefahr der Verspätung war die Bauzeit auf 3 bis 4 Jahre veranschlagt. In den ersten Beratungen wurde der Vorschlag seitens des zuständigen Ausschusses im Storting nicht aufgegriffen. Der Ausschuss hatte große Bedenken, da sich dann bereits zwei große Bauvorhaben ergeben würden, nämlich Kinn auf Ytterøyane und Skomvær, welche zusammen Mittel von 425.000 Kronen erfordern würden. Mit derart großen Ausgaben würde man die berechtigten Forderungen nach kleineren Leuchtfeuern nicht mehr bewältigen können.

Dieselben Argumente wurden auch in den Folgejahren immer wieder vorgebracht, bis in den Budgetjahren 1884-1885 der erste Betrag für den Baubeginn bewilligt wurde. Er betrug nun 200.000 Kronen, da in der Zwischenzeit die Krone an Wert gewonnen hatte.

Der geplante Gusseisenturm wurde bei der Marinewerft in Horten bestellt. Die Insel Skomvær wurde für 4.000 Kronen gekauft. Der Bau der übrigen Gebäude mit dem Sockel für und der Aufstellung des Turms wurden ausgeschrieben. M. Mørk und Arne Folkestad erhielten den Auftrag, Mørk für die Gebäude und Folkestad für den Sockel. Daraufhin schlossen sich die beiden Wettbewerber zusammen, um das Projekt gemeinsam mit den erforderlichen Garantien gegenüber dem Leuchtfeuerwesen zu bewältigen.

Im Herbst 1885 waren sämtliche Gebäude fertig, außer dem Bootshaus und dem Wirtschaftsgebäude. Auch das Mauerwerk für den Turmfuß war halbfertig. Die Turmsektionen und andere Teile des Turms kamen am 5. Mai 1886 und wurden im Laufe des Sommers und des Herbsts zusammengeschraubt.

Unglaubliche Mengen an Material musste nach Skomvær verschifft werden, z.B. 1.200 Fässer mit Zement und viele Schiffe mit Sand. Alleine für den Anstrich des Leuchtturms wurden 16 Fässer bzw. 2.000 Liter Leinöl benötigt.

Des Leuchtfeuerhaus wurde vorbereitet von der Marinewerft in Horten, der Leuchtfeuerapparat hingegen wurde in Paris gekauft. Es handelte sich um einen Blinkapparat mit einer Linse 1. Ordnung und fünf Dochten. Das Leuchtfeuer wurde schließlich am 1. Oktober 1887 angezündet.

Das Haus des Leuchtfeuerwärters war ein Betonbau mit drei Zimmern, Küche und zwei Dachzimmer. Das Haus für die zwei Assistenten war ebenfalls aus Beton. Es wurde zu gleichen Teilen aufgeteilt auf je drei Zimmer, Küche und Dachzimmer zusammen mit dem Proviantraum und gemeinsamer Waschküche im Keller.

Der Leuchtfeuerwärter hatte sein eigenes Wirtschaftsgebäude mit Stall, Holzlager und Werkstatt. Im Wirtschaftsgebäude für die Assistenten, das hälftig aufgeteilt ist, befinden sich jeweils das Brennholzlager, die Werkstatt, Heuschober, Stall und Toilette.

Es wurden zwei Bootshäuser gebaut. Die Landungsbrücke mit einem darauf befindlichen Schwingkran wurde am westlichen Bootshaus gebaut.

Skomvær hat ein mildes Klima. Der Boden ist recht fruchtbar, so dass sich die Angestellten ein recht großes Landstück landwirtschaftlich teilen konnten. Zudem hatten die Assistenten einen kleinen Garten, der durch solide Holzplanken geschützt war.

Nachdem die Leuchtfeuerstation den Betrieb aufgenommen hatte, schlug der Oberlotse in Tromsø vor, dass einer der Leuchtfeuerassistenten Lotsendienste anbieten sollte. Wie lange dieser Dienst aufrechterhalten wurde, ist unklar. Nachgewiesen ist lediglich, dass der Assistent Falch diesen Dienst ausführte, bis er nach sieben Jahren selbst Leuchtfeuerwärter auf Skomvær wurde. Falch war, wie viele andere Leuchtfeuerbesatzungen, früher als Schiffsführer zur See gefahren und daher für den Lotsendienst gut qualifiziert.

1932 wurde ein Diafon Nebelsignal installiert, das in jeder Minute einen langen Ton erzeugte. Im selben Jahr wurde ein kleines Beifeuer in der zweiten Etage eingebaut. Es hatte ein festes weißes Licht und sollte in einem schmalen Sektor über die Fiskeflesa und das gefährliche Fahrwasser Tørrfallan leuchten.

1957 wurde die Station elektrifiziert, indem Strom von einem eigenen Dieselaggregat erzeugt wurde. Hierfür wurde ein neues Maschinenhaus am Turm gebaut, das auch einen Wachraum enthielt, in dem zahlreiche Wetterbeobachtungsinstrumente untergebracht waren. 1959 kam ein Funkfeuer hinzu.

Die Station wurde in eine Wachstation umgewandelt und die Zweimannshäuser wurden mit einer Gemeinschaftsküche, Bad und möblierten Zimmern für den Leuchtfeuerwärter und dessen Assistenten eingerichtet.

Das Diafon Nebelsignal wurde 1974 gegen ein neues Nautofon ersetzt. 1978 wurde die Station automatisiert und die Besatzung abgezogen. Das alte Haus des Leuchtfeuerwärters blieb ungenutzt stehen.

Es war üblich, dass sich während der Sommermonate Ornithologen auf Skomvær einmieteten, um wichtige Studien über die vielfältige Vogelwelt auf Skomvær und die anderen Inseln von Nyken zu erheben. Die Leuchtfeuerbesatzung setzte den Preis für den Aufenthalt fest und die Vogelforscher gaben oft in ihren Anmerkungen lobend Ausdruck über die Annehmlichkeit mit der Leuchtfeuerbesatzung zu leben. Die Station wird auch heute noch von den Ornithologen benutzt. Daher kommt ab und an einer der Leuchtfeuerveteranen als Aufsicht nach Skomvær.

Heute stehen die Insel und die umgebenden Gelände unter Denkmal- und Naturschutz.
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Skomvær war für Künstler ein inspirierender Ort. Der bekannte norwegische Künstler Theodor Kittelsen wohnte zwei Jahre von 1887 bis 1889 auf Skomvær. Sein Schwager Immanuel Schøyen war Leuchtfeuerassistent auf der Station und bot ihm und seiner Schwester Unterkunft.

Nach einer umfassenden Renovierung von 2009 bis 2014 wird Skomvær von dem Künstlerkollektiv Røst AiR betrieben, die jedes Jahr in einer Ausschreibung Künstler aus aller Welt einladen, sich zu bewerben, um auf Skomvær ihren Ideen nachzugehen. Ebenso werden Workshops angeboten. Auch Tagestouristen von Røst besuchen die Insel.
Dafür stellt das Küstenwerk in der Sommerzeit die Station zur Miete zur Verfügung.

Fortsetzung folgt

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 184
Norges Fyr, Fra Stad til Grense Jakobselv, Bind 2, Birger Björkhaug, Sven Poulsson, Grøndahl & Søn Forlag A.S., Oslo, 1987, S. 227 f
Norske fyr - ei reise langs kysten, Ove Arne Olderkjær, Det Norske Samlaget, Oslo 2004, S. 40 f
Norske fyr, Nasjonal verneplan for fyrstasjoner, Riksantikvarens rapporter nr. 24, Oslo 1997, S. 132
https://kystverket.no/globalassets/fyr- ... 16_red.pdf mit zahlreichen Plänen und vielen Detailfotos gerade der Inneneinrichtung
https://fyr.no/fyr/skomvaer-fyrstasjon
https://no.wikipedia.org/wiki/Skomv%C3%A6r_fyr
https://kulturminnesok.no/minne/?queryS ... itet/87537
https://felles.naturbase.no/api/dokumen ... 045564.PDF
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Re: Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer

Beitragvon Ronald » Mo, 30. Mär 2020, 14:30

Küstenkultur: Norwegens Leuchtfeuer
„Leuchtturmreise“ entlang der norwegischen Küste
Teil 82

Værøy – Værøy - Nordland


Die Leuchtfeuerstation Værøy liegt an der östlichen Seite der Einfahrt zum Hafen am südöstlichsten Punkt der Insel.
Die Station Værøy trägt den Namen der gleichnamigen Insel und bedeutet in etwa „die Insel, auf der sich eine Fischersiedlung befindet“.

Im Haushaltsjahr 1879 wurden im Storting die notwendigen Mittel für das Leuchtfeuer bewilligt. Bereits ein Jahr später war der Bau der kleinen Station fertig und das Feuer wurde am 20. Oktober 1880 angezündet. Es handelte sich um eine Familienstation mit Wohnhaus, Wirtschaftsgebäude, Bootshaus und Landungssteg. Die Linse 6. Ordnung wurde in einem kleinen Turm auf dem Dach an der Seite montiert. 1905 wurde der Turm erhöht und eine Lampe 4. Ordnung installiert.
1957 wurde die Station elektrifiziert mit Strom vom lokalen Netz und einem Dieselaggregat als Reserve. 2007 wurde die Station geschlossen und durch ein kleines „fyrlykt“ ersetzt.

Instandsetzung von Værøy Leuchtfeuer – publiziert vom Küstenwerk 0ktober 2017

Værøy Station ist nun von außen renoviert. Der Schaden im Haus ist nach dem Brand immens. Auch dieser Schaden soll behoben werden und man hofft, dass es bald für den neuen Gebrauch zur Verfügung steht.

Ende 2015 erhielt Anne-Lise Johnsen den Mietvertrag für die Værøy Leuchtfeuerstation vom Küstenwerk. Das Problem bestand darin, dass die Station nach dem Brand wie eine Ruine aussah. Das Küstenwerk hatte zwischenzeitlich die äußere Renovierung vorgenommen. Das Haus erhielt ein neues Dach, neue Fenster und einen neuen Anstrich. Das war bereits eine große Kraftanstrengung. Danach erhielt Johnson vom Küstenwerk die Zusage für einen Betrag von 110.000 Kronen für die Innenrenovierung. Der Zuschuss soll für eine neue Toilette, eine neue Treppe und die Instandsetzung eines Raumes, der für Übernachtungen verwendet werden soll. Die diesbezüglichen Arbeiten sollen im Frühjahr 2016 beginnen. Danach erfolgen weitere Projekte. Es wird angestrebt, die Station für die Öffentlichkeit zu öffnen,. Dies soll durch verschiedene Arrangements als auch durch Vermietung für Übernachtungen erfolgen.

Auf Værøy leben 700 Einwohner. Johnsen macht deutlich, dass es deshalb wert ist, die Station als allgemeines Kulturdenkmal und imposantes Gebäude zu erhalten. Johnson wuchs auf Værøy auf, wohnt aber jetzt in Bodø.

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Die Initiative für die Instandsetzung von Værøy Leuchtfeuer kam zusammen mit Ståle Johansen und Heidi Rønning. Alle hatten schon vorher versucht, einen neuen Gebrauch für die Station zu finden, doch jetzt waren die Instandsetzungsarbeiten in einem guten Fluss. Es wird interessant zu sehen, wie die weiteren Aussichten für die Station sein werden. Værøy ist von Bodø mit Norwegens einziger Helikopter-Route verbunden.

Anmerkung: So weit der Stand 2017.

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Hier habe ich Fotos gefunden, wie die Station renoviert aussieht, ein wahres Schmuckstück:
https://www.bohus.no/blogg/eventyrlig-o ... aa-vaeroey
Stand: 3. Oktober 2019
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Hier ist eine sehr schöne Ansicht von der Leuchtfeuerstation Værøy
https://www.google.de/maps/place/V%C3%A ... 12.7245159

Ebenso hier:
https://www.google.de/maps/place/V%C3%A ... 12.7245159

Hier befindet sich ein historisches Foto von 1923:
https://digitaltmuseum.no/021016723486/ ... bakgrunnen

Quellen:
Finn et fyr, Eli Johanne Ellingsve, Tapir Akademisk Forlag, Trondheim 2007, S. 240
https://snl.no/V%C3%A6r%C3%B8y_fyr
https://fyr.no/istandsetting-av-vaeroy-fyr/
https://fyr.no/fyr/vaeroy-fyrstasjon


Fortsetzung folgt
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