Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

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Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon fstiebeling » So, 13. Sep 2020, 21:18

Moin liebe Community,

vom 27.8. bis zum 9.9.2020 14 Tage war ich unterwegs von Hamburg zum Nordkap und zurück mit meinem Elektroauto (Tesla Model3 SR+). Ich habe meine Erfahrungen in einem Reisebericht aufgeschrieben und hoffe, der ist für Euch interessant - Elektroautofahrer oder nicht.

Teil 1 (Überblick):
https://wiesoeigentlich.de/unter-strom- ... nd-zurueck

Teil 2 (Einzel-Etappenbeschreibung):
https://wiesoeigentlich.de/unter-strom- ... k-etappen/

Ich freue mich über Eure Anregungen, Kommentare, Fragen und Feedback. :)

Friedrich
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon Gudrun » So, 13. Sep 2020, 22:58

Ich hab gerade mal reingeschaut in Deinen Bricht. Schade, dass sich alles um die nächste Ladestation dreht. Ich hoffe, dass Du auch etwas von der großartigen Natur gesehen hast.

Grüße Gudrun
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon Voronwe » Mo, 14. Sep 2020, 8:26

Danke für diesen interessanten Bericht.
Aber ich sehe immer noch ein Hauptproblem für die Verbreitung von E-Autos und das sit folgendes:
ie Ladeinfrastruktur ist so allgegenwärtig, dass man selbst im hohen Norden in Bodø in einer Tiefgarage eine Ladebox an jedem Parkplatz finden kann. ABER: Als Elektroauto-Tourist ist es gar nicht so einfach, die Stationen zum Laden zu bewegen/zu bezahlen. Viele bieten Laden per SMS an, aber das funktioniert nur mit einer norwegischen SIM-Karte. Alternativ konnte man sich bei dem jeweiligen Anbieter einen Account anlegen — diese Möglichkeit war aber nur für Skandinavier und Briten vorgesehen. Einige Ladepunkte konnte ich deswegen nicht nutzen.


Hier wird sich selber in's Bein geschossen, weil es nicht möglich ist, an jeder Säule zu laden. D.h. ich kann nicht sicher sein, daß ich an einer Säule auch Strom kriege. Hier kocht wieder jeder Anbieter sein eigenes Süppchen, anstatt sich auf einen gemeinsamen Standart zu einigen. Und den gibt es, nennt sich nämlich Kreditkarte. Aber nein, man muß anscheinend zig Aps runterladen, und am besten noch ein inländisches Konto haben.
Das wäre ungefähr so, als ob ich für jede verschiedene Tankstellenmarke eine eigene Karte bräuchte.
Und das ist ein technisches Problem - hier fehlt es einfach nur an guten Willen das ganze auch mal Kundenfreundlich zu machen.

siehe hier auch das in Norwegen gehypte Vipps - Als Tourist und Ausländer komplett unbrauchbar, da man ein norwegisches Konto braucht. Und ich habe auf der Website von denen nichts gefunden, wie man das als Tourist nutzen könnte - ein Armutszeugnis
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon Karsten » Mo, 14. Sep 2020, 8:55

Voronwe hat geschrieben:siehe hier auch das in Norwegen gehypte Vipps - Als Tourist und Ausländer komplett unbrauchbar, da man ein norwegisches Konto braucht. Und ich habe auf der Website von denen nichts gefunden, wie man das als Tourist nutzen könnte - ein Armutszeugnis

Vipps ist nicht gehyped, sondern seit Jahren(!) der Quasi-Standard für schnelle mobiles Bezahlen in Norwegen.

Dieser Service ist auch überhaupt nicht auf ausländische Touristen ausgelegt, kein Grund zur Aufregung.
Der Norweger kommt doch auch nicht nach Deutschland und erwartet, sofort Mobile Payment über die Sparkasse Buxtehude nutzen zu können, ohne dort Kunde zu sein.
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Ruut-wieß kritt mer ahnjeboore, en die Weech erinnjelaat,
wer en dä Südkurv opjewaaße, dä blieht ruut-wieß bess en et Jraav.
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon Voronwe » Mo, 14. Sep 2020, 9:14

Karsten hat geschrieben:
Voronwe hat geschrieben:siehe hier auch das in Norwegen gehypte Vipps - Als Tourist und Ausländer komplett unbrauchbar, da man ein norwegisches Konto braucht. Und ich habe auf der Website von denen nichts gefunden, wie man das als Tourist nutzen könnte - ein Armutszeugnis

Vipps ist nicht gehyped, sondern seit Jahren(!) der Quasi-Standard für schnelle mobiles Bezahlen in Norwegen.

Dieser Service ist auch überhaupt nicht auf ausländische Touristen ausgelegt, kein Grund zur Aufregung.
Der Norweger kommt doch auch nicht nach Deutschland und erwartet, sofort Mobile Payment über die Sparkasse Buxtehude nutzen zu können, ohne dort Kunde zu sein.



Nun, wenn ich dann aber sowas lese:
https://www.lifeinnorway.net/what-is-vipps/
At a recent event at Oslo’s Intility Arena, I went to grab a coffee and slice of pizza. There were four tills open at the kiosk, two were cash/card and two were “Vipps only.”


[EDIT: Vielleicht habe ich den Text auch missverstanden, das dieselbe Verkaufsstelle nur verschiedene Schalter hatte]

Und ich hatte neulich auch erfahren, daß z.B: in Sogn og Fjordane das bezahlen in Bussen nur mit Vipps möglich sei (inzwischen wohl auch wieder mit "Bankkort", aber ist das auch eine ausländische Karte?). (https://www.kringom.no/korona-billettkj ... 26.no.html)

Ich habe hier noch keinen Laden erlebt, an dem es hieß "mobile Payment" only. Und es geht hier nicht um irgendeine App von irgendeiner Bank, sonderd wie Du selber sagts, ein "Quasi-Standard". Und der sollte dann auch für alle zugänglich sein. Kreditkarten sind so ein Standartd eine Visa-Karte kann ich weltweit bekommen. Für Vipps bräuchte ich eine P-Nummer und ein Norwegisches Konto - es gibt ja anscheinend nicht einmal die Möglichkeit einer Prepaid-Karte.

Ich habe kein Problem damit, mit Kreditkarte zu bezahlen, nur hätte ich gerne eine Alternative, die für alle zugänglich ist. Genauso wie ich durch dieses ganze Fähren- und Mautgedöns einfach nicht richtig durchsteige. Muß man sich jetzt irgendwo registrieren? Oder geht es einfach so?
Man muß sich einfach im Vorfeld um viel mehr Zeug kümmern. Früher ist man einfach losgefahren, hat sich an der ersten möglichen Stelle Bargeld und gut war. War irgendwie einfacher.

Und genau das kritisiere ich an den Ladesäulen - das ist allerdings kein spezifisch norwegisches Problem
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon fstiebeling » Mo, 14. Sep 2020, 10:28

Gudrun hat geschrieben:Ich hab gerade mal reingeschaut in Deinen Bericht. Schade, dass sich alles um die nächste Ladestation dreht. Ich hoffe, dass Du auch etwas von der großartigen Natur gesehen hast.

Grüße Gudrun


Hallo Gudrun,
mein Fokus lag offenkundig darin, zu zeigen, ob und wie ein solcher Roadtrip auch mit emissionsfreier, individueller Mobilität funktionieren kann. Aber ja, ich habe definitiv einen Gesamteindruck vom Land bekommen und bin absolut weggeblasen :) Siehe die Fotos und Videos in Teil 2 (https://wiesoeigentlich.de/unter-strom- ... k-etappen/).
Zuletzt geändert von fstiebeling am Mo, 14. Sep 2020, 10:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon fstiebeling » Mo, 14. Sep 2020, 10:49

Voronwe hat geschrieben:Hier wird sich selber in's Bein geschossen, weil es nicht möglich ist, an jeder Säule zu laden. D.h. ich kann nicht sicher sein, daß ich an einer Säule auch Strom kriege. Hier kocht wieder jeder Anbieter sein eigenes Süppchen, anstatt sich auf einen gemeinsamen Standart zu einigen. Und den gibt es, nennt sich nämlich Kreditkarte. Aber nein, man muß anscheinend zig Aps runterladen, und am besten noch ein inländisches Konto haben.
Das wäre ungefähr so, als ob ich für jede verschiedene Tankstellenmarke eine eigene Karte bräuchte.
Und das ist ein technisches Problem - hier fehlt es einfach nur an guten Willen das ganze auch mal Kundenfreundlich zu machen.


Hallo Voronwe,
da hast Du völlig Recht, das Ladekarten-Chaos ist der Hemmschuh schlechthin für die E-Mobilität - nicht nur als Tourist in Norwegen, sondern auch hier bei uns. Dabei gibt es seit vielen Jahren ein System, welches karten- und applos einwandfrei funktioniert: Die Tesla Supercharger. Da fährt man einfach hin, steckt an und lädt. Es gibt immer genug Ladepunkte und sie sind sehr schnell (bis zu 150kW Spitzenleistung - die neueste Generation bis 250kW). Die Bezahlung erfolgt über das Tesla-Konto automatisch - egal in welchem Land ich mich befinde, das Netzwerk ist in ganz Europa, aber im Besonderen in Norwegen sehr gut ausgebaut. Die Supercharger funktionieren nur mit Tesla-Fahrzeugen. Darum rate ich jedem, der sich ein Elektroauto kaufen möchte und auch reisen möchte, heute immer noch zu einem Tesla. Alle anderen Hersteller haben nach wie vor nur Zugriff auf die App- und Kartenlader, wo man jeden einzelnen Ladevorgang freischalten muss. Hier ein Bild vom Supercharger in Berkåk:

Bild

Von fast 50 Ladevorgängen habe ich nur viermal Kartenlader nutzen müssen auf meiner Tour - dank Teslas Supercharger-Netzwerk. Das auch noch unschlagbar günstig ist - eine kWh kostet in Norwegen nur 0,16 Euro. Ich habe für die 7300 km in Norwegen nur rund 200 Euro für meinen "Treibstoff" Strom bezahlt.
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon Voronwe » Mo, 14. Sep 2020, 11:06

fstiebeling hat geschrieben:
Voronwe hat geschrieben:Hier wird sich selber in's Bein geschossen, weil es nicht möglich ist, an jeder Säule zu laden. D.h. ich kann nicht sicher sein, daß ich an einer Säule auch Strom kriege. Hier kocht wieder jeder Anbieter sein eigenes Süppchen, anstatt sich auf einen gemeinsamen Standart zu einigen. Und den gibt es, nennt sich nämlich Kreditkarte. Aber nein, man muß anscheinend zig Aps runterladen, und am besten noch ein inländisches Konto haben.
Das wäre ungefähr so, als ob ich für jede verschiedene Tankstellenmarke eine eigene Karte bräuchte.
Und das ist ein technisches Problem - hier fehlt es einfach nur an guten Willen das ganze auch mal Kundenfreundlich zu machen.


Hallo Voronwe,
da hast Du völlig Recht, das Ladekarten-Chaos ist der Hemmschuh schlechthin für die E-Mobilität - nicht nur als Tourist in Norwegen, sondern auch hier bei uns. Dabei gibt es seit vielen Jahren ein System, welches karten- und applos einwandfrei funktioniert: Die Tesla Supercharger. Da fährt man einfach hin, steckt an und lädt. Es gibt immer genug Ladepunkte und sie sind sehr schnell (bis zu 150kW Spitzenleistung - die neueste Generation bis 250kW). Die Bezahlung erfolgt über das Tesla-Konto automatisch - egal in welchem Land ich mich befinde, das Netzwerk ist in ganz Europa, aber im Besonderen in Norwegen sehr gut ausgebaut. Die Supercharger funktionieren nur mit Tesla-Fahrzeugen. Darum rate ich jedem, der sich ein Elektroauto kaufen möchte und auch reisen möchte, heute immer noch zu einem Tesla. Alle anderen Hersteller haben nach wie vor nur Zugriff auf die App- und Kartenlader, wo man jeden einzelnen Ladevorgang freischalten muss. Hier ein Bild vom Supercharger in Berkåk:


Ich habe das wichtige mal fett gemacht: Das ist ja so, als wenn z.B. VW ein gut funktionierendes Tankstellennetz betreiben würde, an dem man aber nur mit VWs tanken könnte. Solange die Supercharger nicht für alle freigegeben sind, sehe ich die genauso als Teil des Hemmschuhs für Elektromobiltät - da macht man sich genauso von einem Hersteller abhängig.
Das ganze kann nur funktionieren, wenn es genauso läuft wie mit den Tankstellen: Egal welches Autofabrikat ich habe, ich kann überall tanken und ich kann auch überall problemlos bezahlen.
Das ärgert mich unglaublich, weil ich eigentlich ein großer Verfechter der e-Mobilität bin und das hier sind keine technischen Probleme (wie z.B. die Reichweite), sondern etwas, was man mit etwas gutem Willen in Griff kriegen könnte, wenn hier nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen würde (und da nehme ich Tesla mit rein: Mit den Superchargern nur für Tesla sind sie ein Teil des Problems, nicht der Lösung).
Ich finde es faszinierend, was Tesla da auf die Beine gestellt hat, habe aber Probleme, weil ich Herrn Musk durchaus kritisch sehe (Stichwort Starlink). Und mit ein bißchen Pech haben wird dann einen Monopolisten, der alle platt macht (wie z.B. Amazon).

Ich meine, wo ist das Problem, an den Ladestationen eine Kreditkartenschlitz einzubauen? Ich will mir auf Autofahrten nicht Sorgen machen, ob ich eine spezifische App dabei habe. Als Endkunde interessiert es mich relativ wenig, wer mir jetzt den Strom für das Auto lieftert - sowie es mich ja auch nicht wirklich interessiert, ob ich jetzt bei Shell oder Aral tanke.
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon Gudrun » Mo, 14. Sep 2020, 11:27

Seid wann wird Strom emmisionsionsfrei erzeugt? Funktioniert nicht mal bei Wind, Sonne und Wasser. Mit solchen Aussagen wird der e-Mobilität nicht geholfen.

Dein Reisebericht zeigt mir, dass es möglich ist, in Norwegen auch größere Entfernungen zurück zu legen. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass man sich schon sehr kümmern muss: Wo ist eine Lademöglichkeit, bei der ich auch Strom bekomme? In 14 Tagen 19 Stunden an der Tankstelle zugebracht. (Wir machen unsere Pausen an einem schönen Rastplatz.) Weitere Aspekte führen zu weit von Norwegen weg. Urlaub sieht für mich, die nur eine grobe Vorstellung von der Route und keine Planung hat, anders aus.

Grüße Gudrun
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon Michael Oppelt » Di, 15. Sep 2020, 9:28

Gudrun hat geschrieben:Seid wann wird Strom emmisionsionsfrei erzeugt? Funktioniert nicht mal bei Wind, Sonne und Wasser.

Widerspruch: Doch, es ist sinnvoll, den Strom aus Wind Sonne und Wasser als "emissionsfrei" zu bezeichnen. Denn wenn man anfängt, den Bau einer solchen Stromerzeugungsanlage als "emissionsbehaftet" und damit die ganze Stromerzeugung als "emissionsbehaftet" zu bezeichnen, dann stiftet man nur Verwirrung. Und man ignoriert den Hauptunterschied: Irgend etwas zu verbrennen (Kohle, Öl, Müll, usw.....) um daraus Strom zu erzeugen, DAS ist dann mal echt mit Emissionen verbunden.
Klar kann man sagen: "Der Wartungstechniker der Windkraftanlage atmet und deswegen ist diese Stromerzeugung nicht emissionsfrei". Aber wozu sollte das gut sein - wir wissen doch alle, dass es die ausufernde Verbrennung von Öl und Kohle ist, die uns den Klimawandel beschert, nicht Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik.
Anders ausgedrückt: Es mag abstrakt gesehen eine Ungenauigkeit sein, grüne Energie als "emissionsfrei" zu bezeichnen. Aber die darin enthaltene Botschaft ist korrekt und legitim.

Grüße, Michael
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon Voronwe » Di, 15. Sep 2020, 9:47

Michael Oppelt hat geschrieben:
Gudrun hat geschrieben:Seid wann wird Strom emmisionsionsfrei erzeugt? Funktioniert nicht mal bei Wind, Sonne und Wasser.

Widerspruch: Doch, es ist sinnvoll, den Strom aus Wind Sonne und Wasser als "emissionsfrei" zu bezeichnen. Denn wenn man anfängt, den Bau einer solchen Stromerzeugungsanlage als "emissionsbehaftet" und damit die ganze Stromerzeugung als "emissionsbehaftet" zu bezeichnen, dann stiftet man nur Verwirrung. Und man ignoriert den Hauptunterschied: Irgend etwas zu verbrennen (Kohle, Öl, Müll, usw.....) um daraus Strom zu erzeugen, DAS ist dann mal echt mit Emissionen verbunden.
Klar kann man sagen: "Der Wartungstechniker der Windkraftanlage atmet und deswegen ist diese Stromerzeugung nicht emissionsfrei". Aber wozu sollte das gut sein - wir wissen doch alle, dass es die ausufernde Verbrennung von Öl und Kohle ist, die uns den Klimawandel beschert, nicht Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik.
Anders ausgedrückt: Es mag abstrakt gesehen eine Ungenauigkeit sein, grüne Energie als "emissionsfrei" zu bezeichnen. Aber die darin enthaltene Botschaft ist korrekt und legitim.


Anmerkung dazu: Wichtig ist hier übrigens, das Strom aus Verbrennung erzeugt werden kann, aber nicht muß (Windkraft, Solar, Wasserkraft). Selbst wenn erfolgt eine Verbrennung nicht vor Ort, was insbesondere die Anwohner von engen Tälern und Fjorden freuen sollte (wie auch Großstätter). Es gibt einfach viel mehr und flexiblere Möglichkeiten, die Energie bereitzustellen.
Und bitte jetzt nicht mit dem Argument kommen, daß die Batterieherstellung nicht umweltfreudlich ist. Da liegt sicher noch einiges im Argen, aber: Öl kommt ja auch nicht direkt aus der Erde in den Tank.

Und noch etwas: selbst wenn die Verbrennung von Öl nich klimaschädlich wäre: Der Vorrat ist endlich und es ist generell keine gute Idee, etwas auf einer endlichen Resource basieren zu lassen, ohne Alternativen zu haben
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon upperoaks » Di, 15. Sep 2020, 15:42

Servus, fstiebeling,

Glückwunsch zu Deinem Entschluss mit einem monovalenten Elektroauto auf eine große Reise zu gehen. Ebenso Glückwunsch als Ziel das Nordkapp gewählt zu haben. Den größten Teil der Entfernung des langgestreckten Landes nahmst Du unter die Räder. Der Einstieg dorthin ist für Euch Waterkantler im Vergleich zu uns Flachlandtirolern vom Weißwurstäquator pro Strecke immer mindestens einen Reisetag näher – elektrisch oder nicht.

Allerdings wäre es nicht meine Sache haarklein Logbuch zu führen und jede An- und Abfahrt sowie die Ladevorgänge zu protokollieren, wogegen ich die Wiedergabe markanter Daten und gegebenenfalls auch von Ereignissen von Übernachtungsstätten durchaus als hilfreich erachte.

Eine solche Reise mit einem derartigen Fahrzeug wäre mir auch zupass gekommen. Deine diversen Schwierigkeiten mit Laden und Bezahlen erwähnt zu haben ist durchaus gerechtfertigt, die dürften in einer technisch entwickelten Welt, ausgerichtet auf Mobilität, Kommunikation sowie Waren-, Dienstleistungs- und Geldströmen nicht vorkommen. Hier tun sich Systemkämpfe auf, die es leider immer wieder gibt und vielmals auch gab.

Die Älteren unter uns erinnern sich noch an den Systemkampf der Videorekorder: VHS, Betamax und Video2000. Von meinen Ahnen ist mir überliefert, dass es im Automobilbau ideologische Auseinandersetzungen gab für oder gegen Heckmotor / luftgekühlt / Heckantrieb versus Frontmotor, womöglich quer eingebaut / wassergekühlt / Frontantrieb und … und … und …

Heute hat sich die Welt merklich weitergedreht. Videorekorder gibt es nicht mehr, die Fahrzeugantriebe sind weitestgehend geklärt. Jetzt fechten die Produktkreatoren auf den Gebieten Zahlungssysteme einschließlich Bargeldersatz, Handyapps, Stecker und Steckdosen für Elektroautos. Weitere derartige Beispiele ließen sich zuhauf bilden. Doch leider kann niemand verpflichtet werden seine Borniertheit abzulegen.

Größtmöglichen Respekt und hohe Anerkennung ist Rafael de Mestre aus Barcelona, zuweilen auch als Kölner in den Annalen geführt, zuzuerkennen, der 2012 als Erster mit einem serienmäßigen monovalenten Elektrofahrzeug die Welt umrundete. In China, Kasachstan, Russland und Ukraine und durchaus auch anderswo konnte er mit seinem Tesla Roadster nicht von Supercharger zu Supercharger springen. Dafür hatte er auch gefühlt 13 Kabel und 24 Adapter bei sich. In seinem Kofferraum war ja dann kaum mehr Platz für eine Unterhose und eine Zahnbürste verblieben. Ein Umstand, der Dir erspart bleiben konnte, weil Du Dich in einem technisch entwickeltem Land mit neuer Technologie und adäquater Infrastruktur bewegtest. Wunderschöne Wildheit und unberührte Natur stehen hierzu nicht im Gegensatz; sie schließen einander nicht aus.

Ein Traum im Schlaraffenland wäre es, wenn Deine 200 Euro für den elektrischen Saft auch auf Verbrennungsfahrzeuge übertragbar wären. Erhöhe um 100, dann kommst Du um die ganze Welt – wie Rafael.

Übrigens gibt es von und über ihn, seine Reisen und seine Website 80edays eine Fülle von Berichten und Videos. (Wikipedia, Youtube, WDR, CCTV, Kazakhstan TV, Der Spiegel und viele andere)

Diverse Reiseveranstalter bieten bereits Selbstfahrerurlaube mit Elektroautos in Norwegen an – sogar mit Fahrzeugübernahme in Hamburg. Na, denn !

Auf alle Fälle war Dein Reisebericht sehr lesenswert, trotz oder weil e-spezifisch, und bezüglich der gewählten Route auch inspirierend. Danke dafür.

Liebe Grüße
upperoaks
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Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken - Samuel Johnson
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon Gudrun » Di, 15. Sep 2020, 16:00

Ich wollte hier keine Diskussion über Vor- und Nachteile der verschiedenen Erzeugungsmethoden von Elektroenergie lostreten. Ich wollte lediglich auf eine Ungenauigkeit hinweisen.

Grüße Gudrun
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Re: Mit dem Elektroauto zum Nordkap - Ein Reisebericht

Beitragvon mallimaus » Mi, 16. Sep 2020, 13:02

Sehr interessanter Bericht, es zeigt doch auch das Chaos bei den Ladepunkten. Danke das du uns hast teilhaben lassen an deinen Erfahrungen.
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