von uteligger » So, 18. Mai 2008, 15:32
Moin.
Bis jetzt bin ich 4 Mal mit der Superspeed über den Skagerrak übergesetzt.
Es gibt eigentlich nichts zu meckern. Die Christian IV oder Silvia Ana vermisse ich nicht. Bin aber auch kein Böötchenfahrer, kein Nostalgiker. Obwohl, auf der Christian IV war natürlich alles vertrauter. Stammplatz und bekannte Gesichter an Bord werden noch vermisst. Nur manchmal wird man wieder an alte Tage erinnert.
Ich will schnell und garantiert, komfortabel und bezahlbar nach Norwegen und Retour kommen. Und das wird mir mit der Superspeed geboten.
Ein wenig anzumerken habe ich dennoch.
In Hirtshals wird immer noch an der Zufahrtsstraße gebaut. Das hat zur Folge, dass nach der Ankunft der Fähre und beim entladen herumirrende Fahrzeugführer einen Rückstau bis ins Autodeck produzieren. Das von Bord fahren dauert recht lange und dadurch gibt es Verzögerungen bis die neuen Fahrzeuge wieder an Bord sind. Noch heftiger ist es in Kristiansand. Der Zoll ist scheinbar autark und kümmert sich nicht um das Chaos was vor dem Zoll geschieht. Nach wie vor wird nur von einer Person in der "grünen" Spur jedes Autokennzeichen magisch betrachtet, ein "netter" Plausch mit dem Fahrer gehalten und hinundwieder der Wink in die Garage gemacht. Und in der "roten" Spur fällt immer noch dem Zöllner der Kopf aus dem Fenster, weil keiner nix zu verzollen hat. Das System ist aber vielleicht auch zur Rettung der Fußgängerpassagiere gedacht, die rückseitig am Zollgebäude den Straßenverkehr wahllos kreuzen. Wenn dort nur ab un zu ein Auto vom Zoll durchgelassen wird, ist immer noch Zeit, auf der Strasse den Weg zum Busbahnhof zu finden....wenn dann, wie bei mir im März auch noch hinter dem Zoll die Polizei und das Vegvesen jedes Auto auf Wintertauglichkeit prüft, ist das Chaos perfekt. Man muss also viel Geduld mitbringen.
Und wenn das alles schneller gehen würde, bricht in Kristiansand der Verkehr zusammen, wenn sich die Autokolonne mit 4 km Länge vom Schiff in die Stadt ergießt.
Im März bin ich Voyager Class gefahren. Reservierte Sitzplätze in extrem bequemen Ledersesseln. Immer 3 nebeneinander, falls man zu zweit oder allein fährt, lernt man schnell neue Leute kennen. Der Bereich ist allgemein zugänglich, nervig sind die ewigen Schiffs - Wanderer, die sich aus langer Weile überall rumtreiben. Nach dem Besuch im Bistro "Fly me to the Moon/ Food Zone"mit erstklassigem Speisenangebot ( stimmte bei dieser Überfahrt wirklich, war ja eine der ersten Überfahrten überhaupt ) war die Diskussion mit den ermatteten Wanderern, die zwischzeitlich die Plätze warmgehalten haben, nicht lustig. Vom Sturm der draußen tobte, war im Schiff fast nichts zu bemerken. Nur wenn die Schiebetüren, die zu den Außendecks öffnen, gleichzeitig offen standen, wurde man innen von den Schneeflocken und dem Wind erwischt.
Jetzt zu Pfingsten bin ich von Hirtshals nach Kristiansand nachts in der Business Class mitgefahren. Ein separater Raum, der nur mit Bordkarte zu betreten ist. In der Hoffnung, im Sessel zu schlafen und mich zum Morgen mit den beworbenen Snacks und Kaffee zu versorgen. Die Snacks entpuppen sich als Kekse und schlafen war auch nicht drin. Die Schnarcher haben den überwiegenden Rest wach gehalten. Und ein wildfremder Schnarchie neben einem prägt. Jedesmal wenn jemand mit Bordkarte den Raum betrat oder verlies, knallte die Tür krachend ins Schloss. In einer kleinen Pantry in der Business Class gibt es endlich einen Klasse Kaffee und Softdrinks. Wer nicht in besinnungsloses Schnarchen verfallen war, konnte mitzählen, wie oft das Mahlwerk die frischen Kaffeebohnen zerkleinerte oder am Geräusch erkennen, welcher Softdrink gerade gezapft wurde. Aber wie gesagt, der Kaffee ist Klasse. Ein Obstkorb stand auch in der Pantry, aber einige Zitronen darin waren wohl als Deko gedacht oder für die ganz heftigen gegen Skorbut. Ach ja, zwischendurch war das Gedüdel von mitgebrachten Laptops zu hören.
Ein Nachtmahl im Bistro "Fly me to the Moon/ Food Zone" ( hat mich irgendwie an Houston, wir haben ein Problem, erinnert ) mit gebratenen Nudeln und einem Glas Bier hat mich etwas vergnüglicher gemacht. Den Glasteller ( es gibt nur Glasteller ) auf dem Glastisch nicht herunterrutschen zu lassen erforderte etwas Konzentration. Nur gut, dass es keinen Seegang gab. Die Nudeln mit Schweinefleisch schmeckten gut und konnten gleich gegessen werden. Temperatur ähnlich wie das Bier. Aber wer isst schon nachts um 2h heiße Nudeln.
Bis obenhin voll Kaffee und Keksen dann im Bistro um 5h30 wieder aufgetaucht um zu Frühstücken. Die halben belegten Brötchen erinnerten in jeder Beziehung an vergangene Tage. Nur der Glasteller auf dem Glastisch war neu. Kaffee war Klasse.
Auf der Rücktour von Kristansand nach Hirtshals, die ich um ein paar Tage verschieben musste, auch nochmal bezahlen musste (da das Supersparpaket gebucht und nicht am Rückfahrtermin fahren konnte) hatte ich keinen festen Platz gebucht. Vom Autodeck gleich im Bistro "Fly me to the Moon/ Food Zone" gelandet. Da die halben belegten Brötchen immer noch an alte Tage erinnerten, wählte ich eine Pizza Calzone. Beim zerteilen der Calzone auf dem Glasteller ( Messer und Gabel werden bestimmt nicht gestohlen) mich daran erinnert, dass eine heiße Calzone anders schmeckt, und nichts mit Schweden zu tun hat.
Oder stand da irgendwo Pizza Wasa dran?
Aber wer isst schon um 8h30 eine heiße Pizza Calzone. Kaffee war Klasse.
Die meiste Zeit habe ich dann in "The Bluefins’ Lounges & Bars" verbracht. Trotz jeweils 2 Kronen Trinkgeld pro Kaffeebecher erinnerte der Kaffee wieder an alte Tage. Wirklich sehr freundlich vom Barkeeper aus der Pumpkanne abgezapft war er auch sofort trinkbar. War aber etwas wärmer als das Bier oder die Cognacs und Rotwein die er hauptsächlich über den Tresen schob. War ja schon hell ( 9h ) und bei etlichen eine svipptur angesagt. Der Heckausblick aus der Lounge durch die riesige Fensterfront und die Atmosphäre war Klasse.
In Dänemark habe ich dann ein ausgiebiges Frühstück/Mittagessen auf einen Rastplatz unter freiem Himmel genossen. Wie gut dass immer der Trangiakocher im Auto ist. Der Kaffee war auch Klasse.
Beim nächsten Mal werde ich das "Catch Me If You Can - Buffetrestaurant" buchen. (Wer all diese lustigen Namen auswählte, hat sich bestimmt etwas dabei gedacht). Allerdings wird dort zum Frühstücksbuffet kein Bier und Wein serviert.
Wenn das Verkehrschaos in beiden Fährhäfen gelöst ist und das Catering an Bord den selbst gesteckten Ansprüchen/Ankündigungen von Colorline entspricht, gibt es garnichts mehr zu meckern. In Kristiansand und Hirtshals fehlen auf den riesigen Bereitstellungsflächen Sanitäreinrichtungen. Zu den bestehenden Sanitärgebäuden ist ein langer Fußmarsch angesagt. Bei Sturm und Schneetreiben, schon mit gelben Augen, ist es kein angenehmer Spaziergang. Aber man hat im Gebäude Zeit, sich wieder aufzuwärmen, wenn man in der Schlange auf ein freies Klo oder Urinal wartet.
Also, alles im allen, es gibt nicht viel zu meckern. Es macht wirklich Spaß, mit der Fähre überzusetzen. Das wenige Personal ist nett, freundlich und zuvorkommend. Obwohl ausgebucht, hat man auf den Autodecks wieder Platz um ins Auto einsteigen zu können.
Hilsen
Uteligger
Jeg vandrer ikke fordi jeg vil bli yngre – men fordi jeg vil bli eldre.
Hvor utgangspunktet er galest, er resultatet ofte orginalest