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Beitragvon Carsten » Mo, 11. Okt 2004, 21:18

So, dann werde ich mal anfangen hier.

Zu den Norwegen-Freunden gestossen bin ich, als es noch das "alte Forum" gab. Allerdings wurden wir kurz danach auf dieses schöne Forum umgezogen. D.h., ich bin wohl irgendwann im Sommer 2002 das erste mal hier aufgetaucht.

Verglichen mit vielen anderen hier bin ich noch gar nicht so lange vom Norwegenvirus infiziert. Meine erste Reise nach Norwegen habe ich 1997 unternommen. Damals sind meine (damalige) Freundin und ich im späten August mit dem Auto hochgefahren. Ich hatte damals null Ahnung über die Jahreszeiten hier und war sehr überrascht, dass alles schon nach Nachsaison aussah und vieles schon geschlossen hatte. Auch das Wetter meinte es nicht gut mit uns, so dass ich nach 10 Tagen schon wieder nachhause wollte. Schliesslich wurde das Wetter aber doch etwas besser, so dass wir wenigstens einen Abstecher nach Oslo machten.
Trotzdem sind wir früher als geplant wieder nachhause gefahren. Ich weiss noch, wie ich mich freute, als ich wieder durchs flache Dänemark fahren durfte! Nee, damals war noch nix mit Virus.

Dann hat es geschlagene 4 Jahre bis zum nächtsen Norwegenversuch gebraucht. Erstaunlicherweise hatte ich schon Anfang 2001 mit dem Norwegischunterricht angefangen. Genau kann ich das auch nicht nachvollziehen. Ich meine, ich war schon oft in Skandinavien im Urlaub und wollte einfach mal eine der Sprachen lernen. Und da dachte ich irgendwie, dass Norwegisch doch ein guter Kompromiss zwischen Schwedisch und Dänisch wäre ... ;-)
Ich war dann im selben Sommer mit einem norwegeninfizierten Freund in Schweden, um die Vätternrundan (einmal um den Vätternsee mit dem Fahrrad) mitzufahren. Danach hatten wir noch Zeit und entschieden uns, weiter nach Norwegen zu fahren. Da wir keine Lust auf Ost-Norwegen hatten, sind wir erst Göteborg - Frederikshavn und dann Hirtshals - Kristiansand gefahren. Und wieder wurde ich mit strömenden Regen empfangen. Ich weiss noch, wie ich den ganzen Tag nur geflucht habe. Völlig übermüdet von der Fährfahrt, klitschnass vom Regen (selbst mein Fahrradtacho ist abgesoffen) und der in der Karte eingezeichnete Campingplatz war auch nicht eingezeichnet!. Vom Virus immer noch keine Spur. Aber in den nächsten Tagen besserte sich das Wetter und ich wurde immer mehr von dem Land eingenommen. Erstaunlicherweise bin ich damals schon durch mein jetziges Zuhause - Porsgrunn - geradelt und kann mich an nichts mehr erinnern, als dass es unattraktiv war und ich schnell weiter an die Küste wollte.

Ja, und dann ging es immer schneller: 2002 mit dem Fahrrad von Trondheim entlang dem RV 17 nach Bodø und auf die Lofoten und Vesterålen. Da kam das erste Mal der Gedanke auf, dass es doch ganz schön sein könnte, mal in diesem Land zu leben.

Anfang 2003 habe ich dann meinen Job an den Nagel gehängt und mir eine berufliche Auszeit gegönnt. So war ich im April 2003 wieder in Norwegen auf dem Jazz Festival in Voss. Damals wurde ich völlig vom norwegischen Ny-Jazz (Bugge Wesseltoft, Nils-Petter Molvær, etc.) gefesselt und habe mich zu einem richtigen Fan entwickelt. Im Sommer 2003 bin ich dann 8 Wochen mit dem Fahrrad von Oslo nach Kirkenes gefahren. Das hatte den entgültigen Ausbruch meines Norwegenviruses zur Folge. Und auch sprachlich habe ich in der Zeit einen riesigen Sprung gemacht. Das nächste Mal in Norwegen war ich dann im Winter: im Januar 2004 in Tromsø zum Nordlysfestival. Ich hätte nie gedacht, dass Winter so schön sein kann!

Nun, und dann gab es im Frühjahr ein paar große Verwirbelungen in meinem Privatleben, die dazu führten, dass ich auf einmal alle Freiheiten der Welt hatte (um es mal so auszudrücken). Und da es mit meiner Jobfindung in Deutschland nicht so richtig voranging, habe ich halt mal bei Aetat geguckt. Und nach zwei eher halbherzigen Bewerbungen in der Musikbranche fand ich dann die auf mich zugeschnittene Anzeige! Zwischen Bewerbung schreiben und mit dem Möbellaster in Norwegen ankommen lagen schliesslich keine drei Monate. Es ging alles so super schnell. Aber ich wusste von Anfang an, dass ich der Richtige für den Job bin und dass der Job der richtige für mich ist. Und so hat es mein jetziger Arbeitgeber anscheinend auch gesehen. Ich bin bei einem großen Unternehmen der Petrochemie (Statoil-Tochter) angestellt und verstärke dort die IT-Abteilung (Unix- und SAP-Betreuung - wem das was sagt).

Und jetzt lebe ich halt in Porsgrunn, der Stadt, durch die ich vor drei Jahren nur ganz schnell durchwollte. Und es geht mir richtig gut. Meine Entscheidung habe ich noch keinen Moment bereut. Ich freue mich an der schönen Natur hier, mein Herz hüpft jeden Morgen, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit auf den Fjord gucken darf und begeistert feststelle wie unterschiedlich Licht auf eine kleine Insel mit ein paar roten Holzhäusern fallen kann. Und vor dem Winter ist mir auch nicht Bange.

Ich weiss nicht, ob ich immer in Norwegen bleiben werde, aber so schnell bekommt mich hier niemand weg. :D

Meine kleine Norwegengeschichte.

Carsten ;-)
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