HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

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HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

Beitragvon Ronald » Di, 26. Aug 2008, 11:09

HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

In der internationalen Schiffahrtstageszeitung LLOYD'S LIST vom 26.08.008 ist heute ein Artikel über Hurtigruten erschienen. Ich gebe nachfolgend eine kurze freie Übersetzung wieder:

HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

Der norwegische "cruise operator" (s.Fußnote unten) Hurtigruten versucht im Kampf um die Kostenreduzierung die Fährverträge und die Nebenaktivitäten zu verkaufen.

Die Gesellschaft hat die Zahlen des zweiten Vierteljahres veröffentlicht. Danach beträgt der Gewinn vor Steuern NOK 26 Millionen (EUR 3,277 Millionen), verglichen mit NOK 102 Millionen (EUR 12,86 Millionen) der gleichen Periode des Vorjahres. Zusätzlich ist der Verlust vor Steuern in Höhe von NOK 108 Millionen (EUR 13,6 Millionen) im ersten Vierteljahr zu verdauen.

Bunkerkosten und Schuldendienst sind auf NOK 85 Millionen (EUR 10,7 Millionen) gestiegen, die das gestiegene Passagieraufkommen und die Reiseerlöse überschatteten: Im Mai war ein Wachstum von 16% zu verzeichnen.

Die Gesellschaft, die 53 konventionelle und Schnellfähren sowie eine Flotte von 300 Bussen in Norwegen betreibt, sagte in einer Stellungnahme, daß der im Januar 2005 gezeichnete Vertrag, der bis zum Ende 2012 läuft, in seiner jetzigen Form nicht aufrecht erhalten bleiben kann.

"Verhandlungen sind über einen langen Zeitraum mit der norwegischen Regierung verfolgt worden, um einen Ausgleich für die Stickoxydsteuer sowie die gestiegenen Treibstoffkosten. Obwohl bisher keine zufriedenstellende Lösung gefunden wurde, wird die Arbeit fortgeführt und intensiviert." Der Verkauf des Vertrages über den öffentlicher Transportsektor wird es der Gesellschaft erlauben, sich auf des Kerngeschäft der "cruise operations" zu konzentrieren und die Schulden zu reduzieren.

Die Verkaufsankündigung kam ungeachtet einer Steigerung des Verkehrs und der Passagiere begleitet von einer Reduzierung der sogenannten Stickoxyd-Steuer (NOx-tax), die von der norwegischen Regierung dem gesamten Verkehr in norwegischen Gewässern auferlegt worden war. Hurtigruten konnte eine Steuerermäßigung von NOK 22 Millionen (EUR 2,773 Millionen) erzielen, indem es dem nationalen Stickoxyd-Fond beigetreten war, der sich zu einer stufenweisen Reduzierung der Emissionen bis 2010 verpflichtet hat.

Als Teil der Schuldenreduzierung hat die Gesellschaft bereits die Anteile in den Hurtigruten-Hotels für NOK 17 Millionen (EUR 2,143 Millionen) verkauft. Die Gesellschaft hat zudem angekündigt, den kürzlich eingeführten Treibstoffzuschlag für Passagiere von NOK 40 (ca. EUR 5,04) pro Person pro Tag auf NOK 75 (ca EUR 9,45) zu erhöhen."

Fußnote: Da ich meine, daß die Hurtigruten-Reisen keine Kreuzfahrten sind, mochte ich diesen Begriff so nicht übersetzen und habe ihn im Original belassen.

Soweit die freie Übersetzung.

Stickoxyd-Steuer: siehe hierzu meine Beiträge zur Einstellung des DFDS-Dienstes Norwegen-England und Color-Line Hirtshals-Stavanger-Bergen.

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Re: HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

Beitragvon Ronald » Mo, 08. Sep 2008, 12:40

HURTIGRUTEN: WENIGER HAFENANLÄUFE, UM GELD ZU SPAREN
In der elektronischen Ausgabe der norwegischen Tagszeiten AFTENPOSTEN war heute folgender Artikel zu lesen ( freie Übersetzung):

Verkehrsministerin Liv Sgne Navarsete ist bereit über eine Verringerung der Anläufe zu reden, um die Treibstoffkosten für die verlustbringende und subventionierte Schiffahrtslinie zu sprechen, die zwischen Bergen an der Westküste und Kirkenes nahe der russischen Grenze Passagiere und Ladung nach vielen kleinen Häfen befördert.
Die Reederei Hurtigruten (wörtlich: schnelle Route) kann jedoch nicht zuviel von der Regierung erwarten. Bei einem Treffen in Bergen wurden die akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten diskutier. Navarsete sagte, daß die Schwierigkeiten nicht durch den Regierungsvertrag verursacht worden sind.
"Die Reederei muß Zinsen auf ungeheure Kredite für Zukäufe zahlen, die nicht notwendig waren, um die Verpflichtungen aus dem Vertrag mit der Regierung zu erfüllen. Jedoch sind wir bereit, unterstützende Maßnahmen zu diskutieren", saget Navarsete nach einem Treffen mit Hurtigruten, führenden Vertretern der drei nördlichsten Provinzen und dem Verkehrsministerium.
Der jetzige Vertrag, der bis 2012 läuft, verpflichtet die Regierung jedes Jahr bis zu 260 Millionen NOK (USD 50 Millionen) für den Güter- und Personentransport nördlich von Tromsø zu zahlen, wogegen Hurtigruten wiederum einen Ganzjahresdienst zwischen Bergen und Kirkenes vorzuhalten hat.
"Wir haben eine große Kampagne begonnen um Geld zu sparen, die Verdienste zu steigern und wir bieten an, die Hälfte der Reederei zu verkaufen. In unserem Treffen mit der Ministerin haben wir unser Verhältnis zur Regierung diskutiert. Die Kosten in der Anerkennung unserer Vereinbarung mit der Regierung sind größer als der Betrag, den wir erhalten. Entweder müssen wir uns mehr Geld leihen oder die angebotenen Dienste reduzieren, sagte der Reedereidirektor Olav Fjeld.
Navarsete sagte daß die Behörden die Zuschüsse an Hurtigruten nicht erhöhen könne, weil diese Vereinbarung durch die Finanzaufsichtsbehörden der EFTA abgesegnet worden seien. "Wir sind bereit, Szenarien zu diskutierten, wobei zum Beispiel bestimmte Häfen einmal die Woche nicht mehr angelaufen werden", sagte Navarsete.

In der internationalen, in England erscheinenden Schiffahrtstageszeitung LLOYD'S LIST war heute folgender Bericht zu lesen (frei Übersetzung):

"HURTIGRUTEN STEHT UM FINANZIELLE HILFE AN

Die norwegische Regierung könnte gewillt sein, Hurtigruten aus einer Finanzklemme zu helfen, nachdem der Kreuzfahrt- und Fährbetreiber gewaltige Verluste für das erste Halbjahr aufgrund steigender Treibstoffkosten und der Einführung der Stockstoffoxydsteuer (NOx) gemeldet hat.

Hurtigruten berichtete größere Verluste als erwartet mit NOK 186 Millionen ( USD 33,2 Millionen) für den Zeitraum und behauptete, daß NOK 64 Millionen Verluste durch höhere Treibstoffpreise und NOK 22 Millionen durch die Einführung der Stickoxydsteuer verursacht wurden.

Die Reederei berichtete Lloyd's List, daß das Krisengespräch mit der norwegischen Transportministering Liv Navarsete besser als erwartet verlief und es danach aussähen würde, daß die Stickstoffoxyd-Steuerzahlungen erstattet würden und die auf den Hauptteil der Flotte angefallenen höheren Treibstoffkosten zu einem Teil oder sogar voll erstattet werden könnten.

Die Reederei betreibt 11 "Kreuzfahrtfähren" die zwischen Bergen entlang der nördlichen Küste von Norwegen fahren, so daß regelmäßig 34 Häfen angelaufen werden. Weiterhin wird ein kleineres Arktik-Kreuzfahrtgeschäft betrieben sowie eine Flotte von 54 regelmäßigen und Schnellfähren die unter einem Regierungsbeförderungsvertrag betrieben werden.

"Wir erhalten den größten Teil der Treibstofferhöhungen für den Küstendienst erstattet und die Stickoxydsteuer (NOx-Steuer) ebenso", sagte der Sprecher Ragnar Nordum.

Die Gesellschaft ist der Auffassung, daß sie von der NOX-Steuer befreit werden muß, da der Achtjahresvertrag mit der Regierung im Jahr 2004 gezeichnet wurde und eine Klausel enthält, wonach Hurtigruten von allen zusätzlichen Steuern ausgenommen sein soll.

Hurtigruten hat 2.400 Beschäftigte, davon 1.800, die an Bord beschäftigt sind. Viele kleinere lokale Geschäftsleute und Gemeinden in den nördlichen Häfen, speziell nördlich von Tromsø sind auf den angebotenen Dienst angewiesen. Jedoch hat die Gesellschaft erkannt, daß sie sich nunmehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren muß, um den Schuldenberg von NOK 4,5 Milliarden abzubauen.

"Wir haben ein Kostenprogramm und wir verkaufen unsere Schnellfähren- und Pendlerfähren-Abteilung, um unsere Schulden zu reduzieren," sagte Mr. Norum, der zugleich bestätigte, daß ernsthafte Interessenten am Kauf der zu angebotenen Dienste vorhanden seien.

Der Verlauf des kleineren Fährgeschäfts soll es der Reederei wieder erlauben, sich auf das Küstengeschäft, das Kreuzfahrtsgeschäft der Arktik und den Spitzbergen Reisedienst zu konzentrieren."

So, das war's erst einmal aus der Presse.
Gruß
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Re: HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

Beitragvon Johannes » Mo, 08. Sep 2008, 16:42

Hallo Ronald,

herzlichen Dank für deine Mühe. Ich finde es toll, dass du uns mit diesen Infos versorgst, die zugleich interessant, als auch beunruhigend sind.

Mal schauen, was du noch so findest in den nächsten Wochen und wie es mit der Hurtigruten wieder in ruhigere Gewässer geht.

Danke

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Re: HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

Beitragvon Ronald » Mo, 08. Sep 2008, 17:06

Hallo Johannes,

gerne doch, ich bin ja schließlich selbst daran interessiert. Nach Rücksprache/Informationen mit meinen norwegischen Freunden - und die Norwegen-Freunde, die in Norwegen sind, können das sicherlich bestätigen - schält sich heraus, daß Norwegen "es sich nicht leisten kann", die die Hurtigruten irgendwo in den finanziellen Abgrund kommen. Es ist nicht nur Herzblut dran, sondern ganz einfach die Nortwendigkeit der Versorgungslage. Wenn ich mir vor Augen halte, daß ja selbst das Leergut an Plastik- und anderen Flaschen wieder "nach unten" befördert werden muß, dann kann man sich ausmalen, wann der Norden vermüllt ist.

Ich glaube auch, daß die NOx-Steuer und natürlich der Treibstoff (man darf nicht vergessen, der ist für Hurtigruten nicht abgabenfrei, da es sich um einen Inlandsverkehr handelt) die Situation herbeigeführt hat. Aber es ist schon richtig, daß man sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren sollte.

Haben unsere Altvorderen nicht recht, als sie sagten: "Schuster. bleib bei Deinen Leisten."

In dieyem Sinne.
Gruß
Ronald
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Re: HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

Beitragvon Harald96 » Mi, 10. Sep 2008, 9:36

Ronald hat geschrieben:Verkehrsministerin Liv Sgne Navarsete ist bereit über eine Verringerung der Anläufe zu reden, um die Treibstoffkosten für die verlustbringende und subventionierte Schiffahrtslinie zu sprechen, die zwischen Bergen an der Westküste und Kirkenes nahe der russischen Grenze Passagiere und Ladung nach vielen kleinen Häfen befördert.

Ja, es ist traurig aber unvermeidlich. Es ist tatsaechlich zu teuer, mit grossen Schiffen diese winzigen Ortschaften anzulaufen. Nach 2012 werden ganz sicher mindestens drei oder vier Haefen gestrichen. (Gamvik wurde ja schon vor Jahren gestrichen.)

Ich habe die Rundreise mit der M/S “POLARLYS” 25.04.08 - 06.05.08 gemacht, und habe zu meiner Verwunderung gesehen, wie wenig die Leute im hohen Norden die Hurtigrute benutzen. In Haefen wie Oeksfjord, Havoeysund, Kjoellefjord, Mehamn, Berlevaag, Baatsfjord und Vadsoe sind doch kaum Passagiere ein- oder ausgestiegen (Ausnahme: Mehamn suedgehend: Ein Amerikaner (!) ist eingestiegen). In einigen Haefen war nur ein Mann am Kai zu sehen: Der Mann, der die Leinen festgemacht hat. Und Ladung? Hoechstens eine Gabelstapler-Ladung, das war wohl alles. (Deshalb duerfen Passagiere auf vielen Strecken ihr Auto gratis mitnehmen! Platz gibt es genug an Bord.) Und auch die Rundreisepassagiere haben wenig von diesen Haefen, denn die Schiffe bleiben ja meistens nur 15 Minuten liegen, also keine Zeit auch fuer einen kurzen Spaziergang.

In 1970 habe ich zwei Monate als Heizer (“motormann”) auf der alten M/S “POLARLYS” gearbeitet. Damals gab es in diesen Haefen einen regen Betrieb, vielleicht 20 - 50 Passagiere sind zu- oder ausgestigen. Und viel Ladung! Aber wir hatten damals nur sehr wenige Rundreisepassagiere. Heute gibt es ja Strassen, Schnellboote und Flughaefen, und die meisten Leute (auch in Finnmark!) haben Autos.
Wohl dem, dem Seefahrt ein Geheimnis blieb!
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Re: HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

Beitragvon Hurtigruta » Mi, 10. Sep 2008, 10:04

Hallo Harald,

im letzten November wurde in Berlevag eine wahre Flut von Getränkekisten ausgeladen. Und da die Getränke nach dem Verzehr auch entsorgt werden wollen, kamen noch ein paar Toilettenschüsseln hinterher...... :wink:

Ich denke, das Passagier- und Frachtaufkommen ist in den Wintermonaten höher als im Sommer, weil es schnee- und eisbedingt dann mit dem Schiff sicherer und schneller geht als mit dem Auto oder Lkw.

Gruß
Uta
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Re: HURTIGRUTEN spürt den Druck der steigenden Kosten

Beitragvon Lizzy » Mi, 10. Sep 2008, 20:49

Hurtigruta hat geschrieben:Ich denke, das Passagier- und Frachtaufkommen ist in den Wintermonaten höher als im Sommer, weil es schnee- und eisbedingt dann mit dem Schiff sicherer und schneller geht als mit dem Auto oder Lkw.


Hei,

zum Passagieraufkommen im Winter kann ich nichts schreiben, denn darauf habe ich im Februar 2008 nicht so geachtet.

Das Frachtaufkommen war jedoch oft so hoch, dass wir trotz Hektik beim Be-und Entladen oftmals die eingeplante Avgangs-Zeit nicht einhalten konnten. Auch habe ich einige Waren bemerkt, die mir im Frühjahr oder Sommer in vergegangenen Jahren nicht aufgefallen sind.

Gruß
Lizzy
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