11.09.2009 - Der siebte Tag, Vadsø, Kirkenes, Grenztour, Vardo, Nordlicht

Nach der Sturm folgt Sonnenschein. Wir sind mitten in der Barentssee und die Sonne strahlt. Die Stimmung hebt sich, vor dem Frühstück mache ich die ersten Fotos in Vadsø. Nach einem Hinweis durch einen Mitreisenden kann ich sogar den Zeppelin-Turm entdecken, hier machten Amundsen und Nobile mit ihren Luftschiffen auf dem Weg zum Nordpol halt. Die Stimmung an Bord ist etwas hektisch, um 8 Uhr müssen die Passagiere, die in Kirkenes austeigen, die Kabinen räumen. Das scheinen doch einige zu sein, beim Frühstück ist es voll - viele haben Handgepäck und Jacken dabei.
Das schöne Wetter und die Fahrt nach Kirkenes werden an Deck genossen. Am Horizont kann man grössere Schiffe, auch eine Fregatte erkennen. Die Landschaft bekommt herbstliche Farben. Kirkenes macht einen etwas heruntergekommenen Eindruck, die maroden russischen Schiffe und die riesige Hallen der Erzverarbeitung dominieren das Bild vom Wasser aus. Im Hafen liegt auch ein moderner russischer Eisbrecher, die "Varandey", ein 70.000 Tonnen Koloss der Lukoil-Flotte.


Das Anlegemanöver beobachten wir von Deck 5 aus. Die Koffer werden schnell entladen und bei den Bussen bereitgestellt. Dann folgen die Passagiere, die uns in Kirkenes verlassen. Ich freue mich, das ich das Schiff noch nicht verlassen muss. Bei den Bussen regelt unsere Reiseleiterin Mette Indrevik die verschiedenen Touren, sie hat Gretha Lindberg in Tromsø abgelöst.

Unser Ausflug an die russische Grenze startet um 10 Uhr. Vor mir in der Sitzreihe zwei ältere Damen, die sich die ganze Zeit über Krankheiten und sterben unterhalten... Die beiden werden mich auch auf den Versteralen verfolgen. Unsere Reiseführerin ist Nadja, eine Französin in Norwegen. Wir besuchen die Erzgrube und erfahren, das diese im Jahr 2009 wieder den Betrieb aufgenommen hat. Die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt haben sich gut entwickelt, Eisenerz aus Norwegen ist wieder gefragt. Eine riesige Baggerschaufel wurde als Bushaltestelle im Ort platziert, nachdem Jugendliche das alte Wartehäuschen zerstört hatten. Die Fahrt führt weiter ins Pasviktal und zur russischen Grenze, hier stoppen wir - dürfen uns den Grenzhäuschen aber nicht nähern. Prompt bezieht auch ein Soldat Wachposten um die Touris abzuschrecken. Man kann nur ein paar Fahnen und Häuschen sehen, im See schwimmen Markierungen für die Grenzlinie. Das Wasser ist glasklar, ich sammle ein paar Steine für meine Sammlung (jetzt: Norwegen und Neuseeland, insgesamt 6). Wetter und Natur weiter super. Wir fahren noch durch Kirkenes und erfahren einiges über den Ort, auch das in Norwegen die Kindergartenkinder ihren Mittagsschlaf immer draussen machen. Von einem Aussichtspunkt können wir unser Schiff sehen, welches um 12:45 Uhr die südgehende Route antritt.





An Bord sind einige neue Gäste, eine grössere amerikanische Reisegruppe ist an Bord gekommen. Uns fällt besonders eine wohl ältere Dame auf, die das Lifting etwas übertrieben hat. Das Gesicht ist absolut straff gezogen, man sieht nie eine Regung.
Die Fahrt nach Vardø wird an Deck verbracht, Sonne tanken. Die Küste ist karg, einmal kann man alte Bunker sehen. Vardø taucht aus dem Meer auf und bietet einen besonderen Anblick, da das Mittelstück sehr flach ist. Auch die grossen Radaranlagen und der Leuchtturm auf einer gesonderten Insel sind etwas besonderes. Vardø ist die östlichstes Stadt Norwegens.



Die Einfahrt und das Wendemanöver auf der Stelle im engen Hafen erfolgen gewohnt routiniert. Wir verlassen das Schiff, ich besichtige die Vardøhus Festung. Der Eintritt kostet 40 NOK, entweder in die alte Mine einwerfen oder den freundlichen Soldaten am Eingang in die Hand drücken. Vardøhus ist eine achteckige Festung, die die Finnmark vor russischen Angriffen schützen sollte. Sie wurde im 14. Jahrhundert angelegt und ist seitdem die nördlichste Festung der Welt. Die Festung hat Salutpflicht und ist die einzige Festung nördlich des Polarkreises, die einen Zwei-Schuss-Salut abfeuert, wenn erstmals im Jahr die Sonnenscheibe voll über dem Horizont steht. Vor dem Kommandantenhaus stehen zwei Vogelbeerbäume. Alles ist recht farbenfroh, in den Häuschen sind Gegenstände aus der Festungsvergangenheit ausgestellt, darunter auch 2 Melde-Motorräder der Marke Harley-Davidson und ein Raum über die Deutschen im 2. Weltkrieg.


Es geht wieder Richtung Schiff, im Supermarkt noch schnell Getränke und Schokolade gekauft - dann kann geht es um 17:15 Uhr weiter. Das Abendessen ist heute nicht so ganz nach meinem Geschmack (Saibling) - aber Lauchsuppe und Moltebeeren mit Eis sind lecker. Nach dem Abendessen buche ich bei Mette die Vesteralen-Tour und die Seeadler-Safari. Im Panorama-Salon wird die Zeit bis 22:30 Uhr überbrückt.
Ich bin gerade in meiner Kabine als wir Berlevåg anlegen. Beim Blick aus dem Fenster nehme ich ein grün leuchtendes Band über der Stadt wahr und denke erst an Spiegelungen in der Scheibe. Es wird aber immer deutlicher und ich begreife das es sich um Nordlicht handelt. Schnell die Jacke übergezogen und Kamera gegriffen (Stativ natürlich vergessen) und raus auf Deck 5. Eine Lautsprecherdurchsage bestätigt es - wirklich Nordlicht. Durch die Helligkeit auf dem Schiff dauert es etwas bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnen, dann kann ich das Nordlicht erkennen. Für gute Fotos ist es leider zu dunkel, also ISO rauf und beten. 2 Fotos mit dem grünen Nordlicht bekomme ich in den Kasten und geniesse den Augenblick. Das Nordlicht bleibt uns nur sehr kurz erhalten, als wir unser Schwesterschiff die "Richard With" passieren habe ich mein Handtuch in der Kabine vergessen. Das ich nicht winken kann tut mir wirklich leid, den auf dem anderen Schiff ist die Hölle los. Die Mannschaft hat die Feuerlöscheinrichtung aktiviert, das Deck ist voller Menschen mit Wunderkerzen und Handtüchern. Mit vielen neuen Eindrücken kehre ich auf meine Kabine zurück.


Das wars erstmal für heute, muss erst weiter schreiben.