Mit "Erschrecken" habe ich festgestellt, daß ich die folgende Reise mit 22 gemacht habe, d.h. ich bin jetzt doppelt so alt wie damals. Wie kann das sein? Wo sind die Jahre hin? Mir kommt das noch gar nicht so lange vor! Gefüht ist das erst 10 Jahre her.

Nachdem ich ja 1994 zum ersten Mal mit der Bahn in Norwegen war, hatte ich die zwei folgenden Jahre genutzt, um Schweden und Finnland mit ebendiesem Verkehrsmittel unsicher zu machen.
Alles beides sehr schöne Länder, nur zog es mich dann doch wieder nach Norwegen zurück, denn mit der Wildheit der dortigen Landschaft konnte doch so schnell nichts aufnehmen.
Ach 1997 galt: Das Internet war noch in den Kinderschuhen, und Buchungen und ähnliches gingen nur auf dem alten, analogen Weg. Also wieder einmal das Buch mit den Jugendherbergen in aller Welt herausgesucht und eine Route geplant.
Dieses Mal wollte ich nicht nur mit dem Zug reisen, vor allem Geiranger stand auf der Wunschliste und somit war Busfahren angesagt. Glücklicherweise gab es einen Busfahrplan für Norwegen, in dem alle wichtigen Routen drinstanden (ich bin mir nicht mehr sicher, ob es nur einer war, oder verschiedene Hefte für die verschiedenen Landesteile), wodurch ich mir dann eine Route zusammenstellen konnte.
Auch hier wiederum die Jugendherbergen angeschrieben und reserviert und dann ging es schließlich los, wieder mit dem Nachtzug.
5. 8. 1997 - Mit dem Nachzug nach Oslo
Die Fahr bis Hamburg verlief ohne Probleme. Ich hatte hier noch ein bißchen Zeit und hatte mich mit dem Hamburger verabredet, den ich zwei Jahre vorher im Bus nach Narvik getroffen hatte. Beim Anblick des Zuges nach Kopenhagen sagt er noch "Guck mal, eine russische Lok - wohl aus Reichsbahnbeständen". Ja, und diese Lok sollte uns dann kurz vor Lübeck im Stich lassen: Lokschaden, also auf eine Ersatzlok warten, wodurch die eigentlich geplante Fähre über den Fehmarnbelt nicht mehr erreicht wurde. In folge dessen kamen wir mit 1 1/4h Verspätung in Rødby an, bei der Ankunft in Kopenhagen hatte sich die Verpätung immerhin auf 50min reduziert.
Mein ursprünglicher Plan war, in Kopenhagen noch bequem zu Abend zu essen, daraus wurde leider nichts. Noch schnell ein Sandwich besorgt und zum Nachtzug nach Oslo gesprintet - den aber immerhin erreicht.
Im Liegewagen waren wir zunächst zu dritt, ab Helsingborg zu sechst und so fuhren wir durch die Nacht Norwegen entgegen.
6. 8. 1997 - Auf nach Åndalsnes
Am frühen Morgen kamen wir in Oslo an, so früh, daß der Supermarkt im Bahnhof noch nicht auf hatte also gab es nur Wasser und ein kleines Frühstück und dann mit dem Zug weiter Richtung Dombås.
Es ging am Mjøsa-See vorbei


Und durch das Gudbrandsdal.

Vorbei an Ringebu

Und dann bin ich wohl weggedöst, denn wenn mein Nachbar mich nicht geweckt hätte, hätte ich wohl Dombås verschlafen und wäre schön Richtung Trondheim gedöst.
So lernte ich aber beim Warten auf den Ausstieg eine Australierin (Kirstie) kennen, die auch nach Åndalsnes wollte.
Die Lok für die Raumabahn von Dombås nach Åndalsnes strahlte schon viel Gemütlichkeit aus.

Das Raumadal läßt sich gemütlich an: Weite, sanfte Landschaft zum Anfang




Während der Fahrt unterhalten Kirstie und ich uns über alles mögliche. Sie findet das Wort "Møbel" extrem süß, ich mache sie mit Gummibärchen "Rubber bears" vertraut und sie holt schließlich eine gelbe Tube hervor und drückt daraus eine schwärzliche Masse auf ihr Brot. Dann fragt sie, ob ich mal probieren wolle? Ich denke, die Paste ist eine Art australisches Nutella und nehme es mit der Aussicht auf Schokolade in den Mund - und schmecke reines Maggi!
Und so erfolgte meine erste Begegnung mit Marmite - ein Schock.
Währenddessen fuhr der Zug weiter durch schöne Landschaft.

Welche langsam immer wilder wird.







Ein enges Tal, umrahmt von hohen, fast senkrechten Bergen - das ganze hat sehr alpinen Charakter.





Schließlich erreichen wir Åndalsnes.

Ein schönes Städtchen am Fjord, mit schroffen Bergen im Hintergrund - als ob man die Alpen geflutet hätte.


Als Wächter der Stadt formiert der Nesaksla.


Wir machten uns erst einmal auf zur Jugendherberge, Gepäck loswerden.





Die Jugendherberge macht einen sehr gemütlichen Eindruck.
Es ging wieder zurück in den Ort, wo ich erst einmal eine Telefonkarte gekauft habe. Danach saßen wir am Wasser und Kirstie konnte sich nicht entscheiden, ob sie noch auf den Nesaksla steigen sollte. Sei ist dann schließlich gegangen, ich war hab es nicht gemacht, einerseits ob meiner Müdligkeit und auch ob meines unpassenden Schuhwerks (Sandalen). Mit dem Versprechen, daß ich, sollte sie bis 22:00 nicht zurück sein, einen Suchtrupp losschicken würde, bin ich dann zurück zu JH gegangen, habe noch etwas eingekauft und dann endlich geduscht (So eine Nacht im Nachtzug kann schon schwitzig sein).
Kirstie kam dann schließlich noch rechtzeitig zurück und schwärmte von der Aussicht.
Wir hatten dann noch ein längeres Gespräch mit dem Holländer und noch einem Australier, was meinen Plan, früh in's Bett zu gehen, vereitelte.
