● „Schon wieder zurück gen Süden“Jetzt machen wir zeitlich einen großen Sprung, es ist schon Sonntag, Tag des Rückfluges, ich sitze in der Lobby des Hotels.
Wie ging es weiter am Freitag? Erst mal die Gedanken sortieren. Im Kulturhuset dann also „
Hilde Louise Asbjørnsen“, begleitet am Piano. Hat mir gut gefallen. Da ich zu spät war hatte ich keinen Sitzplatz mehr ergattern können. Aber einen einzelnen Stehtisch konnte ich noch in Beschlag nehmen. Dort lümmelte ich herum und nach einiger Zeit wurde ich angesprochen, jetzt aus dem Gedächtnis. „
Henger du alene her? Kan vi henger med deg?“, wie gesagt sinngemäß. Das hatte ich durchaus verstanden. Aber ich glaube die Fragestellerin hatte trotzdem gemerkt, dass ich evtl. kein Norweger bin und fragte noch mal nach. Ich sagte, dass ich es verstanden habe, es klingt fast so wie in Deutsch auch. Wir haben uns dann eine Weile gut unterhalten, auf Englisch, sogar in ein paar Worten deutsch, das die beiden beherrschten. Eine der beiden erkannte ich als eine Spielerin (ich meine Saxophon) des Vorspiels im letzten Jahr und ich meine sie auch schon in 2020 gesehen zu haben. Sie war erstaunt, dass ich mich daran erinnern konnte.
Dann folgte wie üblich eine kurze Pause und es ging weiter mit „
Henning Kvitnes“. Da habe ich schon vergessen ob es zwei oder drei Begleiter waren (es waren zwei). Hier gab es keine Zugabe, denn der Bus wartete schon für den kurzen Weg zum „
Huset“, dort sollte es dann mit „
Gatsby Party med Swing´it“ weiter gehen. Die Klamotten habe ich nicht an der Garderobe abgegeben, das war mir zu umständlich, allerdings konnte man im Erdgeschoss auch nicht mehr etwas sonst wo aufhängen. Egal, dann mit Klamotten erst mal in den Saal, ich wollte mich eh nicht in den Zuschauerraum stellen sondern setzte mich auf die Empore. Dieses Mal gleich in die erste Reihe, denn da hat es minimal mehr Platz um seine Gräten auszustrecken. Es dauerte noch etwas, der Saal füllte sich gut. Viele Leute hatten sich dem Motto entsprechend angezogen, also der 1920er Jahre, würde ich sagen. Beim Anblick so mancher freien Schulter bei den Damen fröstelte mir schon beim Hingucken, ich meine, es war zwar durchaus warm in dem großen Raum, aber sooo warm nun auch wieder nicht.
Dann ging die Show los. Welch ein Spektakel, die Musik war fetzig, einige Klassiker waren dabei die mir geläufig waren. Ein, na wie sagt man dazu, Conférencier sorgte zwischendurch für gute Laune und heizte die Stimmung zusätzlich an. Dann trat auch noch eine Burlesque-Tänzerin auf. Der Conférencier meinte dass es das wohl in diesem Haus in seiner ca. hundertjährigen Geschichte wohl noch nicht gegeben hätte. Einer der Musiker, ein kleiner drahtiger Typ legte auch noch akrobatische Stücke ein, so sprang er einen stehenden Salto, krass. Gegen Ende kam der Teil der Musiker die ihr Instrument tragen konnte von der Bühne und es begann eine große Polonaise durch den ganzen Raum. Die Stimmung war auf dem Siedepunkt angekommen. Da ich vorher schon den Busfahrer gefragt hatte wusste ich nun schon im Voraus, dass ich wieder nach Hause laufen muss. Dummerweise hatte ich beim Verlassen des Hotels meine Mütze vergessen. Aber es war absolut windstill, bei ca. -16°C (gefühlt -23°C). Ich glaube in einer halben Stunde war ich strammen Schrittes am Hotel angekommen, Zeit ca. 1 Uhr.
Trotz der späten Stunde schon mal alles so weit möglich für den morgigen Ausflug vorbereiten. Der sollte von 9 Uhr bis 18 Uhr dauern, wobei davon auszugehen war, dass es sicherlich fast 10 Uhr werden würde, bis wir losfahren. Es gibt Papierkram zu erledigen, es wird erklärt wie alles abläuft, die Klamotten (Balaclava, Helm, Skibrille, Stiefel und natürlich der Overall wollen ausgesucht, ausgeteilt und angezogen werden. Eine lange dicke Unterhose trug ich schon, darüber meine wattierte Hose und dann der Overall, der erstaunlich schwer ist und wirklich sehr groß, darin versinkt man regelrecht. Nach gefühlt wenigen Sekunden im Overall wird es sehr schnell sehr warm und man sollte so schnell wie möglich nach draußen gehen um sich in der Kälte wieder runter kühlen zu lassen. Ansonsten trug ich noch ein warmes langärmliges Shirt, ein weiteres dickes Shirt und noch einen warmen Pullover. Zu mehr riet mir der Guide Eduardo nicht. In meinem Rucksack hatte ich aber eine weitere Jacke dabei, die ich aber nicht brauchte.
Draußen dann noch eine Einweisung in das Schneemobil, es ist recht simpel, ein kleiner Gashebel, betätigt man ihn, fährt man los, je mehr man drückt, je schneller wird man, lässt man ihn los kommt das Gefährt sehr schnell zum Stillstand, man rollt nicht aus. Die Bremse braucht man selten. Wichtig sind noch die beiden Regler für die Heizungen der Griffe, die kann stufenlos geregelt werden und wird auf höchster Stufe durchaus heiß, wie sich später herausstellt.
Zunächst ging es das Adventdalen hoch, bis auf Höhe einer alten Grube. Ach ja, ich habe ganz vergessen, die Gruppe bestand aus drei Paaren, vier Leute dänischer Herkunft, zwei deutscher und meine Wenigkeit, altersmäßig lag ich wohl so im Mittelfeld. Nach diesen ersten paar Kilometern, die sehr einfach zu fahren sind, kerzengerade aus, ging es dann südlich ab in ein Tal. (ToDo für zu Hause, ermitteln wie die Täler alle lauteten die wir durchfuhren.)
Einschub: Wie gesagt ich sitze in der Lobby, die Temperaturanzeige sagt -6°C (gefühlt 11,3°C), das ist sehr moderat, Wind hat es so viel ich sehen kann auch keinen. Da sollte man es also gut ein paar Minuten draußen aushalten können. Es ist 09:44 Uhr, Zeit zu gehen. Einschub Ende.
Die Strecke ist nicht schwierig zu fahren. Wir halten immer mal wieder an, genießen die Aussicht. Wir sind mitten im Nichts, außer den Spuren der Schneemobile sieht man nichts Künstliches. Der Plan ist auf der Hinfahrt keine zu langen Pausen zu machen, so dass wir noch bei guter Sicht am eigentlichen Ziel ankommen. Es gibt ein paar Stellen die sind durchaus etwas anspruchsvoller, man fährt am Hang entlang oder es geht mal etwas steiler auf- oder abwärts. Ich hatte es mir deutlich schwieriger vorgestellt. Der letzte Abschnitt führt durch das namensgebende (Grøndalen) super breite und lange Tal zum
Grønfjorden.
Wir sind am Ziel angekommen. Die Landschaft ist g-r-a-n-d-i-o-s. Der Fjord ist zugefroren, soweit das Auge reicht. Ringsherum sind Berge, in der Nähe oder auf der anderen Fjordseite. Das Wetter ist bilderbuchmäßig, es weht kein Lüftchen, es ist nahezu wolkenlos. Mein Eindruck war, dass der Fjord deutlich unterhalb der Höhe war, auf der wir mit den Schneemobilen standen. Wir näherten uns dem Fjord und sahen einige Eisschollen und wurden gefragt wie die wohl da hingekommen waren. Ich meinte zwar richtigerweise, dass sie bei höherem Wasserstand dahin gedrückt wurden, aber ich hatte den Wasserstand ja viel niedriger gesehen. Wir machten nur noch wenige Schritte weiter und waren bereits auf dem Eis bis ich langsam begriff, dass es da gar nirgendwo mehr an einer Abbruchkante nach unten geht. Wenn man einfach nur weis hat ohne jeden Kontrast dann kann man sich schwer vertun.
Einschub: Mein Flieger ist gelandet, 9 Minuten verspätet, nicht wirklich viel. Einschub Ende.
Wir bekommen einiges zum Fjord und dem Tal erzählt. Ich frage einen der Guides ob es hier möglich wäre eine Drohne starten zu lassen. Ja, da spricht nichts dagegen, wir sind weit genug von irgendwelchen Infrastrukturen entfernt. Es wäre nur höflich die anderen Teilnehmer zu fragen, ob sie damit einverstanden wären. Keiner hat was dagegen. Ich präpariere das Fluggerät und bin gespannt, ob es bei der Temperatur überhaupt ihren Dienst tun wird. Alles steht auf grün, es kann losgehen. Es fängt schon ganz leicht an zu dämmern, speziell in Richtung Norden ist es schon recht düster. Die Drohne steigt, in null-komma-nix habe ich sie aus den Augen verloren. „
Fly-to-home“ da wird gar nicht lange gefackelt. Hier auf Sicht des Displays zu fliegen ist schwierig, es bieten sich nur schwer Wegpunkte an denen man sich orientieren kann (und mit all der Unterstützung auf dem Display bin ich einfach nicht so warm geworden, dass ich mich da flink bewegen könnte). Noch ein zweiter Flug, dieses Mal nur noch hoch und langsam ein Schwenk, wieder runter, Ende. Dann bin ich auch bereit eine Tütenmahlzeit einzunehmen und einen Becher des legendären blauen Safts zu nehmen.
Bei der Abfahrt für die Heimreise ist es schon deutlich dunkler geworden, die Rückfahrt wird also mehr oder weniger in Dunkelheit stattfinden. Wir waren noch nicht lange gefahren, da dreht das führende Fahrzeug eine 180°-Wende aus und lässt uns anhalten. Huch, was ist nun passiert. Es standen ein paar Rentiere in der Gegend, wollten wir uns die nun explizit angucken? Keiner wusste was los war, aber wir waren gehalten alle in der Gruppe zu bleiben, keiner darf alleine in der Gegend rum stehen. Wir wandern gemeinsam ein Stück des Weges zurück, man versinkt teilweise tief im Schnee, auch wenn der hier ja schon gut festgefahren ist.
Ahh, ui, da liegt ein Schneemobil auf der Seite, es ist das letzte Fahrzeug, also der andere Guide Eduardo. Dass es den gebrezelt hat wundert mich. Ein zweiter Blick zeigt es ist nix schlimmes passiert, selbst das Windschutzschild ist nicht gebrochen. Mit den richtigen Instruktionen haben wir zusammen das Schneemobil wieder auf die Beine gestellt. Ich denke alle sind erleichtert. Der Guide Timo sagt, dass sich keiner zu schämen braucht, das sei ihm schon so oft passiert, auch am Anfang. Und es gibt durchaus Kniffe wie man sich behelfen kann falls man alleine wäre. Das klang alles ziemlich erfahren und sorgte gleich für ein gutes Gefühl in den richtigen Händen zu sein.
Wir ziehen weiter unsere Bahnen, der größte Teil des Rückweges gleicht dem Hinweg. Ein Abschnitt ist neu. An einem Halt sind ganz leichte Nordlichter zu sehen, ein schmales Band, mit dem bloßen Auge fast nicht zu sehen. Also dafür puzzele ich den Fotoapparat nicht aus der Tasche, ohne Stativ wird das nix. Also den Moment genießen und im internen Speicher ablegen.
Wenn man einfach so in der Gegend rumsteht und sich nicht bewegt dann kann es sein, dass es einen fröstelt, bei mir ist alles ok, nur die Fingerspitzen werden schnell kühl und die geheizten Griffe sind da kein Luxus.
Ein ca. 10 km langer Abschnitt ist recht rau, es gibt vereiste Flächen oder Stellen wo wenig Schnee liegt und man über nur leicht verschneite Steine brettert. Mittlerweile ist es stockdunkel. Öfter scheuchen wir ein paar Rentiere auf, die dann davon trotten. Dann tauchen in der Ferne Lichter auf, die Zivilisation hat uns wieder. Rechter Hand liegt das EISCAT und linker Hand kann man die Lichter von Longyearbyen erkennen. Wir passieren eine Gruppe mit Hundeschlitten die angehalten haben. Die Hunde jaulen und heulen was das Zeug hält. Es sind nicht viele andere Schneemobile unterwegs. Die letzten Meter, wir erreichen unseren Ausgangspunkt am Rand von Longyearbyen und am Beginn des Adventdalen. Wir geben unsere geliehenen Gegenstände ab und versammeln uns noch mal kurz um zu hören und an einer Tafel zu sehen wo wir heute unterwegs waren und wo wir was gesehen haben. Wir sind 137,1 km gefahren, muss ich noch mal checken, ich hatte von der Tafel ein Bild gemacht. Das ist schon eine ganz schöne Strecke. In kurzen Spitzen sind wir mal 50 km/h gefahren, aber meistens deutlich weniger, selten 40 km/h, eher 30 km/h und an den kniffligeren Stellen natürlich deutlich langsamer.
Einschub: Ich sitze im Flieger, sind schon ein paar Minuten in der Luft, ich blicke nach Westen aus dem Fenster. Die Wolkendecke ist recht dicht, hat aber auch ein paar Lücken. Ganz nahe die Nase an die Scheibe gedrückt kann ich die Sonne direkt an der Wolkenkante sehen. Das Wetter in Tromsø soll gut sein bei Temperaturen von -8°C, das klingt bestens. Einschub Ende.
Wir werden wieder zurück in die Hotels gebracht, das Konzert mit Kari Bremnes hat schon begonnen. Aber mit den ganz dicken Klamotten wollte ich jetzt nicht den ganzen Abend im Kulturhuset herum hängen, also zuerst zurück ins Hotel und die Klamotten wechseln.
Der Saal ist brechend voll, ich stehe ganz hinten und lausche den Klängen. Das was Kari zwischendurch erzählt verstehe ich nicht wirklich, macht aber nix. Irgendwann meldet sich der Magen, er könnte doch noch was vertragen, mal sehen was es im Vorraum an Kleinigkeiten gibt. Es gibt zwei Gerichte zur Auswahl, ich nehme eine Portion Gyros mit Salat vom Buffet. Wow, das ist eine ordentliche Portion und schmeckt sehr lecker.
Einschub: Faszinierend, obwohl die Sonne ja bereits am Untergehen ist steigt sie aus unserer Sicht noch weil wir so schnell in Richtung Süden fliegen. Einschub Ende.
Wer kam nun nach Kari Bremnes, ähm, ich komme nicht drauf. Es war Katarina Barruk. Zitat „
Katarina Barruk er en av de sentrale unge artistene fra Sápmi i dag.“. Es gab wohl im Publikum ein paar Leute die verstanden was sie sang, sie sang „
umesamisk“, den Begriff hatte ich noch nie gehört.
Laut Wikipedia sprechen das nur noch 100 Leute. Wie krass ist das denn. Die Sprache steht also kurz vor dem Aussterben. Die Musik ist auf den ersten Blick sehr modern, ein Synthesizer kommt zum Einsatz. Das was gesungen wird erschließt sich mir natürlich nicht. Aber in einigen Stücken, mit entsprechenden Kommentaren auf Norwegisch vorher, kommt trotzdem rüber um was es geht. Einige Stück gehen absolut unter die Haut. Am Schluss gibt es standing ovations, das habe ich hier noch nie erlebt. Das war ein ganz besonderes Konzert.
Mein Handy hat heute während der Fahrt wohl komplett seinen „
Saft“ verloren und tut keinen Mucks mehr. Dabei steht ja am Samstagabend eigentlich traditionsgemäß ein Anruf in der Heimat an. Bevor dann Moon Hooch kommen ist etwas Zeit, kurz zurück ins Hotel, das Handy an die Steckdose und klingelingeling. <Plauder>, <Plauder>, <Plauder> Und wieder Aufbruch ins Kulturhuset. Da steht eine veritable Schlange draußen vor der Tür. Alles ganz ganz junges Gemüse, ein Indikator dafür dass es musikmäßig wohl eher heftig zugehen wird. Endlich geht es weiter in der Schlange. Die Garderobe ist längst komplett überfüllt, aber in der Ablage sind die Leute hier sehr kreativ und es wird an allen möglichen und unmöglichen Ecken etwas verstaut. Diesem Tun schließe ich mich an. Der Saal ist schon gut gefüllt, aber man kommt noch bis in die Mitte vor. Es dauert noch ein wenig. Dann werden die drei Jungs aus Brooklyn, New York, frenetisch angekündigt, das Publikum rastet aus. Die Musik setzt ein und ein Sturm bricht los. Mit Musikinstrumenten kenne ich mich ja leider nicht so aus, aber es könnte sich um ein Saxophon und ein dem anverwandten Instrument handeln. Zitat: „
Vi snakker et brygg sterkt inspirert av elektropop, dance og dubstep – bare med saksofoner og et trommesett“
Die Musik ist deutlich cooler als das was ich mir zu Hause schon mal in YouTube-Videos angehört hatte. Und es geht ohne Pause von einem Stück zum Nächsten.
Das letzte Stück spielt, es ist davon auszugehen, dass es bestimmt eine Zugabe gibt, aber ich gehe schon mal in Richtung Ausgang und trolle mich. Da fällt mir auf, dass ich noch kein einziges Mal in der (neu gestalteten) „
Svalbar“ war. Welch ein Frevel nicht mindestens einmal dort gewesen zu sein. Es ist ja nicht weit. Eintritt in den neuen Raum, ja, das sieht doch nett aus. Es darf ein „
Gruve 3“ sein, das kommt bestens gekühlt ins Glas und das schmeckt, eine Wucht. Noch ein zweites zu trinken verkneife ich mir, sonst schwanke ich noch auf dem Heimweg. So war es nur ein kurzer Abstecher in die „
Svalbar“, der nächste Besuch muss dann warten bis 2025. Es ist wieder spät geworden, 1 Uhr müsste es gewesen sein.
Die Aufnahmen von der Drohne habe ich mir noch angesehen und auch noch auf die Homepage hochgeladen.
Einschub: Die Sonne steht nun schon deutlich über dem Horizont und strahlt in voller Kraft, noch sind wir ja auch über den Wolken. Einschub Ende.
So nun ist aber genug für heute, Zeit zu schlafen. Ach ja, da war ja noch was. Wie sieht es eigentlich mit meinem Rückflug aus. Ist da eine Mail gekommen, dass ich nun boarden kann. Nein, da ist nix gekommen. Das lässt nix Gutes ahnen, aber jetzt lässt sich nix mehr ausrichten.
Nach dem Aufstehen checken was nun los ist, da kommt eine Mail von SAS, denn mein Flug sei leider ausgebucht und man mir aber freundlicherweise das Gepäck für umme befördern könne. Da sage ich nur F_CK SAS, wieso streichen die mir nun meinen Rückflug, was für Drecksäcke. Nun, geht heute noch ein Flieger? Ja, tut es, Norwegian fliegt auch. Es gibt noch Plätze, zähneknirschend buche ich wieder einen Flug. Ich bin sehr gespannt ob und was SAS nun zurück erstatten wird.
In Ruhe frühstücken, alles packen und richtig verstauen. Es hat sich ausgezahlt wirklich nur das nötigste mitgenommen zu haben. Der Bus geht um 10 Uhr, mein Flieger um 12:15 Uhr.
Draußen weht doch ein Lüftchen, aber ich friere nicht. Der Busfahrer ist der, bei dem ich vor ein paar Jahren schon mal eine Sightseeing Tour gemacht hatte, ein älterer Herr, der erzählte, dass er früher mal Professor war. Ich dachte noch so bei mir, dass er hier immer noch die Leute mit dem Bus rumkutschiert. Dann fahren wir auf den Flughafen zu und er meldet sich zu Wort und macht ein paar launige Bemerkungen, auf Englisch. Ich denke so bei mir, der ist ja echt cool drauf heute. Und dann kommt es, das sei heute sein letzter Tag, er hört nun endlich auf. Dann erzählt er noch was er so in Zukunft so alles machen will, sinngemäß sich an Getränken mit Schirmchen erfreut. Es gibt Applaus im Bus. Echt süß.
Ich checke am Self-Checkin ein und ähh, wieso kommt da jetzt kein Tag für meine Tasche aus dem Drucker, hab' ich Hasenhirn wieder was falsch gemacht. Ich bin der Meinung, nein. Also doch an den besetzten Schalter. Die Dame druckt mir ein Tag aus, meine Tasche verschwindet. Sicherheitskontrolle. Das ganze Geraffel aufs Band, Gang durch den Detektor, es trötet. Es ist der Gürtel, ok, alles gut. Alles wieder einpacken, sich im Gate installieren. Ähh, ui, da fehlt doch was. Schnell zurück, da steht noch ein Behälter mit Zeugs von mir. Uff, was eine Aufregung.
Die Svalbard Buttiken wurde umgestaltet und deutlich verkleinert. Ich erstehe ein Sandwich, ein Wasser und eine „
Svalbard Posten“. Frisch gezapftes Bierchen gibt es auch nicht mehr.
Wie schon in den letzten Jahren treffen einige Musiker ein. Blättern in der „
Svalbard Posten“. Es wird gewitzelt, was man vom neuen Skihang hält. 50% meinen, ob er wohl in diesem Jahr eröffnet? Schon letztes Jahr sah das alles ziemlich fertig aus. Keine Ahnung warum die ein Jahr später immer noch nicht in Betrieb sind. Dabei brannte durchaus bis 16 Uhr helles Flutlicht. Sogar zwei Schneekanonen waren ohne Unterbrechung am Werkeln. Das ist schon recht pervers, 1.300 km vom Nordpol entfernt braucht man Schneekanonen.
Nicht lange nach dem der Flieger gelandet war wurde auch schon zum Boarding aufgerufen. Es geht zügig voran. Das Wetter ist sehr gnädig. Letztes Jahr fetzte ein Wind, dass man fast weggeweht wurde. Wir starten in Richtung Osten. Ich hätte mir doch die Kamera mitnehmen sollen. Es war noch gut hell, beste Bedingungen eigentlich.
Einschub: Ich sitze im „
Solid“, ein Gast den ich mal eindeutig als Landsmann identifiziere, das Englisch klingt halt so wie wir Deutschen es sprechen, fragt doch ernsthaft ob es eine „
Happy Hour“ gibt. Ich werfe mich bald weg. Der sehr junge Barkeeper erklärt geduldig, dass es so was in Norwegen nicht gibt. Einschub Ende.
Landung in Tromsø, es liegt viel Schnee. Obwohl wir an einem Finger aussteigen, müssen wir in den Bus. Wir werden dorthin gebracht wo man durch den Zoll geht. Gesichtskontrolle, ich darf passieren. Gepäck aufsammeln. Ans Auto. Das ist unter einem Berg von Schnee begraben. Die Fahrertür lässt sich gut öffnen, der Schnee ist pulvrig und wird mit dem Superbesen hinweg gefegt. Der Motor startet sauber, es ist auch nur -6°C kalt. Die Bremse ist wieder etwas zögerlich und greift nicht so wirklich gut, was sich aber während der Fahrt gibt.
In den Straßen von Tromsø liegen noch Massen von Schnee. Es hat dort ja auch einige recht steile Straßen, aber ich erklimme sie alle ohne Probleme. Das Vorhaben meine Schüssel vor dem Hotel kurz zu parkieren um schon mal das Gepäck auf das Zimmer zu bringen lasse bleiben. Die Parkplätze sind nur für Anlieger, also direkt ins Felsenparkhaus.
Kurzer Weg ins Hotel, einchecken. Ich frage, ob das Zimmer nach hinten liegt. Nein, tut es nicht. Kann man das ändern, er guckt mal. Ja kann man. Das ist gut, denn zur Straße ist es einfach zu laut, nicht weil dort großartiger Durchgangsverkehr wäre, es ist nur eine Nebenstraße. Aber die Fenster sind so hundsmiserabel isoliert das man meint man sitzt auf der Straße. Nach hinten raus ist es dagegen totenstill.
Mal alles sortieren, Taschen leeren. Öhm, ui, ui, ui, da fehlt was. Wo ist zur Hölle die kleine SSD? Ich inspiziere alle Taschen mehrfach. Sie taucht nicht auf. Das ist der GAU. Da sind alle Bilder und Videos der bisherigen Reise drauf. Alle Jahre vorher hatte ich mehr oder weniger jeden Tag alle Daten noch mal auf eine externe Festplatte kopiert. Dieses Jahr nicht. Am Flughafen hatte ich das Ding noch in der Hand, aber wo könnte ich es versteckt haben, es ist leider nicht wirklich groß. Eine Mail an das Fundbüro am Flughafen Longyear habe ich gleich verschickt. Die öffnen wieder am Montag um 10 Uhr. Ob ich das Ding da aber letztlich überhaupt verloren habe und ob es gefunden wurde, das steht in den Sternen. Ich rechne mit dem Schlimmsten. Totalverlust.
Abmarsch zum „
Walter & Leonard“. Heute gibt es Törrfisk. Ein absolutes Gedicht, auch die Beilagen harmonieren bestens. Anschließend ins Solid, da ist ziemlich tote Hose, aber das tut dem Juleöl keinen Abbruch. Ab und zu tröpfeln noch ein paar weitere Gäste rein. Irgendwann verkrümel ich mich wieder. Direkt vor dem Solid fängt eine Baustelle der Fußgängerzone an, keine Ahnung was die da nun tun.

04.02.2024 14:17 | Höhe: 14,42 metres | Land: Norwegen | Stadt: Tromsø | Bundesland: Troms og Finnmark | Ortsdetail: Bjorvik | Longyearbyen – Tromsø | Etwas eingeschneit

04.02.2024 14:27 | Höhe: 10,37 metres | Land: Norwegen | Stadt: Tromsø | Bundesland: Troms og Finnmark | Ortsdetail: Bjorvik | Longyearbyen – Tromsø | Ruck-zuck vom Schnee befreit

04.02.2024 18:01 | Höhe: 10,37 metres | Land: Norwegen | Stadt: Tromsø | Bundesland: Troms og Finnmark | Ortsdetail: Tromso | Longyearbyen – Tromsø | Tromsø

04.02.2024 18:02 | Höhe: 5,03 metres | Land: Norwegen | Stadt: Tromsø | Bundesland: Troms og Finnmark | Ortsdetail: Tromso | Longyearbyen – Tromsø | Tromsø

04.02.2024 18:04 | Höhe: 0,35 metres | Land: Norwegen | Stadt: Tromsø | Bundesland: Troms og Finnmark | Ortsdetail: Tromso | Longyearbyen – Tromsø | Tromsø