Teil 41 und Schluss
Mittwoch, 03.07.2013
Haugesund
Eigentlich wollten wir heute die kleine Fähre nach Utsira nehmen, um Norwegens westlichstes Leuchtfeuer zu besuchen und zu fotografieren. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, denn wir hören ein merkwürdiges Geräusch: Regen.
Wir beschlossen aber dennoch, dass wir einen Rundgang durch Haugesund machen werden. Schließlich haben wir Regenjacken und Regenhosen. Nach dem Frühstück: Nichts wie rein in den Taucheranzug. Allerdings ließen wir die große Kamera im Hotel und zogen mit der kleinen IXUS los.

Alles was der Berufs- und Sportfischer braucht

Die zur Stiftung Haugesjøen gehörende Hardangerjakt „JOHANNE KARINE“, 1854 gebaut

Die 1919 in Kvinnherad gebaute „FARMAND 1“ war in Personenbeförderung bis 1997 in Østlandet und Nordvestlandet in Fahrt.

Traditionssegler und Colin Archer-Segelschiffe der Stiftung Haugesjøen

Skjoldavegen

Turistforening Haugesund
Ein Ziel war die Tourist-Information, bei der ich mich für die ausgiebigen Informationen bedanken wollte, die die freundlichen Damen mir über die Skulptur der Fischer schon vor einiger Zeit gegeben hatten. Die Damen waren ganz perplex, freuten sich aber sichtlich für den Dank und bemerkten, dass es nicht häufig vorkomme, dass man solche positiven Rückmeldungen bekommt.

Strandgata

Man beachte die hübsch geschnitzte Meerjungfrau

Torggata

Unterwegs kehrten wir noch in ein kleines Café für ein Stück Kuchen und Kaffee ein. Dann ging es zurück ins Hotel, wo wir es uns gemütlich machten. Und da wir ein geräumiges Zimmer mit Aussicht auf den Smedasund hatten („Room with a view“ – wenn wir schon ein Hotel mit Filmthemen hatten), beobachteten wir vom 4. Stock aus das Treiben auf dem Sund. Motor- und Segelboote kamen herein, offensichtlich auch Schutz vor dem Wetter suchend und die Utsira-Fähre pendelte hin und her.

Das Hotelzimmer in Haugesund (Foto vom Vortag)


„Room with a view“ auf den Smedasund (Foto vom Vortag)

Die Fähre von und nach Utsira (Foto vom Vortag)

Die Segler suchen Schutz vor dem Wind am nächsten Tag (Foto vom Vortag)
Dieses Hotel bot, wie schon das Hotel in Steinkjer, Waffelbacken an. Im Restaurant standen Teig, Marmelade und „rømme“ bereit und das Waffeleisen war auch vorgeheizt. So machten wir uns daran nachmittags zum Kaffee unsere ersten Waffeln zu backen. Lecker!!! Das Angebot wurde auch von anderen Hotelgästen sehr gut angenommen.
Den Rest des Tages bis zum Abendessen verbrachte meine Frau mit Lesen und ich machte Buchführung, denn die Übersicht musste ja gewährt sein.
Und am nächsten Tag sollte es dann zum Endspurt nach Kristiansand gehen.
Ursprünglich war geplant, die Rückreise mit der Fjordline von Stavanger nach Hirtshals zu nehmen. Die Fertigstellung des Neubaus STAVANGERFJORD verzögerte sich jedoch erheblich, denn es handelte sich bei diesem Schiff um das erste LNG-betriebene Fährschiff zwischen Norwegen und Dänemark. Und die Nachricht über die Verspätung erreichte uns am 29.05. in Ørnes.
Da wir aber WLAN im Hotel und unseren Laptop dabei hatten, konnten wir „bei dem Reisebüro unseres Vertrauens“ zu Hause umbuchen. Die Buchungsbestätigung für die Colorline erhielten wir in Lakselv.

Das war Haugesund.
-
Donnerstag, 04.07.2013
Haugesund – Årsvagen – Mortavika - Mandal - KristiansandBei bedecktem Himmel und 15°C machten wir uns auf den Weg nach Kristiansand. Auch heute sollten es wieder etwas über 300 km werden. Die Fahrt war relativ entspannt. Vielleicht fahren die Leute im Südwesten etwas „zivilisierter“ als oben im rauen Norden?
Eine Fähre hatten wir noch zu bewältigen: Von Årsvagen nach Mortavika. In Mandal legten wir eine Kaffeepause und kehrten, wie immer, bei „Edgar’s Kafé“ am Wasser ein. Hier hatten wir vor einigen Jahren den teuersten Kaffee in ganz Norwegen bezahlt. Zusätzlich zu dem Preis für Kaffee und Kuchen kamen noch ca. 70 DM. Ich hatte schlicht vergessen – wirklich, vergessen - das Parkticket zu lösen. Seitdem bin ich jedes Mal wie angestachelt auf Ausschau nach dem nächsten Ticketautomaten, wenn wir das Auto irgendwo abstellen.

Jæren

Hovsvatnet – Drangsdalen

E 39

Über die Fedjefjord bru …

… in den Teistedalstunnel, seit 2006 eine Abkürzung über den Fedjefjord.
Wir bummelten noch ein wenig durch Mandal, schauten noch einmal bei Husfliden rein, haben aber nichts mehr gefunden. Und dieses Mal sind wir OHNE Kamera und Camcorder durch Mandal gegangen, denn Fotos haben wir genug von diesem schönen Ort.
Nach einer weiteren Stunde Autofahrt kamen wir um 17.00 Uhr in Kristiansand an, wo wir das Radisson Caledonian Blue Hotel gebucht hatten, zum Abschluss, auch weil die Fähre von Kristiansand nach Hirtshals billiger war als die Fjordline von Stavanger aus, auch ein Business-Zimmer mit Aussicht.
Die erste Schwierigkeit begann mit der Parkplatzsuche. Alle Parkplätze des Hotels, die auch noch kostenpflichtig waren, waren belegt. Zum Einchecken fuhren wir daher direkt vor das Hotel. Wohin denn sonst? Hilfreich waren die Damen und Herren an der Rezeption für die Suche nach einem Parkplatz nicht, denn die empfohlenen Parkgaragen kamen wegen der Dachbox und der maximalen Einfahrthöhe von 2,0 m nicht in Frage.
Zuerst aber brachten wir unsere Sachen auf das Zimmer im 14. Stock. Als wir in das Zimmer kamen, fielen uns vor Staunen die Kinnladen herunter. Das gesamte Zimmer war heruntergekommen. Die Polster der Sessel waren eingerissen und fleckig. Die Holztüren waren dermaßen abgestoßen, dass hier wohl seit mindestens 10 Jahren keine Renovierung stattgefunden hatte. Und dann stand auch noch ein Kinderbett unter dem Fenster. Unser Versuch, ein anderes Zimmer zu bekommen scheiterte kläglich, da das gesamte Hotel belegt sei – was wir am nächsten Morgen beim Frühstück leidvoll erfahren sollten.
Aber jetzt ging erst einmal die Suche nach einem Parkplatz los. Am Fischmarkt konnten wir nicht über Nacht stehen, da der Automat kein 24 –Stunden-Ticket vorgesehen hatte, und so kurvten wir durch die Straßen rund um das Hotel. Zudem brauchten wir auch relativ viel Münzen für das Parkticket, die wir in einem nahegelegenen Restaurant tauschen konnten. Als ich am Hotel ein Auto wegfahren sah, drückte ich meiner Frau schnell den Autoschlüssel in die Hand, und bat sie das Auto zu holen, während ich kampfesmutig den freien Platz gegen jeden Eindringling verteidigen wollte – was auch gelang. Der Engländer, der uns eben diesen Platz überließ, meinte, dass es eine weise Entscheidung gewesen sei, den Platz zu verteidigen, denn er schien auch so seine Erfahrungen mit den Parkplätzen in den Städten gemacht zu haben. - Geschafft!
Jetzt gingen wir erst einmal zum Fischmarkt, um ein Bier zu trinken und etwas zu essen. Die Sonne gab sich noch einmal die Ehre, so dass wir draußen sitzen konnten. Wir genossen einen Salat mit Lachs – lecker.
Glücklicherweise saßen wir unter einem Schirm mit einer Heizung, denn es wurde dann doch etwas kühl.
Das „uterestaurant“ füllte sich und so boten wir einem norwegischen Ehepaar unsere Plätze an, weil wir ohnehin gehen wollten. Aber wir kamen dann mit dem Paar ins Gespräch und es wurde dann doch etwas später. Beide kamen aus Sandnes bei Stavanger und waren mit ihrem Boot hier. Und von ihnen erfuhren wir, dass das von uns gebuchte Hotel, das abgewohnteste in der Stadt sei, dass schon lange hätte abgerissen werden sollen. – Wir erzählten dann noch über unsere lange Reise und beide waren sehr interessiert. Somit hatten wir hier noch einen netten Abschluss unserer Reise gefunden.
Da in der Hotelbar „Krawallmusik“ gespielt wurde, die auch die junge Bedienung schrecklich fand, nahmen wir uns Eiswürfel und Gläser mit aufs Zimmer und genossen den Ausblick – nach draußen!
Später versuchte ich an der Rezeption eine Reduzierung des Übernachtungspreises zu bekommen. Der Rezeptionist versichert mir, sich darum zu kümmern.
Der letzte Abend in Norwegen war angebrochen.
-
Freitag 5. Juli 2013
Kristiansand – Hirtshals - HalstenbekDie Sonne weckte uns und wollte uns wohl mit dem Hotel versöhnen. Das klappte insofern auch, weil wir beim Auschecken eine Reduzierung von 500 NOK erhielten. Der junge Mann von gestern Abend hatte sein Versprechen gehalten.
Nachdem wir ein mittelprächtiges Frühstück in dem großen und – weil es voll war – lauten Restaurant eingenommen hatten, machten wir einen Spaziergang und gaben die letzten Pfandflaschen ab; die Fähre ging erst um 13.30 Uhr. Es war der Katamaran SILVIA ANA L, der beim kleinsten Seegang sehr ruckartige Bewegungen machte, die uns nie gefielen.
Die Zeit nutzen wir, um noch Fisch einzukaufen: Frische Meerforelle und Räucherlachs. Wir tranken noch einen Kaffee am Fischmarkt bis es dann auf den Fährterminal ging.
Die Überfahrt verlief mit einigen Ruckelbewegungen und teilweise verlangsamter Fahrt wegen Maschinenproblemen.
Dennoch kamen wir nach knapp drei Stunden Fahrt in Hirtshals an und waren nach weiteren 4 Stunden und 30 Minuten Zuhause.
Resümee einer 47-Tage-Reise von Halstenbek nach Hamningberg und zurückDie ersten Tage mussten wir erst einmal die Post sichten (Steuer überweisen usw.) und die Wäsche sortieren, Fenster putzen und saubermachen und uns selbst in unserem 23. Hotel zurecht zu finden. Hier eine kurze Zusammenfassung unserer einmaligen Reise.
Wir haben gesehen: Einen Fuchs, der von einer Krähe verfolgt wurde, ein Reh mit einem „Bambi“, eine Elchkuh mit ihrem Kalb, einen jungen männlichen Elch auf Hamarøy, einen Seeadler, der von einer Möwe attackiert wurde, Hunderte wenn nicht sogar Tausende von Rentieren auch mit den Jungtieren, Rentiere am Strand, Rentiere im Schneefeld, Schweinswale, Wale von der Fähre von Lødingen nach Bognes, Papageitaucher, Schafe mit ihren Lämmern, die mitten auf der Straße rasteten. So weit die Tierwelt.
An Landschaften durften wir sehen, erleben und aufsaugen: Die wunderschönen Ansichten auf der Küstenstraße RV 17 wie den Torghatten, der Berg mit dem Loch, die Sieben Schwestern vor Sandnessjøen, einer Gebirgsformation mit sieben schneebedeckten Gipfeln, die sagenumwobene Insel Hestmannen und den „Rødøyløva“, ein Fels mit einem Löwengesicht, den Gletscher Engabreen, Ausläufer des Svartisen, überhaupt die faszinierende, abwechslungsreiche Helgelandküste, die atemberaubenden Anblicke auf die Lofotwand von dem Hurtigrutenschiff TROLLFJORD von Bodø nach Svolvær und später von Tranøy Leuchtfeuer auf Hamarøy fast zum Greifen nah, die gesamten Lofoten von Å bis nach Fiskebøl, alles im Sonnenschein, ebenso die weißen und weiten Sandstrände auf den Lofoten, Vesterålen, der Insel Senja und der Finnmark mit smaragdgrünem Wasser, den weißen Korallenstrand bei Bøvær und das Gebirge „Gebiss des Teufels“ auf Senja, die unendliche Weite der Finnmark als auch deren unglaublich wechselnden, zum Teil sehr steilen Felsformationen, die Mitternachtssonne am Leuchtfeuer Andenes auf den Vesterålen und auf See vom Hurtigrutenschiff NORDNORGE von Vardø nach Mehamn, den Gletscher Øksfjordjøkulen von beiden Seiten, spektakuläre Aussichten vom Kvænangenfjell auf den Kvænangenfjord, ebenso atemberaubende Ansichten der Lyngsalpen, das größte Bergmassiv Skandinaviens mit bis zu 1.600 m hohen Bergen (man sieht diese Höhe vom Meer aus), die Romsdalsalpen, alles im Sonnenschein, ebenso wie den Atlanterhavsvegen, den Kannestein bei Måløy, die wirklich aufregenden Aufstiege zu und Abstiege von den Fjells mit 180° Kurven mit bis zu 10% Steigung (bei zwei Aufstiegen habe ich aufgegeben: Ifjordfjellet in der Finnmark und der Weg nach Havøysund), zuletzt dann noch die Fahrt über das Saltfjellet mit der Ansicht auf den 1.647 m hohen Svartisengletscher am Polarkreis sowie unzählige Wasserfälle und rauschende Flüsse.
Von 18 Nationalen Touristenstraßen haben wir 9 „erfahren“. Hinzu kommt die Bereicherung der Leuchtfeuersammlung, ohne die kleinen „fyrlykte“, mit 10 neuen Leuchtfeuern.
Wir sind durch 136 Tunnel gefahren, davon 8 unterseeische wie der Bømlafjordtunnel (260m u.M.), Nordkaptunel (212 m.u.M.), Byfjordtunnel (223 m.u.M.) und der Vardøtunnel (88 m.u.M.), Norwegens erster Unterwassertunnel.
Wir haben sehr nette, sympathische Menschen kennengelernt, auch einige unangenehme Zeitgenossen, die manches Mal doch recht eigenartige norwegische Servicementalität (wie von unserem Freund aus Grimstad bereits „angedroht“), sehr freches Hotelpersonal, aber auch sehr aufmerksames und fürsorgliches.
Bis auf eine „Befehlsverweigerung“ in Svolvær hat unser Auto uns über eine Gesamtstrecke von 10.316 km sicher und zuverlässig getragen, davon alleine in Norwegen 9.702 km und wir sind ohne Blessuren, Beulen oder gar Unfälle heil und sicher wieder Zuhause gelandet.
Wenn auch die letzten vier Tage etwas regnerisch waren, so haben wir Norwegen von seiner schönsten Seite im späten Frühling und beginnenden Sommer erleben dürfen. Es war eine einmalige Reise von 47 Tagen mit 18 Fähren und 22 Hotels in Norwegen, die es nun zu verarbeiten gilt – ebenso wie die über 10.000 Fotos von mir und 7.000 Fotos von meiner Frau sowie ihre mindestens 8 Stunden Film.
Das war die Reise „Von Halstenbek nach Hamningberg – wo Norwegens Straße enden“. Zur Nachahmung empfohlen!!!
-
Ich bedanke mich bei allen Leserinnen und Lesern für die lieben und netten Worte. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, diesen Bericht zu fertigen und einzustellen!
Herzliche Grüße
Ronald