Tag 6 (16. 8. 2017) - Nigardsbreen - LusterKeine Karte, da wir hier nur wenig gefahren sind
Die Nacht war überraschend angenehm, die Matratzen waren doch nicht so dünn wie angenommen und das Bett war auch lang genug (für mich ja sonst gerne ein Problem

Der Blick nach draußen verhieß doch gutes Wetter, bewölkt zwar, aber trocken (nachdem es am Abend vorher noch geregnet hatte). Eigentlich ideales Wetter für einen Gletscher.
Nach den Frühstück machte ich mich auf einen kurzen Spaziergang zum Breeheimcenter, um Karten für die Familientour auf den Gletscher zu kaufen.
Hier am Gletscher wird nämlich eine
kurze Tour für Kinder ab 6 Jahren angeboten, was für uns eine Chance darstellte, mal auf einen Gletscher zu kommen - denn wer weiß, wie lange so etwas noch möglich ist
Es gab noch genug Karten. Nach dem üblichen Packen und Aufräumen ging es daher auf der Mautstraße zum Parkplatz am Gletschersee

Am Parkplatz mussten wir erst einmal auf das Boot warten, welches uns über den See bringen sollte. Dabei konnten wir einen Blick auf die Gletscherzunge werfen.

Obwohl die Kinder sonst immer fragten, wann sie nun endlich in einem See/Fjord baden könnten, wollte sie hier die Wartezeit seltsamerweise nicht nutzen. Dabei war das Wetter eigentlich gut und der See sah auch einladend aus.
Und die Eisstücke sind so klein, die behindern gar nicht beim Schwimmen

Schließlich kam das Boot, und wir konnten einsteigen - zusammen mit einer Gruppe, die für eine längere Eistour ausgerüstet war.
Noch die Karten gelöst und los ging es

Jetzt fahr'n wir über'n See

Vom Anlieger ging es noch ein Stück durch ein Birkenwäldchen
Der Gletscher war nicht wirklich näher gekommen, als wir das Ende der Vegetation erreichten

Jetzt ging es weiter über vom Gletscher geschliffenes Gestein. Glücklicherweise war es trocken, sodaß man einigermaßen drauf gehen konnte. Bei Nässe stelle ich mir das sehr unangenehm vor, vor allem weil einem hier Stöcke mangels Halt auch nicht viel nutzen.
An einer nassen Stelle bin ich auch prompt ausgerutscht, aber glücklicherweise nichts passiert

Jetzt konnte man auch zum ersten Mal das Gletschertor sehen. Treffpunkt für die Tour war auf der linken Seite, sodaß wir den Gletscherfluß überqueren mussten

Glücklicherweise gibt es eine Brücke

Und eine weitere "Brücke"

Aber es ist immer noch ein gutes Stück zum Gletscher

Schließlich stehen wir am Einstieg zum Gletscher, wir haben aber noch eine Stunde Zeit. Das Angebot, jetzt sofort noch mit der vorherigen Gruppe mitzugehen, lehnen wir dankend ab, wir wollen erst einmal in Ruhe ankommen - heute hetzt keiner.
Also wird erst einmal Pause gemacht - Vom eis weht ein kalter Wind und wir sind froh, daß wir winddichte Jacken und Kopftücher dabei haben

Ein Blick zurück zum See

Ein Blick zur Abbruchkante - Ich finde es faszinierend, daß es auf dem Bild keinen Anhaltspunkt gibt, wie groß die Eisbrocken sind (Hinweis: Sie sind groß).

Die Gletscherzunge ist weiträumig abgesperrt, da es immer wieder zu Eisabbrüchen kommen kann, was
vor 3 Jahren zu einem schrecklichen Unglück geführt hat. Trotzdem sieht man immer Leute, die die Absperrung übertreten, um näher ranzukommen. Sieht ja alles so harmlos aus...
Aber glücklicherweise hat man ja eine Teleobjektiv und kann so die Bilder aus sicherer Entfernung aufnehmen





Eine Gruppe ist noch vor uns, und dann geht es los


Von den Führern erfahre ich, daß es dieses Jahr zu Staus kommen kann, da auch die Familientour über denselbem Einstieg wie alle anderen Touren geführt wird. Grund ist, daß ein flaches Stück, auf dem die Touren früher gemacht wurden, weggetaut ist. Daher ist die Familientour dieses Jahr auch abenteuerlicher als früher
Die Route muß jeden Morgen überprüft und eventuell geändert werden. Aufgrund des Rückgangs des Gletschers wissen sie auch noch nicht, ob sie nächstes Jahr noch eine Familientour anbieten können, oder ob der Einstieg zu anstrengend wäre
In Kumulus Bericht von 2014 sah der Gletscher noch ganz anders aus,
ebenso im Bericht von MainlineAber genug der trüben Gedanken, wir wollen ja das Eis erleben, also die Karten gezückt...

Jetzt bekommt erstmal jeder Steigeisen an die Füße (Meine Schuhe jubeln, endlich können sie zeigen, wofür sie eigentlich gemacht sind)


Erste Schritte mit Steigeisen

Die Gruppe, die aus 10 Personen besteht, wird noch angeseilt und wir bekommen eine grundlegende Einführung in das Gehen auf dem Eis: Feste, trampelige Schritte machen, damit sich die Steigeisen im Eis verhaken. Das Seil locker halten und auf keinen Fall als Schlaufe um die Hand legen - im Falle eines Sturzes würde sonst die Hand abgeklemmt.
Und dann geht es los, die eisigen Stufen hinauf

Das Gehen ist ungewohnt, da man immer glaubt, man würde auf dem Eis ausrutschen, was man aber dank der Steigeisen nicht macht. Allerdings kann man sich nirgens festhalten (ist ja alles Eis), sodaß ich mir noch so einen Pickel gewünscht hätte.

Huch, so hoch sind wir schon

Es gibt immer wieder Erklärungen zum Gletscher

Und das Führungsseil muß immer wieder neu gelegt werden

Blick in eine Gletscherspalte

Schließlich sind wir am höchsten Punkt unserer Tour angelangt.

Unsere Führerin erzählt uns noch, daß der Nigardsbreen eine langsam reagierende Gletscherzunge ist, d.h. die Auswirkungen des Klimawandels sind hier noch nicht so deutlich wie am Briksdalsbreen auf der anderen Seite des Jostedalbreens (die große Eiskuppe auf den Berggipfeln, wovon der Nigardsbreen nur ein Ausläufer ist). Der Briksdalsbreen hat sich fast komplett zurückgezogen, 2000 konnte ich da noch draufgehen.
Außerdem erzählt sie noch, daß einer ihrer Kollegen hier ein Sherpa ist, der schon 19x auf dem Mount Everest stand und der hier natürlich die besten Erfahrungen mit Gletschern und wie man Routen findet, hat. Für ihn ist das hier auf 300m über dem Meer natürlch leichte Arbeit
Während wir noch oben stehen kommt die Sonne raus der das Eis beginnt zu glitzern

Wir machen uns wieder an den Abstieg


Ein Sérac

Die Sonne macht sich sofort bemerkbar, die Eis taut schneller

Schließlich haben wir es geschafft und sind wieder unten. Auf Sand schaffe ich es noch, mit dem Steigeisen auf das Seil zu treten und nochmal hinzufallen - Aber auch hier außer einer kleinen Schürfwunde am Knie nichts passiert
Es ist jetzt einiges los

Aber wir machen erst einmal Mittagspause und genießen bei Würstchen, Polarbröd und KwickLunch die Aussicht.
Die Kinder hatten anfangs etwas Angst, fanden die Tour dann aber toll, aber auch aufregend

Noch ein kleines Steinmännchen gebaut

Und dann geht es zurück

Noch ein Blick zurück zum Gletscher - Wenn man bedenkt, unser höchster Punkt war die ebene Fläche links von der unteren Gruppe, da kann mal die Ausmaße erahnen.

Wasser kommt von überall

Und wieder über die Brücke


Noch einmal ein Blick zurück

Am Breeheimsenter machen wir noch eine Kaffee- und Eis-Pause, stöbern im Souvenirshop und genießen nochmal die Aussicht zum Gletscher

Blick durch die Dachkonstruktion

Dann geht es durch das Jostedalen zurück zum Lusterfjord - vorbei an gewagten Brückenkonstruktionen


Beim Einkaufen fällt mein Blick auf eine Avocado für ca. 9€, was mich kurzfristig auf die Idee bringt, den nächsten Urlaub mit dem Verkauf von Avocados in Norwegen zu finanzieren - "Avocados, der neue Alkohol"
Schließlich erreichen wir
Vik Fjordcamping, wo wir schon von Deutschland aus für 3 Nächte eine Hütte reserviert hatten.
Bei Ankunft ist niemand da, nur ein Zettel mit einer Telefonnr. und der Hinweis, in der alten Telefonzelle nebenan die Nummer zu wählen. Es meldet sich der Besitzer, unser Haus sei Nr. 12, Schlüssel läge unter der Matte und er käme dann abends zum kassieren.
So ziehen wir also in unsere Hütte direkt am Fjord ein

Sehr gemütlich im inneren

Aber das beste ist der Blick vom Balkon

Hier lässt es sich ein paar Tage aushalten - aber davon mehr am morgigen Ruhetag
Und hier wieder die Bilder in großer Auflösung