12. Tag – 14. August 2018 Angeregt durch Berichte hier im Forum (
viewtopic.php?f=45&t=26059&hilit=Stokmarknes) und auch auf der phantastischen Internetseite von Joachim und Angelika Beetz unternehme ich heute die Tagestour mit der Hurtigrute von Stokmarknes nach Svolvær (also von den Vesterålen zurück zu den Lofoten) durch den legendären Raffsund und vor allem durch den Trollfjord.


Klar muss ich dafür zunächst nach Stokmarknes – also fahre ich nach Svolvær, suche einen Parkplatz für den Tag, begebe mich zur Bushaltestelle am Hurtigruten-Terminal in der Fiskergata und warte mit ein paar weiteren Gästen auf den Bus. Zur geplanten Abfahrtzeit tauchen zwei Busse auf – aber welche ist denn nun der Richtige? Die Frage klärt sich relativ schnell – der Busfahrer ist so freundlich, alle Gäste zu informieren und auf die beiden Busse „aufzuteilen“. Ich kaufe mir ein Ticket (167 NOK – knapp 18 €) und besteige den Bus.
Nach einer kurzen Information, dass alle Gäste an der Fähre Fiskebøl-Melbu den Bus verlassen sollen, um auf der anderen Seite einen anderen Bus für die Weiterfahrt zu nehmen, startet der Bus pünktlich und fährt die E 10 bis nach Fiskebøl. Der Blick aus dem Busfenster schafft neue Perspektiven.

In Fiskebøl verlassen alle Fahrgäste nach Stokmarknes den Bus und begeben sich zu Fuß auf die Fähre. Der Fährpreis war mit dem Busticket bereits abgegolten. Die Überfahrt dauert 25 Minuten.





Der Bus für die Weiterfahrt steht bereits an der Pier. Und nach wenigen Minuten geht es auch gleich weiter nach Stokmarknes. Am Busterminal in der Havnegata steige ich aus und streife zunächst durch die „Einkaufsstraße“ (Markedsgata). Auch hier ist wieder alles wie „eingeschlafene Füße“. Mit einer Ausnahme: Auf 300 Meter Länge der Hauptverkehrsstraße sind mir noch nie so viele Frisiersalons aufgefallen, wie in Stokmarknes. Ich habe den Eindruck, das jedes zweite Geschäft mit Haare schneiden zu tun hat, um es mal schlicht und einfach auszudrücken.





Nach so viel „Entspannung“ beim Stadtbummel gehe ich ins Hurtigruten-Museum und natürlich auch auf das Museumsschiff „Finnmarken“.
Ich will meine Eindrücke und Erlebnisse im Museum gar nicht groß kommentieren und beschreiben – der Einblick in die Geschichte der „schnelle Route“ ist phantastisch – die ausgestellten Exponate beschreiben anschaulich die Welt der Transport- und Seereise-Schifffahrt an der norwegischen Küste. Für den Rest meiner Eindrücke und Emotionen lasse ich jetzt einfach ein paar Bilder sprechen; verbunden mit dem Hinweis: Es lohnt sich – wer, wann auch immer die Gelegenheit hat, das Museum zu besuchen, sollte es machen. Die Eindrücke sind unbeschreiblich und unvergessen. Und für Hurtigruten-Touristen ist der Besuch ohnehin ein „Muss“!













Rechtzeitig zur Ankunft der südgehenden Hurtigrute begebe ich mich an das Terminal und warte noch eine Weile im dortigen Wartesaal; zusammen mit einer italienischen Familie, deren Kinder aufgeregt hin und her sausen. Und pünktlich knapp nach 14:00 kommt die MS Vesterålen, eines der älteren Postschiffe um die Ecke. Die Vesterålen ist 1982 vom Stapel gelaufen, wurde aber erst 2006 von der Hurtigruten ASA übernommen und in den Linienverkehr eingestellt. Das Schiff hat eine Breite von über 108 Metern und eine Breite von 16,5 Metern. Es hat Platz für 490 Passagiere und 35 Pkw.


Meine „Einschiffung“ geht so unkompliziert, wie sie bereits hunderte von Norwegenreise sie erlebt und beschrieben haben. Also: Über die Gangway an die Reception und um ein Ticket nach Svolvær fragen. Ganz einfach. Meine Kreditkarte wird durch den Kartenleser gezogen; ich bin 399 NOK los und bekomme gleichzeitig meine Bordkarte in Form eines Plastiksships.

Für mich ist es ein besonderes Erlebnis; bisher kannte ich Hurtigrutenschiffe nur von Bildern, als besondere „Farbkleckse“ in einer ohnehin phantastischen Landschaft und vor allem von den Schwärmereien anderer Norwegenfreunde und der Userinnen und User im Hurtigrutenforum. Und nun betrete ich erstmalig dieses „Heiligtum“ einer für mich bis dahin noch geltenden Dekadenz und Spießbürgerlichkeit einer Norwegenreise.

Bereits am Vormittag bekomme ich von einer sehr lieben „Norwegenfreundin“ den Hinweis, ich möge mich für die Fahrt durch den Raffsund und Trollfjord auf der Vesterålen auf das Vordeck begeben, denn von dort hätte ich die beste Sicht. Also von hier:

Und so bin ich direkt am Ort des Geschehens und der phantastischen Ansichten und Eindrücke. Und ich freue mich auf die gut dreistündige Fahrt von Storkmarknes zurück nach Svolvær.


Pünktlich und mit einem lauten Signal aus dem Horn der MS Vesteralen geht es um 15:15 Uhr los und wenige Minuten durch den Langøysundet und unter der Hadselbrua in Richtung Lofoten.



Nach ca. 45 Minuten hat das Schiff die Raffsundbrücke erreicht und fährt in den Raffsund ein. Die Reise bekommt damit eine andere Dimension; na ja, der Begriff mag ein wenig übertrieben klingen, aber die Fahrt durch den engen Raffsund ist schon beeindruckend.

Entlang des Sundes liegen mehrere Häuser und ehemalige Handelsplätze, die aber längst ihre einstmals zentrale Lage und Bedeutung verloren haben. Die Natur entlang des Raftsundes ist traumhaft schön.







Um 17.00 Uhr hat die MS Vesterålen die nur 100 Meter breite Einmündung in den berühmten Trollfjord erreicht.



Jetzt fehlen nur noch die Trolle, die diesem Seitenarm des Raffsundes ihren Namen gegeben haben und der Sage nach gerne ihre Späße mit den Gästen auf den Hurtigruten machen und gar mit Steinen schmeißen. Na ja, glücklicherweise nur ein Märchen.
Die „Vesteralen“ gleitet langsam in den Fjord und man hat das Gefühl, mit ausgestrecktem Arm die Felswände der fast senkrecht im Wasser stehenden Berge anfassen zu können. Gigantisches Felsmassiv: links der 1045 Meter hohe Trolltindan und gegenüber der knapp 1.000 Meter hohe Blåfjell und der 980 Meter hohe Litlkorsnestinden.

Am Ende des Fjords, der an dieser Stelle 800 Meter breit ist, dreht sich das Schiff vor den Augen der staunenden Touristen auf der Stelle und fährt so langsam, wie bei der Einfahrt wieder aus dem Trollfjord hinaus. Die gesamte Prozedur dauert gerade mal 20 Minuten, wirkt aber sehr nachhaltig. Denn das war schon ganz großes Kino!!



Auf Wikipedia erfahre ich noch zusätzlich, dass sich am Ende des Trollfjords bis 1960 ein Wasserfall in den Fjord ergoss, dessen Kraft, durch zwei dicke Rohre gebändigt, seither der Stromerzeugung dient. Das hierzu notwendige kleine Turbinenhaus steht am Ufer des hinteren Fjordabschlusses am Rande einer Bergwiese. Starkstromleitungen spannen sich von hier über den Berg in Richtung Svolvær.

Schnell geht die Fahrt weiter nach Svolvær – entlang einer traumhaft schönen Küste, die im mittlerweile einsetzenden Sonnenschein ihre volle Schönheit entfaltet. Aber damit ist es an Deck kein bischen wärmer geworden; ich möchte behaupten, dass eher das Gegenteil eingetreten ist. Auf alle Fälle bin ich durchgefroren und verweile deshalb auch die eine oder andere Minute in der Trollfjord Lounge bzw. im Cafe. Den Panorama-Salon schaue ich mir nur kurz an und stelle fest, dass ich dort keinen ruhigen Platz finden könnte. Also wieder zurück.


Um 18:30 Uhr läuft die MS Vesteralen in den Hafen von Svolvær ein. Ende eines traumhaft schönen Tages.












Joachim Beetz schreibt auf seiner Homepage über diese Tagestour mit der Hurtigrute durch den Trollfjord:
„Ein Norwegenerlebnis der Extraklasse“! Ich kann dem nur beipflichten und empfehle jedem Besucher/jeder Besucherin hier im Norden diese Tagestour immer und immer wieder einzuplanen. Es lohnt sich.

Trotz der Empfehlung von guten Freunden, ich möge doch auf die nordgehende MS Lofoten warten, die um 21:00 Uhr in Svolvær einlaufen soll, mache ich mich auf den Rückweg. Ich hatte heute genug Hurtigrute und bin dazu total durchgefroren. Jetzt noch zweieinhalb Stunden warten steht mir nicht in den Sinn. War bestimmt ein Fehler.
Sitzheizung an; Heizregelung im Auto auf „volle Pulle“ – so fahre ich aus Svolvær raus in Richtung Norden. Bei diesem schönen Wetter möchte ich noch ein paar Fotos von der Sildpollnes Kapelle machen. Also fahre ich zum Austnesfjorden Rastplatz und habe von dort eine phantastische Aussicht auf die Kapelle, die kleine Halbinsel und die Gebirgswelt im Nordosten des Austnesfjord.




Abends zurück auf meiner kleinen Terrasse genieße ich den Blick auf den Lilandsvatnet und den Handbergstinden.
