Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Eure Berichte von Reisen in Norwegen, Wander- und Bergtouren, Hurtigrutenfahrten oder Spezialtouren

Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Dixi » Mi, 19. Mär 2014, 22:45

Hinweis
Teil 12 steht momentan im Unterforum Hurtigruten !!
Thread MS Nordnorge.......
Wenn Ronald es wünscht ?? sollte der Beitrag hier von einem MOD eingefügt werden, damit der Reisebericht komplett wird. 8)

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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Ronald » Do, 20. Mär 2014, 10:38

Danke Dixi!

Teil 12

Sonntag, 02.06.2013
Von Svolvær über Henningsvær nach Eggum oder auch nicht
Werdender Opa kommt durch - Seenebel kommt auf – Wir kommen zurück


Es ist Sonntag und wieder können wir auf der Terrasse frühstücken. Auch Hausmöwe „Emma“ schlägt wieder zu. Heute erwischt es einen Gast, der leichtsinnigerweise seinen Teller mit Brot auf den Tisch stellt um dann weitere Zutaten zu holen. Obwohl ich versucht habe, mich mutig „Emma“ entgegen zu stellen, hat sie dennoch das Brot erwischt. Ratlos steht der Mann vor seinem Teller, bis wir ihn auf „Emma“ aufmerksam machen. Wieder schmunzeln die Anwesenden.

Heute können wir uns wieder ohne Schweißausbrüche bewegen, denn ist so um die 19°C bei wechselnder Bewölkung. Die Hitze der letzten Tage war für Norwegen so ungewöhnlich, dass eine Zeitung titelte: „Tana ist wärmer als Ghana“. Oberlehrerhafte Anmerkung von mir: Tana ist eine Kommune in der Ostfinnmark, deren Verwaltungssitz in der Ortschaft Tana bru liegt – aber da kommen wir noch später darauf zurück.

Nach dem Frühstück wurden Postkarten geschrieben. Das muß sein auf einer solchen Reise, obwohl wir uns ja bei der einen oder anderen Person schon mal per E-Mail gemeldet hatten. Dann wurden noch Fotos gesichert auf einer externen Festplatte. Jeder von uns hatte eine 500 GB-Festplatte mit und so wurden die Fotos dann „über Kreuz“ doppelt gesichert, denn diese Schätze wollten wir so gut wie möglich absichern.

Danach machten wir uns auf den Weg nach Henningsvær. Heute wollten wir erst Henningsvær und dann die Nordküste der Lofoten erobern. Henningsvær habe seinen urtümlichen Fischerdorf-Charakter bewahrt, heißt es.

Der erste Fotostopp wurde bei der „Lofotkatedrale“ in Kabelvåg eingelegt. Die Vågan-Kirche, wie sie eigentlich heißt, wurde im neugotischen Stil aus Holz gebaut und 1898 geweiht. Mit 1.200 Sitzplätzen ist sie die größte Kirche Nordnorwegens. Da der Sonntagsgottesdienst schon vorbei war, war sie für „neugierige Besucher“ geöffnet, kostete aber Eintritt. Na gut, wenn die Kirche dadurch erhalten bleibt. Das war unsere heutige „Portion Kultur“.

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Vågan kirke „Lofotkatedralen“ – Kabelvåg – Austvågøya - Vågan kommune

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Weiter ging es nach Henningsvær, das auf zwei vorgelagerten Inseln liegt und über Brücken erreicht werden kann. Bei guter Sicht ist eine der Brücken von der Hurtigrute aus zu erkennen. Wir stoppten am Strand von Rørvika, wo sommerliches Treiben herrschte und reichlich gegrillt wurde. Nun zog Seenebel auf, der der gesamten Umgebung eine gespenstische Szenerie gab.

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Rørvika bei Henningsvær – Austvågøya - Vågan kommune

In Henningsvær angekommen, waren wir etwas verwirrt ob der vielen Wohnmobile und Campinganhänger. Ebenso parkten sehr viele Harley-Davidson-Maschinen. Einige „Typen“ schlurften mit etwas „müden“ Gesichtsausdrücken durch die Gegend. Bis wir hinter das Geheimnis kamen: An den Tagen vorher fand ein „COD-STOCK Festival“ statt – daher der Name Hase bzw. die ganzen Bierdosen und Bierflaschen, die umher lagen. Also einladend sah es nicht aus, zumal jetzt auch noch der Nebel über dem Ort lag.

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Henningsvær – Austvågøya - Vågan kommune

Am Hafen befand sich ein großes Souvenirgeschäft. Normalerweise gehen wir in diese hinein, um uns ein Eis zu kaufen. Aber dann sah ich an der einen Wand einen ganzen Haufen Eisbären, Plüscheisbären, in allen Variationen: Groß, mittel, klein. Aber einer hatte es mir angetan: Eine Eisbärin die mit ihren „Armen“ einen kleinen Eisbären umschloss. Den musste ich haben, denn Im Oktober sollte ich ja Großvater werden und da musste natürlich ein Kuscheltier mit nach New York genommen werden. Gesagt, getan, bezahlt und eingepackt.

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Eisbärin mit Eisbärkind

Ach ja, es war gar nicht so einfach in das Geschäft zu kommen. Am Eingang stand nämlich ein breitschultriger Wikinger. Da konnten wir noch so viel „unnskyld“ oder „sorry“ oder „excuse me, please“ sage, der Schrank bewegte sich keinen Zentimeter. Nun denn, wir drückten uns schließlich vorbei und ernteten einen verständnislosen Ausdruck. Das sollten wir noch öfter auf dieser Reise erleben. Dass das Leben in Norwegen in einem anderen Takt verläuft ist uns klar; wir wurden ja auch mit jedem Tag ruhiger, gelassener. Aber etwas Rücksicht kann ja nicht schaden.

So, nun aber auf nach Eggum – dachten wir. Bereits auf der Hinfahrt nach Henningsvær hörte ich beim Gas geben ein etwas merkwürdiges Geräusch, das sich nunmehr erheblich verstärkt hatte und wie das Röhren eines Hirsches klang. Da ich nicht wusste, was es war, wollte ich auch nicht das Risiko eingehen, irgendwo an der Nordküste stecke zu bleiben. So brachen wir die Fahrt ab und kehrten nach Svolvær zurück.

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Seenebel bei Rørvika – Austvågøya – Vågan kommune

In meinem Kopf spulte der „Contingency-Plan“, der Notfall-Plan. Nun als ehemaliger Auditor für Schiffssicherheits- und Qualitätsmanagementsysteme, muss man vorbereitet sein – auch auf solche Gelegenheiten. Zunächst galt es eine Volvo-Werkstatt zu finden. Laut Internet gab es eine in Svolvær Das ist schon mal gelöst. Wenn man solche Touren wie wir macht, sollte man ein Auto fahren, deren Marke in solchen Gegenden häufiger vertreten ist – und Volvo gehört dazu. Also: Montagmorgen ist Werkstattbesuch angesagt.

Geplant war die Abreise von Svolvær nach Stokmarknes für Dienstag, den 4.Juni. Gleich nach Ankunft im Hotel besuchte ich den Hotelmanager und fragte ihn nach der Option einen Tag verlängern zu können, falls dies notwendig sein sollte. Auch das war kein Problem, was aber auch wohl in unserer Unkompliziertheit lag, dass er uns bat, möglichst noch heute in ein anderes gleichwertiges Zimmer umzuziehen, da ab Montag eine Sicherheitskonferenz von Polizei und Sicherheitsleuten stattfinden würde. Also Habseligkeiten eingepackt und ein paar Zimmer weiter eingezogen – wieder Zimmer mit Aussicht und kleiner Terrasse. Als Dank erhielten wir abends sogar noch eine Flasche Sekt!

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Rica Hotel Svolvær

Dann wurde das Hotel in Stokmarknes angerufen, weil wir eine Nacht stornierten. Dies würde allerdings Stornierungskosten verursachen. Macht nichts – die Hauptsache, die Zahnräder greifen ineinander.

Während wir auf der kleinen Terrasse sitzen sage ich zu meiner Frau: „Morgen kommt die schwerbewaffnete Lofotenpolizei mit tiefgelegten Holstern und schussbereiten Maschinenpistolen und übt die Gefangennahme von Trollen ohne Anwendung von Gewalt!“ – Man muss das eben alles mit Humor nehmen.

Das Wetter ist zu ungemütlich, um auf der Terrasse zu sitzen. So sitzen wir in unserem Zimmer und beobachten das Einlaufen der RICHARD WITH. Da die Fenster allerdings seit einiger Zeit nicht geputzt worden sind, machen wir das eben selbst – nun haben wir den Durchblick!

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Fensterputzen ist angesagt

Zunächst kehren aber die Hurtigrutenpassagiere zurück, die den Ausflug „Adlersafari“ am Trollfjord gemacht haben.

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Adlersafariboot

Nach der RICHARD WITH, die fast die „Fiskerkona“ vom Sockel stürzt

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kommt die MIDNATSOL

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und wir machen einen Spaziergang zum Hafen.

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Die Svolværgeita wird fast von den Wolken verschluckt.

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Wir stellen beim Besuch des Schiffes fest, dass dieses für uns den gleichen, ungemütlichen Eindruck macht wir die TROLLFJORD und viel zu groß ist.

Zum Auslaufen der MIDNATSOL um 22.00 Uhr gibt die Möwe „Emma“ (ich habe sie wiedererkannt) ihren Kommentar dazu.

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Da fast alle Restaurants zu dieser Zeit bereits die Küche geschlossen haben und auch die Hotelküche ebenso, verbringen wir den Abend bei Knäckebrot aus Henningsvær, Sekt und Bier. Gute Nacht!


Teil 13 folgt
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Ronald » Do, 20. Mär 2014, 18:27

Teil 13

Montag, 03.06.2013
Svolvær: Tag der Wahrheit und des Wartens


Nun kam der Montag und der „Tag der Wahrheit“, was das Geräusch am Motor anging. Hin zur Werkstatt. Das erste, was wir zu hören bekamen: Man hätte heute keinen einzigen Termin frei, alles wäre voll mit Reparaturen. Wir erklärten dem Werkstattleiter, dass wir auf der Reise nach Norden seien und alles gebucht hätten. Wir baten ihn dennoch, sich zumindest das Geräusch anzuhören. Es kam ein Automechaniker (heute sagt man wohl Mechatroniker), er öffnete die Motorhaube, ich startete den Motor. Der Automechaniker suchte nach losen Teilen – offensichtlich noch ein Automechaniker der „alten Schule“. Dann holte er ein Stethoskop. Ich war schon dabei meinen Oberkörper freizumachen. Aber er wollte nicht mich abhören, jedoch wollte er die Lichtmaschine untersuchen.

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In der Werkstatt in Svolvær

Mir schwante schon was. Der Monteur holte sich zwei weitere Kollegen hinzu und beide hörten ebenfalls die Lichtmaschine ab. Diagnose: Lichtmaschine wohl kaputt. Aber vorrätig hätte man keine. Ist ja eigentlich klar, das kann man ja nicht mal in Deutschland erwarten, dass da eine Lichtmaschine für einen XC70 gleich auf Lager lag. Aber in der Werkstatt versicherte man uns, dass diese sofort bestellt werden würde. Wir warteten noch die Bestätigung ab. Man rechnete damit, dass die Lichtmaschine am Dienstag um 14.00 Uhr mit dem Flugzeug kommen würde, vorausgesetzt, dass Flugzeug habe noch genügend „Gewichtsreserve“. Nun denn, man würde mich anrufen am Dienstag. – Bei solch einer Situation hilft nur noch das nordfriesische Krisenmanagement: „Nütschanix – da mussu duich!“
Wir konnten allerdings noch mit dem Auto zum Hotel fahren, es ist ja nur insgesamt 1 km – Wahnsinnsentfernung für Svolvær! Im Hotel bestätigten wir die Verlängerung um eine Nacht verbunden mit der Option auf eine weitere Nacht: „Ikke problem!“ versicherte man uns. Noch einmal mit Stokmarknes Hotel gesprochen, auch dort Verständnis, aber man müsse – wenn kein anderer Gast kommt – eine Stornogebühr berechnen.
Zwischenzeitlich telefonierte ich mit dem Volvo-Mobilitätsservice und erklärte die Situation. Ich könnte mir einen Mietwagen nehmen und weiterfahren. Doofe Idee, wie sollten wir denn dann unser Auto hinterher gefahren bekommen. Also, Hotel und alles Weitere wird nur übernommen, wenn der Wagen wirklich nicht mehr „kann und steht“. Die Stornokosten in Stokmarknes könne man nicht übernehmen. Diese Logik soll man mal verstehen. Aber: Nütschanix!
Anschließend gingen wir in das AMFI, das Einkaufszentrum. Da es regnete und wir nur die Jacke mit den Wolfstatzen mit hatten, aber keine richtige Regenjacke für meine Frau, haben wir erst einmal eine Regenjacke sie gekauft und ich mir richtig gute Sandalen. So verläuft die Mutation. Noch im Beruf in der Kanzlei habe ich über die „bärtigen Journalisten als Sandalenträger von Gruner & Jahr gelästert (deren Komplex lag neben unserer Kanzlei) und jetzt gehöre ich auch zu den Sandalenträgern. Aber es lief sich bequem und für den Rest der Reise hatte ich keinerlei Beschwerden mehr. Warum nicht gleich so? Später kaufte auch ich mir eine Regenjacke, man weiß ja nie.

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Es rinnt der Regen ….. - Svolvær

Nun saßen wir im Hotel – es regnete ohnehin schon den ganzen Tag – und heben geschrieben und gelesen. Buchführung gemacht – auch das muss sein, um nicht die Übersicht über die Kosten zu verlieren - und – nun darf geraten werden: Wir warten auf die nächsten beiden Hurtigrutenschiffe. Wir waren uns nur nicht klar, ob wir zur Abwechslung einmal auf das südgehende Schiff gehen wollten, denn das liegt hier für eineinhalb Stunden von 18.30 Uhr bis 20.00 Uhr oder auf das nordgehend, was ja später kommt, ober aber auf beide?
Heute sollte zuerst die FINNMARKEN um die Ecke kommen. Die armen Passagiere – haben die Berge des Raftsundes nicht gesehen und noch zwei Tage vorher war es ein Superwetter. Aber so ist das Wetter in Norwegen. Schimpf nicht auf das Wetter, zieh die richtigen Sachen an und warte 1 Stunde, dann ändert es sich, sagt man in Norwegen. Nur nicht heute. An der Pier sammelte sich eine Blaskapelle, die dann auch losschmetterte, als die FINNMARKEN um die Ecke kam.

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Messing- und Holzinstrumente rosten nicht – Blaskapelle in Svolvær

Wir zogen unsere Regenjacken an und machten uns auf den Weg und machten noch ein paar Fotos vom Schiff, von außen.

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FINNMARKEN Einlaufen Svolvær

Da wir ohnehin nicht vorhaben in naher oder ferner Zukunft mit so einem großen Schiff eine Hurtigrutenreise zu machen, verzichteten wir auf einen Besuch.
Wir verzogen und in das Restaurant „Bacalao“, um Bacalao zu essen. Meine Frau mag dieses Gericht sehr gerne, ich hingegen schwärme nicht so für den mediterranen Geschmack. So ist es nun einmal: „Die Geschmäcker der Publikümer“ sind eben verschieden.

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Bacalao im „BACALAO“ in Svolvær

Das nächste Schiff sollte die VESTERFÅLEN sein – ein von einem bestimmten Personenkreis innig geliebtes Schiff; das wollten wir uns doch einmal ansehen.

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VESTERÅLEN in Svolvær

So gingen wir dann an Bord und vernahmen, dass das Schiff ausgebucht sei. Wir wollten ja ohnehin nicht mitfahren.

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Ausgebucht – Auch kein Kabinenwechsel möglich

Gut, wie ist die VESTERÅLEN von innen? Gut, einen gewissen Charme kann man ihre nicht absprechen, aber sie ist sehr verwinkelt und verbaut – bedingt durch ihre Umbauten. Dass die VESTERÅLEN von außen eine schöne Formgebung hat, auch darüber kann man verschiedener Auffassung sein. Wir haben sie jedenfalls „begutachtet“ und für uns als „nicht tauglich“ befunden.
Wir gingen in unser Hotel und verzogen uns auf ein Bier und ein Glas Wein in der Hoffnung, dass die Lichtmaschine am nächsten Tag kommen möge.
Jedoch genossen wir an diesem Abend noch einen Regenbogen und Wolken, die um Mitternacht in unglaublichen Farben von der Mitternachtssonne beleuchtet werden.

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Regenbogen 22.56 Uhr - Svolvær

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23.40 Uhr – Svolvær

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23.52 Uhr – Svolvær

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00.01 Uhr Mitternacht - Svolvær

Teil 14 folgt
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon inesmstaedt » Fr, 21. Mär 2014, 9:11

Wieder eine tolle Fortsetzung, Ronald! Die Seenebel-Bilder sind besonders außergewöhnlich :)
LG Ines
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Ronald » Fr, 21. Mär 2014, 11:58

Danke Ines,
Seenebel: Was meinst Du wie unheimlich es ist, auf See in eine Nebelwand hineinzufahren. Das habe ich öfters erlebt besonders in den 60er Jahren i Nordatlantik auf den Reisen nach Kanada. Seinerzeit waren Radargeräte noch nicht so gut wie heute und wenn dort oben die Zeit von Eisbergen war, das war schon unheimlich.
Gruß
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon inesmstaedt » Fr, 21. Mär 2014, 13:57

:shock:
Radargeräte noch nicht so gut wie heute und wenn dort oben die Zeit von Eisbergen war, das war schon unheimlich
Das klingt gruslig, Ronald.
LG Ines
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Ronald » Fr, 21. Mär 2014, 16:49


Teil 14

Dienstag 04.06.2013

Svolvær: Rettung aus der Werkstatt naht –
Eggum: Karibikstrand am Norwegischen Meer


Morgens war es bedeckt, kühl aber trocken. Nachdem dann doch noch die Sonne die Wolken durchbrochen hatte verbrachten wir unsere Zwangswartezeit“ auf der kleinen Terrasse vor unserem Zimmer. Wir haben gelesen und E-Mails geschrieben. Nunmehr zeigte sich auch die Svolværgeita in ihrer ganzen „Höhe“

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Svolværgeita – Svolvær – Vågan kommune

Dann kam pünktlich um 14.00 Uhr der Anruf von der Werkstatt, die Lichtmaschine liege auf dem Tisch und wir sollten man vorbeikommen zum Austausch. Um 14.50 Uhr war die Reparatur beendet und wir konnten unseren, wieder leise schnurrenden Volvo in Empfang nehmen. Mit der Werkstatt hatten wir dann keine Formalitäten mehr, es war ja noch Garantie.

„Jetzt könnt ihr in die Finnmark fahren“ meinte der Mechaniker und drückte uns zum Abschluß noch einen kleinen Kanister mit Kühlflüssigkeit in die Hand für den Fall, dass die Anzeige im Auto uns mitteilt: „Kühlflüssigkeit auffüllen“. Wir haben nämlich ein schlaues Auto, denn es sagt uns, welche Türen geöffnet sind, ob die Sicherheitsgurte hinten angelegt sind (da sitzt doch kein Mitfahrer???), und noch wieviel Kilometer wir mit dem vorhandenen Diesel fahren können usw. Mit der Anzeige hat es seine Bewandtnis. Fahren wir langsamer, dann „produziert“ unser Auto noch Diesel, denn die Kilometerzahl wächst …

Dann kam noch ein Anruf – vom Hotelmanager aus Stokmarknes. Es ist das Hotel, das man von der Hurtigrutenpier gegenüber liegend sieht. Wir müssten die Stornierung nicht bezahlen, da er das Zimmer habe vermieten können. Toll, das ist ein Service!

So fuhren wir froh gelaunt Richtung Eggum. Die Tour verlief zunächst über die E 10, die ja als Nationale Landschaftsroute bezeichnet war und was auch vollends zutraf. Von Austvågøy ging es über die Gisund brua auf Vestvågøy. Am Torvdalshalsen, einem architektonisch interessanten Rastplatz, genossen wir die Aussicht über die Insel.

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Rastplatz Torvdalshalsen – Vestvågøya – Vestvågøy kommune

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Aussicht über Ytter Pollen und Inner Pollen von Torvdalshalsen aus

Vorbei ging es dann an der 1986 gebauten Borg kirke.

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Borg kirke 1986 – Vestvågøya – Vestvågøy kommune

Dort bei Bøstad bogen wir auf den FV 994 nach Norden ab und erreichten nach kurzer Zeit Eggum bei strahlendem Sonnenschein.

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Høynesfjellet 528 m Middagstinden 707 m – Vestvagøya – Vestvagøy kommune

Über uns entdeckten wir eine „Möwe im Landeanflug“, denn sie hatte ihr „Fahrgestell“ bereits ausgefahren.

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Möwe im Landeanflug mit ausgefahrenem Fahrwerk

Bei Eggum liegt ein toller Rastplatz mit gepflegten Sanitäranlagen, wie eigentlich auf alle Rastplätzen entlang der Nationalen Landschaftsrouten, die wir gefahren sind.
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Rastplatz Eggum – Vestvågøya – Vestvågøy kommune

Eindrucksvollere Ansichten sind hier zu finden:
http://www.nasjonaleturistveger.no/de/lofoten/eggum

Der Rastplatz Eggum, auch mit einem kleinen Kiosk, liegt bei Borga, einer alten deutschen Radarstation aus dem zweiten Weltkrieg. Die Radargeräte wurden von einem benzinbetrieben Generator mit Strom versorgt. Die Station Borga war im zweiten Weltkrieg deswegen wichtig, weil hier die von und nach Murmansk fahrenden Schiffskonvois ausgemacht werden konnten.

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Borga – Eggum – Vestvågøya – Vestvågøy kommune
Von Eggum aus konnten wir die 45 km entfernt liegende Insel Langøya auf den Vesterålen erkennen.

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Auch hier fanden wir wieder einen „Karibikstrand“ auf den Lofoten.

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Eggum – in der Ferne Langøya - Vesterålen

Gegen 17.40 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Zunächst genossen wir in der Sonne auf der Terrasse ein leckeres Bier mit Blick auf die an der Pier liegende TROLLFJORD,

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Terrasse des Rica Svolvær Hotels

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Besuch der Hausmöwe „Emma“

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bis wir dann leckeren Seeteufel auf Garnelen und Wurzelpüree und Kartoffeln serviert bekamen.

Anschließend besuchten wir noch die NORDKAPP, die uns von den Einrichtungsfarben auch gut gefallen hat.

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MS NORDKAPP Einlaufen Svolvær

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Pünktlich um 22.00 Uhr legte die NORDKAPP dann Richtung Bodø ab.

So ging dann ein doch recht schöner – und vor allen Dingen – erfolgreicher Tag dem Ende zu.


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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Julindi » Fr, 21. Mär 2014, 17:27

seufz!!! Wie ich diese Bilder liebe: die wunderschönste Landschaft der Welt bei Bilderbuchwetter und das auch noch menschenleer....

Danke für Deine weiteren Mühen - wie immer 1A :D
Reiseberichte mit Fotos auf http://www.ju-cara.jimdo.com
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Ronald » Fr, 21. Mär 2014, 17:39

Danke Julindi,
Morgen geht's weiter auf die Vesteralen.
Gruß
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Gabi55 » Fr, 21. Mär 2014, 22:06

Die Bilder samt Bericht wecken die Reiselust - wirklich großartig!
Und der Rastplatz auf den ersten beiden Bildern ist nicht nur architektonisch schön, sondern auch offensichtlich rolligerecht.

Schön, dass das Hotel sich wegen der Stornierung so fair verhalten hat und dass mit der Autoreparatur alles gut gegangen ist.
Beste Grüße aus der Region Hannover
Gabi


Leben ist, was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen hatten (Henry Miller)
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon syltetoy » Sa, 22. Mär 2014, 13:57

Wie immer toll zu lesen, danke das du deine Erlebnisse mit uns teilst.
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Ronald » Sa, 22. Mär 2014, 16:35

Teil 15

Mittwoch, 05.06.2013 –
Svolvær – Vesterålen: Die ersten Rentiere - Einbruchalarm in Langenes – Kaffeetrinken in Nyksund – Hotelsuche in Stokmarknes


Nach den Lofoten kamen die Vesterålen - nein, nicht das Schiff, sondern die Inselgruppe - und hier sollten wir unsere erste richtige Mitternachtssonne sehen.

Abfahrt Svolvær war um 10.30 Uhr nach einem ausgiebigen Frühstück. Das Wetter zeigte sich wieder von seiner besten Seite: Sonnenschein und Temperaturen zwischen 12°C morgens und 20°C im Laufe des Tages. Zunächst fuhren wir wieder entlang der Raftsundberge auf der E 10 in Richtung Raftsund brua. Zuerst aber kam der 3.337 m lange unterseeischen Sløverfjordtunnel, gefolgt von dem 1.966 m langen Myrlandstunnel. Die Strecke führte wieder entlang Myrlandstranda, wo wir vor einigen Tagen ja unsere Füße ins Wasser des Hadselfjords steckten.

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Fußbad im Hadselfjord – Myrlandstranda – Hadsel kommune

Dann ging es weiter durch den erst im Dezember 2007 eröffneten 1.570 m langen Raftsundtunnel. Dieser Tunnel wie auch der 1.240 m lange Ingelsfjordtunnel und der 6.338 m lange Sørdaltunnel sind Teil der 2007 eröffneten Straßenverbindung „Lofast“ = Lofotens fastlandsforbindelse, also der Verbindung der Lofoten mit dem norwegischen Festland. Vor dieser Zeit konnten die Lofoten nur mit Fähren oder Flugzeug erreicht werden. Aber auch heute noch ist der Landweg z.B. von Bodø nach Svolvær über die E 6, dann weiter nach Narvik und von dort auf die E 10 mit ca. 550 km und mindestens 10 Stunden Fahrzeit weitaus länger als die Überfahrt mit der Hurtigrute, die bei gutem Wetter 6 Stunden dauert. Aber zurück zu unserer Strecke.

Kurz vor dem Sørdalstunnel überquerten wir den Vesterstraumen über die Brücke gleichen Namens.
Bild
Vesterstraumen brua – Rechts liegt der 831 m hohe Kvasstinden

Interessant – oder auch langweilig? – war die Fahrt durch den Sørdalstunnel, der auf einer Strecke von 4 km schnurgerade verlief. Auf dieser Strecke kam uns kein einziges Fahrzeug entgegen. Übrigens, bei längeren Tunnelstrecken, wie dieser, wird alle 2 Kilometer angezeigt, wieviel Kilometer man schon gefahren ist und wie viele Kilometer noch vor einem liegen.

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Kilometeranzeige wie hier z.B. beim Nordkapptunnel

Kaum aus dem Tunnel heraus begegneten uns die ersten Rentiere, allerdings erst einmal „zum Angewöhnen“ nur drei Tiere. – Wir befinden uns übrigens auf Hinnøya, mit 2.204 km² Fläche die größte Insel.

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Die ersten Rentiere im Hestedalen – Kvæfjord kommune - Troms

Links ragte der Botntindan976 m in die Höhe, rechts das 859 m hohe Middagsfjellet. Wir fuhren an der Grenze des Møysalen Nationalparks mit seinen bis zu 1.262 m hohen, schroffen Bergen entlang. Eine schöne, beeindruckende Strecke.

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Im Vesterdalen: Løbergstindan jeweils 969 m und 967 m, recht Nonstindan 930 m

Vor diesen Bergmassiven befanden sich Hochmoore mit unzähligen kleinen weißen Büscheln: Wollgras.

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Wollgras im Vesterdalen – Kvæfjord kommune - Troms

Bei Gullesfjordbotn bogen wir auf die E 85 in Richtung Sortland ab. Die Straße führte nun entlang des Gullesfjord und bei Langvassbukta entlang des Langvatnet.

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Tverrelvtindan 1.118m von Langvassbukta aus gesehen

Es dauerte nicht mehr lange – wir sind übrigens wieder in der fylke Nordland – lag Sortland, die blaue Stadt vor uns.

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Sortland, die blaue Stadt an Sund – Vesterålen – Sortland kommune

Das viele Häuser Sortlands in unterschiedlichen Blautönen gestrichen sind, ist das Resultat einer privaten Initiative aus dem Jahre 1999. Blau sollte für den Wechsel der Formen in Raum und Zeit bedeuten. Nun denn, ich finde die Häuser in den traditionellen Farben rot, gelb und weiß hübscher. Aber ich schrieb ja schon mal etwas über die Geschmäcker der Publikümer.

Auf der gegenüberliegenden Seite sahen wir die „blaue Stadt“ Sortland. Am Kai lag die KONG HARALD. Wir überlegten kurz, ob wir dort unseren Mittagssnack einnehmen sollten, verwarfen die Idee aber und besorgten uns stattdessen im Co-op gebratene Hähnchenschenkel und verzehrten diese später außerhalb von Sortland auf einer Bank am Sund – mit Blick auf den Møysalen.

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MS KONG HARALD in Sortland - Vesterålen

Wir fuhren über die 948 m lange, 1975 eröffnete Sortlandbrua, die die Inseln Langøya und Hinnøya verbindet.

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Sortlandsbrua

Unser erstes Ziel war Jennestad gamle handelssted. Der Landhandel wurde hier von 1830 bis 1982 betrieben. Die alte Ladeneinrichtung ist noch im Original vorhanden. Doch wie so häufig zu dieser Zeit, war das Haus geschlossen und die Maler waren dabei, dem Haus einen neuen Anstrich zu geben. Gut, dann eben wieder ein Foto von außen.

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Auf Langøya, der drittgrößten Insel Norwegens mit 850 qkm, sind die Berge zwar nicht so hoch, wie auf Hinnøya, aber ebenso schroff mit gezackten Gipfeln.

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Nattmalstinden 336 m – Langøya – Sortland kommune

Auf dem Weg nach Langenes am Nordende der Insel Langøy sehen wir im Sumpf „alte Bekannte“: Graugänse, die an unseren Küsten überwintern.

Von dem FV 955 aus sahen wir an der rechten Seite die in der Sonn liegenden Risetinden und Trolltinden.

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Risetinden 564 m links und Trolltinden 557 m rechts - Langøya

Keine 5 Minuten weiter gefahren und schon bot sich ein anderes Fotomotiv.

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Nattmalstinden und Storvatn am FV 821 - Langøya

In der flachen Küstenlandschaft Stormyra of Nørde Langøya konnten wir Gänsesägerpaar ausmachen sowie ein Grauganspaar. Letztere überwintern ja gewissermaßen vor unserer Haustür in Hetlingen in der Marsch sowie entlang der Elbe und bei Wischhafen.

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Gänsesäger

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Graugänse

Von dem FV 935 vor Skogly bot sich uns dieses Panorama
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Klotinden 671 m – Nørdre Langøya

Bald waren wir am Ziel, nämlich Langenes. Zuvor aber konnten wir bei Klo (nicht „vom Klo“) diese Aussicht über diese kleinen Schären am Gavlfjorden genießen. Übrigens „Klo“ heißt „Klaue“, also das, was die Hummer und andere Krebse so als „Hände“ haben

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Gavlfjorden – Nørde Langøya – Øksnes kommune

Von Langenes aus konnten wir auch eine „neue“ Leuchtfeuerstation für unsere Sammlung einfangen: Anda fyr. Mit dem neuen Teleobjektiv erhielten wir gute Aufnahmen. Immerhin war es von unserem Aufnahmestandort 5,4 km entfernt. 1932 ging es in Betrieb, 1987 wurde es automatisiert. Anda fyr liegt auf der gleichnamigen Insel, die ein bevorzugter Brutplatz für Papageientaucher ist.

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Anda fyr – Anda – Øksnes kommune


Hier konnten wir auch Langenes kirke fotografieren, die älteste Holzkirche Nordnorwegens aus dem Jahre 1796. Sie liegt fast am Strand. Langenes war im 17.Jahrhundert eine bedeutende Fischereigemeinde. Ungünstige Küstenverhältnisse, d.h. ein richtiger Hafen war nicht vorhanden, trugen zum Niedergang der Gemeinde bei und Ende des 19. Jahrhunderts, nach einem kurzen Zwischenaufschwung verödete die Gemeinde. Nur noch die Kirche, eine Rune oberhalb der Kirche und eine rote Holzhütte sind geblieben.

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Langenes kirke 1796 – Langenes – Nørdre Langøya – Øksnes kommune

Da die Kirche – wie viele Kirchen in Norwegen wegen zunehmendem Vandalismus – nicht geöffnet war, versuchte ich den Altar durch das Fenster zu fotografieren. Der Altar wurde 1758 von dem in Deutschland geborenen Gottfried Ezekiel 1758 geschaffen (Quelle: Norske kirkebygg http://norske-kirkebygg.origo.no/-/bull ... enes-kirke)

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Altar Langenes kirke -

Ein klapperndes Geräusch machte mich neugierig. Ich entdeckte, dass die Tür nicht abgeschlossen war und im Wind etwas gegen den Türrahmen schlug. Toll, doch eine offene Kirche! Also hineinschauen. Aber weit gefehlt. Kaum, dass ich eine Infrarotschranke passiert hatte, ging auch schon der „bygdealarm“ los, so wie viele norwegische Ferienhäuser gesichert sind. Mit schlechtem Gewissen zogen wir das Weite. Nur gut, dass wir unsere Fotos schon vorher gemacht hatten.

In der Nähe der Kirche bei Kråknesbrekka steht noch ein Gedenkstein zur Erinnerung an Torstein Reinholdtsen (1824-1907), den „Held des Meeres“, der viele Fischer vor dem „sicheren Tod“ gerettet haben soll. Der Granitstein zeigt ein schönes Nordlandboot unter vollem Segel. Im Hintergrund war die Insel Andøya zu erkennen.

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Gedenkstein Torstein Reinholtsen – Langenes – Øksnes kommune

Von Langenes führte uns unser Weg nach Nyksund. Zunächst geht es zurück auf der Straße 935, die wir gekommen sind, vorbei an der Siedlung Klo. Vor Myre bogen wir rechts ab auf eine noch engere Straße, der FV 938, die auch in einem entsprechenden Zustand ist und deren seeseitige Begrenzungen nicht immer klar zu erkennen sind. Meine Frau schrieb, dass die Straße uns wieder etwas „Unternehmungslust“ – ein anderes Wort für Mut – abverlangte. Aber wir wollten nach Nyksund.

Ach ja, eine gewisse Religiosität sollte jeder Reisende mitbringen, der sich in diese und noch weitere Gegenden nördlich begibt. Man sollte häufig Stoßgebete zum Himmel schicken, dass auf bestimmten Streckenabschnitten kein Fahrzeug und schon gar kein Lkw entgegen kommt.

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FV 938 nach Nyksund – Øksnes kommune

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FV 938 kurz vor Nyksund mit Nyksund fyr – Øksnes kommune

Nach einer guten halben Stunde waren wir angekommen bei immer noch strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel.

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Nyksund – Vesterålen – Øksnes kommune

Nyksund war ehemals ein lebendiger Fischerort. Aufgrund des Strukturwandels in der Fischerei wurde der Ort jedoch aufgegeben. 1985 wurde Nyksund von einem Sozialpädagoge der TU Berlin entdeckt. Durch betreute Jugendliche aus verschiedenen westeuropäischen Ländern wurde der Ort nach und nach wieder instand gesetzt. Der Projektgruppe wurde 7 Jahre mietfreies Wohnen unter Auflagen eingeräumt. Dadurch sind auch wieder Norweger auf den Ort aufmerksam geworden und heute leben etwa 15 Einwohner dort und bieten Konzerte und gute Gastronomie an.

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Nyksund – Vesterålen – Øksnes kommune

Wir trinken eine Kaffee in der Nachmittagssonne und genießen die Stille und die Einmaligkeit dieses Ortes. Das Café, oder besser Vertshus, wird von einem jungen norwegischen Paar geführt und wir kommen mit ihnen ins Gespräch. Sie fragen woher, wohin und wie lange. Dann geben Sie uns den Tipp nach Andenes auf der Westseite der Insel Andøya zu fahren. Das hatten wir auch schon ins Auge gefasst – nun machen wir es.

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Nordlandboot in Nyksund – Vesterålen – Øksnes kommune

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Nyksund – Vesterålen – Øksnes kommune

Dann machen wir uns wieder auf den Weg nach Süden, um unser Hotel in Stokmarknes aufzusuchen. Wir fahren also dieselbe Straße, wie oben abgebildet zurück. Es kam uns kein Auto entgegen.

Auf unserer Fahrt nach Süden bot sich uns wieder atemberaubender Anblick auf die Berge des Møsalen nasjonalpark.

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Møysalen 1062 m – Møysalen nasjonalpark – Hinnøya – Sortland kommune

Mit dieser Aussicht sollten wir gleich unsere Hähnchenschenkel verzehren, besser geht’s nicht.

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Rastplatz am Sortlandsund - Vesterålen

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Abendstimmung auf Langøya am Sortlandsund

Nun suchten wir aber unser Hotel. Es heißt Vesterålen Hotell Stokmarknes. Stokmarknes ist nicht groß, also sollte das Hotel nicht zu übersehen sein. Wir fuhren vorbei am Hurtigrutenmuseum, die „Hauptstraße“ rauf und runter, kein Hotel zu sehen. Dann kam uns der Gedanke, ob das Hotel sich hinter den vom Hurtigrutenkai gegenüberliegenden Rorbua verbirgt? Dann fanden wir tatsächlich einen großen Komplex „Vesterålen Hotell og Congresscenter“. Angehalten, gefragt, ist dies das Vesterålen Hotel? Ja, es gibt ja nur eines hier in Stokmarknes. Doch zunächst musste unser Name, wie noch so oft auf der Reise, mühsam aus den Reservierungen gesucht werden. Wir wiesen den jungen Mann darauf hin, dass wir eigentlich gestern schon hier sein wollten, jedoch stornieren mussten und dass der Manager uns in Svolvær noch angerufen hatte. So langsam schälten sich die Informationen aus dem Computer und wir bekamen unseren Schlüssel mit einem Anhänger in der Form eines Nordlandbootes.

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Hotelzimmerschlüssel Stokmarknes

Wir holten unsere Sachen – langsam sind wir geübt, welche Rucksäcke, Rolli, PC etc. mit aufs Zimmer kommen – und machten die Tür zu einer Suite auf. Wirklich toll, aber heiß!!! Die Fenster waren dicht und die Sonne strahlte den ganzen Tag auf die Fenster. Bloß alles aufreißen, sich etwas frisch machen und dann ab auf die Terrasse, ein kühles Bier und Postkarten schreiben

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Postkarten schreiben

– mit Blick auf den Hadsel und die hoch und trocken liegende FINNMARKEN; übrigens das größte Museumsexponat der Welt!

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MS FINNMARKEN in der Abendsonne um 21.42 Uhr - Stokmarknes

Abends machten wir noch einen Spaziergang über das Gelände des „Konferenzzentrums“ und hinunter zur ISQUEEN, einem ebenfalls an Land gesetzten Walfangbootes. Es hatte geöffnet und eigentlich wollten wir in dem Schiff noch ein Bier trinken, doch leider meldete sich weit und breit keine Bedienung.

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Das Restaurant ISQUEEN und Rorbua des Hotels in Stokmarknes

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Wir auf dem Spaziergang um 22.00 Uhr

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Wollgras im Abendlicht in Stokmarknes um 21.48 Uhr

Die Sonne stand noch immer hoch am Himmel und so erlebten wir, nachher bei weit geöffneten Fenstern in unserer Suite zum ersten Mal die Mitternachtssonne.

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Mitternacht 00.00 Uhr Stokmarknes – Blick auf Hinnøya

Allerdings versteckte sich die Sonne hinter den Bergen und war erst um 03.48 Uhr wieder zu sehen; ich wieder aufgewacht und verfolgte den Lauf der Sonne. Meine hat mitten in der Nacht noch die nordgehende NORDNORGE fotografiert. Da habe ich aber tief und fest geschlafen.

Das war der Tage auf Langøya. Bedingt durch den Svolvær-Aufenthalt konnten wir die Fahrt über Hadseløya und den westlichen Teil der Insel Langøya nicht mehr besuchen – aber dafür hatten wir an diesem Tag wieder unbeschreibliche Aussichtgen und Eindrücke.


Teil 16 folgt
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Man kann sich jeden Tag ärgern, aber man ist nicht verpflichtet dazu!
Ronald
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Viking » Sa, 22. Mär 2014, 20:47

:arrow: :super: :!:
(wo ist denn hier der "Bedanken" Button?!)
><((((º> Jörg <º))))><
Viking
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Kumulus » Sa, 22. Mär 2014, 21:19

Dieses "Blau" ist unbeschreiblich.

Danke für diese phantastischen Aufnahmen und die Fortsetzung deines Reiseberichts .
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Kumulus
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Re: Von Halstenbek nach Hamningberg - wo Norwegens Straßen enden

Beitragvon Isa.I. » So, 23. Mär 2014, 7:13

Ein ganz wunderbarer Reisebericht!! Ganz großes Kino!!
Danke fürs Mitnehmen.
So eine Lichtmaschinengeschichte hatten wir im letzten Jahr auch, scheint eine Spezialität während der Sommerreise zu sein :x
Freu mich auf die Fortsetzung!!
Isa.I.
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