von Chris665 » Mo, 03. Dez 2007, 10:01
Hallo Merryrose,
Heddal kann man ansehen, muss es aber nicht, wie ich finde. Es ist zwar die größte Stabkirche, aber sie ist durch Modernisierung stark in ihrer Wirkung eingeschränkt. Einen Umweg lohnt sie nicht. Lieber zu der sehr urigen Borgund-Kirche einen Abstecher machen. Sie ist nach unserem Empfinden die authentischste. Ich stelle hier nochmal meine Tipps auf andere Anfragen zusammen:
Wenn ich so viel Zeit hätte wie ihr, würde ich den Weg zum Ziel machen. Auch auf „nur“ vierwöchigen Norwegenreisen legen wir ausgiebige Zwischenstopps ein und genießen den allmählichen Übergang von den gemäßigten Zonen hin zum rauhen Norden. Ich weiß nicht, was ihr von Skandinavien schon kennt, aber zähle einfach mal auf, was wir als landschaftliche, kulturelle und atmosphärische Highlights am Wege empfinden und immer wieder ansteuern. Wir reisen oft über Fehmarn und die Vogelfluglinie. Da wären dann gleich die Kreidefelsen von Mön, das Kunstmuseum Lousiana am Öresund bei Helsingör, die Insel Ven, wo der Astronom Tycho Brahe forschte. Wer über Trelleborg nach Schweden einreist, sollte Smygehuk und Ales Stenar keinesfalls auslassen. Die schwedische Westküste oberhalb Helsingborg gilt denen als langweilig, die nur auf der Autobahn bleiben. Dabei finden wir gleich die beiden Halbinseln sehr reizvoll. Auf Kullen die Wanderung von Mölle zum Leuchtturm an der Spitze und zum an Bornholm erinnernden „Puppenstübchen“ Arild, auf Bjärehalvön die Wanderung vom großen Hügelgrab Dagshög nach Torekov und natürlich auch Hovs Hallar. Auch wer der Margeritenroute von Halmstad nach Falkenberg folgt, erlebt manches Idyll. Ab Stenungssund empfiehlt sich die Fahrt über die Inseln Tjörn und Orust, um an der einen oder anderen Stelle an die bohuslänische Schärenküste vorzustoßen, z.B. nach Mollösund oder Fiskebäkskil. Weiter nördlich, zwar voll, aber wunderschön und typisch Fjällbacka mit Spaziergang durch eine Ronja-Räubertochter-artige Kluft und hinauf auf die Felsen mit grandioser Aussicht auf die Schärenküste. Auf gleicher Höhe die steinerne Schiffsetzung Blomsholm und das benachbarte Gräberfeld. Und natürlich die Felsritzungen von Tanum in und um Vitlycke samt Museum. Oslo bietet viel Kultur, was besonders auffällt, wenn man aus dem diesbezüglich kargen Nordnorwegen kommt. Ich würde nicht auf den Campingplatz Ekeberg gehen, obwohl er den Vorzug des Blickes über die Stadt hat. Vom Wohnmobilplatz im Nordwesten hat man den schöneren Weg in die Stadt: Über die Museumshalbinsel (meine „musts“: Fram, Kontiki, Wikingerschiffe) und dann mit dem Linienboot ab Fram zum Rathaus/Hafen. Genial, wie man da rein gleitet, rechts die alte Festung, links das moderne Glashausviertel. Keinesfalls die Vigeland-Skulpturen im Frognerpark auslassen. Die Südküste ist toll, aber fest in Ferienhausbesitzerhand. Eine heitere, amphibische Welt, die sich eigentlich nur Bootseignern erschließt, es sei denn man nimmt ein Linienboot auf eine der romantischen, stillen und autofreien Inseln. Von den Städtchen würde ich Kragerö als am stimmungsvollsten ansehen, Tvedestrand fand ich kalt und steril. Wir sind dann, den überlaufenen Preikestolen bewusst umgehend, durchs relativ ursprüngliche und ruhige Setesdal ins ernste Inland gefahren (Highlights: Byglandsfjord, Freilichtmuseum Rygnestadtunet, Badeplätze am Fluss, alteKirche in Bykle, darin uealtes Deckengemälde: ein Engel mit Busen). Weiter gings mit einem Schlenker nach Dalen und zur Stabkirche Eidsborg, dann über das Haukelifjell mit der urigen Haukeliseter-Hütte via Latefoss (zweiarmiger, gewaltiger Wasserfall) nach Odda. Dort fällt die Wahl sehr schwer. Nach links an einem gewaltigen Schmelzwasserfall vorbei, alte Ortschaft Aga, Utne mit dem Holzhotel im Schweizerstil und dem Hardangermuseum, weiter durch die Obstplantagen nach Jondal, Norheimsund mit dem Steindalsfoss (Wasserfall, hinter dem man durchgehen kann) und dem Fartoycenter (Museumswerft, in der alte Schiffe restauriert werden), weiter nach Bergen. Oder in Odda erst nach rechts und das Husedal mit vier gestaffelten Wasserfällen erwandern und/oder zum gewaltigen Voringfoss im Mabodalen und/oder Berghof Kjeasen im Simadalen. Muss: Durch das Jostedal zum Gletscher Jostedalsbreen hochfahren. Dort ins Gletscherzentrum, Fahrt über den See oder zu Fuß zum Nigardsbreen und ran ans wunderbare, blaue Eis. Am Ostufer des Lustrafjords der Feigumfoss (Wasserfall), die Stabkirche von Urnes. Über den Fjord Solvorn, dort im Hotel schöne Kunstausstellung. Auch ein Hochgenuss: Stalheim-Hotel, dort Wanderung zu einem aufgegebenen Einödhof, Fahrt über die Stalheimskleiva (alte, enge, sehr steile Serpentinenstraße; Alternative: Tunnel) nach Gudvangen, Fährfahrt (teuer, weil 2 Stunden, aber viel eindrucksvoller als die Tunnel) durch den Naeroyfjord (den schmalsten Fjord).
Übers Sognefjell gings schließlich weiter Richtung Norden. Von Trondheim/Steinkjer ging es auf der RV 17 („Kystriksveien“) direkt an der Küste bis hoch zu den Lofoten (Fähre Bodö-Moskenes), eine wahrhaftige Traumstrecke, über etliche Fähren von Insel zu Insel bzw. Halbinseln, die von Land nicht erreichbar sind, mit Zugang zum Svartisen-Gletscher. Sehr ruhig und sooo viel Schönheit!! Nahe der E6, zu der man Höhe Mo auch herüberstechen könnte, fand ich den Ostzugang zum Svartisen toll, nahebei das Marmorschloss (siehe Internet „marmorslottet“), wo sich ein Fluss durch eine Marmorader fräst. 25 km nördlich Fauske die phantastisch-schöne Wanderung in den Rago-Nationalpark. Und die weitere Fahrtstrecke nach Norden. Ist bloß nervig auf der E6 wegen des hohen Verkehrsaufkommens, LKW-Womo-Gerangel usw. Von den überaus genial schönen, aber auch ganz schön frequentierten Lofoten kann man über Stokmarknes (Hurtigrutenmuseum mit Originalschiff von 1956) und Andenes (Walsafari, putzige kleine Museen) zur sehr ruhigen, superschönen Insel Senja übersetzen (Fähre nur im Sommer). Weiter nach Norden sollte man nicht fahren, es sei denn man ist ein Geröll-Fanatiker.
Durchs Baltikum haben wir auch noch auf dem Zettel. Aber das wird eine Extra-Tour. Wie wärs mit der Fähre Klaipeda-Kiel?
Rückfahrt aus Nordnorge über Schweden mit viel Zeit? Yeah! Finnland find ich langweilig, das haben die Gletscher plattgemacht. Hoga Kusten? Super! Stockholm? Jederzeit wieder!! Insel Gotland (Fähre hin von Nynäsham, zurück ans Festland zum weit südlicheren Oskarsham)? Die ganze Insel besteht aus archaischer Atmosphäre, ist landschaftlich wieder was ganz einzigartiges, ein Traum!!! Dann die schwedische Ostküste runtergondeln und als Abschied von Skandinavien noch eine Woche auf Bornholm verbringen? Dort will ich bleiben, bis ihr mich begrabt!!!!
Bei Bedarf Details.
Gruß, Chris