Mit dem Wohnmobil innerhalb drei Wochen ans Nordkap und zurück - dies hatten wir uns, trotz zahlreicher Warnungen verschiedener Norwegenkenner, in den Kopf gesetzt. Von uns sind das runde 3.600 km; einfache Strecke, versteht sich. Bevor man über uns den Stab bricht, noch ein Wort zu uns. Wir sind ausgesprochene Vielfahrer. Das Fahren ist für uns kein notwendiges Übel, sondern pure Lebenslust und damit Erholung. - Stress sind für uns eher längerer Aufenthalte, weil sich dann die berühmten Ameisen im Hintern bemerkbar machen und zum Aufbruch drängeln.
Als Newcomer in Sachen Norwegen, aber langjährige Wohnmobilfahrer, haben wir uns diesmal besonders intensiv auf die Tour vorbereitet; haben Bücher gelesen und in Foren wie diesem Rat gesucht. Nach Abwägung aller Kriterien entschieden wir uns für die direkte Anreise ans Nordkap über Schweden, Finnland und die Finnmark um anschließend den Skanden folgend, das Fjordland via E6 in südliche Richtung zu durchfahren. So hatten wir nie das Gefühl in Zeitnot zu geraten und hatten zum Schluss sogar noch ein paar Tage übrig, um einen Abstecher zum Preikestolen zu machen um zu dessen Aussichtsplattform zu wandern.
Die Dimensionen des Landes und die klimatischen Änderungen jenseits des Polarzirkels in Verbindung mit der Mitternachtssonne, waren wohl die größten Herausforderungen dieser Tour. Aber genau dieses hat uns am wenigsten ausgemacht. Allenfalls das ungewohnte Licht mitten in der Nacht, war gewöhnungsbedürftig. Außer ungesalzener Butter und deutschem Brot haben wir nichts vermisst. Dafür werden wir bei unserer nächsten Reise die angeratenen Spirituosen für Tauschgeschäfte zu Hause lassen. Erstens, weil wir auf unseren Routen gar nicht die Kontakte hatten, die man dafür braucht und zweitens, weil wir dafür wohl nicht die richtige Einstellung haben. Dafür haben wir immer ein paar give a ways aus unserer Heimat dabei, um uns für nette Gesten oder kleine Hilfen angemessen bedanken zu können.
Durch diese Reiseart erlebten wir ein Land, dessen wilde Rauheit bei gleichzeitig vorhandener Infrastruktur genau jener Mischung aus Abenteuer und Sicherheit entspricht, die für uns reizvoll ist. Außerdem hatten wir das Glück der Anfänger und erlebten Norwegen von seiner schönsten Wetterseite und selbst Elche zeigten sich uns und liefen direkt vor die Kamera.
Als ehemalige Südeuropafans fühlen wir uns plötzlich dem Norden zugetan und erleben eine nie erwartete Affinität zu Norwegen, ja ganz Skandinavien, verfolgen seither Berichte und Filme im Fernsehen und freuen uns über jede nordische Landschaft, die uns irgendwo als Bild begegnet.
Also keine Angst vor großen Reisen - voraussgesetzt man empfindet wie wir.
Viele Grüße
Ahorn




