Danke nochmals ihr Lieben für eure netten Rückmeldungen, da macht das Schreiben nochmal mehr Spaß
5.8.17
Vor zwei Tagen bin ich auf der Treppe abgerutscht - der Stoß ging von der Ferse bis ins Kreuzbein (= meine "Problemzone", die mir schon einmal einen Krankenhausaufenthalt beschert hat). Heute Morgen sind die Schmerzen sehr schlimm und ich frage mich, wie ich die Heimreise schaffen soll, ich kann kaum laufen.
Naja, losfahren müssen wir ja.
Ab Langevåg geht die Fähre um 9 Uhr, dann Richtung Osten / Røldal. Unterwegs kommen wir am Langfossen vorbei. Für mich als absoluter Fossenfan ein Highlight des Urlaubs. Als wir dort ankommen quäle ich mit aus dem Auto und schlurfe im Schneckentempo Richtung Wasserfall. Ich komme nicht weit - der stechende Schmerz ist so stark, dass ich absolut nicht weiter laufen kann. Von Weitem mache ich Fotos und mir wird klar: so werde ich es nicht schaffen, auch nur einen einzige Stufe auf der ColorFantasy hoch zu steigen. Kriegsrat im Auto... ich muss zu einem Arzt. Samstags mittags. In Norwegen. Dr. Google sagt, in Odda ist das nächste Krankenhaus! Glückstreffer: nur 60 km zusätzlich zu fahren. Wie gut, dass ich sogar an solchen Situationen unter Schmerzen etwas Positives sehen kann: Durch den Umweg fahren wir durch das Tal der Wasserfälle, diese Strecke hat mir 2014 schon so gut gefallen. Jeder Hubbel auf der Strecke wird aber zunächst zur Qual.
Im Krankenhaus angekommen macht sich mein Mann erst einmal auf die Suche nach irgendjemanden... niemand ist da, keine Schwester, kein Arzt, niemand an der Rezeption... Totenstille. Irgendwann findet er jemanden, der gerade aufräumt, die Dame sagt, dass jetzt kein Arzt da sei, um 14 Uhr aber eine Notbesetzung käme, ich solle unten warten (da war es 13 Uhr). Mann, Kinder und Hund schicke ich fort zum Hafen, sollen die sich wenigstens vergnügen! Ich kann nicht sitzen und nur krumm abgestützt da stehen (und vor mir, total motivierend, eine Vitrine mit altem OP-Werkzeug – da kann man nur die Hoffnung haben, dass das mittlerweile nicht mehr benutzt wird). Eine telefonierende Dame rauscht an mir vorbei und holt sich am Automat einen Kaffee. Sie fragt mich, ob Sie mir helfen könne. Als ich ihr sage, ich warte auf den Arzt, schaut sie mich verwundert an und sagt, sie komme gleich wieder. 10 Minuten später sitze ich in ihrem Behandlungszimmer und nachdem alles geklärt ist, verschreibt Sie mir starke Medikamente und sagt mir noch, wo die Apotheke zu finden ist. Sofort werfe ich mir die Medis ein und wir fahren zurück, wieder durch das Tal der Wasserfälle ... Der Placebo-Effekt wirkt sofort, mir geht es besser… und mein Fossenfan-Herz ist begeistert. Am Låtefossen machen wir einen Foto-Wickel-Eisess-Stop ... das macht einiges meiner Schmerzen wieder gut.
Weiter geht es über Røldal und das wunderschöne Haukelifjell. Irgendwann fahren wir zum Tinnsjø zum Campingplatz Sjøtveit (wir waren 2014 schon einmal hier) – dort habe ich im Voraus eine Hütte mit Bad reserviert. Die Kinder toben auf dem Spielplatz und ich kuriere meine Schmerzen liegend auf der Heizmatte aus. Die Medikamente beginnen zu wirken und mir geht es um Längen besser!


Ein Tag kommt noch ...
