von SchneiderRacers » So, 14. Dez 2008, 22:52
Guten Abend Renate,
ja, ich bin ein Murmeltier, aber vielleicht ein ganz besonderes ....
Während meiner Hurtigruten-Reise bin ich nachts so oft wach geworden.
Nicht, weil ich schlecht schlafen konnte - ich hab geschlafen wie ein Murmeltier -; nein, weil ich stets Angst hatte, ich würde etwas vermissen.
Ich fand es gerade nachts besonders aufregend, das Einlaufen in die Häfen, das Be- und Entladen und das Auslaufen aus den Häfen zu beobachten.
Als wir dann das nördliche Norwegen erreichten, hatte ich dann zusätzliche Angst, ich würde eines der wunderschönen Polarlichter verschlafen (ich hätte mich sehr geärgert darüber !!!!). Wenn Polarlicht am Himmel aufzog, wurden wir auch stets über Telefon/Lautsprecher darüber informiert (toller Service).
Wenn ich dann morgens wach wurde (meist so gegen 05:00 Uhr - der Alltag prägt es mir ein) habe ich im TV zuerst einmal geschaut, wo wir denn zur Zeit so "rumtuckern", hab dann in meinen reichlichen Informationsunterlagen (Anmerkung: Koffer war nach der ersten Flughafenkontrolle mit Aufkleber "heavy" geschmückt) nachgeschaut, was mich alles in den nächsten Stunden erwartet.
Meist bin ich dann (ich gestehe: Ohne Zähneputzen) in die warmen Sachen gehopst (die lagen immer "einstiegsbereit" auf dem Nebenbett) und bin nach draußen ..... und wenn ich dann so richtig durchgefroren war, dann hab ich mich oft einfach nochmal in Bett gelegt, den Wecker auf 09:30 Uhr eingestellt, und bin dann meist der letzte Gast beim Frühstück gewesen (großes Lob: Trotz so später Stunde waren noch sämtliche Leckereien in großer Auswahl vorhanden !!!!).
Oder ich bin nach meinen so frühen "Ausguck-Touren" in den Sportraum gegangen und hab Ausdauersport "mit einzigartigem Ausblick" gemacht, geduscht und dann zum Frühstück ....
Aber irgendwie war ich fast immer die letzte, die frühstückte - und die hungrigste beim Abendessen ... Nachdem ich schon an einem der ersten Abende wagemutig meine Bitte um Nachschlag äußerte (oh Schreck, ich bekam direkt nocheinmal die gleiche Portion - und hab es genossen, diese auch noch einmal ganz aufzuessen - ungläubige Blicke spürte ich im Nacken .....), wurde ich dann stets an jedem Abend gefragt: "Noch mal?" und so manches Mal habe ich die Frage mit "ja" beantwortet und brav und schätzend den 2. Teller auch verputzt !!!!
Hierzu muss ich allerdings anmerken, dass ich "nur" Halbpension gebucht habe (so wird es auch bei meiner nächsten Reise wieder sein). Außerdem habe ich mich bezüglich der Hafentaufenthalte schon Monate vorher darüber informiert, welche Tour ich in der Liegezeit laufen könnte. Deshalb hatte die vermehrte Kalorienzufuhr eigentlich keine negativen Folgen. Außerdem habe ich so das Land auch mit eigenen Füßen erkundet/kennengelernt und gelangte an Stellen, die sonst keiner der anderen Passagiere wohl kennengelernt hat.
Hier meine Highlights: Z.B.
- Trondheim zu Fuß erkunden = super toll
- in Bodö wollte ich den Berg "erklimmen", der sich auf der gegenüberliegenden Seite vom Hafen befindet. Leider scheiterte dieses Vorhaben auf halber Strecke an der großen Schneetiefe.
- in Tromsö habe ich zuerst die City erkundet, dann weiter über die Brücke bis zur Katedrale, weiter bis zur Talstation der Bergbahn. Ich wollte damit hoch auf den Aussichtsberg. Doch die Bahn fuhr leider nicht. Ein Schulmädchen erklärte mir, dass ein Bus dorthin führe. In diesen bin ich dann an der Katedrale eingestiegen und erklärte dem Fahrer mein Vorhaben. Er wollte dann wissen, wo ich denn her käme, als ich ihm dann antwortete "Germany" hat er gelacht und fragt, wo ich denn hier in Tromsö wohnen würde. Meine Antwort "Hurtigruten" verursachte noch ein lauteres Lachen beim ihm und er sagte, ich solle mich hinsetzen. Ich suchte mir einen Platz hinten im Bus. Der fuhr dann allerdings gar nicht in die Richtung, wo ich eigentlich hin wollte (auf den Berg), sondern wieder zurück über die Brücke in die Stadt. Ich dachte nur: Die Tour beginnt wohl wieder aufs Neue ab dem Busbahnhof. Aber ab dort fuhr der Bus am Flughafen vorbei, durch eine Art militärisches Gebiet ... immer höher einem Berg hinauf - aber nicht auf den Berg, wo ich hin wollte - der lag gegenüber, hinter der Brücke. Menschen stiegen ein und aus und nach langer, langer Zeit saß ich nur noch ganz alleine drin. Der Bus hielt in einem Gewerbegebiet neben einem anderen Bus an. Der Fahrer packte seine Brotdose ein, wollte aussteigen und sah MICH ....... Ihm entgleisten sämtliche Gesichtszüge !!!! Verständigen konnten wir uns irgendwie nicht. Er hat mich dann am Arm gepackt und mich in den anderen Bus gebracht. Dort redete er mit seinem Kollegen und beide lachten sehr (peinlich, die lachten über MICH !!!!). Auf jeden Fall bin ich dann mit dem Bus die ganze lange, lange Strecke wieder zurückgefahren und er hat mich bis kurz vor's Schiff gebracht. Dann ließ er mich aussteigen und hat so lange gewartet, bis ich im Schiff verschwunden war.....
- in Hammerfest bin ich die Straße hochgelaufen und habe ganz oben (am Campingplatz ???) einen ganz großen - lebensgroßen - künstlichen Eisbär angetroffen. Von dort hatte man einen unvergesslichen Ausblick auf die Stadt, das Meer und den Hafen. Beim Auslaufen des Schiffes stellte ich fest, dass man vom Schiff aus den Eisbär erblicken kann - wenn man weiß, wo er sich befindet ....
- in Honningsvag habe ich eine Nordic-Walking-Strecke gefunden, die einem Berg hoch führte, bis zu einem Staudamm. Von dort oben hatte man einen grandiösen Blick auf das Städtchen und den Hafen. Leider kam dann großes Schneetreiben auf und mein "Alleinunternehmen" wurde sehr gefährlich. Schweißgebadet kam ich auf der MS Finnmarken an und wollte nur noch duschen. Doch das Schiff erschien irgendwie gespenstig - mir erschien, als ob kein Mensch an Bord sei (klar, alle waren ja zum Nordkap gefahren). Als ich dann unter der Dusche stand, ertönte lautstark die Sirene durch den Kabinenlautsprecher. Oh Schreck: Es brennt !!!! Direkt danach ertönte die Ansage, die Kabinen sollen gestürmt werden .... Oh Schreck: Ich nackt !!!!! Irgendwas greifbares habe ich mir dann angezogen, bin raus aus der Kabine und stellte dann wenig später fest, dass die Besatzung nur eine Feuerwehrübung machte und sie hatten dann nur einen Zuschauer = mich.
- Kirkenes habe ich dann auch zu Fuß erkundet. Nicht so spektakulär, aber auch wunderschön zu laufen. Bis zum Eishotel (mit "Rudolf" und den Huskys) und zurück durch die Stadt
- in Slvorvaer hatten wir unplanmäßig einen längeren Aufenthalt, so dass sich auch hier trotz Besichtigung der Eisskulpturen später noch ein toller Abendspaziergang (mit Polarlicht) einrichten ließ (Anmerkung: wahnsinnig romantisch !!!! All die kleinen süßen Häuschen, die verschneiten Straßen, das wunderschöne Hafengelände, die alten Restaurants, die schneebedeckten Straßen UND DAZU POLARLICHT !!!)
und auch in Brønnøysund war es mir möglich, mir die Füße zu vertreten. Auch dies ist ein schönes Örtchen. Hier kann man außerdem ein hübsches Denkmal vom Dichter und Pfarrer Petter Dass
bewundern.
Tja und in Tronheim endete meine Reise dann schon.
Aber 2009 werde ich in den Genuss kommen, einen Tag länger zu bleiben. Ich habe diesmal die komplette Reise gebucht.
Falls es das Wetter zulässt, werde ich auch dann wieder viel zu Fuß unterwegs sein.....
(so wünsche ich es mir). Falls nicht, dann müssen im Sportraum wohl Fahrrad und Laufband und/oder der Pool meinen Bewegungsdrang befriedigen (grins) ....
Oh je, jetzt hab ich sooooo viel geschrieben. Hoffentlich interessiert das Dich oder sonst jemand überhaupt ......
LG Kathrin
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SchneiderRacers am Mo, 15. Dez 2008, 1:20, insgesamt 3-mal geändert.