Reisetipps

Fortbewegung per Auto, Fahrrad, Motorrad, Bus/Bahn, Fähren, Flugzeug sowie Routenplanungen

Reisetipps

Beitragvon KaiT » Mo, 24. Aug 2009, 23:38

Hallo zusammen,

über das Lofoten-Unterforum bin ich auf die Idee gekommen, hier eine Frage zu posten.

Wir (2 Erwachsene) planen per Auto im nächsten Jahr Norwegen zu erkunden. Bisher haben wir die 2x per Schiff bis zum Nordkap bereist. Wir würden jetzt gerne einmal Norwegen "näher" kennenlernen und eine 2-3 wöchige Tour mit Auto, Zelt, Jugendherbergen, Hotels, Hütten etc. machen. Wichtig ist uns dabei, dass wir auch den ein oder anderen Ort haben, an dem wir ein paar Tage bis zu einer Woche bleiben, um von dort aus zu Wandern, Biken, Kajaken etc.

Habt Ihr ein paar tolle Tourenideen, die die Mischung aus "Neuem, abwechslungsreichen Erkunden" und "Sportlicher Entspannung in toller Natur" kombinieren?

Unsere erste Idee war, den Süden zu bereisen, um dann an 3 bis 4 Stationen zu halten und von dort die Natur zu erleben - mit der Mischung aus Ausruhen und sportlichen Aktivitäten. Die zweite Idee war, bis zu den Lofoten zu fahren, um auf dem Weg dorthin viel zu sehen und dann auf den Lofoten noch mehr zu sehen, aber eine Woche als festen Anlaufpunkt zu haben, um von dort aus Aktivitäten zu starten...

Vielen Dank vorab und viele Grüße - ich hoffe auch ich bin hier richtig :(

Kai
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Re: Reisetipps

Beitragvon Chris665 » Di, 25. Aug 2009, 9:22

Hallo Kai, schau mal hier - wenn du magst. Das waren meine Vorschläge für eine Schwerpunktsetzung im Fjordland (Hardanger- und Sognefjord) von Bergen ausgehend. Geht natürlich auch umgekehrt oder so:
Hallo Xara,
das ist eine gute Idee, finde ich, von Bergen aus zu den Fjorden zu fahren. Hardanger- und Sognefjord liegen am nächsten. Da man in Fjordnorwegen nur langsam vorankommt (ca. 50km/h im Durchschnitt), würde ich die auch ansteuern. Dort sind ja auch reichlich Sehenswürdigkeiten versammelt, so dass man die Qual der Wahl hat. Ich zähle mal ein paar auf, die uns sehr beeindruckt haben. In Norheimsund der Steindalsfoss (relativ kleiner Wasserfall, hinter dem man durchgehen kann) und das Fartoycenter (Museumswerft, in der alte Schiffe restauriert werden). Weiter am Fjord lang und hoch zu den Gletschern, durch das Jostedal zum Jostedalsbreen, dort Gletscherzentrum, Fahrt über den See zum Fuß des Ausläufers Nigardsbreen und ran ans wunderbare, blaue Eis, solange es noch da ist. Dann könnte sich eine Fahrt auf das Sognejfell mit Wanderung dort oben anschließen. Ggf. bis Sagasäule am Elveseter-Hotel fahren oder bis Lom mit seinen Museen. Auf dem Rückweg am Ostufer des Lustrafjords via Wasserfall Feigumfoss zur Stabkirche von Urnes. Urnes gehört zwar zum Weltkulturerbe, ist aber durch spätere Eingriffe innen ziemlich verbaut. Toll die uralten Holzschnitzereien an der Außenseite. Insgesamt authentischer und uriger ist auf jeden Fall die Stabkirche von Borgund. Von Urnes über den Fjord nach Solvorn, dort im Hotel Walaker schöne Kunstausstellung.
Weitere Highlights: 2,5 Std. Fährfahrt durch den engsten Fjord Naeroyfjord von Kaupanger nach Gudvangen, über die Stalheimskleiva (alte, enge, sehr steile Serpentinenstraße; Alternative: Tunnel) zum Stalheim-Hotel (von dort Wanderung zu einem aufgegebenen Einödhof)
Am Hardangerfjord auf jeden Fall tolle Wanderung durch das Husedal bei Kinsarvik mit vier gestaffelten Wasserfällen hinauf Richtung Vidda, evtl. den riesigen Voringfoss (bester Blick vom Gelände des Hotels), Wanderung zum Berghof Kjeasen im Simadal, Utne mit Holzhotel im Schweizerstil und Hardangermuseum, evtl. auf schmalen Wegen durch Obstplantagen z.B. bis nach Herand fahren.
Wenn man sich so bei Fjorden, Fjell, Gletschern und Wasserfällen verlustiert, vergeht die Zeit wie im Flug. Ein paar Tage reservieren, um die Fahrt nach Kristiansand zu genießen! Dafür bietet sich das urnorwegische Setesdal an. Auf dem Weg dorthin über das Haukelifjell mit dem urigen Haukeliseter-Hotel kommt man bei Odda zuerst am Latefoss (zweiarmiger, gewaltiger Wasserfall) vorbei. Im Setesdal hat uns besonders gefallen: Die alte Kirche in Bykle (innen!), Badeplätze am Fluss, das urige Freilichtmuseum Rygnestadtunet, der Byglandsfjord (ein See), schweißtreibende Wanderung Richtung Ardalsknappen vom Campingplatz Neset direkt am See). In Kristiansand könnte man sich einen wunderschönen Abschied von Norwegen verschaffen mit einem idyllischen Bootsausflug durch die Schären (Rücktransport per Omnibus; Route „Blindleia“).
Hoffe, es sind ein paar Ideen für euch dabei. Viel Spaß beim Planen wünscht, Chris
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Re: Reisetipps

Beitragvon KaiT » Di, 25. Aug 2009, 19:55

Hallo Chris,

vielen Dank für die Tipps und die Anregung. "Leider" kenn ich die meisten Ziele schon, allerdings von der Wasserseite aus und dann eben nur als Ziele für ein paar Stunden bbzw.bis zu einem Tag.

Wo würdest Du denn den Schwerpunkt des Aufenthaltes sehen? Tendenz Bergen, um von dort aus diverse Touren zu starten? Was hälst Du - andere natürlich auch gerne - denn von einer Kombination dieser Bereiche mit dem "Inland", sprich nördlich von Oslo, die Region Lillehammer etc.?

Vielen Dank nochmals- ich bin auch sonst vom Forum hellauf begeistert.

Viele Grüße

Kai
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Re: Reisetipps

Beitragvon fcelch » Di, 25. Aug 2009, 21:08

KaiT hat geschrieben:Unsere erste Idee war, den Süden zu bereisen, um dann an 3 bis 4 Stationen zu halten und von dort die Natur zu erleben - mit der Mischung aus Ausruhen und sportlichen Aktivitäten.


Die ersten Ideen sind meist die besten!

Ich würde mich auf die Region südlich von Trondheim beschränken. Im Uhrzeigersinn eine schöne Runde fahren:
Südwestnorwegen - Hardangerfjord (mit abstecher Hardangervidda) - Sognefjord (mit abstecher Jotunheimen und Gletscher) - evtl. Geiranger - evtl. Alesund - dann retour

Am besten nicht viel planen, losfahren, treiben lassen und dort bleiben wo es gefällt. Bloss nix vorbuchen. Ich bwürde mich aufs Zelt und auf Hütten auf den Campingplätzen beschränken. Du hast ja schon einige Tips bekommen. Es gibt Tips für 10 oder mehr wochen Urlaub. Also: trieben lassen. Am besten plant man auf der Reise und vorher mit dem Velbinger Reiseführer.

Gruß,
FCElch
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Re: Reisetipps

Beitragvon Chris665 » Do, 27. Aug 2009, 10:06

Hallo Kai,
wir sind Womofahrer und bewegen uns langsam und genießend (Wanderungen und Besichtigungen), aber doch eben stetig weiter, von daher sind wir vielleicht nicht die besten Ratgeber für einen stationären Urlaub!? Am Hardangerfjord vielleicht Lofthuscamping als Basis und "Drehscheibe"?
Um Oslo herum und nördlich davon erschien es uns vergleichsweise "langweilig", so dass wir immer in´s Fjordland oder in den Norden streben, wenn wir schon mal so weit gefahren sind. Aber das "Langweilige" ist vielleicht für andere erholsam, weil eben nicht die Tourimassen durchschieben und man authenisches Alltags-Norwegen erleben kann, wer weiß?
Was wir grobe Richtung Lillehammer bis Trondheim auf unserer Tour "Zu den Lofoten über RV 17" (Forum-Rubrik "Pa Tur i Norge", Seite 2) erlebt haben, hab ich hierher kopiert, in der Hoffnung, ein bisschen beizutragen.
Viele Grüße, Chris
"... Nach Trondheim ist es über Elverum ca. 40km kürzer als über die E6 (dazu noch vor Hamar rechts abbiegen. Doch wollen wir diesmal Lillehammer und vor allem das große Freilichtmuseum Maihaugen besichtigen, das wir schon so lange auf dem Zettel haben. Dann machen wir noch ein paar Schlenker links und rechts der E6, denn diesen Teil Südnorwegens haben wir bisher ausgelassen, weil die Fjorde, Wasserfälle und Gletscher im Westen soviel spannender sind. Der erste Schlenker führt uns über die 255 direkt in die Hölle. So wird eine finstere Felsschlucht mit riesigen Mahltöpfen genannt, die sich ein Fluss vor Zeiten dort gegraben hat. Später hat ein Erdrutsch dem Fluss eine neue Richtung gegeben, und so kann man heute in die (bis auf ein kleines Bächlein) trockengefallene Schlucht hinunterkraxeln und ihr ein Stück weit folgen. Die Familie, der das Gelände oberhalb gehört, legt nach und nach einen Spiel- und Tierpark für Familien an. Die teils schmale Straße führt an schönen traditionellen Gehöften vorbei und trifft bei Vinstra wieder auf die E6. Etwa 25km weiter nördlich bei Nord-Sel zweigt rechts ein Weg zur Mysuseter-Hütte im Rondane-Nationalpark ab. Wir fahren bis zur Schranke, an der die Mautstraße zur Hütte beginnt (Einwurf der Maut in ein Kästchen), parken aber davor, denn wir wollen nur bis zu den „Kvitskriuprestene“, den „kreideweißen Priestern“, und das schaffen wir zu Fuß. Eine Viertelstunde auf dem Fahrweg gehen, dann ebenso lang, aber sehr steil hoch zu den weißen Säulen steigen, die jeweils von einem Stein gekrönt sind, der sie solange vor der Auswaschung durch den Regen schützt, bis er eines Tages herunterfällt. In Dovre biegen wir schon wieder nach rechts ab (dann gleich noch mal rechts, dann links, über die Bahn, später links über die Brücke und fahren über den Höhenweg mit herrlichen Fernblicken, vorbei am alten Königshof Tofte, um kurz vor Dombas wieder zur E6 zu stoßen. Dort geht´s hoch auf´s Dovrefjell Richtung Trondheim. Der Gasthof „Dovregubbens Hall“ ist ein uriges bis kitschiges „Kann“, aber „Kongsvoll“ ist ein „Muss“ für uns wegen des wunderschön angelegten Gebirgspflanzengartens.
Trondheim kommt uns so vor, als seien wir gar nicht weg gewesen. Wieder hängt das Kränzchen an der Olafsfigur am specksteinernen Dom, wieder finden gerade die „Olafsfestdagene“ statt. Dieselbe Mittelalterband spielt im Erkebispegarden beim Kunsthandwerkermarkt, wir kaufen bei derselben liebenswürdigen, alten Bäuerin auf dem Marktplatz Himbeeren und Gemüse, nur die kostenlosen Konzerte vor dem Britannia-Hotel werden dieses Jahr von anderen Künstlern bestritten. Wir radeln über die alte Brücke mit den hölzernen, verzierten Bögen und haben Glück: Am Fahrradlift, der den steilen Anstieg Richtung Zitadelle erleichtern soll, übt ein junges Schweizer Pärchen, das hier studieren will. Gar nicht so einfach! In den Pausen, in denen sie frustriert verschnaufen, dürfen wir ihre Liftkarte benutzen. Aber wir schaffen es nicht. Ein Trittbrett nach dem anderen kommt aus dem Boden, wieder und wieder scheitern wir daran, alles auszubalancieren und uns den Berg hinauf schieben zu lassen. Aber die Schweizer haben schon ganz gute Ansätze, sie werden es auf die Dauer hinkriegen. Viel Glück dann auch beim Studium! Im Freilichtmuseum Sverresborg, das sich um Überreste der alten Burg gruppiert, gastieren im Rahmen der Olfsfestdagene russische Musiker, ein Genuss! Wir schließen uns einer Führung an. In der winzigen Stabkirche schließt unsere deutschsprachige Führerin die Türen hinter sich, und wir bekommen einen Eindruck davon, wie es damals da drinnen war – stockfinster. Dann entzündet sie eine Kerze, hält sie vor sich, so dass ihr Gesicht wunderschön beleuchtet wird, und singt ein uraltes Kirchenlied - zauberhaft. Unvorsichtigerweise verrät sie uns, dass sie Europawissenschaften studiert. Natürlich muss sie sich dann gleich der Frage aus der Gruppe stellen, ob sich Norwegen nun Europa zugehörig fühlt oder nicht. Eine spannende Diskussion folgt. Schon öfter kam uns in Skandinavien unsere mitteleuropäische Heimat weit, weit weg vor, und wir spürten, dass sich die Leute hier oben viel eher an ihren skandinavischen Nachbarn und England orientieren..."
Chris665
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