Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Eure Berichte von Reisen in Norwegen, Wander- und Bergtouren, Hurtigrutenfahrten oder Spezialtouren

Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Beitragvon knoschum » Fr, 05. Apr 2013, 20:59

23.06.2007 Skei - Kaupanger, 85 km

Nach dem Schock des Bezahlens im Hotel Skei bei einer überaus freundlichen Angestellten, welche perfekt deutsch spricht, machen wir uns recht früh bei regnerischem, etwas kühlem Wetter über die RV 5 auf den Weg nach Sogndal/ Kaupanger. Vor einigen Jahren gab es diese Strasse noch nicht, da erst 1996 der Fjaerlandtunnel fertiggestellt wurde. Wir fahren zunächst am Kjösnefjord entlang immer weiter in ein Tal hinein auf steile Felswände zu, die nur in einem Tunnel durchquert werden können. Der Fjaerlandtunnel ist etwas über 6 km lang, für Norwegen ja nicht ungewöhnlich. Gleich dahinter gibt es einen Halt für den Böjabreen, den wir in diesen frühen Vormittagsstunden anfahren. Kein Mensch ist da, die Andenken- und Imbißbude noch geschlossen. Einige Schritte bringen uns zum etwas enttäuschenden Gletscher, der zwar seine schmutzig blaue Zunge über die Felsen schiebt, aber ansonsten weniger imposant aussieht. Zurück am Parkplatz steht neben unserem Auto ein weiteres mit gleichen Anfangsbuchstaben aus Deutschland. Wir treffen diese Leute noch mehrfach heute. Weiter geht's Richtung Fjaerland und gleich abgebogen auf eine Nebenstrasse zum Supphellebreen.

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Supphellebreen

Dieser wirft seine Abbrüche über die Felskante auf ein unteres Schneefeld, von wo das Schmelzwasser durch ein schönes Gletschertor in einen See und ein Morastgebiet fliest. Auch hier sind wir ganz alleine und betrachten in Ruhe die typische Gletscherlandschaft, die Geröllfelder, das Farbe und Fließgeschwindigkeit wechselnde Wasser, die typische Abflußtallandschaft.
Zurück geht es einige Kilometer auf der Hauptstrasse und nach kurzer Zeit taucht das Gletschermuseum in Fjaerland auf. Da das Wetter kühl und regnerisch ist, nehmen wir uns Zeit für einen Besuch. Sehr gut informiert, bereichert mit Wissen über Gletscher im Allgemeinen und in Norwegen im Besonderen, beeindruckt von der "Wanderung" durch einen Gletscher und fast schwindelig ob des animierten Flugfilms über den Gletscher, verlassen wir Stunden später das Museum.

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Gletschermuseum in Fjaerland

Wir fahren noch die Strasse hinunter zum Schiffsanleger Fjaerland und die wenigen Häuschen, die viele Bücher enthalten sollen. Wieder am Museum vorbei, begeben wir uns durch den Bergstunnel und den Frudalstunnel auf die Abfahrt nach Sogndal. Zunächst gibt es noch herrliche Blicke über den Fjord nach Fjaerland und danach eine wunderbar ausgebaute Strasse auf vielen Windungen durch ein weiter werdendes Tal hinab. Die Fahrt macht richtig Spaß.

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Rastplatz am Fjaerlandsfjord

In Sogndal halten wir an, laufen durch Stadt und ein Einkaufszentrum, trinken einen Kaffee und wundern uns über die vielen jungen Menschen, Kinder und schwangeren Frauen in dieser kleinen Stadt. Da Samstag ist herrscht reges Einkaufstreiben.
Am späten Nachmittag fahren wir noch einige Kilometer weiter nach Kaupanger, wo wir eine Hütte gebucht haben. Zunächst finden wir die Abfahrt nicht und dann suchen wir lange nach unserem Vermieter. Aber endlich zeigt uns eine Frau mit wenigen Brocken Englisch zu Verständigung den Weg zu unserem Quartier oben am Hang. Die Hütte ist zwar nicht so komfortabel wie das Haus in Sjöholt, aber praktisch und zweckmäßig eingerichtet und mit fantastischer Aussicht über die Amlabucht des Sognefjords. Wir richten uns ein und beobachten bis zur Mitternachtsdämmerung den Fähranleger, die Bucht, den Ort Kaupanger unten am Wasser, wo ein Mittsommerfeuer stattfindet, ein auf den gegenüberliegenden Berg landendes Flugzeug und die im Fährrhythmus von Mannheller befahrene Strasse E 5.

24.06.2007 Rund um den Lustrafjorden, 123 km

Es ist Sonntag, wir planen eine kleine Rundfahrt um den Lystrafjorden. Zunächst fahren wir nach Sogndal und von dort Richtung Hafslo. Die Rv 55 schraubt sich durch kürzere Tunnel und Windungen neben einem faszinierenden, aber leider trockenen Flussbett hinauf. Oben eröffnet sich der Blick über den Hafslovatnet und auf den lieblich verstreut liegenden Ort Hafslo. Wir biegen rechts ab und auf einer kleinen gewundenen Strasse geht's wieder hinab zum Fjord nach Solvorn. Die Fähre ist gerade weg, wir stellen das Auto ab und wandern kurz durch den Ort - urig, schön gepflegt und idyllisch gelegen. Als wir zurück kommen steht ein Fahrzeug rückwärts am Fähranleger. Wir reihen uns ein, verleugnen die Botschaft und stehen natürlich verkehrt herum, auf diese Fähre fährt man rückwärts auf, um vorwärts runter zu fahren. In Urnes ist ein Parkplatz, einige Holzhäuschen auf einer Landspitze in den Fjord hinein und eine der ältesten Stabkirchen Norwegens.

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Stabkirche in Urnes

Mit allen anderen Fährübersetzern traben wir die paar Schritte hoch zur Kirche, Matzi zahlt den Eintritt und hält sich eine Weile in der Kirche auf, ich warte am Kiosk bei Kaffee und Kuchen. Besonders interessant sind die Ornamente an der Kirche, die noch älter sind als die Kirche selbst.

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Ornament-Schnitzereien an der Kirche

Auf dem Rückweg zum Parkplatz nehmen wir noch zwei Schalen Kirschen mit, die hier am Wegesrand günstig und lecker angeboten werden.
Während die meisten Besucher mit der Fähre wieder zurück fahren, nehmen wir die abenteuerliche Strasse auf dieser Fjordseite nach Skolden. Wir sind ja einiges gewohnt inzwischen, aber es gibt immer noch eine Steigerung. Man kann über viele Windungen zwischen Hang und Fjord immer gerade bis zur nächsten Ausweichbucht sehen, denn es passt nur ein Auto auf diese Strasse. Dazu kommen reichliche Tunnel, die entsprechend eng und nicht beleuchtet sind. Manchmal gleicht diese Fahrt in ein dunkles Loch einem Blindflug. Busse dürfen hier nicht fahren und selbst Wohnmobile drohen in den Tunneln anzustoßen. Die Landschaft und die Blicke über den Fjord sind grandios. Nach wenigen Kilometern halten wir kurz an einem Wasserfall, der dicht an der Strasse und dann durch sie hindurch fließt. Etwas weiter finden wir problemlos den Halteplatz zum Feigumvossen und machen uns auf den ca. 1 km bergan führenden Weg. Der Feigumvossen ist mit 218 Metern freier Fallhöhe der zweithöchste Wasserfall Norwegens. Schon unten an der Strasse ist ein ohrenbetäubender Lärm, je näher wir dem Wasserfall kommen, um so lauter wird es. Es dröhnt als wenn ein Düsenjäger ständig direkt tief über uns hinweg fliegt. Dazu ist die Gischt heftig, der Weg ist steil, steinig, unwegsam und feucht. Trotzdem unbedingt zu empfehlen, denn dieser Wasserfall ist wirklich relativ nah zu erleben und imposant. Wir verweilen, fotografieren und staunen.

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Feigumvossen

Dann geht's zurück und weiter Richtung Skolden auf der berüchtigten Strasse. In einem der letzten Tunnel kommt uns ein Wohnmobil entgegen, beide Fahrer brauchen eine Weile zur Orientierung und da der andere erst halb im Tunnel ist setzt er etwas zurück. Wir fahren durch Skolden und freuen uns auf eine entspanntere Rückfahrt auf der RV 55. Doch schon nach wenigen Biegungen gibt es einen kleinen Stau verursacht durch einen Strassenhelfer, der die Autos stoppt. Eine Weile rollt nur der Gegenverkehr, dann wir. Aber nach der nächsten Biegung ist es mit meiner Entspannung vorbei. Auf der Strasse liegt Geröll und größere Felsbrocken und zwischendurch ist eine Fahrspur freigeräumt. Heute hab ich von dem Abenteuer Norwegen genug. Wir fahren zurück nach Sogndal, halten noch mal kurz bei Gaupne um den Feigumvossen von der gegenüberliegenden Fjordseite zu fotografieren.

25.06.2007 Nigards- und Bersetbreen, 134 km

Heute ist Gletschertag. Dazu gehört wieder eine erhebliche Fahrstrecke. Selbst ich gewöhne mich an die nicht zu vermeidenden Entfernungen in Norwegen. Zunächst geht es die schon bekannte Strecke nach Sogndal und dann über die Rv 55 via Hafslo bis Gaupne. Dort biegen wir auf die 604 ins Jostedalen ein. Eine schöne Strecke durch ein zunächst weites, dann enger werdendes Flusstal mit kürzeren Tunneln führt uns über 30 km bis zum Breheimcenter. Gleich am Anfang glaube ich ein totes Reh im reisenden Fluss treiben gesehen zu haben und bin etwas nachdenklich ob der Macht der Natur. Dann erfreuen wir uns an dem saftig grünen Tal, den begrenzenden Bergen mit unzähligen Wasserfällen, versuchen die Tunnel humoristisch zu durchfahren und sind gespannt auf den Gletscher. Kurz vor dem Breheimcenter gibt es fantastische Blicke auf die ganze lange Gletscherzunge des Nigardsbreen.

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Nigardsbreen

Wir fahren bis zum Bootsanlegerparkplatz am Gletschersee durch eine flache Moränenlandschaft mit Gerölldämmen. Man kann die verschiedenen früheren Gletscherendungen sehr gut erkennen. Wir haben mal wieder Glück, das Boot bereitet sich gerade zum Ablegen vor und ist so früh am Tag noch nicht voll. Im kalten Gletscherwind auf der ca. 10 Minuten dauernden Überfahrt ist unser Aufmerksamkeit einerseits gespannt auf die sich nähernde Gletscherzunge gerichtet, der immer gewaltiger wirkt. Andererseits verfolgen wir teilweise ein Gespräch zwischen anderen Fahrgästen, die offensichtlich aus Kolumbien sind und dem Bootsführer, der ebenfalls Südamerikaner ist. Für uns weltfremde Ossis ist der gelebte Internationalismus in Norwegen immer wieder bereichernd.

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Bootsfahrt zur Gletscherzunge

Vom Bootsanleger läuft man noch ca. 400 Meter bis zur Gletscherzunge über glatt geschliffene Felsen. Trotz einer Absperrung turnen einige Leute direkt unter den ca. 5 bis 8 Meter hohen Eismassen herum. Viele hellere Abbruchstellen und Spalten machen die ständige Veränderung deutlich.

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frische Abbrüche am Gletscher

Weiter oben im Gletscher kämpft sich eine geführte Gruppe hinauf. Dieser Gletscher wirkt nicht ganz so schmutzig und noch blauer als die schon gesehenen. Wir verweilen ca. eine Stunde hier ehe es mit dem Boot zurück geht. Eine große Gruppe mit Steigeisen und Pickeln ausgerüsteter Leute kommt uns in Etappen je nach Bootsfahrt entgegen. Welch Betrieb auf diesem Gletscher! Auch der Parkplatz ist jetzt voll und unser Boot wird schon von vielen Leuten erwartet. Wir machen noch eine Kaffeerast im Museum, gehen aber nicht hinein. Auf dem Rückweg nach Gaupne biegen wir nach wenigen Kilometern in Gjerde rechts ab um durch das Krundalen zum Bersetbreen zu fahren. Nach einigen Kilometern Fahrt sehen wir dann schon den Gletscher über die Felskante kriechen. Wir halten am letztmöglichen Parkplatz und schauen uns dort eine Weile um. Hier ist es wieder auf eigene Art sehr schön: saftig grün mit Bauernhof, umgrenzt von schützenden Bergen, die aber nicht bedrohlich wirken, voraus die imposante Gletscherzunge hoch oben am Fels und außer uns keine Menschenseele da.

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Bersetbreen

Leider nehmen wir uns nicht die Zeit etwas zu wandern, zum Gletscher wären es wohl eine Stunde Weg. Auf der Rückfahrt biegen wir nochmals in das schön gelegene Hafslo ab und machen hier auf einem Rastplatz am See eine längere Kaffeepause in der Sonne. Dieser Ort ist als Ausgangsquartier für die Region unbedingt zu empfehlen. Als wir uns Kaupanger nähern, ist der bisher etwas trübe Tag endgültig aufgeklart, die Sonne scheint und wir haben noch keine Lust auf unsere Hütte. So fahren wir noch die Strasse zum Sogndaleflugplatz hinauf. Auf halber Höhe eröffnen sich wunderbare Ausblicke auf die Amlabucht und unser Quartier gegenüber am Hang.

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Amlabucht von der Flugplatzseite

26.06.2007 Fährfahrt Gudvangen, Flam, 243 km

Heute ist unsere große Rundreise durch diese Region mit einigen touristischen Höhepunkten geplant. Von unserer Hütte haben wir den Fähranleger in Kaupanger im Blick und bereits eine Stunde vor Abfahrt sammeln sich die ersten Busse und Autos dort. Es heißt also Beeilung, um uns ebenfalls in die Schlange einzureihen. Das war unser Glück, sonst wären wir heute nicht auf die Fähre gekommen.
Entsprechend voll ist das Schiff und an Deck kaum ein Sitzplatz zu bekommen. Die Fahrt dauert bis Gudvangen etwas über 2 Stunden und führt aus der Amlabucht heraus ein Stück durch den Sognefjord, dann durch den Auerlandsfjord und letztlich durch den engen Naeröyfjord nach Gudvangen.

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Enge im Naeröyfjord

Eine landschaftlich beeindruckende Fahrt mit immer wieder faszinierenden Aussichten auf das wechselnde Zusammenspiel von Wasser und Bergen, die darüber thronenden schneebedeckten Gipfel und die zahlreichen sich sanft windenden, in Stufen springenden oder einfach herabstürzenden Wasserfälle. Im Naeröyfjord ist es fast bedrückend eng. Eine gerade gegen Mittag erst von der Sonne getroffene kleine Halbinsel mit einem Haus und zwei Zelten darauf macht bewusst, wie dunkel und kalt diese Schluchten im Winter sein müssen, wenn wahrscheinlich monatelang kein Sonnenstrahl bis hierunter kommt.

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"Sonneninsel" im schmalen Fjord

Die Passagiere halten sich fast alle ständig an Deck auf, fotografieren und füttern die begleitenden Möwen. Das ist Fjordnorwegen wie in den kitschigsten Vorstellungen. Zwischendurch ereilt mich mal der Gedanke, dass wir vor zwei Wochen bei Kiel in der Ostsee gebadet haben und vor einer Woche ebenfalls mit dem Schiff in den Geirangerfjord gefahren sind. Es kommt mir vor wie ewig lange her, da jeder Tag wieder eine Flut von Eindrücken und Bildern bringt. Diese Schiffsfahrten durch den Fjord verbinden die Intensität der Landschaftseindrücke gut mit einer besinnlichen Verarbeitung. Diese Mischung aus - etwas zu viel - Autofahrt, Schiffstour und etwas mehr wandern gefällt mir prinzipiell sehr gut und ist auch für die Seele sehr angenehm. In Gudvangen schauen wir uns etwas um, auch um die anderen Schiffspassagiere voraus fahren zu lassen. Das grasgedeckte Hotel, die Holzfiguren, ein kleines altes Boot und die Steine im glasklaren Wasser, rundherum die gewaltigen Berge - Genuß pur.

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Gudvangen

Dann geht's in Richtung Flam auf der RV 50 durch den Gudvangatunnel - mit 11,4 km der längste von uns durchfahrene Tunnel und ich habe mächtig mit meinen Ängsten zu kämpfen - glücklicherweise ist kaum Verkehr. Mit kurzem Licht- und Luftholen kommt noch der Flentjatunnel und danach sind wir in Flam. Parkplatzsuche ist kein Problem, auf dem Zug- und Schiffsanlegerterminal ist jedoch unerwartet viel Betrieb. Wir kaufen unsere Fahrkarten für die Myrdalfahrt hin und zurück, ich such noch eine Toilette. Und schon dürfen wir in den Zug. Ein Teil des viel geprießsenen "Norwegen in der Nussschale" erwartet uns. Erst steigt das Flamsdalen langsam an, dann geht es durch Tunnel und Windungen schnell und imposant hinauf. Nebenher geht ein Wander- und Radweg, der relativ gut frequentiert ist. Gleich nach einem Tunnelausgang hält der Zug, laut Durchsage sollen wir fünf Minuten aussteigen. Draußen bewundern wir auf einer extra dort errichteten Holzplattform den berühmten Kjossfossen.

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Halt am Kjossfossen

Mit Folkloremusik und zwei über dem Wasser tanzenden Feen werden die Bahnfahrer dabei unterhalten. Erstmals finde ich in Norwegen etwas albern und bekomme es mit der sonst hier wahrgenommenen lebenspragmatischen, gelassenen und so gar nicht inszenierenden Mentalität nicht überein. Weiter geht's nach Myrdal und nach einem längeren Halt wieder zurück. Gleiches Schauspiel am Vossen. Teuer und so nur zu empfehlen, wenn man wirklich wenig Zeit hat. Ansonsten lieber eine Strecke laufen und unbedingt Norwegen abseits der Touristenströme genießen.
Zurück in Flam trinken wir noch einen Kaffee ehe es Richtung Aurland weiter geht. Hinter Aurland folgen wir nicht der Hauptstrasse durch den 2001 eröffneten 25 km langen Tunnel sondern fahren die knapp 50 km lange Schneestrasse über die Höhe nach Laerdal. Zunächst geht es in vielen engen Windungen hinauf. Lange fahren wir langsam hinter einem VW-Bus her, was sehr angenehm ist. Dieser hält dann jedoch, um uns vorbei zu lassen und dann bete ich wieder dass kein Auto, schon gar kein größeres entgegen kommt. Plötzlich oben ein Haltepunkt mit einem über den Fjord gebauten Holzausichtspunkt. Vorne als Begrenzung ist eine durchsichtige Plexiglasscheibe angebracht - nichts für Höhenängstliche - aber dadurch ein wunderbarer Ausblick auf den Fjord und Aurland mit interessanten Spiegelungen.

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Auerlandfjord

Die nächste Stunde Fahrt über die Schneestrasse wird eine der schönsten Erinnerungen an diese Norwegentour. Die Strasse führt jetzt sanfter in langen Serpentinen und Windungen hinauf, oft sind die Kurven weiter oben gut sichtbar. Wir überholen eine Truppe jugendlicher Radfahrer und fragen uns, wo diese heute noch hin wollen. Erst werden die Schneefelder auf den sichtbaren Felsen umfangreicher, dann kriechen sie bis an die Strasse heran und bald fahren wir auf der freigefrästen Schneestrasse. Wir sind begeistert, kommen aus dem Schwärmen und Fotografieren wieder nicht heraus, jede Kurve, jeder Höhenmeter bringt neue faszinierende Blicke.

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Schneestrasse

Diese Fjellstrassen begeistern uns noch mehr als die Fjorde. Oben am Pass auf 1306 Höhenmetern direkt über dem Strassentunnel tief darunter, gibt es einen Steinhügel und ein paar Bänke. Wir halten zusammen mit mehreren Autos und Motorrädern und genießen eine Weile Luft und Landschaft auch wenn es empfindlich kalt ist.

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Faszination Fjell

Nach einigen Kilometern weiterer Fahrt über die Hochebene nehmen wir auf einem Stein unseren mitgebrachten Kaffee und genießen unser Glück hier sein zu dürfen. Bevor es wieder hinunter geht, taucht in der Ferne im Sonnenlicht der Jostedalsbreen auf. Wir denken an unseren Besuch bei eben diesen Gletschern gestern, die Fjordtäler einschließlich unserer Hütte dazwischen, genießen die Weite des Blickes und fühlen uns frei, beschenkt und demütig gegenüber dieser Natur zugleich.

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Jostedalsbreen im Hintergrund

Auf der besser ausgebauten Strasse nach Laerdal hinunter kommt uns ein Bus mit polnischem Kennzeichen entgegen. Will der etwa in Aurland runter fahren? Kommt er dort wohl um die Kurven? Ein kräftiger Wasserfall erfreut noch unsere fast kindlichen Gemüter bevor wir, an Laerdal vorbei und durch den Fodnestunnel, am Fähranleger ankommen. Diesmal müssen wir eine ganze Weile warten, ehe die Überfahrt möglich ist. Beim Anleger in Manheller verschwindet die Strasse gleich im Berg (Amlatunnel), um dann mit Blick zu unserer Hütte wieder heraus zu kommen. Genau diese Strasse beobachten wir sonst immer. Heute hatten wir einen langen Tag und sind erschöpft aber auch voller wunderbarer Eindrücke.

27.06.2007 Moldenwanderung, 68 km

Heute ist endlich Wandertag. Wir wollen den Molden besteigen, einen 1114 Meter hohen Berg zwischen Hafslo und Gaupne direkt am Lustrafjord gelegen. Die Reiseberichte sprachen von einem ca. zweistündigen Aufstieg und einem herrlichen Blick auf den Fjord und die Berge bis zum Jostedalsbreen.
Zunächst fahren wir die schon bekannte Strecke über Sogndal nach Hafslo hinauf. Etwas hinter Hafslo biegt rechts eine kleine Strasse nach Mollandsmarki ab. Nach wenigen Kurven stellen wir das Auto auf einem Wanderparkplatz ab. Scheinbar haben bei dem schönen Wetter einige mehr die Idee mit der Wanderung, denn es stehen schon vier Autos hier. Nach Schuhwechsel und Rücksackkontrolle geht es los. Erst durch den Wald auf teilweise steinigen Pfaden, teilweise Fahrwegen immer bergan. Ich tue mich sehr schwer und quäle mich regelrecht diese ersten Kilometer hinauf. Zwei weitere Paare wandern fast zeitgleich mit uns los, sind dann aber eher am Aussichtspunkt Svarthiller nach ca. einer Stunde. Wir rasten fast eine halbe Stunde, genießen die Aussicht und essen etwas Obst.

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Blick von Smarthiller

Während die anderen Paare wieder zurück gehen steigen wir den nun baumlosen, steilen und durch Steine und Geröll führenden Pfad hinauf. Nach der Pause laufe ich wie von selbst, während Matzi jetzt Schwierigkeiten hat und immer zurück ist. Nach einer weiteren Stunde Aufstieg haben wir den Gipfel erreicht. Die Aussicht ist überwältigend.

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Ausblick vom Molden

Es gibt einfach keine Worte für dieses wunderbare Zusammenspiel der Elemente. Die Sonne scheint, die Wolken spiegeln sich in den Schneepfützen des Gipfels, die Berge mit weißen Hauben im Hintergrund rahmen rundherum den Blick ein, dazwischen die oft schattig dunklen Täler hier und da mit auf Wiesen verstreut liegenden Häusern und Ansiedlungen und auf einer Seite tief im Tal der Fjord mit seinem grünblauen Wasser, in dem sich wiederum die Berge und die weißen Wolken spiegeln.

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weiterer Blick vom Molden

Die Szene hat etwas unwirkliches. Es ist wie ein göttliches Geschenk hier sein zu dürfen bei herrlichem Sommerwetter und ca. 20°C. Wir laufen einige Runden und fotografieren, essen unsere Schnitten, fotografieren wieder, halten still und nehmen auf. Nebenbei beobachten wir die ganze Zeit einen Vater, der mit seinen zwei Kleinkindern (ca. 9 Monate und 4 Jahre) schon vor uns hier oben war und ... fotografieren wieder.

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Spiegelungen

All die negativen Stimmungen, Erfahrungen und Gedanken der letzten Jahre sind in diesem Moment nicht existent. Nach einer ewig langen Zeit folgen wir im Abstand dem Vater mit seinen Kindern hinunter. Der Größere bewältigt das spielerisch mühelos, den Jüngeren trägt er auf dem Rücken. Der Abstieg ist für meine Knie teilweise recht beschwerlich.
Auf der Rückfahrt halten wir noch kurz an der Holzkirche von Kaupanger, gefühlsmäßig ist das heute kein Vergleich zum Berggipfel für mich.

28.06.2007 Balestrand, Autofahrt ca. 120 km

Heute ist unser letzter Tag in dieser Hütte. Das Wetter ist etwas kühler und sehr trübe bis regnerisch. Wir wollen heute eine kleine Tour machen, brauchen etwas Ruhe und müssen am Abend packen und die Hütte reinigen. Bei besserem Wetter wären wir sicher noch mal auf dem kurzen Weg über die Mannheller-Fodnes Fähre und Laerdale hoch auf die Schneestrasse gefahren und dort auf der Höhe gewandert. Aber so entscheiden wir uns nach Balestrand zu fahren, dem vielgepriesenen Urlaubsort am Sognefjord. Über Sogndal geht es die E 55 Richtung Westen zwischen Fjord und Hang entlang. An einer Stelle ist ein Tunnel im Bau, es ist sehr schmutzig, die Laster kippen den Abraum in den Fjord und wie immer fahren die Autos einfach irgendwie durch die Baustelle hindurch. Wo etwas Platz zwischen Wasser und Felsen ist stehen Obstplantagen an der Strasse. In Hermannswerk halten wir kurz um den weiten Blick hinein in den Sognefjord zu genießen, zumal gerade ein Kreuzfahrtschiff Richtung Flam fährt. Hinter Leikanger wird die Strasse wieder enger und windet sich oft ohne Voraussicht um die Kurven am Berg. Die Vorstellung eines entgegenkommenden LKW's oder Busses ängstigt mich, aber wir haben Glück, es legt gerade keine Fähre an. Kurz vor Dragsvik, dem Fähranleger, stürzt sich ein Wasserfall neben der Strasse hinunter.

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Wasserfall vor Draksvik

Ich erinnere mich, diesen schon auf der Webcam von Vik gesehen zu haben. Vom Fähranleger, wo wir etwas warten müssen, sind die Blicke sowohl nach Balestrand mit dem gewaltigen Berg im Rücken als auch nach Vagnes und Vik auf der südlichen Fjordseite phantastisch. Die Überfahrt ist schnell und unproblematisch, dann folgen nochmals einige Kilometer sich windende Strasse ehe wir im berühmten Badeort angelangt sind. Gegenüber den anderen kleinen Ortschaften wirkt es hier etwas mondän, auffallend sind die vielen blühenden Clematis und Blumen an den Häusern. Beherrscht wird die Szenerie von der St. Olafskirche und dem Kvikne's Hotel mit Parkanlage direkt zum Wasser.

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Olafskirche

Aber ansonsten ist es heute sehr ruhig hier und nur die Bauten erinnern an die früheren Sommerresidenzzeiten des deutschen Kaisers. In einem Imbiß am kleinen Hafen genehmigen wir uns ein Lachsbrot und erleben einmal mehr die freundliche norwegische Gelassenheit. Während wir nach Bestellung und Bezahlung draußen auf unser Brot warten sehen wir die Bedienung mal eben gelassen gegenüber in den Laden gehen und Zitronen holen. Erst als sie zurück ist wird auch unser Brot fertig. In einem ersten Impuls will ich mich aufregen, doch dann wird mir bewusst, wie viel entspannter und gelassener hier doch die Menschen miteinander umgehen. Dienstleistung bedeutet nicht Selbstaufgabe zum Dienen, nicht verschwenderisches "Auf-alle-Möglichkeiten-vorbereitet-sein" müssen, sondern pragmatisches Lösen der Anforderungen. Und wir haben Zeit, die Landschaft zu genießen. Ich glaube auch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Strassen und die rhythmischen Fährwarte- und Überfahrtszeiten tragen zu viel Entspannung bei. Auf der Rückfahrt gibt es etwas Nervenkitzel auf der Fähre. Da viele LKW's mitfahren stehen wir eingequetscht und können nicht mal aussteigen.

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Wasser auf der Fähre

Durch die Flucht zwischen den Fahrzeugen kann ich beobachten wie vorn immer wieder Wasser in erheblichen Mengen auf die Fähre schwappt, da sie sehr tief liegt. Ich bin ganz froh, als diese kurze Überfahrt vorbei ist. Abends wird gepackt, gereinigt und Abschied gefeiert. Morgen ziehen wir weiter nach Ulvik am Hardangerfjord.

29.06.2007 Kaupanger - Ulvik, 170 km

Heute ist wieder Quartierwechsel und damit Fahrtag angesagt. Wir wählen den Weg am Sognefjord die E 55 bis Draksvik nach Westen, über den Fjord und über Vik und das Vikafjell die Rv 13 nach Voss. Bei trübem Wetter geht's bis Draksvik die schon bekannte Strasse, dann über den Fjord nach Vangsnes. Wir fahren weiter nach Vik und halten kurz. Dieser Ort hat schon etwas reizvolles, zumal es eine wunderbare Wanderumgebung, nicht zu viele Touristen und phantastische Bilder im Netz gibt (Vik).
Dann schrauben wir uns die gut ausgebaute Strasse auf das Vikafjell hinauf. Da es etwas aufgeklart hat eröffnen sich mit jeder Sepentinenschleife neue phantastische Ausblicke. Auf 2/3 Höhe an einem Restaurant mit Aussichtsterasse halten wir für einen Kaffee.

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Blick auf Vik

An solchen Stellen möchte ich stundenlang sitzen bleiben. Oben auf der Höhe kurz vorm Gipfeltunnel halten wir nochmals eine Weile und genießen die phantastische weißgfleckte Bergwelt mit der Aussicht auf die grünen Täler. Die Schafe reiben sich an unserem Auto und wir verfolgen ein Stück die alte Strasse außen am Hang entlang, die noch voller Schneefelder liegt. Gleich hinter dem Tunnel erfreut die geliebte Fjelllandschaft unsere Herzen: Schneefelder, Bergseen, Hütten, weite Blicke und menschenleere Landschaft.

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typische Fjelllandschaft

Überall wo ein 'nichtsumpfiges' Plätzchen ist, steht eine Hütte. Wir fragen uns, wie viel dieser Hüttchen jeder der 4,7 Millionen Einwohner Norwegens sein eigen nennt, wenn das überall im Lande so ist? Weiter geht es auf der enger werdenden Strasse an Bergseen und einer Felsklamm vorbei. Auf einer abzweigenden Nebenstrasse wird gerade Schnee geräumt, wir haben den 29. Juni. Die Strasse führt wieder abwärts, erst sanft, dann in klassischen Serpentinen neben einem kräftig springenden Wasserfall. Unten halten wir neben anderen Durchreisenden und betrachten das Wasserspringen und die sich hinaufschraubenden Fahrzeuge.

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Serpentinenstrasse mit Wasserfall

Der weitere Weg nach Voss wellt sich langsam und landschaftlich wunderschön im Tal hinab. Später halten wir kurz am Tvinnevossen, sind aber viel zu viele Touristen dort. Neben der Strasse auf dem Fluß scheint ein Kajakwettbewerb statt zufinden. In Voss fahren wir durch und finden sofort zur Seilbahn auf den Hangur. Ich hatte davon gelesen und da das Wetter schön ist, mal eine andere Möglichkeit für einen schnellen Überblick. Gerade wird ein Parkplatz frei, die fahrbereite Bahn wartet auf uns und zwischen Sportlern mit zusammengepackten Gleitschirmen eingequetscht sind wir schnell auf dem Berg. Perfektes Timing. Oben ist neben einem weiten Blick auf den Ort, den See und die umliegenden Berge richtig Trubel. Viele Gleitschirmflieger warten auf eine gute Brise, starten dann kurz hintereinander, versuchen mehr oder weniger erfolgreich eine markierte Plattform im See anzusteuern und kommen wieder hinauf. Wir haben beste Unterhaltung bei immer schöner werdenden Wetter.

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Blick auf Voss

Nach der Abfahrt wollen wir noch einen Eindruck von Voss gewinnen, was sich aber schwierig gestaltet. Es ist wieder Samstag, die Stadt voller Menschen, die Strassen verstopft und kaum ein Parkplatz zu finden. Diese Situation löst sofort wieder die üblichen Stressreaktionen bei mir aus. Trotzdem schaffen wir es, das Auto abzustellen, eine Runde durch die Einkaufsstrasse zu drehen und nach langer Zubereitungszeit einen sehr guten Latte Macchiato zu trinken. Wunderschöne Bilder von Voss und Umgebung gibt's fast täglich hier Voss.
Weiter geht es auf der Rv 13 Richtung Hardangerfjord. An einer absteigenden Stelle sprudelt wieder ein kräftiger Wasserfall an und unter der Strasse entlang, leider finden wir keinen Haltepunkt. Am Granvinvatnet nehmen wir die Rv 572 nach Ulvik. Wieder eine kleine enge Strasse und bald ist vor uns ein französischer Bus. Plötzlich, im Gegenverkehr ein LKW. Wir beobachten aus sicherem Abstand die enge Passage der beiden. Der Bus hält an einem weiteren von hoch oben hinabstürzenden Wasserfall und auch wir halten hier an und ...fotografieren. Ich liebe diese vielen Wasserfälle und bekomme wohl nie genug davon.

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einer der unzähligen Wasserfälle

Etwas weiter lädt ein großer Platz zum Halten ein. Was ist wohl hier?. Eine alte Steinbrücke mit schönem Rastplatz erweckt unsere Neugier. Es ist einfach schön zu sehen, wie liebevoll restauriert und auch für ausländische Touristen aufbereitet (die Schrifttafel hat auch deutschen Text) diese historischen Sehenswürdigkeiten abseits aller gängiger Wege sind.

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alte Steinbrücke

Dann kommen wir dahinter, warum hier so ein großer Parkplatz ist. Hier ist im Winter eine große beleuchtete Skiloipe.
Noch ein paar Kilometer bergab und wir sind in Ulvik, dem vielgepriesenen Ferienort am Hardangerfjord. Und dieser Ort liegt wirklich malerisch und ist liebevoll gestaltet, wobei die vielen Hotels in diesem Ort auffallen. Später beobachten wir, wie etliche Touristenbusse hier Nachtquartier nehmen.

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Ulvik am Hardangerfjord

Unser Hotel liegt dem Zeltplatz gegenüber, das Zimmer ist gut, gleich dahinter fließt ein Bach entlang. Dadurch ist es so laut, dass wir Nachts das Fenster nicht öffnen können. Der Wirt fragt wegen des Abendessens und nach den Erfahrungen in Skei sind wir vorsichtig. Für ca. 30 Euro soll es Bouletten und Kartoffelbrei geben. Bei Lachs hätten wir gezuckt, aber so verzichten wir lieber. Wir drehen noch eine Runde durch den Ort, beobachten wie das Ausflugsschiff zur Abendfahrt ablegt, essen eine sehr gute Pizza für nur 7 Euro und fallen nach diesem Tag voller wunderbarer Eindrücke müde ins Bett. Nur gut dass ich die Fahretappen nicht länger gemacht habe. Selbst so hab ich oft das Gefühl, zu viele wunderschönen Stellen nur im Vorbeifahren zu sehen.

30.06.2007: Wanderung Mabödalen, 82 km

Heute wollen wir das bekannte Mabödalen bis zum Vöringfoss hinaufwandern und dann mit der Touristenbahn wieder hinunter fahren. Zunächst geht's am Fjord entlang bis Bruravik zum Fähranleger. Wir haben das Warten inzwischen gelernt, auch wenn es mal etwas dauert. Die Fähre ist gut gefüllt als es endlich hinüber geht und fast alle Autos fahren in Richtung Eidfjord weiter. Nachdem Wasserfälle, Tunnel und Eidfjord hinter uns liegen, halten wir am Parkplatz des Hardangervidda Natursenter in Övre Eidfjord (Saebö). Das Senter selbst ist so früh am Tag (09:30 Uhr) noch geschlossen und den Weg zum Fossen hinauf finden wir nicht. Also noch ein Stück die Strasse hinauf durch das enge Tal und dann gibt es nochmals zwei Parkplätze, sogar mit einer anschaulichen Tafel ausgestattet.

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Karte über Strassenführung der alten und neuen Strasse im Mabödalen

Wir wechseln die Schuhe, fassen Rucksäcke und Kleidung und beobachten dabei interessiert, wie sich ein junges Pärchen voneinander verabschiedet. Er will den wohl besonders steilen und etwas gefährlicheren Weg der Hirten hinauf gehen, während sie mit dem Auto fährt. Wir bevorzugen die alte Strasse. Dabei überholt und begegnet uns der Trollzug mehrfach.
Zunächst leicht ansteigend wandern wir los. An einer alten Brücke treffen wir wieder auf die neue Fahrstrasse zwischen Tunnel-Ein- und Ausgang. Dann geht es steiler hinauf immer am Hang entlang mit Blick ins Tal. Wir bewundern diesen Strassenbau mit den Abbrüchen, Felsbefestigungen, Tunneln und Windungen. Mehrfach kreuzen wir die neue Fahrstrasse, beide laufen auch mal parallel, ehe wieder eine im Tunnel verschwindet.

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man verliert die Übersicht über die Strassenführungen beider Strassen

Nach ca. 2 Stunden langsamen Wanderns kommen wir oben an, gehen noch zum Fossen, der allerdings mangels Wasser etwas enttäuschend ist und genehmigen uns in der Cafeteria des Parkplatzes einen Kaffee.

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Vöringsvoss mit dem Hotel "Fossli"

Hier ist es uns aber zu touristisch voll und wir fahren mit dem Trollzug den gleichen Weg wieder hinunter. Im unteren Eidfjord drehen wir noch eine Runde, essen leckeren Kuchen und beobachten das touristische Treiben.
Zurück in Ulvik ist noch Zeit und wir fahren nach Osa hinter. Das ist wieder eine Herausforderung, denn der ca. 1 km lange Tunnel ist eng, unbeleuchtet und kurvig. Leider sind wir zu faul hier noch zu laufen, es soll einen gut zu besuchenden Wasserfall geben. Ein niedlicher, urwüchsiger kleiner Ort. Auf der Rückfahrt besuchen wir noch den Ortsteil von Ulvik auf der anderen Fjordseite. Hier ist es durch eine Gartenbauberufsschule sehr gepflegt und abends scheint die Sonne leuchtend auf die Häuser. Morgen soll es nach Bergen gehen und übermorgen mit dem Schiff zurück nach Dänemark.

01.07.2007 Ulvik - Lampeland, 247 km

Einer Eingebung folgend macht Matzi früh sein Handy an und sieht sofort, dass er eine SMS hat. Dann höre ich nur noch "Ach Du Schei....". Was ist los? Die Fähre, mit der wir morgen ab Bergen zurück fahren wollten, hatte in Hirtshals einen Unfall und muß repariert werden. Alle Fahrten fallen mindestens eine Woche aus. Wir sollen umbuchen oder unser Geld zurück ordern. Was nun? Ersteinmal gehen wir Frühstücken und versuchen im Computer des Hotels über das Internet noch etwas zu erfahren. Der Unfall war bereits am 28. Juni, damit sieht es mit Umbuchungen sicher schlecht aus. Nach eingehender Diskussion beschließen wir, Bergen nicht anzufahren - ich storniere sofort das Hotel dort - sondern über Schweden nach Deutschland zu fahren. So sind wir schiffsunabhängiger bzw. können die Fähren Gedser - Rostock oder nach Fehmarn nutzen, die mehrmals täglich fahren.
Mit etwas Bauchschmerzen begeben wir uns auf die lange Fahrt, so habe ich mir das mit meinen Fahrängsten nicht vorgestellt.
Zunächst geht es wieder nach Eidfjord und diesmal mit dem Auto durch das verschlungene Tunnelsystem des Mabödalen hinauf auf die Hardangervidda. Die nächsten Stunden Fahrt sind ein Abschiedsgeschenk Norwegens an uns, welches wir sonst nicht gesehen hätten.

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auf der Hardangervidda

Es ist so schön in dieser kargen weiten Landschaft, dass der Abschied richtig schmerzlich wird. Mehrfach halten wir an, laufen frierend einige Schritte und zwingen uns zum Weiterfahren.

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Abschied

In Geilo machen wir gegen Mittag eine längere Rast und trinken einen Kaffee. Um nicht durch Oslo zu müssen fahren wir die Rv 40 durch das Uvdalen gen Süden. Jeder Kilometer bietet Urlaubslandschaft. Auf einer Hochebene haben wir einen phantastischen Blick zurück auf die Fjellberge. Wir werden wieder kommen. Noch vor Kongsberg in Lampeland gibt es ein Fjordpasshotel, welches sogar ein Zimmer für uns frei hat. Wir laufen noch etwas, nehmen dann einen preiswerten Fischteller gleich am Imbiß neben dem Hotel und fallen ins Bett. Morgen wird nur gefahren.

02.07.2007 Lampeland bis Varberg (S), 403 km

Früh aufstehen, sehr gutes Frühstück und los in Richtung Horten. Die Fähre quert hier regelmäßig den Oslofjord und wir genießen unsere letzte Fährüberfahrt in Norwegen, auch wenn es sehr trübe und regnerisch ist. So schlechtes Wetter hatten wir die ganze Zeit nicht. Wir wollen die E 6 durch Schweden bis zur Öresundbrücke runter fahren. Da wir noch diese Woche Zeit haben wollen wir die Etappen nicht zu lang werden lassen. (Ursprünglich wollten wir noch zwei Tage an der Nordsee verbringen.) Kurz vor dem Grenzübergang nach Schweden halten wir noch mal an, schaffen es aber nicht unsere Norwegischen Kronen auszugeben. Und ab jetzt regnet es 1,5 Tage fast ununterbrochen. Ohne schwedisches Geld fahren wir dann langsam Kilometer in endlosen Kolonnen auf provisorischen Baustellenstrassen. Die Autobahn ist hier noch lückenhaft und im Bau. Gerade zur Rashouer passieren wir Göteborg - der pure Stress. Matzi achtet auf den Verkehr, ich auf die Orientierungsschilder. Wir kommen gut durch, aber ich bin schweißgebadet. Danach halten wir an einer kleinen imbissähnlichen Autobahnraststätte an, tauschen sicher sehr ungünstig einige Euro in schwedische Kronen um und trinken einen Kaffee. Unser Ziel ist heute Varberg, welches wir so gegen 17:00 Uhr erreichen. Da ich ein Pedant und Sicherheitsfraek bin, behagt es mir wenig, erst unterwegs Quartiere zu suchen. Aber in Lampeland haben wir gute Erfahrungen gemacht und auch hier finden wir gleich im ersten Hotel ein Zimmer - allerdings nicht unbedingt preiswert. Wir spazieren mit Schirm noch durch den Ort, beobachten am Hafen die vielen Jachten, durchqueren den Kurpark und essen im Hotel zu Abend.

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Varberg

Ein schöner Ort mit richtigem Kurflair und einer gewaltigen Festung am Wasser - durchaus ein Besuch wert, zumal es eine Schiffsverbindung nach Grena in Dänemark gibt. Leider waren wir in keiner Weise auf Schweden vorbereitet (Karten, Geld, Informationen), sonst hätte man an der schwedischen Westküste durchaus auch noch einige schöne Gebiete aufsuchen können. Allerdings war gerade dort das Wetter wirklich nicht einladend.

Am nächsten Tag fuhren wir über die Öresundbrücke und durch Dänemark zurück nach Deutschland. Viel Glück hatten wir dabei an der Fähre Gedser-Rostock, die eigentlich ausgebucht war aber eben nicht voll. In Deutschland habe ich es trotz der vielen Urlaubskilometer nicht geschafft mit dem Auto mit nach Hause zu fahren und den Zug ab Rostock bevorzugt.

Resümee einer Reise

In 21 Urlaubstagen in Norwegen mit An- und Abreise (die Tage in Kiel und in Dänemark hab ich abgerechnet) haben wir zwei Erwachsene bei insgesamt 4580 gefahrenen Kilometern 4.362 Euro ausgegebene. Dabei ergibt sich ein Tagessatz von 208 Euro mit Unterkunft sowie 128 Euro ohne.

Mitgenommen haben wir einige Grundnahrungsmittel (Zucker Salz, Nudeln, Kaffee, Tee) und einige Wurstbüchsen, alle anderen Lebensmittel haben wir vor Ort gekauft. Nach einem Frühstück in Hotel oder Hütte haben wir täglich unterwegs Kaffee und Kuchen gegessen, manchmal auch als Picknick mitgenommen. Je eine Kanne heißes Wasser und Tee- und Kaffebeutel, sowie Obst und ein paar Plätzchen hatten wir immer im Auto. Abends haben wir bis auf einige Ausnahmen selbst gekocht oder Brot gegessen.

Ich würde diese Reise liebend gerne sofort wieder machen. Allerdings wünschte ich mir mehr Zeit und etwas mehr Geld, geht aber auch so gut. Die Gesamtroute, die Länge der Tagesetappen, die Mischung zwischen festen Quartieren und Wechseln war perfekt. Ich persönlich würde hier und da noch einen Wandertag einschieben, auch mal oben auf einem Fjell. Viele angedachte und vorbereitete Ausflüge konnten mangels Zeit und Energie nicht stattfinden. Was wir nicht geschafft haben ist den langen hellen Tag voll auszunutzen, lag aber an unserer persönlich mangelhaften Kondition. Mir als sehr ängstliche Mitfahrerin im Auto hat prinzipiell die norwegische Fahrweise sehr gefallen, durch die einheitliche Geschwindigkeit auf den Strassen verringert sich der Überholstress enorm. Einheimische und Lastwagen sitzen einem auf Hauptstrassen manchmal im Nacken, aber der nächste Rastplatz kommt bald und sie sind vorbei und dank des Fährenrhythmusses ist dann eine Weile Ruhe. Sprachlich kommt man mit englisch sehr gut durchs Land, viele verstehen auch etwas deutsch, sprechen es aber weniger. Das Wetter hat uns eindeutig verwöhnt auf unserer Reise.

Auch wenn wir seit Jahren Dänemark lieben, hat uns Norwegen doch total fasziniert. Wir werden wiederkommen, auf die Lofoten, die südnorwegische Küste entlang und unbedingt nochmals in die Fjells.

Zur Vorbereitung, die mir sehr viel Spass gemacht hat, hatte ich folgende Materialien zur Verfügung

Reiseführer:

Reise Know-How "Südnorwegen und Lofoten" /2005 ISBN 3-8317-1353-7 (gute regionale Touristeninformationen und Übersichtskarten)
Verlag Martin Velbinger "Norwegen Süd/Mitte" /2006 ISBN 3-8816-021-0 (gute Insiderinformationen und spezielle Tipps)
Beide Reiseführer ergänzen sich gut, einer würde aber auch reichen.

Karten:

Kümmerly+Frey "Central Norway Midt-Norge Oslo-Bergen-Alesund" ISBN 3-259-01032, (guter Maßstab 1:335000 mit Tunneln, kleineren Strassen und Wanderwegen)
ADAC Länderkarte Norwegen ISBN 3-8264-1189-7 (für Übersicht)
Kostenloses Material von http://www.visitnorway.com/de/

Umfangreiche Internetrecherche:
Ich gebe hier nur einige Links an, welche mir sehr geholfen haben:

eine Seite mit viel Reiseinformationen, Fotos und die hilft, die regionale und kommunale Struktur des Landes kennen zu lernen: http://www.reuber-norwegen.de/
speziell Fjordnorwegen http://www.fjordnorway.com/
und die Fährenfahrpläne in Fjordnorwegen http://www.fjord1.no/eng/ferry/ferry-timetables
und noch eine webcam-Übersicht http://www.webkamerasinnorwegen.com/webcams.php
eine Hotelseite, die Preisnachlässe ermöglicht http://www.fjordtours.no/default.asp/?sprak=4

Alle anderen Informationen wie Fähren, Hurtigruten, spezielle Reiseangebote, Ferienhäuser, Hotels, spezielle Orte, Regionen und Sehenswürdigkeiten kann man bei Bedarf auf entsprechenden Seiten suchen und finden. Zu empfehlen sind auch die Internetforen über Norwegen sowie diverse Reiseberichte, die oft viele nützliche Tipps enthalten.
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Re: Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Beitragvon Bernd » Sa, 06. Apr 2013, 2:08

Hei knoschum,
das hier hab ich jetzt mal nur noch überflogen, aber :super:
Kenne vieles in diesen Gegenden selbst, weiss also was Du / Ihr da erlebt habt.
Würde gerne sofort losfahren :wink:

Gruss Bernd
Es ist nicht genug, daß man verstehe, der Natur Daumenschrauben anzulegen;
man muß auch verstehen können, wenn sie aussagt.
(Arthur Schopenhauer)
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Re: Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Beitragvon Tolli » Sa, 06. Apr 2013, 13:51

Hallo knoschum

Super Bericht, Danke.

Nach Nordnorwegen http://tollireisen.ch/category/nordkap2011/ möchten wir diesen Teil Norwegens auch noch erkunden.
Gruss Josef
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Re: Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Beitragvon Kumulus » Sa, 06. Apr 2013, 18:28

Ein wahnsinnstoller Bericht, knoschum!

Da kommen Erinnerungen hoch und Sehnsüchte. Ich möchte am liebsten auf der Stelle los fahren.

Danke für die Mühe und für's Teilhaben lassen an deinen/euren Urlaubserinnerungen.

Gruß
Martin
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Re: Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Beitragvon Gesa » So, 07. Apr 2013, 16:12

Danke für diesen schönen Bericht...
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Re: Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Beitragvon gs47 » So, 07. Apr 2013, 17:47

Ja wieder gut alles beschrieben samt Bilder.Aber nun muß es doch mal nördlicher gehen....über den Polarkreis hinweg.Bin gespannt dann.
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Re: Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Beitragvon Pfalzcamper » So, 07. Apr 2013, 18:07

Auch Teil 2 hat mir wieder sehr gut gefallen.

Wir sind zwar eher Nordfans, aber fast jede Ecke Norwegens hat ihre schoenen Seiten!
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Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg!
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Re: Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Beitragvon Riehli » Di, 09. Apr 2013, 11:54

Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen, ein sehr schön geschriebener und mit super Fotos unterlegter Reisebericht.
2007 war im Fjordland bei uns kein schönes Wetter. Aber wir waren ja auch einen Monat später da und bekanntlich ist in N mit Wetterumschwüngen zu rechnen. :wink:

Ich hoffe, ihr wart seither jährlich im Norden unterwegs und es kommen noch weitere tolle Berichte... 8)
Liebe Grüße
Manuela
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Re: Fjordnorwegen 2007 (Teil 2)

Beitragvon Fischmaus » Do, 11. Apr 2013, 17:32

Deine beiden Reiseberichte sind einfach top!! :super: Vielen Dank dafür! Ich erkenne alles wieder, da wir im Laufe der Jahre auch schon an all diesen Orten waren. Einfach traumhaft ,dieses Fjordnorwegen!!! :super: :super: Man möchte wirklich sofort wieder losfahren.
Wir haben letztens auch so einen lustigen Briefkasten fotografiert. Ich finde die herrlich! Sie sind so farbenfroh!! Allerdings muss ich sagen, dass der Vøringfossen bei euch noch richtig viel Wasser hat. Als wir 2003 dort waren lief nur auf der einen Seite ein Rinnsal runter.
Ich könnte auch ältere Reiseberichte hierreinstellen, nur weiß ich immer noch nicht, wie man hier die Fotos reinstellt. :nixwissen:
Vielen Dank nochmal für Deine Mühe!

Hjertelig hilsen
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