von Isa.I. » So, 20. Okt 2013, 6:12
Also - bei uns ist das so, dass mein Partner, meine Fernbeziehung, die nun schon 5 Jahre dauert und bestens funktioniert, 1980 in Oslo geblieben ist, nachdem er während seines Sommerurlaubs bei der Verwandtschaft (Mutter war Deutsche, er in D geboren und aufgewachsen, er war zu der Zeit in D arbeits- und perspektivenlos) einen Job gefunden hatte. Ist erstmal in die Jugendherberge gezogen, fand dann diese und jene Arbeit, machte sich Mitte der 80er selbstständig, was er heute noch ist, fand auch eine Frau natürlich, mit Höhen und Tiefen ging das Leben seinen Weg. Oft wurde drüber nachgedacht, wie man sich eine ähnliche Existe in D aufbauen könnte, war aber irgendwie schlecht, denn die Frau (nicht verheiratet) war über Jahrzehnte mal mehr mal weniger krank und hing sicher und fest im Sozialsystem. Nach ihrem Tod war mein Schatz knapp über 50, hatte eine gute Firma in N und sein Auskommen. Er wohnt im Süden des Landes, ich wohne in Bayern, bin sehr heimatverwurzelt, habe viele Freunde, Verwandte, erwachsene Kinder und es überkommen mich immer wieder Wellen von Anflügen, doch nach N zu ziehen. Diese Irritationen rühren aber wohl von momentanen Einsamkeitsgefühlen her - die geben sich dann wieder, wenn ich meinem Job nachgehe, durch den ich viel in Italien und Österreich unterwegs bin.
Dort würde ich in einer Gegend leben, die deutlich dichter besiedelt ist als das, wo ich jetzt bin, mein Freizeitwert wäre der, dass die Fahrradwege schlecht bis nicht vorhanden sind, es keine Thermen gibt, in denen man mal so einen richtig genussvoll faulen Tag abhängen kann, Biergärten, in denen sich fröhliche Menschen treffen die man kennt, sowieso nicht, auch das einigermaßen regelmäßige Essengehen mit den Kindern und ihren Partnerinnen wäre gestrichen, ich würde also eben wegen meiner fehlenden heimatlichen Scholle und dem ganzen Drumrum innerlich ausbluten. Dazu die beschränkten Reisemöglichkeiten: Immer muss man erst mit einer Fähre fahren, was zum einen Zeit und zum anderen Geld kostet und einen nicht spontan abhauen lässt, ohne dass man Hunderte von Kilometern zuästzlich fahren muss. In D wohne ich mitten in Europa, in N am Rand davon. Ein paar Tage Schlechtwetter mit einer 5stündigen Fahrt über die Alpen am Gardasee aussitzen - das wäre einfach nicht mehr möglich. Auch DAS ist aber für mich Freizeitwert.
Wenn ich Swarmas Eintrag so lese, frage ich mich auch, was den jungen Mann so treibt, sich über eine Auswanderung Gedanken zu machen. Wenn sie Großeltern für ein Kleinkind in der Nähe haben, ist das doch das Beste überhaupt (ich hatte niemals eine Oma für meine Kinder, weil alle schon tot waren, als ich mich vermehrte und weiss also genau, was ich schreibe!). Dann sind sie in Jobs offenbar gut untergebracht und wohnen doch nicht in einer schlechten Gegend, in der man nichts anfangen kann. Und die Frau scheint ein ähnlicher Typ wie ich zu sein, dem es seltenst zu heiss, aber meistens zu kalt ist. Wenn ich im Sommer in Norwegen bin und sehe, wie warm es daheim in Bayern ist und ich hänge dort in einem Regenloch (auch heuer erst wieder passiert), dann werde ich leider unleidlich und muss am besten sofort abreisen. Wie macht man das, wenn man alle Türen hinter sich in D zugeschlagen hat? Ich würde euch DRINGENDST raten, mal zu JEDER Jahreszeit einen mehrwöchigen Aufenthalt in der favorisierten norwegischen Region zuzubringen und sich dann ehrlich zu fragen, ob man dort mit allen Konsequenzen auf Dauer leben möchte und könnte.
Bei uns ist das so, dass wir die Berufstätigkeitszeit noch abwarten - und dann nurmehr einen Mini-Standort in Norwegen behalten werden - wenn überhaupt. Grade wenn man älter wird, lebt es sich dann in Deutschland - zumindest in meiner Region - deutlich besser. Aber das ist halt meine Sicht der Dinge - und die meines Partners auch, der ja beide Seiten in- und auswendig kennt.