Hallo zusammen, es geht nun weiter, aber erst mal nur bis Vardø:
Samstag, 5. August, 5974 km, 13°, Abfahrt 10.00
178 km bis zum Parkplatz an der E 75
https://goo.gl/maps/Zi41Z6FhMbyHier könnte man durchaus noch ein paar Tage bleiben, doch es treibt uns dem diesjährigen Ziel entgegen und deshalb fahren wir am nächsten Morgen weiter.
Welche der Strassen hier oben uns am meisten begeistert hat, können wir im Nachhinein gar nicht mehr sagen, wir sind von jeder hin und weg. So viele besondere, gegensätzliche Landschaftsformen und jahreszeitliche Eindrücke innerhalb kürzester Zeit- es ist ein Traum!
Hier sind nur mal ein "paar" Eindrücke von den 35 km Küstenstrasse zwischen Berlevag und Kongsfjord.






Der schöne alte Tante – Emma Laden „Kongsfjord Landhandel“ erfordert nach diesen 35 km schon wieder eine längere Pause

. Das Gulbransenhuset, welches ich auf der Hinfahrt fotografiert habe, ist das Wohnhaus, jetzt sind wir am Geschäftshaus der Familie. Die Einrichtung soll so rekonstruiert sein, wie es vor 100 Jahren ausgesehen hat.


Es macht echt Spaß, sich darin aufzuhalten und zu schauen, es hat Charme und Flair.


Weiter.
Das Kongsfjordfjell kreuzen wir mal wieder relativ zügig, diesmal regnet es dort.
Über den Leirpollen haben wir einen tollen Blick auf den großen Quarzit-Steinbruch der Firma Elkem Tana.


Und wieder vorbei am riesigen Tanadelta kommen wir erneut nach Tanabru.


Dort tanken wir und füllen Vorräte auf, dann wieder retour über die Brücke und weiter ostwärts –
wie gut, dass man hier keine Maut zahlen muss

!
Ein Stück E6, bei Varangerbotn auf die E75 und schon sind wir sind auf der Nationalen Touristenstrasse Varanger und fahren erst mal weiter entlang des 90 Kilometer langen und an der Mündung 55 Kilometer breiten Varangerfjorden.
Der Blick geht zur Nesseby Kirke, die auf einer Landzunge liegt.

Am Rastplatz unterhalb des Klubbnasen ist für heute Schluss.
Das ist nicht nur ein einfacher Parkplatz, hier begegnen wir wieder Kultur und Geschichte der Samen.
Sami-Religion sprach bestimmten Objekten der Natur eine „persönliche“ Seele oder einen innewohnenden Geist zu.
Die Bergkuppe und ihre Umgebung sind solche beseelten Plätze, wobei die Kuppe der zentrale Punkt ist. Sie ist die Opferstätte, das belegen Funde von Geweihen, verbrannten Knochen sowie Rentier- und Heilbuttknochen, die hier geopfert wurden. Daneben ist ein heiliger See und auf dem steinigen Boden darunter gibt es eine Reihe von Geröllgräbern.
Mit einer gewissen Ehrfurcht streifen wir in diesem Gebiet umher bevor es für heute in die Falle geht!


Sonntag, 6. August, 6165 km, 10°, Abfahrt 9.45
Hamningberg Parkplatz
https://goo.gl/maps/1xdbf2TwaHM2Am nächsten Morgen Nieselregen – na hoffentlich wird der nicht stärker – heute ist doch der Tag der Tage – heute wollen wir doch nach Hamningberg!
Das besondere Licht hier oben, das hast du eigentlich immer, sogar im Regen!

Zum Glück verziehen sich die Wolken immer mehr.
Hinter Vadsø geht der Varangerfjord in die Barentssee über und du hast nun nicht mehr nur einen weiten Blick über den Fjord oder ins felsige und hügelige Landesinnere, sondern auch über riesige Strände und die endlose Weite des Ozeans. Das Auge ruht aus und es ist eine entspannte Fahrt.



Was es hier allerdings in Mengen gibt, sind Schafe! Sie bevölkern die Strasse, die Strände, die Wiesen, alles! Als wir in Hamningberg ankommen, ist unser Wohnwagen vorne voller Schafsch… , der von den Hinterreifen des Autos nach oben geschleudert wurde…

Nun denn, weiter; kurz vor Vardø passieren wir den 127 m hohen Domen. Der ist jetzt nicht besonders interessant im Aussehen oder so – aber um ihn ranken sich Hexensagen: Hier sollen sich z.B. die Hexen Mittsommer und Weihnachten mit dem Teufel getroffen und Unzucht getrieben haben…

Ein Stückchen weiter ist ein Parkplatz, von dem haben wir einen ersten Blick auf Vardø. Und dieser Blick ist unbeschreiblich schön, denn der Himmel ist immer noch von Wolken bedeckt, aber durch eine Lücke werden die Insel Vardøya und die Stadt von der Sonne angestrahlt, es ist wirklich ganz wunderbar und es ist uns auch nicht gelungen, das mit der Kamera einzufangen. Wir stehen nur da und staunen.

Vardø ist die östlichste Kommune Norwegens, liegt auf einer Insel und als einzige Stadt Westeuropas innerhalb der Arktischen Klimazone.
„Cedant tenebræ soli“ Dunkelheit weiche der Sonne, steht seit 1887 auf dem Stadtwappen. Wenn nach der langen Winterdunkelheit um den 22. Januar die Sonne wieder am Horizont erscheint, werden die Kanonen der Festung abgefeuert und die Kinder bekommen schulfrei.
Wir gelangen nach Vardøya durch 3 km langen und 1982 eröffneten Ishavtunnel, -88 m tief, den ersten Tunnel Norwegens unter dem Meeresspiegel.

Beim Eingangsportal Tunnels sehen wir einen monströsen LKW kopfvoran eingegraben. Er steht als Sinnbild, dass mit einem solchen Gefährt unzählige Familien mit gesamten ihrem Hab und Gut diesen Ort verlassen haben.

Wir parken erst mal am Hafen, in der Nähe der Touristeninformation. Wir wollen uns nämlich erkundigen, wo es eine Ver- aber am wichtigsten ein Entsorgungsstelle für unsere Chemietoilette gibt. Wir erfahren zu unserem großen Erstaunen, dass es das hier nicht gibt- auch in Hamningberg nicht. Die einzige Möglichkeit zur Entsorgung besteht am Campingplatz Vestre Jacobselv , ca. 90 km zurück.
Also, hier oben nicht nur jede Tankstelle nutzen, sondern auch jede Möglichkeit zu entsorgen- man weiß nie, wann die nächste kommt!!
Dann starten wir unseren Stadtrundgang. Auch Vardø präsentiert sich bunt und vielfältig.








Eine „Zeitschiene“ an der Touristeninformation.

Die Statue des niederländischen Seefahrers Willem Barents, der die Barentssee als erster erkundete. Sie ist Teil der Nordostpassage, liegt zwischen den Küsten Norwegens, Russlands und den Inselgruppen Spitzbergen, Nowaya und Semliya und gehört zu den wichtigsten Fischfangregionen der Erde.

Im 18. und 19. Jahrhundert wuchs der Reichtum der Stadt durch den Pomorhandel, dem Tauschhandel mit den Russen der Kola-Halbinsel. In einem ehemaligen Lagerhaus am Hafen erinnert das Pomormuseum an diese Epoche der Stadtgeschichte.



Die Kirche aus Spannbeton von 1958 ist die Vierte an dieser Stelle.


Vardøhus Festung, die nördlichste Festung der Welt, wurde bereits im 14. Jh. Angelegt: sie ist mit den sternförmigen, Befestigungsmauern komplett erhalten, da sie nie angegriffen wurde. Diese und die Akershus Festung in Oslo sind die einzigen in Norwegen mit einem eigenen Kommandanten, hier gilt Salutpflicht und an königlichen Geburtstagen werden die Kanonen gleichzeitig mit Akershus abgefeuert.

Die weithin sichtbare und markante Radaranlage setzt die Tradition von Vardös Funktion als strategischem Aussenposten wahrscheinlich fort, findet aber in keinem Touristenführer Erwähnung. Ich finde einzig den Satz: „Vardo spielte eine bedeutende Rolle im Frühwarnsystem der NATO während des kalten Krieges, aber die Kuppeln dienen auch zivilen Zwecken“

In Nordnorwegen wird oft an dunkle Kapitel der Geschichte erinnert, meist handelt es sich dabei um die Geschichte der Besatzung im 2. Weltkrieg.
Hier in Vardø wird daneben eine andere dunkle Zeitspanne thematisiert, die Zeit der Hexenverfolgung. Mit dem „Steilneset Memorial“ wurde ein Mahnmal geschaffen, das der 91 Menschen gedenkt, die im 17. Jahrhundert in der Provinz Finnmark der Hexerei bezichtigt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Der 125 Meter lange Bau besteht aus 60 Holzstützen, die einen aus imprägniertem Fiberglasgewebe gefertigten, an Segeltuch gemahnenden begehbaren Hohlkörper tragen. Die überdachte Konstruktion ist mit Stahlseilen im Holzgerüst fixiert und an beiden Enden über einen Holzsteg zugänglich.

In die Wand dieses schwebenden Sakralraums ist für jedes der Opfer eine verglaste quadratische Lichtöffnung eingelassen, darunter zeigen von einer hängenden Glühbirne beleuchtete Texttafeln Informationen über jedes einzelne Opfer der Hexenprozesse. «Wenn man durch das Gebäude geht und sich auf die Texte einlässt, erfährt man etwas über längst vergangene Leben, über Ungerechtigkeit im Kleide des Rechts und über den Tod.»


In einem aus 17 freistehenden getönten Glasplatten zusammengefügten Kubus ist eine Installation zu sehen:

eine ewige Flamme, die durch einen Stuhl, der wiederum in einem Betonkegel steht, brennt. Die Flammen werden von sieben runden Spiegeln reflektiert und vervielfacht. «Die Verdammten, die Besessenen und die Geliebten» lautet der eindrückliche Titel dieser Skulptur



Dieses Mahnmal soll aufrütteln und an die dunkelsten Aspekte der menschlichen Natur erinnern. Ich denke, das ist gelungen.
Ein Stück weiter oben befinden sich ein Friedhof eine Kapelle von 1908. Sie waren notwendig, weil der alte Friedhof an der Hauptkirche zu klein wurde und heißt deshalb "Nykirkegården".


Über den Friedhof schlendere ich dann noch eine Weile, bevor wir uns aufmachen und durch den Tunnel wieder aufs Festland fahren.
So, hier muss ich jetzt erst mal einen Schnitt machen, sonst wird der Abschnitt zu groß
bis zur nächsten Fortsetzung, liebe Grüße! gudrun55