Reformen in Norge

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Reformen in Norge

Beitragvon Peter Pommes » Do, 13. Jul 2006, 7:31

Hallo!
Wer von Euch aus Norwegen kann mir denn sagen welche gesellschaftlichen Reformen in Norwegen gerade diskutiert werden, bzw. wo ich Informationen darüber finden kann. Einer unserer Gründe Deutschland zu verlassen ist nämlich auch die Unzufriedenheit wie hier zur Zeit Politik gemacht wird (pro Jahr 1-2 Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Privatisierungs- oder Rentenreformen).
Bitte versteht mich nicht falsch - ich will hier keine politische Diskussion anfachen! - aber ich habe in Dtschlnd als Bürger weder das Gefühl, dass meine Meinung interessiert, noch dass es wirklich um meine Interessen geht. In Norwegens Gesellschafts- und Sozialsystem scheint mir die Sache etwas anders zu liegen. Hierüber würde ich gern mehr erfahren.

MfG

Peter

P.S.: Ein bisschen denke ich beim Auswandern auch an folgendes: warum sollen immer nur die Firmen abhauen wenn es Ihnen woanders besser geht? Auswanderung als Abstimmung mit den Füssen wenn der Stimmzettel nicht hilft! Oder: Ich bin mein eigener Globalisierungsgewinnler :lol:
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Wick1e » Do, 13. Jul 2006, 20:04

- aber ich habe in Dtschlnd als Bürger weder das Gefühl, dass meine Meinung interessiert, noch dass es wirklich um meine Interessen geht.

Tja, so geht es mir in Norwegen :( .

Es herscht in N eher die sog. "russische mentalitaet".
D.h. man akzeptiert alles was von "oben" (der regierung) kommt.
Aendern kann man es ja doch nicht, also nicht so wie in Frankreich od.
suedeuropa, wo die leute auf die strasse gehen und protestieren wenn
ihnen etwas nicht passt.

Z.b.: jeder norw. klagt und meckert ueber hohe steuern, teuere auto
und lange wartezeiten an krankenhaeusern, aber bei jeder wahl
werden immer wieder die gleichen parteien gewaehlt!
Wick1e
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Frøken Ur » Do, 13. Jul 2006, 20:34

Hallo Wick1e,
volle Zustimmung von mir, empfinde und erlebe es ganz genau so!
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Björn-Einar » Do, 13. Jul 2006, 20:48

Peter Pommes hat geschrieben: Einer unserer Gründe Deutschland zu verlassen ist nämlich auch die Unzufriedenheit wie hier zur Zeit Politik gemacht wird (pro Jahr 1-2 Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Privatisierungs- oder Rentenreformen).
:

norwegen muss sparen :wink:
okay, wie gewünscht ohne wertung ein beispiel im zusammenhang mit aktueller gesundheitspolitik.
Das krankenhaus in lærdal, mit einer renomierten orthopädieabteilung, hat diese auf geheiß von helse førde (der obersten gesundheitsinstitution im fylke sogn og fjordane) auf zu lösen. es wird, laut lokalen zeitungen, gemunkelt das dieses der anfang vom ende des krankenhauses sei, an deren ende die stillegung steht.
das nächste krankenhaus inst in bergen ( ca.4 stunden weg) oder in Førde ( etwa 3 stunden mit dem pkw.
es heißt das ueberall gespart werden muß, speziell im gesundheitswesen...

wir haben hier seit letztem jahr eine rot-rot-grüne regierung die mit dem wahlversprechen den sozialstaat wieder einzuführen angetreten war...
hilsen
Dirk
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Peter Pommes » Fr, 14. Jul 2006, 6:52

Also was die Steuern angeht habe ich kein Problem damit solange die Leistungen die der Staat dafür anbietet in Ordnung sind. Die Wartezeiten in den Krankenhäusern sind natürlich ärgerlich. Woran liegt das denn? Zu wenig Ärzte?

Werden denn häufig Krankenhäuser in Norwegen geschlossen? Bei uns in Dtschlnd werden jetzt sogar Unikliniken privatisiert, also Einrichtungen, die Forschung, Lehre und eine Maximalversorgung leisten sollen. Eine meiner Patientinnen arbeitet in so einem privatisiertem Krankenhaus und erzählt mir Schauergeschichten über die Arbeitsbedingungen und die Patientenversorgung dort. Privatisierung führt keineswegs zu mehr Effizienz, geschweige denn Verbesserung der Bedingungen.

Na ja, jetzt kann ich's ja auch sagen: ich bin Zahnarzt. :oops:

Peter
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Kerstin i Norge » Fr, 14. Jul 2006, 7:26

Und jetzt sagt mir mal, wo der deutsche Bürger auf die Strasse geht und nicht brav schluckt, wenn "da oben" was geändert wird, egal wie teuer es für den Bürger wird ? Der Deutsche hat da genau die gleiche Mentalität, man mosert ein paar Wochen, Monate und geht dann wieder zur Tagesordnung über. Oder man liest in regelmässigen Abständen "Deutschland ist so doof, ich will jetzt nach Norwegen gehen". Aber ein "wir gehen jetzt alle auf die Strasse und kämpfen für ..was auch immer", höre ich zwar immer in den Ansätzen - egal ob nun in D oder N, aber passieren tut halt nix. Da fehlt uns allen das "südeuropäische Temperament" :wink:
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Dirk i norge » Fr, 14. Jul 2006, 9:29

Hallo!
Also Reformen gibt es doch nun überall. Die Frage ist doch nur ; Bringen die Reformen oder nicht ? In Norwegen werden Verändereung bestimmt und fertig. Reformen sind notwendig für die Entwicklung eines Landes. In Norwegen geht es meinermeinung etwas zu langsam vorran. Im Gegesatz zu Deutschland, da ging alles viel zu schnell. Jetzt dienen reformen in Deutschland nur noch als Experimente. Bei diesen experimenten wird allerdings nicht an das eigene deutsche Volk gedacht. Eine normales Leben mit Familie oder extensielle Ängste ist doch in deutschland nur noch vereinzelt möglich. In Norwegen denkt man aber weitgehend für Familien. Es ist hier möglich in küzester froh und glücklich mit seiner Familie zu werden mit allem was dazu gehört. Eben ein ganz normales Leben....
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Dirk i norge » Fr, 14. Jul 2006, 9:31

Hallo!
Also Reformen gibt es doch nun überall. Die Frage ist doch nur ; Bringen die Reformen was oder nicht ? In Norwegen werden Verändereung bestimmt und fertig. Reformen sind notwendig für die Entwicklung eines Landes. In Norwegen geht es meinermeinung etwas zu langsam vorran. Im Gegesatz zu Deutschland, da ging alles viel zu schnell. Jetzt dienen reformen in Deutschland nur noch als Experimente. Bei diesen experimenten wird allerdings nicht an das eigene deutsche Volk gedacht. Eine normales Leben mit Familie ohne extensielle Ängste ist doch in deutschland nur noch vereinzelt möglich. In Norwegen denkt man aber weitgehend für Familien. Es ist hier möglich in küzester froh und glücklich mit seiner Familie zu werden mit allem was dazu gehört. Eben ein ganz normales Leben....
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon muheijo » Fr, 14. Jul 2006, 10:31

Dirk i norge hat geschrieben:Im Gegesatz zu Deutschland, da ging alles viel zu schnell. Jetzt dienen reformen in Deutschland nur noch als Experimente. (...)


schön wär's! auf experimente würde sich vielleicht manch einer einlassen,
aber was wir präsentiert bekommen ist doch a) stückwerk b) nur dazu geeignet, dem bürger mehr geld aus der tasche zu ziehen.

warum nicht das experiment:
steuern runter, abschaffung ALLER ausnahmen betr. steuerabschreibungen
ob man das dann "bierdeckel-modell" oder sonst wie nennt ist mir wurscht.
aber das wir ein steuersystem haben, bei dem keiner mehr durchblickt...

auch bei der gesundheitsreform könnte man GERNE mehr experimentieren.

ein mutiger, großer schritt würde sicher von vielen mitgetragen werden.

gruß, muheijo
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Peter Pommes » Fr, 14. Jul 2006, 11:06

Dirk i norge hat geschrieben:Hallo!
In Norwegen denkt man aber weitgehend für Familien. Es ist hier möglich in küzester froh und glücklich mit seiner Familie zu werden mit allem was dazu gehört. Eben ein ganz normales Leben....


Nettes Statement :D
Du hast meine Gründe nach Norwegen zu gehen ganz gut beschrieben.

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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Frøken Ur » Fr, 14. Jul 2006, 15:37

Dirk i norge hat geschrieben:Es ist hier möglich in küzester froh und glücklich mit seiner Familie zu werden mit allem was dazu gehört. Eben ein ganz normales Leben....

Ganz schoen blauaeugige Sichtweise, auch hier in N. gibt es grosse Unterschiede zwischen arm und "akzeptabel bis vermoegend" (ich benutze absichtlich nicht das Wort "reich"), und viele hier leben wirklich von der Hand in den Mund. :!:
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Erdmænnchen » Fr, 14. Jul 2006, 22:30

Frøken Ur hat geschrieben:
Dirk i norge hat geschrieben:Es ist hier möglich in küzester froh und glücklich mit seiner Familie zu werden mit allem was dazu gehört. Eben ein ganz normales Leben....

Ganz schoen blauaeugige Sichtweise, auch hier in N. gibt es grosse Unterschiede zwischen arm und "akzeptabel bis vermoegend" (ich benutze absichtlich nicht das Wort "reich"), und viele hier leben wirklich von der Hand in den Mund. :!:


Wenn man aber als Tourist durch das Land fährt, bekommt man schon den Eindruck, daß die sozialen Unterschiede nicht so krass sind wie in D. Außerdem wird auch auf deutlich größerem Fuße gelebt als in D, zumindest was man nach außen so sieht.
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon lyskaster » Sa, 15. Jul 2006, 11:49

Kerstin i Norge hat geschrieben:Und jetzt sagt mir mal, wo der deutsche Bürger auf die Strasse geht und nicht brav schluckt, wenn "da oben" was geändert wird, egal wie teuer es für den Bürger wird ? Der Deutsche hat da genau die gleiche Mentalität, man mosert ein paar Wochen, Monate und geht dann wieder zur Tagesordnung über. Oder man liest in regelmässigen Abständen "Deutschland ist so doof, ich will jetzt nach Norwegen gehen". Aber ein "wir gehen jetzt alle auf die Strasse und kämpfen für ..was auch immer", höre ich zwar immer in den Ansätzen - egal ob nun in D oder N, aber passieren tut halt nix. Da fehlt uns allen das "südeuropäische Temperament" :wink:


Na, da möchte ich mal kurz die aktuellen Studentenproteste gegen die geplanten bzw. beschlossenen Studiengebühren erwähnen.
Und da wird auch die nächste Zeit noch einiges kommen 8)
Außerdem gibt es zumindest auf kommunaler Ebene die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens. Hier in Bonn hat alleine die Androhung eines solchen die Politik vor dem Bürger schon einmal einknicken lassen :D
Meine Meinung ist: Wenn jemand wirklich nur jammert und meint in Norwegen wäre alles besser und nur aus solchen Gründen auswandern will, dann habe ich kein Verständnis dafür. Es gibt in Deutschland durchaus Möglichkeiten, Einfluss auf die Politik in seinem näheren Umfeld zu nehmen.

Und was die finanziellen Belastungen durch die, zugegeben stellenweise wirklich zusammengeschustert wirkenden Reformen, angeht, sollte mal einen Blick über den deutschen Tellerrand wagen und sich mal die Lebenshaltungskosten anderer europäische Länder anschauen.

Also, ich wehre mich nur gegen diese Mentalität, in Deutschland ist alles Sch.... und in Norwegen alles super. Habe hier schon häufiger solche Beiträge gelesen :roll:

Die Auswanderung nach Norwegen aus beruflichen Gründen, sei es eine lang andauernde Arbeitslosigkeit in Deutschland ohne Aussicht auf einen neuen Job und gleichzeitig einer guten Perspektive in Norwegen, kann ich gut nachvollziehen und finde es auch ok.

So, bin mal auf die Reaktionen gespannt 8)

Viele Grüße aus Bonn
Jörn, der sich in Deutschland sehr wohl fühlt
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon uteligger » Sa, 15. Jul 2006, 12:22

Moin.

In stillen Stunden schau ich doch mal bei google rein :o

http://www.google.de/search?q=reformen+ ... art=0&sa=N

Und da kann man viele Stunden verbringen.

hilsen
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Jeg vandrer ikke fordi jeg vil bli yngre – men fordi jeg vil bli eldre.
Hvor utgangspunktet er galest, er resultatet ofte orginalest
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Re: Reformen in Norge

Beitragvon Peter Pommes » Sa, 15. Jul 2006, 16:20

@ lyskaster:
Eigentlich wollte ich ja keine politische Diskussion entfachen, aber jetzt fühle ich mich doch angesprochen...

Ich will Dir mal von der Situation von jungen Zahnärzten in Deutschland erzählen, denn damit kenne ich mich ganz gut aus:

1) Du kannst als Zahnarzt in Deutschland (längerfristig) nur als Selbstständiger arbeiten.
2) Um als Selbstständiger zu arbeiten brauchst du eine Zulassung und eine Praxis. Praxisneugründungen sind sehr riskant und deshalb selten.
3) Bleibt dir nur eine Praxis zu kaufen für zw. 150.000 und 250.000 €(Abweichungen nach oben und unten gibt es natürlich auch).
4) Dieses Geld müssen sich die meisten leihen.
5) Diesen Kredit, den Du aufgenommen hast, um überhaupt arbeiten zu können, zahlst du dann über 10 -15 Jahre ab.
6) Zugleich werden dir die Preise von den gesetzlichen Krankenversicherungen diktiert.

ERGO: Du trägst als Selbstständiger das volle unternehmerische Risiko in einem unfreien Markt. Erziehlst für eine Arbeitszeit von 50 - 60 Stunden die Woche ungefähr das Gehalt eines höheren Angestellten. Musst von diesem Gehalt noch Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit, etc. absichern. Du bist jedes Jahr Einschnitten in deinen Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen ausgesetzt.

Früher hat sich das gelohnt, aber heute gehen immer mehr Zahnärzte und auch Ärzte ins Ausland. Wohlgemerkt: Nicht wegen des Verdienstes sondern wegen des Risikos, dass du auf dich nehmen musst um diesen Verdienst überhaupt zu erwirtschaften.
Ich habe vor eine paar Tagen mit einem Bekannten gesprochen, der für eine grosse Implantatfirma arbeitet und der sagte mir, dass der deutsche Markt für seine Firma immer uninteressanter wird weil sie in den nächsten Jahren von ca. 20 % weniger Praxen ausgehen (Pleite).
Als ich Zahnmedizin studiert habe war das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Studenten noch 50-50. Als ich vor ein paar Jahren an der Uni gearbeitet habe lag es schon bei 70-30 (w-m). Neulich sagte mir ein befreundeter Assistent an der Uni sie wären jetzt bei 90-10 (w-m). Warum? Weil Männer sich finanziell attraktivere und weniger riskantere Berufe suchen.


Ich sage ja nicht, dass in Dtschlnd alles schlecht ist, aber findest Du es denn verwerflich, wenn jemand versucht für sich und seine Familie ein Land zu finden, indem er in Ruhe und mit Freude seinem Beruf nachgehen kann?
Was meinst Du denn, warum Menschen zu allen Zeiten Ihre Heimat verlassen haben?
Wie kommst Du dazu die Motive anderer Menschen moralisch zu beurteilen?
Willst Du anderen vorgeben warum sie auswandern dürfen und warum nicht?
Oder bist Du einfach nur polemisch?

MfG Peter
Peter Pommes
 
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