Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Schweden, Finnland, Svalbard, ...

Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » Fr, 29. Jun 2018, 16:47

Moin,
Hier setze ich mal den ersten Teil eines neuen Berichts ein. Da wir neben der norwegischen Küste eben auch Svalbard sowie Island und … (Spannung steigt - kommt noch) angelaufen haben, bin ich hier "reingerutscht".
Viel Spaß beim Lesen und Gucken!
Gruß
Ronald

Mit MS AMADEA auf Nordkurs
6. – 24. Juni 2014


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Prolog
Einerseits fragen wir uns heute immer noch, welcher Teufel uns wohl geritten hatte, dass wir eine „richtige“ Kreuzfahrt gebucht hatten? Andererseits waren wir auf dieser Reise nicht nur vom Wetter, sondern auch von der Besatzung verwöhnt worden, abgesehen von ein, zwei Ausnahmen. Also, nachdem wir bislang vier Reisen mit Schiffen der Hurtigruten entlang der norwegischen Küste bei meist wechselhaftem Wetter (was fahren wir auch im April oder Februar???) unternommen hatten und die Fjorde mit der FRAM im April 2012 erkundeten, wurden wir offensichtlich von der Fernsehserie „Verrückt nach Meer“ angesteckt. Jedenfalls trieb es uns fünf Monate vor unserem beabsichtigten Eintritt in den Ruhestand im Dezember 2012 in das Reisebüro unseres Vertrauens. Wir hatten uns aber auch vorgenommen, nach Beendigung unseres Berufslebens so viele Reisen wie möglich – gesundheitlich und finanziell – zu unternehmen, um die schönen Seiten unserer Nordhalbkugel zu genießen.

Nachdem wir den Reisekatalog von hinten bis vorne studiert hatten – und insbesondere auch das Kleingedruckte – buchten wir am 5. Dezember 2012 mutig eine Reise mit der AMADEA von Hamburg entlang der norwegischen Küste bis nach Honningsvåg und weiter nach Spitzbergen über Jan Mayen und Island zurück nach Hamburg. Dass die Reise von Hamburg nach Hamburg ging, war auch ein Grund diese Reise zu buchen, denn so ersparten wir uns eine umständliche Anreise.

Nun waren es noch 18 Monate, bevor wir uns in die Reihe der „echten Kreuzfahrer“ – wenn auch nicht so nobel wie QE 2, EUROPA oder andere Luxusliner – begaben.
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Freitag 6. Juni 2012 – Von Hamburg bis Cuxhaven

Die Einschiffung sollte um 14.30 Uhr beginnen. So bestellten wir unser Taxi für 14.00 Uhr. Vorher machte ich noch einige Fotos von unserem kleinen Garten, denn 19 Tage sollten wir unterwegs sein und der Rasen würde sich bei Rückkehr in einem sehr anderen Zustand präsentieren, denn wir hatten ja keine Bekannten oder Verwandten, die wir bitten konnten, sich doch zwischendurch mal um den Rasen zu kümmern. Alle anderen Angelegenheiten, wie Blumen begießen, Briefkasten leeren wurden von Nachbarn wahrgenommen.

Mit zwei großen Rollkoffern, einem kleinen, zwei Fotorucksäcken, zwei Laptoptaschen und einem weiteren Rucksack „beschwert“, begaben wir uns in die „Empfangshalle“ des Hamburger Cruise Center. Die Empfangshalle war nichts Weiteres als übereinandergestapelte Container mit zwei Glasfronten, einem Zugangsbereich und einem Abfertigungsbereich.

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„Cruise Center Hamburg“

Hier war es rappelvoll. In den Einschiffungshinweisen hieß es, dass es für alle Gäste, die einen Silber-Service gebucht hatten – und dazu gehörten wir – einen Sonderschalter zur Einschiffung geben würde. Pustekuchen! Irgendwie schien das Abfertigungspersonal etwas überfordert gewesen zu sein. Zur „Beruhigung“ erhielten alle noch in der Schlange stehenden Passagiere ein Glas Sekt. Wie wir noch erfahren sollten, wurde Sekt zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten angeboten, besonders dann, wenn etwas schief lief, offenbar nach dem Motto „Im Suff lässt sich alles besser ertragen“.

Sehr langsam bewegte sich die Schlange der Passagiere mit dem Sektglas in der Hand, die Rollis und andere Gepäckstücke vor sich hin schiebend in Richtung Sicherheitskontrolle. Hier wurde dann auch das Gepäck abgenommen für die Weiterbeförderung Richtung Kammer. Nachdem wir die Sicherheitsschleuse passiert hatten, ging es auf das Schiff. Vor der Gangway verkündete ein Schild „Willkommen Zu Hause“ und es erwartete uns eine Fotografin mit schussbereiter Kamera zwecks „Zwangsfotografie“, die wir allerdings dankend aber bestimmt ablehnten.

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Als nächstes erwartete uns die Kreuzfahrtdirektorin mit persönlicher Begrüßung und freundlichem Lächeln, das sich jedoch zum Ende der Reise ins Gegenteil verwandeln sollte.

Es erfolgte ein weiterer Fototermin, der musste aber sein, denn er war für das Foto auf der Cruise-Card, was wir ja schon von Hurtigruten kannten. Cruise-Card und Türkarte wurden in einem Lederetui überreicht, nicht in einem „schnöden Halsband“. Anschließend wurden wir von einem Besatzungsmitglied zu unserer Kammer gebracht. Wir hatten uns eine Mini-Suite mit Balkon gegönnt, so dass wir uns in der Kammer aufhalten konnten, sollte das Wetter nicht mitspielen. Wir sollten aber noch erfahren, wie gut wir den Balkon genießen konnten.

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Auf dem Bett lagen Bademäntel und „Plastetaschen“, die wir auch an Bord gelassen haben.

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Uns erwartete neben einer Flasche Sekt und einem Obstkorb ein Willkommensgruß seitens des Kapitäns und der Kreuzfahrtdirektorin. Leider waren die Unterschriften aufgedruckt …

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Balkon mit Aussicht auf das im Bau befindliche Cruise Center.

Anhand der Reiseroute hatten wir uns die Kammer an Steuerbord ausgesucht, so dass wir stets die Sicht auf die Küste hatten. Im Laufe der Reise hörte ich, wie sich Passagiere der Backbordseite darüber unterhielten, dass sie gar keine Sicht auf das Land hätten. Tja, man hätte in der Schule in Sachen Geografie, früher sagte man Erdkunde, aufpassen und auch mal auf den Atlas oder die Landkarte gucken sollen.

Nachdem das Gepäck so stückweise angeliefert wurde und wir uns häuslich eingerichtet hatten, unternahmen wir einen Erkundungsgang durch das Schiff und seine Einrichtungen. Es gab
- Zwei Restaurants – wir brauchten nur eines davon;
- Mehrere Bars – wir brauchten nur zwei davon, eine vorne und eine achtern an Deck;
- Show Lounge – brauchten wir nur zwei Mal, zur „Einweisung“ bzw. Vorstellung des „leitenden Personals“ und bei der Crew-Show (wenn es sich um eine philippinische Besatzung handelt, ist die mit Sicherheit lohnender als irgendwelche professionellen Shows);
- Kino – wer braucht denn sowas? Entsprechend einer Erklärung auf einem Hurtigrutenschiff „Hier gibt es keine Unterhaltung, hier sorgt der Herrgott für die Unterhaltung“ sahen wir die Unterhaltung an unserer Steuerbordseite vorüberziehen;
- Bibliothek – brauchten wir nicht, wir hatten unsere eigenen Reiseführer bzw. Bücher, falls es mal grau sein sollte, denn immerhin waren auch einige Seetage enthalten;
- Waschsalon – brauchten wir nicht, wir hatten genug Kleidung mit;
- Boutique – brauchten wir nicht, denn Modeschmuck, Seidenschals, „elegante Kleidung“ und so’n Gedöns ersparten wir uns. Auf uns warteten die norwegischen Geschäfte und die Svalbardbutikk in Longyearbyen;
- Frisör – brauchten wir garantiert nicht, denn wir mussten uns ja nicht „aufbrezeln“;
- Swimmingpool – brauchten wir nicht, denn meine Frau meinte, der wäre nur für Zwerge geeignet;
- Whirlpool – brauchten wir hier genau so wenig wie auf den Hurtigruten;
- Golfplatz – brauchten wir nicht, denn wir beschäftigen uns anderweitig;
- Zwei große Außendecks – die brauchten wir allerdings garantiert!

Vor dem Auslaufen aus Hamburg erfolgte die obligatorische Sicherheitsübung. Ob das alles so klappen würde im Ernstfall, bezweifelte ich, denn wenn die Passagiere in Dreierreihen mit Schwimmweste aus der Kammer mitgebracht (!) antreten müssen und vorne zeigt ein Besatzungsmitglied wie die Weste angelegt wird, frage ich mich, ob das die Leute noch wissen, wenn es ernst wird. Nachdem Kapitän Flohr die „Parade“ abgenommen hatte, durften wir die Weste wieder in unsere Kammer bringen.

Vor dem Auslaufen machten wir noch einige Fotos von der entstehenden Hafencity. Na ja, mittlerweile hat sie ja etwas Profil angenommen. Wohl fühlen wir uns aber nur in „unserem Dorf“ außerhalb der Stadtgrenze. Aber die Ansichten waren mal ganz interessant.

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St. Michaelis hinter den neuen Bauten der Hafencity

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Rathausturm und Unilever-Gebäude

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Unilever-Gebäude

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Marco Polo-Turm (r.)

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Glas und Stahl – Elbphilharmonie und St. Michaelis-Kirche

Von einem Besatzungsmitglied bekommen wir wieder ein Glas Sekt in die Hand gedrückt. Gibt es Probleme mit dem Auslaufen? Oder muss das Auslaufen gebührend gefeiert werden? Klar doch, denn dann kommt die „Auslaufmelodie“ – das muss wohl so sein auf Kreuzfahrtschiffen. Dann noch „drei mal lang“ mit dem Typhon und „alle Leinen los vorn und achtern“ und pünktlich um 18.00 Uhr verließ die AMADEA Hamburg.

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St. Michaelis, Baumwall und City-Sportboothafen

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St. Katharinen (hinten), Columbus-Haus (Mitte), Kehrwieder-Haus (rechts)

Ach ja, und noch ein Ritual erfolgte. Eine etwas quäkende Babystimme verkündete uns – wie in jedem Hafen beim Auslaufen – „MS AMADEA verlässt Hamburg – Deutschland. Nächster Hafen Bergen –Norwegen.“ Da könnte man nur noch lästern: „Vorsicht bitte an der Bahnsteigkante, die Türen schließen selbständig“.

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Vorsetzen - CAP SAN DIEGO, größtes fahrendes Museumsschiff der Welt
Langsam glitt die AMADEA bei Kaiserwetter (oder, wie der Seemann auch sagt: Mützenwetter, weil jetzt die Uniformmütze mit dem weißen Bezug aufgesetzt wird) an der Skyline von Hamburg und an den Landungsbrücken die Elbe abwärts.

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Landungsbrücken - RICKMER RICKMERS und immer wieder St. Michaelis

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Bismarck-Denkmal und Glockenturm der Landungsbrücken

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Kuppel des Alten Elbtunnels - Landungsbrücken (vorne) – Bernhard-Nocht-Institut (l.), das Tropenkrankenhaus (links) – Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie im alten Gebäude der ersten Navigationsschule Hamburgs

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Die Hamburger Türme: St. Michaelis, Glockenturm der Landungsbrücken, St. Petri, St. Jacobi, Schwedische Seemannskirche und St. Nikolai (eingerüstet)

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Die alte Fischmarkthalle von 1896

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Schwimmdocks der Werft Blohm & Voss

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Bürogebäude „Docklands“ – dahinter Christianskirche von 1738, auch Klopstock-Kirche genannt, weil auf dem kleinen Friedhof die Grabstätte des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock befindet.

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Blick elbabwärts – links Burchardkai Containerabfertigung


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Burchardkai und Waltershofer Hafen (hinten)

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Museumshafen Övelgönne mit Feuerschiff ELBE 3 – Seniorenresidenz Augustinum Hamburg

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Kultgaststätte Strandperle – Strandleben Freitagabend

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Villen an der Elbchaussee

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Nautische Zentrale (l.) und Hafenlotsenstation (r.)

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Jenisch-Haus von 1834 - Teufelsbrück

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EADS – Airbus-Gelände Finkenwerder, drittgrößter Flugzeubau-Standort der Welt nach Seattle und Toulouse

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Nachschub aus Toulouse per Großraumtransporter

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Airbus-Flugzeuge fertig zur Auslieferung

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Hamburg - Nienstedtener Kirche von 1751 und Hotel Jacobs

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MS EUROPA 2 läuft in Hamburg ein

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Blankenese Oberfeuer

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Blankenese - Fähranleger „Opp’n Bulln“

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Blankenese mit dem 74 m hohen Süllberg

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Blankenese - „Treppenviertel“

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Blankenese – Das Wrack des 1975 im dichten Nebel gerammten Binnenschiffs UWE

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Blankenese - Das Wrack des finnischen Motorseglers POLSTJERNAN, nach einer Explosion im Maschinenraum 1926 ausgebrannt

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Die Elbinsel Neßsand, dahinter das Alte Land, größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet Europas

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Falkenstein, ein beliebter ehemaliger Badeplatz

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Wittenbergen Unterfeuer, Baujahr 1900

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Villen im Stadtteil Tinsdal, der Hamburger Landesgrenze zu Schleswig-Holstein, mit dem Leuchtfeuer Tinsdal

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„Willkomm Höft“ – davor der ehemalige Helgoland-Katamaran HALUNDER JET
Beim Passieren von Willkomm Höft, der Schiffsbegrüßungsanlage in Wedel, ertönte statt der Nationalhymne von Bahamas überraschend die deutsche Nationalhymne. Wer hatte denn da den Draht zum Begrüßungskapitän?

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Hamburger Yachthafen mit 2.000 Liegeplätzen

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Wedel und Kirche

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Leuchtturm Somfletherwisch, Baujahr 1900

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Das alte Leuchtfeuer Mielstack – außer Betrieb

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Leuchtfeuer und Ort Grünendeich

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Das alte Leuchtfeuer Juelssand – genannt „Der kleine Kohn“. Warum, weiß ich nicht,

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Das Südende der Elbinsel Pagensand

Und irgendwann später bei Passieren Glückstadt haben wir uns ganz schnell gestärkt, denn heute Abend war glücklicherweise noch kein „Programm“ angesagt. Das begann erst am nächsten Tag. Wir genossen leckeren Nordseebarsch mit mediterranem Gemüse.

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Als wir später in die Kammer zurückkamen, hatte unsere „Kammerfee“ unsere Schlafanzüge drapiert: Bei mir war es ein Segelschiff mit einer Welle, bei meiner Frau war es wohl eher ein Schmetterling.

Daneben lag das Programm für den nächsten Tag. Von 17.45 Uhr bis 18.45 Uhr soll eine persönliche Begrüßung durch den Kapitän Hubert Flohr und die Kreuzfahrtdirektorin Manuela Bzdega erfolgen. Anschließend soll das „Führungsteam“ auf der Bühne erscheinen. Und da das ganze unter dem Motto „Gala-Abend an Bord von MS AMADEA“ läuft, liest sich der auf der Rückseite des 4-seitigen Programms (!) befindliche Bekleidungsvorschlag wie folgt: “tagsüber leger, abends Galakleidung (Herren Smoking, Dinnerjacket oder eleganter Abendanzug, Damen entsprechend)“. Da dachten wir nur, „dat hest du di dacht.“ Ich hatte lediglich einen Blazer mit und der musste reichen, basta. Wir sollten noch sehen, wie die anderen Gäste kamen.

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Sonnenuntergang über Brunsbüttel

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Die Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal (r.)

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21.47 Uhr Sonnenuntergang

Wir genossen den Sonnenuntergang an der Elbe von unserem Balkon aus bei einem Gute-Nacht-Drink, als uns plötzlich eine „rheinische Frohnatur“ um die Absperrung herum begrüßte und uns eine gute Reise wünschte.

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Fahrt in die Nacht – Cuxhaven voraus

Gruß Ronald
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Ronald
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Kumulus » Fr, 29. Jun 2018, 16:52

Schön - ein neuer Bericht von dir, Ronald.

Ich freu mich!

Gruß
Martin
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Ronald » Fr, 29. Jun 2018, 16:56

Moin, Martin,
Danke - die Erstellung dieses Berichts ist der Grund, warum ich so wenig auf Bilderrätsel bin.
Und außerdem mussten ja die ganzen Frankreich-Fotos verarbeitet werden.
Morgen geht's weiter.
Gruß
Ronald
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Andrea.t77 » Sa, 30. Jun 2018, 0:00

Großartig! Was für ein toller Schreibstil.

Ich bin nun wirklich gespannt, wie es weitergeht.

Meinen Nordlandvirus habe ich ja auch von einer Phoenix-Kreuzfahrt, wir waren aber mit der Albatros unterwegs (Eure Reise in Gegenrichtung), auch bei einer zweiten Reise. Wir hatten beide Male Glück und tolle Reisen. Bin gespannt, was Euch so widerfahren ist - die Ironie in den Ankündigungen lässt ja noch einiges erwarten.

Welche Auslaufmeldodie hattet Ihr? Ich fand "Time to say good bye" gar nicht so schlecht :-)

Viele Grüße,
Andrea
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Dixi » Sa, 30. Jun 2018, 12:01

Hallo Ronald,
super, ein neuer Reisebericht über eine Kreuzfahrt. :D
Bin schon gespannt auf die Fortsetzung und ja, Vielen Dank für Deine Aufwendungen.

Viele Grüße
Dixi
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Dixi
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 2

Beitragvon Ronald » Sa, 30. Jun 2018, 14:13

Moin,
@ Andrea: Unseren Nordlandvirus haben wir schon seit 1995 nach der ersten Wohnmobiltour und ich noch früher durch meine Geschäftsreisen nach Oslo, Arendal und Bergen. Aber egal, woher die Infektion kam, diese lassen wir uns nicht nehmen.

@ Dixi: Danke!-
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Es folgt die Fortsetzung, jetzt aber in Norwegen.

Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 2
Sonnabend, 7. Juni 2012 – Auf See

Der erste Tag auf See. Meine Frau meint, das Schiff würde ruckeln. Ich meine, da muss man sich dran gewöhnen. Jedes Schiff verhält sich anders.

Draußen ist es zwar noch bedeckt und etwas kühl, aber die See ist spiegelglatt. Wir machen uns auf zum Frühstück, während andere Passagiere wohl schon aktiv waren, denn um 08.00 Uhr wurde schon Frühsport auf Deck 11 angeboten. Wer spirituellen Beistand brauchte, konnte um 09.15 Uhr einem Ökumenischen Gottesdienst beiwohnen.

Erste Erfahrungen mit Mitreisenden, von meiner Frau geschildert:
„Beim Frühstück habe ich das erste Passagiererlebnis auf dieser Reise. Ich warte am Tresen, wo ein Koch frische Rühr-, Spiegel- und sonstige Eier zubereitet. Neben mir eine Frau. Auf die auf Englisch gestellte Frage des Kochs, was sie essen möchte, antwortet sie: „One Rührei“, und bedeutet ihm mit Händen und Füßen nicht zu viel davon haben zu wollen. Fast entschuldigend sagt sie dann zu mir, sie wolle ja nicht zu viel essen. „Na ja“, antwortet ich mehr scherzhaft, „wir wollen ja auch satt werden.“ Da hätte sie keine Bedenken, meint die Frau. Überhaupt wäre das ja schrecklich. Eine halbe Stunde vor Frühstücksbeginn warten einige Leute ungeduldig vor der Tür. Das finde sie ganz furchtbar. Wenn sie das sehe, ginge sie direkt zurück in ihre Kabine und esse einen Keks. Überhaupt sei das ja schon dekadent, hier den Überfluss zu genießen, während andere Menschen hungern müssten.
Soweit die Weltanschauung dieser Passagierin. Ganz falsch ist sie zwar nicht, doch frage ich mich, warum sie mit dieser Einstellung nicht zu Hause geblieben ist. Dass man auf Kreuzfahrtschiffen überfüttert wird, dürfte hinlänglich bekannt sein.“

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Nach dem Frühstück gehen wir raus auf das Lido-Deck, auf dem sich auch der Pool und der Whirlpool befinden.

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Lido-Deck

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Die „Badelandschaft“ auf dem Lido-Deck

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Wir genossen unseren Kaffee draußen ….

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… mit Blick auf das Kielwasser

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… und die spiegelglatte (noch) Nordsee.

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Der Schiffsname spiegelte sich in der glatten See.

Einige Passagiere waren schon zum Frühstück im modischen Outfit erschienen, andere räkelten sich im Bademantel auf den Liegen vor dem Pool. Eine Freundin von uns meinte, dass das wohl Damen waren, die gar nicht so alt würden, wie sie jetzt schon aussahen. Ich weiß, das ist unfair, aber es war so.

Nächste Anekdote meiner Frau:
„Land in Sicht! Wir sind auf dem Weg nach Bergen und mittlerweile an der norwegischen Küste angekommen. Das veranlasst eine Frau zu der Frage: „Was ist denn das für Land dort drüben? Wo sind wir denn hier?“ Tja, was mag das wohl sein? Das Nirwana ist es jedenfalls nicht. Wir helfen ihren Geographiekenntnissen auf die Sprünge. „Ach so“, entfährt es ihr. „Und da auf dem Berg, was sind denn das für Gebäude?“, fragt sie weiter. Die „Gebäude“ sind Windräder, was eben solches Erstaunen hervorruft. Doch es gibt noch mehr amüsante Fragen. Zum Beispiel: „Die roten Dinger da drüben, was ist das denn?“ „Das ist ein Schiff.“ „Vom Roten Kreuz?“ Es gibt eben auch Schiffe mit roten Schornsteinen, die „AMADEA“ hat einen grünen, was einige auch noch nicht bemerkt haben. Dann hören wir Teile einer Unterhaltung wie folgt: „… Die müssen die Strecke von Norwegen bis zum Nordpol in soundso viel Wochen fahren. Nein, ich meine natürlich nicht Nordpol, sondern Nordkap.“ Oder: „Wie wollen Sie denn morgen den Bus bezahlen?“ Antwort: „Dann gebe ich norwegisches Geld oder Kronen.“

Phoenix-Reisen hatte ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, damit kein Passagier sich langweilen muss oder gar mit so einem Seetag gar nichts anzufangen weiß. Neben den Informationsvorträgen zu den Landausflügen fanden regelmäßig statt:
Frühsport, Golfspiel auf Deck 11, z.B. Abschlag ins Meer für Handicap-Spieler, Shuffleboard-Spiel, Frühschoppen („Genießen Sie einen herzhaften Doppelkorn“ – und das vormittags um 11.30 Uhr!), musikalische Untermalungen, Spiele-Treff (Bridge-, Rommé-, Doppelkopf-, Skat- und Brettspiele), Ratestunde Stadt-Land-Fluss, Boccia usw.
Wir hingegen genossen den Nachmittag auf dem Balkon in der Sonne und beobachteten den Schiffsverkehr und die See. Ich weiß, es gibt Menschen, die mit dem Blick auf das Meer nichts anfangen können. Da ich aber über 12 Jahre zur See gefahren bin, stellt sich das Meer für mich immer wieder anders dar, ob es nun die Wellen sind, die Farben, die Reflektion des Lichts und vor allem die Wolken. Hinzu kommen häufig die verschiedenen Vögel, manches Mal Schweinswale oder andere „Wassertiere“.

Jeden Tag nachmittags gegen 17.00 Uhr erschien unsere „Kammerfee“ Jenalyn, klopfte an der Tür und rief „Kanapee“ und brachte zwei kleine „Appetithäppchen“. Das war dann Zeit, darüber nachzudenken, wie wir den Abend verbringen wollten – wenn nicht etwas anderes, z.B. eine „Pflichtveranstaltung“ rief, wie z.B. heute Abend.

Also „warfen wir uns in Schale“, wie meine Frau meinte. Na gut, Blazer und Fliege hatte ich schon. Allerdings stellte ich fest, dass entweder das Hemd am Hals eingelaufen war oder ich am Hals dicker geworden bin. Also, wenn wieder so ein „Event“ kam, was tun? Neues Hemd kaufen. Wo? In Bergen, dem nächsten Hafen war Sonntag. In Ålesund würden wir erst um 17.30 Uhr ankommen, zu spät für die norwegischen Öffnungszeiten. Also warten bis Harstad.
Vor der Atlantik Lounge erwartete uns bereits eine lange Schlange von Passagieren, die auf den „begehrten Händedruck“ des Kapitäns wartete. „Einmal einen richtigen Kapitän die Hand geben“  - Später sollten wir vom Hoteldirektor erfahren, dass es Passagiere gibt, die unbedingt am Tisch des Kapitäns essen wollen …

Da kann ich nur mit einer Anekdote aufwarten. „Schatz, zieh Deinen Smoking an“, sagte die Frau zu ihrem Mann, „Wir sind heute Abend eingeladen, am Tisch des Kapitäns zu essen.“ Darauf erwiderte er: „Ich esse doch nicht mit dem Personal.“

Nach einer Viertelstunde waren wir dran. Der Kapitän begrüßte mich. Ich antwortete: „Guten Abend, Herr Kollege!“, woraufhin er mich kurz verdutzt ansah und dann fragte, wann und wo ich denn gefahren sei. Es ergaben sich zwei drei Sätze und schon mussten wir uns wieder „zwangsfotografieren“ lassen. Nur schade für die Fotografin, dass wir ihr kein Foto abgekauft hatten. Ach ja, und dann gab es noch einen Händedruck von der Kreuzfahrtdirektorin und dazu – was wohl? – „Antriebsmittel Sekt“.

In der Atlantik Lounge mussten wir noch eine Dreiviertelstunde bei Jazzgedudel warten, bis die Vorstellung des Führungspersonals begann. In der Zwischenzeit „musterten“ wir die Passagiere in ihren verschiedenen Verkleidungen: Damen in Lang mit und ohne Glitzer, ein Paar zog Jeanshose und Jeansjacke vor und dann kam der Höhepunkt der Verkleidung: Eine Dame mit knallroten Lippen in einem indianisch anmutenden Gewand samt Stirnband. Es fehlte nur noch die Feder am Hinterkopf, dann wäre die Kopie von Else aus der TV-Serie Ekel Alfred in der Silvesterausgabe komplett gewesen.

Nachdem die „Gladiatoren“ einmarschiert waren, begrüßte der Kapitän die Passagiere und erklärte den Reiseverlauf. Dabei „packte“ er Harstad auf die Lofoten – irgendwie peinlich. Wie sang noch Hans Scheibner, der norddeutsche Kabarettist: „Das macht doch nichts, das merkt doch keiner.“

Nachdem alle Personen vorgestellt waren, wurden wir auf die Restaurants losgelassen. Die Damen und Herrn in Lang und Fein und Smoking wandten sich stracks dem „feineren“ Restaurant Vier Jahreszeiten zu.

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Vier Jahreszeiten Restaurant

Wir hingegen fühlten uns im Restaurant Amadea wohler, nicht nur weil es dort nicht so formell zuging, es war auch heller und wir hatten von dort den Blick nach draußen auf das Lido-Deck. Auch waren die Tische kleiner. Das Essen war, wie gestern Abend, hervorragend: Fisch und Spargel.
Wer wollte, konnte nach dem Essen entweder
• Pianisten in der Vista Lounge zuhören,
• in Harry’s Bar unter der Begleitung von zwei Gesangskünstlern das Tanzbein schwingen oder
• mit der Amadea Showband in der Atlantik Lounge tanzen,
• im Bordkino einen Film sehen,
• in der Champagner Bar zu ausgewählter Musik eines DJ den Abend verbringen und zuvor
• die Willkommen an Bord-Show ansehen.
Alles nichts für uns! Ich weiß, wir sind schon schwierige Leute. Aber wir hatten die Reise gebucht, weil die norwegische Küste, Spitzbergen, Jan Mayen und Island reizten.

Jenalyn, die inzwischen erfahren hatte, dass ich selbst zur See gefahren war, begrüßte mich von nun an mit „Good morning/evening, Captain“ – und grinste dabei.

Während am ersten Abend die Passagiere an Deck auf der Fahrt elbabwärts aufgeschlossener und gesprächsbereiter waren, sind die, die wir heute trafen „mundfaul“ und ein Paar sagte uns auch ganz klar, dass man nicht an einer Unterhaltung interessiert sei. Dann eben nicht, liebe Tante! Und wir sollten noch weitere Passagiere dieser Art erleben.
Den Abend verbrachten wir nach erfolgter Klaviermusik zunächst in der Vista Lounge auf Decke 10. Die lag auf demselben Deck wie unsere Kammer, wir brauchen nur nach achtern zu gehen. Da es milde war, verzogen wir uns noch auf den Balkon mit „unverbaubarem“ Blick auf die Küste Norwegens.


Pfingstsonntag, 8. Juni 2014 - Bergen

Nach einer ruhigen Nacht – das Rumpeln merkten wir jetzt wohl weniger – näherten wir uns Bergen. Meiner Frau gelang es morgens gegen 03.30 Uhr den Sonnenaufgang über der norwegischen Küste einzufangen.

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Merke bei Schiffsreiseplanungen: Route ansehen, Karte ansehen, richtige Schiffsseite wählen, Kammer buchen. 

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Flaggenmast: Gastlandflagge Norwegen, Flagge H = Lotse an Bord – Nationalflagge Bahamas – V-Ships = Management-Flagge
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Gegen 08.00 Uhr liefen wir in Bergen ein. Die AMADEA machte am Skoltegrunnskaien, kurz Skolten fest.

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Während andere Passagiere in die Atlantik Lounge strebten, von der aus die einzelnen Landausflüge abgewickelt wurden, konnten wir in Ruhe die Ruhe beim Frühstück genießen. Der erste Landausflug sollte nämlich bereits um 08.20 Uhr beginnen.

Neben der AMADEA lag die OCEAN PRINCESS, die uns in der Nacht überholt hatte. Wir sollten diesem Schiff noch öfter begegnen. Wir beobachteten, wie die ersten Passagiere das Schiff über die Gangway verließen. Sie wurden bereits erwartet. Vom wem? Überraschung: Von der Bordfotografin! Na ja, es gibt eben Leute, die ohne Kamera durch die Welt reisen und die holen sich so am Ende der Reise ihre Erinnerungen ab.

Heute war Sonntag - Pfingstsonntag -, die Geschäfte waren ohnehin geschlossen und da das Schiff erst um 17.00 Uhr auslaufen sollte, konnten wir nach dem Frühstück in Ruhe durch Bergen bummeln. Wobei es mit dem Bummeln nicht so ganz lief, denn meine Frau hatte starke Schmerzen im linken Schienbein. So humpelten wir dann eben langsamer als üblich über das Kopfsteinpflaster. Vorbei ging es an uns wohlbekannten Straßenschildern mit vertrauten Ortsnamen,

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der Festung Bergenshus mit der Håkonshalle aus 1261

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und dem Rosenkrantztårnet aus dem 16. Jahrhundert.

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Ebenfalls in Bergen lag die HANSE EXPLORER, ein ehemaliges Ausbildungsschiff der Bremer Reederei Harren & Partner. Zur Pfingsten wurde es wohl als „Exklusiv-Kreuzfahrtschiff“ genutzt, denn das Schiff verfügt über 6 Kabinen, Bar, Restaurant und Fitnessraum.

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Bei bedecktem Himmel aber angenehmen Temperaturen hatten wir einen schönen Blick über das große Hafenbecken „Vågen“ genannt, also „die Bucht“.

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Auf der nördlichen Seite der Bucht befindet sich Bryggen, die verwinkelten Holzhäuser mit den Hinterhöfen. Dahinter erhob sich einer der beiden Hausberge von Bergen, der 643 m hohe Ulriken. Dass Pfingsten war, merkte man auch an der großen Anzahl der am Kai liegenden Freizeitboote – manche von ihnen waren regelrechte „schwimmende Gin-Paläste“.

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Der andere Hausberg ist der 399 m hohe Fløyen, zu dem Skandinaviens einzige Standseilbahn führt, die vom Stadtzentrum abfährt und nach 850 m Fahrtstrecke dort oben ankommt. Und wer hätte etwas anderes vermutet? Die Wagen der Fløyenbane wurden in der Schweiz, dem Land der Seilbahnen hergestellt. Allerdings hat Bergen nicht nur diese beiden Berge zu bieten, sondern es sind insgesamt sieben.

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Am Kai lag die kleine Fähre BEFFEN, die zwischen Nordnes und Brådbenken verkehrt. Sie wurde 1977 gebaut und 2015 durch eine neue, elektrisch betriebene Fähre abgelöst. Der Name BEFFEN leitet sich ab aus der Abkürzung für die 1894 gegründete „Bergen Elektriske Færgeselskap“ – B.E.F.

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Die Wappen von links nach rechts: Lübecker Bergenfahrer, Hansestadt Lübeck, Hansestadt Hamburg, Hansestadt Bremen

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Vorbei ging es am Hanseatischen Museum, in dessen Anbau sich ein Hotel befindet.

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Finnegaarden ist ein historisches Restaurant, gleich im Anschluss an das Hotel.

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Oberhalb der „Talstation“ der Fløyenbahn befindet sich am Øvre Blekveien die Skansen Brannstasjon. Von hier aus wurde eine Brandwacht gehalten, die bei Feuer Alarm schlug.

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Am Vågsallmenningen, der „Gemeine Markt der Bucht“, steht die Statue des dänisch-norwegischen Dichters Ludwig Holberg, einer der bedeutendsten Dichter, Schriftsteller und Gelehrten Norwegens. Er lebte von 1684 bis 1754

Hier kann man mehr erfahren: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludvig_Holberg

Ich erwischte dieses Mal einen der wenigen Momente, in denen keine Möwe auf seinem Kopf saß.

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In der Bergener Börse von 1862 befindet sich heute ein Steakhaus mit dem Namen „Matbørse“ – Speisebörse.

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Vom Fischmarkt, der auch an diesem Pfingstsonntag mit seinen Fischständen und auch Souvenirständen geöffnet hatte,

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… fuhr die kleine Fähre VÅGEN zu einer kleinen Hafenrundfahrt ab.

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Wir spazierten weiter durch die menschenleere Strandgaten, an deren Fahnenmasten noch die norwegischen Fahnen vom 17. Mai hingen.

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Die alte Schwanen-Apotheke mit ihrem imposanten Eingang.

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Wir „dackelten“ zurück und wollten von Bryggen die kleine BEFFEN zur Fahrt nach Strandsiden und Nordnes nehmen, denn unser Ziel war das Aquarium.

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Dabei kamen wir an der schönen Häuserfront der Kong Oscars gate vorbei.

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Von der BEFFEN hatten wir einen Panoramablick auf Bryggen …

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… und auf die imposanten „Anchor Handling Supply Tugs“, also die großen Assistenzschiffe für die Ölplattformen. Bei einer Verlegung der Plattformen ziehen die großen „Schlepper“ die schweren Ankerketten der Plattformen zur neuen Position. Zugleich transportieren sie auf ihren riesigen Decksflächen Bohrgestänge und Versorgungsgüter.

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Gegen Mittag hatten wir Nordnes erreicht und passierten Bekketomten, die kleinste Straße Bergens mit 16 m Straßenlänge. Hier kann man mehr lesen und woher der Name kommt: http://www.bergen-guide.com/192.htm

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Dieser alte Stadtteil von Bergen fasziniert uns immer wieder und bei fast jedem Besuch laufen wir hier durch.

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Hier steht auch das „Ballasthandlerolsenske hus“. In diesem Haus wohnte zur Zeit der Segelschifffahrt der „Ballasthändler“ Olsen. Ballast war wichtig für leere Segelschiffe, damit diese mit ihrem im leeren Zustand hohen Gewichtsschwerpunkt nicht kenterten. So wurde dann vom Reeder bzw. dem Kapitän nach dem Löschen der Ladung Ballast eingekauft, um ein sicheres Schiff zu haben.

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Nun waren wir an unserem Ziel des heutigen Tages angekommen, rechtzeitig zur Fütterung der Seelöwen.

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Das erste Mal waren wir im Bergen Aquarium 1995 auf unserer Wohnmobiltour. Dort hatten wir schon herrliche Aufnahmen von den Pinguinen gemacht.

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Dies schien eine Pinguinkonferenz gewesen zu sein.

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Kabeljau & Co.

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Steinbeißer

Das Aquarium ist wirklich sehenswert. Hier schwamm alles, was wir gerne später auf dem Teller vorfinden würden: Kabeljau, Steinbeißer,

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Ørret (Lachsforelle) – unser Favorit.

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„Watch out for flying penguins“ :D

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Platsch!

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Wir sahen noch einige Zeit den Pinguinen und ihren Spring- und Tauchkünsten zu, bevor wir uns langsam wieder auf den Weg zum Schiff machten.

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Dies ist die „Bergen Nordnes Stiftelsen“, ein Altersheim für Seeleute. In Norwegen drückt man sich nicht so geschroben aus wie „Seniorenresidenz“, „Elbschloss Residenz“ oder „Augustinum“ (siehe Auslaufen Hamburg“, hier heißt es eben richtig „Sjøfarendes aldershjem“.

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Das Freibad Bergen Nordnes Sjøbad, das am 14. Juli 1910 eröffnet wurde. Heute bietet es eine 25 m lange Bahn und das Salzwasser (!) ist im Sommer auf 25° erwärmt.

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Es war 14.00 Uhr und die mit Flüssiggas (LNG – liquified natural gas) betriebene BERGENSFJORD lief aus Bergen aus, Richtung Stavanger und Hirtshals.

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Das Dampfschiff GRANVIN von 1931. Glücklicherweise erinnert man sich in Norwegen seiner maritimen Tradition und legt sehr viel Wert auf den Erhalt alter Schiffe, die heute liebevoll restauriert von vielen Ehrenamtlichen unterhalten und betrieben werden.

Im „Bunnpris“ deckten wir uns noch mit Mineralwasser ein, wie wir es eigentlich auf jeder Norwegenreise taten, gleich ob Schiff oder Hotel. So kostet jetzt eine 0,75 l Flasche Mineralwasser 2.70 €, in Norwegen im Supermarkt eine 1,5 l Flasche Farris dagegen 2,70 € (damaliger Wechselkurs). Meine Frau meinte: „Irgendwo muss man ja sparen.“ :lol:

Wir waren um 15.15 Uhr wieder an Bord und konnten so in Ruhe unsere Kaffee trinken und die leckeren Kuchen genießen, die täglich geboten wurden.

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Rechtzeitig wurde die Gangway eingeholt – und auch das „Willkommen zu Hause“–Schild wurde nicht vergessen.
Kurz vor 17.00 Uhr standen wir, wie viele andere Passagiere auch, an Deck, um das Auslaufen zu beobachten und noch das eine oder andere Foto von Bergen zu schießen. Allerdings, es passierte nichts. Der Lotse war an Bord und Kapitän, Staffkapitän, Kreuzfahrtdirektorin und Lotse standen in der Brückennock. Die Brücke befand sich auf Deck 9, so dass wir von Deck 11, dem Sonnendeck stets auf die Brückennocken gucken konnten.

Irgendwann kam die Durchsage, dass man ein kleines Maschinenproblem haben würde, dass aber bald behoben sein würde. Nach einer halben Stunde kamen drei lange Töne und die unvermeidliche Auslaufmelodie (die uns immer noch in den Ohren „hängt) ertönte, sowie die Babystimme: „MS AMADEA verlässt Bergen in Norwegen. Nächster Hafen: Geiranger in Norwegen.“ Wer hätte das gedacht?

Meine Frau meinte, dass die Auslaufmelodie wohl einer Passagierin auf unserer letzten FRAM-Reise wohl gefallen hätte, denn sie bemängelte auf der FRAM, dass keine Auslaufmelodie ertönte. So unterschiedlich sind die Menschen. Meine Frau zitiert dann immer Bundeskanzler Adenauer, der gesagt haben soll: „Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt's nicht.“

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Noch ein Blick auf Bryggen …

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… und Bergenhus

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Am Kai lag immer noch die OCEAN PRINCESS …

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… und am Hurtigrutenterminal die KONG HARALD. Ihr sollten wir noch zwei Mal begegnen. 2008 haben wir mit diesem Schiff unsere zweite Hurtigrutenreise Bergen-Kirkenes und retour unternommen.

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Blick auf Nordnes

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Vor uns lag die Askøybrua und die Sonne ließ das Wasser silbern glänzen.

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Noch ein Foto von der Herdla Kirche in Strusshamn auf Askøy und dann war mein Fototag zu Ende.
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Wir blieben noch ein bisschen an Deck, bis es zu kühl wurde und wir uns zum Abendessen nach innen verzogen. Wir genossen wieder leckeren Fisch mit Gemüsen und Reis.

Ach ja, der Bekleidungsvorschlag lautete für heute: „tagsüber leger, abends: leichte Eleganz (Herren lange Stoffhose, Hemd mit oder ohne Krawatte, gerne Pulli oder Sakko; Damen entsprechend“. Später nannten wir die leichte Eleganz „lästige Eleganz“ – aber vernünftig angezogen waren wir schon.

Den Abend verbrachten wir in unserem privaten Reich, ließen uns die Getränke aus der Vista Lounge (ohne Mehrkosten) auf die Kammer bringen, genossen die Aussicht auf die Küste und sicherten und sichteten unsere Fotos.
Soweit der erste Tag in Norwegen.
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Da wir ja nun schon mehrfach an der Küste waren, haben wir auf geführte Ausflüge in Norwegen verzichtet und sind auf eigene Faust losgezogen. Das hat uns zwischen Ankunft und Abfahrt des Schiffes sehr viel Freiheit in der Zeitgestaltung gegeben. Auch „mussten“ wir nicht zu den Mahlzeiten an Bord sein, wenn das Schiff im Hafen lag. Obwohl – ja, das haben wir auch gehört – „man ja auch für die Mahlzeiten bezahlt hatte.“ Aber deswegen ließen wir uns doch nicht unsere Streifzüge durch das schöne Norwegen nehmen!
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Man kann sich jeden Tag ärgern, aber man ist nicht verpflichtet dazu!
Ronald
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Badener1972 » Sa, 30. Jun 2018, 14:45

Herzlichen Dank Ronald auch für diesen zweiten Teil Deines "blumigen" Reiseberichts.
Zwischendurch schilderst Du die Geschehnisse so lebendig, das man direkt meint, selbst dabei gewesen zu sein. :)
Jetzt schon freue ich mich auf die weiteren Teile.

Liebe Grüße
Wolfgang
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Ronald » Sa, 30. Jun 2018, 15:27

Moin,
Danke Wolfgang!
Und hier kannst Du weiter mitreisen :D
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 3
Pfingstmontag, 09. Juni 2014 – Geiranger – Storfjord – Ålesund

Über Nacht hatte sich die AMADEA langsam in den Storfjord eingeschlichen. Gegen 04.30 Uhr blinzelte ich nach draußen und schon war ich selbst draußen auf dem Balkon – mit der Kamera, denn wir glitten am Hjørundfjord vorbei

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Und vor uns lag der Storfjord

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Kurze Zeit später ist auch meine Frau draußen, während ich mich noch einmal umdrehte. Allerdings war ich heute Morgen schon zwei Stunden später frisch geduscht, jedoch noch ohne Frühstück wieder auf dem Balkon, als wir bei Gjerkland in den Geirangerfjord eindrehten.

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Gjerkland – Geirangerfjord

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Ljosurtåna - Geirangerfjord

Jetzt tauchte an Steuerbord der 240 m hohe Ljosurfossen auf.

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Ljosurfossen

Keine fünf Minuten später passierten wir an Steuerbord (wie sollte auch anders sein aus der Kammer heraus?) den bekannten Wasserfall Skageflåfossen, auch Friaren oder Freier genannt, dessen höchster freier Fall 125 m beträgt und insgesamt 400 m hoch sein soll.

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Friaren - Skageflåfossen

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Skageflåfossen

Der Freier liegt gegenüber dem berühmten Wasserfall De syv søstre, der Sage nach Sieben Schwestern genannt. Der Freier erhielt seinen Namen nach folgender Sage. Jede der sieben Schwestern wurde vom Freier gefragt ob sie seine Frau werden wolle. Dies soll von allen Schwestern verneint worden sein, wonach er sich dem Trank hingab, wie man unschwer aus der Form der Flasche erkennen kann, die der Wasserfall Freier nach seiner Abweisung annahm.

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Gemeinsam mit meiner Frau stehen wir auf dem Balkon und halten die Einfahrt in den Geirangerfjord fest.

Kurz vor der letzten Drehung am Gebirgsvorsprung Skagen ...

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Skagen

… können wir hoch oben einen Troll ausmachen.

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Troll bei Skagen

Hinter uns lagen die Sieben Schwestern, die wir bei der Ausfahrt noch besser „einfangen“ können.

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Sieben Schwestern - Knivsflåelvane

Mittlerweile sind wir an Deck gegangen – war ja nur ein Deck höher – und hatten einen schönen Ausblick auf den Ørnevegen, die Adlerstraße, die einzige Straße, die nach Norden aus dem Geirangerfjord hinausführt. Der RV 63 ist 8km lang und hat eine Steigung bis zu 10%. Mehr findet man hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Adlerstra%C3%9Fe

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Ørnevegen

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Auf diesem Foto kann man einen Reisebus erkennen, der wohl für die „Ausflügler“ eines der Schiffe bestimmt ist und wohl zurück über die Adlerstraße und dann den Trollstigen nach Ålesund fahren wird.

Während die AURORA von P&O-Cruises bereits im Geirangerfjord „vermoort“ lag, kam die OCEAN PRINCESS hinter uns eingelaufen.

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AURORA

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OCEAN PRINCESS

Die AURORA kann 1.870 Passagiere aufnehmen. Da waren wir mit unseren maximal 600, aktuell 488, Passagieren erfrischend klein. Die AURORA hatte ihre Vorleinen an Festmachertonnen festgemacht (ausgebracht) und die Heckleinen an Land. In der Fachsprache heißt diese Art der Vertäuung „vermooren“.

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Tender Operation Geiranger

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AMADEA vor Anker

Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir gegen 10.30 Uhr an Land. Die ersten Ausflügler mussten ja schon um 07.50 Uhr an Land sein für eine Wanderung zum Berg Westerås. Die anderen Ausflügler folgten im 20 Minuten-Takt. Und in der Tat, lese ich gerade, dass auch von unserem Schiff um 10.00 Uhr eine Überlandfahrt nach Ålesund abging.

Auf dem Fjord herrscht ein reger Tenderbootverkehr. An Land sind für jedes Schiff zwei Gassen aufgemacht, eine für die „Landgänger“ und die andere für die „Rückkehrer“. An Land sind jeweils „Getränkestationen“ aufgebaut, damit die Passagiere nach der langen Tenderbootfahrt nicht verdursten – oder aber, die an Land kein Geld für einen Kaffee oder ein Eis ausgeben wollten, und hier der Dehydrierung vorbeugen konnten..

Wir bummeln, so gut es ging, zwischen den englischen, deutschen, japanischen, spanischen, italienischen usw. Touristen durch den Ort und an den gerammelt vollen Souvenirshops vorbei zur Grindalselva.

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Geiranger Café

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Geiranger Smånipene jeweils 1.175 m und 1.176 m hoch

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Geiranger

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Mündung der Grindalselva

Es ist Mittsommernachtszeit (fast) und da tummeln sich auch alle Wohnmobil- und Wohnwagenfahrer sowie „Automobilisten“ an diesem Weltnaturerbeplatz Geiranger, der dann wohl nicht mehr DIE Natur bietet, die man sich so erhoffte. Der Wohnmobilplatz war ebenso gerammelt voll wie die Souvenirgeschäfte.

Wir versuchten, soweit und so gut wie möglich an die Grindalselva heranzukommen, die mit mächtigem Getöse in den Fjord floss. Nur, der Aufstieg war trotz der an beiden Seiten befindlichen Geländer nicht mehr so einfach für uns.

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Grindalselva

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Grindalselva

Auf fast halber Strecke machten wir unsere Fotos und konnten sehen, wie die KONG HARALD in den Geirangerfjord „eindampfte“ – im wahrsten Sinne des Wortes.

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KONG HARALD

Das Deck 5 auf der KONG HARALD war vorne an Bug gerammelt voll, denn das Einlaufen in diesen Fjord wollte sich natürlich keiner der Passagiere entgehen lassen.

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KONG HARALD

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Nahe des Ufers befanden sich drei Personen im Bott und angelten. Da fällt mir dann ein, dass ich immer gefragt werde, ob ich denn auch angle, wenn wir nach Norwegen fahren. Nee, tun wir nicht, wir wollen was von der Landschaft genießen.

Meine Frau hat wieder eine Anekdote festgehalten.

„Beim Tenderboot angekommen, geht das Gedränge wieder los. Eine Frau (es ist die Krankenschwester von unserem Schiff) rennt mit ihrer Eistüte nervös auf das Boot zu, doch das ist voll. Sie muss wohl oder übel auf das nächste Boot waren. „Inzwischen schmilzt das Eis“, beschwert sie sich. Das ist dann ja wohl Pech. Offenbar wollte sie es jemandem an Bord mitbringen. Wer zu spät kommt, den bestraft eben die Wärme.“

Um 13.00 Uhr verabschiedete sich die AMADEA vom Geirangerfjord, natürlich nicht ohne Auslaufmelodie und Babystimme, wohin es nun geht.

Während wir die tollen Aussichten auf die Wasserfälle Sieben Schwestern, Friaren, Brautschleier und noch einmal den Ljosurfossen und die Fahrt durch den Sunnylvsfjord und später den Storfjord mit den mächtigen steil aus dem Fjord aufragenden Bergen bei trockenem Wetter mit besten Aussichten genießen, können andere Passagiere folgende Aktivitäten wahrnehmen:
14.15 Uhr Spiele-Treff – Bridge, Doppelkopf, Rommé usw. – unter Deck
14.30 Uhr Stadt-Land-Fluss – unter Deck
15.00 Uhr Nordic Walking – an Deck
15.15 Uhr Dart – an Deck

16.00 Uhr Zumba – unter Deck
16.15 Bingo – unter Deck

Wir widmeten uns, wie gesagt, dem Fjord und den Ansichten.

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Dej sju systrene - Knivsflåfossen

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Dej sju systrene - Knivsflåfossen

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Friaren – Skageflåfossen

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Dej sju systrene - Knivsflåfossen

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Dej sju systrene – Knivsflåfossen

Hat es während der Wintersaison nicht genügend geschneit, dann zeigen sich statt der sieben nur fünf oder gar vier Schwestern

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Sieben Schwestern und Freier

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Auch der Brautschleier zeigte sich nicht so ganz schleierig.

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Matvika seter

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Lundaneset

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Smogehornet mit 1.446 m, Tretindanibba mit 1.528 m

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Nokkenibba 1.380 m

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Stokke – Oaldsbygda Sunnylvsfjord. Wenn man bedenkt, dass dort oben Landwirtschaft betrieben wird, das ist schon erstaunlich und anerkennenswert, weil dadurch ja auch die landschaftliche Erosion vermieden wird.

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Hier kommt noch eine hoch gelegene Alm: Litle Sætra

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Litle Sætra

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Ein schöner Ausblick bietet sich hier auf Dyrkorn.

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Røneset

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Furstranda

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Das 866 m hohe Rømerhornet am Sykkylven

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Der 911 m hohe Festøykollen am Hjørundfjord

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Das Skafjellet bei Hareidlandet bietet sich als Geier oder als Gespenst dar.

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Beeindruckend sich auch die 1.277 m hohen Vassdalstinden

Bevor wir nun in Ålesund einliefen, machten auch wir eine kleine Kaffeepause, aber nur für eine halbe Stunde.

In Ålesund machten wir um 17.15 Uhr an der Storneskaia fest, an der auch ein „klassischer Kreuzfahrer“ lag: Die AZORES unter der Flagge Portugals, bzw. dessen Zweitregister Madeira. Dieses Schiff hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Es wurde 1946 als STOCKHOLM in Dienst gestellt. Es wurde seinerzeit als sicherstes Schiff bezeichnet. Im Juli 1956 hatte sie von New York kommend in einer Nebelbank eine Kollision mit der italienischen ANDREA DORIA, bei der sie eine starke Schlagseite entwickelte. 1706 Passagiere waren auf der Stockholm an Bord, 46 Menschen starben, auf der STOCKHOLM fünf. 1960 wurde die STOCKHOLM an die DDR verkauft, die es in VÖLKERFREUNDSCHAFT umtauften. Es folgten weitere Eigentümer, wie man hier nachlesen kann:

https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm_(Schiff,_1948)

Ein Nachsatz noch: Das Schiff hatte bisher 12 Namen und ist das älteste noch in Fahrt befindliche Kreuzfahrtschiff.

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Ålesund und AZORES

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Aksla, der Hausberg von Ålesund

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Ålesund – Jugendstilstadt, wie man unschwer erkennen kann.

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Der Ålesund

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Ålesund

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Olsvika auf Heissa

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Kurz nach 19.00 Uhr verließen KONG HARALD (die dritte) und AZORES Ålesund …

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… und wir gegen 19.30 Uhr

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Noch ein letzter Blick auf den Aksla.

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Wir passierten das auf einer Steinmole liegende Leuchtfeuer Hogsteinen mit seinem 11 m hohen Turm. Es ist ein alter Ziegelsteinturm aus dem Jahr 1857. Das alte Leuchtfeuer wurde 1905 gelöscht und durch das kleine Leuchtfeuer auf dem Turm ersetzt. Da der Turm aus Ziegeln gemauert ist und Ziegel ein seltenes Baumaterial in Norwegen ist, wurde der Turm unter Denkmalsschutz gestellt.

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Durch den Heissafjord und Breisund fuhren wir nun nach Norden und nahmen Kurs auf den Svartisen-Gletscher, der – wie wir von der Babystimme erfuhren – ebenfalls in Norwegen liegt. Was Wunder!

Leider fuhren wir sehr weit von der Küste entfernt, so dass wir an diesem Tag keine weiteren Fotos hatten. Und für den Rest des Tages lasse ich wieder einmal meine Frau erzählen.

„Abends findet die Polartaufe statt – obwohl wir diesen erst morgen überqueren werden. Wir halten uns dieser Inszenierung fern, denn Rasierschaum in den Haaren und irgendwelches eklige Zeug im Mund müssen wir uns nicht antun. Danach findet natürlich die Taufparty statt. Es gibt auf diesem Schiff immer einen Grund für eine Party. Wir verpassen das gesamte Spektakel in der Vista Lounge, wo wir später mit dem Schiffspastor ins Gespräch kommen. Er gesellt sich zu uns an den Tresen. Zu dem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass es sich bei diesem Herrn um den Pastor handelt. Ich frage ihn, ob er auch die Polartaufe mitgemacht hat. „Ja, wieso, sieht man noch was?“, fragt er zurück. „Nein, was sollen wir denn sehen?“ „Die haben mir Rasierschaum in die Haare geschmiert, ich musste danach erstmal duschen, bevor ich mich wieder unter Menschen wagen konnte.“ Glücklich sieht er dabei nicht aus. Gut, dass wir uns dezent zurückgehalten haben! Eine Seefahrt, die ist lustig?
Den Rest des Abends verbringen wir mit dem Pastor an der Bar bei interessanten Gesprächen über Weltanschauungen, teils fast philosophisch, die Begrifflichkeit der Religionsausübung sowie private Themen. Er ist ein sehr weltlich denkender und agierender Mensch, wie wir im Laufe des Abends erfahren. Wenn kein Ausflug ansteht, führt er jeden Morgen einen ökumenischen Gottesdienst durch. Offenbar folgen ihm dann einige Schäfchen in die Vista Lounge, wo dieser stattfindet. Auf uns muss er allerdings verzichten. Wir schlafen lieber länger.

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Gruß
Ronald
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon EuraGerhard » Sa, 30. Jun 2018, 15:49

Hallo Ronald,

schöner Bericht!

Nur das mit der "einzigen Standseilbahn Skandinaviens" stimmt nicht ganz. Im Skansen in Stockholm gibt es auch eine: Skansens bergbana

MfG
Gerhard
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Ronald » Sa, 30. Jun 2018, 16:41

Moin,
Danke Gerhard für die Information.
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Und es geht in den nächsten Tag, weil Morgen Sonntag ist. :D
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 4
Dienstag 09. Juni 2014 – Helgelandküste – Svartisen-Gletscher


Beginnen wir den Tag mit einer Schilderung meiner Frau über ein „ganz besonderes Ereignis“, für das wir bereits gestern Abend eine Einladung erhalten hatten.

"Wir haben schon wieder eine Einladung gekommen! Für heute, 11 Uhr, sind wir in den „Kapitänsgarten“ zu einem Cocktailempfang eingeladen worden. Diese Einladung gilt nur für Gäste mit Gold- und Silber-Service. Wir haben den Silber- Service. Das ist ja gaanz toll!! Der Kapitänsgarten befindet sich vorne auf Deck 7, dort gibt es einen kleinen Bereich nur für die Besatzung. Misstrauisch gehen wir los und peilen die Lage. Ach du meine Güte. Es drängen sich bereits die „Kapitänsflüsterer“. Wie sollen die denn alle in den kleinen „Garten“ passen? Schon beim Anblick dieses Massenansturms haben wir die Nase voll und lassen Einladung Einladung sein. Es fällt ganz sicher nicht auf, wenn wir nicht teilnehmen. Was sollen nur solche offiziellen Auftritte? Diese Art Verpflichtungen haben wir während unseres Berufslebens genug gehabt, jetzt wollen wir nur noch Freizeit und keinen Freizeitstress. Stattdessen unterhalten wir uns lieber an der Reling mit einem netten Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen. Ab und zu erscheinen Schweinswale an der Wasseroberfläche. Das ist viel schöner als Small Talk im Kapitänsgarten."

Soweit die Einladung „Cocktail im Kapitänsgarten“, zu dem sicherlich wieder Sekt gereicht wurde.
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Über Nacht und während des Vormittags hat sich die AMADEA leise, still und gar nicht heimlich, weil von der norwegischen Kystvakt beobachtet, von Ålesund zur Lotsenstation Åsvær bewegt. Abfahrt Ålesund 20.00 Uhr, Ankunft Åsvær 15.00 Uhr, demnach 275 sm Distanz, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,5 kn entspricht. Das Schiff hat zwar eine Höchstgeschwindigkeit von 21 kn, die wohl aber selten ausgenutzt wird ob des unverhältnismäßig ansteigenden Treibstoffverbrauchs.

Und wer noch weitere Daten nachlesen möchte, bitte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Amadea_(Schiff)

Wir befanden uns nun an der so beliebten Helgelandsküste im Nordland. An Backbord wird das 623 m hohe Lovundfjell auf der Insel Lovund von einer Wolkendecke umgeben. Es sah aus, als stünde ein Vulkanausbruch bevor. Da Lovund aber keinen Vulkan hat, war nichts zu befürchten.

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Auch Træna in 26 km bzw. 14 sm Entfernung war bei dieser Sicht gut auszumachen.

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Und ob der ruhigen See und der guten Sicht gab der Schärgarten von Lurøy ein tolles Bild ab.

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Wir erreichten nun langsam die Lotsenstation Åsvær. Das Lotsenboot LOS 122 kam mit voller Geschwindigkeit von Süden herangeprescht, Ein tolles Bild bei dieser spiegelglatten See.

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Das Boot LOS 122 wurde am 26. August 2011 getauft und ist bei der Lotsenstation Sandnessjøen stationiert, wie ich vermutete, weil es aus Süden kam. Das Lotsenversetzboot hat zwei Motoren mit insgesamt 650 PS, die eine maximale Geschwindigkeit von 28 kn, also knapp 52 km/ ermöglichen.

Quelle: http://www.kystverket.no/Sok/?q=Sandnes ... losstasjon

Dem Seehandbuch DEN NORSKE LOS 5 konnte ich später entnehmen, dass die Lotsenvermittlungszentrale in Lødingen die Lotsenbestellung für Nordland zuständig ist und die Lotsen für Åsvær auf der Position 66^17,0‘ N und 012° 13,0‘ E, der „losmøtesteder“ also dem „Lotsentreff“ erfolgt.

Nun aber zum Leuchtfeuer Åsvær.

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Averøy fyr – Andersbakken

Die Leuchtfeuerstation von Åsvær liegt auf einer großen Schäre oder auch kleinen Insel, je nachdem, wie man das Wort „holme“ aus dem Norwegischen übersetzt bzw. von Heinzelnisse übersetzen lässt. Und diese Insel/Schäre heißt Andersbakken, die auf der Südseite des Åsværfjords und nördlich von Donna liegt. (Nun haben wir das eingegrenzt wie beim Bilderrätsel  )

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Neuer Turm und alter Turm

Das erste Leuchtfeuer wurde 1876 in Betrieb genommen. Es wurde nach einem Unwetter außer Betrieb genommen. Der neue konisch zulaufende, 18,5 m hohe Gusseisenturm, der auf einem Sockel aus behauenen Steinen steht, wurde zusammen mit der aus Wohnhaus, Maschinenhaus, Lager und dem Weg zum Anleger 1919 in Betrieb genommen. Der „Riksantikvar“, gewissermaßen der Ombudsmann der die höchste Aufsicht über Norwegens Kulturgüter hat, beschreibt in seinem Buch, dass die Silhouette des Turmes eine „dramatische Wirkung in der Meeresmündung“ hat. Die Station wurde 1978 automatisiert und die Besatzung 1980 abgezogen. Die Anlage steht und Denkmalschutz seit 2000.
Quelle: http://www.fyr.no/fyrene/fyrene-nord/no ... fyrstasjon

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Åsvær fyrstasjon

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Das Lotsenboot drehte ab, kehrte zurück, und wir fuhren nun weiter. In einem Schiffstagebuch auf einem Schiff unter deutscher Flagge würde nun folgender Eintrag zu lesen sein: „Fahren nach Kapitänsanweisung unter Lotsenberatung entlang der Helgelandküste.“

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Über Tomma hing auch so eine „Vulkanausbruchswolke“ – es tat sich aber nichts, was auch gut war.

Und dann, ich traute meinen Augen nicht und konnte es auch erst später Zuhause bestätigen, wir konnten vier der Sieben Schwestern, der Sju søstre, entdecken – 36 km Entfernung. So gut war die Sicht.

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Sju søstre

Während sich in Harr’y Bar die Ärztekolleginnen und –kollegen auf Einladung des Schiffsarztes zu einem «Ärztetreff» einfanden, sichteten wir die ersten Papageitaucher.

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Während wir den 922 m hohen Tommskjeleven auf Tomma ...

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... und den Hestmonkallen auf Selsøya ausmachten, trafen sich die Mitglieder von Service Clubs (Rotary, Lions, Kiwanis etc.) zu einem «zwanglosen Gedankenaustausch» in der Bibliothek. Nur gut, dass das nicht auch noch zu einem Juristentreff gerufen wurde, das hätte mich hart getroffen   

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Die Wolken spiegelten sich ganz toll im fast glatten Wasser des Nordåsværfjords.

Außer uns waren nur ganz wenige Leute an Deck. Offensichtlich war ihnen diese spektakuläre Helgelandküste nicht spektakulär genug. Machte aber nichts, denn so hatten wir auf dem Deck 11 freien Auslauf von einer Seite zur anderen, den wir mit einem weiteren fotografierbegeisterten Passagier teilten und uns gegenseitig zuriefen, wann wir wo welche Vögel sahen oder welche Inseln auszumachen waren.

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Kardaksfjellet, 967 m, auf Aldra

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Und jetzt noch besser zu erkennen, der 571 m hohe Hestmonkallen. Wir fuhren jetzt durch den Stigfjorden.

Und plötzlich kamen dann doch noch einige andere Passagiere an Deck, wohl, um das zu fotografieren, wofür sie gestern Abend schion getauft wurden: Die Polarkreiskugel tauchte auf.

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Die Höhlen von Tonnes und die Polarkreiskugel auf der Schäre Vikingen.

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Tonnes und Vikingen in der Kommune Lurøy. Um 16.53 Uhr passierten wir den nördlichen Polarkreis. Ich weiß gar nicht, wie oft wir den schon passiert hatten, gleich ob mit Hurtigruten, auf dem Landweg mit dem Auto oder mit der Fähre von Kilboghavn nach Jektvik.

Meine Frau schreibt:

„Überquerung des Polarkreises.
Sogar die vielen Glitzer-Ladies mit Goldschühchen, Handtäschchen und Schmuckgebamsel erscheinen an Deck. Doch kaum sind wir an Vikingen mit dem Globus vorbei und der Kapitän hat den Polarkreis gebührend mit drei langen Tönen aus dem Typhon begrüßt, sind sie auch schon wieder nach drinnen zu ihrem Cocktail verschwunden. Wir haben das Deck wieder für uns.“


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Kurze Zeit später präsentierte sich für uns an Backbordseite der wohl schlafende Rødøyløva – nur 443 m hoch aber immer wieder imposant anzuschauen.

Jetzt machten auch wir eine kleine „Proviantpause“, um rechtzeitig zum Eindrehen in den Holandsfjord wieder an Deck zu sein.

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Holandsfjord

Es schien, dass sich die Wolken immer weiter nach oben verzogen, je tiefer wir in den Fjord hineinfuhren. Sollten wir das Glück haben, den Engabreen, wie schon im Vorjahr mit dem Auto wieder bei strahlendem Sonnenschein zu erleben? Wir werden es sehen.

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Ågskardet – Meløy kommune

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Und nun sahen wir an Steuerbord Rendalsvik mit der zwischenzeitlich geschlossenen Graphitgrube. Dahinter lag der 732 m hohe Stortind. Das Wasser nahm schon die türkisgrüne Farbe des Gletscherwassers an. Der Gletscher schien nicht weit weg zu sein.

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Keine fünf Minuten später tauchte die Zunge des Engabreen um die Ecke auf. Der obere Teil des Gletschers wurde schon von der Sonne beschienen.

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Zuvor aber sahen wir an Steuerbord einen anderen Ausläufer des Svartisen: Den Fondalsbreen.

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Fonndalsbreen

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Fonndalsbreen mit Fonndalselva

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Fonndalsbreen mit Fonndalselva

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Fonndalsbreen mit Fonndalselva

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Der obere Teil des Engabreen, 1.100 m hoch

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Engabreen

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Der untere Teil der Gletscherzunge des Engabreen

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Der untere Teil der Gletscherzunge des Engabreen

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Es ist jedes Mal faszinierend, wenn die Sonne es schafft mir ihren Strahlen die Wolkendecke zu durchbrechen und gewissermaßen Strahlen wie Scheinwerfer auf das Wasser zu werfen.

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Um kurz vor 19.00 Uhr fiel der Backbordanker auf 130 m Wassertiefe. Das erforderte doch das „Stecken“ von sehr viel Ankerkette. Kapitän und Lotse beobachteten, ob der Anker hält.

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Die AMADEA hatte „8 Schäkel gesteckt“, d.h. 8 x 27,5 m = 220 m Kette. Eigentlich liegt ein Schiff, wenn es am Anker liegt, nicht am Anker, sondern an der Kette. Die Kette liegt dann am Grund und der Anker greift in den Grund eigentlich nur bei Zug ein. Deswegen dauerte „unser“ Ankermanöver auch eine gute halbe Stunde, bevor der Kapitän die Tenderboote freigab.

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Vom Tenderboot hatten wir diese fantastische Perspektive auf den Gletscher und den blauen Himmel zusammen mit dem Vorschiff der AMADEA.

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Der Anleger Enge

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Am Anleger lag ein schönes Segelschiff, ein Colin-Archer-Typ, besonders fotogen mit der AMADEA im Hintergrund.

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AMADEA im Holandsfjord am Anker

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Wir machen uns ganz langsam auf den Weg über das unebene Gelände. Das ist heute besonders schwierig, da die Beine meiner Frau nicht so recht wollen. Mal sind es meine, dann wieder ihre, die Schwierigkeiten machen. Dennoch entgehen uns so kleine hübsche Farbflecken, wie die Wiesenplatterbse nicht.

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Um 20.00 Uhr kamen wir dann an der Brestua an …

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… von wo aus wir den Blick auf den Engabreen und den strahlend blauen Abendhimmel genossen – „Abend“?? Wir hatten doch Anfang Juni und sind doch nördlich vom Polarkreis.

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Übrigens bei frischen Waffeln und Kaffee. Was Besseres gab es nicht.

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Ende der Gletscherzunge und der Abfluss aus dem Engabrevatnet.

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Langsam ging es zurück aufs Schiff und von Land aus hatten wir diesen friedlichen Anblick auf Schiff und Fjord.

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Oder diesen.

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Kurz vor dem Anleger hatten wir noch diesen Blick auf den 1.011 m hohen Mannhauetund die 1.091 m hohen Midnattsoltinden.

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Hier spiegeln sich Gletscher und Felsen im Fjordwasser.

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Es war jetzt 23.00 Uhr und langsam legten sich die Schatten der Berge auf die Gletscherzunge und die Berge färbten sich rötlich.

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Auch die vorhin noch in weiß und blau gewesene Gletscherzunge färbte sich in ein abendliches Orange. Zwischen Gletscherzunge und dem Fjord liegt der Engabrevatnet, der sich nach der Gletscherschmelze in den 1940er Jahren gebildet hat. Die Eisdecke des Engabreen bemisst sich auf 450 m, jedoch zieht sich der Gletscher immer noch zurück. Im Jahr 1910 war die Gletscherzunge nur 50 m vom See entfernt, 1945 waren es bereits 1000 m.
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Ich warf noch einmal einen Blick auf das Bordprogramm und frage mich, wie man sich bei diesem wunderschönen, schon fast erhabenen Anblick in die Vista-Lounge verziehen kann, um Klaviermelodien zu genießen oder in Harry’s Bar zur gleichen Zeit das Tanzbein zu schwingen oder eben abgeschieden um 21.30 Uhr im Bordkino einen „Überraschungsfilm“ zu sehen?
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An Bord angekommen, genossen wir unsere Getränke zunächst noch achtern auf Deck 8 in der Außenbar mit „Naturkulisse“. Da aber ab 21.30 Uhr wieder Partystimmung mit Showband angesagt war, ergriffen wir die Flucht und verbrachten den Rest des Abends (???) auf unserem Balkon – mit den Stimmen der Natur.

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Engen am Holandsfjord. Um 23.00 Uhr erließ die AMADEA ihren Ankerplatz in Richtung Harstad – übrigens Auslaufmelodie und Babystimme dieses Mal nur drinnen.

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Fonndalsbreen und Fonndalselva in der Mitternachtssonne. Jetzt war für uns die Stunde gekommen, um die immer wieder faszinierende Stimmung einzufangen, welche die Mitternachtssonne zaubert.

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Esøya Arhjaugfjord

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Apsnetet Arhaugfjord – um 23.18 Uhr

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Bjørntinden 887m , Arhaugfjord

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Arhaugfjord

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Arhaugfjord und hinten der Svartisen

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Svartisen um 23.20 Uhr

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Skarsfjord

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Arhaugfjord bei Esvika um 23.27 Uhr

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Die Sonne scheint an der Bergkante am Skarsfjorden; rechts der Skarstinden 641 m

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Da die Norweger die Mitternachtssonne ja zur Genüge (?) kennen, vermutete ich, dass die Bewohner dieses Häuschens wohl schon schliefen.

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Der 488 m hohe Harfjelltinden auf Amnøya

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Åmnøyhamna und Bolga am Skarsfjord

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Bolga und Bolgfjord um 23.50 Uhr

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Und ein ganz besonderes Erlebnis muss es für Angler sein, kurz vor Mittarnacht im Boot zu sitzen und die Stille zu genießen.

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Der 1.544 m hohe Helgelandsbukken mit dem Svartisen am Skarsfjord

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Bolga, Meløy Kommune

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Und um 23.56 Uhr begrüßte uns noch der Vollmond vor der Helgelandsküste

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Der Svartisen um 23.57 Uhr, aufgenommen mit dem 400 mm-Objektiv.

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Helgelandküste und Mitternachtssonne um 00.05 Uhr

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Dann gingen wir noch einmal an Deck. Keine Menschenseele war zu sehen. Die haben sich wohl müde getanzt. Wir aber genossen die diese Ansicht bei Vollmond und Mitternachtssonne.

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Der Vollmond ist unter dem Rettungsbootsdavit zu erkennen. Es war 12 Minuten nach Mitternacht.

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Um 00.18 Uhr konnten wir wegen der für uns ja ungewöhnlichen Stimmung und angesichts der Pastellfarben immer noch nicht in die Koje finden.

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Aber jetzt ging’s in die Koje.

Und wir fuhren in der hellen Nacht weiter entlang der Nordlandküste in Richtung Tjeldsund.

Gruß
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Rapakiwi » Sa, 30. Jun 2018, 21:27

Bei dem schönen Wetter Reiseberichte schreiben... :shock:

Deine Berichte enthalten immer erfreulich viele Informationen zwischen den schönen Bildern. Da war auch schon die Fahrt auf der Elbe spannend zu lesen...

Vollmond und Mitternachtssonne zusammen ist ja auch ein tolles Erlebnis. Ich freue mich auf die Weiterfahrt und streue schon einmal ein erstes Danke für den Reisebericht ein :super:
Ha det bra
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Ronald » So, 01. Jul 2018, 11:41

Moin,
@Anja: Danke schon einmal.
Reisebericht schreiben bei schönem Wetter: Ich habe einen dicken geschwollenen Fuß links und ein ebenso geschwollenes Knie rechts - Arthrose und nicht zu knapp. Daher hochgelegtes Bein links und abwarte.
Hoffe, dass es bald weg ist.
Schönen Sonntag noch.
Gruß
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Re: Mit MS AMADEA auf Nordkurs - Teil 1

Beitragvon Pedrolino » So, 01. Jul 2018, 13:31

Danke für den tollen Reisebericht und die fantastischen Bilder. :D

Wünsche Dir baldige Besserung für Deine Arthrose

Liebe Grüße
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » Mo, 02. Jul 2018, 15:11

Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 5
Mittwoch 11. Juni 2014 – Harstad – Vesterålen


Das Wetter spielte auch heute wieder mit und wir genossen die Fahrt durch den Tjeldsund. Bisher kannten wir ja „nur“ die Fahrt durch den Raftsund. Und wir ahnten ja auch nicht, dass wir auf einer anderen Reise hier am Tjeldsund übernachten werden.

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Das 1.010 m hohe Trollfjellet und Tjeldøya

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Im Tjeldsund bei Ballstad

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Der 980 m hohe Jotind auf Tjeldøya

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An der Storbåen bei Evenskjer kurz vor der Tjeldsundbrua überholten wir einen Segler aus Hamburg. Es war ein „Einhandsegler“, d.h. er fuhr alleine. Nach Rückkehr von der Reise ermittelte ich, dass er seinen Stammplatz im Hamburger City-Sportboothafen hatte. Ich schickte dem Hafenmeister per E-Mail Fotos von der Begegnung. Leider habe ich nie eine Rückmeldung erhalten.

Gegenüber von Evenskjer auf Hinnøya lag dieses tolle Hotel. Es war wieder eine alte Handelsstätte. Das Hotel wurde um diese Handelsstätte gebaut. Gerne hätten wir 2017 dort übernachtet. Stattdessen waren wir ja in diesem „Touristenbus-Durchschleusungshotel“ an der Tjeldsundbrua gelandet. Man kann eben nicht alles haben.

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Sandtorg hotell handelssted

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Bei Evenskjer sahen wir diesen „ramponierten“ Schlepper. Es war die CHANKO. Der Schlepper CHANKO war am 22. Februar 2014 bei Edøya vor Sommarøya nach einem Maschinenausfall in 6 m hohen Wellen auf die Felsen geworfen worden. Die vierköpfige Besatzung rettete sich in ein kleines Rettungsboot und wurde später vom Seenotrettungsboot „KAPTEIN SKAUGEN“ unverletzt gerettet. Die CHANKO hatte sechs Lachszuchtkäfige im Schlepp, die später auf auf den Klippen von Edøya landeten.

Quelle: https://www.helg.no/lokale-nyheter/fire ... 63-7310255

Und hier ist noch ein Luftfoto:

https://www.google.de/search?
q=Chanko+havari&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwjc6ZK6if7bAhWPZFAKHQK9Dn4QsAQIKA&biw=1920&bih=911#imgrc=VCU4gevpu289IM:&spf=1530454008887

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Um 10.30 Uhr passierten wir die Tjeldsundbrua. Diese 1.007 m lange Hängebrücke verbindet die Vesterålen und Lofoten mit dem Festland. Sie wurde 1967 nach nur 30 Monaten Bauzeit von König Olav V eröffnet.

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Über die kleine Schäre Grasholmen hinweg konnten wir schon über dem Vågsfjord unser nächstes Ziel Harstad und die über 1.000 m hohen Gipfel auf der Nachbarinsel Grytøya sehen.

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Kapitän und Lotse ließen die AMADEA richtig schön nahe an die mittelalterliche Kirche von Trondenes bei Harstad heranfahren. Da brauchte ich noch nicht einmal die 400 mm-Kanone. Hinter der Kirche „thront“ der 722 m hohe Storhornet.

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Trondenes Kirche. Der Bau der Kirche selbst wird dem 13. Jahrhundert zugeordnet, obwohl an dieser Stelle bereits 1114 eine Kirche von König Øystein errichtet worden sein soll. Sie ist die nördlichste mittelalterliche Steinkirche Kirche in Norwegen. Wer noch Details über die Kirche erfahren will:
search.php?keywords=Trondenes&t=30971&sf=msgonly

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Langsam näherte wir uns Harstad. Im Hintergrund sind die Berge von Grytøya zu sehen. Der Zeitpunkt des Anlaufens zur Mittagszeit ist gut, denn die Hurtigrutenschiffe treffen sich hier morgens recht früh gegen 07.30 Uhr.

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Es war schön zu sehen, dass die neue 1958 geweihte Kirche von Harstad etwas vom „alten“ Stil hat.

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Harstad – Die Hafenverwaltung und Anlegestelle für die Schnellfähren zu den Nachbarinseln.

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Nun lagen wir fest vertäut an der „Hurtigrutekaia“. In Harstad hatten wir einige Aufgaben zu erledigen, die wir in den vorigen Häfen nicht schafften, weil entweder Pfingsten war oder wir spät eingelaufen waren in Ålesund. In Harstad steuerten wir als erstes eine Apotheke an, um Kopfschmerztabletten für meine Frau zu kaufen. Ihre waren aufgebraucht und sie plagte sich seit einigen Tagen nicht nur mit dem lädierten Bein sondern auch mit einer Erkältung herum. Sie meinte: „Lazarus hätte ruhig zu Hause bleiben können“.

Dann machten wir uns auf die Suche nach einem Netcom-Geschäft, um meinen Internet-Stick aufzuladen. In einem Geschäft erfuhren wir, dass wir den Bus zum Einkaufszentrum am Stadtrand nehmen sollten. Das war uns etwas unsicher, weshalb wir ein Taxi nahmen. Der Taxifahrer war sehr nett. Als er erfuhr, dass wir ein Netcom-Geschäft suchten, meinte er, das sei gleich in der Nähe. Dort sei man sehr kompetent und freundlich. Von dort könnten wir dann auch zu Fuß zurück laufen. Also hatte er eine kürzere Strecke als zum Stadtzentrum, dafür aber etwas mehr Trinkgeld. Und auch dort wurden wir sehr zuvorkommend bedient. Private Netcom Sticks werden eigentlich nicht mehr aufgeladen, erklärt uns der Verkäufer. Für uns hat man jedoch eine Ausnahme gemacht. Na, wenn das nicht nett ist. Nun ist unser Laptop wieder internetfähig, jedenfalls solange wir noch in Norwegen sind.
So machten wir uns wieder auf den Rückweg. Es war tatsächlich nicht weit bis ins Zentrum.

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In der Storgata 30 konnten wir dieses schöne Haus mit den imposanten Kanonen fotografieren. Leider konnte ich nicht herausfinden, welche Historie hinter diesem Ensemble von drei Häusern steckt. Heute befindet sich hier eine Anwaltskanzlei. Ich hoffe nicht, dass diese vor Gericht mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Wir bummelten n ein wenig herum, trinken vor einer Bäckerei Kaffee und bummeln weiter. Es war offensichtlich Markttag.

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Richard Kaarbøs gate

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Und über die kleinen Häuser ragte der Aufbau der AMADEA. Am Hafen lockte ein Fischgeschäft. Wir könnten ja noch eine Kleinigkeit essen, es musste ja nicht immer an Bord sein. Gesagt, getan. Meine Frau ließ sich ein Fisch Cordon-bleu schmecken. Das gibt’s bei uns, glaube ich, nicht; jedenfalls habe ich das noch nirgends gesehen. Gute Wahl, es war super.

Nun stand nur noch ein Hemdenkauf auf dem Programm, denn meine weiße Hemden – für die Gala-Abende - waren „eingelaufen“ oder – wie schon geschrieben – ist der Hals dicker geworden. Wir klapperten verschiedene Geschäfte ab, fanden jedoch nichts. Trägt man in Norwegen keine weißen Hemden? Dann klappte es aber doch noch und nun konnte ich ohne nach Luft zu ringen galamäßig auftreten.

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Strandgata Harstad …

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… das imposante Jugendstil-Gebäude der Sparebanken Harstad.
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An Bord legten wir uns noch etwas in die Koje, um zum Auslaufen wieder fit zu sein.
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Die AMADEA verließ um 18.00 Uhr Harstad mit dem Ziel Hammerfest „in Norwegen“ laut Babystimme. Aber die Ansage muss wohl auch sein, denn meine Frau schnappte folgende Frage eines Passagiers auf: „Longyearbyen? Wo liegt das denn?“ ????

Da bucht man eine Reise und es werden alle Anlaufhäfen auch in der Reisebeschreibung aufgelistet und dann solch eine Frage. Wie war das noch: Nimm die Menschen wie sie sind, es gibt keine anderen.
Wir fuhren durch den Vågsfjord, Solbergfjord, den Gisund und an Finnsnes vorbei.

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Vågsfjord. Die Schleierwolken zauberten eine eigenartige, aber schöne Stimmung.

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Vågsfjord

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Der 1.237 m hohe Løksetinden in der Kommune Durøy.

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Vor Grytøy bildete sich eine Nebelschicht.

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Unberührt war das Schneefeld am Gipfel des 998 m hohen Klåptinden.

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Irgendwie bedrohlich standen die Lavangentinden bei Ibestad auf Andøya.

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Im Solbjergfjord mit Blick auf Senja bei Brøstadbotn.

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Wir fuhren in den Abend hinein, hier mit Solbergfjord mit Blick auf Senja.

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Ein Fischkutter kehrte vom Fang heim, Solbergfjord

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Um 20.45 Uhr passierten wir Finnsnes.

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Lenvik Kirche, die 1879 gebaut wurde. Sie steht gegenüber der Gemeinde Gibostad.

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Slettneset am Gisund

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Eine kleine Wolke bildete sich am Bakkybyskaret in der Balsfjord Kommune. Es war jetzt 22.15 Uhr.

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Der Rystraum im Straumsfjord bei Balnesodden kann bis zu bei entsprechenden Windlagen und Tidenverhältnissen über 6 kn, entsprechend 11 km/h und mehr stark werden und dabei große Wirbel entwickeln.

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Um 23.25 Uhr passierten wir die Sandnessund-Brücke. Sie verbindet die Inseln Tromsøya und Kvaløya mit einer Länge von 1220 m. Die Durchfahrtshöhe beträgt 41 m, die Tromsøbrua hat hingegen eine Durchfahrtshöhe von 38 m – vielleicht ein Grund, warum Kapitän und Lotse sich für diesen Kurs entschieden hatten. Die Höhe der AMADEA ist mir nicht bekannt.

Und dann hatte meine Frau wieder eine kleine Anekdote aufgeschnappt:
„Plötzlich kommt ganz aufgeregt ein Mann an Deck. „Jetzt hamma doch tatsächlich Tromsø verpasst. Dat war doch am Heck links. Dat hätten se doch wenigstens mal durchsagen können.“
Es ist jetzt 23 Uhr 40, etwa 50 Minuten nach Passieren Tromsø. Der hat sich wohl die Show angesehen, dann verpasst man so etwas eben. Jedenfalls stürmt er wie ein geölter Blitz an uns vorbei und holt seine Kamera. Was er damit jetzt noch aufnehmen will, erschließt sich uns nicht.“


So langsam bekamen wir Schlafaugen und verzogen uns in unsere Kammer.

Fortsetzung folgt.
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Mit MS AMADEA auf Nordkurs

Beitragvon Ronald » Di, 03. Jul 2018, 13:27

Mit MS AMADEA auf Nordkurs – Teil 6
Donnerstag, 12. Juni 2014– Hammerfest, Honningsvåg

Hammerfest erreichte die AMADEA um 08.00 Uhr. Die Distanz zwischen Harstad und Hammerfest betrug 250 sm, demnach betrug die Durchschnittsfahrt 17,86 kn entsprechend 33 km/h. Da meine Frau noch immer heftig an ihrer Erkältung litt und ich (mal wieder) einen dicken Fuß hatte, blieben wir liegen und ließen das Frühstück ausfallen. Verhungern werden wir auf diesem Schiff garantiert nicht. Mineralwasser hatten wir noch und wollten in Honningsvåg „bunkern“.
Über Hammerfest hatte ich ausführlich hier berichtet:
search.php?keywords=Hammerfest&t=30971&sf=msgonly
Teil 15 – Endelig Sommer i Norge!
Tag 28 – 13. Juni 2017 – Lakselv – Olderfjord – Hammerfest
… und Folgetag.
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Aber zum Auslaufen waren wir dann doch wieder auf unserem Balkon, obwohl es heute ziemlich grau war.

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An der Hurtigrutenpier lag die südgehende RICHARD WITH, das Schiff unserer ersten Hurtigrutenreise 2007.

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Und auch das „Wahrzeichen“ von Hammerfest, die den Trockenfischgestellen in ihrer Dreiecksform gebaute, 1961 geweihte Kirche musste noch einmal als Motiv herhalten.
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In „unseren Club“, also den Eisbärenclub wollten wir auch nicht – demnach hatten wir dieses Mal nichts versäumt. Und Hammerfest sollte ohnehin auf der Liste einer unserer nächsten Reisen stehen, also mit zwei Übernachtungen.
Um 12.00 Uhr erklangen wieder Auslaufmelodie und Babystimme: Nächstes Ziel Honningsvåg. Darauf warteten wohl schon viele Passagiere gespannt, denn von dort wurden drei Ausflüge angeboten: Natürlich Nordkapp, nördlichste Fischerdörfer der Welt, nämlich Skarsvåg und Gjesvær und Königskrabbensafari mit dem Schlauchboot.

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Die Insel Melkøya mit ihrer riesigen Gasverflüssigungsanlage passierten wir an Steuerbord. Hier wird das in der Barentssee im Gasfeld „Schneewittchen“ geförderte Gas „angelandet“ und zu Flüssiggas „verarbeitet“, das dann von Flüssiggastankern in alle Welt transportiert wird. Die Anlage war nicht immer ganz unbestritten, wie man hier nachlesen kann:
https://de.wikipedia.org/wiki/Melk%C3%B8ya
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Mit wenigen Ausnahmen verblieben wir, u.a. aus oben genannten Gründen drinnen.
Meine Frau berichtet dann wie folgt:
„Später beim Mittagessen lernen wir ein nettes Ehepaar aus Hamburg kennen, das auf unserer Linie liegt. Man trifft doch immer wieder Leute, die man noch nie gesehen hat. Wo sind die bloß immer alle? Aber bei den vielen Unterhaltungsangeboten kann man sich eben gut aus dem Weg gehen – was auch nicht immer das Schlechteste ist. Diese beiden sind jedenfalls positiv und aufgeschlossen und so entsteht eine lebhafte Unterhaltung. Vielleicht trifft man sich ja mal wieder? Das wäre schön, meint der Mann. –Um es vorwegzunehmen: Wir haben sie nicht wiedergesehen.“

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Vor Havøysund, einem der Hurtigrutenhäfen, passierten wir den nördlichsten Windpark der Welt. Der Himmel zeigte sich hier noch grau.

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Der Kobbefjord wurde an Steuerbord passiert und hier am nördlichen Ende der Porsangerhalbinsel bei Stiikonjárga, Stikkelvågkjerringa riss die Bewölkung auf und die Sonne ließ sich blicken.

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Und für uns nichts Ungewöhnliches mehr, bei Stiikonjárga lag in den geschützten Felsfalten noch Schnee, der allerdings langsam aber sicher zu einem kleinen Wasserfällchen schmolz.

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Die AMADEA drehte nun in den Magerøysund ein. Hier kann es manches Mal ganz schön pfeifen, denn der Sund wirkt wie ein Trichter, so dass der einströmende Wind regelrecht „verdichtet“ wird und damit an Geschwindigkeit zunimmt. Heute war es jedoch ruhig.

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Tatsächlich mal ein Flüsschen mit einem Namen: Slettelva bei Stiikonjárga auf der Porsangerhalbinsel.

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Allerdings ungewöhnlich war für uns, diese Gegend bei Girsevákkegohpi auf Magerøya – der wirklich mageren Insel – die Küsten nicht mehr komplett in Schnee eingehüllt zu sehen.

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Girsevákkegohpi

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Und es zeigte sich auch etwas Grün auf Magerøya.

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Faszinierend zu sehen waren die ausgewaschenen Felshöhlen, die im Winter bis ins späte Frühjahr von Schnee bedeckt sind.

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Und hier sahen wir bei Sildnebbet, kurz vor der letzten Umrundung von Magerøya Richtung Honningsvåg, einen Wasserlauf „ohne Namen“.

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Die Mächtigkeit dieses Felsens konnten wir im Vergleich zu diesem Fischkutter sehen.

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Die Sonne zauberte ein tolles Licht auf diese karge Landschaft. In den Frühjahrsmonaten konnten wir hier tolle rosarot-Färbungen erleben.

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Und noch ein Wasserfall auf Magerøya in der Bucht Store Svartholet, soviel wie „Großes Schwarzloch“. Und auch dieser Wasserfall hatte keinen Namen.

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Nachdem wir dieses „Schwarzloch“ passiert hatten, zeigte sich Honningsvåg – und wir konnten schon die ersten Passagiere mit den Hufen in der Atlantik-Lounge scharren hören, denn die Ausflüge begannen schon bald nach der Ankunft.
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Wir gingen an Land, um unsere Mineralwasservorräte aufzufüllen. Gleichzeitig bot sich die Gelegenheit norwegische Schokolade für unserer „Kammerfeen“ als kleinen Dank für ihren hervorragenden Service zu kaufen. Die Freude war riesengroß bei unseren vier Damen von Deck 10.
Wir genossen ein ausgesprochen ruhiges Abendessen und anschließend die Ruhe in der Vista Lounge, das Schiff schien wie ausgestorben.

Und hier hatten wir auch die Ruhe, schon einmal die bisher geschossenen Fotos zu sichten.

Ansonsten gab’s von diesem Tag nicht mehr zu berichten.

Fortsetzung folgt
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